{"id":58473,"date":"2020-02-15T11:45:52","date_gmt":"2020-02-15T10:45:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58473"},"modified":"2020-02-17T07:28:06","modified_gmt":"2020-02-17T06:28:06","slug":"das-iran-und-hisbollah-phantom-wie-eine-geheimdienstliche-intrige-israels-und-der-usa-die-aussenpolitik-lateinamerikas-vergiftet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58473","title":{"rendered":"Das Iran- und Hisbollah-Phantom \u2013 Wie eine geheimdienstliche Intrige Israels und der USA die Au\u00dfenpolitik Lateinamerikas vergiftet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil 1: Donald Trumps Exhumierung einer 26-j&auml;hrigen Verschw&ouml;rungstheorie<\/strong><br>\nNach der Ermordung General Qassem Suleimanis durch eine US-amerikanische Drohne und dem iranischen Vergeltungsschlag, beides im Irak, suggerieren die Haltungen der Administrationen Donald Trump und Hassan Rohani eine vorl&auml;ufige Deeskalierung des Konflikts. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5399\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-58473-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200215-Das-Iran-und-Hisbollah-Phantom-Teil1-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200215-Das-Iran-und-Hisbollah-Phantom-Teil1-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200215-Das-Iran-und-Hisbollah-Phantom-Teil1-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200215-Das-Iran-und-Hisbollah-Phantom-Teil1-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=58473-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200215-Das-Iran-und-Hisbollah-Phantom-Teil1-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200215-Das-Iran-und-Hisbollah-Phantom-Teil1-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Eindruck t&auml;uscht, auf jeden Fall seitens der USA. Die Trump-Administration zauberte in den vergangenen Wochen mit der buchst&auml;blichen Exhumierung einer sechsundzwanzig Jahre alten Verschw&ouml;rungstheorie im Handumdrehen einen neuen potenziellen Kriegsschauplatz aus dem Hut; diesmal in Lateinamerika.<\/p><p>Demnach bedrohe der Iran, insbesondere jedoch die von ihm unterst&uuml;tzte libanesische Partei und schiitische Miliz Hisbollah, <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/americas\/hezbollah-is-real-threat-in-south-america-pompeo\/1709602\">die Sicherheit Lateinamerikas<\/a>. Dies Behauptung stellte US-Au&szlig;enminister Mike Pompeo am 20. Januar als Antwort auf eine Frage des kolumbianischen Radiosenders <em>La W<\/em> auf, wie verl&auml;sslich die Beobachtungen der Hisbollah in Venezuela durch den amerikanischen Geheimdienst seien. Als l&auml;rmende B&uuml;hne zur Wiederinszenierung der Iran\/Hisbollah-Legende hatte Pompeo Ende Januar einen einw&ouml;chigen, sogenannten &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/america\/america-latina\/2020\/01\/20\/en-vivo-comenzo-en-bogota-la-cumbre-hemisferica-contra-el-terrorismo\/\">Hemispherischen Anti-Terrorismus-Gipfel<\/a>&ldquo; in die kolumbianische Hauptstadt Bogot&aacute; einberufen und eine europaweite Offensive zum Verbot von Hisbollah gestartet, die seit 1995 auf einer US-Schwarzliste als &bdquo;terroristische Vereinigung&ldquo; gef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Der hartn&auml;ckige Druck des US State Departments mit dem Ziel der Kriminalisierung der libanesischen Partei und Miliz wird seit Jahren ausge&uuml;bt, hat jedoch seine Wiege in Israel. Die Offensive zeigte allerdings Wirkung, kurz vor und nach Pompeos Ansturm.<\/p><p><strong>Das eingestimmte lateinamerikanische &bdquo;Orchester&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im August 2019 folgte Paraguay dem US-Exempel und stufte nicht allein Hisbollah, sondern auch die pal&auml;stinensische Partei und sunnitische Widerstandsorganisation Hamas <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/america\/america-latina\/2019\/08\/19\/paraguay-declaro-a-hezbollah-y-hamas-como-grupos-terroristas\/\">als &bdquo;terroristisch&ldquo;<\/a> ein. Dem wollte das brasilianische Bolsonaro-Regime nicht nachstehen und erkl&auml;rte Ende des gleichen Monats, <a href=\"https:\/\/www.correiobraziliense.com.br\/app\/noticia\/mundo\/2019\/08\/20\/interna_mundo,778079\/apos-paraguai-considerar-hezbollah-terrorista-brasil-pode-copiar.shtml\">auch in Brasilien<\/a> erw&auml;ge man diese politische Klassifizierung. Doch der rechtsextreme Pr&auml;sident <a href=\"https:\/\/renovamidia.com.br\/jair-bolsonaro-compara-mst-ao-hezbollah\/\">legte noch einen drauf<\/a> und behauptete, die einheimische, der Arbeiterpartei (PT) nahestehende Bewegung der Landlosen (MST) sei das Gleiche wie Hisbollah und Hamas, weil &bdquo;die Typen hier auf dem Land Terrorismus betreiben&ldquo;.<\/p><p>Auf dem Anti-Terrorismus-Gipfel im Januar 2020 erhob nun Kolumbiens ultrarechter Pr&auml;sident Iv&aacute;n Duque den Zeigefinger und richtete ihn nach Osten. In Venezuela seien Zellen der &bdquo;libanesischen Terroristengruppe Hisbollah&ldquo; t&auml;tig. Duque &bdquo;garantierte&ldquo;, dass sie <a href=\"https:\/\/observador.pt\/2020\/01\/21\/presidente-da-colombia-denuncia-presenca-de-hezbollah-na-venezuela\/\">&bdquo;vom Regime Nicol&aacute;s Maduros&ldquo; unterst&uuml;tzt<\/a> w&uuml;rden.<\/p><p>Bereits eineinhalb Monate zuvor hatte jedoch Julio Borges &ndash; sogenannter &bdquo;Au&szlig;enminister&ldquo; des selbsternannten &bdquo;Pr&auml;sidenten Venezuelas&ldquo; Juan Guaid&oacute; &ndash; mit <a href=\"https:\/\/twitter.com\/JulioBorges\/status\/1204083188013899778\">einem Tweet<\/a> signalisiert, aus welcher genauen Richtung der wiedergek&auml;ute Anti-Hisbollah-Sturm wehte. &bdquo;Vor dem israelischen Premierminister @netanyahu prangern wir Maduros Verbindungen zu terroristischen Gruppen wie der Hisbollah und die Bedrohung an, die seine Diktatur und Kuba f&uuml;r den Frieden und die Sicherheit der Hemisph&auml;re darstellen&ldquo;, erkl&auml;rte Borges in Tel Aviv.<\/p><p>Als dissonante Geigen im von Israel und den USA eingestimmten lateinamerikanischen Orchester wirkten allerdings Argentiniens frischgew&auml;hlter Pr&auml;sident Alberto Fern&aacute;ndez und seine Ministerin f&uuml;r Innere Sicherheit, die Anthropologin Sabina Frederic. Die scharfe Abgrenzung der Ministerin wurde in Tel Aviv und Washington wie ein Schlag ins Gesicht empfunden. &bdquo;Mit dem Terrorismus laden wir uns ein Problem auf den Hals, das wir nicht haben. Das war eine Forderung der USA an die Regierung (Macri). Terrorismus ist ein Problem der NATO, aber nicht unseres&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.icndiario.com\/2019\/12\/el-cruce-entre-alberto-fernandez-e-israel-por-la-calificacion-de-terrorista-a-hezbollah\/\">erkl&auml;rte Frederic<\/a>.<\/p><p>Fern&aacute;ndez hatte bereits kurz nach seiner Wahl in einem als <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/politica\/2019\/11\/20\/alberto-fernandez-le-comunico-a-la-embajadora-de-israel-que-analiza-derogar-el-decreto-que-declaro-a-hezbollah-como-agrupacion-terrorista\/\">&bdquo;freundlich&ldquo; bewerteten Gespr&auml;ch<\/a> mit dem israelischen Botschafter in Argentinien signalisiert, er werde das von seinem Vorg&auml;nger Mauricio Macri erst im Juli 2019 auf Bitten Donald Trumps verabschiedete <a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.com\/A-pedido-de-Trump-Macri-firma-un-decreto-para-declarar-terrorista-a-Hezbollah\">Dekret zur Terrorismus-Einstufung<\/a> der Hisbollah annullieren.<\/p><p><strong>Wird auch Heiko Maas sich dem Ansturm beugen?<\/strong><\/p><p>Der sozialdemokratische Bundesau&szlig;enminister Heiko Maas f&uuml;hlte sich ebenfalls von der israelisch-US-amerikanischen Kampagne angesprochen und verk&uuml;ndete ein Durchgreifen. Der politische Druck begann im deutschen Bundestag im letzten Quartal 2019.<\/p><p>Nach US-amerikanischen Angaben, die angeblich mit der Iran- und Hisbollah-Politik Deutschlands vertraut sind, lehne die Regierung Angela Merkel die Verbots-Forderung der USA ab, da die libanesische Partei und Miliz &bdquo;Teil der israelisch-pal&auml;stinensischen Friedensgespr&auml;che ist&ldquo;; eine Anerkennung, die frontal von Israel und der Trump-Administration zur&uuml;ckgewiesen wird.<\/p><p>Das vollst&auml;ndige Verbot der Hisbollah &ndash; also auch ihres sogenannten &bdquo;politischen Arms&ldquo;, da die Organisation niemals milit&auml;rische Operationen auf deutschem Boden aus&uuml;bte &ndash; ist <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/world-news\/europe\/german-parliament-passes-motion-urging-total-ban-on-hezbollah-1.8290992\">nach Angaben<\/a> der israelischen Tageszeitung <em>Haaretz<\/em> ein eindeutiges Druckmittel Israels und der USA, die beide die Einsch&auml;tzung ablehnen, wonach der politische und der milit&auml;rische Fl&uuml;gel der libanesischen Partei getrennte Einheiten seien. Der Druck erhielt selbstverst&auml;ndlich militanten Kampagnen-Charakter mit der publizistischen Aktivit&auml;t der Israel-Lobby &ndash; wie dem in Wien ans&auml;ssigen &bdquo;unabh&auml;ngigen Think Tank&ldquo; Mena-Watch &ndash; die die deutsche Regierung mit der Forderung n&ouml;tigte: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.mena-watch.com\/wird-die-hisbollah-in-deutschland-endlich-verboten\/\">Wird die Hisbollah in Deutschland endlich verboten?<\/a>&ldquo;<\/p><p><strong>Israels Dem&uuml;tigung im Libanon, Irans und Hisbollahs erfolgreicher Kampf gegen den &bdquo;Islamischen Staat&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im R&uuml;ckspiegel der Nachrichtenflut und der Mutma&szlig;ungen betrachtet, ist der sechsundzwanzig Jahre alten Doppel-Fabulierung Iran\/Hisbollah ein israelisches Pal&auml;stina-Konstrukt aus dem Jahr 1982 zu entnehmen. In der Zwischenzeit wurde es jedoch von der rechtsradikalen Machtgruppe in Tel Aviv im B&uuml;ndnis mit s&auml;mtlichen US-Regierungen &ndash; ob demokratisch oder republikanisch &ndash; als Legende weltweit exportiert.<\/p><p>Zwei getrennte Szenarien bilden den Hintergrund der Iran\/Hisbollah-Verbohrtheit. Das erste von ihnen war die Geburt und der unerwartete Gegenschlag der Hisbollah w&auml;hrend der Invasion Libanons durch Israel. Wie bekannt leitete die Pal&auml;stinensische Befreiungsorganisation (PLO) Anfang der 1980er Jahre den Widerstand von ihrem Exil im S&uuml;den Libanons aus und feuerte von dort Katyusha-Raketen in den Norden Israels ab. Als Reaktion darauf marschierte Israel in den Libanon ein, um die PLO zu vertreiben. Das war die Geburtsstunde der Hisbollah als bewaffnete Organisation, jedoch kaum ohne milit&auml;rische und finanzielle Unterst&uuml;tzung durch den Iran, der damals bis zu 2.000 Soldaten der iranischen Revolutionsgarde in den Libanon entsandte.<\/p><p>Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem libanesischen Widerstand dauerten jedenfalls achtzehn lange und blutige Jahre, bis zum Anbruch des neuen Millenniums. Mit dem baldigen Zusammenbruch der christlich-libanesischen und Israel-freundlichen Miliz ESL und dem raschen Vormarsch der Hisbollah zog sich Israel gem&auml;&szlig; der Resolution 425 des UN-Sicherheitsrates am 24. Mai 2000, sechs Wochen vor dem ausgehandelten Ultimatum vom 7. Juli, zur&uuml;ck. Hisbollah feierte den R&uuml;ckzug mit einer Siegesparade und wird seitdem von der Mehrheit der Libanesen als verl&auml;sslichste milit&auml;rische Streitkraft mit nicht zu untersch&auml;tzender Popularit&auml;t angesehen.<\/p><p>Der Aufstieg der Hisbollah bedeutete jedoch gleichzeitig die zunehmende Zur&uuml;ckdr&auml;ngung sunnitischer, pro-saudi-arabischer und Israel-freundlicher Kr&auml;fte, bei wachsendem Einfluss der von Irans Ayatollahs gef&ouml;rderten schiitischen Gemeinschaft. Die Popularit&auml;t der Hisbollah war von Anbeginn ihrem sozialpolitischen Engagement zu verdanken. Ihr umfangreiches soziales Entwicklungsprogramm ist hinl&auml;nglich bekannt, es umfasst den st&auml;dtischen Wiederaufbau des zerst&ouml;rten Libanons, den Betrieb von Krankenh&auml;usern, Schulen und Medien, die finanzielle F&ouml;rderung von Kleinbauern und der landwirtschaftlichen Produktion sowie die finanzielle Unterst&uuml;tzung der Hinterbliebenen gefallener Hisbollah-Soldaten. Taten, die wiederholt <a href=\"http:\/\/www.thenewhumanitarian.org\/report\/26242\/lebanon-many-hands-and-faces-hezbollah\">von den Vereinten Nationen<\/a> und vor knapp f&uuml;nfzehn Jahren selbst von konservativen US-Sendern <a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/2006\/WORLD\/meast\/07\/24\/schuster.hezbollah\/index.html\">wie CNN<\/a> mit Lobesworten wie &bdquo;Hisbollah hat alles getan, was eine Regierung tun sollte&ldquo; anerkannt wurde.<\/p><p>Zur israelisch-US-amerikanischen Demut paarte sich sp&auml;testens 2018 das weltweit offene Geheimnis, dass im Krieg gegen die fundamentalistischen Terrorverb&auml;nde von ISIS und AlQaeda die Russland-Syrien-Iran-Irak-Koalition &ndash; in Boden-Boden-Konfrontationen insbesondere die Truppen Irans und der Hisbollah &ndash; weitaus <a href=\"https:\/\/www.thedailybeast.com\/hezbollah-sucks-the-us-into-its-own-war-on-isis\">effektiver und erfolgreicher k&auml;mpften<\/a> als die des westlichen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses der USA und der NATO. In keinem Fall wollten Israel und die USA den damit verbundenen, neuen Einfluss des Iran und der Hisbollah hinnehmen.<\/p><p>Doch wieder auf die Jahrtausendwende zur&uuml;ckblickend, muss ein anderes Szenario angedeutet werden, n&auml;mlich Argentinien und das Grenzdreieck mit Brasilien und Paraguay.<\/p><p><strong>Das hollywoodsche Grenzdreieck: der Terroranschlag von 1994 in Buenos Aires und die Hisbollah-Iran-Fixierung<\/strong><\/p><p>Die Legende, der Iran und die Hisbollah betrieben Terrorakte rund um die Welt, erfuhr ihre Geburtsstunde im Anschluss an das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/19-jahre-nach-amia-anschlag-argentinien-will-ermittlungen-neu-aufrollen-1.1608583\">Attentat vom 18. Juli 1994<\/a> auf die Argentinisch-Israelische Vereinigung f&uuml;r Gegenseitigkeit (AMIA), bei dem 85 Menschen get&ouml;tet und weitere 300 verletzt wurden. Unmittelbar danach behaupteten Agenten des argentinischen Geheimdienstes SIDE und des israelischen Mossad, die Attent&auml;ter seien Iraner sowie am Grenzdreieck rekrutierte Hisbollah-K&auml;mpfer gewesen.<\/p><p>Die ein Vierteljahrhundert danach stur wiederholte Erfindung gipfelte gar in der l&auml;cherlichen, wenn nicht gar <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dmZNsNp_kW0\">infamen Behauptung<\/a>, die shiitische Partei und Miliz &bdquo;arbeite mit dem international organisierten Verbrechen zusammen, geh&ouml;re zur Narkoszene und erziele Milliarden US-Dollar Gewinne mit dem Drogenschmuggel in die USA&ldquo;. Alles von Venezuela oder dem im S&uuml;den gelegenen Grenzdreieck aus gesteuert. Die Anschuldigungen seien unfair, beruhten nicht auf Tatsachen und entbehrten jeder Grundlage. Hisbollah gehorche einem eindeutigen religi&ouml;sen und moralischen Prinzip, das den Drogenhandel verbiete, <a href=\"http:\/\/arabia.watch\/es\/sept2014\/mainstream\/7316\/Hezbollah-niega-las-acusaciones-de-Estados-Unidos-sobre-tr%C3%A1fico-de-drogas.htm\">erkl&auml;rte der Parteivorsitzende Hassan Nasrallah<\/a> in einer Fernsehansprache.<\/p><p>Der wiederholten Zur&uuml;ckweisung zum Trotz leben die Vorw&uuml;rfe jedoch mithilfe geheimdienstlicher Umtriebe und ausgesuchter Medien weiter. Seit 1994 tummeln sich jedenfalls der israelische Geheimdienst Mossad, mehrere US-amerikanische Spionage-Verb&auml;nde und selbst das dem US-Justizministerium unterstellte FBI am Grenzdreieck mit den aus aller Welt besuchten Wasserf&auml;llen des Igua&ccedil;u. Dass das umfangreiche humanit&auml;re Netzwerk der Hisbollah nicht nur von wohlhabenden libanesischen Unternehmern, sondern von tausenden einfachen Libanesen am Grenzdreieck Argentinien-Brasilien-Paraguay mit Spenden &uuml;ber den internationalen Zahlungsverkehr finanziert wurde, war f&uuml;r den Mossad und die US-Spionage der &bdquo;Beweis&ldquo;, die libanesische Diaspora in S&uuml;damerika sei von Hisbollah unterwandert und finanziere den &bdquo;Terrorismus&ldquo;.<\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/politica\/a-espionagem-americana-no-brasil-por-bob-fernandes\/\">17 Seiten langen Interview<\/a> f&uuml;r den Journalisten Bob Fernandes erz&auml;hlte Carlos Costa &ndash; ehemaliger FBI-Chef an der US-Botschaft in Brasilia &ndash; bereits im Jahr 2004 von der Unterwanderung und dem buchst&auml;blichen Kauf der brasilianischen Bundespolizei (PF) durch das FBI. Die Reportage erschien in der Wochenzeitschrift <em>Carta Capital<\/em> und trug den explosiven Titel &bdquo;Die USA haben (den Regierungspalast) Alvorada angezapft&ldquo;.<\/p><p>Costa, der inzwischen eine Brasilianerin geheiratet hatte und um sein Leben bangte, nahm jedoch kein Blatt vor den Mund. Als erstes rechnete er mit der George-Bush-Administration ab. &bdquo;Bush und Blair wollten Krieg &hellip; Ich habe nie ein Geheimdokument gelesen, das auf die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak hinweist. Was ich las, behauptete das Gegenteil &hellip; Rumsfeld traf Saddam am 20. Dezember &rsquo;82, wir beschafften ihm (Saddam) die Techniken von Anthrax&ldquo;. Den baffen Interviewer und die Leser &uuml;berraschend berichtete er nun mit Blick auf Brasilien, &bdquo;Ihre Bundespolizei geh&ouml;rt uns, hat jahrelang f&uuml;r uns gearbeitet &hellip; und wurde f&uuml;r ein paar Millionen Dollar gekauft&ldquo;.<\/p><p>Auf den Vorwurf Israels und der USA angesprochen, das Grenzdreieck sei eine Drehb&uuml;hne des &bdquo;Hisbollah-Terrorismus&ldquo;, erkl&auml;rte Costa, die Unterstellung sei reine &bdquo;Besessenheit&rdquo;: &bdquo;F&uuml;r sich genommen ist das ein Ort, an dem zwar gesetzwidrige Handlungen stattfinden. Doch Terroristen wurden nie aufgedeckt, und wir haben viel nachgeforscht, auch weil Brasilien uns gefragt hat: &acute;Wissen Sie, wo die Terroristen sind?&acute; Was hier gespielt wird, ist viel Rhetorik &hellip;&ldquo;. Um diese Rhetorik aufrechtzuerhalten, g&auml;be es US-Programme zur Beeinflussung von Presse und Medien allgemein. Und was w&auml;re das f&uuml;r ein &bdquo;Einfluss&rdquo;, wollte Fernandes wissen. &bdquo;Was auch immer n&ouml;tig ist. Jedenfalls eine &ouml;ffentliche Meinung zu unseren Gunsten&ldquo;, antwortete der Ex-FBI-Chef.<\/p><p>Was ist an dem Vorwurf dran, Leute vom Grenzdreieck &uuml;berweisen Geld an die Hisbollah, bohrte Reporter Fernandes nach. &bdquo;Sicher gibt es die, aber die Hisbollah ist eine legale politische Partei mit einem bewaffneten, &acute;terroristischen&acute; Arm. Nun, auch in Detroit, in New York, haben wir amerikanische Staatsb&uuml;rger, die Geld an die Hisbollah, an Waisenh&auml;user und Krankenh&auml;user senden &hellip;&ldquo;, rapportierte Costa mit der Erhellung des eigentlichen Zusammenhangs: &bdquo;Das Ziel war klar&ldquo;. Die USA nutzten im Vakuum des 11. Septembers die Gelegenheit, um den Aufbau eines breiten B&uuml;ndnisses von Geheimdiensten im s&uuml;dlichen Kegel (S&uuml;damerikas) zu forcieren.<\/p><p>Seitdem &uuml;berwacht auch das US-amerikanische FBI Moscheen, Scheichs und muslimische F&uuml;hrer in Brasilien. &bdquo;Aber ich verweigerte diese &Uuml;berwachung&ldquo;, seufzte der FBI-Dissident, der auch vor den brasilianischen Senat geladen wurde. Das war zu Beginn des ersten Pr&auml;sidentschaftsmandats von Luis In&aacute;cio Lula da Silva. Dessen damaliger Justizminister Tom&aacute;s Bastos zuckte gleichg&uuml;ltig mit den Schultern. Dem fahrl&auml;ssig ignorierten Schlangenei entsprang zehn Jahre sp&auml;ter &bdquo;Unternehmen Waschanlage&ldquo; unter F&uuml;hrung von Lulas Scharfrichter, dem vom Dept. of Justice und dem FBI ausgebildeten und amtierenden Justizminister Jair Bolsonaros, S&eacute;rgio Moro.<\/p><p><strong>Vom Propaganda-Film zum Narko-Schinken<\/strong><\/p><p>Seit sechsundzwanzig Jahren beschw&ouml;ren die Geheimdienste Israels und der USA ein Phantom, das realiter nicht zu beweisen war, doch dann zur drehbuchreifen Filmlegende taugte. Die Obsession Tel Avivs und des Wei&szlig;en Hauses schreckte selbst vor promisken Involvierungen von Hollywood-Produzenten nicht zur&uuml;ck, die sich zu einem Spielfilm &uuml;ber den &bdquo;Terrorismus am Grenzdreieck&ldquo; &uuml;berreden lie&szlig;en. Das Thema sollte &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; herstellen und begann im Jahr 2010 mit Kathryn Bigelow, Regisseurin des Bin-Laden-Film-Showdowns <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=k7R2uVZYebE\">Zero Dark Thirty<\/a> und einem 80-Millionen-Dollar-Budget.<\/p><p>Die Produktionsfirma Paramount wollte Hollywood-Star Will Smith in der Hauptrolle, doch der passte Bigelow nicht. Sie verhandelte mit Tom Hanks und Johnny Depp, unterbrach das Projekt, nahm es wieder auf, dachte nun an Sean Penn, Javier Bardem und Christian Bale als Protagonisten und unterbrach das Projekt ein zweites Mal wegen einem Afghanistan-Kriegs-Sujet.<\/p><p>Inzwischen rebellierten Bewohner Brasiliens, Argentiniens und Paraguays samt ihren Regierungen gegen die geplanten Drehorte am Grenzdreieck. &bdquo;Ich habe mit dem argentinischen und dem brasilianischen Tourismusminister gesprochen. Wir sind alle emp&ouml;rt. Sie haben das Grenzdreieck im Auge und wollen uns zu den B&ouml;sewichten der Welt machen&rdquo;, emp&ouml;rte sich Liz Cramer, Paraguays Ministerin f&uuml;r Tourismus, bereits <a href=\"http:\/\/g1.globo.com\/pop-arte\/noticia\/2010\/05\/brasil-paraguai-e-argentina-recusam-apoio-filme-de-vencedora-do-oscar.html\">in einem Interview<\/a> vom Mai 2010. Die drei Regierungen beschlossen, f&uuml;r das Hollywood-Propagandast&uuml;ck keinen Finger krumm zu machen. Das Projekt kam ins Schleudern.<\/p><p>F&uuml;nf Jahre vergingen und man schrieb nun 2015. Die Produzenten hatten die dem Pentagon und der CIA nahestehende und schillernde Bigelow satt und lie&szlig;en das Projekt platzen. Netflix rettete die &Uuml;berreste aus der Asche und beauftragte Regisseur J. C. Chandor mit der Aufgabe, aus dem Film einen Ph&ouml;nix zu zaubern. War zun&auml;chst Ben Affleck als Hauptdarsteller im Gespr&auml;ch, traute dieser dem Drehbuch nicht und sagte ab. Chandor musste sich mit Darstellern der zweiten und dritten Garnitur zufriedengeben und inszenierte das Drehbuch Mark Boals zu einem der l&auml;cherlichsten Narko-Schinken in der Geschichte des Action-Kinos: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=us79YXHPqZQ\">Triple Frontier (Trailer)<\/a>.<\/p><p>Der Plot: Ein angeheuertes S&ouml;ldner-Kommando der DEA &ndash; die vom CIA kaum zu unterscheidende Drogenbek&auml;mpfungs-Agentur der USA &ndash; &uuml;berf&auml;llt das Haus eines Narko-Chefs in Kolumbien und stiehlt 250 Millionen Dollar. &bdquo;Triple Frontier von dem begabten Regisseur J. C. Chandor ist ein Reinfall &hellip; &ndash; die Netflix-Produktion &bdquo;geht im Dschungel verloren&ldquo;, lautete <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/entertainment\/archive\/2019\/03\/netflix-triple-frontier-heist-movie-chandor-affleck-review\/584878\/\">der Verriss<\/a> selbst der konservativen Wochenzeitschrift <em>The Atlantic<\/em>.<\/p><p>Die Terrorismus-Legende gegen den Iran und Hisbollah wird selbstverst&auml;ndlich diesseits der Leinwand weitergesponnen.<\/p><p>Titelbild: Gabriele Pedrini\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Teil 1: Donald Trumps Exhumierung einer 26-j&auml;hrigen Verschw&ouml;rungstheorie<\/strong><br \/> Nach der Ermordung General Qassem Suleimanis durch eine US-amerikanische Drohne und dem iranischen Vergeltungsschlag, beides im Irak, suggerieren die Haltungen der Administrationen Donald Trump und Hassan Rohani eine vorl&auml;ufige Deeskalierung des Konflikts. 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