{"id":58483,"date":"2020-02-16T11:45:29","date_gmt":"2020-02-16T10:45:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58483"},"modified":"2020-09-28T10:39:07","modified_gmt":"2020-09-28T08:39:07","slug":"reiches-land-starke-armee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58483","title":{"rendered":"\u00bbReiches Land, starke Armee\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Im ersten Teil der siebenteiligen Serie zur Vorgeschichte, zum Verlauf und zu den Verm&auml;chtnissen des Zweiten Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien besch&auml;ftigt sich unser Autor <strong>Rainer Werning<\/strong> mit dem Aufstieg Japans zur hegemonialen Macht in Ostasien.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p><em>75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; Vorgeschichte, Verlauf, Verm&auml;chtnisse lautet der Titel dieser siebenteiligen Artikelserie <strong>von Rainer Werning<\/strong>, die die NachDenkSeiten innerhalb dieses Jahres in regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden ver&ouml;ffentlichen.<\/em><\/p><p><em>Befasst sich der hier abgedruckte Beitrag vorrangig mit den Faktoren, die konstitutiv waren f&uuml;r den Aufstieg Japans zur hegemonialen Macht in der Region Ostasien-Pazifik, so werden in den Folgetexten die in den L&auml;ndern Ost- und S&uuml;dostasiens unterschiedlich ausgepr&auml;gten und praktizierten Reaktionen auf den Vormarsch des japanischen Militarismus in den Regionen beleuchtet. Die Rede ist in diesem Kontext von Kooptation, bereitwilliger Kollaboration bis hin zu offen milit&auml;rischem Widerstand. War Letzterer besonders stark ausgepr&auml;gt in China, Malaya und in den Philippinen als erster und einziger Kolonie der USA in S&uuml;dostasien, so hegten die damaligen F&uuml;hrungskr&auml;fte und sp&auml;ter als Helden des nationalen Befreiungskampfes gefeierten Politiker in Indonesien und Birma (dem heutigen Myanmar) zumindest anf&auml;nglich auffallend starke pro-japanische Sympathien. Ausgerechnet in diesen beiden L&auml;ndern ist der Einfluss der Milit&auml;rs bis heute so dominant wie nirgends sonst in der Region.<\/em><\/p><p><em>Wie zahlreiche Zeitzeugen sowie ost- und s&uuml;dostasiatische Historiker in ausf&uuml;hrlichen Gespr&auml;chen mit dem Autor immer wieder hervorhoben, hatte Japans milit&auml;rischer Feldzug und seine Okkupation nahezu s&auml;mtlicher L&auml;nder in den Regionen auch und gerade dazu gef&uuml;hrt, dass der Nimbus der (vermeintlichen) &Uuml;berlegenheit und Unbesiegbarkeit des &raquo;wei&szlig;en&laquo; Kolonialismus und Imperialismus unwiderruflich ersch&uuml;ttert wurde.<\/em><\/p><p><em>Last, but not least gilt es, eurozentris(tis)che Sichtweisen zu revidieren: Der Zweite Weltkrieg in S&uuml;dost- und Ostasien sowie im Pazifik endete erst am 2. September 1945 mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde seitens des japanischen Generalstabs. Und er begann dort nicht erst im Sp&auml;tsommer 1939, sondern bereits mit der Zerst&ouml;rung der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking um die Jahreswende 1937\/38 und damit der Eskalation des Krieges gegen Gesamtchina, wenn nicht gar bereits 1931 mit der v&ouml;lkerrechtswidrigen Besatzung mehrerer Gro&szlig;st&auml;dte in der Mandschurei sowie der sp&auml;teren Installierung des Vasallenstaates &raquo;Mandschukuo&laquo; &ndash; RW.<\/em><\/p><p>Um 1850, nach reichlich drei Jahrhunderten kolonialer Expansion, waren S&uuml;d-, S&uuml;dost- und Ostasien in europ&auml;ische Einflusssph&auml;ren aufgeteilt. <\/p><p>Mit zwei Ausnahmen: Das K&ouml;nigreich Siam (Thailand) vermochte als Puffer zwischen britischen und franz&ouml;sischen Herrschaftsanspr&uuml;chen seine Unabh&auml;ngigkeit weitgehend zu wahren. Und in Japan hatte sich das dort seit 1192 nahezu ungebrochen herrschende Shogunat (Shogun bedeutet &raquo;der die Barbaren bezwingende gro&szlig;e General&laquo;) gegen&uuml;ber dem Ausland weitgehend abgeschottet. Lediglich auf der eigens aufgesch&uuml;tteten Insel Dejima in der Bucht von Nagasaki war niederl&auml;ndischen Kaufleuten von dem regierenden Tokugawa-Clan der Unterhalt einer Handelsniederlassung gestattet worden.<\/p><p>Der gesamte indische Subkontinent, einschlie&szlig;lich Ceylons (heute Sri Lanka) und Birmas (heute Myanmar), war zusammen mit der Kronkolonie Hongkong, der malaiischen Halbinsel und dem an deren S&uuml;dspitze gelegenen &raquo;Gibraltar des Ostens&laquo;, wie Singapur auch genannt wurde, Teil des britischen Empires. Der daran angrenzende Riesenarchipel, der sich von Westen nach Osten &uuml;ber 5.000 Kilometer erstreckt, z&auml;hlte als Niederl&auml;ndisch-Indien zum Imperium des Hauses Oranien-Nassau. Die andere Inselgruppe in S&uuml;dostasien, die Philippinen, war spanischer Kolonialbesitz.<\/p><p>Dessen langj&auml;hriger Rivale, Portugal, kontrollierte auf dem chinesischen Festland die Enklave Macao und den &ouml;stlichen Teil der zu Niederl&auml;ndisch-Indien geh&ouml;renden Insel Timor. Die Franzosen schlie&szlig;lich hatten sich in Vietnam, Laos und Kambodscha festgesetzt, ein Kolonialgebiet, das sie &bdquo;Indochina&ldquo; nannten. China, in dieser Zeit politisch zu schwach, um sich wirksam gegen &Uuml;bergriffe von au&szlig;en zu wehren, stand im Mittelpunkt der Herrschaftskalk&uuml;le s&auml;mtlicher damaligen Kolonialm&auml;chte, die allesamt gleichzeitig dort Fu&szlig; fassen und sich der Sch&auml;tze des &raquo;Reichs der Mitte&laquo; bem&auml;chtigen wollten.<\/p><p>Das Deutsche Kaiserreich und die Vereinigten Staaten von Amerika verfolgten als &raquo;Sp&auml;tz&uuml;nder&laquo; unter den Kolonialm&auml;chten eigene imperiale  Interessen. Letztere f&auml;llten nach hitzigen Kongressdebatten zwischen den sogenannten Isolationisten und den Interventionisten beziehungsweise Imperialisten erst zwischen 1890 und 1900 endg&uuml;ltig die Entscheidung, in China und S&uuml;dostasien Flagge zu zeigen. Nach einem vorangegangenen Krieg traten sie 1898 als neue Kolonialmacht auf den Philippinen das Erbe Spaniens an. <\/p><p><strong>Gewaltsame &Ouml;ffnung<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber 300 Jahre lang hatte sich Japan gegen&uuml;ber dem Ausland abgeschottet, als 1854 eine US-Flotte unter dem Befehl von Commodore Matthew C. Perry die selbst gew&auml;hlte Isolation des Inselreiches gewaltsam beendete und das Land f&uuml;r den Au&szlig;enhandel &ouml;ffnete. Dies markierte den Anfang vom Ende des Feudalsystems der Tokugawa-Herrschaft, das durch eine waffentechnisch weit &uuml;berlegene, neue, aufstrebende imperialistische Macht im Pazifik ins Wanken gebracht wurde. Letztlich aber zerbrach die Feudalordnung aufgrund innenpolitischer Konflikte: Bauernaufst&auml;nde, Missernten, Schr&ouml;pfung der Bev&ouml;lkerung durch erh&ouml;hte Tributzahlungen und ein erstarrtes Gesellschaftssystem mit rigider Etikette veranlassten reformorientierte junge Samurai (Kriegeradelige) aus verschiedenen Lehnsgebieten des Landes, sich zur Abwehr der Bedrohung aus dem Westen dessen technologisches Wissen anzueignen, um es eventuell zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt gegen diesen selbst anzuwenden. Gleichzeitig wollten sie anstelle der Milit&auml;rherrscher aus dem Hause Tokugawa die kaiserliche Macht wieder einsetzen und so erneut die zentrale politische Stellung des Tenno (Kaisers) garantieren. Nur kurz dauerten die Auseinandersetzungen, als ab 1868 mit Kaiser Mutsuhito (1852&ndash;1912) ein Regent antrat, der seine &Auml;ra unter die Devise Meiji (&raquo;erleuchtete Regierung&laquo;) stellte. Anstelle von Kioto wurde das alte Edo zur neuen Hauptstadt Tokio. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200216_Meijijapaner.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200216_Meijijapaner.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Japanische Offiziere zur Meiji Zeit<\/em><\/small><\/p><p>Was folgte, war ein beispiellos rascher und tiefgreifender Wandel in Wirtschaft, Politik und Technik. Zun&auml;chst wurden gezielt Kontakte mit dem Ausland gekn&uuml;pft, um dort zu suchen, was sich daheim am besten f&uuml;r die Umgestaltung des Staates eignete. In diesem Prozess der japanischen Filtrierung der westlichen Moderne war es folgerichtig, dass das Land auch und gerade systematisch den Rat und die Expertise von Ausl&auml;ndern suchte.<\/p><p>Unter den um 1890 etwa 3.000 ausl&auml;ndischen Fachleuten in Japan waren deutsche Sachverst&auml;ndige f&uuml;r Universit&auml;ten und medizinische Schulen, US-amerikanische f&uuml;r Landwirtschaft, Postverkehr und Diplomatie, britische f&uuml;r das Eisenbahnwesen und die Kriegsmarine, franz&ouml;sische f&uuml;r Kriegf&uuml;hrung und juristische Fragen und schlie&szlig;lich italienische Experten f&uuml;r westliche Kunst eingesetzt. Diese mit Bedacht getroffene Auswahl spiegelte einerseits die japanische Gesamtbeurteilung der damaligen Lage im Westen wider. Andererseits zeigte dies auch den, wie der japanische Politologe Maruyama Masao es formulierte, &raquo;Teufelskreis von &rsaquo;Au&szlig;en&lsaquo;-Universalismus und &rsaquo;Innen&lsaquo;-Bodenst&auml;ndigkeitsdenken&laquo;, in dem das Land gefangen war. F&uuml;r Japan beinhaltete die europ&auml;ische Moderne zuallererst Maschinen und Techniken. Deren Weiterentwicklung bescherte ihm solche Industrialisierungserfolge, dass der Inselstaat sp&auml;ter nicht nur China, sondern auch Russland milit&auml;risch besiegte und sich in Ostasien als neue hegemoniale Macht etablierte. <\/p><p><strong>&raquo;Reiches Land, starke Armee&laquo;<\/strong><\/p><p>Der Aufbau des Kaiserreichs auf industrieller Grundlage, wie die Politik in Tokio offiziell genannt wurde, war m&ouml;glich geworden, weil der in der Landwirtschaft geschaffene Mehrwert gezielt in den industriellen Bereich &uuml;berf&uuml;hrt wurde. Mit Steuergeldern, die der Staat als Grundsteuer Bauern und P&auml;chtern abverlangte, wurden Handelsh&auml;user und Industriebetriebe in staatlicher Regie gegr&uuml;ndet.<\/p><p>Zun&auml;chst betraf das Unternehmen der Leichtindustrie, die sich auf die Herstellung von Fasern, Textilien und Kleidung verlegten. Doch schon bald investierte der Staat auch in strategische Bereiche, die den Schiffbau, die Stahl-, Schwer- und R&uuml;stungsindustrie umfassten. Die Gewerbefreiheit wurde ebenso garantiert wie die freie Berufswahl. Tr&auml;ger dieses Industrialisierungsprozesses waren im Gegensatz zu Europa keine aufkl&auml;rerisch-moderne b&uuml;rgerliche Unternehmerschicht, die allm&auml;hlich ihre wirtschaftliche Macht durch eine b&uuml;rgerlich-demokratische Revolution absicherte, sondern eine dem Kaiser ergebene feudale Gro&szlig;grundbesitzerklasse und reiche H&auml;ndler.<\/p><p>Um 1890 war das neue Herrschaftssystem so weit gefestigt, dass auch eine Verfassung de jure die uneingeschr&auml;nkte Macht des Kaisers als zentralstaatliche Instanz schlechthin festschrieb und dieser sich auf ein stehendes Heer mit allgemeiner Wehrpflicht st&uuml;tzen konnte. &raquo;Der Kaiser ist heilig und unverletzlich&laquo;, hie&szlig; es in der Verfassung. Dadurch war er legitimiert, als direkter Nachfahre der Sonneng&ouml;ttin Amaterasu mit unbeschr&auml;nkter Machtf&uuml;lle zu regieren. Als Souver&auml;n des Landes stand der Tenno an der Spitze von Armee und Marine sowie der Exekutive und Legislative. Der Wahlspruch &raquo;Reiches Land, starke Armee&laquo; offenbarte, wie herausragend k&uuml;nftig die Stellung des Milit&auml;rs sein w&uuml;rde.<\/p><p>Im Gegensatz etwa zum Westen hatte die Armee traditionell eine politische F&uuml;hrungsrolle inne und genoss unter den Japanern hohes Ansehen. Sie war keine Befehlsempf&auml;ngerin der Regierung oder kontrolliert von einem Parlament. Dieses hatte nur sehr begrenzt Einflussm&ouml;glichkeiten, was das Budget der Streitkr&auml;fte betraf. Gem&auml;&szlig; der japanischen Verfassung kommandierte der Kaiser Armee und Marine, w&auml;hrend die milit&auml;rische Kontrolle zu Friedenszeiten dem Kriegs- und Marineminister sowie den jeweiligen Generalstabschefs oblag, eine Stellung, die ihnen ein hohes Ma&szlig; an Unabh&auml;ngigkeit sicherte. Beide Minister geh&ouml;rten zwar dem Kabinett an, sie konnten aber, wenn es aus ihrer Sicht notwendig erschien, jederzeit am Premier vorbei direkt beim Kaiser vorstellig werden. Dar&uuml;ber hinaus konnten sie mit einer Demission gleichzeitig den R&uuml;cktritt des Ministerpr&auml;sidenten und die Bildung einer neuen Regierung erzwingen. Denn laut Verfassung konnte kein funktionst&uuml;chtiges Kabinett ohne einen Kriegs- und einen Marineminister existieren. Da diese in der Regel vom jeweiligen Generalstab vorgeschlagen wurden oder sich aus dessen R&auml;ngen rekrutierten, konnten sie nicht nur jede zivile Opposition in Schach halten, sondern faktisch &uuml;ber Fragen von Krieg und Frieden entscheiden.<\/p><p><strong>Siegreich gegen China und Russland<\/strong><\/p><p>Im ersten bewaffnet ausgetragenen Interessenkonflikt k&auml;mpften die japanischen Streitkr&auml;fte 1894\/95 gegen das Kaiserreich China. Vorrangig drehte es sich um die dauerhafte Vormachtstellung auf der koreanischen Halbinsel. Korea war lange Zeit gegen&uuml;ber dem chinesischen Kaiser tributpflichtig und das eigene K&ouml;nigshaus durch interne Revolten und Intrigen geschw&auml;cht. Gleichzeitig (1894) erwuchs der gro&szlig;e Tonghak (&raquo;&Ouml;stliches Lernen&laquo;)-Aufstand aus einer sich rasch zuspitzenden Zerfallskrise der seit 1392 herrschenden Yi-Dynastie, die nicht f&auml;hig war, den Erfordernissen einer Modernisierung von Staat und Gesellschaft Rechnung zu tragen, zu der die wirtschaftlich-industrielle Entwicklung in der Region und das Eindringen ausl&auml;ndischer, insbesondere westlicher, Einfl&uuml;sse zwangen.<\/p><p>Zwar gelang es dem koreanischen Herrscherhaus, den Tonghak-Aufstand zun&auml;chst mit Hilfe herbeigerufener chinesischer Truppen und sp&auml;ter japanischer und pro-japanischer Kontingente niederzuschlagen. Doch von diesen Entwicklungen profitierten letztlich die waffentechnisch haushoch &uuml;berlegenen Japaner, w&auml;hrend Peking seinen Einfluss auf der koreanischen Halbinsel dauerhaft einb&uuml;&szlig;te und das dortige K&ouml;nigshaus zur Marionette Tokios wurde.<\/p><p>Korea war aufgrund seiner geographischen Lage ein Scharnier zwischen dem ostasiatischen Festland und dem insularen Japan. Und wer es beherrschte, hatte sich nicht nur (milit&auml;r-)strategische Vorteile, sondern auch die Verf&uuml;gungsgewalt &uuml;ber die reichen Bodensch&auml;tze im Norden sowie &uuml;ber ertragreiche Reisanbaugebiete im s&uuml;dlichen Landesteil verschafft. Japan entschied den Waffengang gegen China f&uuml;r sich und erhielt auch noch die Insel Formosa (Taiwan) als Kriegsbeute.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200216_Krake.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200216_Krake.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Russland als Krake &ndash; eine antirussische japanische Propagandakarte aus dem Jahr 1904<\/em><\/small><\/p><p>Die japanische Wirtschaft erlebte um 1900 eine Boomphase. Bis 1905 war der Prozess der Konzentration und Zentralisierung von Kapital zu Oligopolen so weit vorangeschritten, dass sich nahezu s&auml;mtliche Gro&szlig;banken, Industriebetriebe und Verkehrsmittel des Landes im Besitz von nur einem halben Dutzend staatlich protegierter Gro&szlig;familien befanden &ndash; darunter Mitsui, Mitsubishi, Satsume und Okura. Von diesen Unternehmen war eine Vielzahl kleiner und mittlerer Zulieferfirmen extrem abh&auml;ngig. Vom weiteren Aufbau der Schwerindustrie profitierten wiederum die Streitkr&auml;fte. Neue Interessenkonflikte in Korea und der Mandschurei, diesmal zwischen Russland und Japan, f&uuml;hrten 1904\/05 zum Russisch-Japanischen Krieg, aus dem Tokios Heer und Marine wiederum siegreich hervorgingen.<\/p><p>Auch bei dieser kriegerischen Auseinandersetzung war Korea der Zankapfel. Es ging um die dauerhafte Kontrolle auf der Halbinsel. Einige Gesandte des schwachen koreanischen K&ouml;nigshauses hatten als Gegengewicht zur wachsenden japanischen Pr&auml;senz in Korea versucht, das zaristische Russland als Verb&uuml;ndeten zu gewinnen, das seinerseits Ambitionen in Fernost hegte. Mit dem Sieg Japans &uuml;ber die russischen Streitkr&auml;fte und damit &uuml;ber ein starkes europ&auml;isches Land r&uuml;ckte im Westen erstmals ins &ouml;ffentliche Bewusstsein, dass Tokio zur Regionalmacht in Ost- und Nordostasien aufgestiegen war.<\/p><p><strong>&raquo;Gro&szlig;e Gerechtigkeit&laquo;<\/strong><\/p><p>Als der Meiji-Kaiser im Juli 1912 starb, bestieg mit Kronprinz Yoshihito ein Mann den Thron, der seine bis Ende 1926 w&auml;hrende Amtszeit unter die Devise &raquo;Taish&#333;&laquo; (&raquo;Gro&szlig;e Gerechtigkeit&laquo;) stellte. So schwach und k&ouml;rperlich gebrechlich der neue, in seiner Kindheit an Hirnhautentz&uuml;ndung erkrankte Kaiser war, so turbulent und widerspr&uuml;chlich gestalteten sich die innenpolitischen Prozesse w&auml;hrend seiner &Auml;ra. Es gab Machtverschiebungen von den Traditionalisten und oligarchisch agierenden Beamten hin zu demokratischen Parteien, die sich trotz h&auml;ufiger, teils chaotischer Regierungswechsel politisch einmischten und Teilhabe forderten. Das Proletariat war im Wachsen begriffen, eine kommunistische Partei entstand und zahlreiche Intellektuelle und K&uuml;nstler, die teils in den USA oder Europa gelebt hatten, lie&szlig;en sich in ihren Werken gleicherma&szlig;en von den Ideen des Sozialismus, Anarchismus und Humanismus inspirieren. Und eine bis dahin nicht gekannte Presse- und Redefreiheit f&uuml;hrte zur sogenannten Taish&#333;-Demokratie, wenngleich die Kaiserliche Armee hinter den Kulissen zielgerichtet und erfolgreich ihre politische Machtposition ausbaute und au&szlig;enpolitische Ereignisse den Nationalismus im Land befeuerten. &raquo;Mitten in der so bezeichneten Periode&laquo;, konstatiert der Japanologe Sven Saaler, &raquo;liegen die Wurzeln der verh&auml;ngnisvollen Entwicklung, die Japans Politik in den drei&szlig;iger Jahren nahm.&laquo; <\/p><p>Der Erste Weltkrieg bescherte Japan einen ungeheuren Aufschwung, da unter anderem Europas Gro&szlig;m&auml;chte auf Kriegswirtschaft umgestellt und die asiatischen M&auml;rkte vernachl&auml;ssigt hatten. Da Japan auf der Seite der Jahre zuvor zwischen Gro&szlig;britannien und Frankreich geschlossenen Entente stand, trat es zwangsl&auml;ufig in Konkurrenz zum deutschen Kaiserreich. Am 23. August 1914 hatte Japan dem Deutschen Reich den Krieg erkl&auml;rt und bereits am 7. November das &raquo;Deutsche Schutzgebiet Kiautschou&laquo; im S&uuml;den der chinesischen Halbinsel Shandong mit der Festung Tsingtau eingenommen.<\/p><p>&raquo;Des Deutschen Abrechnung&laquo; hatte zuvor eine deutsche Propagandapostkarte aus dem selben Jahr gro&szlig;m&auml;ulig get&ouml;nt, die ein Reim zierte, in dem es in derb-rassistischer Manier zur Sache ging: &bdquo;Heran, heran, du kleiner Jap!!! Mit deutschen F&auml;usten schwipp und schwapp &ndash; Eins hinters Ohr, doch nicht zu knapp!!! Dir geht es wie den andern hier, Du t&uuml;ckisches Mongolentier!&laquo;<\/p><p>Wenngleich die deutsch-japanischen Beziehungen Ende des 19. Jahrhunderts sich eng gestaltet hatten, ja sogar deutsche Juristen an der Formulierung der Meiji-Verfassung beteiligt gewesen waren, hatte sich vor allem unter Kaiser Wilhelm II. das bilaterale Verh&auml;ltnis dramatisch verschlechtert. Dieser hatte mehrfach &ouml;ffentlich die &raquo;Gelbe Gefahr&laquo;, die Angst vor einer heraufziehenden Bedrohung in Form eines modernisierten Japans im Bund mit dem bev&ouml;lkerungsreichen China, die Angst vor den &raquo;asiatischen Massen&laquo; oder &raquo;Horden&laquo; beschworen.<\/p><p>Bei den Friedensverhandlungen 1919 in Versailles wurden Japan au&szlig;er Tsingtau auch die &uuml;brigen deutschen Kolonien im Pazifik n&ouml;rdlich des &Auml;quators &ndash; die Marianen-, Marshall- und die Karolinen-Inseln (au&szlig;er Guam) &ndash; als Treuhandmandat des V&ouml;lkerbundes zugesprochen. Doch das gleichzeitige Ansinnen, in Versailles auch gegen internationale Rassendiskriminierung anzugehen, scheiterte. Ein entscheidender Faktor in den Zwischenkriegsjahren, in Tokio einen zunehmend chauvinistischen Kurs zu steuern.<\/p><p><strong>Milit&auml;rische Expansion<\/strong><\/p><p>Mit der Unterzeichnung des Washingtoner Flottenvertrags 1922 wurde der Status quo im Pazifik festgeschrieben, was im Kern hie&szlig;: Anerkennung der Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Integrit&auml;t Chinas, Verbot des Baus zus&auml;tzlicher Befestigungsanlagen auf einigen pazifischen Inseln und Beschr&auml;nkung bei der Schiffsproduktion. Doch bereits zu Beginn der 1930er Jahre hatte sich die Lage grundlegend ge&auml;ndert. Die weltweite Wirtschaftskrise verschonte auch Japan nicht. Arbeitslosigkeit in Stadt und Land grassierten, es g&auml;rte in den D&ouml;rfern, da zahlreiche Bauern &uuml;ber Nacht zu mittellosen P&auml;chtern herabgesunken waren. Wachsende Armut und Unzufriedenheit boten faschistischen und chauvinistischen Kr&auml;ften einen N&auml;hrboden, ihre Ziele lautstark zu propagieren. Wasser auf die M&uuml;hlen dieser Kr&auml;fte lenkte die Entscheidung in den USA, ab 1924 keine japanischen Immigranten mehr ins Land zu lassen.<\/p><p>1931 war es China gelungen, einen Teil seiner an Japan verlorenen Hoheitsrechte in der Mandschurei wiederzuerlangen, was im Inselstaat, vor allem in der Armee, Besorgnis ausl&ouml;ste. Schlie&szlig;lich war das Gebiet nicht nur reich an Bodensch&auml;tzen (Kohle- und Gasvorkommen), sondern auch mit Blick auf Russland von strategischer Bedeutung. Ohne die politisch verantwortlichen Kr&auml;fte in Tokio konsultiert zu haben, schlug die in der Mandschurei stationierte japanische Kwantung-Armee eigenm&auml;chtig zu und besetzte im September 1931 mehrere Gro&szlig;st&auml;dte in der Region. Mehr noch: Diese milit&auml;rische Einheit brachte den Rest der Mandschurei unter ihre Kontrolle, installierte dort ein Marionettenregime des Vasallenstaates &raquo;Mandschukuo&laquo; und r&uuml;stete sich f&uuml;r den weiteren Vormarsch in die angrenzenden Provinzen Chinas. Als das im V&ouml;lkerbund auf Unmut und Ablehnung stie&szlig;, ignorierte Tokio die Kritik und verlie&szlig; 1933 die internationale Staatengemeinschaft.<\/p><p>Die Ereignisse in der Mandschurei markierten einen Wendepunkt in der japanischen Politik. Die Armee war fortan wieder die bestimmende Kraft in der Politik, da sie sowohl inner- wie au&szlig;erhalb des Kabinetts auf keine nennenswerte Opposition stie&szlig;. Faktisch wurde auch das Parteiensystem wirkungslos, als Mitte Mai 1932 junge Marineoffiziere Tokio einige Stunden lang terrorisierten und Premierminister Inukai Tsuyoshi ermordeten. Was folgte, war die Verletzung zweier wichtiger international eingegangener Verpflichtungen, n&auml;mlich die Marine nicht weiter aufzur&uuml;sten und Chinas Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t zu achten. Zwar regte sich 1935 noch einmal Protest gegen den Kriegskurs der Streitkr&auml;fte, als eine Bewegung gegen Faschismus und Militarismus die R&uuml;ckkehr zur parlamentarischen Regierungsform forderte. Liberale Kr&auml;fte im Diet, dem Parlament, attackierten &ouml;ffentlich den Kriegsminister, ein Signal f&uuml;r Extremisten innerhalb der Armee, auf Revanche zu dr&auml;ngen. Ende Februar 1936 kam es zur offenen milit&auml;rischen Revolte gegen die Regierung, an der sich etwa 1.500 Soldaten beteiligten. Wenige Tage darauf &uuml;bernahm eine armeefreundliche Regierung das Zepter, die Meuterer kamen glimpflich davon, und fortan bestimmten vorrangig milit&auml;rstrategische Kalk&uuml;le die Politik Tokios.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200216_Peking.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200216_Peking.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Japanische Truppen marschieren 1937 in Peking ein<\/em><\/small><\/p><p>In vier programmatischen Leitlinien beschloss die japanische Regierung, das Land fortan in die Lage zu versetzen, zur unangefochtenen hegemonialen Macht in Asien aufzusteigen &ndash; qua St&auml;rkung der Schwer- und R&uuml;stungsindustrie; durch die Integration der Mandschurei in die japanische Kriegswirtschaft; durch eine &raquo;harte Position&laquo; beziehungsweise die kompromisslose Durchsetzung japanischer Interessen auf dem asiatischen Kontinent und schlie&szlig;lich mit der Sicherung strategischer Rohmaterialien, um das Land autark zu machen. Die zur Selbstversorgung ben&ouml;tigten Ressourcen waren haupts&auml;chlich im insularen und kontinentalen S&uuml;dostasien &ndash; vorrangig Ostindien (Indonesien) und Malaya sowie in Indochina &ndash; zu finden.<\/p><p>Dieses von der Armeef&uuml;hrung entworfene Programm bestimmte seit Mitte der 1930er Jahre die Politik Tokios. Der Begriff &raquo;harte Position&laquo; war ein besch&ouml;nigender Ausdruck daf&uuml;r, sich dauerhaft in China zu etablieren, sich der Rohstoffquellen in S&uuml;dostasien zu bem&auml;chtigen und die Sowjetunion in Schach zu halten. Letzteres schloss die enge Kooperation beziehungsweise ein B&uuml;ndnis mit Nazideutschland und dem faschistischen Italien ein, was durch die Unterzeichnung des Antikominternpakts Ende November 1936 realisiert wurde, der explizit gegen die UdSSR gerichtet war.<\/p><p>Wie bereits im Falle der Mandschurei nahm die japanische Armee einen Vorfall in der N&auml;he Pekings im Juli 1937 zum Anlass, in Nordchina einzumarschieren. Die USA und Gro&szlig;britannien reagierten darauf mit ersten Sanktionsma&szlig;nahmen und stoppten den Export von Flugzeugen, Flugzeugausr&uuml;stungen und sp&auml;ter auch die Ausfuhr von Waffen, Munition, Aluminium, Eisen und &Ouml;l nach Japan. Au&szlig;erdem unterst&uuml;tzten Washington und London die chinesische Regierung, die ihren Sitz nach dem japanischen &Uuml;berfall auf Nanking (1937\/38) nach Chungking verlegt hatte, mit Darlehen.<\/p><p><strong>Kriegs- und Kommandowirtschaft<\/strong><\/p><p>Binnen einer Dekade, von 1930 bis 1940, wuchs die Industrieproduktion Japans um das F&uuml;nffache. Im selben Zeitraum war die j&auml;hrliche Stahlerzeugung von anf&auml;nglich 1,8 auf 6,8 Millionen Tonnen und die Fertigung von Automobilen und Flugzeugen von 500 beziehungsweise 400 im Jahre 1930 auf 48.000 bzw. 5.000 im Jahre 1940 gestiegen. Ebenso rasant stieg die Schiffsproduktion &ndash; von einer Tonnage bei Handelsschiffen von 92.093 (1931) auf &uuml;ber 405.195 im Jahre 1937. Die Milit&auml;rausgaben wuchsen ebenfalls &uuml;berproportional. Gemessen am Gesamthaushalt Japans beliefen sie sich auf knapp 30 Prozent im Jahre 1931, erreichten ihren H&ouml;hepunkt 1938 (ein Jahr nach der gro&szlig;angelegten Invasion gegen China) mit 75,4 Prozent, um sich danach bei mindestens zwei Dritteln einzupendeln. Gleichzeitig stockte Japan seine Streitkr&auml;fte drastisch auf. Allein von 1936 bis 1941 verdoppelte sich die Zahl der Wehrpflichtigen und die der Divisionsst&auml;rke von 24 auf 50, von denen 27 Divisionen in China, 12 in der von China abgetrennten Mandschurei und der Rest auf der koreanischen Halbinsel stationiert waren. Die Zahl der einsatzbereiten Soldaten &uuml;berschritt bald die Marke von sechs Millionen. 1941 verf&uuml;gte Japan im Pazifik &uuml;ber eine Kriegsmarine, die st&auml;rker war als die Streitmacht der USA und Gro&szlig;britanniens in der Region.<\/p><p>Die Wirtschaft war unter dem Kommando des Milit&auml;rs in eine Kriegswirtschaft umgewandelt worden, wobei alles unternommen wurde, um ausreichend Vorr&auml;te strategisch bedeutsamer Rohstoffe anzulegen, die wesentlich aus China und Korea sowie aus Niederl&auml;ndisch-Indien und Indochina bezogen wurden. Im August 1940 hatte das Vichy-Regime in Frankreich der Forderung Japans zustimmen m&uuml;ssen, Flugpl&auml;tze und Marinebasen der Kolonialmacht in Indochina zu nutzen, von denen aus Japan den noch &uuml;ber die Birmastra&szlig;e laufenden Nachschub f&uuml;r Tschiang Kai-tschek und die chinesische Regierung in Chungking unterbinden wollte.<\/p><p>Bis zum Sommer 1941 war Indochina mitsamt seinen bedeutsamen Rohstoffvorkommen (Gummi, Zinn, Kohle, Mangan, Bauxit und Nickel) ohne nennenswerten Widerstand Japan &uuml;berlassen worden, wo seine Truppen fortan nach Belieben schalten und walten konnten. Je mehr die USA und Gro&szlig;britannien ihren Druck auf Japan verst&auml;rkten, sich aus China und Indochina zur&uuml;ckzuziehen, desto vehementer warf Tokio ihnen vor, mit ihrer Embargo- und Sanktionspolitik das Land in die Knie zwingen zu wollen.<\/p><p><strong>Belebung des Panasianismus<\/strong><\/p><p>Mit Blick auf die Regionen Ost- und S&uuml;dostasien reaktivierte und beschwor Japan seine panasiatische Vision &ndash; diesmal in Gestalt der &raquo;Gr&ouml;&szlig;eren Ostasiatischen Gemeinsamen Wohlstandssph&auml;re&laquo; (GOGW), die sich aus dem religi&ouml;s-ideologischen Konstrukt des Staats-Shinto (&raquo;Weg der G&ouml;tter&laquo;) n&auml;hrte. Demnach bestand keine Trennlinie zwischen mythisch verkl&auml;rter und wirklicher Geschichte: Die Gr&ouml;&szlig;e der eigenen Nation wurde ebenso beschworen wie der unersch&uuml;tterliche Glaube an eine seit Menschengedenken bestehende Gro&szlig;familie &ndash; gef&uuml;hrt von einem Tenno mit g&ouml;ttlicher Aura, Ahn einer ununterbrochen regierenden Herrscherdynastie.<\/p><p>Offiziell verk&uuml;ndete die Regierung in Tokio ihr Konzept der GOGW auf einer Pressekonferenz am 1. August 1940 durch Au&szlig;enminister Matsuoka Yosuke. Japans Au&szlig;enpolitik, so Matsuoka, lie&szlig;e sich von dem Gedanken leiten, die Gr&ouml;&szlig;ere Ostasiatische Gemeinsame Wohlstandssph&auml;re mit Japan, Korea, der Mandschurei und China als ihrem Kern zu errichten. <\/p><p>Die GOGW zielte im Innern auf die Umgestaltung von Staat, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und sollte gleichzeitig unter der Losung &raquo;Asien den Asiaten&laquo; den antikolonialen und antiimperialistischen Kampf zahlreicher L&auml;nder in der Region befl&uuml;geln (N&auml;heres siehe: Werning 2019). Eigenen Kolonialbesitz sah Japan als Vorbedingung daf&uuml;r an, international Ansehen zu erlangen und selbst in die Phalanx der &raquo;erstklassigen L&auml;nder&laquo; (itt&ocirc; koku) vorzusto&szlig;en. Durch eine Reihe politischer Ma&szlig;nahmen seitens des Westens w&auml;hnten sich Tokios Diplomaten indes in die Enge gedr&auml;ngt und auf provokante Art gedem&uuml;tigt. 1919 war auf der Versailler Friedenskonferenz Japans Ansinnen, in das Regelwerk des V&ouml;lkerbundes eine Klausel &uuml;ber die Rassengleichheit aufzunehmen, br&uuml;sk abgelehnt worden. Als es 1921\/22 auf der Washingtoner Flottenkonferenz darum ging, in Marinevertr&auml;gen die H&ouml;chstgrenze von Kriegsschiffen festzulegen, f&uuml;hlte sich Tokio benachteiligt; es wurde eine Regelung im Verh&auml;ltnis von 5:5:3 f&uuml;r die USA, Gro&szlig;britannien und Japan getroffen.<\/p><p>Um die Akzeptanz des Konstrukts der GOGW unter den Nachbarl&auml;ndern zu erh&ouml;hen, propagierte Tokio als eines seiner zentralen Ziele, diesen im Kampf um Unabh&auml;ngigkeit und Selbstbestimmung beizustehen, wobei sich &raquo;das japanische Kaiserreich als Zentrum und Pionier der &ouml;stlichen Moral und des kulturellen Wiederaufbaus, als Licht Asiens, Besch&uuml;tzer Asiens und F&uuml;hrer Asiens&laquo; w&auml;hnte. <\/p><p>Doch wie bereits seit 1910, da Korea nach f&uuml;nfj&auml;hrigem Protektoratsstatus von Japan als Kolonie annektiert wurde, musste auch die Bev&ouml;lkerung in den anderen besetzten Gebieten nunmehr am eigenen Leib erfahren, wie wenig die Wirklichkeit der neuen japanischen Ordnung mit den wohlt&ouml;nenden Idealen der GOGW gemein hatte. Die von Japan in zahlreichen L&auml;ndern der Region eingesetzten lokalen Regierungen waren Marionettenregimes &ndash; vollkommen abh&auml;ngig von der Gnade Tokios und der eigenen Bev&ouml;lkerung entfremdet. In jenen L&auml;ndern zeigten die neuen Kolonialherren eine Verachtung lokaler Sitten, Br&auml;uche und Glaubensvorstellungen und strebten statt dessen eine umfassende &raquo;Japanisierung&laquo; an. Die Folge: Hunderttausende in den L&auml;ndern Ost- und S&uuml;dostasiens wurden als Widerstandsk&auml;mpfer gefoltert und hingerichtet oder starben als Zwangsarbeiter wie beim Bau der Thailand-Birma-Bahn. Die GOGW entpuppte sich alsbald als zumindest ebenso repressiv wie die Regime der westlichen Kolonialm&auml;chte.<\/p><p><strong>Kellerkind Korea<\/strong><\/p><blockquote><p>&raquo;1930 wurde ich in dem koreanischen Dorf Seonchon als japanischer Staatsb&uuml;rger geboren. Meine Eltern gaben mir zwar den Namen Choi Changwha, doch f&uuml;r die Japaner, die unser Land seit 1910 zur Kolonie gemacht hatten und besetzten, hie&szlig; ich Sai Shoka. Das war mehr als nur eine Namens&auml;nderung; es entsprach dem Plan der Besatzungsmacht, die ethnische und kulturelle Identit&auml;t der Koreaner und Koreanerinnen auszul&ouml;schen und sie zu Japanern zu machen. Schon vor dem Krieg waren wir in unserem eigenen Land gezwungen, vor dem Shinto-Schrein, dem Symbol unserer Unterdr&uuml;ckung, den Tenno, den japanischen Kaiser, anzubeten. Kurz vor Kriegsende hat die japanische Milit&auml;rpolizei dann alle Koreaner und Koreanerinnen in geheime Keller geschleppt und ihnen zwangsweise Fingerabdr&uuml;cke abgenommen. F&uuml;r mich war das ein Kotau vor dieser Macht; ich sollte hier meine ethnische Identit&auml;t ablegen.&laquo;<\/p><\/blockquote><p>Mit diesen Worten erinnerte der koreanische Pfarrer Choi Changwha, dessen Familie w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs gewaltsam nach Japan verschleppt worden war, an die Jahre seiner Jugend. Choi Changwhas Schicksal erlitten Hunderttausende Koreanerinnen und Koreaner, nachdem sich Japan, der &ouml;stliche Nachbar auf der anderen Seite des Japanischen Meeres, von Koreanern Ostmeer genannt, das Land 1910 endg&uuml;ltig als Kolonie einverleibt hatte. F&uuml;r Korea und seine Menschen ein Martyrium, das 36 lange Jahre ihr Leben bestimmte. Zum Verh&auml;ngnis wurde dem Land seine geographische Lage zwischen dem riesigen China und dem Gro&szlig;machtambitionen hegenden Japan.<\/p><p>Bereits 1905 zum japanischen Protektorat erkl&auml;rt, musste Korea seine diplomatischen und staatlichen Rechte an den &uuml;berm&auml;chtigen Nachbarn abtreten. Als erster japanischer Generalgouverneur und faktisch oberster Herrscher Koreas bezog Ito Hirobumi in Seoul Quartier. Der gl&uuml;hende Bef&uuml;rworter eines japanischen Gro&szlig;reiches war ma&szlig;geblich daran beteiligt, die Autorit&auml;t des koreanischen K&ouml;nigshauses zu untergraben. So m&auml;chtig und angesehen Ito Hirobumi in Japan war, so verhasst war und blieb er unter der koreanischen Bev&ouml;lkerung. Im Jahre 1909, w&auml;hrend eines Aufenthalts in der mandschurischen Stadt Harbin, wurde er das erste prominente Opfer antikolonialen Protests. F&uuml;r Tokio Grund genug, die Beherrschung Koreas zu vertiefen. Der koreanische K&ouml;nig Kojong musste zugunsten seines noch schw&auml;cheren Sohnes abdanken, und am 22. August 1910 wurde der Annexionsvertrag unterzeichnet. Damit war Koreas Kolonialstatus offiziell besiegelt. Fortan hatten japanische Milit&auml;rs das Sagen, w&auml;hrend japanische Gro&szlig;unternehmen und mit dem kaiserlichen Hof liierte Firmen und Banken Land und Leute schr&ouml;pfen. Zwar entstand in Korea eine Infrastruktur &ndash; Stra&szlig;en wurden gebaut und das Schienennetz im Interesse der neuen Kolonialmacht erweitert. Aber den Aufbau einer eigenst&auml;ndigen koreanischen Wirtschaft und Industrie lie&szlig;en die Besatzer nicht zu.<\/p><p>Als erstes f&uuml;hrte die neue Kolonialmacht ein umfassendes Landvermessungsprogramm durch, um einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Eigentumsverh&auml;ltnisse zu gewinnen. Die &uuml;berwiegend b&auml;uerliche Bev&ouml;lkerung musste innerhalb einer von den Kolonialbeh&ouml;rden gesetzten Frist den japanischen Beamten Lage und Gr&ouml;&szlig;e von Landparzellen melden. Die meisten Bauern verstanden diese Aufforderung nicht, da sie weder lesen noch schreiben konnten. Verpassten sie den Meldetermin, was die Regel war, verloren sie das Land, von dem ihre Familien seit Generationen gelebt hatten. Sodann ordnete die Kolonialverwaltung an, haupts&auml;chlich Reis anzubauen und mit dem Gro&szlig;teil der Ernten die japanische Bev&ouml;lkerung zu versorgen. Korea wurde zur Reiskammer Japans, doch im Lande selbst grassierten Armut und Hungersn&ouml;te.<\/p><p>Ermutigt durch die <em>14-Punkte-Erkl&auml;rung<\/em> des US-amerikanischen Pr&auml;sidenten Woodrow Wilson, der die nationale Selbstbestimmung der V&ouml;lker forderte, verlangten namhafte koreanische Oppositionelle am 1. M&auml;rz 1919 &ouml;ffentlich die Wiederherstellung der nationalen Souver&auml;nit&auml;t ihres Landes, was von massiven Stra&szlig;enprotesten begleitet ward. Die japanischen Beh&ouml;rden registrierten landesweit knapp 1.500 Gro&szlig;demonstrationen in 217 St&auml;dten, an denen sich allein bis zum Sommer 1919 zirka zwei Millionen Menschen beteiligten, ein Zehntel der damaligen Bev&ouml;lkerung Koreas.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus wurde in den Folgejahren alles unternommen, das kollektive Ged&auml;chtnis der Koreaner einzufrieren, ihre Kultur und Traditionen auszul&ouml;schen &ndash; kurzum: das &ouml;ffentliche Leben in Korea in all seinen Facetten durchdringend zu &raquo;japanisieren&laquo; (N&auml;heres siehe: Werning 2018). Was auch und gerade bedeutete, dass nicht nur die Namen ge&auml;ndert werden mussten, sondern auch die Geschichte Koreas umgedeutet wurde. F&uuml;r Japan und eine ihm h&ouml;rige Zunft koreanischer Historiker wurde Korea zur Stagnation verdammt und unf&auml;hig, jemals unabh&auml;ngig zu werden. Eine koloniale Durchdringung von Hirnen und Herzen mit weitreichenden Konsequenzen war das, meint die koreanisch-deutsche Philosophin Choe Hyondok: &raquo;Der erste Grund ist die Stagnationsthese, wonach die koreanische Gesellschaft nicht in der Lage ist, eine Reform selbst durchzuf&uuml;hren. Der zweite Grund ist die Hegemoniethese, dass das koreanische Volk nicht in der Lage sei, autonom etwas auf die Beine zu stellen. Und dieser Kolonialismus hat auch mental die Menschen kolonialisiert. Das hei&szlig;t: Irgendwie sind wir in die Situation geraten, den Glauben an uns selbst, ja unser Selbstbewusstsein weitgehend verloren zu haben.&laquo;<\/p><p>Diese tiefe Dem&uuml;tigung n&auml;hrte unterschiedliche Reaktionen: von politischem Protest &uuml;ber milit&auml;rischen Widerstand bis hin zu Verzweiflung und innerer Emigration. Der Dichter Kim Hae-Kyoung, der sich den K&uuml;nstlernamen Yi Sang zugelegt hatte und bereits 1937 als nur 27-J&auml;hriger an Tuberkulose gestorben war, verarbeitete die Verwerfungen, Widerspr&uuml;che und Br&uuml;che seiner Zeit literarisch. Selbstbild lautet eines seiner Gedichte, das die Koreanistin Marion Eggert ins Deutsche &uuml;bersetzt hat:<\/p><blockquote><p>\nHier ist die Totenmaske irgend eines Landes.<br>\nEs geht auch das Ger&uuml;cht um, die Totenmaske sei gestohlen.<br>\nDieser Bart, ein nicht in die Reife gekommenes Grasland der Arktis,<br>\nist seiner Verzweiflung bewusst und pflanzt sich nicht fort.<br>\nIn einer Fallgrube, wo seit &Auml;onen der Himmel f&uuml;r immer gefangen sitzt,<br>\nsind Verm&auml;chtnisworte wie Grabsteine, heimlich versunken.<br>\nDann gehen an ihrer Seite unvertraute Handsignale, Fu&szlig;signale vorbei,<br>\nwohlbehalten und reserviert.<br>\nDa beginnt der einst erhabene Inhalt auf ein oder andere Weise zu knittern.\n<\/p><\/blockquote><p>Die Unm&ouml;glichkeit, in der kolonialen Situation Subjektivit&auml;t und menschenw&uuml;rdige Existenz zu vereinen, war Yi Sangs beherrschendes Thema und gleichzeitig das Dilemma seiner Heimat. Dazu Marion Eggert: &raquo;Hier ist die Rede von der Totenmaske eines Landes. Das ist nat&uuml;rlich Korea. Offensichtlich ist das Land tot. Selbst die Maske, das Abbild des Landes, ist gestohlen. Da ist Vergangenheit gestohlen; komplement&auml;r dazu sieht das Gedicht einen Verzicht auf Zukunft. Der Bart, ein Symbol f&uuml;r M&auml;nnlichkeit, ist nicht in die Reife gekommen, pflanzt sich nicht fort. Dem ist die Potenz, das Potenzial, abhanden gekommen. Dann ist da ein Testament dieser toten Nation, aufbewahrt in einer Fallgrube; ich lese die Fallgrube als Bild des Ged&auml;chtnisses. Die ist gleichzeitig Speicher und Gef&auml;ngnis. So denke ich, ist das Urteil Yi Sangs &uuml;ber seine kulturelle Tradition. Unverbunden, neben diesem sehr zweischneidigen Ged&auml;chtnisspeicher, sind die unvertrauten Zeichensysteme der Gegenwart, diese Handsignale, diese Fu&szlig;signale, von denen ich denke, dass sie ein wenig auch anspielen auf die neue K&ouml;rperkultur, die man in Korea in der Kolonialzeit lernen musste. Also Dinge wie Massensport, Gymnastik, diese Turn&uuml;bungen, die eben in Fabriken, in Schulen, vor Beginn des Arbeitstages abgeleistet werden mussten, oder M&auml;rsche, Paraden. Alle diese Dinge geh&ouml;ren zur kolonialen Modernit&auml;t dazu. Ich denke, auf so was verweist eben auch &sbquo;Handsignale, Fu&szlig;signale&lsquo;, die unverbunden stehen als Zeichen der Moderne neben der Tradition, die in ihrer eigenen Fallgrube sitzt.&laquo;<\/p><p><strong>Studentensoldaten als Kanonenfutter<\/strong><\/p><p>Um die Macht des Kaiserreiches zu n&auml;hren und Japans Wohlstand zu mehren, wurden immer mehr Koreaner im Rahmen der allgemeinen Mobilmachung f&uuml;r den Krieg im Pazifik und gegen die L&auml;nder S&uuml;dostasiens zwangsrekrutiert. Das betraf insgesamt &uuml;ber viereinhalb Millionen Menschen, die im Lande selbst mobilisiert oder kurzerhand an Kriegsfronten eingesetzt wurden. Darunter befand sich auch Chung Ki-Young. Er arbeitete in dem kleinen Seouler B&uuml;ro einer s&uuml;dkoreanischen Nicht-Regierungsorganisation, die seit Jahren &uuml;ber die Schicksale koreanischer Opfer w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges forscht. Herr Chung, als &uuml;ber 80-J&auml;hriger noch sehr r&uuml;stig und mit schlohwei&szlig;em Haar, trug, als ich ihn das erste Mal vor eineinhalb Jahrzehnten traf, stets einen eleganten Markenanzug mit Krawatte. Er sprach langsam, seine Augen und sein L&auml;cheln strahlten Warmherzigkeit aus.<\/p><p>Geboren wurde Chung Ki-Young unweit der s&uuml;dkoreanischen Hafenstadt Pusan, wo er auch aufwuchs. 1942 begann er, an der damaligen Reichsuniversit&auml;t in Tokio Geschichte Ostasiens zu studieren. Anfang 1944 kehrte er nach Korea zur&uuml;ck, um sein Studium an der Seoul Nationaluniversit&auml;t fortzusetzen und dort auch seine Abschlussarbeit vorzubereiten. Zum Diplom allerdings kam er nicht mehr. Abrupt &auml;nderte sich Chung Ki-Youngs Leben, als japanische Milit&auml;rs ihn am 20. Januar 1944 zwangsweise in die Armee einzogen. &Uuml;ber Nacht war aus dem Studenten ein Soldat geworden. Ein Schicksal, das er mit vielen anderen Kommilitonen teilen musste:<\/p><p>&raquo;Wir sind auf einen Schlag zu Soldaten der Kaiserlich-Japanischen Armee gemacht worden&laquo;, erkl&auml;rte er mir w&auml;hrend unseres ersten Gespr&auml;chs, &raquo;in der ersten Woche mussten wir mehrere Impfungen &uuml;ber uns ergehen lassen. Dann wurden wir s&uuml;dlich von Seoul in die Stadt Taegu verfrachtet. Dort war die &sbquo;Einheit 80&rsquo; stationiert, ein Regiment, dem wir von nun an angeh&ouml;rten. Wenig sp&auml;ter wurden wir in den Zug gesetzt. Die Fahrt ging Richtung Norden. Nach einigen Tagen sah ich Teile der Gro&szlig;en Mauer &ndash; wir waren tats&auml;chlich in China angekommen! Erst sp&auml;ter erfuhr ich, dass wir &uuml;ber Nanking gefahren sind, bevor wir in der N&auml;he von Schanghai in die 60. Division eingegliedert wurden. So weit ich es &uuml;berblicken konnte, befanden sich darin etwa 300 koreanische Studentensoldaten. Einige, darunter auch ich, erhielten eine sechsmonatige Offiziersausbildung.&laquo;<\/p><p>Als Zugf&uuml;hrer und Offizier wurde Chung Ki-Young im Juni 1945 ins 13. Hauptquartier der japanischen Truppen in Schanghai verlegt. W&auml;hrend eines Ausgangs erfuhr er rein zuf&auml;llig vom Tod seines Freundes Han Seong-Ju, der als Partisan und Widerstandsk&auml;mpfer gegen die Japaner sein Leben geopfert hatte. Dies, so Herr Chung, habe ihn tief ersch&uuml;ttert und erstmalig &uuml;ber seine Flucht nachdenken lassen. Seine Kriegserinnerungen lie&szlig;en Chung Ki-Young nicht ruhen. Noch als Pension&auml;r k&auml;mpfte er gemeinsam mit Gleichgesinnten darum, dass der fr&uuml;heren Leidensgef&auml;hrten w&uuml;rdig gedacht wurde und ihnen zu Ehren Gedenkst&auml;tten entstanden:<\/p><p>&raquo;Von den mindestens 1,6 Millionen koreanischen Zwangsarbeitern hatten die Japaner 360.000 Mann in ihre Armee gepresst&laquo;, merkte Herr Chung in einem unserer Gespr&auml;che an, &bdquo;&raquo;unter diesen Soldaten befanden sich nach meiner Kenntnis etwa 7.000 Studentensoldaten. Vor einiger Zeit hat selbst die staatliche japanische Rundfunk- und Fernsehanstalt <em>NHK<\/em> berichtet, dass ein solches Schicksal 4.485 Koreanern widerfahren sei.&ldquo; Der Tod seines Freundes Han Seong-Ju bedr&uuml;ckte Chung Ki-Young bis an sein Lebensende. Ihn befiel jedes Mal Trauer, wenn er daran dachte, wie viele seiner Landsleute von den Japanern hingerichtet und danach einfach wie sperriger M&uuml;ll verscharrt worden waren. &raquo;Ihre Seelen&ldquo;, sagte er mir w&auml;hrend unseres letzten Interviews, &raquo;m&uuml;ssen endlich zur Ruhe kommen.&laquo;<\/p><p>Durch einen grellen Lichtblitz, der den Himmel zerteilte, und einen Donnerschlag, der die Grundfesten der Erde ersch&uuml;tterte, wurde Hiroshima in einem einzigen Augenblick dem Erdboden gleichgemacht. Wo einst eine ganze Stadt gestanden hatte, stieg eine riesige Feuers&auml;ule gradlinig zum Himmel auf. Darunter versank die Erde in tiefe Finsternis. Bald herrschte eine einzige riesige Feuersbrunst, die von Augenblick zu Augenblick heftiger wurde. Da starker Sturm herrschte, begannen sich halbnackte und splitternackte K&ouml;rper zu bewegen, dunkel gefleckt und blut&uuml;berstr&ouml;mt. Zu Gruppen zusammengeschlossen wankten sie, wie die Geister der Verstorbenen, davon. Apokalyptische Szenen, die in einem Forschungsbericht &uuml;ber die Folgewirkungen der Atombombenabw&uuml;rfe &uuml;ber den japanischen St&auml;dten Hiroshima und Nagasaki aufgezeichnet wurden.<\/p><p>&raquo;Dieser Regen der Zerst&ouml;rung aus der Luft&laquo;, wie US-Pr&auml;sident Harry S. Truman die Eins&auml;tze seiner Luftwaffe am 6. und 9. August 1945 genannt hatte, zerst&ouml;rte &uuml;ber Nacht den Gro&szlig;machtwahn des japanischen Kaiserreiches und beendete ebenso abrupt dessen Kolonialherrschaft &uuml;ber zahlreiche L&auml;nder Ost- und S&uuml;dostasiens sowie des Pazifik.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/771cf7762c55444eaf98ef555c945c0a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><p>Titelbild: nazlisart\/shutterstock.com<\/p><p><strong>Quellen &amp; weiterf&uuml;hrende Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li>David Bergamini: <em>Japan&rsquo;s Imperial Conspiracy<\/em>. New York\/London 1971<\/li>\n<li>Iris Chang: <em>Die Vergewaltigung von Nanking &ndash; Das Massaker in der chinesischen Hauptstadt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs<\/em>. Z&uuml;rich\/M&uuml;nchen 1999 (Die engl. Originalfassung erschien 1997 unter dem Titel <em>The Rape von Nanking<\/em>.)<\/li>\n<li>Hyondok Choe\/Lutz Drescher\/Rainer Werning (Hg.): <em>Korea &ndash; Entfremdung und Ann&auml;herung<\/em>. K&ouml;ln 2007<\/li>\n<li>Renato Constantino (ed.): <em>Southeast Asian Perceptions of Japan<\/em>. Tokyo\/Quezon City 1991<\/li>\n<li>Jon Halliday\/Gavan McCormack: <em>Japanese Imperialism Today: ,Co-Prosperity in Greater East Asia&rsquo;<\/em>. Harmondsworth 1973<\/li>\n<li>Daniel Clarence Holtom: <em>Modern Japan and Shinto Nationalism: A Study of Present-Day Trends in Japanese Religions<\/em>. New York 1963 (3. erw. Aufl.)<\/li>\n<li>David Horowitz: <em>Kalter Krieg: Hintergr&uuml;nde der US-Au&szlig;enpolitik von Jalta bis Vietnam (Bd. 2)<\/em>. Berlin 1969<\/li>\n<li>Saburo Ienaga: <em>The Pacific War: World War II and The Japanese<\/em>, 1931-1945. New York 1978<\/li>\n<li>Dr. Genchi Kato: <em>A Study of Shinto, the Religion of the Japanese Nation<\/em>. Tokyo 1936<\/li>\n<li>Charles A. Moore (ed.): <em>The Japanese Mind: Essentials of Japanese Philosophy and Culture<\/em>. Honolulu 1967<\/li>\n<li>Ivan Morris (ed.): <em>Japan 1931-1945: Militarism, Fascism, Japanism?<\/em> Boston 1963<\/li>\n<li>Jan Romein: <em>Das Jahrhundert Asiens &ndash; Geschichte des modernen asiatischen Nationalismus<\/em>. Bern 1958<\/li>\n<li>Sven Saaler\/J. Victor Koschmann (eds.): <em>Pan-Asianism in Modern Japanese History<\/em>. London\/New York 2007<\/li>\n<li>Du-Yul Song\/Rainer Werning: <em>Korea &ndash; Von der Kolonie zum geteilten Land<\/em>. Wien 2012<\/li>\n<li>Rainer Werning: <em>Shadows Cast by the Rising Sun<\/em>, in: Solidarity (Manila). August 1971<\/li>\n<li>&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&ndash; : Verm&auml;chtnisse eines imperialen Traums, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45846\">NDS vom 5. September 2018<\/a><\/li>\n<li>&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&ndash; : <em>&bdquo;Jederzeit gef&uuml;gige und aufopferungsvolle Untertanen des Kaisers&ldquo;<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54167\">NDS vom 15. August 2019<\/a><\/li>\n<li>Chitoshi Yanaga: <em>Big Business in Japanese Politics<\/em>. New Haven\/London 1968<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im ersten Teil der siebenteiligen Serie zur Vorgeschichte, zum Verlauf und zu den Verm&auml;chtnissen des Zweiten Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien besch&auml;ftigt sich unser Autor <strong>Rainer Werning<\/strong> mit dem Aufstieg Japans zur hegemonialen Macht in Ostasien.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":58484,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,171],"tags":[339,379,2960,1426,2831,2175,1497,1792,2703,1451,1367,259,2518,966],"class_list":["post-58483","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-chauvinismus","tag-china","tag-der-zweite-weltkrieg-in-ost-und-suedostasien","tag-hegemonie","tag-industrialisierung","tag-interventionspolitik","tag-japan","tag-kolonialismus","tag-korea","tag-monarchie","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-versailler-vertrag","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/200216_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58483"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58522,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58483\/revisions\/58522"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/58484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}