{"id":58493,"date":"2020-02-16T13:30:29","date_gmt":"2020-02-16T12:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58493"},"modified":"2020-02-16T16:51:46","modified_gmt":"2020-02-16T15:51:46","slug":"einwurf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58493","title":{"rendered":"Einwurf"},"content":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Chefredakteur und Herausgeber des Handelsblatts Gabor Steingart widmet sich in der Ausgabe seines <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/gastbeitrag-von-gabor-steingart-die-ehemalige-ddr-wird-fuer-die-cdu-immer-mehr-zum-feindesland_id_11660263.html\">Morning Briefing vom 14. Februar 2020<\/a> dem Zustand der CDU in Ostdeutschland nach dem Desaster der Th&uuml;ringer Ministerpr&auml;sidentenwahl. Seine Ausf&uuml;hrungen zu Ostdeutschland, vor allem aber zur DDR, zeigen, warum sich die Ostdeutschen seit 30 Jahren vehement dar&uuml;ber beklagen, dass ihnen von unbedarften &bdquo;Wessis&ldquo; best&auml;ndig deren eigene Betrachtungsweise &uuml;bergest&uuml;lpt wird, oftmals ohne Kenntnis von Fakten. Von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Begriff des &bdquo;Besserwessis&ldquo; gelangte in den g&auml;ngigen Sprachgebrauch, als kurz vor und kurz nach 1990 immer mehr Westdeutsche nach Ostdeutschland kamen und glaubten, den Ostdeutschen &bdquo;die Welt erkl&auml;ren&ldquo; zu m&uuml;ssen. Das waren zwar keineswegs alle, ja nicht einmal die Mehrzahl. Diese dann aber mit einer solchen Penetranz und &Uuml;berheblichkeit, dass den Ostdeutschen die Galle hochkam. Und so ist der Begriff des Besserwessis zwar auch als Antwort auf den damals &uuml;berall zu vernehmenden &bdquo;Jammer-Ossi&ldquo; zu betrachten, vor allem aber als Schlagwort in Bezug auf all diejenigen, die stets und &uuml;berall ihren Zeigefinger hoben, wenn sie meinten, einen Ostdeutschen mit vermeintlich v&auml;terlichem Rat von seiner Unkenntnis zu befreien. Das mochte zwar angebracht sein, wenn dieser &uuml;ber wirtschaftliche Hintergr&uuml;nde im realexistierenden und nun auf die Ostdeutschen zukommenden Kapitalismus aufkl&auml;ren zu m&uuml;ssen meinte. Es wurde (und wird) aber vollkommen absurd, wenn er glaubte, die Ostdeutschen dar&uuml;ber belehren zu m&uuml;ssen, wie diese in der DDR gelebt hatten und die Verh&auml;ltnisse dort denn so gewesen seien.<\/p><p>Und auch heute noch gibt es diese Neigung, wenngleich zum Gl&uuml;ck deutlich weniger. Wenn nun Gabor Steingart in seinem Morning Briefing meint, seinen Lesern den Begriff des Wendehalses erkl&auml;ren zu m&uuml;ssen, sich dabei aber v&ouml;llig vergaloppiert, dann ist das mehr als nur peinlich.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das Wort &bdquo;Wendehals&ldquo;, einst benutzt zur polemischen Etikettierung eines vermeintlichen DDR-eigenen Opportunismus, straft sich selbst l&uuml;gen (sic).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es ist Unfug, wenn Steingart solch eine Erkl&auml;rung seinen Lesern zum Begriffsverst&auml;ndnis darbietet. Es ist zwar kein Beinbruch, wenn er es nicht wei&szlig;, aber dann soll er doch bitte zu den Dingen schweigen, von denen er (offensichtlich) keine Ahnung hat. Das ist genau diese Anma&szlig;ung, &uuml;ber Dinge zu dozieren &ndash; am besten noch denen gegen&uuml;ber, die es besser wissen als er &ndash; von denen er nichts wei&szlig;, die die Ostdeutschen so auf die Palme gebracht hat und noch bringt. Denn ein Wendehals hatte nichts mit einem &bdquo;DDR-eigenen Opportunismus&ldquo; zu tun. Stattdessen wurden damit diejenigen bezeichnet, die vor &bdquo;der Wende&ldquo; stets treu ihre Floskeln zugunsten der SED und des realsozialistischen Alltags abgesondert haben und nun danach von heute auf morgen dem Kapitalismus das Wort redeten, ja eigentlich schon immer daf&uuml;r waren.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Hatte sich nicht die DDR an einer &Uuml;berdosis Volk vergiftet? Volksrepublik. Volksbefreiungsarmee. Volkskammer.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und wieder erkl&auml;rt Steingart den Menschen Dinge, die es so &uuml;berhaupt nicht gab. Volksbefreiungsarmeen gab und gibt es zwar in Afrika, in Asien oder in S&uuml;damerika. Die Armee der DDR hie&szlig; jedoch Volksarmee, genauer Nationale Volksarmee, NVA. Eine Petitesse? Eigentlich schon. Aber wenn Steingart seine Argumentation auf einzelne Begriffe wie &bdquo;Volk&ldquo; aufbaut, dann muss er sich auch an den einzelnen Begriffen messen lassen. Wie w&uuml;rde das klingen, wenn ein Ostdeutscher die Bundeswehr der alten Bundesrepublik Wehrmacht genannt h&auml;tte? Ist ja irgendwie auch richtig, denn da steckt ja das Wort &bdquo;Wehr&ldquo; auch mit drin.<\/p><p>Irgendwie ist es immer noch ein bisschen wie vor 30 Jahren. Westdeutsche Journalisten und Politiker erkl&auml;ren den Ostdeutschen, wie es in der DDR gewesen sei und was sie gef&auml;llig dar&uuml;ber zu denken h&auml;tten. Zugezogene Politiker aus dem Westen ma&szlig;en sich an, die Demonstrationen von 1989 f&uuml;r ihre pers&ouml;nlichen Zwecke zu missbrauchen, indem sie einfach sich selbst in das damalige Geschehen hineinmontieren. So wie es AfD-Politiker mehrfach getan haben.<\/p><p>Schuster, bleib bei deinen Leisten. Schreibe dar&uuml;ber, wovon du etwas verstehst. Ansonsten darfst du gern auch einfach mal schweigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Chefredakteur und Herausgeber des Handelsblatts Gabor Steingart widmet sich in der Ausgabe seines <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/gastbeitrag-von-gabor-steingart-die-ehemalige-ddr-wird-fuer-die-cdu-immer-mehr-zum-feindesland_id_11660263.html\">Morning Briefing vom 14. Februar 2020<\/a> dem Zustand der CDU in Ostdeutschland nach dem Desaster der Th&uuml;ringer Ministerpr&auml;sidentenwahl. 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