{"id":5852,"date":"2010-06-10T09:08:05","date_gmt":"2010-06-10T07:08:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5852"},"modified":"2014-03-05T11:33:01","modified_gmt":"2014-03-05T10:33:01","slug":"bruederle-wir-leben-ideologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5852","title":{"rendered":"Br\u00fcderle: Wir leben Ideologie"},"content":{"rendered":"<p>Statt Opels Logo &bdquo;Wir leben Autos&ldquo;, gilt f&uuml;r Br&uuml;derle offenbar, wir leben Ideologie.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/videos\/politik\/article7975264\/Keine-Opel-Hilfen-vom-Staat.html\">&bdquo;Das Pendel muss wieder in Richtung Markt schwingen&ldquo;<\/a>, sagte Br&uuml;derle in seiner kurzen Erkl&auml;rung, warum er &bdquo;als Wirtschaftsminister&ldquo; eine B&uuml;rgschaft f&uuml;r Opel aus dem Deutschlandfonds ablehne. Zugegeben die Entscheidung f&uuml;r Opel eine staatliche Garantieerkl&auml;rung &uuml;ber 1,1 Milliarden Euro abzugeben ist nicht einfach. Warum Opel retten und nicht Karstadt? Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nMan k&ouml;nnte argumentieren, dass der Abbau von &Uuml;berkapazit&auml;ten in der Autobranche von 20 bis 30 % nicht ohne deutsche Arbeitsplatzverluste m&ouml;glich ist. Aber den Mut, das zu sagen, hat Br&uuml;derle nicht.  Und immerhin wird Opel europaweit 8.500 Arbeitspl&auml;tze abbauen und von den 25.000 Arbeitspl&auml;tzen in Deutschland sollen 2.500 wegfallen.<\/p><p>Man k&ouml;nnte auch argumentieren, Staatshilfen sind wettbewerbsverzerrende Subventionen. Aber dann ist der  &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;- also das Kredit- und B&uuml;rgschaftsprogramm f&uuml;r angeschlagene Unternehmen im Volumen von 100 Milliarden Euro &ndash; insgesamt  wettbewerbsverzerrend. Mehr als 11.000 Firmen wurde schon geholfen und angeblich <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article6692874\/Deutschlandfonds-hat-11-000-Unternehmen-geholfen.html\">750.000 Stellen gerettet<\/a>. Im &Uuml;brigen, w&uuml;rden die Wettbewerbsh&uuml;ter in Br&uuml;ssel eine B&uuml;rgschaft an Opel noch zus&auml;tzlich &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><p>Ist Opel nicht auch ein Opfer der Wirtschaftskrise und sei es der amerikanischen? Der Mutterkonzern geh&ouml;rt noch immer mehrheitlich der US-amerikanischen und kanadischen Regierung. Warum darf man in den wirtschaftsliberalen USA der Staat sogar in ein Unternehmen einsteigen und in der &bdquo;sozialen Marktwirtschaft&ldquo; Deutschlands darf noch nicht einmal eine B&uuml;rgschaft &uuml;bernommen werden?<\/p><p>Wie Br&uuml;derle tats&auml;chlich argumentiert, so kann man allerdings nicht argumentieren, wenn man nicht als Gefangener seiner marktliberalen Ideologie dastehen will:<\/p><p>GM sei in der Lage, sich aus eigener Kraft zu modernisieren. Das US-Unternehmen verf&uuml;ge &uuml;ber rund zehn Milliarden Dollar an fl&uuml;ssigen Mitteln und habe im ersten Quartal 2010 fast eine Milliarde Gewinn verbucht. So begr&uuml;ndet Br&uuml;derle seine ablehnende Entscheidung.<br>\nWenn es sich bei der Mutter von Opel also um ein profitables Unternehmen handelt, welches Risiko geht dann aber Br&uuml;derle mit einer B&uuml;rgschaft f&uuml;r den Kredit f&uuml;r die deutsche Tochter Opel ein, zumal wenn man die B&uuml;rgschaftskonditionen mit der Konzernmutter vern&uuml;nftig ausgehandelt h&auml;tte? <\/p><p>Wurden nicht mit Zustimmung der FDP und mit Zustimmung von Br&uuml;derle Garantiesummen und Kapitalzusch&uuml;sse in exorbitanter H&ouml;he an Banken gew&auml;hrt, bei denen das Geld von vorneherein verloren (IKB) oder aber der B&uuml;rgschaftsfall viel wahrscheinlicher ist (HRE)? Weit &uuml;ber 100 Milliarden Garantiesumme f&uuml;r die HRE, ein Einstieg mit &uuml;ber 18 Milliarden bei der Commerzbank, das sind Dimensionen, die weit &uuml;ber der B&uuml;rgschaft f&uuml;r Opel liegen.<\/p><p>Als Minister k&ouml;nne er nicht auf einzelne Unternehmen schauen, meint Br&uuml;derle und belegt damit seine ordoliberale Amtsauffassung. Es geht ihm um die Durchsetzung des Markt- und Wettbewerbsdogmas und nicht um die konkrete wirtschaftspolitische Flankierung f&uuml;r die Neustrukturierung eines Unternehmens. Das Dogma ist wichtiger als das Schicksal von 25.000 Menschen, deren Arbeitsplatz und damit auch ihre Existenz auf dem Spiel steht. Br&uuml;derle meint offenbar, dass damit hat ein &bdquo;Wirtschaftsminister&ldquo; nichts zu tun habe. F&uuml;r ihn steht die reine Lehre &uuml;ber einer pragmatischen wirtschaftspolitischen L&ouml;sung.<\/p><p>Man k&ouml;nnte &uuml;ber eine solche Wirtschaftspolitik der Spr&uuml;che sogar noch hinwegsehen, wenn sie der marktwirtschaftlichen Wirklichkeit angemessen w&auml;ren. Was Br&uuml;derle  verleugnet, das ist die Tatsache, dass seit November 2008 die Politik und der Staat bei der Rettung von Opel nicht etwa marktwirtschaftlich &uuml;ber den Wassern schwebten, sondern im <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/10\/0,3672,8077994,00.html\">&Uuml;berlebenskampf von Opel<\/a> unmittelbar beteiligt waren und deshalb auch in Verantwortung stehen. Da kann sich auch ein FDP-Minister nicht mehr nur einfach mit seinen ideologischen Floskeln aus der Verantwortung stehlen. <\/p><p>Da stellt sich z.B. die Frage: Was passiert mit den Arbeitspl&auml;tzen bei Opel in Deutschland, wenn an den anderen Standorten in Europa, also in Spanien, in Belgien, in Polen oder in England, die B&uuml;rgschaften gew&auml;hrt werden?  <\/p><p>Zugegeben als die Kanzlerin zu den Opel-Werkern pilgerte, war sie im Wahlkampf und da war Br&uuml;derle noch nicht Minister. Dass Br&uuml;derle Frau Merkel aber jetzt im Regen stehen l&auml;sst, das ist eine politische Scheidungserkl&auml;rung.<br>\nIm Lenkungsausschuss des Deutschlandfonds gab es bei dieser Entscheidung offenbar ein Patt. Die Vertreter des FDP-gef&uuml;hrten Wirtschafts- und Justizressorts d&uuml;rften wohl gegen eine B&uuml;rgschaft gestimmt haben, w&auml;hrend der Vertreter des Finanzministeriums und des Kanzleramtes daf&uuml;r waren. Br&uuml;derle selbst hat also die Entscheidung zu vertreten. Offenbar sehr zum Unmut von Kanzlerin Merkel.<\/p><p>Die Kanzlerin erkl&auml;rte nach der Entscheidung Br&uuml;derles Folgendes: <\/p><blockquote><p>&laquo;Was die heutigen Entscheidungen anbelangt, so gibt es zuerst einmal die Mitteilung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass ich deutlich machen m&ouml;chte, dass das letzte Wort hinsichtlich der Zukunft von Opel nat&uuml;rlich nicht gesprochen ist, sondern dass ich morgen mit den Ministerpr&auml;sidenten dar&uuml;ber beraten werde, in welcher Weise wir M&ouml;glichkeiten haben, Opel zu helfen.<br>\nIch glaube, es ist klar, dass innerhalb der Koalition &uuml;ber diese Frage unterschiedliche Meinungen herrschten. Das ist nicht erst seit gestern so. Die Nicht-Genehmigung des Antrags ist Ausdruck dieser unterschiedlichen Meinungen. Aber ich werde in dem Gespr&auml;ch mit den Ministerpr&auml;sidenten alles tun, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich sehr f&uuml;r den Erhalt von Opel eingesetzt haben, die m&ouml;glichen Hilfen und die Unterst&uuml;tzung bekommen, die uns zur Verf&uuml;gung stehen.&raquo;<\/p><\/blockquote><p>Doch welche &bdquo;m&ouml;glichen Hilfen&ldquo; stehen der Kanzlerin noch zu Verf&uuml;gung? Welche Angebote will sie in ihrem heutigen Gespr&auml;ch mit den Ministerpr&auml;sidenten der deutschen Opel-Standorte (darunter drei ihrer Partei) noch machen?<\/p><p>Hilfen aus dem Deutschlandfonds sind durch Br&uuml;derle blockiert.<br>\nEs wird &uuml;ber Hilfen der Europ&auml;ischen Investitionsbank (EIB) spekuliert. Aber auch daf&uuml;r m&uuml;sste der Staat b&uuml;rgen und au&szlig;erdem sind solche Hilfen mit zweckgebundenen Auflagen verbunden. Das Gew&uuml;rge um Opel ginge also weiter und Einfluss auf die Entscheidungen auf europ&auml;ischer Ebene hat die Kanzlerin auch nur begrenzt. Au&szlig;erdem m&uuml;sste Opel zun&auml;chst mit eigenem Geld in Vorleistung gehen und gerade f&uuml;r dieses Geld erhofft das Unternehmen ja die B&uuml;rgschaft. <\/p><p>Andere Pl&auml;ne gibt es bisher nicht. Das beste was die Kanzlerin noch erreichen kann, sind wieder einmal freundliche Worte f&uuml;r die Opel-Arbeitnehmer. Wenn Merkel nach ihrer heutigen Erkl&auml;rung als Kanzlerin noch ihr Gesicht wahren will, dann kann sie eigentlich Br&uuml;derle nur aus dem Kabinett werfen.<br>\nOb das die schwarz-gelbe Koalition &uuml;berlebt ist h&ouml;chst fraglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt Opels Logo &bdquo;Wir leben Autos&ldquo;, gilt f&uuml;r Br&uuml;derle offenbar, wir leben Ideologie.<br \/> <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/videos\/politik\/article7975264\/Keine-Opel-Hilfen-vom-Staat.html\">&bdquo;Das Pendel muss wieder in Richtung Markt schwingen&ldquo;<\/a>, sagte Br&uuml;derle in seiner kurzen Erkl&auml;rung, warum er &bdquo;als Wirtschaftsminister&ldquo; eine B&uuml;rgschaft f&uuml;r Opel aus dem Deutschlandfonds ablehne. 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