{"id":58637,"date":"2020-02-20T09:10:01","date_gmt":"2020-02-20T08:10:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58637"},"modified":"2020-02-28T08:42:34","modified_gmt":"2020-02-28T07:42:34","slug":"privatisierung-paradox-wie-aus-post-telekom-und-bahn-globale-player-wurden-die-ihren-gesellschaftlichen-auftrag-vernachlaessigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58637","title":{"rendered":"Privatisierung paradox \u2013 Wie aus Post, Telekom und Bahn globale Player wurden, die ihren gesellschaftlichen Auftrag vernachl\u00e4ssigen"},"content":{"rendered":"<p>In Brandenburg schlie&szlig;en die Postfilialen, daf&uuml;r ist die Deutsche Post DHL heute der einzige Logistikkonzern, der jedes Dorf in Syrien, Libyen und dem Jemen <a href=\"https:\/\/www.arabianbusiness.com\/business\/425985-how-dhl-delivers-to-all-areas-of-the-middle-east\">beliefert<\/a>. In der Eifel reiht sich Funkloch an Funkloch, daf&uuml;r hat die Deutsche Telekom in den USA bereits im Dezember das erste 5G-Netz mit nationaler Abdeckung <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2019-12\/03\/telekom-tochter-t-mobile-us-startet-groesstes-5g-netz-in-den-usa\">in Betrieb genommen<\/a>. Im Hunsr&uuml;ck werden die Bahnh&ouml;fe stillgelegt, daf&uuml;r baut die Deutsche Bahn <a href=\"https:\/\/www.db-engineering-consulting.de\/db-ec-de\/news\/1-Baustufe-der-Metro-Doha-in-Betrieb-4652748\">in Katar<\/a> eine Metro. Drei F&auml;lle, ein Ph&auml;nomen &ndash; die privatisierten Staatsbetriebe haben sich mit Milliardeninvestitionen zu globalen Konzernen gemausert und erf&uuml;llen im eigenen Land zusehends nicht mehr die Grundversorgung. Und dazwischen gibt es sogar einen Zusammenhang. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3739\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-58637-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200220_Privatisierung_paradox_Wie_aus_Post_Telekom_und_Bahn_globale_Player_wurden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200220_Privatisierung_paradox_Wie_aus_Post_Telekom_und_Bahn_globale_Player_wurden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200220_Privatisierung_paradox_Wie_aus_Post_Telekom_und_Bahn_globale_Player_wurden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200220_Privatisierung_paradox_Wie_aus_Post_Telekom_und_Bahn_globale_Player_wurden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=58637-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200220_Privatisierung_paradox_Wie_aus_Post_Telekom_und_Bahn_globale_Player_wurden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200220_Privatisierung_paradox_Wie_aus_Post_Telekom_und_Bahn_globale_Player_wurden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Der gelbe Riese ist heute die weltweite Nummer Eins<\/strong><\/p><p>Die gute alte gelbe Bundespost hei&szlig;t heute Deutsche Post DHL Group und ist &ndash; vor allem dank seiner internationalen Tochter DHL &ndash; Kopf an Kopf mit den US-Konzernen FedEx und UPS einer der drei gr&ouml;&szlig;ten Logistikkonzerne der Welt. Alleine DHL liefert pro Jahr rund 1,3 Milliarden Pakete aus und ist nach eigenen Angaben in <a href=\"https:\/\/www.dhl.de\/de\/geschaeftskunden\/paket\/leistungen-und-services\/internationaler-versand\/paket-international.html\">&bdquo;&uuml;ber 220 L&auml;ndern und Territorien&ldquo; aktiv<\/a>. Zum gro&szlig;en Weltreich der Deutschen Post geh&ouml;ren beispielsweise die indische Frachtfluglinie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Blue_Dart_Aviation\">Blue Dart Aviation<\/a>, die 54 Mitarbeiter starke Tochterfirma <a href=\"https:\/\/www.dhl-mm.com\/en\/country_profile.html\">DHL Myanmar<\/a>, die Frachtplattform <a href=\"https:\/\/saloodo.ae\/\">Saloodo!<\/a>, die Kunden aus dem Mittleren Osten und Afrika von Abu Dhabi aus Frachtm&ouml;glichkeiten vermittelt, und die australische Tasman Cargo Airlines, die mit einer Boeing einige S&uuml;dseeinseln mit Luftfracht versorgt. Globaler geht es nicht.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/shutterstock_492482728.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><em>DHL-Lieferwagen in Shenzen\/China<\/em><br>\n<em>Bild: Sorbis\/shutterstock.com<\/em><\/p><p>Der gelbe Riese ist zwar auf dem Papier ein deutsches Unternehmen, der gr&ouml;&szlig;te nationale Markt des Logistikkonzerns ist jedoch China. Mit seiner Sparte DHL eCommerce Asia deckt die Deutsche Post hier die komplette Lieferkette f&uuml;r Onlineh&auml;ndler ab &ndash; angefangen bei der Lagerlogistik bis hin zur Paketzustellung in 220 L&auml;ndern und dem Retourenmanagement. Die Post-Tochter DHL setzt in der Region Asien\/Pazifik pro Jahr <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-konsumgueter\/logistiktochter-der-deutschen-post-dhl-setzt-ganz-auf-asien-seite-2\/2642422-2.html\">rund sechs Milliarden Euro um<\/a>. In Shanghai hat sie 2012 f&uuml;r 175 Millionen Euro ein neues <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-konsumgueter\/post-setzt-auf-asien-appel-eroeffnet-dhl-drehkreuz-in-shanghai\/6869652.html?ticket=ST-5650241-v1VWAf1aw7MDq16mSdht-ap1\">globales Drehkreuz er&ouml;ffnet<\/a>, &uuml;ber das neben den Kreuzen in Hong Kong, Cincinnati und Leipzig der globale Frachtflugverkehr von DHL abgewickelt wird. Auch hier ist die Deutsche Post mit ihrer belgischen Tochter <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/DHL_Aviation\">DHL Aviation<\/a> mit <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20121220124840\/http:\/\/www.dhl.com\/en\/about_us\/express.html#facts_figures\">rund 250 Flugzeugen<\/a> und rund einer halben Milliarde Luftfrachtsendungen pro Jahr die globale Nummer Eins.<\/p><p>Dieser Erfolg ist bemerkenswert, nur nutzt es dem deutschen B&uuml;rger nichts, wenn &bdquo;seine Post&ldquo; es zwar schafft, Pakete aus Guangdong 24 Stunden sp&auml;ter in Neukaledonien zuzustellen, gleichzeitig aber die letzten Postfilialen und Briefk&auml;sten auf dem Lande au&szlig;er Betrieb nimmt. W&auml;hrend die Deutsche Post nun auch in Indien und S&uuml;dafrika ihr eigenes Paketgesch&auml;ft <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Deutsche-Post-will-weltweit-zustellen-article15805046.html\">aufbaut<\/a>, denkt sie in Deutschland bereits laut dar&uuml;ber nach, montags generell <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/keine-briefe-am-montag-die-wahrscheinlichkeit-steigt-dass-die-post-nur-noch-fuenf-mal-pro-woche-kommt\/25295894.html\">keine Briefpost mehr zuzustellen<\/a>. Und da die globale Expansion einiges an Geld kostet, sieht man sich offenbar dazu gezwungen, auf dem deutschen Markt die Paketboten in regionale Billiggesellschaften <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/rendite-frisst-gute-arbeit\">auszugliedern<\/a>, um damit den Post-Haustarif auszuhebeln und die Mitarbeiter schlechter zu bezahlen.<\/p><p>Weder die deutschen B&uuml;rger noch die deutschen Mitarbeiter der Post haben einen Vorteil davon, dass die Deutsche Post weltweit mit anscheinend gro&szlig;em Erfolg t&auml;tig ist. Im Gegenteil. Wenn die Post bei ihren eigentlichen Kernt&auml;tigkeiten sparen muss, um die Finanzmittel f&uuml;r die gigantischen internationalen Investitionen aufzubringen, ist dies ein Nachteil. Die Privatisierung hat auf diesem Feld nichts zum Besseren ge&auml;ndert. Fr&uuml;her stellte ein ordentlich bezahlter Post-Beamter die Briefe und Pakete zu, heute erledigen diese Aufgabe vier oft aus S&uuml;dosteuropa stammende &bdquo;Selbstst&auml;ndige&ldquo; im Auftrag von Unternehmen wie Hermes, GLS, DPD oder eben der Post-Tochter DHL. Volkswirtschaftlich ist dies kontraproduktiv und die Qualit&auml;t der Brief- und Paketzustellung hat sich durch die Privatisierung auch um kein Jota verbessert.<\/p><p><strong>Die Telekom investiert Milliarden in den USA und in der Eifel gibt es kein Netz<\/strong><\/p><p>Weniger unternehmerisches Fortune als die ehemalige gelbe Post hatte die ehemalige graue Post. Die Deutsche Telekom AG hatte bereits kurz nach der Privatisierung das aus den B&ouml;rseng&auml;ngen eingesammelte Geld nicht etwa f&uuml;r die dringend ben&ouml;tigte Digitalisierung des Landes, sondern f&uuml;r eine &auml;u&szlig;erst kostspielige Expansion auf den US-Markt genutzt. Ron Sommers gro&szlig;e Hinterlassenschaft war somit auch nicht etwa ein zeitgem&auml;&szlig;es nationales Telekommunikationsnetz, sondern ein riesiger Schuldenberg, der sich vor allem aus den Kosten der fast 40 Milliarden Euro teuren &Uuml;bernahme der US-Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel zusammensetzte.<\/p><p>Alleine die Zinslast f&uuml;r dieses unternehmerisch fragw&uuml;rdige Abenteuer beschnitt in den Folgejahren das Budget f&uuml;r n&ouml;tige Infrastrukturinvestitionen in Deutschland massiv. Nun klingelten auch bei der Telekom die Alarmglocken und man versuchte verzweifelt, das defizit&auml;re US-Gesch&auml;ft wieder abzusto&szlig;en, fand jedoch keinen K&auml;ufer, der die Auflagen der US-Kartellbeh&ouml;rden erf&uuml;llen konnte oder wollte. Also butterte die Telekom noch mehr Geld in ihre US-T&ouml;chter, um sie selbst konkurrenzf&auml;hig zu machen.<\/p><p>Und diesmal gelang das Vorhaben sogar. Der Preis daf&uuml;r war jedoch gewaltig. Milliarden Dollar aus Deutschland flossen nun in neue Lizenzen, den Aufbau der Infrastruktur und Werbung. T-Mobile USA hatte dank der Milliardentransfers aus Deutschland die Kurve gekriegt. Im letzten Jahr genehmigte das US-Justizministerium sogar die von der Telekom erw&uuml;nschte Fusion ihrer US-Tochter mit dem Mobilfunkunternehmen Sprint und nun besitzen die Bonner einen Mehrheitsanteil am zweitgr&ouml;&szlig;ten US-Mobilfunkunternehmen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/shutterstock_764473861.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><em>T-Mobile-Werbung auf dem Time Square in New York<\/em><br>\n<em>Bild: Nella\/shutterstock.com<\/em><\/p><p>Das w&auml;re ja alles ein sch&ouml;nes Wirtschaftsm&auml;rchen, g&auml;be es dabei nicht einen &auml;rgerlichen &bdquo;Sch&ouml;nheitsfehler&ldquo;. Durch die Investitionen in den USA und die Fusion mit Sprint sind die Nettoschulden der Telekom mittlerweile auf schwindelerregende 78,8 Milliarden Euro <a href=\"https:\/\/www.deraktionaer.de\/artikel\/medien-ittk-technologie\/deutsche-telekom-die-gruende-fuer-den-schuldenanstieg-20193451.html\">angestiegen<\/a> und es fehlt Geld an allen Ecken und Enden. Vor allem f&uuml;r den Mobilfunknetzausbau und den Ausbau der Glasfasertechnik auf dem deutschen Heimatmarkt fehlen die Mittel. W&auml;hrend die Telekom in den USA bereits ein funktionierendes 5G-Netz betreibt, reiht sich in Deutschland ein Funkloch an das n&auml;chste und Techniken wie 5G, die in zahlreichen L&auml;ndern schon in Betrieb sind, sind in Deutschland vor allem in der Fl&auml;che reine Zukunftsmusik.<\/p><p>So hat die Privatisierung dazu gef&uuml;hrt, dass Deutschland den Anschluss bei der Digitalisierung mittlerweile verloren hat. Bei Internetverbindungen &uuml;ber Glasfaserkabel landet Deutschland heute <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/politik\/statistik-zeigt-wie-abgehaengt-deutschland-bei-der-digitalisierung-ist-2019-10\/\">im internationalen Vergleich<\/a> auf Platz 72, bei den mobilen Breitbandanschl&uuml;ssen auf Platz 58. Im Busch von Borneo ist das Netz schneller und stabiler als in der L&uuml;neburger Heide.<\/p><p>L&auml;nder wie Finnland haben trotz d&uuml;nner Besiedlung eine <a href=\"https:\/\/www.dna.fi\/dnabusiness\/blogi\/-\/blogs\/northern-and-eastern-finland-lead-the-world-in-mobile-services\">fast l&uuml;ckenlose Abdeckung<\/a> &hellip; aber daf&uuml;r sind die Finnen ja auch nicht Kunde eines Mobilfunkunternehmens, das die Nummer Zwei in den USA und auch in vielen anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern von Albanien &uuml;ber Ungarn bis hin zur Slowakei t&auml;tig ist. Dumm nur, dass die deutschen Kunden vom internationalen Engagement des ehemaligen Staatskonzerns keine Vorteile, daf&uuml;r aber gleich massenweise Nachteile haben. Denn jeder Euro, den die Telekom in den USA investiert, fehlt nun einmal in Deutschland. Zwischen dem funktionierenden, fl&auml;chendeckenden 5G-Netz von T-Mobile USA und dem l&uuml;ckenhaften 4G-Netz der Deutschen Telekom hierzulande gibt es einen klaren Zusammenhang. Die Privatisierung und die sinnlose internationale Ausrichtung der Telekom hat hierzulande daher auch zu klaren strukturellen Nachteilen gef&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Die Deutsche Bahn &ndash; ein Global Player auf der Stra&szlig;e und zur See<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die Post und die Telekom an die B&ouml;rse gingen und heute nur noch zum Teil im Staatsbesitz sind, ist die Deutsche Bahn AG trotz ihrer Firmierung als Aktiengesellschaft immer noch ein reines Staatsunternehmen, dessen Anteile zu 100 Prozent beim Bund liegen. Doch wer glaubt, dass die Bahn durch die ordnende Hand der Politik ihre begrenzten Mittel nicht im Ausland verschleudert h&auml;tte, irrt leider.<\/p><p>Heute besitzt die Deutsche Bahn ein nur noch irrsinnig zu nennendes <a href=\"https:\/\/assets.documentcloud.org\/documents\/6471295\/Bahn-Beteiligungen-Uebersicht.pdf\">Netz von 675 Firmen<\/a> in der ganzen Welt. <a href=\"https:\/\/www.buzzfeed.com\/de\/marcusengert\/deutsche-bahn-hohe-schulden-zahlreiche-firmen-im-ausland\">Darunter finden sich<\/a> Bahngesellschaften in Gro&szlig;britannien, aber auch ein VW-Autohaus in Slowenien, eine d&auml;nische Sprachschule f&uuml;r Taxi- und Busfahrer, ein britischer Krankentransportbetreiber, ein schwedischer Reifenh&auml;ndler und ein Autoaufbereiter in Spanien. Was dies alles mit dem Unternehmenszweck, den &ouml;ffentlichen Schienenverkehr in Deutschland zu betreiben, zu tun haben soll, wissen sicher noch nicht einmal die Herren Mehdorn, Grube und Lutz, die den &bdquo;Bahnchef&ldquo; &uuml;ber Jahre hinweg wie einen Vornamen getragen haben.<\/p><p>Der Wahnsinn begann dabei bereits in der Amtszeit von Bahnchef Mehdorn. Der kaufte f&uuml;r die Bahn den Logistikriesen Schenker, dessen Kerngesch&auml;ft jedoch nicht der Schieneng&uuml;terverkehr, sondern der G&uuml;terverkehr auf der Stra&szlig;e ist. Mit Milliarden-Investitionen integrierte die Bahn Schenker in den Folgejahren. Jedoch wurde aus dem LKW-Speditionsgiganten nun nicht etwa ein nationaler Schieneng&uuml;ter-Gigant, mit dem Teile des Stra&szlig;eng&uuml;terverkehrs zum Wohle der Umwelt und der Nerven der Autofahrer auf die Schiene umgelenkt wurden. Nein, ganz im Gegenteil. Aus der Bahn wurde nun ein international agierender Logistikkonzern, der im Frachtsegment nun immer mehr Umsatz auf der Stra&szlig;e und der See und weniger Umsatz auf der Schiene machte. Heute ist Schenker in China einer der Marktf&uuml;hrer <a href=\"https:\/\/www.dbschenker.com\/cn-zh\">f&uuml;r den Containertransport in die USA<\/a> und verschickt nach eigenen Angaben <a href=\"https:\/\/www.dbschenker.com\/cn-zh\/products\/ocean-freight\">5.500 Container pro Tag<\/a> per Seefracht. Auch hier erschlie&szlig;t sich nicht, was das mit dem Gesch&auml;ftszweck der Deutschen Bahn zu tun haben soll.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/shutterstock_393102298.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><em>Arriva-Zug in Manchester, Gro&szlig;britannien<\/em><br>\n<em>Bild: Tupungato\/shutterstock.com<\/em><\/p><p>&Auml;hnlich sieht es mit den Aktivit&auml;ten des europ&auml;ischen Nahverkehrskonzerns Arriva aus, den die Deutsche Bahn AG 2010 unter Bahnchef Grube &uuml;bernahm. Seitdem betreibt die Deutsche Bahn einen Teil der roten Doppeldeckerbusse in London und den Busverkehr auf der Mittelmeerinsel Malta. Warum? Selbst mit sehr viel Fantasie ist hier weder ein Zusammenhang mit dem Gesch&auml;ftsauftrag noch ein Vorteil f&uuml;r den deutschen Bahnkunden erkennbar.<\/p><p>Noch verr&uuml;ckter sind die Planungs- und Baut&auml;tigkeiten der Deutschen Bahn. Anstatt die maroden Provinzbahnh&ouml;fe zu renovieren und die Schienen- und Signaltechnik des deutschen Schienennetzes auf Vordermann zu bringen, <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-konsumgueter\/deutsche-bahn-verstaerkte-expansion-in-auslandsprojekte\/19890316.html?ticket=ST-5741764-bU3Ay2pqAYfTZRyOE02p-ap1\">konzentriert sich<\/a> die Deutsche Bahn lieber auf Gro&szlig;projekte in China, Indien, Malaysia, Singapur und Australien. In Indien baut die Bahn eine G&uuml;terverkehrsstra&szlig;e, in Katar eine Metro und in S&uuml;dafrika ein Verbindungsnetz zwischen 50 Kohleminen und einem Hafen am Indischen Ozean.<\/p><p>Fragt man die Bahn und die Bundespolitik, die ja die Bahn treuh&auml;nderisch steuert, nach dem Sinn und Zweck solcher Aktivit&auml;ten, kommt meist als Antwort, dass die Bahn halt lukrative Gesch&auml;fte im Ausland ansto&szlig;en soll und die Gewinne und Dividenden dieser Gesch&auml;fte dann zur Verbesserung des Kerngesch&auml;ftes in Investitionen im Inland flie&szlig;en. Doch diese Erkl&auml;rung ist nicht nur falsch, sondern sogar das genaue Gegenteil der tats&auml;chlichen Lage.<\/p><p>In Summe sind die Auslandsgesch&auml;fte der Bahn ein chronisches Milliardengrab. Gewinne aus dem deutschen Gesch&auml;ft flie&szlig;en de facto ins Auslandsgesch&auml;ft und nicht umgekehrt. Dies hat sogar schon den Bundesrechnungshof auf den Plan gerufen. Der empfahl der Bahn, sich von ihrer Auslandstochter Arriva und von der Logistiktochter Schenker <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bahn-braucht-mehr-geld-treffen-mit-andreas-scheuer-a-1250726.html\">zu trennen<\/a>. Das Problem: Die Politik hat der Bahn eine Schuldengrenze verortet und diese Grenze ist bereits voll ausgereizt. &bdquo;Seit dem Gesch&auml;ftsjahr 2017 reicht bereits der Zufluss liquider Mittel aus dem operativen Gesch&auml;ft nicht mehr aus, um betriebsnotwendige Investitionen zu finanzieren&ldquo;, so der Bundesrechnungshof. Nat&uuml;rlich kann und sollte der Bund der Bahn auch Zusch&uuml;sse f&uuml;r anstehende Investitionen &uuml;berweisen; wenn die Bahn diese Gelder aber nutzt, um aus einer anderen Tasche sinnlose Auslandsinvestitionen vorzunehmen, ist dem deutschen Schienenverkehr damit auch nicht geholfen.<\/p><p>Vor allem bei der Deutschen Bahn wird das Versagen der Politik in ihrer Kontrollfunktion deutlich. Selbstherrliche Manager wie Mehdorn und Grube haben Milliarden f&uuml;r Unternehmens&uuml;bernahmen und -beteiligungen und internationale Operationen verpulvert, die im heutigen Schienenverkehr an allen Ecken und Enden fehlen. Mehdorn und Grube waren jedoch &bdquo;nur&ldquo; Angestellte der Bahn. Verantwortlich f&uuml;r die gesamte Misere sind vor allem die Politiker, die &ndash; sei es als Verkehrsminister oder Vertreter des Bundes in den Aufsichtsgremien der Bahn &ndash; den Staat als einzigen Besitzer der Deutschen Bahn vertreten haben. Abgesehen davon sind die Muster bei der fehlgeleiteten Privatisierung der Bahn jedoch durchaus vergleichbar mit den F&auml;llen der Post und der Telekom.<\/p><p><strong>Den Unternehmenszweck aus dem Blick verloren<\/strong><\/p><p>Privatisierte Staatsbetriebe mit einem klar umrissenen Versorgungsauftrag im eigenen Land haben die &ouml;ffentlichen Mittel nicht daf&uuml;r eingesetzt, diesen Auftrag zu erf&uuml;llen. Stattdessen haben sie mit einem irrwitzigen finanziellen Aufwand am ganz gro&szlig;en Rad gedreht, um mal mit mehr, meist mit weniger Erfolg ein globaler Player der Ersten Liga zu werden. Dies mag ja alles f&uuml;r &bdquo;normale&ldquo; renditeorientierte Unternehmen auch w&uuml;nschenswert sein. In den konkreten F&auml;llen sprechen wir jedoch von Unternehmen, die aufgrund ihrer Monopolstellung und ihres Versorgungsauftrags eine &ouml;ffentliche Funktion wahrnehmen. Und wenn ein Unternehmen diese &ouml;ffentliche Funktion nicht mehr richtig wahrnehmen kann, weil es lieber am anderen Ende der Welt Renditen einfahren will, liegt ein grunds&auml;tzliches Problem vor.<\/p><p>So zeigen diese Beispiele vor allem den Irrweg, den unsere Politik seit Jahrzehnten eingeschlagen hat und der teils auf groteske Art und Weise die &ouml;ffentlichen Interessen mit F&uuml;&szlig;en tritt und dabei den &ouml;ffentlichen Versorgungsauftrag ohne Not Marktmechanismen ausliefert. Der Verlierer ist in jedem Fall der B&uuml;rger. Ein Umdenken ist n&ouml;tiger denn je. <\/p><p>Titelbild: Artush\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/dd1e2def29d64beebe506ccdcfda2dbf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Brandenburg schlie&szlig;en die Postfilialen, daf&uuml;r ist die Deutsche Post DHL heute der einzige Logistikkonzern, der jedes Dorf in Syrien, Libyen und dem Jemen <a href=\"https:\/\/www.arabianbusiness.com\/business\/425985-how-dhl-delivers-to-all-areas-of-the-middle-east\">beliefert<\/a>. In der Eifel reiht sich Funkloch an Funkloch, daf&uuml;r hat die Deutsche Telekom in den USA bereits im Dezember das erste 5G-Netz mit nationaler Abdeckung <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2019-12\/03\/telekom-tochter-t-mobile-us-startet-groesstes-5g-netz-in-den-usa\">in Betrieb genommen<\/a>.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58637\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":58638,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,131,37,28],"tags":[270,1302,268,267,2052,694,288,262],"class_list":["post-58637","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-oekonomie","category-globalisierung","category-privatisierung","tag-boersengang","tag-daseinsvorsorge","tag-deutsche-bahn","tag-deutsche-post","tag-investitionen","tag-milliardengrab","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-telekom"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/shutterstock_1035637606.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=58637"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58637\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58696,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/58637\/revisions\/58696"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/58638"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=58637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=58637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=58637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}