{"id":59078,"date":"2020-03-07T11:45:54","date_gmt":"2020-03-07T10:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59078"},"modified":"2020-03-09T07:33:37","modified_gmt":"2020-03-09T06:33:37","slug":"crypto-die-menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-diktaturen-und-das-mitwissen-des-deutschen-staates","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59078","title":{"rendered":"Crypto, die Menschenrechtsverbrechen der s\u00fcdamerikanischen Diktaturen und das Mitwissen des deutschen Staates"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem gemeinsamen Publikations-Projekt enth&uuml;llten Mitte Februar die deutsche <em>ZDF-Redaktion Frontal 21<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/frontal-21\/operation-rubikon-100.html\">Operation Rubikon<\/a>), die US-amerikanische <em>Washington Post<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/graphics\/2020\/world\/national-security\/cia-crypto-encryption-machines-espionage\/\">How the CIA used Crypto AG encryption devices to spy on<\/a>) und die Sendereihe &ldquo;Rundschau&rdquo; des Schweizer Fernsehens den &ndash; wie es die Post nannte &ndash; &bdquo;Geheimdienstputsch des Jahrhunderts&ldquo;. Ein Kommentar von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9943\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59078-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200307-Crypto-die-Menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-Diktaturen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200307-Crypto-die-Menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-Diktaturen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200307-Crypto-die-Menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-Diktaturen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200307-Crypto-die-Menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-Diktaturen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59078-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200307-Crypto-die-Menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-Diktaturen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200307-Crypto-die-Menschenrechtsverbrechen-der-suedamerikanischen-Diktaturen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Gegenstand der Dekuvrierung ist die zwischen 1970 und 1993 praktizierte, mehr als zwanzigj&auml;hrige Belauschung von rund 130 Staaten durch die US-amerikanischen und deutschen Geheimdienste CIA und BND. Beide hatten f&uuml;r umgerechnet 24 Millionen Euro den damals weltweit f&uuml;hrenden Schweizer Chiffriermaschinenhersteller Crypto AG heimlich &uuml;bernommen, zig Millionen Franken mit den Auftr&auml;gen jener 130 Staaten verdient und sie durch Manipulierung der urspr&uuml;nglichen Algorithmen obendrein durch die Hintert&uuml;r belauscht; ein schon allein unter dem Gesichtspunkt der &bdquo;Kundentreue&rdquo; skandal&ouml;s anmutendes, dreckiges Gesch&auml;ft. Die Mitte Februar in den drei zitierten Medien ver&ouml;ffentlichten Reportagen sollten jedoch als blo&szlig;e Appetizer dienen. Das ZDF k&uuml;ndigte jedenfalls eine komplette, 60-min&uuml;tige TV-Dokumentation mit dem Titel &ldquo;Geheimoperation Rubikon&ldquo; f&uuml;r den kommenden 18. M&auml;rz an.<\/p><p><strong>Der BND, &ldquo;Operation Rubikon&rdquo; und &ldquo;Unternehmen C&oacute;ndor&rdquo;<\/strong><\/p><p>Als politischer Wert der bisher nur angedeuteten Enth&uuml;llungen haben zwei Hinweise auf S&uuml;damerika meine Aufmerksamkeit erregt: CIA und BND sollen nachweislich im Jahr 1982 den Malvinen\/Falkland-Krieg zwischen Gro&szlig;britannien und Argentinien zugunsten der Briten mitentschieden haben und beide Geheimdienste waren im Bilde angesichts der brutalen Menschenrechtsverletzungen, die allein in Argentinien im &bdquo;Verschwinden&ldquo; &ndash; man lese: in der Ermordung &ndash; von nahezu 30.000 Oppositionellen gipfelten.<\/p><p>Wodurch wollen die drei zitierten Medien die Beweise daf&uuml;r erhalten haben? Durch Einsicht einer 280 Seiten starken Akte in den USA. In der es hei&szlig;t, dass &bdquo;(verschl&uuml;sselte) diplomatische und milit&auml;rische Berichte vieler wichtiger L&auml;nder der Dritten Welt, aber auch europ&auml;ischer Staaten (&hellip;) fl&auml;chendeckend mitgelesen werden konnten&ldquo;.<\/p><p>Was sollte dabei das demokratisch orientierte deutsche Publikum interessieren? Als allererstes, dass die Akteneinsicht in den USA &ndash; und nicht in Deutschland &ndash; erfolgte. Als zweiter Aspekt der mehrfache, kritische Hinweis, dass es sich wahrscheinlich nicht um eine komplette, sondern um eine Teileinsicht handelt und, drittens, dass der Fernsehzuschauer bei der f&uuml;r den 18. M&auml;rz angek&uuml;ndigten ZDF-Dokumentation genau hinsehen und -horchen sollte, was dann als bisher unerforschtes Geheimnis gel&uuml;ftet wird.<\/p><p>Im Fall des Malvinen\/Falkland-Krieges k&ouml;nnte man indes behaupten, dass die damalige Bundesregierung mit Chiles blutigem Diktator Augusto Pinochet zumindest indirekt gemeinsame Sache gegen Argentinien machte, da BND und CIA von Pinochets Geheimmissionen gegen Argentinien im Auftrag Margareth Thatchers <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/southamerica\/falklandislands\/10947350\/Without-Chiles-help-we-would-have-lost-the-Falklands.html\">wussten<\/a>. Lie&szlig; sich Gro&szlig;britannien in einen Krieg gegen Argentinien ein, so war der Umgang der beiden NATO-M&auml;chte USA und Deutschland h&ouml;chst doppeldeutig und gesinnungslos. Die Behauptung will ich mit einem obsz&ouml;nen Nebenschauplatz von Operation Rubikon erl&auml;utern, von dem ein CIA-Telegramm (siehe Foto) vom 7. April 1978 berichtet.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200307-Condor-Europa-Fotokopie.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die Geheim-Depesche ist ein winziger Teil der im Jahr 2016 vom damaligen US-Pr&auml;sidenten Barack Obama w&auml;hrend seines Staatsbesuchs in Buenos Aires den argentinischen Menschenrechts-Organisationen &uuml;bereigneten, freigegebenen CIA-Geheimakten. Die Dokumente best&auml;tigten Erkenntnisse, aber auch die aktive CIA-Teilnahme an dem m&ouml;rderischsten Feldzug aller Zeiten s&uuml;damerikanischer Milit&auml;rdiktaturen &ndash; genannt &bdquo;Plan C&oacute;ndor&rdquo; oder &bdquo;Unternehmen C&oacute;ndor&ldquo; &ndash; der nach unterschiedlichen Angaben f&uuml;r 400.000 inhaftierte und bis zu 60.000 ermordete oder &bdquo;verschwundene&ldquo; Menschen verantwortlich war.<\/p><p>Vereinzelte F&uuml;hrer des Geheimbundes &ndash; darunter Argentiniens ehemaliger Junta-Chef Reynaldo Bignone &ndash; wurden in den vergangenen zwanzig Jahren vor Gericht gestellt und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der verstorbene britische Publizist und Schriftsteller Christopher Hitchens machte in seinem Buch &ldquo;Trial of Henry Kissinger&rdquo; nicht nur den ehemaligen US-Au&szlig;enminister, sondern auch FBI-Agenten f&uuml;r den Massenmord mitverantwortlich. In ad&auml;quater Beschreibung bezeichnete der &ouml;ffentlich-rechtliche britische Sender BBC den Geheimbund C&oacute;ndor ein <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/america_latina\/2016\/05\/160524_america_latina_plan_operacion_condor_argentina_uruguay_bolivia_brasil_paraguay_jcps\">genozidartiges &ldquo;T&ouml;tungsunternehmen&rdquo;<\/a>.<\/p><p>Die freigegebene CIA-Depesche belegt schwarz auf wei&szlig;, dass L&auml;nder der EU &ndash; darunter die Regierung des damaligen West-Deutschlands &ndash; in den sp&auml;ten 1970er Jahren Vertreter der Milit&auml;rdiktaturen Chiles, Argentiniens und Brasiliens mit dem Ziel getroffen haben, den Modus Operandi von &ldquo;Unternehmen C&oacute;ndor&ldquo; zu &uuml;bernehmen. Laut CIA planten die europ&auml;ischen Agenten unter dem Vorwand der Terrorismus-Bek&auml;mpfung das Vorgehen der s&uuml;damerikanischen Mordkommandos nach Europa einzuf&uuml;hren. Selbstverst&auml;ndlich mussten sich die Regierungen der Bundesrepublik, Italiens und Frankreichs gegen die blutigen Umtriebe von RAF, Brigate Rosse und bewaffneten Maoisten wehren. Dieses Anrecht war und sollte auch heute noch als unbestreitbar gelten &ndash; doch mit der &ldquo;Beratung&rdquo; von s&uuml;damerikanischen V&ouml;lkerm&ouml;rdern?<\/p><p>Die BND-Involvierung in das &ldquo;Unternehmen C&oacute;ndor&rdquo; spielte sich w&auml;hrend der sozialdemokratischen Regierung Helmut Schmidts (1974-1982) und der Amtszeit Georg Wessels als BND-Chef ab. Der ehemalige Wehrmachtsoffizier und Gr&uuml;ndungsmitglied der Organisation Gehlen f&uuml;hrte den BND zehn Jahre lang, also auch w&auml;hrend der Regierung Willy Brandts (1969-1974), und trat erst am 31. Dezember 1979 die Geheimdienstleitung an den Liberalen Klaus Kinkel ab.<\/p><p>In einem Informationsaustausch mit dem deutschen Geheimdienst-Experten Erich Schmidt-Eenboom teilte mir dieser im vergangenen Februar mit, &bdquo;wenn deutsche Nachrichtendienstler des BND &ndash; BKA kann man nach Aktenlage ausschlie&szlig;en &ndash; 1978 zu der besagten Besprechung in Buenos Aires waren, kann es sich nur &ndash; angesichts der zus&auml;tzlichen Pr&auml;senz von Briten und Franzosen &ndash; um eine sehr hochrangig besetzte Delegation aus der Abteilung I (Operative Beschaffung) gehandelt haben, also mindestens um einen Unterabteilungsleiter an der Spitze. Namen sind ohne BND-Akteneinsicht nicht eruierbar&ldquo;.<\/p><p><strong>Gesch&auml;fte mit Massenm&ouml;rdern und der skandal&ouml;se Umgang mit den F&auml;llen Zieschank und K&auml;semann<\/strong><\/p><p>Ich habe die Szene fast noch genau vor Augen. Nach einem Treffen der Lateinamerikanischen Studentengemeinde in Deutschland (AELA) fl&uuml;sterte Klaus &ldquo;Claudio&rdquo; Zieschank einer Handvoll von Vertrauten, zu denen ich geh&ouml;rte, in die Ohren, er werde in wenigen Tagen zu einem Besuch seiner Mutter diskret ins Heimatland Argentinien fliegen, plante jedoch auch, ein Praktikum in der Kolben- und Autoteile-Fabrik Buxton durchzuf&uuml;hren. Das war Anfang M&auml;rz 1976 und wir haben Claudio niemals wiedergesehen. Der deutschst&auml;mmige Argentinier war Stipendiat und Student an der TU M&uuml;nchen und wir wussten, dass er mit einer politischen Organisation in Argentinien sympathisierte, die wenige Wochen sp&auml;ter, nach dem Milit&auml;rputsch vom 24. M&auml;rz 1976, in den Untergrund ging.<\/p><p>Zwei Tage nach dem Staatsstreich warteten vier Ford Falcons am Eingangstor der Firma Buxton und Zieschank wurde von schwerbewaffneten Agenten des neuen Regimes gewaltsam entf&uuml;hrt. Die Entf&uuml;hrung wurde von mehreren Buxton-Arbeitern der Firma bezeugt. Am selben Tag wurde das Haus seiner Mutter ohne Gerichtsbeschluss durchsucht, die Entf&uuml;hrer raubten ihre Werte und pers&ouml;nlichen Gegenst&auml;nde. Claudios Mutter, Ana Mar&iacute;a Gmoser-Zieschank, bat die Botschaft und die Bundesregierung um Hilfe, nahm schon im Sommer 1976 an einem Hungerstreik auf dem Bonner Marktplatz teil, doch s&auml;mtliche Bem&uuml;hungen f&uuml;r die Freilassung Claudios, beziehungsweise f&uuml;r sein lebendiges Auftreten vor einem argentinischen Gericht, blieben erfolglos. Zwar hatte Kanzler Helmut Schmidt sich dahingehend brieflich an die argentinische Diktatur gewendet, allerdings scheiterte die Verhandlung insbesondere wegen der Indifferenz von Au&szlig;enminister Hans-Dietrich Genscher.<\/p><p>&Auml;hnlich erging es den Angeh&ouml;rigen der ein Jahr sp&auml;ter ermordeten deutschen Soziologie-Studentin und S&uuml;damerika-Praktikantin Elisabeth K&auml;semann, Tochter des renommierten evangelischen Theologen Ernst K&auml;semann. Gegen die damalige Regierung Helmut Schmidt &ndash; und wieder mit Nachdruck gegen ihren Au&szlig;enminister Genscher &ndash; wurden mehrfache, schwere Vorw&uuml;rfe erhoben. Im Mittelpunkt stand die Anschuldigung, der sozial-liberalen Koalition seien die guten wirtschaftlichen Beziehungen zum Argentinien der Junta wichtiger gewesen als die Einhaltung der Menschenrechte und die Rettung deutscher Entf&uuml;hrter.<\/p><p>Publizistisch bildeten Zieschank und <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-wams\/article613585\/Deutsche-Justiz-jagt-Junta-General.html\">K&auml;semann<\/a> das bekannteste Namenspaar, doch insgesamt wurden Dutzende Deutsche und Deutschst&auml;mmige in nahezu 340 Geheimgef&auml;ngnissen der Diktatur get&ouml;tet. In mindestens zwei Ausgaben aus dem Jahr 2014 bekr&auml;ftigte das Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/helmut-schmidts-regierung-sympathisierte-mit-argentiniens-militaerjunta-a-970068.html\">Helmut Schmidts Regierung sympathisierte mit Argentiniens Junta<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-127078988.html\">Zeitgeschichte: Leichen und Pinguine<\/a>) die schweren Anschuldigungen. Geheimgehaltenen Unterlagen des Ausw&auml;rtigen Amtes zufolge habe Bundeskanzler Helmut Schmidt mit der argentinischen Junta sympathisiert.<\/p><p>Die Statements von Schmidts Funktion&auml;ren &uuml;ber die seinerzeit blutigste aller Diktaturen sind ein unendlicher Skandal. J&ouml;rg Kastl, deutscher Botschafter in Buenos Aires, kommentierte, die Macht&uuml;bernahme der Milit&auml;rs sei der &bdquo;einzig gangbare Weg&rdquo;. Der damals f&uuml;r Lateinamerika zust&auml;ndige Abteilungsleiter aus dem AA schrieb, Bonn sei &bdquo;am Bestand der Regierung Videla interessiert&rdquo;. Staatsminister Karl Moersch (FDP) berichtete nach einem Besuch in Buenos Aires, die Milit&auml;rs seien ganz sicher &bdquo;keine zynischen Diktatoren&rdquo;.<\/p><p>W&auml;hrend die Junta innerhalb von sieben Jahren nahezu 30.000 Menschen &ndash; darunter 74 Deutsche und Deutschst&auml;mmige &ndash; ermordete, stand f&uuml;r die sozial-liberale Koalition unter anderem ein hundertfaches Millionengesch&auml;ft mit dem Export der Atucha-Atomanlagen nach Argentinien im Vordergrund; ein &auml;hnliches Vorgehen wie mit dem milliardenschweren Atomgesch&auml;ft von 1975 mit Brasiliens Milit&auml;rdiktatur und den Waffenexporten nach Chile, wozu die heute noch von der weltweit angeprangerten, brutalen Carabinero-Polizei verwendeten <a href=\"http:\/\/tallyho.cl\/40-anos-de-operaciones-de-los-bo-105cb-en-carabineros-de-chile\/\">Hubschrauber von Messerschmitt-B&ouml;lkow-Blohm<\/a> geh&ouml;rten.<\/p><p>Der zynische Umgang der sozial-liberalen Koalition mit den blutigen Milit&auml;rdiktaturen Lateinamerikas l&auml;sst sich mit der vom Spiegel zitierten, erschreckenden Devise des damaligen Abteilungsleiters Karl-Alexander Hampe zusammenfassen: &bdquo;Unser Einsatz in der Menschenrechtsfrage sollte nicht so weit gehen, dass er zu einer entscheidenden und nachhaltigen Beeintr&auml;chtigung des deutsch-argentinischen Verh&auml;ltnisses f&uuml;hrte&rdquo;.<\/p><p>Dazu &auml;u&szlig;erte sich Schmidt-Eenboom mit eindeutigem Urteil: &bdquo;Nach unseren Erkenntnissen aus der Operation Rubikon wusste der BND sowohl aus einer menschlichen Spitzenquelle als auch durch die technische Aufkl&auml;rung von den brutalen Menschenrechtsverletzungen durch seinen argentinischen Partnerdienst. Und selbstverst&auml;ndlich m&uuml;ndete dieses Wissen in Informationen f&uuml;r das Bundeskanzleramt und in L&auml;nderberichten f&uuml;r das Ausw&auml;rtige Amt&ldquo;.<\/p><p>Als Epilog ein abschlie&szlig;ender Blick auf den Schauplatz Colonia Dignidad.<\/p><p><strong>Der BND und der Fall Colonia Dignidad<\/strong><\/p><p>Der wohl klassische und vergleichbar skrupelloseste Fall der Zusammenarbeit des BND mit den einschl&auml;gigen Milit&auml;rdiktaturen S&uuml;damerikas &ndash; die nach einheimischem und internationalem Recht wegen ihren tausendfachen Menschenrechtsverbrechen mehrfach als kriminelle Organisationen bezeichnet wurden &ndash; ist Colonia Dignidad in Chile. Sie beginnt mit der BND-Leitung durch Wessel und wird von seinen Nachfolgern Klaus Kinkel (1979-1982), Eberhard Blum (1982-1985) und Hans-Georg Wieck (1985-1990) fortgesetzt, bis die deutsche Terror-Sekte auffliegt und die Mehrheit ihrer Hierarchen 1990 verhaftet wird.<\/p><p>Doch Wiecks sozialdemokratischer Nachfolger Konrad Porzner (1990-1996) verwaltete selbstverst&auml;ndlich auch sechs Jahre lang jene bis heute geheimgehaltenen Akten &uuml;ber Colonia Dignidad, die Ex-Au&szlig;enminister Frank Walter Steinmeier im Jahr 2016 nicht freigeben durfte: die Dignidad-BND-Akten. Sie dokumentieren akribisch das deutsche Mitwissen &uuml;ber bisher nur geahnte Verbrechen. So zum Beispiel die Umtriebe und Waffengesch&auml;fte des ehemaligen Mitglieds der Waffen-SS und BND- und CIA-Mehrfachagenten Gerhard Mertins, alias &bdquo;Uranus&ldquo;.<\/p><p>Als Beteiligter an der SS-Einsatzgruppe Otto Skorzenys zur Befreiung Benito Mussolinis entging Mertins nicht nur strafrechtlicher Verfolgung in der Gr&uuml;ndungszeit der Bundesrepublik, sondern genoss geradezu &ldquo;Heldenruhm&rdquo; und diente zun&auml;chst den Chefetagen von Volkswagen und Daimler-Benz. Karriere machte der ehemalige Fallschirmj&auml;ger allerdings mit seiner Firma Merex AG als Waffenh&auml;ndler, zuerst im Nahen Osten, anschlie&szlig;end in Lateinamerika. Doch schon 1956 wurde er vom BND als Agent eingesetzt. Nach der Enth&uuml;llung von Mertins besten Kontakten zu Diktatoren und von geheimen Waffengesch&auml;ften durch den Spiegel erhob die Bonner Staatsanwaltschaft in den 1970er Jahren Anklage wegen der Illegalit&auml;t des Waffenhandels. Doch siehe da: Mertins wurde 1980 freigesprochen und erhielt obendrein vom Bund eine 5-Millionen-DM-Entsch&auml;digung, weil er nachweisen konnte, dass die Waffenexporte im Auftrag des BND abgewickelt wurden.<\/p><p>In Chile ging Mertins in der vom Kindersch&auml;nder Paul Sch&auml;fer mit eiserner Hand dirigierten Sekte &bdquo;Kolonie W&uuml;rde&ldquo; ein und aus, die ohne politische Helfershelfer, Besch&uuml;tzer und Spender nicht &uuml;berleben konnte. Also gr&uuml;ndete der BND-Agent Mertins 1978 den deutschen &bdquo;Freundeskreis Colonia Dignidad&ldquo;, der auch in Chile mit Mitgliedern der Pinochet-Diktatur &ndash; wie Pr&auml;sident Sebastian Pi&ntilde;eras derzeit amtierenden Justizminister Hern&aacute;n Larra&iacute;n &ndash; erweitert wurde. Unterst&uuml;tzung genoss der Freundeskreis durch Pinochets Geheimpolizei DINA, deren unter falschem Namen eingereisten Chef, General Manuel Contreras, Mertins bereits im Jahr 1975 in der Bundesrepublik empfing.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich wussten Mertins und der BND, dass DINA-Agenten im Umgang mit modernen Waffen von deutschen Dignidad-Siedlern ausgebildet wurden, dass die DINA ferner auf dem Kolonie-Gel&auml;nde ein geheimes Folterzentrum unterhielt, in dem bis 1978 mindestens 150 Pinochet-Regimegegner eingeliefert und ermordet wurden, und dass die Kolonie einen geheimen Radiosender f&uuml;r Auslandskontakte mit Geheimdiensten betrieb, der offiziell der DINA geh&ouml;rte, jedoch offenbar von den deutschen Sektenmitgliedern aufgebaut worden war. Ein ehemaliger chilenischer Soldat berichtete allerdings, dass die Deutschen der DINA sogar tragbare Hochleistungssender zur Verf&uuml;gung stellten, wenn sie diese brauchte. Die Hinweise auf den Sender stammen aus den von Steinmeier freigegebenen AA-Akten. Diese hatte die Londoner BBC eingesehen und <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias-america-latina-36792543\">fragte sich zu recht<\/a>, &bdquo;ob der m&auml;chtige Radiosender der Kolonie im Rahmen der sogenannten Operation Condor eingesetzt wurde&ldquo;.<\/p><p><strong>Mord verj&auml;hrt nicht<\/strong><\/p><p>Vor diesem Hintergrund voller Gr&auml;uel und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind die Worte des fr&uuml;heren Kanzleramtsministers und Koordinators der deutschen Geheimdienste, Bernd Schmidbauer, ein unentschuldbarer Skandal. Der Christdemokrat best&auml;tigte die Geheimdienstoperation Rubikon und erkl&auml;rte gegen&uuml;ber dem ZDF lapidar, sie habe &bdquo;sicher dazu beigetragen, dass die Welt ein St&uuml;ck sicherer geblieben ist&ldquo;.<\/p><p>Geheimdienst-Experte und mehrfacher Buchautor Erich Schmidt-Eenboom schl&auml;gt einen Appell an den jetzigen Bundespr&auml;sidenten Frank-Walter Steinmeier vor. &bdquo;Er sollte sich mit der moralischen Macht seines Amtes &ndash; eine andere hat er ja nicht &ndash; f&uuml;r die &Ouml;ffnung der BND-Akten einsetzen, wenn sein Besuch in der Colonia Dignidad nicht nur Schaufensterpolitik gewesen sein sollte. Die Initiative sollte auch darauf verweisen, dass US-Pr&auml;sidenten wie Clinton und Obama Aktenfreigaben genehmigt haben &ndash; siehe die Best&auml;nde im National Security Archive &ndash; obwohl die USA durch die Unterst&uuml;tzung der Milit&auml;rdiktaturen weit intensiver belastet sind&ldquo;.<\/p><p>Der Zynismus Schmidbauers, aber auch seiner noch lebenden, sozial-liberalen Vorg&auml;nger und ehemaliger BND-Chefs, sollte allerdings kriminalrechtlich geahndet werden. Er verdient eine Anzeige wegen Mitwissen und Beg&uuml;nstigung von Massenmorden und schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.<\/p><p>Titelbild: NicoElNino\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem gemeinsamen Publikations-Projekt enth&uuml;llten Mitte Februar die deutsche <em>ZDF-Redaktion Frontal 21<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/frontal-21\/operation-rubikon-100.html\">Operation Rubikon<\/a>), die US-amerikanische <em>Washington Post<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/graphics\/2020\/world\/national-security\/cia-crypto-encryption-machines-espionage\/\">How the CIA used Crypto AG encryption devices to spy on<\/a>) und die Sendereihe &ldquo;Rundschau&rdquo; des Schweizer Fernsehens den &ndash; wie es die Post nannte &ndash; &bdquo;Geheimdienstputsch des Jahrhunderts&ldquo;. Ein Kommentar von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59078\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":59079,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,184,126,20],"tags":[965,669,1966,2236,901,2145,2840,305,2177,2520,663,399,252,1122],"class_list":["post-59078","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-ueberwachung","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-argentinien","tag-chile","tag-colonia-dignidad","tag-falklandinseln","tag-geheimdienste","tag-lateinamerika","tag-massenmord","tag-menschenrechte","tag-militaerdiktatur","tag-mord","tag-putsch","tag-schmidt-helmut","tag-steinmeier-frank-walter","tag-waffenexporte"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/shutterstock_756983191.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59078","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59078"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59078\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59117,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59078\/revisions\/59117"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59079"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}