{"id":59120,"date":"2020-03-09T08:00:03","date_gmt":"2020-03-09T07:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59120"},"modified":"2020-03-09T09:41:30","modified_gmt":"2020-03-09T08:41:30","slug":"die-gute-zeit-der-guten-zeit-ist-abgelaufen-von-christian-mueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59120","title":{"rendered":"Die (gute) Zeit der (guten) \u00abZeit\u00bb ist abgelaufen. Von Christian M\u00fcller."},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Wochenzeitung &laquo;Die Zeit&raquo; ist kaum mehr verdaubar. Nicht zuletzt der Herausgeber selbst ist unertr&auml;glich geworden. &laquo;Die Zeit&raquo; galt einmal als beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum &uuml;berhaupt. Es gab viel Lob und Zustimmung, kaum Kritik oder zumindest nur punktuell. Das &laquo;Zeit&raquo;-Abonnement war die M&ouml;glichkeit, sich auf hohem Niveau &uuml;ber den Rest der Welt ein Bild zu machen.<br>\nTempi passati. Infosperber hat schon vor l&auml;ngerer Zeit auf zwei zunehmende Schwachpunkte aufmerksam gemacht: Der Frontseiten-Aufmacher wurde immer &ouml;fter&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Medien\/Printmedien-Politik-Psychologie-Narzissmus\">einem Thema der Psychologie<\/a>&nbsp;gewidmet, als ob man die &laquo;Zeit&raquo; abonniert h&auml;tte, weil man selbst psychisch angeschlagen ist und nach Hilfe Ausschau h&auml;lt. Und zweitens war es immer &auml;usserst &auml;rgerlich, wenn &laquo;Zeit&raquo;-Herausgeber Josef Joffe pers&ouml;nlich&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Medien\/DIE-ZEIT-Wenn-der-Boss-kommentiert\">auf der Frontseite einen Kommentar<\/a>&nbsp;platzierte.<br>\n<!--more--><br>\nBeide unerfreulichen Tendenzen haben sich seither verst&auml;rkt. Es gibt praktisch keine Ausgabe mehr, die dem Leser nicht schon auf der Frontseite mitteilt, er, der Leser, oder sie, die Leserin, h&auml;tten ein psychisches Problem &ndash; in der Liebe, in der Selbstbeurteilung, im Freundeskreis, im Berufsleben usw. Und wenn Herausgeber Josef Joffe schreibt, dann ist es nicht mehr nur &auml;rgerlich, sondern schlicht unertr&auml;glich.<\/p><p>Weiterlesen bitte <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Medien\/Die-Zeit-Josef-Joffe-Militarismus-Psychologie#\">hier beim Infosperber<\/a>. Danke vielmals f&uuml;r dieses interessante St&uuml;ck.<\/p><p><strong>Erg&auml;nzung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/p><p>Die hier vermittelte Beobachtung von Christian M&uuml;ller best&auml;tigt das, was im Kapitel II meines Buches &bdquo;Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst&ldquo; beschrieben ist &ndash; die Verschiebung der Ordinate wichtiger bisher als liberal bis fortschrittlich geltenden Medien. Hier der einschl&auml;gige Auszug aus dem Buch:<\/p><p>Man sollte weiter wissen, dass einige wichtige, ehedem fortschrittliche Medien ihre Ordinate, ihren Standort im Schema zwischen links und rechts, verschoben haben. Wer das nicht beachtet, wird tendenziell mit-verschoben.<\/p><p>Das gilt zum Beispiel f&uuml;r den <em>Spiegel<\/em>, f&uuml;r die <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, f&uuml;r die <em>taz<\/em>, f&uuml;r die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em>, f&uuml;r <em>Die Zeit<\/em>, f&uuml;r die <em>Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik<\/em> und f&uuml;r den <em>Freitag<\/em>. Es gilt f&uuml;r einzelne Sendeformate wie Panorama bei der ARD und in Ans&auml;tzen auch f&uuml;r Monitor. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei der <em>taz<\/em>. Dort gibt es mittlerweile Kriegshetze wie auch uns&auml;gliche Kommentare, die den Krieg zwischen Jung und Alt f&ouml;rdern.<\/p><p>In den genannten Medien findet man immer wieder sehr gute, aufkl&auml;rende, informative und kritische Beitr&auml;ge. Aber in zentralen und die Politik bestimmenden Fragen hat eine bemerkenswerte Anpassung stattgefunden.<\/p><p>Ein Teil des Publikums dieser Medien hat sich mit diesen Medien mit-bewegt. Offensichtlich k&ouml;nnen die erw&auml;hnten Medien mit einer beachtlichen Treue ihrer Leserschaft, Zuh&ouml;rerschaft und Zuschauerschaft rechnen. Die eigentlich bewundernswerte Charaktereigenschaft, Treue, macht im konkreten Fall immun gegen die Wahrnehmung von Ver&auml;nderungen grundlegender Art. Vielleicht ist es aber auch nur Gewohnheit.<\/p><p>Wer &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hinweg kontinuierlich die oben genannten Medien gelesen, geh&ouml;rt oder angeschaut und eine enge Bindung entwickelt hat, merkt eine solche Ver&auml;nderung nicht mehr. Treue kann zum Verlust der F&auml;higkeit zum Selberdenken f&uuml;hren.<\/p><p>Anzumerken bleibt noch, dass die Missachtung von Ver&auml;nderungen einiger wichtiger Medien des ehedem fortschrittlichen Medienbereichs auch etwas damit zu tun hat, dass w&auml;hrend dieser Zeit nicht nur einzelne Leser, sondern Leserinnen und Zuschauer die Ver&auml;nderungen scharenweise mitgemacht haben. Angepasst haben sich also nicht nur einzelne Personen, sondern Gruppen unter Einfluss des eigenen Milieus. Anette Sorg hat am 30. April 2019 in einem viel beachteten Beitrag auf den NachDenkSeiten auf diesen Umstand hingewiesen: &raquo;Lieber dazugeh&ouml;ren, als aufgekl&auml;rt sein.&laquo;4<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wochenzeitung &laquo;Die Zeit&raquo; ist kaum mehr verdaubar. Nicht zuletzt der Herausgeber selbst ist unertr&auml;glich geworden. &laquo;Die Zeit&raquo; galt einmal als beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum &uuml;berhaupt. Es gab viel Lob und Zustimmung, kaum Kritik oder zumindest nur punktuell. 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