{"id":59152,"date":"2020-03-10T08:42:52","date_gmt":"2020-03-10T07:42:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59152"},"modified":"2026-01-27T11:34:52","modified_gmt":"2026-01-27T10:34:52","slug":"linkenpolitiker-kritisieren-nrw-regierung-warme-worte-wenn-es-um-sicherung-von-arbeitsplaetzen-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59152","title":{"rendered":"Linkenpolitiker kritisieren NRW-Regierung: Warme Worte, wenn es um Sicherung von Arbeitspl\u00e4tzen geht"},"content":{"rendered":"<p>Arbeitspl&auml;tze und Sozialstandards sichern, aber dennoch nachhaltig produzieren, um den Planeten zu sch&uuml;tzen: Das fordern <strong>Christian Leye<\/strong> und <strong>Jules El-Khatib<\/strong> von der Linkspartei. Am 14. M&auml;rz findet <a href=\"https:\/\/www.dielinke-duisburg.de\/termine\/veranstaltungen\/detail\/news\/konferenz-der-kampf-fuer-transformation-und-gegen-erwerbslosigkeit\/\">eine von ihnen organisierte Tagung<\/a> in Duisburg statt, bei der es darum geht, wie die Industriepolitik in Deutschland, speziell auch &bdquo;im Revier&ldquo;, zukunftsf&auml;hig gemacht werden kann. Im NachDenkSeiten-Interview legen die Linkenpolitiker dar, dass der Strukturwandel im &bdquo;Rheinischen Revier&ldquo; vor f&uuml;nf gro&szlig;en Herausforderungen steht. Unter anderem komme es darauf an, ihn zu &bdquo;demokratisieren&ldquo;. Kritik &uuml;ben Leye und El-Khatib an Bundes- und Landesregierung: &bdquo;Die Arbeitsmarktpolitik der vergangenen Jahre hatte eine klare Tendenz: Die Kapitalseite wurde gest&auml;rkt, w&auml;hrend die Besch&auml;ftigten geschw&auml;cht wurden.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3167\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59152-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200310_Linkenpolitiker_ueber_NRW_Nur_warme_Worte_wenn_es_um_Arbeitsplaetze_geht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200310_Linkenpolitiker_ueber_NRW_Nur_warme_Worte_wenn_es_um_Arbeitsplaetze_geht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200310_Linkenpolitiker_ueber_NRW_Nur_warme_Worte_wenn_es_um_Arbeitsplaetze_geht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200310_Linkenpolitiker_ueber_NRW_Nur_warme_Worte_wenn_es_um_Arbeitsplaetze_geht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59152-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200310_Linkenpolitiker_ueber_NRW_Nur_warme_Worte_wenn_es_um_Arbeitsplaetze_geht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200310_Linkenpolitiker_ueber_NRW_Nur_warme_Worte_wenn_es_um_Arbeitsplaetze_geht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Leye, Herr El-Khatib, wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen aus?<\/strong><\/p><p>Christian Leye: Nach wie vor schwierig, deswegen ist der Kampf um die industriellen Kerne auch so wichtig. Wir haben mit &uuml;ber 900.000 Menschen viele Erwerbslose in NRW. Rund jeder zweite neue Job ist befristet, wir haben rund 1,8 Millionen Minijobs in NRW. Besonders betroffen ist das Ruhrgebiet, wo inzwischen etwa jeder F&uuml;nfte von <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Armen-in-Deutschland-dem-Tod-so-nah-3195687.html?seite=all\">Armut<\/a> betroffen ist. Deswegen ist der Kampf um Industriearbeitspl&auml;tze auch so wichtig. Zun&auml;chst einmal werden die h&auml;ufig deutlich besser bezahlt als Jobs in vielen anderen Branchen. Wenn sie wegbrechen, finden viele Besch&auml;ftigte oft keinen &auml;hnlich gut bezahlten Arbeitsplatz. Au&szlig;erdem h&auml;ngen oft Zulieferfirmen an Industriearbeitspl&auml;tzen &ndash; auch aus dem Dienstleistungssektor. Und schlie&szlig;lich geben die Menschen ihr Geld in der Region aus, sie gehen hier in die Pizzeria, zum Friseur oder in den Einzelhandel. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Am 14. M&auml;rz findet eine Konferenz statt, die Sie organisiert haben. Es geht um den &bdquo;Kampf f&uuml;r Transformation und gegen Erwerbslosigkeit&ldquo;. Was hat es mit diesem &bdquo;Kampf um Transformation&ldquo; auf sich?<\/strong><\/p><p>Jules El-Khatib: Durch die Digitalisierung und Automatisierung gab es in der Industrie einen Abbau von Arbeitspl&auml;tzen, gleichzeitig fehlt es in vielen Bereichen an einer Modernisierung der Technologie und an einer Umstellung auf eine &ouml;kologische Produktionsweise. Denn die Unternehmen haben an Produktionsverfahren festgehalten, die veraltet sind und un-&ouml;kologisch, dies liegt vor allem daran, dass die Gewinne wichtiger sind als Arbeitspl&auml;tze oder Umweltstandards. Deutlich wird dies zum Beispiel  bei Thyssen-Krupp. Jahrelang haben Betriebsrat und IG Metall darauf aufmerksam gemacht, dass in die Zukunft investiert werden muss, dies ist nicht geschehen, nun sind die Arbeitspl&auml;tze in Gefahr. Als LINKE fordern wir kurzfristig, dass auf eine nachhaltige Produktion umgestellt wird, die nicht den Planeten zerst&ouml;rt und gleichzeitig Arbeitspl&auml;tze und Sozialstandards sichert. Dar&uuml;ber hinaus wollen wir mit den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30585\">Gewerkschaften<\/a> debattieren, welche M&ouml;glichkeiten es gibt, um eine Ver&auml;nderung der Industrie weg von einer Fokussierung auf eine Steigerung der Gewinne hin zu einer wirklichen Mitbestimmung der Besch&auml;ftigten und neuen Eigentumsformen zu bekommen.<\/p><p><strong>Stichwort Strukturwandel im &bdquo;Rheinischen Revier&ldquo;. Was genau sind die Herausforderungen?<\/strong><\/p><p>Christian Leye:&nbsp;Der Strukturwandel im &bdquo;Rheinischen Revier&ldquo; ist vor allem eine soziale Herausforderung. Sie ist nur gesamtgesellschaftlich unter Einbeziehung aller sozialen Kr&auml;fte und insbesondere der Gewerkschaften zu l&ouml;sen.<\/p><p>Es gibt f&uuml;nf gro&szlig;e Herausforderungen: Erstens der Erhalt des Rheinischen Reviers als Industrieregion.&nbsp;Zweitens die&nbsp;Entwicklung der Region zu einer europ&auml;ischen Modellregion f&uuml;r Energieversorgungssicherheit. Die Basis daf&uuml;r m&uuml;ssen regenerative Energien und Speichertechnologien sein.&nbsp;Drittens die&nbsp;Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen. Dabei m&uuml;ssen wir uns besonders um Besch&auml;ftigte mit einfacher Qualifikation in den Zulieferer- und Dienstleistungsbereichen k&uuml;mmern, etwa Industriereiniger oder Ger&uuml;stbauer. Die unmittelbar in der Braunkohle-\/Energieindustrie Besch&auml;ftigten sind besser qualifiziert, verdienen deutlich besser, sind deutlich besser abgesichert und werden nicht ins &bdquo;Bergfreie&ldquo; fallen. Bereits 2013 waren mehr als 2\/3 der Besch&auml;ftigten in der Braunkohle &auml;lter als 46 Jahre; sie werden nach den Zeitpl&auml;nen also im Grundsatz nahtlos von der Arbeit in die Rente gehen k&ouml;nnen.&nbsp;Viertens die&nbsp;St&auml;rkung und der Ausbau des dezentralen &ouml;ffentlichen und &ouml;kologischen Energiesektors.&nbsp;F&uuml;nftens schlie&szlig;lich die&nbsp;Demokratisierung des Strukturwandelprozesses, das hei&szlig;t umfassende Unterrichtung und Beteiligung der B&uuml;rger an Investitions- und Verwaltungsentscheidungen beim sozial-&ouml;kologischen Umbau der Region.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie die Politik der aktuellen Regierung?<\/strong><\/p><p>Jules El-Khatib: Sowohl die Landes- als auch die Bundesregierung tun nichts, um die Situation der Besch&auml;ftigten in diesem Land zu verbessern. Im Gegenteil, in immer mehr Bereichen werden Stellen abgebaut, ohne dass die Regierung einschreitet oder gar Konzepte entwirft, wie die Arbeitspl&auml;tze nicht nur gesichert werden k&ouml;nnen, sondern auch die sozialen Standards erh&ouml;ht werden. Immer wieder berichten Betriebsr&auml;te davon, dass sie sich an die Regierenden wenden, um ihnen ihre Sorge &uuml;ber die Entwicklung kund zu tun, doch au&szlig;er ein paar warmen Worten gibt es nichts. Dabei w&auml;re es insbesondere im Kontext der drohenden Verk&auml;ufe in vielen Metallbetrieben an der Zeit, die Frage zu diskutieren, unter welchen Bedingungen Konzerne oder Sparten verstaatlicht werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Deutlich wird dies auch an dem fatalen Festhalten an der Schuldenbremse , statt Geld zu investieren, welches selten so g&uuml;nstig m&ouml;glich war wie aktuell. Statt Arbeitspl&auml;tze zu sichern und die Produktion &ouml;kologisch zu modernisieren, sollen die Steuern f&uuml;r Unternehmen gesenkt werden. Das Signal ist somit: Kurzfristige Gewinne sind wichtiger als Arbeit und Umwelt. Die Bundesregierung versagt auf ganzer Linie und die Landesregierung steht dem in nichts nach.<\/p><p><strong>Was kritisieren Sie noch?<\/strong><\/p><p>Christian Leye: Wenn Industrieunternehmen wackeln, steht die Politik oft hilflos daneben. Wir brauchen Mittel, um das gesellschaftliche Interesse an dem Erhalt und dem sozial&ouml;kologischen Umbau von Industrieunternehmen durchsetzen zu k&ouml;nnen. Deswegen schlagen wir die Gr&uuml;ndung einer Industriestiftung vor. Die Idee kommt aus dem Saarland, wo damals unter Oskar Lafontaine die Stahlindustrie gerettet wurde. Wir schlagen vor, mit &ouml;ffentlichen Mitteln bei bedrohten Unternehmen einzusteigen &ndash; aktuell etwa bei Thyssenkrupp.&nbsp;In diesem Schritt k&ouml;nnten gleich die aggressiven Finanzinvestoren rausgedr&auml;ngt werden. Warum sollte es normal sein, dass aggressive Kapitalfonds zehntausende soziale Existenzen f&uuml;r ihren Profit gef&auml;hrden d&uuml;rfen, w&auml;hrend eine Landesbeteiligung verteufelt wird? So nimmt die Politik den Druck der Renditemaximierung aus dem angeschlagenen Unternehmen und demokratisiert wirtschaftliche Entscheidungen, die uns alle in NRW angehen. Denn die Stiftung sollte die Besch&auml;ftigten, die Gewerkschaften, aber auch die Kommunalpolitik an den Entscheidungen beteiligen. Der Einstieg der&nbsp;Industriestiftung&nbsp;ist eine Voraussetzung f&uuml;r den zweiten Schritt: Die&nbsp;Industriestiftung&nbsp;nimmt eine Anleihe mit langer Laufzeit auf, um die notwendigen Investitionen bei Thyssenkrupp zu stemmen. Das Geld wird investiert in Thyssenkrupp, um die Arbeitspl&auml;tze langfristig zu retten und die Produktion &ouml;kologischer zu gestalten. Was verr&uuml;ckt klingt, ist l&auml;ngst Praxis: Der Staat leiht sich derzeit ohne einen einzigen Cent Kosten Geld f&uuml;r 30 Jahre am Finanzmarkt &ndash; eine einmalige Chance f&uuml;r uns in Nordrhein-Westfalen, um uns f&uuml;r die Zukunft aufzustellen. Grunds&auml;tzlich ist es an der Zeit, dass wir wirtschaftspolitisch umdenken und Vergesellschaftungen nicht l&auml;nger verteufelt werden.&nbsp;<\/p><p><strong>Wie ist die Stimmung bei den Arbeitern im Revier?<\/strong><\/p><p>Jules El-Khatib: Vor einigen Wochen hatte die IG-Metall zum &ldquo;Tag des Zorns&rdquo; aufgerufen, der Titel verdeutlicht die Stimmung gut. Die Kolleginnen und Kollegen haben Sorge um ihre Arbeitspl&auml;tze und um ihre Zukunft, sie sind aber auch w&uuml;tend, dass die Unternehmen seit Jahren die Vorschl&auml;ge der Gewerkschaften ignorieren und es stattdessen vor allem um Gewinne und Aktienm&auml;rkte ging. Dies ist nicht nur im Ruhrgebiet deutlich, sondern auch in anderen Regionen wie Stuttgart, wo mehr als Zehntausend Besch&auml;ftigte auf die Stra&szlig;e gingen gegen die aktuelle Entwicklung.<\/p><p><strong>Welche Fehler sehen Sie auf bundespolitischer Ebene im Hinblick auf den Arbeitsmarkt?<\/strong><\/p><p>Christian Leye: Die Arbeitsmarktpolitik der vergangenen Jahre hatte eine klare Tendenz: Die Kapitalseite wurde gest&auml;rkt, w&auml;hrend die Besch&auml;ftigten geschw&auml;cht wurden. Die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=agenda-2010\">Agendapolitik<\/a> war dabei der h&auml;rteste Angriff. Menschen sollten durch den Druck der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=armut\">Armut<\/a> und die M&ouml;glichkeiten der Sanktionen in den Niedriglohnsektor gepresst werden, der mit der Liberalisierung des Arbeitsmarktes vorbereitet wurde. Und das hatte nat&uuml;rlich auch Folgen f&uuml;r das gesamte Lohngef&uuml;ge. Wenn man die untersten Reihen einer Mauer weghaut, sackt die ganze Mauer nach unten &ndash; und das war auch das Ziel. Die massiven Reallohnverluste von breiten Teilen der Bev&ouml;lkerung waren die Folge. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitspl&auml;tze und Sozialstandards sichern, aber dennoch nachhaltig produzieren, um den Planeten zu sch&uuml;tzen: Das fordern <strong>Christian Leye<\/strong> und <strong>Jules El-Khatib<\/strong> von der Linkspartei. Am 14. M&auml;rz findet <a href=\"https:\/\/www.dielinke-duisburg.de\/termine\/veranstaltungen\/detail\/news\/konferenz-der-kampf-fuer-transformation-und-gegen-erwerbslosigkeit\/\">eine von ihnen organisierte Tagung<\/a> in Duisburg statt, bei der es darum geht, wie die Industriepolitik in Deutschland, speziell auch &bdquo;im Revier&ldquo;, zukunftsf&auml;hig gemacht werden kann. 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