{"id":59256,"date":"2020-03-13T08:35:59","date_gmt":"2020-03-13T07:35:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59256"},"modified":"2026-01-27T12:02:16","modified_gmt":"2026-01-27T11:02:16","slug":"ulrich-mueller-von-lobbycontrol-studien-zur-nutzung-von-glyphosat-auch-in-grossbritannien-von-monsanto-finanziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59256","title":{"rendered":"Ulrich M\u00fcller von LobbyControl: Studien zur Nutzung von Glyphosat auch in Gro\u00dfbritannien von Monsanto finanziert"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wohlstandsverluste in Milliardenh&ouml;he&ldquo; &ndash; dazu soll es kommen, wenn das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verboten wird. So legen es zumindest wissenschaftliche Studien dar &ndash; Studien, die unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Neutralit&auml;t angepriesen wurden, aber in Wirklichkeit vom Glyphosat-Hersteller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=monsanto\">Monsanto<\/a> finanziert wurden. Das hat <a href=\"http:\/\/www.lobbycontrol.de\">LobbyControl<\/a> im Dezember nach eigenen Recherchen der &Ouml;ffentlichkeit mitgeteilt. Im NachDenkSeiten-Interview zeigt <strong>Ulrich M&uuml;ller<\/strong> von LobbyControl auf, wie Bayer in Sachen Glyphosat vorgeht und welche Folgen der Wissenschaftslobbyismus hat. Er verweist au&szlig;erdem auf neue Rechercheergebnisse, wonach Monsanto Studien zur Nutzung von Glyphosat auch in Gro&szlig;britannien finanziert hat. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9343\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59256-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200313_Ulrich_Mueller_von_LobbyControl_Studien_zu_Glyphosat_von_Monsanto_finanziert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200313_Ulrich_Mueller_von_LobbyControl_Studien_zu_Glyphosat_von_Monsanto_finanziert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200313_Ulrich_Mueller_von_LobbyControl_Studien_zu_Glyphosat_von_Monsanto_finanziert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200313_Ulrich_Mueller_von_LobbyControl_Studien_zu_Glyphosat_von_Monsanto_finanziert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59256-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200313_Ulrich_Mueller_von_LobbyControl_Studien_zu_Glyphosat_von_Monsanto_finanziert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200313_Ulrich_Mueller_von_LobbyControl_Studien_zu_Glyphosat_von_Monsanto_finanziert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr M&uuml;ller, Sie sprechen in Sachen Glyphosat-Zulassung von einem Lobbykampf. Wie wird dieser Kampf gef&uuml;hrt?<\/strong><\/p><p>Von Seiten Monsantos wurde der Kampf sehr aggressiv gef&uuml;hrt. Monsanto hat mehrfach problematische Methoden eingesetzt. Etwa die Unterst&uuml;tzung von Wissenschaftlern oder Front-Organisationen, bei denen Verbindungen zu Monsanto und Interessenkonflikte verborgen wurden. Es gab F&auml;lle von verdeckter Informationsbeschaffung oder k&uuml;nstlich initiierten Pro-Glyphosat-Stimmen, also von Fake-Graswurzel-Gruppen.<\/p><p><strong>Lobbycontrol hat vor kurzem auf Studien zu Glyphosat <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/2019\/12\/monsanto-finanzierte-verdeckt-glyphosat-studien-zur-lobbyarbeit\/\">aufmerksam gemacht<\/a>, mit denen etwas nicht stimmte. Worum geht es?<\/strong><\/p><p>Es geht um zwei Studien des privaten Instituts f&uuml;r Agribusiness aus Gie&szlig;en, die vor den Konsequenzen eines Glyphosat-Verbots warnten. Diese wurden als neutrale Wissenschaft in der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentiert. Unsere Recherchen haben aber ergeben, dass sie von Monsanto in Auftrag gegeben und finanziert wurden. Inzwischen wissen wir auch, dass Studien zur Nutzung von Glyphosat in Gro&szlig;britannien von Monsanto bezahlt wurden. Monsanto hat also mit Fallstudien aus mehreren L&auml;ndern versucht, einen Pro-Glyphosat-Diskurs aufzubauen.<\/p><p><strong>Also Wissenschaft im Dienst von Monsanto?<\/strong><\/p><p>Genau, und ohne, dass die &Ouml;ffentlichkeit die Verbindung zu Monsanto erkennen konnte. Die Studien dienten Monsanto und  Lobbygruppen der Glyphosat-Hersteller dann als zentrale Belege, um f&uuml;r Glyphosat zu werben.<\/p><p><strong>Wie war denn der Tenor der Studien?<\/strong><\/p><p>Die deutsche Studie zu den &ouml;konomischen Auswirkungen des Glyphosat-Einsatzes warnte vor Wohlstandsverlusten in Milliardenh&ouml;he bei einem Verbot von Glyphosat. Dabei wurden zum Teil extreme Szenarien f&uuml;r einen Ertragsr&uuml;ckgang berechnet. Und genau diese Extremzahlen wurden von der Glyphosat-Lobby dann f&uuml;r die Stimmungsmache verwendet.<\/p><p><strong>Und da sind Sie misstrauisch geworden?<\/strong><\/p><p>Wir sind auf das IAB [Institut f&uuml;r Agribusiness] &uuml;ber eine andere Studie f&uuml;r die Gefl&uuml;gelwirtschaft gesto&szlig;en. Dann haben wir den IAB-Leiter gefragt, wie denn die Glyphosat-Studien finanziert wurden. Er hat uns gegen&uuml;ber schriftlich behauptet, dass die Studien aus eigenem Interesse und ohne finanzielle Beteiligung von Dritten erstellt wurden. Das entsprach aber nicht den Tatsachen. Wir haben Dokumente gefunden, nach denen beide Studien von Monsanto unterst&uuml;tzt wurden.<\/p><p><strong>Welche Beziehungen hatte das Institut zur Chemie-Industrie bzw. zu Herstellern von Pestiziden?<\/strong><\/p><p>Das Institut f&uuml;r Agribusiness hat die ganze Zeit enge Verbindungen zu Agrarchemie-Firmen gehalten. Bayer CropScience war in der Zeit der Glyphosat-Studien sogar im Vorstand des Instituts vertreten. Das bedeutet, dass Bayer eigentlich schon damals wissen musste, was da gespielt wurde. Es ist keineswegs so, dass es hier nur um die problematische Lobbyarbeit eines US-Konzerns ging, von der Bayer vorher nichts wusste.<\/p><p><strong>Also Sie gehen davon aus, dass Bayer im Bilde war?<\/strong><\/p><p>Ja. Bayer CropScience muss gewusst haben, wie das IAB arbeitet. Ein Bayer-Vertreter war auch bei der Institutsversammlung, bei der es um eine der Monsanto-Studien ging.<\/p><p><strong>Welche Auswirkungen haben solche Studien?<\/strong><\/p><p>Die Studien dienten als Grundlage f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit der Glyphosat-Lobby. Sie wurden auch in Zeitschriften des Julius-K&uuml;hn-Instituts ver&ouml;ffentlicht, einer Bundesforschungseinrichtung zu Kulturpflanzen, die dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist. Sie fanden auch Niederschlag in Zeitungsartikeln oder etwa dem Wikipedia-Artikel zu Glyphosat. Auch in einer Bundestagsrede bezog sich eine Abgeordnete auf die Studien. Und in keinem dieser F&auml;lle war f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit die Verbindung zu Monsanto erkennbar. Diese vermeintlich unabh&auml;ngigen wissenschaftlichen Belege pro Glyphosat waren f&uuml;r Monsanto ein gro&szlig;er Vorteil in der Auseinandersetzung &uuml;ber die weitere Wiederzulassung von Glyphosat.<\/p><p><strong>Erkennen Sie in dem Vorgehen eine Strategie?<\/strong><\/p><p>Ja. Monsanto setzte Kronzeugen mit Professorentitel ein, um den eigenen wirtschaftlichen Interessen mehr Glaubw&uuml;rdigkeit zu verleihen. Das ist eine problematische, aber leider verbreitete Lobby-Strategie. Es gibt Mails von Monsanto-Mitarbeitern, die zeigen, dass dem Unternehmen viel an sogenannten &bdquo;credible third party scientists&ldquo; lag, das hei&szlig;t an Wissenschaftlern, die als vermeintlich unabh&auml;ngige Dritte &uuml;ber hohe Glaubw&uuml;rdigkeit verf&uuml;gten und so als F&uuml;rsprecher f&uuml;r Monsanto auftreten konnten.<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50355\">Bayer<\/a> ist Eigent&uuml;mer von Monsanto. Hatten Sie mit dem Unternehmen in der Sache Kontakt?<\/strong><\/p><p>Ja. Bayer hat auf unsere Anfrage die Finanzierung der Studie auch einger&auml;umt. Dass Monsanto nicht genannt wurde, w&uuml;rde den Standards von Bayer nicht entsprechen. Bayer hat einen Verweis auf die Studie von der eigenen Webseite genommen. F&uuml;r die Zukunft hat Bayer ein Register aller von Bayer finanzierten Studien angek&uuml;ndigt. Das ist positiv. Zugleich hat Bayer bei einigen Fragen unsererseits gemauert, etwa wenn es um die Beteiligung von Bayer CropScience am IAB ging. Auch zu den Glyphosat-Studien in Gro&szlig;britannien hat Bayer erst nach vielem Nachhaken geantwortet.<\/p><p><strong>Sie sagen, Bayer habe ein Register aller von dem Unternehmen durchgef&uuml;hrten Studien angek&uuml;ndigt. Wenn das denn auch kommt, dann kommt es reichlich sp&auml;t, oder?<\/strong><\/p><p>Ja, das kommt leider sp&auml;t. Wir hatten Bayer auch nach weiteren Studien zur Verwendung von Glyphosat gefragt. Da haben wir aber nur Beispiele genannt bekommen, keine umfassende Liste. Bis heute gibt es keine komplette Transparenz der von Monsanto bzw. Bayer finanzierten Studien. Die Problematik, dass Monsanto verdeckt und intransparent Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finanziert hat, ist also noch nicht voll behoben.<\/p><p><strong>Sind Sie mit der Reaktion des Unternehmens zufrieden?<\/strong><\/p><p>Jein. Bayer hat f&uuml;r die Zukunft mehr Transparenz angek&uuml;ndigt, das ist positiv. Wir m&uuml;ssen aber genau hingucken, wie Bayer das umsetzt. Zudem sehe ich bis heute nicht, dass das Unternehmen nennenswert zu einer Aufkl&auml;rung &uuml;ber die bekannten Fakten hinaus beitr&auml;gt. Man best&auml;tigt vor allem das, was man nicht mehr bestreiten kann. Zu weitergehenden Fragen haben wir oft Antworten bekommen wie &bdquo;Uns liegen hierzu leider keine Informationen vor&ldquo;.<\/p><p><strong>Welche M&ouml;glichkeiten gibt es, um dieser Lobbyarbeit beizukommen?<\/strong><\/p><p>Ermutigend sind die Reaktionen des Julius-K&uuml;hn-Instituts. Die Aufs&auml;tze wurden wegen der Nicht-Nennung Monsantos zur&uuml;ckgezogen und in Zukunft will es bei Tagungen mehr Transparenz bei m&ouml;glichen Interessenkonflikten erreichen. Auch die Universit&auml;t Gie&szlig;en hat reagiert und sich von ihrem Professor distanziert und weitere Schritte angek&uuml;ndigt. Wir sind froh, dass unsere Recherche etwas ins Rollen gebracht hat. Wir hoffen, dass es nun weitere Ver&auml;nderungen geben wird. Universit&auml;ten und Wissenschaftseinrichtungen brauchen klare Regeln, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Offenlegung ihrer Finanziers verpflichten. Das gilt auch f&uuml;r Auftragsforschung im Nebenjob. Sie m&uuml;ssen zugleich sicherstellen, dass private Neben-Institute von Professoren wie das Institut f&uuml;r Agribusiness  nicht als Maskerade f&uuml;r Auftragsforschung zu Lobbyzwecken dienen und dabei Reputation und Ressourcen der Universit&auml;ten nutzen. Denn diese intransparente Instrumentalisierung durch Unternehmen schadet der Wissenschaft insgesamt.<\/p><p>Titelbild: ZikG\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wohlstandsverluste in Milliardenh&ouml;he&ldquo; &ndash; dazu soll es kommen, wenn das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verboten wird. So legen es zumindest wissenschaftliche Studien dar &ndash; Studien, die unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Neutralit&auml;t angepriesen wurden, aber in Wirklichkeit vom Glyphosat-Hersteller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=monsanto\">Monsanto<\/a> finanziert wurden. Das hat <a href=\"http:\/\/www.lobbycontrol.de\">LobbyControl<\/a> im Dezember nach eigenen Recherchen der &Ouml;ffentlichkeit mitgeteilt. Im NachDenkSeiten-Interview zeigt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59256\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":59257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,123,129,85],"tags":[1160,1914,616,583,897],"class_list":["post-59256","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-pr","tag-bayer","tag-glyphosat","tag-lobbycontrol","tag-monsanto","tag-transparenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/shutterstock_1398769073.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59256"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81420,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59256\/revisions\/81420"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}