{"id":59288,"date":"2020-03-15T11:45:20","date_gmt":"2020-03-15T10:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59288"},"modified":"2020-03-16T08:02:03","modified_gmt":"2020-03-16T07:02:03","slug":"brasilien-lula-kontra-bolsonaro-die-gesichter-der-weltweit-bedrohten-demokratie-und-der-barbarei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59288","title":{"rendered":"Brasilien \u2013 Lula kontra Bolsonaro: Die Gesichter der weltweit bedrohten Demokratie und der Barbarei"},"content":{"rendered":"<p>Teil 1 &ndash; Lulas internationaler B&uuml;ndnis-Test gegen rechtsradikale Evangelikale und soziale Ungleichheit im Weltma&szlig;stab: Luiz In&aacute;cio Lula da Silva, Brasiliens zweifacher Altpr&auml;sident und Favorit der Pr&auml;sidentschaftswahlen vom Oktober 2018 &ndash; an denen er mit einem erwiesenen Justizkomplott zugunsten des rechtsradikalen Hauptmanns Jair Bolsonaro <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46011\">teilzunehmen gehindert wurde<\/a> &ndash; erhielt zu Monatsbeginn den Titel des <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=k6dsdMULqUo\">Ehrenb&uuml;rgers der Stadt Paris<\/a>. In Berlin traf Lula auf Gewerkschafter, Sozialdemokraten, LINKE und Solidarit&auml;tskomitees. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8939\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59288-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Brasilien-Lula-kontra-Bolsonaro-Teil1-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Brasilien-Lula-kontra-Bolsonaro-Teil1-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Brasilien-Lula-kontra-Bolsonaro-Teil1-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Brasilien-Lula-kontra-Bolsonaro-Teil1-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59288-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Brasilien-Lula-kontra-Bolsonaro-Teil1-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200315-Brasilien-Lula-kontra-Bolsonaro-Teil1-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Initiative stammte von der sozialistischen B&uuml;rgermeisterin Anne Hidalgo, die bereits im Dezember, wenige Wochen nach Lulas Befreiung aus der Haft, die geplante Ehrung angek&uuml;ndigt hatte, jedoch runde drei Monate auf die Feier warten musste, bis der Altpr&auml;sident eine juristisch ungehinderte Ausreise aus Brasilien best&auml;tigen konnte. Hidalgos Vorschlag wurde schlie&szlig;lich am 3. M&auml;rz von der Ratskammer, Conseil de Paris, mit der Begr&uuml;ndung best&auml;tigt, dass Lulas Kampf f&uuml;r Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz &bdquo;Werte der Stadt Paris sind und den Politiker wegen seines Engagements in Gefahr brachten&ldquo;. Hildalgo hob den Kampf des ehemaligen Pr&auml;sidenten f&uuml;r den Abbau von Ungleichheiten in Brasilien hervor und warnte, dass wegen des gleichen Engagements Lulas &bdquo;s&auml;mtliche Verteidiger der Demokratie in Brasilien angegriffen werden&rdquo;.<\/p><p><strong>Lulas Widerstands-Symbolik<\/strong><\/p><p>Der w&auml;hrend seiner anderthalbj&auml;hrigen Haft sichtlich gealterte, doch nach wie vor lebhaft und jovial auftretende Ehrenvorsitzende der brasilianischen Arbeiterpartei (PT) wusste diesmal das franz&ouml;sische Publikum mit seinem politischen und auch ethischen Symbolismus zu &uuml;berraschen, der nur von wenigen Beobachtern verstanden wird. Er trat nicht allein, sondern &ndash; au&szlig;er seiner Freundin Ros&acirc;ngela &ldquo;Anja&ldquo; da Silva &ndash; in Begleitung seiner 2016 durch einen infamen Coup gest&uuml;rzten Nachfolgerin Dilma Rousseff, seines Ersatzkandidaten von 2018, Fernando Haddad, und von Jo&atilde;o Paulo Rodrigues &ndash; Vorstandsmitglied der &uuml;ber Jahre hinweg vom lutherischen Hilfswerk &bdquo;Brot f&uuml;r die Welt&ldquo; gef&ouml;rderten Bewegung der Landlosen (MST) &ndash; auf. Allesamt symboltr&auml;chtige Figuren als Opfer und Widerstandsk&auml;mpfer und -k&auml;mpferinnen der seit vier Jahren anhaltenden rechtsradikalen Offensive in Brasilien. Dies machte Lula in seiner Dankesrede deutlich.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich w&uuml;rde zu gern l&auml;nger in dieser Stadt der Freiheit verweilen, um einfach die Verbr&uuml;derung unter den V&ouml;lkern zu feiern und mich an die Bande der Solidarit&auml;t zu erinnern, die uns im Laufe der Geschichte verbindet. Schlie&szlig;lich gab es unter den Freiheitsk&auml;mpfern, die Paris begr&uuml;&szlig;te, immer einen Platz f&uuml;r Brasilianer und Lateinamerikaner. Es ist jedoch meine Pflicht, hier f&uuml;r diejenigen zu sprechen, die in meinem Land unter Arbeitslosigkeit und Armut, mit der Zerst&ouml;rung historischer Arbeitnehmerrechte und der Grundlagen eines Projekts f&uuml;r nachhaltige Entwicklung, das soziale Integration und M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Menschen bieten kann, leiden. Es ist meine Pflicht, im Namen von Millionen von Bauernfamilien, der Bev&ouml;lkerung, die an den Flussufern und in den W&auml;ldern lebt, der Ureinwohner und der V&ouml;lker des Amazonas, zu sprechen, um die absichtlich, politisch motivierte Zerst&ouml;rung der Lebensquellen in unserem Land, die unverantwortlichen und kriminellen Handlungen einer Regierung, die den Planeten bedroht, anzuprangern. Was in Brasilien geschieht, ist das Ergebnis einer Offensive zur Schw&auml;chung des demokratischen Fortschritts, die mit der Gier einiger Weniger und ihrer Verachtung der Rechte des Volkes angeregt wurde; eine Verachtung, die tiefe Wurzeln in einer 350 Jahre langen Sklaverei ihren Ursprung hat &hellip;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>erkl&auml;rte Lula unter lautem Beifall und begr&uuml;ndete die Anwesenheit seiner Begleiter:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wie Sie wissen, wurde Pr&auml;sident Dilma (Rousseff), eine ehrenwerte Frau, vom Parlament verjagt, ohne jemals ein Verbrechen begangen zu haben. Ein Prozess, in dem Formalit&auml;ten inhaltsleere Anschuldigungen vertuschten. Auf diesen ersten Anschlag gegen die Verfassung und die Demokratie folgte die juristische Farce, in der ich von einem Richter &ndash; der jetzt der (Justiz-)Minister des Pr&auml;sidenten ist, den er durch meine Verhaftung mitgew&auml;hlt hat &ndash; verurteilt wurde; auch diesmal, ohne ein Verbrechen begangen zu haben. Als das Wahlgericht meine Kandidatur annullierte, wurde eine UN-Entscheidung, die auf von Brasilien unterzeichneten internationalen Vertr&auml;gen beruhte, verletzt, und so mussten wir die Kandidatur des Genossen Fernando Haddad starten. Auch er wurde das Opfer einer der perversesten, mit sozialen Medien gesteuerten L&uuml;genkampagne, die vom Gegner illegal angefeuert und finanziert wurde. Das war ein Wahlverbrechen, das wir angeprangert haben, das jedoch bis heute, nach fast 18 Monaten, vom zust&auml;ndigen Gericht noch nicht untersucht wurde.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit einem Augenmerk auf Bolsonaro verteilte Lula einen scharfen Seitenhieb gegen die herrschenden Medien in Brasilien: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Kandidat, der diese Wahlen gewonnen hat, personifiziert eine lange Geschichte von Angriffen auf die Demokratie und die Menschenrechte und wurde von den gro&szlig;en Fernsehsendern verschont, als er sich vor Debatten mit Haddad dr&uuml;ckte. Diese Medien sind daher mitverantwortlich f&uuml;r den Aufstieg eines faschistischen Pr&auml;sidenten!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es blieb in Paris selbstverst&auml;ndlich nicht bei der Ehrenb&uuml;rgerschaft des popul&auml;rsten Politikers Lateinamerikas. Die ehemaligen Pr&auml;sidenten und Kontrahenten Fran&ccedil;ois Hollande und Nicolas Sarkozy gaben ein Lula-Stelldichein und der linke Jean-Luc M&eacute;lenchon erschien zu der Begr&uuml;&szlig;ung mit der herzlichsten aller Umarmungen des Brasilianers. Doch dann begann auch die Arbeit, soweit das Erw&auml;hnte nicht ebenso anstrengend war: die Unterzeichnung einer Partnerschaft mit Thomas Piketty &ndash; &Ouml;konom und weltweit renommierter Autor von &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Das-Kapital-im-21-Jahrhundert\/dp\/3406688659\/\">Das Kapital im 21. Jahrhundert<\/a>&ldquo; und &bdquo;Kapital und Ideologie&ldquo; &ndash; &uuml;ber Fallstudien zur sozialen Ungleichheit.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir m&uuml;ssen Ungleichheit als politisches Problem, als Frage der Menschenw&uuml;rde entschl&uuml;sseln. Es wird keinen Abbau der Ungleichheit geben, wenn wir das Herz der Reichtums-Konzentration nicht ber&uuml;hren. Wir sind uns einig, dass dies das erste Treffen einer langen Zusammenarbeit sein wird, um diese Debatte in Brasilien und in der Welt zu vertiefen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/vermelho.org.br\/2020\/03\/03\/lula-acerta-parceria-com-tomas-piketty-sobre-estudos-da-desigualdade\/\">erkl&auml;rte Lula<\/a> mit der erfreuten Zustimmung Pikettys. &bdquo;Ich m&ouml;chte dazu beitragen, Emp&ouml;rung &uuml;ber die Einkommens-Konzentration in der Welt zu erzeugen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/lula.com.br\/quero-ajudar-a-criar-indignacao-com-a-concentracao-de-renda-no-mundo-diz-lula-em-encontro-com-piketty\/\">versicherte der Ex-Pr&auml;sident<\/a> w&auml;hrend seines Vortrags an der &Eacute;cole d&acute;Economie.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Lula in Berlin<\/strong><\/p><p>Berlin war einer der letzten Auftritte Lulas w&auml;hrend seiner zweiten Europa-Reise seit seiner vorl&auml;ufigen Freilassung im November 2019. In der Hauptstadt nahm der Ex-Pr&auml;sident am 9. M&auml;rz als Ehrengast und Redner an einer Veranstaltung der deutschen IG Metall, der IndustriALL-Gewerkschaften und der UNI Global Union teil, die mit 120 Teilnehmern aus verschiedenen L&auml;ndern Strategien zur St&auml;rkung der Gewerkschaften im Kontext der vielf&auml;ltigen Herausforderungen durch die Weltwirtschaft diskutierte.<\/p><p>Danach fanden Treffen mit dem SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans, den sozialdemokratischen Parlamentariern Yasmin Fahimi und Martin Schulz sowie mit den Parteivorsitzenden der Linken, Katja Kipping und Bernd Riexinger, im Karl-Liebknecht-Haus statt. Weshalb Sahra Wagenknecht nicht an diesem Gespr&auml;ch teilnahm beziehungsweise nicht dazu die Initiative ergriff, ist ein R&auml;tsel. &bdquo;Demokratie ist kein Geschenk. Sie verlangt, dass wir jederzeit wissen, dass sie in Gefahr ist&ldquo;, warnte Lula da Silva beim Treffen mit Borjans.<\/p><p>Den H&ouml;hepunkt seines Besuchs in der Hauptstadt bildete am Abend des 10. M&auml;rz eine <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Lula\/videos\/636245423838053\/\">Veranstaltung im Stadtteil Kreuzberg<\/a> unter dem Motto &bdquo;Verteidigung der Demokratie in Brasilien&ldquo;. Dort bedankte sich der Altpr&auml;sident bei einem Netz von rund einem Dutzend deutscher Solidarit&auml;tskomitees mit starker Beteiligung von residierenden BrasilianerInnen, die eineinhalb Jahre unter der Devise &bdquo;Lula Livre &ndash; Lula Frei!&ldquo; gegen seine Inhaftierung k&auml;mpften. Vom Podium aus warnte Lula das Publikum, sich &bdquo;auf schwierige Tage in Brasilien&ldquo; vorzubereiten. &bdquo;Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) w&auml;chst nicht und der Pr&auml;sident (Jair Bolsonaro) zog statt einer pers&ouml;nlichen Erkl&auml;rung vor, einen Komiker auftreten zu lassen (Anmerkung: der als sein Doppel ausstaffiert, tats&auml;chlich an die fragenden Journalisten Bananen mit der Absicht Bolsonaros verteilte, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9lIbUcd1SDU\">sie k&ouml;nnten &bdquo;ihn mal &hellip;&ldquo;<\/a>).<\/p><p>Lula kritisierte das Bolsonaro-Regime in wichtigen Fragen. &bdquo;Wenn diese Leute in der Regierung es nicht l&ouml;sen wollen, macht es keinen Sinn, China und das Coronavirus zu beschuldigen &hellip; Bolsonaro ist das Ergebnis des (mangelnden) politischen Bewusstseins in der Bev&ouml;lkerung und einer Reihe von Staatsstreichen und von au&szlig;en gelenkten Einfl&uuml;ssen auf die &ouml;ffentliche Meinung. Bolsonaro hat gewonnen und wir werden diese vier Jahre durchstehen m&uuml;ssen. Es ist nicht mein Stil, gegen eine Regierung zu wetten, damit sie schiefgeht&ldquo;, erkl&auml;rte der Politiker der Arbeiterpartei (PT) in seinem notorischen und mehrfach kritisierten konzilianten Ton, der &bdquo;die Zerst&ouml;rung der Demokratie und den Hass&ldquo; erlebt, der Brasilien seit Jahren &uuml;berrollt und schwarze und arme Menschen in den Vorst&auml;dten mordet.<\/p><p><strong>Die Absicherung im Ausland als &Uuml;berwindung der erstarrten Opposition im Inland?<\/strong><\/p><p>W&auml;hlte der weltweit als resoluter <em>Statesman<\/em> renommierte Lula konziliante Worte, um die sanften franz&ouml;sischen Sozialisten und die zwerghaft geschrumpften deutschen Sozialdemokraten nicht aufzuschrecken oder f&uuml;hlt der k&auml;mpferische, ehemalige Gewerkschaftsf&uuml;hrer sich gar selbst als zahnloser L&ouml;we, wenn er mit der Aussicht auf weitere drei Regierungsjahre Bolsonaros so etwas wie regungslosen Fatalismus verbreitet? F&uuml;r ein vorsichtiges Auftreten h&auml;tte der Ex-Pr&auml;sident allerdings gute Gr&uuml;nde, denn Ende M&auml;rz erwartet ihn das Revisionsverfahren in <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/rs\/rio-grande-do-sul\/noticia\/2020\/03\/09\/trf-4-marca-julgamento-de-recurso-de-lula-no-processo-do-sitio-de-atibaia-para-25-de-marco.ghtml\">einer weiteren Justiz-Farce mit 17-j&auml;hrigem Hafturteil<\/a> wegen angeblicher Geldw&auml;sche mit illegalem Erwerb eines Wochenendhauses.<\/p><p>Aldo Fornazieri &ndash; politischer Kolumnist und Professor an der Fakult&auml;t f&uuml;r Soziologie und Politik Sao Paulos (FESP\/SP) &ndash; beurteilt die Umst&auml;nde mit scharfem Verstand und <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/artigos\/a-conjuntura-inverossimil-e-as-esquerdas-por-aldo-fornazieri\/\">warnte bereits Mitte Februar<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Linken verstehen Bolsonaros Strategie nicht. Die Idee, dass er den Boden f&uuml;r einen traditionellen Putsch vorbereite, ist falsch. Die Strategie dieser Rechten, die in Brasilien und anderen L&auml;ndern angewendet wird, besteht darin, die Grenzen der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit dauerhaft zu spannen und demokratische Regeln und Verbindlichkeiten massiv einzuschr&auml;nken. Wenn es keinen Widerstand gibt, werden die Verluste verstetigt und zunehmen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit unerschrockener Bewertung der traditionellen politischen Kultur Brasiliens und einem besonderen Augenmerk auf den &bdquo;Stil Bolsonaro&ldquo; bezeichnete Fornazieri List, Betrug, Heuchelei, Farce und T&auml;uschung als die entscheidenden &bdquo;Schl&uuml;ssel&ldquo; der brasilianischen Politik. &bdquo;Aus diesen und anderen Gr&uuml;nden offenbart sich die politische Situation bar jeder Logik, sie zeigt eine unwahrscheinliche Wahrheit, in der die Farce legitimiert und gefestigt wird&ldquo;. Als Beispiel nennt der Professor, dass sich Bolsonaro trotz allem Schwachsinn seiner Regierung mit dem Abbau von Sozialprogrammen, Bildung, Gesundheit, Kultur, Wissenschaft und Technologie in einem Drittel der W&auml;hlerschaft festigt und bereits Wiederwahlabsichten f&uuml;r 2022 in Aussicht stellt.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Lulas Freiheit versetzte ihn leider nicht in die Lage, den Widerstand aus seiner Apathie zu befreien&ldquo;, bem&auml;ngelt Fornazieri. Doch Lula erkannte den rein rhetorischen Charakter der Opposition gegen Bolsonaro. Auf der Feier zum 40. Gr&uuml;ndungstag der PT sagte er, es sei sinnlos, Bolsonaro zu verfluchen. Er forderte die Jugend auf, auf die Stra&szlig;e zu gehen. &bdquo;Sie (die Faschisten) machen alles kaputt, was wir aufgebaut haben &hellip; Wenn wir Angst bekommen, nicht auf die Stra&szlig;e gehen, wenn wir nicht protestieren, sind wir verloren!&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Nein, der zahnlose L&ouml;we ist nur ein Anschein. Vielmehr scheint der Ex-Pr&auml;sident sich des Sumpfes bewusst zu sein, in dem die unterschiedlichen Str&ouml;mungen der Opposition stecken, was aber auch bedeutet, die eigene Einsamkeit als Prediger in der W&uuml;ste zu erkennen und nach einer Oase Ausschau zu halten.<\/p><p>Den ersten Schritt gegen den metaphorischen Dursttod der Linken und mindestens 70 Prozent der Brasilianer unternahm Lula w&auml;hrend seines Treffens von Mitte Februar mit Papst Franziskus und w&auml;hrend der anschlie&szlig;enden Begegnung mit dem Weltkirchenrat in Genf.<\/p><p><strong>Mit Vatikan und Weltkirchenrat gegen den evangelikalen Kreuzzug<\/strong><\/p><p>Die offizielle Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Papstbesuch sollte noch einmal Lulas Danksagung f&uuml;r die geistliche Unterst&uuml;tzung durch Franziskus w&auml;hrend seiner Haftzeit sein. Doch der ehemalige brasilianische Staatschef und der ehemalige argentinische Bischof verbrachten mehr als eine Stunde miteinander. Das Treffen fand am Tag nach der Ver&ouml;ffentlichung von Franziskus&lsquo; Mahnschrift &bdquo;Querida Amaz&ocirc;nia&ldquo; (Geliebtes Amazonien) statt, die nach der Amazonien-Synode vom Oktober 2019 verfasst wurde. In dem p&auml;pstlichen Dokument, das Jair Bolsonaro zur Wei&szlig;glut trieb, untersucht Franziskus die &ouml;kologischen, kulturellen, sozialen und politischen Ursachen der Gef&auml;hrdung der V&ouml;lker und der Umwelt Amazoniens; Ursachen, &uuml;ber die sich der Kirchenchef und der ehemalige Staatschef hundertprozentig einig sind.<\/p><p>Indes, auch vom Papst erbat sich Lula ein gemeinsames Vorgehen gegen die weltweite Kapital-Konzentration und die Vertiefung der sozialen Ungleichheit. Doch es gab noch einen relevanteren Punkt im Gespr&auml;ch, der zwar nicht an die gro&szlig;e Glocke geh&auml;ngt, aber auch beim Weltkirchenrat zur Sprache gebracht wurde: Die Demokratie kann nur gerettet und die soziale Umverteilung wiederhergestellt werden, wenn einer der Hauptfeinde der Demokratie in den Vorst&auml;dten der globalisierten Welt mit alternativen Taten erfolgreich bek&auml;mpft (hinter vorgehaltener Hand d&uuml;rfte man auch sagen: wenn der Sumpf trockengelegt) wird: die fundamentalistischen evangelikalen Sekten, die Bolsonaro an die Macht brachten, Evo Morales&lsquo; Sturz in Bolivien herbeigef&uuml;hrt haben und bereits in Chile bedrohliche Schatten auf Alltag und Politik werfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 1 &ndash; Lulas internationaler B&uuml;ndnis-Test gegen rechtsradikale Evangelikale und soziale Ungleichheit im Weltma&szlig;stab: Luiz In&aacute;cio Lula da Silva, Brasiliens zweifacher Altpr&auml;sident und Favorit der Pr&auml;sidentschaftswahlen vom Oktober 2018 &ndash; an denen er mit einem erwiesenen Justizkomplott zugunsten des rechtsradikalen Hauptmanns Jair Bolsonaro <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46011\">teilzunehmen gehindert wurde<\/a> &ndash; erhielt zu Monatsbeginn den Titel des <a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59288\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":59289,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,20,125,132],"tags":[2714,2454,1613,1043,2163,2056,525,2845,1943,687],"class_list":["post-59288","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-amazonien","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-frankreich","tag-gefaengnis","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-papst","tag-piketty-thomas","tag-rousseff-dilma","tag-ungleichheit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Lula-da-Silva-und-Delegationsmitglieder-am-Sitz-der-SPD-mit-Parteivorsitzendem-Norbert-Walter-Borjans-am-09.-Maerz-in-Berlin-Foto-Ricardo-Stuckert-von-der-PT-.-Bild-ist-frei..jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59288"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59288\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59313,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59288\/revisions\/59313"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59289"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}