{"id":59319,"date":"2020-03-16T09:07:14","date_gmt":"2020-03-16T08:07:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59319"},"modified":"2026-01-27T12:02:15","modified_gmt":"2026-01-27T11:02:15","slug":"coronavirus-schon-fuer-das-normale-tagesgeschaeft-sind-kliniken-aus-pflegerischer-sicht-nicht-gewappnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59319","title":{"rendered":"Coronavirus: \u201eSchon f\u00fcr das normale Tagesgesch\u00e4ft sind Kliniken aus pflegerischer Sicht nicht gewappnet\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Personalmangel, sp&auml;rliche Ausstattungen und Pflegekr&auml;fte, die an ihrem Limit arbeiten: In Zeiten der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59185\">Coronakrise<\/a> d&uuml;rfte so manchem langsam d&auml;mmern, dass die seit langem bekannten Probleme in unserem Gesundheitssystem und in der Pflege sich irgendwann bitter r&auml;chen werden. <strong>Monja Sch&uuml;nemann<\/strong>, ausgebildete Krankenschwester und Historikerin, findet auf ihrem Blog <a href=\"https:\/\/mypflegephilosophie.com\/\">mypflegephilosophie.com<\/a> immer wieder klare Worte zum Thema Pflege. Im NachDenkSeiten-Interview verdeutlicht sie, wie schlimm es um die Pflege bestellt ist. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7294\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59319-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Coronavirus-Kliniken-fuer-Tagesgeschaeft-nicht-gewappnet-Schuenemann-Kloeckner-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Coronavirus-Kliniken-fuer-Tagesgeschaeft-nicht-gewappnet-Schuenemann-Kloeckner-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Coronavirus-Kliniken-fuer-Tagesgeschaeft-nicht-gewappnet-Schuenemann-Kloeckner-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Coronavirus-Kliniken-fuer-Tagesgeschaeft-nicht-gewappnet-Schuenemann-Kloeckner-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59319-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200315-Coronavirus-Kliniken-fuer-Tagesgeschaeft-nicht-gewappnet-Schuenemann-Kloeckner-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200315-Coronavirus-Kliniken-fuer-Tagesgeschaeft-nicht-gewappnet-Schuenemann-Kloeckner-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Sch&uuml;nemann, dass in unserem Gesundheitssystem im ganz normalen Tagesbetrieb schon vieles aus dem Ruder l&auml;uft, ist bekannt. Nun aber ist das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58832\">Coronavirus<\/a> im Land. Sind unsere Krankenh&auml;user gewappnet? <\/strong><\/p><p>Das kommt darauf an, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Theoretisch scheint das, glaubt man denjenigen, die gerade nicht vor Ort sind, gegeben. Es wurden noch Beatmungsmaschinen gekauft. Doch schon jetzt haben viele kein Isomaterial mehr zur Verf&uuml;gung. Es gibt Berichte, wonach nur noch eine Maske pro Schicht an eine Person ausgeteilt wird und diese Person muss dann alle versorgen. Woanders werden Testungen von Kontaktpflegekr&auml;ften verweigert, weil &bdquo;sie ja nicht in China waren&ldquo;.  Die Personaluntergrenzen wurden ausgesetzt. Das birgt eine erhebliche Gefahr, gerade auf Intensivstationen. Oder kurz: Schon f&uuml;r das normale Tagesgesch&auml;ft sind Kliniken aus pflegerischer Sicht nicht gewappnet , stattdessen erkl&auml;rt man ihnen unaufh&ouml;rlich, dass es gerade jetzt auf sie ank&auml;me. Wie immer also.<\/p><p><strong>Die Probleme scheinen tief zu liegen.<\/strong><\/p><p>Die Kollegen  sind schon jetzt ausgebrannt, sie kriegen keinen R&uuml;ckhalt bei den Einwohnern, auf Twitter werden sie beschimpft, sie sollten sich keine Kinder anschaffen, wenn sie dann in der Not nicht arbeiten k&ouml;nnen. Das trifft unheimlich, weil in anderen L&auml;ndern die Leute sich vor Kliniken versammeln, und Applaus klatschen, wenn die Schichten wechseln. Doch das Ganze hat auch strukturelle Dimensionen.<\/p><p>Eines der grunds&auml;tzlichen Probleme besteht darin, dass die Leute in der Ausbildung einen Beruf lernen, den sie in der Praxis nicht aus&uuml;ben d&uuml;rfen. Jeder Au&szlig;enstehende wirft seine veralteten Vorstellungen von Pflege aus dem 19. Jahrhundert mit in den Topf der Fremdzuschreibungen. Es gibt keine Sprecher f&uuml;r Pflegende, die alle vertreten oder gar noch einen Blick f&uuml;r die Probleme der Basis h&auml;tten. Pflege gilt als diejenige, die nichts zu sagen hat, weil &bdquo;sie nur &sbquo;Schwester&lsquo;&ldquo; sei. Nun m&uuml;ssen von Pflegenden pl&ouml;tzlich Besuchsverbote durchgesetzt werden. Bei meinem Bekannten brachen Angeh&ouml;rige in die Pflegeeinrichtung ein, weil sie die Schutzma&szlig;nahmen nicht einsahen. Es gibt kein Material auf den Stationen. Pflege ist in &bdquo;erweiterter Quarant&auml;ne&ldquo;, darf also nicht in die Quarant&auml;ne bei Kontakt. Manche Kliniken lassen ihre Mitarbeiter nicht testen, verbreiten Fakenews, damit die Pflegenden nicht zu Testungen gehen. Auch wenn Mitarbeiter positiv getestet wurden, h&ouml;rte ich von F&auml;llen, wo der Mitarbeiter dann weiterarbeiten musste. Das ist besonders gef&auml;hrlich, weil er in dieser Zeit bereits nachgewiesen infiziert ist und ohne ausreichende Schutzma&szlig;nahmen Patienten und Kollegen anstecken kann. Auch Rentner, also die besonders gef&auml;hrdete Personengruppe, sollen unter diesen Bedingungen wieder in den Dienst kommen. Das ist fatal, wenn ohne Schutzmaterial Pflegende erst isoliert werden, wenn sie Fieber kriegen.  Pflegende sollen gar in den Schulschlie&szlig;ungen ihre Kinder nicht betreuen, weil Anderes vorginge. Die Gesellschaft vergisst, dass Pflege ein Beruf ist, von ganz normalen Frauen (und M&auml;nnern!), mit normalen Familien. Aber es wird noch schlimmer:  Mittlerweile sp&uuml;len die Kollegen in manchen Kliniken ihre Masken ab, obwohl sie Einmalmaterial sind. Das Robert Koch Institut gab zwar die M&ouml;glichkeit, nach S&auml;uberung Einmalmaterial mehrfach benutzen zu k&ouml;nnen, aber die Kliniken sprechen von Wochen. Wochen, in denen sich verschiedene Kollegen gebrauchte Masken teilen sollen. Das wird alles einfach angeordnet. Pflege ist Verf&uuml;gungsmasse geworden. Und immer weniger wollen &uuml;ber sich verf&uuml;gen lassen. Seit Anbeginn der BRD holt Pflege die Kohlen f&uuml;r die Menschen aus dem Feuer, aber sie darf nicht mitentscheiden, wie. Die Beispiele sind mannigfaltig.<\/p><p><strong>Wo hakt es noch?<\/strong><\/p><p>Selbst jetzt, in Coronazeiten, sehen Sie nicht eine Pflegekraft in den Fernsehsendungen. W&auml;hrend es in Amerika Gang und G&auml;be ist, dass Pflege Pressekonferenzen h&auml;lt und sichtbar ist, wird der &uuml;berwiegend weiblich konnotierte Beruf hier leise gehalten . Der  #respectnurses machte klar, dass Pflegende  f&uuml;r die Waschlappen und Essensschubsen der Nation gehalten werden, die man auch sexuell angreifen darf. Bis wir in der #metoo-Debatte &uuml;ber Pflege geredet haben, musste ich tats&auml;chlich erst einen Blog schreiben und ins Fernsehen gehen. So internalisiert ist die Gewalt schon, dass nicht mal die Berufsverb&auml;nde darauf kamen, das ginge die Pflegenden etwas an. Aber gleichzeitig sollen sie &Uuml;bermenschliches leisten. Am Ende gibt es dann als Dank warme Worte und Merci. Das ist g&uuml;nstiger, als systemrelevante Profis ernsthaft zu bezahlen und daran zu arbeiten, dass diese Form von Pflege so nicht weiter bestehen kann. Seit Jahren werden Pflegende krank. Der DAK-Gesundheitsreport geht von 25 Prozent psychisch Kranker in der Pflege aus. Ab da darf man es dann wohl strukturelle Gewalt nennen. <\/p><p><strong>Auf Ihrem Blog <a href=\"http:\/\/mypflegephilosophie.com\">mypflegephilosophie.com<\/a> haben Sie viel zum Coronavirus geschrieben. Mein Eindruck ist: Sie sind w&uuml;tend. Auf die Politik, aber auch auf so manchen Mitb&uuml;rger. Welche gravierenden Fehler sehen Sie auf politischer Seite? <\/strong><\/p><p>Ich bin &uuml;ber das Stadium einer reflektierenden Wut weit hinaus. Allerdings habe ich, bedingt durch mein Studium, nun eine andere Perspektive auf die Struktur, auf die Historie und auf sozio-kulturelle Musterbeispiele, die Pflege ber&uuml;hren. Diese Standpunkte kleide ich in klare Worte. Ich sage das, was wehtut. Das gef&auml;llt nicht jedem, mancher hat solche Worte noch nie geh&ouml;rt. Schon gar nicht von einer Frau. Das gr&ouml;&szlig;te Problem ist, dass Pflege ein scheinbarer Kostenfaktor ohne wirtschaftlichen Nutzen geworden ist, so sagt man. Aber Pflege, wie ich sie noch kennenlernte, wandte Schaden vom Patienten ab, verh&uuml;tete Gelenkfehlstellungen und Lungenentz&uuml;ndungen, mobilisierte und sorgte daf&uuml;r, dass ein sekund&auml;rer Schaden erst gar nicht aufkam. Fakt ist, das ein gut mobilisierter, sicherer Patient mit seiner Situation besser umgehen kann und weniger Folgekosten nach sich zieht. Pflege soll Gesundheitskompetenz st&auml;rken. Das fehlt jetzt. Es fehlen Konzepte, aber auch die M&ouml;glichkeit, jetzt direkt mit den Menschen zu kommunizieren, wie es in Amerika &uuml;ber das Fernsehen m&ouml;glich ist. Wir waren einfach nicht Bestandteil der Pandemieplanung, so scheint es. Auch Pandemieschulungen fehlen uns v&ouml;llig. Blicken wir auch da nach Amerika, werden diese Schulungen durchgef&uuml;hrt und der oberste Grundsatz ist dort: Die oberste Priorit&auml;t hat der Schutz des Personals. Und wir rasen da einfach mit den Kollegen in eine Situation, die f&uuml;r sie lebensbedrohlich werden kann, als seien sie nichts wert. Das ist zutiefst unethisch und unmoralisch. Kein Leben kann doch weniger Wert haben als ein anderes. Dann ist da noch das deutliche Ungleichgewicht zwischen den Berufsgruppen, das jetzt sichtbar wird. So bietet Niedersachsen einem Arzt pro Stunde 200 Euro an, Pflege lediglich 30 Euro. Dabei leistet Pflege die Hauptarbeit in dieser gef&auml;hrlichen Versorgung. Das kann nicht fair sein.<\/p><p>Aber um auf Ihre Frage zu kommen: Die Fehler der Politik fangen nicht erst jetzt im Umgang mit der Virussituation an. Wenn wir von Fehlern sprechen wollen, m&uuml;ssen wir fr&uuml;her ansetzen.<\/p><p><strong>Wo denn?<\/strong><\/p><p>Wenn wir die berufliche Entwicklung seitens der Politik historisch betrachten, f&auml;llt ins Auge, dass es immer wieder Ans&auml;tze, Ma&szlig;nahmen und Studien  gab, die Pflege professionalisieren sollten. Sobald man aber herausfand, dass sie Geld kosten, wirkungsvoll w&auml;ren oder gar die Pflege bef&auml;higt h&auml;tten, brach man sie sofort ab! Da wurde Geld f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die den Beruf professionalisiert h&auml;tten,  investiert, das dann ganz schnell in Schubladen verschwand. Die Quasi-Schwester Stephanie, die Berufsfremde unbedingt in Pflege sehen wollen, darf nicht sterben. Das ist &uuml;brigens ein gefl&uuml;geltes Wort bei uns (Schwester Stephanie darf nicht sterben). Das geht vom Akademisierungsunwillen seit 1945 bis hin zu den deprofessionalisierenden Ma&szlig;nahmen jetzt. &Uuml;berall wird Pflege studiert. Weil das notwendig ist. Nur in Deutschland soll das eine freiwillige Angelegenheit bleiben. Nehmen wir die Umsetzung der Modelle. Da gab 1992 die Bundesregierung eine Studie in Auftrag, nach der nun ganz Deutschland pflegt (Krohwinkel). Es gibt nationale Standards, die danach ausgerichtet sind. Das sollte Pflege und Gepflegte in einen Prozess der Pflege bringen. Endlich sagten Pflegende, was n&ouml;tig war. Und dann? Wurde das ganz schnell durch die Einf&uuml;hrung der Pflegeversicherung wieder zeitlich getaktet und pervertiert. Pflege ist Beziehungsarbeit, ist Zusammenarbeit. Diese Beziehung wird nun an Hilfskr&auml;fte und Roboter ausgelagert. Die Ma&szlig;nahmen, die in einer Hand liegen sollten, werden nicht gelebt, sondern sind nur noch zum dokumentarischen Abhaken da. Die Politik hat an diesem Punkt Pflege zerst&ouml;rt und deformiert. Das ist es, was Tausende aus dem Beruf treibt. Pflege? Da hat jeder schonmal von geh&ouml;rt, da kann er etwas zu sagen. Nur die Profis selbst kommen nicht zu Wort. Es ist nicht nur so, dass ich den Finger in die Wunde lege, die L&ouml;sungen sind aber die Aspekte, nach denen mich niemand fragt. Ich hatte einmal ein Gespr&auml;ch mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister  Gr&ouml;he, dem ich vieles von dem vorschlug, was <a href=\"https:\/\/mypflegephilosophie.com\/2020\/03\/13\/corona-und-pflegende-dann-gebt-doch-eure-kinder-weg-entsorgung-zum-sorgen\/\">jetzt fehlt. Kinderbetreuung<\/a> zum Beispiel. Modelle f&uuml;r alte Arbeitnehmer und Alleinerziehende. Alle die, die jetzt fehlen. Die L&ouml;sungen m&ouml;chte niemand h&ouml;ren. Schon gar nicht die strukturellen. Deshalb liegt mein Fokus im Blog erstmal auf Problemen, die niemand ausspricht. <\/p><p><strong>Sie schreiben auf Ihrem Blog von Desinfektionsbeh&auml;ltern, die in Pflegeeinrichtungen und Kliniken von der Wand gerissen wurden.<\/strong><\/p><p>Das ist absurd. Da wurden auf Kinderkrebsstationen Desinfektionsmittel geklaut. Die leuk&auml;miekranken Kinder waren diesen Egoisten v&ouml;llig egal. Das Stehlen von Desinfektionsmitteln war f&uuml;r mich symptomatisch. Klinik ist ein Selbstbedienungsladen der Gesellschaft, sowohl was Material, als auch was human ressources angeht. Die Gesellschaft bestiehlt sich selbst und w&auml;hnt sich im Recht. <\/p><p><strong>Dabei ist es nicht mal notwendig, sich die H&auml;nde zu desinfizieren, oder?<\/strong><\/p><p>Im Beruf ist es ein Muss. Drau&szlig;en reicht Seife. <\/p><p><strong>H&auml;nde waschen reicht also gegen das Coronavirus vollkommen aus?<\/strong><\/p><p>H&auml;nde waschen, Sozialkontakte vermeiden, wissen, wie man, wenn Menschen um einen sind,  richtig niest, hustet.  Das ist das, was wir jetzt tun k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Tauschen Sie sich derzeit mit anderen Pflegekr&auml;ften &uuml;ber das Coronavirus aus? Was erfahren Sie?<\/strong><\/p><p>Es geht drunter und dr&uuml;ber. Wie gerade jetzt mit den Kollegen verfahren wird, macht alle sauer. Jahrelang ignoriert man sie, und nun sollen sie sich bereit machen, das Land zu retten. Dabei wird selbst Leuten in Callcentern zum Coronavirus mehr Gehalt gezahlt als so manchem Pflegenden. (Mindestlohn 15 Euro f&uuml;r Ausgebildete, im Callcenter gibt es 16 Euro und noch etwas mehr)<\/p><p><strong>Nochmal zur Pflege: Dass Pflegekr&auml;fte oftmals einen schweren Stand haben, ist bekannt. Aber h&auml;ngt das auch damit zusammen, dass viele nicht erkennen: Sie halten auch eine gewisse Macht in Ihrer Hand? Ich denke dabei an die Geschichte, die Sie auf Ihrem Blog erz&auml;hlen. Eine ganze Station hat da gek&uuml;ndigt. Was hat sich dort zugetragen?<\/strong><\/p><p>Die &Uuml;berlastung wurde f&uuml;r das Team so gro&szlig;, dass es geschlossen zu einem Betreiber gewechselt hat, der bessere Konditionen bot.  Das war ein au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Fall, der offenbar die Politik erschreckte. Dass der Einzelne keine Dinge in der Hand hat, sieht man am Beispiel der ausgeb&uuml;xten Station sehr sch&ouml;n. Erst, als alle mitmachten, ging es. Der Einzelne konnte nichts ausrichten. Dabei sprechen f&uuml;r Pflegende zumeist &Auml;rzte. Ich nenne das Silencing. Andererseits wird seit Jahren betont, alles regele der Markt. Nun regelt es der Markt, die Leute gehen in die Leiharbeit, weil auch diese in dem Fall bessere Konditionen bietet: und schon wird diese Marktregelung verboten. Das ist absurd. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Dazu kommt noch die schlechtere Ausbildung als in anderen L&auml;ndern. Die Art der Ausbildung hier in Deutschland f&uuml;hrt letztlich dazu, dass Pflege sozusagen national eingesperrt wird.  Ohne Nachschulungen k&ouml;nnen Sie au&szlig;erhalb Deutschlands oft h&ouml;chstens als Pflegehelfer arbeiten. Die Schweiz bietet das an.<\/p><p><strong>Auch wenn das vielleicht eine besondere Konstellation war, sprich: Man kannte sich schon sehr lange, hatte vielleicht auch etwas Gl&uuml;ck, dass eine andere Klinik Interesse an der Arbeitskraft hatte, aber l&auml;sst sich da vielleicht doch auch etwas Allgemeines f&uuml;r die Pfleger und Pflegerinnen rausziehen?<\/strong><\/p><p>Es ist ein Modell, dem man folgen kann, wenn auf einer Station sich das Personal einig ist. Das ist aber auf den meisten Stationen nicht so. Die Belastung f&uuml;hrt zu psychischen Erkrankungen, zu Burnout und Verzweiflung. F&uuml;r eine solche Aktion brauchen Sie Kraft. <\/p><p>Titelbild: Chaikom\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Personalmangel, sp&auml;rliche Ausstattungen und Pflegekr&auml;fte, die an ihrem Limit arbeiten: In Zeiten der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59185\">Coronakrise<\/a> d&uuml;rfte so manchem langsam d&auml;mmern, dass die seit langem bekannten Probleme in unserem Gesundheitssystem und in der Pflege sich irgendwann bitter r&auml;chen werden. <strong>Monja Sch&uuml;nemann<\/strong>, ausgebildete Krankenschwester und Historikerin, findet auf ihrem Blog <a href=\"https:\/\/mypflegephilosophie.com\/\">mypflegephilosophie.com<\/a> immer wieder klare Worte zum<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59319\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":59320,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,209,148,161],"tags":[2848,1164,288,2834],"class_list":["post-59319","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-interviews","category-pflegeversicherung","category-wertedebatte","tag-personalausstattung","tag-pflegekraefte","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/shutterstock_228482731-Kopie.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59319"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59319\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81419,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59319\/revisions\/81419"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59320"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}