{"id":59379,"date":"2020-03-18T08:56:47","date_gmt":"2020-03-18T07:56:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59379"},"modified":"2020-03-18T16:40:02","modified_gmt":"2020-03-18T15:40:02","slug":"woher-stammen-die-waffen-fuer-den-genozid-im-jemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59379","title":{"rendered":"Woher stammen die Waffen f\u00fcr den Genozid im Jemen?"},"content":{"rendered":"<p>Im Jemen k&auml;mpft eine achtk&ouml;pfige Koalition unter F&uuml;hrung Saudi-Arabiens und der Emirate gegen die aufst&auml;ndischen Houthi-Rebellen. Die Leidtragenden dieses genozidalen Krieges sind die 28 Millionen Menschen im Land, die von Hunger, Cholera und anderen lebensfeindlichen Bedingungen geplagt werden. Der Westen, allen voran die USA und Gro&szlig;britannien, unterst&uuml;tzen die Koalition auf jede nur erdenkliche Weise. Die direkteste Form des Supports sind gewiss Waffenlieferungen. Laut den neuesten Zahlen des SIPRI-Friedensinstituts waren es im Laufe des Jemenkriegs 33 L&auml;nder, die Waffen im Wert von weit &uuml;ber 36 Milliarden US-Dollar an die Koalition verkauft haben &ndash; 58 Prozent davon stammen aus den USA, gefolgt von Frankreich, Russland, Gro&szlig;britannien und Deutschland. Von <strong>Jakob Reimann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9410\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59379-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200318_Woher_stammen_die_Waffen_fuer_den_Genozid_im_Jemen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200318_Woher_stammen_die_Waffen_fuer_den_Genozid_im_Jemen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200318_Woher_stammen_die_Waffen_fuer_den_Genozid_im_Jemen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200318_Woher_stammen_die_Waffen_fuer_den_Genozid_im_Jemen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59379-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200318_Woher_stammen_die_Waffen_fuer_den_Genozid_im_Jemen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200318_Woher_stammen_die_Waffen_fuer_den_Genozid_im_Jemen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Krieg in Darfur im Westen Sudans ab 2003 stellt den ersten Genozid im 21. Jahrhundert dar. Der seit M&auml;rz 2015 w&uuml;tende <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-04-23\/krieg-im-jemen\/\">Krieg im Jemen<\/a> den zweiten. Formal k&auml;mpft eine achtk&ouml;pfige Koalition unter F&uuml;hrung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate gegen die Houthi-Rebellen, die befl&uuml;gelt durch den Arabischen Fr&uuml;hling 2011 in ihrem Aufstand ab 2014 schlie&szlig;lich den Gro&szlig;teil der urbanen Zentren des Landes wie die Hauptstadt Sana&rsquo;a eroberten, die 34-j&auml;hrige Herrschaft des Diktators Saleh beendeten und dessen Nachfolger Hadi aus dem Land hinaus ins saudische Exil trieben. Doch am Boden ist dies kein Krieg gegen Soldaten oder Rebellen, sondern gegen die 28 Millionen Menschen im Land und &ndash; wie ich <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2020-01-20\/der-krieg-gegen-jemens-kinder\/\">an anderer Stelle<\/a> nachwies &ndash; in erster Linie ein Krieg gegen Jemens Kinder. Es ist zerm&uuml;rbend, <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-03-04\/zwischen-cholera-und-hungersnot\/\">wieder<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44389\">wieder<\/a> all die genozidalen <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2019-08-20\/20-000-luftschlaege-ein-historischer-tag-im-jemenkrieg\/\">Kriegstaktiken<\/a> der Saudi-Emirate-Koalition, die zu <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/content\/dam\/yemen\/General\/Docs\/ImpactOfWarOnDevelopmentInYemen.pdf\">&uuml;ber 230.000 Toten<\/a> f&uuml;hrten, zu dokumentieren und zu verdammen, &uuml;ber <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-08-10\/saudi-emirate-koalition-toetet-29-kinder-durch-luftangriff-auf-schulbus-im-jemen\/\">all die Massaker<\/a> an der <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2019-10-22\/saudischer-kampfjet-loescht-familie-im-nordjemen-aus\/\">Zivilbev&ouml;lkerung<\/a> zu <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2020-02-17\/vergeltungsschlag-saudi-arabien-toetet-31-zivilisten-im-nordjemen\/\">berichten<\/a> oder all die unfassbaren Superlative zum <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-11-27\/hunger-als-kriegswaffe-85-000-kinder-im-jemen-ermordet\/\">Hunger<\/a>, zur <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2019-07-07\/cholera-die-geissel-des-jemenkriegs-beim-un-menschenrechtsrat-in-genf\/\">Cholera<\/a> und den <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2019-11-14\/ministerium-erklaert-gesundheitsnotstand-malaria-und-denguefieber-auf-dem-vormarsch-im-jemen\/\">anderen Epidemien<\/a> zu recherchieren. (Im letzten November wurden im Jemen mit bis zu einer halben Million Infizierter in wenigen Tagen weit mehr <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2019-11-14\/ministerium-erklaert-gesundheitsnotstand-malaria-und-denguefieber-auf-dem-vormarsch-im-jemen\/\">Malariainfektionen<\/a> registriert als aktuell weltweit in Monaten der Corona.)<\/p><p><strong>Die Komplizenschaft des Westens<\/strong><\/p><p>Es ist lange zum Klischee geworden, dass, wenn die USA heute ihren Support f&uuml;r die Saudi-Emirate-Koalition einstellten, der Krieg im Jemen morgen fr&uuml;h zu Ende w&auml;re &ndash; ein Klischee, das so plakativ wie zutreffend ist. <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-03-21\/die-blutspur-der-usa-im-jemen\/\">Die Komplizenschaft Washingtons<\/a> am Genozid im Jemen &ndash; die unter Obama als Beschwichtigung eines wegen des Iran-Deals vor Wut sch&auml;umenden Hauses Saud begann &ndash; umfassend aufzulisten, w&uuml;rde jeden Rahmen sprengen. Sie reicht von Luftbetankungen und milit&auml;rischer Ausbildung &uuml;ber geheimdienstliche Kooperation und Targetauswahl in den Zentralen in Riad und Abu Dhabi bis zur politischen R&uuml;ckendeckung und Legitimierung der protofaschistischen Regimes am Golf insgesamt (Trumps unterw&uuml;rfiges Verhalten in Folge des Khashoggi-Mords nur als besonders sch&auml;ndliches Beispiel).<\/p><p>&Auml;hnliches kann &uuml;ber Gro&szlig;britannien gesagt werden &ndash; spielt London hier doch fast in einer Liga mit dem allumfassenden Support Washingtons. Die britische BAE Systems etwa ist de facto der operative Pate der Royal Saudi Air Force, ohne die nicht eine einzige Bombe auf jemenitische <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/middle-east\/yemens-healthcare-system-left-in-tatters-due-to-saudi-bombing-campaign-that-the-uk-supported-a6833546.html\">Krankenh&auml;user<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ibtimes.co.uk\/yemen-home-blind-bombed-saudi-led-airstrikes-intensify-against-houthi-forces-1536178\">Schulen<\/a>, <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2015\/11\/16\/u-s-and-saudi-bombs-target-yemens-ancient-heritage\/\">Moscheen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security\/death-toll-from-air-strike-on-yemen-wedding-party-rises-above-130-medics-idUSKCN0RT0XT20150929\">Hochzeiten<\/a> abgeworfen werden k&ouml;nnte. Auch auf dem diplomatischen Parkett halten London und Washington den V&ouml;lkerm&ouml;rdern in Riad stets den R&uuml;cken frei, etwa wenn sie mit ihrem <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/2018\/06\/15\/uk-opposes-immediate-ceasefire-yemen-port-hodeidah-un-coalition\/\">Veto im UN-Sicherheitsrat<\/a> den Genozid im Jemen vor internationaler &Auml;chtung immunisieren. Im Grunde macht sich die gesamte (westliche) Welt schuldig, indem dessen Regierungen durch ihr Nichtstun das Schlachten der Koalition politisch und so am Ende auch moralisch legitimieren: K&ouml;nnen gegen Putin, Assad, Maduro und ihresgleichen Moralismus und geheuchelter Humanismus kaum unverbl&uuml;mter als politische Waffen instrumentalisiert werden, haben Washington, Berlin, Paris und London zu saudisch-emiratischen Kriegsverbrechen zumeist nur eines anzubieten: ohrenbet&auml;ubendes Schweigen.<\/p><p><strong>Das Kriegswerkzeug<\/strong><\/p><p>Doch die direkteste Unterst&uuml;tzung der verbrecherischen Saudi-Emirate-Koalition, die unmittelbarste Form der Komplizenschaft am Genozid im Jemen, sind die Waffenlieferungen der zumeist westlichen Staaten an die acht Koalition&auml;re. Um die Kritik an diesen Exporten von Kriegswerkzeug nicht nur allgemein und diffus-idealistisch formulieren zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssen Zahlen her. Und diese Zahlen liefert das Stockholm International Peace Research Institute. Das SIPRI ist die weltweit f&uuml;hrende Forschungsinstanz, wenn es um R&uuml;stungsausgaben und Waffenexporte geht. Im Fr&uuml;hjahr bringt SIPRI jedes Jahr seine f&uuml;r das Vorjahr geupdateten <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/databases\/armstransfers\">Datenbanken<\/a> heraus. Hierzu ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass SIPRI ausschlie&szlig;lich die tats&auml;chlich in einem Jahr gelieferten R&uuml;stungsg&uuml;ter aufz&auml;hlt und nicht die erteilten Genehmigungen (die teilweise wesentlich h&ouml;her sind). Zwischen beiden Zeitpunkten k&ouml;nnen Jahre liegen. Der gro&szlig;e Vorteil der SIPRI-Daten liegt demnach darin, dass durch sie relativ zeitnah das tats&auml;chliche Auff&uuml;llen leergeschossener Arsenale einer Kriegspartei nachvollzogen werden kann.<\/p><p>Ich arbeitete die SIPRI-Datenbanken akribisch durch und analysierte sie dahingehend, um die Frage zu beantworten: Woher stammen die Waffen f&uuml;r den Genozid im Jemen? Das Ergebnis ist zun&auml;chst die folgende Karte:<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200318-Arms-exports-to-Anti-Yemen-coalition_countries_2015-19_L.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200318-Arms-exports-to-Anti-Yemen-coalition_countries_2015-19_L.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Der Krieg begann am 26. M&auml;rz 2015, weshalb ich die Daten der Jahre 2015&ndash;2019 heranzog. In diesen f&uuml;nf Jahren waren es insgesamt <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Arms-exports-to-Anti-Yemen-coalition_2015-2019.pdf\">33 L&auml;nder<\/a>, die den Jemenkrieg am Laufen hielten, indem sie die acht Koalition&auml;re mit neuem Kriegsger&auml;t versorgten. Die Karte macht deutlich, dass sich hier im Grunde die gesamte Nordhalbkugel verschworen hat, um eines der ohnehin &auml;rmsten und unterentwickeltsten L&auml;nder der Welt buchst&auml;blich dem Erdboden gleichzumachen.<\/p><p>Im F&uuml;nfjahreszeitraum 2015&ndash;2019 erh&ouml;hten sich die weltweiten Waffenexporte in den Nahen Osten im Vergleich zu den f&uuml;nf Jahren zuvor insgesamt um <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/media\/press-release\/2020\/usa-and-france-dramatically-increase-major-arms-exports-saudi-arabia-largest-arms-importer-says\">knapp zwei Drittel<\/a>, so dass mittlerweile mit 35 Prozent mehr als jede dritte auf der Welt exportierte Waffe in diese kriegszerrissene Krisenregion verschifft wird. Insbesondere geht diese Entwicklung auf das sich massiv hochr&uuml;stende Saudi-Arabien zur&uuml;ck, welches in den letzten Jahren vor Indien und &Auml;gypten zum mit Abstand gr&ouml;&szlig;ten Waffenimporteur der Welt aufgestiegen ist: In der zweiten Dekade dieses Jahrtausends importierte Riad mit 25,4 Milliarden US-Dollar weit mehr als sechs Mal so viele R&uuml;stungsg&uuml;ter wie in den Jahren 2000&ndash;2009 (3,9 Milliarden).<\/p><p>Insgesamt wurden in den letzten f&uuml;nf Jahren (den Jahren des Jemenkriegs 2015&ndash;2019 also) Waffen im Wert von &uuml;ber 36.768.000.000 US-Dollar in die acht L&auml;nder der Saudi-Emirate-Koalition verschifft, &uuml;ber 36 Milliarden also. (Katar als neuntes Koalitionsmitglied wurde im Zuge der <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2017-06-12\/die-katar-krise-saudi-arabien-trump-und-der-krieg-gegen-den-iran\/\">Katar-Krise ab Sommer 2017<\/a> aus der Koalition ausgeschlossen.) Knapp die H&auml;lfte der Waffenlieferungen (48 Prozent) ging an Saudi-Arabien, knapp unter einem Viertel (23 Prozent) an &Auml;gypten und ein Siebentel (14 Prozent) an die Emirate. Auf die restlichen sechs L&auml;nder entfielen zusammen 16 Prozent.<\/p><p><strong>Die Exporteure<\/strong><\/p><p>Selbstredend haben auch die Waffenexporteure &auml;u&szlig;erst unterschiedliche Anteile am Gesamtaufkommen. So verkauften von den 33 L&auml;ndern 19 L&auml;nder R&uuml;stungsg&uuml;ter f&uuml;r je unter 100 Million Dollar, neun davon f&uuml;r unter zehn Millionen. Die zehn gr&ouml;&szlig;ten Lieferanten haben zusammengenommen hingegen einen Anteil von fast 96 Prozent aller Waffenexporte, und nur die f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten einen Anteil von 89 Prozent:<\/p><table>\n<tr>\n<td>1. USA<\/td>\n<td>21.195<\/td>\n<td>(57,7%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2. Frankreich<\/td>\n<td>4.452<\/td>\n<td>(12,1%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>3. Russland<\/td>\n<td>3.324<\/td>\n<td>(9,0%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4. Gro&szlig;britannien<\/td>\n<td>2.278<\/td>\n<td>(6,2%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>5. Deutschland<\/td>\n<td>1.465<\/td>\n<td>(4,0%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>6. Niederlande<\/td>\n<td>577<\/td>\n<td>(1,6%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>7. China<\/td>\n<td>520<\/td>\n<td>(1,4%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>8. Spanien<\/td>\n<td>497<\/td>\n<td>(1,4%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>9. Italien<\/td>\n<td>451<\/td>\n<td>(1,2%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10. Kanada<\/td>\n<td>419<\/td>\n<td>(1,1%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>restl. 23 L&auml;nder<\/td>\n<td>1.590<\/td>\n<td>(4,3%)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p>(Eine vollst&auml;ndige Kreuztabelle mit allen Importeur-Exporteur-Beziehungen kann <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/200318-Arms-exports-to-Anti-Yemen-coalition_shares_2015-2019.pdf\">hier<\/a> abgerufen werden.)<\/p><p>Visualisiert ergibt sich folgendes Bild:<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200318-Arms-exports-to-Anti-Yemen-coalition_shares_2015-19_L.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Es ist wenig &uuml;berraschend, dass diese unr&uuml;hmliche &Uuml;bersicht mit meilenweitem Abstand von den USA angef&uuml;hrt wird. Einerseits ist Washington mit einem Anteil von 36 Prozent ohnehin der mit Abstand <a href=\"#page=2\">gr&ouml;&szlig;te Waffenexporteur der Welt<\/a> &ndash; gefolgt von Russland (21 Prozent), Frankreich (8 Prozent) und Deutschland (6 Prozent) auf Platz 4. Andererseits ist die Beziehung der USA zu den Golfdiktaturen historisch ohnehin &auml;u&szlig;erst ausgepr&auml;gt &ndash; galt im Kalten Krieg insbesondere Saudi-Arabien als Bollwerk gegen einen auch in der arabischen Welt gro&szlig;en Zuspruch findenden Kommunismus, erhielt die enge Milit&auml;rkooperation nach den Anschl&auml;gen vom 11. September 2001 mit dem alles rechtfertigenden &bdquo;War on Terror&ldquo;-Narrativ einen neuen ideologischen Unterbau, der die endlose US-Pr&auml;senz in der Region von nun an begr&uuml;nden sollte.<\/p><p>So lieferten die USA allein in den Kriegsjahren 2015&ndash;2019 Waffen in Wert von &uuml;ber 22 Milliarden Dollar an die acht Koalition&auml;re, was 57,7 Prozent entspricht und mehr als eine Verdopplung im Vergleich zum vorangegangenen F&uuml;nfjahreszeitraum darstellt, in dem Washington Waffen im Wert von 10,5 Milliarden an die Koalition exportierte. Zoomen wir auf der Zeitachse noch etwas weiter hinaus, offenbart sich die zunehmende Hochr&uuml;stung der acht Koalition&auml;re durch die USA weiter: In den 2000er Jahren exportierten die USA Waffen im Wert von 12,0 Milliarden US-Dollar, mit 32,7 Milliarden in den 2010er Jahren bereits fast das Dreifache davon. Der Gro&szlig;teil dieses enormen Zuwachses entfiel auf steigende US-R&uuml;stungsexporte nach Saudi-Arabien: So exportierte Washington in der ersten Dekade des Jahrtausends Waffen im Wert von &bdquo;nur&ldquo; 1,5 Milliarden Dollar nach Riad und steigerte diesen Wert in der zweiten Dekade mit 16,2 Milliarden auf mehr als das Zehnfache. Bis auf &Auml;gypten nahmen auch die Lieferungen an alle anderen Koalition&auml;re mit der Zeit zu.<\/p><p>Mit einem Anteil von &uuml;ber 12 Prozent liegt Frankreich auf Platz 2 der Exporteure an die Kriegskoalition und hat &uuml;ber die Jahre gesehen ebenfalls deutliche Zuw&auml;chse zu verzeichnen. Seit dem Staatstreich von 2013, als sich der faschistische General Abd al-Fattah al-Sisi in Kairo an die Macht putschte, beliefert Paris im gro&szlig;en Stil den Putschisten al-Sisi und ist so zum gr&ouml;&szlig;ten Lieferanten des &auml;gyptischen Milit&auml;rs aufgestiegen. &Auml;hnliches gilt im &Uuml;brigen f&uuml;r Deutschland, das ebenfalls seit dem Putsch 2013 verst&auml;rkt nach &Auml;gypten liefert. Russland hat es mit einem Anteil von &uuml;ber 9 Prozent auf diese Liste geschafft, da auch Moskau vermehrt Waffen an die &auml;gyptische Diktatur liefert und so nach Frankreich zum zweitgr&ouml;&szlig;ten Exporteur in das Land am Nil aufstieg. Russland versorgt auch die meisten anderen Koalition&auml;re und hat 2019 das erste Mal Waffen nach Saudi-Arabien geliefert.<\/p><p>Deutschland hat mit Waffenlieferungen im Wert von knapp 1,5 Milliarden US-Dollar in den Jahren des Jemenkriegs einen Anteil von 4 Prozent. Wie aus den R&uuml;stungsexportberichten der Bundesregierung hervorgeht, hat Berlin neben diesen tats&auml;chlich ausgef&uuml;hrten Waffen (bis auf den Sudan) in jedem Kriegsjahr an jedes einzelne Koalitionsmitglied neue Ausfuhrgenehmigungen erteilt &ndash; allein an Saudi-Arabien in H&ouml;he von 1,5 Milliarden Euro, an &Auml;gypten in H&ouml;he von 1,1 Milliarden Euro und an Katar in H&ouml;he von &uuml;ber 1,8 Milliarden. Werden die USA und Gro&szlig;britannien als ebenfalls aktive Kriegsparteien hinzugerechnet, so ergibt sich bis 2018 der Gesamtbetrag von Ausfuhrgenehmigungen im Wert von 10,3 Milliarden Euro, mit denen die Anti-Jemen-Koalition ihre leergeschossenen Arsenale aus Deutschland wieder auff&uuml;llen l&auml;sst. Zwischen 2015 und 2018 verkaufte die Bundesregierung insgesamt R&uuml;stungsg&uuml;ter in H&ouml;he von knapp 25,8 Milliarden Euro an 166 (!) L&auml;nder dieser Welt &ndash; damit entfallen ganze 40 Prozent auf Kriegsparteien der Anti-Jemen-Koalition. Der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Satz im Koalitionsvertrag der aktuellen GroKo-Iteration &ndash; &bdquo;Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an L&auml;nder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemenkrieg beteiligt sind.&ldquo; &ndash; klingt angesichts dieser Zahlen genauso hohl wie zynisch.<\/p><p>Die Bundesregierung versichert wieder und wieder, bei den Staaten der Koalition darauf zu pochen, dass die gelieferten Waffen unter keinen Umst&auml;nden eingesetzt w&uuml;rden und dass sie dar&uuml;ber hinaus &uuml;ber keinerlei Erkenntnisse &uuml;ber entsprechenden Einsatz deutschen Kriegsger&auml;ts im Jemen verf&uuml;ge. Anfang 2019 machte sich das Recherchenetzwerk #GermanArms schlie&szlig;lich daran, diesem Erkenntnisdefizit der Bundesregierung zu begegnen und wertete Unmengen an frei zug&auml;nglichen Daten, Videos und Fotos aus. Das internationale Netzwerk kam zum erdr&uuml;ckenden Schluss, dass s&auml;mtliche deutsche Waffensysteme von der Saudi-Emirate-Koalition &ndash; oh, Wunder! &ndash; auch tats&auml;chlich eingesetzt werden, &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/beweise-f%C3%BCr-deutsche-waffen-im-jemen\/a-47681315\">an Land, in der Luft und zur See<\/a>&ldquo;: vom in Mecklenburg-Vorpommern von L&uuml;rssen produzierten Raketenschnellbooten und Korvetten mit Rheinmetall-Kanonen, &uuml;ber Panzer aus Flensburg und Haubitzen mit Daimler-Chassis bis zu Eurofighter und Tornados mit Komponenten Dutzender deutscher R&uuml;stungsbetriebe. Wirtschaftsminister Peter Altmaiers Reaktion, als er von der Deutschen Welle auf die unzweideutigen Ergebnisse von #GermanArms angesprochen wurde: &bdquo;Mir ist davon nichts bekannt.&ldquo;<\/p><p>Es ist diese Gleichg&uuml;ltigkeit gegen&uuml;ber dem Leiden des Jemen, die von Altmaier hier zwar in seiner ureigenen Arroganz besonders sch&auml;ndlich kommuniziert wird, im Prinzip jedoch von den Regierungen und R&uuml;stungskonzernen all der anderen Exporteure genau so geteilt wird. Es sind diese 33 L&auml;nder, die mit ihrer skrupellosen Exportpolitik das T&ouml;ten im Jemen erst m&ouml;glich machen &ndash; und f&uuml;r Profite und Einfluss buchst&auml;blich &uuml;ber Leichen gehen. Und es sind allen voran die F&uuml;hrungen der f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten Exporteure, die neun von zehn aller Waffenlieferungen zu verantworten haben &ndash; die Regierungen in Washington, Paris, Moskau, London und Berlin &ndash;, die auch nach Bekanntwerden all der sch&auml;ndlichen Kriegsverbrechen im Jemen weiteres T&ouml;tungswerkzeug lieferten und so jeden weiteren Tag den Genozid im Jemen erm&ouml;glichen.<\/p><p>Titelbild: PRESSLAB\/shutterstock.com<\/p><p>Alle anderen Grafiken: &copy; Jakob Reimann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jemen k&auml;mpft eine achtk&ouml;pfige Koalition unter F&uuml;hrung Saudi-Arabiens und der Emirate gegen die aufst&auml;ndischen Houthi-Rebellen. Die Leidtragenden dieses genozidalen Krieges sind die 28 Millionen Menschen im Land, die von Hunger, Cholera und anderen lebensfeindlichen Bedingungen geplagt werden. Der Westen, allen voran die USA und Gro&szlig;britannien, unterst&uuml;tzen die Koalition auf jede nur erdenkliche Weise. Die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59379\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":59380,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,188,171],"tags":[1391,945,1043,1917,469,1573,304,259,1054,2850,1556,2068,2377,2360],"class_list":["post-59379","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-bundesregierung","category-militaereinsaetzekriege","tag-altmaier-peter","tag-aegypten","tag-frankreich","tag-genozid","tag-grossbritannien","tag-jemen","tag-kriegsverbrechen","tag-russland","tag-saudi-arabien","tag-sipri","tag-usa","tag-vae","tag-waffenlieferungen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/shutterstock_395077777.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59379","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59379"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59379\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59401,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59379\/revisions\/59401"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59379"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59379"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}