{"id":59757,"date":"2020-03-31T08:50:51","date_gmt":"2020-03-31T06:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59757"},"modified":"2020-04-01T09:31:22","modified_gmt":"2020-04-01T07:31:22","slug":"die-armee-der-weissen-kittel-wie-kuba-mit-seinem-paradigma-fuer-epidemien-erforschung-und-soziale-medizin-die-jahrzehntelange-blockade-herausfordert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59757","title":{"rendered":"Die \u201eArmee der wei\u00dfen Kittel\u201c \u2013 Wie Kuba mit seinem Paradigma f\u00fcr Epidemien-Erforschung und Soziale Medizin die jahrzehntelange Blockade herausfordert"},"content":{"rendered":"<p>Mitte M&auml;rz in der karibischen See. Das Kreuzfahrtschiff MS Braemar treibt erratisch zwischen den karibischen Inseln. Es befinden sich mehr als 1.000 Passagiere an Bord. F&uuml;nf von ihnen wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Die Sorge ist indes noch etwas akuter: 21 Besatzungsmitglieder und 22 Passagiere wurden wegen grippe&auml;hnlichen Symptomen isoliert. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4602\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59757-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200331-Armee-der-weissen-Kittel-soziale-Medizin-aus-Kuba-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200331-Armee-der-weissen-Kittel-soziale-Medizin-aus-Kuba-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200331-Armee-der-weissen-Kittel-soziale-Medizin-aus-Kuba-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200331-Armee-der-weissen-Kittel-soziale-Medizin-aus-Kuba-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59757-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200331-Armee-der-weissen-Kittel-soziale-Medizin-aus-Kuba-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200331-Armee-der-weissen-Kittel-soziale-Medizin-aus-Kuba-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Schiffskommando beschlie&szlig;t, die Kreuzfahrt abzubrechen oder wenigstens die Virus-Erkrankten und die Symptomverd&auml;chtigen umgehend einer Hafenbeh&ouml;rde zur sofortigen Behandlung zu &uuml;bergeben. Doch die am n&auml;chsten liegende, britische De-facto-Kolonie der Bahamas-Inseln winkt ab. Also geht die MS Braemar 25 Meilen von den Bahamas entfernt vor Anker. Zu den Reisenden z&auml;hlen B&uuml;rger aus Australien, Belgien, Kolumbien, Kanada, Irland, Italien, Japan, den Niederlanden, Neuseeland, Gro&szlig;britannien, Norwegen und Schweden. Eine 7-Tage-Kreuzfahrt kostet je nach gebuchtem Paket von 800 bis 3.500 Euro pro Person. F&uuml;r eine drei- bis vierw&ouml;chige Weltumschiffung m&uuml;ssen also bis zu 15.000 Euro hingebl&auml;ttert werden und das ist nur f&uuml;r h&ouml;here Einkommen erschwinglich.<\/p><p>Die MS Braemar geh&ouml;rt der Fred Olsen Cruise Lines und diese ist ein Einzelunternehmen der gleichnamigen, norwegischen Milliard&auml;rsfamilie. Die Fred-Olsen-Gruppe begann als kleine Reederei und besitzt heute &Ouml;ltanker-Flotten, Windenergie-Unternehmen und betreibt weltweit gigantische Bohranlagen.<\/p><p><strong>&bdquo;Thank you Cuba!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Olsen-CEO ist die jovial wirkende Anette Sofie Olsen, oft zitiert als die m&auml;chtigste Frau Norwegens, doch das British Empire, wo die MS Braemar beheimatet ist, k&uuml;mmert das wenig. Und dann passiert das Ungeahnte: Die Regierung Kubas <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2020\/03\/british-coronavirus-hit-cruise-ship-docks-cuba-200319103304910.html\">genehmigt das Andocken<\/a> des mehrst&ouml;ckigen Dampfers. <\/p><p>Doch im Gegensatz zum chilenischen Feuerland &ndash; wo ein anderes Kreuzfahrtschiff aus &auml;hnlichen sanit&auml;ren Notgr&uuml;nden anzulegen versuchte und von der Lokalbev&ouml;lkerung aufs &Uuml;belste beschimpft und abgewiesen wurde &ndash; lief die MS Braemar unter Applaus im Hafen von Mariel ein, wo die kubanischen Beh&ouml;rden mit strengen, jedoch freundlich angewendeten sanit&auml;ren Isolierungsma&szlig;nahmen die Passagiere zum Flughafen von Havanna transportierten und mit Charterfl&uuml;gen nach Gro&szlig;britannien bef&ouml;rderten.<\/p><p>Anthea Guthrie, eine 68-j&auml;hrige Engl&auml;nderin, gedachte Kubas Volk und Regierung auf Facebook mit dem Titel &bdquo;Danke Kuba, dass Du uns Dein Herz ge&ouml;ffnet hast&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2020\/03\/british-coronavirus-hit-cruise-ship-docks-cuba-200319103304910.html\">und schrieb<\/a>: &bdquo;K&ouml;nnten alle meine Freunde ihre Gl&auml;ser zum Wohl Kubas ansto&szlig;en und sich daran erinnern, dass Kuba einen Schritt nach vorne gemacht hat, als niemand anderes uns von Bord lassen wollte? Am Mittwoch oder Donnerstag von Kuba nach Hause fliegen. Liebe Gr&uuml;&szlig;e an alle, die unser gro&szlig;es Abenteuer verfolgt haben&ldquo;. Das war am 16.M&auml;rz.<\/p><p>Eine Woche sp&auml;ter fliegen 52 kubanische &Auml;rzte und Krankenpfleger im weltweiten Kampf gegen das Corona-Virus zum <a href=\"https:\/\/actualidad.rt.com\/actualidad\/347229-video-medicos-cubanos-italia-luchar-coronavirus-covid19\">Noteinsatz nach Italien<\/a>. Sie werden im Umkreis der schwer betroffenen lombardischen Stadt Bergamo eingesetzt. Einen Tag zuvor waren acht medizinische Brigaden mit etwa 100 Milit&auml;rspezialisten f&uuml;r Virologie und Epidemiologie sowie Desinfektionssysteme der russischen Streitkr&auml;fte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=e9yXK-AQui8\">in Italien gelandet<\/a>.<\/p><p>Parallel dazu entsandte Kuba Corona-Notbrigaden mit insgesamt 261 Mitgliedern nach Nicaragua, Suriname, Granada und Jamaika. Als Axel Kicillof, Gouverneur der argentinischen Provinz Buenos Aires, seinen Notruf an ausl&auml;ndische Epidemie-Spezialisten vermittelte, <a href=\"https:\/\/www.losandes.com.ar\/article\/view?slug=llegan-medicos-extranjeros-a-argentina-no-hay-polemica-es-legal-y-muy-necesario\">bot Kuba sofort Hilfe<\/a> mit 500 &Auml;rzten und Sanit&auml;tern an. Nach offiziellen Angaben sind derzeit rund 30.000 kubanische Angestellte des Gesundheitssektors in 61 L&auml;ndern Afrikas, Mittelamerikas und Asiens t&auml;tig.<\/p><p><strong>&bdquo;Sofort Sanktionen aufheben!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Viele Menschen fragen sich, wie ist und war es bisher m&ouml;glich, dass ein seit mehreren Jahrzehnten unter politisch motivierten Wirtschaftsblockaden der USA und Teilen der EU leidendes Land wie Kuba zu solchem Engagement f&auml;hig ist.<\/p><p>Daher forderte eine Gruppe von US-&Ouml;konomen im Hinblick auf die Corona-Pandemie die Donald-Trump-Regierung auf, die Sanktionen, die unter anderem Kuba, Venezuela und Iran bestrafen, <a href=\"https:\/\/cepr.net\/press-release\/us-government-should-immediately-lift-economic-sanctions-to-avoid-causing-more-deaths-from-pandemic-economists-say\/\">unverz&uuml;glich aufzuheben<\/a>. Die Wissenschaftler machten deutlich, dass ihre Forderung nach Aufhebung der Sanktionen das Ziel verfolge, die Zunahme der Todesf&auml;lle durch Covid-19 zu vermeiden, wovon mittlerweile fast eine halbe Million Menschen weltweit betroffen ist. &bdquo;Diese Politik ist &uuml;bertrieben und verletzt auf eklatante Weise das V&ouml;lkerrecht. Schlimmer noch, sie sch&uuml;rt jetzt die Coronavirus-Epidemie. Die USA m&uuml;ssen diese unmoralischen und illegalen Sanktionen unbedingt aufheben, damit der Iran und Venezuela so effektiv und schnell wie m&ouml;glich gegen die Epidemie vorgehen k&ouml;nnen&ldquo;, erkl&auml;rte Jeffrey Sachs, Professor und Direktor des Zentrums f&uuml;r nachhaltige Entwicklung an der Columbia University.<\/p><p>Die Forderung der US-Wirtschaftswissenschaftler erfolgt zu exakt dem Zeitpunkt, als die Trump-Regierung mit ihren Satelliten-Regierungen, wie dem brasilianischen Bolsonaro-Regime, die Corona-Krise mit geopolitischer Trickserei zu versch&auml;rfen versucht. Monate zuvor hatten das Wei&szlig;e Haus und das State Department die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) f&uuml;r eine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/global-development\/2020\/feb\/11\/trump-puts-cuban-doctors-in-firing-line-as-heat-turned-up-on-island-economy\">haneb&uuml;chene Diffamierungskampagne<\/a> gegen die kubanischen &Auml;rztebrigaden in ihren Dienst gestellt.<\/p><p>Die extreme Rechte um Donald Trump &ndash; in Sachen Kuba beraten von der rechtsradikalen kubanischen Exilanten-Szene in Florida, unter F&uuml;hrung von Senator Marco Rubio, und im State Dept. angef&uuml;hrt vom evangelikalen Altright Mike Pompeo &ndash; behauptet seit 2019, die kubanischen &Auml;rzte seien &bdquo;Sklaven&ldquo; ihrer Regierung, weil sie rund 70 Prozent der von den Gastl&auml;ndern ausgezahlten L&ouml;hne, die in der Regel zwischen 2.000 und 3.000 US-Dollar liegen, an die Regierung abf&uuml;hren. Eine Unterstellung, die auch der brasilianische Pr&auml;sident Jair Bolsonaro nachgeplappert und mit der <a href=\"https:\/\/exame.abril.com.br\/brasil\/nao-preciso-provar-diz-bolsonaro-sobre-cubanos-serem-guerrilha-do-pt\/\">l&auml;cherlichen Behauptung<\/a> ausgeschm&uuml;ckt hat, die &Auml;rzte seien in Wahrheit verschleierte &bdquo;Agenten&ldquo; und &bdquo;Guerilleros&ldquo; mit dem Ziel der Bildung &bdquo;terroristischer Zellen&ldquo;. Die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sW1ApvFCESo\">kubanischen &Auml;rzte entgegneten<\/a> mehrfach darauf, sie akzeptierten freiwillig die Vertr&auml;ge &uuml;ber ihre Auslandseins&auml;tze, denn der daraus erzielte Gewinn erm&ouml;glicht ihrer Regierung, die m&uuml;hevoll aufgebaute, sozialorientierte Gesundheits- und Bildungssysteme aufrechtzuerhalten und Neuinvestitionen zu t&auml;tigen. Dieser sogenannte &bdquo;medizinische Export&ldquo; ist neben dem Tourismus einer der Motoren der Wirtschaft des sozialistischen Landes und belief sich 2018 nach offiziellen Angaben auf einen Umsatz von rund 6,3 Milliarden US-Dollar.<\/p><p>Doch zur&uuml;ck zu den historischen Anf&auml;ngen der &Auml;rztebrigaden.<\/p><p><strong>Che Guevara und die Anf&auml;nge der Sozialen Medizin in Kuba<\/strong><\/p><p>Kinofreunde werden sich erfreut an den Spielfilm <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Uv9L3N8_hoo\">Die Reise des jungen Che<\/a> des brasilianischen Regisseurs Walter Salles erinnern. Doch was hat der Film mit der Aktualit&auml;t zu tun? Eine ganze Menge. Mit einem Abstecher in das peruanische Amazonien engagierte sich der damalige Medizinstudent Ernesto Guevara Lynch w&auml;hrend der Reise als Freiwilliger im Kampf gegen die Lepra-Trag&ouml;die in San Pedro, Cerritos, Diamante und General Rodr&iacute;guez. Guevara litt selbst unter Asthma und widmete sich bereits nach dem 4. Studiensemester der Allergien-Forschung. Der Schock beim Anblick der verwahrlosten Lepra-Kranken l&ouml;ste in ihm w&auml;hrend der Reise Ende der 1950er das Konzept der Sozialmedizin aus, das er sp&auml;ter in Kuba einf&uuml;hrte, wo er als der Che bekannt wurde.<\/p><p>&bdquo;Dieses Verst&auml;ndnis (von Medizin) ist etwas, das in die Psyche kubanischer &Auml;rzte und Krankenschwestern eingebaut zu sein scheint &ndash; die Idee, dass &bdquo;ich ein Beamter bin&ldquo;, erkl&auml;rt Gail Reed, Mitbegr&uuml;nderin der Medical Education Cooperation with Cuba (MEDICC). &bdquo;Ausgangspunkt ist ein Verpflichtungs-Bewusstsein, die Gesundheitsversorgung zum allgemein anerkannten Recht zu erheben&ldquo;.<\/p><p>Doch der Che forderte, die sozial ausgerichtete Medizin m&uuml;sse Bestandteil des politischen Internationalismus sein. Die Folge davon ist, dass, wenn kubanische &Auml;rzte die medizinische Fakult&auml;t abschlie&szlig;en, sie die M&ouml;glichkeit haben, sich als Freiwillige f&uuml;r medizinische Missionen bei Epidemie-Ausbr&uuml;chen oder Naturkatastrophen zu melden. Oft handelt es sich dabei um ein- bis zweij&auml;hrige Verpflichtungen, wie im erfolgreichen Kampf gegen die afrikanische Ebola-Pandemie. Zur Vorbereitung werden die freiwilligen &Auml;rzte und Sanit&auml;ter nicht nur intensiv f&uuml;r die spezifische Krankheit geschult, die sie behandeln sollen, sondern sind zu Kursbesuchen &uuml;ber Kultur und Geschichte der Einsatzgebiete verpflichtet. Obwohl es wie ein gewagter Vergleich klingt, wird vermutet, dass Guevaras internationalistisches Hilfekonzept unter anderem &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; inspirierte.<\/p><p>Die kubanische &Auml;rztehilfe begann 1960, als Fidel Castros Revolution gerade die politische Macht &uuml;bernommen hatte. Bei einem massiven Erdbeben kamen in Chile bis zu 5.000 Menschen ums Leben und Kuba entsandte seine ersten &Auml;rzte und Sanit&auml;ter. Che Guevara war jedoch der &Auml;rzteeinsatz in Algerien zu verdanken, das er zum ersten Mal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kWNTvvoAja0\">1963 besuchte<\/a>.<\/p><p><strong>Algerien ist ein lehrreiches Beispiel internationaler &Auml;rztehilfe<\/strong><\/p><p>Die medizinische Zusammenarbeit Kubas mit Algerien besteht seit &uuml;ber 55 Jahren. Sie begann mit der Unabh&auml;ngigkeit Algeriens im Jahr 1962. Ein Jahr sp&auml;ter kamen die ersten 29 &Auml;rzte, 3 Stomatologen, 15 Krankenschwestern und 8 Gesundheits-Assistenten aus Kuba; ein Kontingent, das gegenw&auml;rtig rund 900 &Auml;rzte und medizinisches Personal aus Kuba in Algerien z&auml;hlt. Dort bietet Kuba medizinische Hilfe in vier Programmen: Augenheilkunde, Mutter- und Kinderbetreuung, Onkologie und Urologie. Augenheilkunde gilt als Spezialisierung, die wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualit&auml;t der Algerier beigetragen hat und in der Einrichtung des Augenklinikums Djelfa im Jahr 2008 gipfelte.<\/p><p>Im Jahr 1998 zogen die kubanischen &Auml;rzte-Brigaden Bilanz. Der Umstand, dass sie viele Menschen behandelten, die noch nie Zugang zu &Auml;rzten gehabt hatten, sollte neu &uuml;berdacht werden und organisatorische Folgen haben. Sie entschlossen sich daher zur Gr&uuml;ndung der Escuela Latinoamericana de Medicina\/Lateinamerikanische Schule f&uuml;r Medizin (ELAM), die Studenten mit niedrigem Einkommen aus der ganzen Welt Stipendien anbietet. Ziel ist, dass diese Studenten nach ihrem Abschluss als Gesundheitshelfer in ihre Heimatl&auml;nder zur&uuml;ckkehren und das dortige &ouml;ffentliche Gesundheitssystem st&auml;rken.<\/p><p>&bdquo;Ein Patient darf nicht als Gesch&auml;ftspartner missdeutet werden. Eine &ouml;ffentliche Gesundheitsversorgung ist ein menschliches Grundrecht, sie darf kein Objekt des Marktes sein&ldquo;, fordert Kubas Botschafter in Brasilien, Pedro Monz&oacute;n.<\/p><p>Doch &auml;rztlicher Internationalismus ist nicht alles, was Kuba seit Jahrzehnten zu bieten hat. Auch Medikamenten-Forschung geh&ouml;rt zur medizinischen Exzellenz. Das klingt wie ein Werbespruch, ist jedoch ein Hinweis auf Fakten.<\/p><p><strong>Interferon, der &bdquo;Grundstein&ldquo; epidemiologischer Forschung in Kuba<\/strong><\/p><p>Zur Stunde, in der weltweit um die Herstellung eines wirksamen Impfstoffs gegen Covid-19 gewetteifert wird, ist das antivirale kubanische Interferon-Alfa-2B-Medikament in vieler Munde. Es zeigte in den vergangenen Wochen hohe Wirksamkeit in China und wurde im Handumdrehen von mehr als zehn L&auml;ndern bestellt, darunter einzelnen chilenischen B&uuml;rgermeistern.<\/p><p>Interferon ist eines der vielfachen Medikamente, die den Aufbau der kubanischen High-Tech-Bio-Industrie vorantrieben, die seit 1992 im sogenannten &bdquo;Wissenschaftlichen Pol&ldquo; von West-Havanna konzentriert ist, mehr als 50 Institutionen umfasst und 10.000 Angestellte besch&auml;ftigt. Von der Herstellung von Impfstoffen und Diagnosesystemen bis hin zur breiten Palette fortschrittlicher pharmazeutischer und biotechnologischer Produkte wurden hier hochwirksame Medikamente zur Behandlung von Krebs und des millionenfach verbreiteten diabetischen Fu&szlig;es entwickelt.<\/p><p>Der Arzt Santiago Due&ntilde;as Carrera, stellvertretender Generaldirektor der kubanisch-chinesischen Firma Changheber, die Interferon in China herstellt, erkl&auml;rte gegen&uuml;ber Reuters, dass Interferon zun&auml;chst zur Behandlung der im Einsatz gegen Corona befindlichen &Auml;rzte verwendet wurde, um ihr Immunsystem zu st&auml;rken. Auf die Behandlung der chinesischen Patienten ausgeweitet, wurden bisher mehr als 200.000 Einzeldosen verbraucht.<\/p><p>Das urspr&uuml;ngliche Ziel der Interferon-Alfa-2B-Herstellung war die Stabilisierung und Bek&auml;mpfung von Krebserkrankungen. Doch wegen seiner g&uuml;nstigen Wirkung auf das Immunsystem verwendete Kuba selbst Interferon viele Jahre lang zur Behandlung verschiedener anderer Krankheiten, darunter Hepatitis B und C, jedoch auch mit Erfolg bei der HIV-Eind&auml;mmung von AIDS-Kranken. Die Erforschung und industrielle Herstellung verdankt das Medikament der Initiative Fidel Castros, der zu Beginn der 1980er Jahre eine Gruppe von Wissenschaftlern zur Grundlagenforschung in die USA und nach Finnland entsandte, wo das Medikament seine Urspr&uuml;nge hat.<\/p><p><strong>Wie wirkt das Medikament bei der Behandlung von Opfern des Corona-Virus?<\/strong><\/p><p>Interferone werden in drei Kategorien unterteilt: Alpha (die wiederum eine gewisse Anzahl von Untergruppen haben), Beta und Gamma. Interferon leitet sich von &bdquo;intervenieren&ldquo; ab, das hei&szlig;t, die Virusvermehrung wird gest&ouml;rt. Dabei handelt es sich um eine nat&uuml;rliche Verbindung, deren Funktion darauf abzielt, auf der ersten Reaktionsebene des K&ouml;rpers einen Hemmungsmechanismus auszul&ouml;sen.<\/p><p>Gerardo Enrique Guill&eacute;n Nieto, Direktor der biomedizinischen Forschung in Havanna, <a href=\"https:\/\/actualidad.rt.com\/actualidad\/347533-antiviral-cubano-solicitado-15-paises-coronavirus\">erkl&auml;rt den Vorgang<\/a>: &bdquo;Interferon ist auf verschiedenen Ebenen an der Signal&uuml;bertragung und Induktion der Immunantwort beteiligt&rdquo;. Mit anderen Worten, es schaltet sich in die Reaktion ein, die wir alle auf das Eindringen eines Mikroorganismus entwickeln und bremst dessen Angriff auf das nat&uuml;rliche Immunsystem ab. Jetzt versuchen kubanische Wissenschaftler ein Peptid des Eiwei&szlig;abbaus zu entwickeln, um die Struktur der Zelle zu ver&auml;ndern, durch die das neue Coronavirus eindringt. Fallen die Ergebnisse positiv aus, wird der Prototyp gegen die Pandemie zur Pr&uuml;fung an chinesische Labore geschickt.<\/p><p>Titelbild: kovop58\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte M&auml;rz in der karibischen See. Das Kreuzfahrtschiff MS Braemar treibt erratisch zwischen den karibischen Inseln. Es befinden sich mehr als 1.000 Passagiere an Bord. F&uuml;nf von ihnen wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Die Sorge ist indes noch etwas akuter: 21 Besatzungsmitglieder und 22 Passagiere wurden wegen grippe&auml;hnlichen Symptomen isoliert. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59757\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":59760,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,149,30],"tags":[712,1073,2185,2222,951,577,1368,1222,438,1556,1333,2834,1019],"class_list":["post-59757","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-arzneimittel","tag-aerzte","tag-che-guevara-ernesto","tag-humanitaere-hilfe","tag-iran","tag-italien","tag-kuba","tag-pandemie","tag-pharmaindustrie","tag-usa","tag-venezuela","tag-virenerkrankung","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/shutterstock_1684984549.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59757"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59801,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59757\/revisions\/59801"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}