{"id":59787,"date":"2020-04-01T08:45:41","date_gmt":"2020-04-01T06:45:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59787"},"modified":"2020-04-02T09:47:19","modified_gmt":"2020-04-02T07:47:19","slug":"von-wegen-mehr-solidaritaet-der-am-27-maerz-veroeffentlichte-bericht-der-rentenkommission-zeigt-dass-die-politisch-entscheidenden-kraefte-nichts-aus-der-aktuellen-krise-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59787","title":{"rendered":"Von wegen mehr Solidarit\u00e4t \u2013 Der am 27. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte Bericht der Rentenkommission zeigt, dass die politisch entscheidenden Kr\u00e4fte nichts aus der aktuellen Krise lernen."},"content":{"rendered":"<p>Allenthalben wird schon davon geschw&auml;rmt, dass wir nach &uuml;berstandener Corona-Krise solidarischer miteinander umgehen werden und dass sich das auch in der Politik niederschlagen w&uuml;rde. Die Realit&auml;t sieht anders aus. Mitten in der Krise, am 27. M&auml;rz, hat die Rentenkommission des Bundes einen Abschlussvorbericht vorgelegt, der von allem strotzt, nur nicht von Solidarit&auml;t und von Sorge und F&uuml;rsorge f&uuml;r die betroffenen Menschen. Es geht weiter mit dem Abbau der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente und der Privatisierung der Altersvorsorge. Die Kommission hat nichts von Nachbarn gelernt, zum Beispiel von &Ouml;sterreich. Wir geben Ihnen dazu ein paar Informationen. Albrecht M&uuml;ller.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8007\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59787-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200401-Von-wegen-mehr-Solidaritaet-Bericht-der-Rentenkommission-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200401-Von-wegen-mehr-Solidaritaet-Bericht-der-Rentenkommission-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200401-Von-wegen-mehr-Solidaritaet-Bericht-der-Rentenkommission-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200401-Von-wegen-mehr-Solidaritaet-Bericht-der-Rentenkommission-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59787-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200401-Von-wegen-mehr-Solidaritaet-Bericht-der-Rentenkommission-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200401-Von-wegen-mehr-Solidaritaet-Bericht-der-Rentenkommission-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zun&auml;chst unter <\/p><ul>\n<li><strong>A. eine Bewertung des Berichts durch den engagierten Fachmann Reiner Heyse vom Seniorenaufstand. Das ist der Kern unseres Artikels!<\/strong><\/li>\n<li>Dann folgt in B. (1) der Text der Bundesregierung zur Ver&ouml;ffentlichung des Berichts der Rentenkommission,<\/li>\n<li>dann B. (2) Erkl&auml;rung der Kommission selbst: &bdquo;Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag &uuml;bergibt ihren Bericht&ldquo;,<\/li>\n<li>dann unter B. (3) das Mitgliederverzeichnis dieser Kommission. Wer sich ein bisschen auskennt, wird alte Bekannte entdecken, bei denen man davon ausgehen konnte, dass nichts Soziales, Faires, Solidarisches &bdquo;hinten rauskommt&ldquo;, wie der fr&uuml;here Bundeskanzler Kohl zu sagen pflegte.<\/li>\n<\/ul><p>Dass unter ma&szlig;geblicher Mitwirkung von Sozialdemokraten und Gewerkschaftern so etwas rauskommt, charakterisiert zugleich die Krise der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften. Und es wird daran sichtbar, wie weit die private Versicherungswirtschaft ihre Finger in Wissenschaft und Politik stecken hat. In einer wirklichen Demokratie d&uuml;rfte es nicht vorkommen, dass ein seit Jahrzehnten als Lobbyist bekannter &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; wie B&ouml;rsch-Supan Mitglied einer solch zukunftsweisenden Kommission wird und dort ma&szlig;geblichen Einfluss nimmt.<\/p><p>Bitte entschuldigen Sie diese emotionalen Bemerkungen. Aber ich pers&ouml;nlich analysiere diese Machenschaften nunmehr seit 1996; die NachDenkSeiten haben seit Beginn im Jahre 2003 immer wieder beschrieben, welch ein Irrweg die Teil-Privatisierung der Altersvorsorge und insbesondere die staatliche F&ouml;rderung der privaten Vorsorge und die parallel verlaufende, bewusst betriebene Erosion der gesetzlichen Rente darstellen; in meinem 2004 erschienenen Buch &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; ist der Irrsinn im Detail beschrieben. Das hat &uuml;brigens auch den fr&uuml;heren und zu fr&uuml;h verstorbenen Herausgeber der FAZ Frank Schirrmacher &uuml;berzeugt und zu einem Freund der NachDenkSeiten werden lassen. <\/p><p>Wir haben mit unserer Kritik an der Riester-Rente und Entgeltumwandlung Recht behalten. Diese &bdquo;Reformen&ldquo; haben sich als Flop erwiesen. Aber diese Erkenntnisse hatten und haben keinerlei Bedeutung f&uuml;r die weiteren Schritte &ndash; die Schritte auf dem n&auml;chsten Irrweg.<\/p><p>Nach dieser Vorbemerkung nun aber zum Kern der heutigen Ver&ouml;ffentlichung:<\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Reiner Heyse vom Seniorenaufstand in Kiel analysiert und bewertet den Abschlussbericht der Rentenkommission<\/strong>\n<div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200401-Rentenkommission.jpg\" alt=\"\"><\/div>\n<p>Der Abschlussbericht vermittelt, es ist alles in Ordnung. Die bisherige Rentenpolitik ist nicht zu beanstanden. Altersarmut? Gesunkenes Rentenniveau? Kommt im Bericht nicht vor. Privatvorsorge? Hat sich positiv verbreitet.<\/p>\n<p>Die zentrale Fragestellung der Kommission war: wie k&ouml;nnen die Kosten des Babyboomer-Bergs ab 2025 begrenzt werden? Ihre Antwort auf einen Nenner gebracht lautet: Die Rentner werden mehr, deshalb m&uuml;ssen die Renten sinken. Dazu ist der ab 2001 eingeschlagene Kurs konsequent fortzusetzen, mit drei zentralen Elementen. &hellip;&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die Absenkung des Rentenniveaus soll fortgesetzt werden.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Privatvorsorge steigern und kr&auml;ftiger f&ouml;rdern. &hellip;<\/strong><\/li>\n<li><strong>H&ouml;heres Renteneintrittsalter &ndash; Festlegung nur vertagt. &hellip;<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Usw. <a href=\"http:\/\/www.seniorenaufstand.de\/die-rentenkommission-empfiehlt-weiter-so-nur-unauffaelliger\/\">hier der gesamte Text der Analyse von Reiner Heyse<\/a>.<\/strong><\/p><\/li>\n<li><strong>Zu Ihrer Information hier verschiedene Dokumente zum Thema und zum Vorgang &ndash; jeweils Originaltexte:<\/strong>\n<p><strong>(1) Ver&ouml;ffentlichung der Bundesregierung vom 27. M&auml;rz 2020<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bericht der Rentenkommission <\/strong><\/p>\n<p><strong>Alterssicherung: zukunftsfest und gerecht<\/strong><\/p>\n<p>Die Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag&nbsp;hat ihren Bericht zur Sicherung und Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung ab dem Jahr 2025 &uuml;bergeben. Er zeigt Handlungsoptionen auf und setzt dabei Grenzen, um einseitige Belastungen zu verhindern. &ldquo;Sie k&ouml;nnen Richtschnur f&uuml;r eine k&uuml;nftige Alterssicherungspolitik sein&rdquo;, sagte Karl Schiewerling, Vorsitzender der Kommission.<\/p>\n<p>&hellip;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/bericht-der-rentenkommission-1735870\">bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/bericht-der-rentenkommission-1735870<\/a><\/p>\n<p><strong>(2) <a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/aktuelles\/2020-03-27-kommission-verlaesslicher-generationenvertrag-uebergibt-ihren-bericht\/\">Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag &uuml;bergibt ihren Bericht<\/a><\/strong><\/p>\n<p>27. M&auml;rz 2020<\/p>\n<p>Am heutigen Tag hat die Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag ihren Bericht ver&ouml;ffentlicht. Aufgrund der&nbsp;COVID-19-Pandemie und der sich daraus ergebenden Schutzma&szlig;nahmen erfolgte die &Uuml;bergabe nicht physisch, sondern virtuell: Hierzu hat sich die Kommission unter Vorsitz von Gabriele L&ouml;sekrug-M&ouml;ller und Karl Schiewerling mit Hubertus Heil, Bundesminister f&uuml;r Arbeit und Soziales, und Dr. Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramts, als Stellvertreter der Bundesregierung in einer Telefonkonferenz zusammengefunden, in der die Ergebnisse vorgestellt wurden.<\/p>\n<p>Die Kommission legt in ihrem Bericht Leitgedanken f&uuml;r eine zukunftsfeste und gerechte Ausgestaltung der Alterssicherungssysteme in Deutschland &uuml;ber das Jahr 2025 hinweg vor. Der Vorsitzende Karl Schiewerling erkl&auml;rt: &bdquo;Diese Leitgedanken spiegeln die Diskussion in der Kommission wider. Sie waren Richtschnur f&uuml;r unsere Empfehlungen. Und sie k&ouml;nnen auch Richtschnur f&uuml;r k&uuml;nftige Alterssicherungspolitik sein.&rdquo;<\/p>\n<p>Der Bericht zeigt Handlungsoptionen f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung auf und setzt dabei Grenzen, um einseitige Belastungen zu verhindern.<\/p>\n<p>Langfristige Vorhersagen zur Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung sind grunds&auml;tzlich von Unsicherheiten gepr&auml;gt, die mit der L&auml;nge des Projektionszeitraums steigen &ndash; etwa durch noch unbekannte &ouml;konomische Rahmenbedingungen oder unvorhersehbare Krisen. Vor diesem Hintergrund sieht die Kommission in einem verbindlichen Regelwerk und klar definierten Prozessen eine L&ouml;sung, um Verl&auml;sslichkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung zu gew&auml;hrleisten.<\/p>\n<p>Langfristig sollen Gestaltungsspielr&auml;ume definiert werden. Entscheidungen sollen f&uuml;r &uuml;berschaubare Zeitr&auml;ume getroffen werden &ndash; unter Zugrundelegung der jeweils aktuellen Rahmenbedingungen und unter Ber&uuml;cksichtigung dieses Regelwerks. Sowohl Beitragszahlerinnen und Beitragszahler als auch Rentnerinnen und Rentner sollen in Zukunft darauf vertrauen k&ouml;nnen, vor finanzieller &Uuml;berforderung gesch&uuml;tzt zu werden.<\/p>\n<p>Hierf&uuml;r empfiehlt die Kommission einen neuen Dreiklang beim Sicherungsversprechen der Rente und der H&ouml;he der Beitr&auml;ge. Dieser Dreiklang besteht aus<\/p>\n<ol>\n<li>gesetzlich verbindlichen Haltelinien f&uuml;r das Rentenniveau und den Beitragssatz f&uuml;r einen Zeitraum von jeweils sieben Jahren,<\/li>\n<li>gesetzlich perspektivischen Haltelinien f&uuml;r einen Zeitraum von jeweils 15 Jahren und<\/li>\n<li>neuen sozialstaatlichen Bezugsgr&ouml;&szlig;en im Rentenversicherungsbericht.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&bdquo;Unser Ansatz&ldquo;, so betont Gabriele L&ouml;sekrug-M&ouml;ller, &bdquo;bietet einerseits die notwendige Flexibilit&auml;t, um sich an sich &auml;ndernde Rahmenbedingungen anzupassen, und vermittelt andererseits sowohl Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern als auch Rentnerinnen und Rentnern ein hohes Ma&szlig; an Sicherheit und Verl&auml;sslichkeit.&ldquo;<\/p>\n<p>Verbindliche Haltelinien geben &uuml;ber 2025 hinaus Sicherheit<\/p>\n<p>Der Mechanismus von gesetzlich verbindlichen Haltelinien f&uuml;r Sicherungsniveau vor Steuern und Beitragssatz soll &uuml;ber 2025 hinaus fortgef&uuml;hrt werden. Verbindliche Haltelinien sollen ab 2026 jeweils sieben Jahre gelten und jeweils sp&auml;testens ein Jahr vor Inkrafttreten der neuen Haltelinien festgeschrieben werden. Die verbindliche Haltelinie f&uuml;r das Sicherungsniveau vor Steuern (als untere Haltelinie) soll sich in einem Korridor zwischen 44 und 49 Prozent des Sicherungsniveaus vor Steuern bewegen. Die verbindliche Haltelinie f&uuml;r den Beitragssatz (als obere Haltelinie) soll sich im Korridor zwischen 20 und 24 Prozent bewegen. Damit wird den Rentnerinnen und Rentnern das Versprechen der weiteren Teilhabe an der Wohlstandsentwicklung gegeben und zugleich die Belastung der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler begrenzt.<\/p>\n<p>Perspektivische Haltelinien geben Orientierung<\/p>\n<p>Eine verl&auml;ssliche Rentenpolitik braucht aber auch langfristige Orientierung und Sicherheitsversprechen. Deshalb sollen die bew&auml;hrten perspektivischen Haltelinien beibehalten werden. Die im geltenden Recht verankerten perspektivischen Bezugsgr&ouml;&szlig;en &ndash; der Beitragssatz zur allgemeinen Rentenversicherung und das Sicherungsniveau vor Steuern &ndash; sind nach Auffassung der Kommission auch f&uuml;r die Zukunft geeignet, um eine drohende &Uuml;berforderung zu erkennen. Perspektivische Haltelinien sollten f&uuml;r den Zeitraum der jeweils n&auml;chsten 15 Jahre festgelegt werden. Erstmals w&auml;ren sie damit sp&auml;testens ein Jahr vor Auslaufen der bis 2025 geltenden Haltelinien f&uuml;r den Zeitraum der dann folgenden 15 Jahre und damit bis 2040 festzulegen. F&uuml;r die Festlegung der perspektivischen Haltelinien empfiehlt die Kommission dieselben Korridore wie f&uuml;r die verbindlichen Haltelinien.<\/p>\n<p>Neue sozialstaatliche Bezugsgr&ouml;&szlig;en im Rentenversicherungsbericht einf&uuml;hren<\/p>\n<p>Die Kommission schl&auml;gt neben den bislang f&uuml;r die Haltelinien geltenden Bezugsgr&ouml;&szlig;en (Beitragssatz und Sicherungsniveau vor Steuern) zwei weitere Bezugsgr&ouml;&szlig;en vor, &uuml;ber deren voraussichtliche mittel- und l&auml;ngerfristige Entwicklung die Bundesregierung im Rahmen ihres j&auml;hrlichen Rentenversicherungsberichts informieren sollte: Eine Bezugsgr&ouml;&szlig;e zum Schutz der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler vor &Uuml;berforderung, die am Gesamtsozialversicherungsbeitrag und zus&auml;tzlichen gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeaufwendungen ankn&uuml;pft. Au&szlig;erdem eine Bezugsgr&ouml;&szlig;e zum Schutz der Rentnerinnen und Rentner, die sich an einem Abstand der verf&uuml;gbaren Standardrente zum durchschnittlichen Bedarf der Grundsicherung im Alter bemisst.<\/p>\n<p>Alterssicherungsbeirat einsetzen<\/p>\n<p>Au&szlig;erdem spricht sich die Kommission f&uuml;r die Weiterentwicklung des Sozialbeirats zu einem Alterssicherungsbeirat aus, der die Bundesregierung und das Parlament mit Informationen, Stellungnahmen und Empfehlungen unterst&uuml;tzt. Der Alterssicherungsbeirat soll alle drei S&auml;ulen der Altersvorsorge in den Blick nehmen und dabei die wirtschaftliche Lage &auml;lterer Menschen sowie die voraussichtliche Entwicklung der Demografie und der gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Alterssicherung ber&uuml;cksichtigen. &bdquo;Der Alterssicherungsbeirat&ldquo;, erkl&auml;rt Gabriele L&ouml;sekrug-M&ouml;ller, &bdquo;soll auch Empfehlungen zu den verbindlichen und perspektivischen Haltelinien abgeben. Er soll eine unabh&auml;ngige und pluralistische Instanz sein, die das Rentengeschehen kontinuierlich beobachtet, kommentiert und fachlich fundiert.&ldquo;<\/p>\n<p>Mindestr&uuml;cklage zur ganzj&auml;hrigen Sicherung der Liquidit&auml;t<\/p>\n<p>Es ist von besonderer Bedeutung f&uuml;r das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung, dass sie Renten verl&auml;sslich auszahlen kann. Weil sich aber die Einnahmen und Ausgaben im Jahresverlauf nicht gleichm&auml;&szlig;ig entwickeln, unterliegt die unterj&auml;hrige Liquidit&auml;t der Rentenversicherung deutlichen Schwankungen. Die Rentenversicherung muss dann gegebenenfalls Liquidit&auml;tshilfen des Bundes in Anspruch nehmen. Um dem zu begegnen, schl&auml;gt die Kommission eine Kombination aus zwei Ma&szlig;nahmen vor: Zum Ersten soll die Mindestr&uuml;cklage auf 0,3 Monatsausgaben erh&ouml;ht werden, um Liquidit&auml;tsschwankungen nach unten besser auffangen zu k&ouml;nnen. Zum Zweiten sollen die unterj&auml;hrigen Zahlungen des Bundes vorgezogen werden, um die saisonal bedingten Schwankungen der Beitragseinnahmen zu gl&auml;tten.<\/p>\n<p>Betriebliche und private Altersvorsorge<\/p>\n<p>Erg&auml;nzend zur Absicherung durch die gesetzliche Rentenversicherung wird f&uuml;r die meisten Menschen in Deutschland auch in Zukunft zus&auml;tzliche Altersvorsorge erforderlich sein, um den bisherigen Lebensstandard im Ruhestand weiter halten zu k&ouml;nnen. Trotz positiver Entwicklungen innerhalb der letzten 20 Jahre ist der aktuelle Zustand bei der zus&auml;tzlichen Altersvorsorge insbesondere bei ihrem Verbreitungsgrad nicht zufriedenstellend.<\/p>\n<p>Die Kommission sieht daher Handlungsbedarf bei der zus&auml;tzlichen Altersvorsorge. Sie empfiehlt unter anderem. eine Erh&ouml;hung und Dynamisierung der F&ouml;rderung von arbeitgeberfinanzierter betrieblicher Altersvorsorge f&uuml;r Geringverdienerinnen und Geringverdiener sowie Verbesserungen und Vereinfachungen im Bereich Riester. Hierzu geh&ouml;ren auch die Einf&uuml;hrung einer Digitalplattform f&uuml;r Riester-Produkte mit geringen Verwaltungskosten und die Schaffung eines Standardvorsorgeprodukts im Sinne eines Produktstandards. Der Staat sollte sich dabei die M&ouml;glichkeit offenhalten, mit &ouml;ffentlichen Tr&auml;gern selbst ein entsprechendes Produkt anzubieten. Auch schl&auml;gt die Kommission eine konsistentere Ausgestaltung des bislang noch sehr unterschiedlichen steuerlichen F&ouml;rderungsrahmens in den verschiedenen Bereichen der zus&auml;tzlichen Altersvorsorge vor.<\/p>\n<p>Ziel der Empfehlungen ist es, dass die zus&auml;tzliche Altersvorsorge zuk&uuml;nftig m&ouml;glichst umfassend die Erwerbst&auml;tigen erreicht. Sollte mit diesen Vorschl&auml;gen die Zielsetzung bis 2025 nicht realisiert werden, sollten weitergehende Ma&szlig;nahmen gepr&uuml;ft werden. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Bundesregierung Vorschl&auml;ge entwickeln, &uuml;ber die zeitnah entschieden werden kann. Dabei ist unter anderem auch eine verpflichtende L&ouml;sung mit der M&ouml;glichkeit der individuellen Befreiung bei Vorliegen einer gleichwertigen Altersvorsorge zu pr&uuml;fen. Karl Schiewerling betont hierzu: &bdquo;Gerade f&uuml;r die heute junge und die folgenden Generationen bietet eine gut ausgestaltete zus&auml;tzliche Altersvorsorge die Chance, fl&auml;chendeckend einen wichtigen Teil zu einer guten Altersabsicherung beizutragen. Daf&uuml;r m&uuml;ssen die Weichen m&ouml;glichst schnell gestellt werden.&ldquo;<\/p>\n<p>Die Kommission wurde im Mai 2018 durch das Bundeskabinett auf Empfehlung des Bundesministers Hubertus Heil eingesetzt, um sich nach Ma&szlig;gabe des Koalitionsvertrages f&uuml;r die 19. Legislaturperiode zwischen&nbsp;CDU,&nbsp;CSU&nbsp;und&nbsp;SPD&nbsp;mit den Herausforderungen der nachhaltigen Sicherung und Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Altersvorsorge ab dem Jahr 2025 zu befassen und eine Empfehlung f&uuml;r einen verl&auml;sslichen Generationenvertrag vorzulegen sowie einen Vorschlag zur Ausgestaltung der Mindestr&uuml;cklage zur Sicherung der ganzj&auml;hrigen Liquidit&auml;t der gesetzlichen Rentenversicherung zu unterbreiten. Der Kommission geh&ouml;ren Vertreter der Sozialpartner, der Politik und der Wissenschaft an.<\/p>\n<p>Beide B&auml;nde des Kommissionsberichts sowie die Kurzfassung werden auf der Internetseite der Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag ver&ouml;ffentlich: <a href=\"http:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\">verlaesslicher-generationenvertrag.de<\/a><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/media\/2020-03-27_kurzfassung.pdf\">Kurzfassung des Berichts<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/media\/2020-03-27_bericht_band_i.pdf\">Bericht der Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag &ndash; Band I &ndash; Empfehlungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/media\/2020-03-27_bericht_band_ii.pdf\">Bericht der Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag &ndash; Band II &ndash; Materialien<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>(3) Mitglieder<\/strong><\/p>\n<p>Die Kommission ist unabh&auml;ngig. Ihr geh&ouml;ren Vertreterinnen und Vertreter der Sozialpartner, der Politik und Wissenschaft an.<\/p>\n<p>Geleitet wird die Kommission von zwei Vorsitzenden<\/p>\n<ul>\n<li>Frau&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/gabriele-loesekrug-moeller\/\">Gabriele L&ouml;sekrug-M&ouml;ller<\/a>&nbsp;(SPD)<\/li>\n<li>Herrn&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/karl-schiewerling\/\">Karl Schiewerling<\/a>&nbsp;(CDU)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere Mitglieder sind<\/p>\n<ul>\n<li>Frau&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/annelie-buntenbach\/\">Annelie Buntenbach<\/a>, Deutscher Gewerkschaftsbund<\/li>\n<li>Herr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/alexander-gunkel\/\">Alexander Gunkel<\/a>, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&auml;nde<\/li>\n<li>Frau&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/katja-mast\/\">Katja Mast<\/a>, MdB, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der&nbsp;SPD<\/li>\n<li>Herr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/hermann-groehe\/\">Hermann Gr&ouml;he<\/a>, MdB, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der&nbsp;CDU\/CSU<\/li>\n<li>Herr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/stephan-stracke\/\">Stephan Stracke<\/a>, MdB, Stellvertretender Vorsitzender der&nbsp;CSU&nbsp;im Bundestag<\/li>\n<li>Herr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/prof-dr-hc-axel-boersch-supan-phd\/\">Prof. Dr. Axel B&ouml;rsch-Supan<\/a>, Direktor Munich Center for the Economics of Aging, Max-Planck-Institut f&uuml;r Sozialrecht und Sozialpolitik, Professor an der Fakult&auml;t f&uuml;r Wirtschaftswissenschaften, TU M&uuml;nchen<\/li>\n<li>Frau&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/prof-dr-simone-scherger\/\">Prof. Dr. Simone Scherger<\/a>,&nbsp;SOCIUM&nbsp;&ndash; Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Universit&auml;t Bremen, Professorin f&uuml;r Soziologie mit Schwerpunkt Lebenslauforientierte Sozialpolitik<\/li>\n<li>Herr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.verlaesslicher-generationenvertrag.de\/mitglieder\/prof-dr-dr-hc-gert-g-wagner\/\">Prof. Dr. Dr. h.c. Gert G. Wagner<\/a>, Vorsitzender des Sozialbeirates, Senior Research Fellow am Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ferner nehmen die Deutsche Rentenversicherung Bund, vertreten durch Frau&nbsp;Gundula&nbsp;Ro&szlig;bach, Pr&auml;sidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, und das Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales, vertreten durch Herrn Staatssekret&auml;r Dr.&nbsp;Rolf&nbsp;Schmachtenberg, an ihren Sitzungen teil.<\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200401-Rentenkommission-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200401-Rentenkommission-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>Gesch&auml;ftsstelle der Kommission<br>\nVerl&auml;sslicher Generationenvertrag<br>\nbeim Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales<br>\nWilhelmstra&szlig;e 49<br>\n10117 Berlin<br>\n<a href=\"mailto:kommission@verlaesslicher-generationenvertrag.de\">kommission@verlaesslicher-generationenvertrag.de<\/a>\n<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allenthalben wird schon davon geschw&auml;rmt, dass wir nach &uuml;berstandener Corona-Krise solidarischer miteinander umgehen werden und dass sich das auch in der Politik niederschlagen w&uuml;rde. Die Realit&auml;t sieht anders aus. Mitten in der Krise, am 27. M&auml;rz, hat die Rentenkommission des Bundes einen Abschlussvorbericht vorgelegt, der von allem strotzt, nur nicht von Solidarit&auml;t und von Sorge<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59787\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":59788,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,39,40],"tags":[635,579,802,1688,517,904,2165,1857,1621,273,301,1912,394,2272],"class_list":["post-59787","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-rente","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","tag-altersarmut","tag-boersch-supan-axel","tag-betriebliche-altersvorsorge","tag-buntenbach-annelie","tag-dgb","tag-grv","tag-heyse-reiner","tag-mackenroth-theorem","tag-pensionsfonds","tag-privatvorsorge","tag-rentenalter","tag-rentenniveau","tag-subventionen","tag-versicherungsfremde-leistungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/200401-Rentenkommission.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59787"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59787\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59858,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59787\/revisions\/59858"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/59788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}