{"id":59898,"date":"2020-04-03T09:31:37","date_gmt":"2020-04-03T07:31:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59898"},"modified":"2020-04-03T17:35:51","modified_gmt":"2020-04-03T15:35:51","slug":"verdraengen-und-vergessen-das-ist-beim-us-militaer-systematisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59898","title":{"rendered":"Verdr\u00e4ngen und Vergessen \u2013 Das ist beim US-Milit\u00e4r systematisch"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren wurden durch US-Luftangriffe in Afghanistan, Syrien, Irak oder etwa Somalia zahlreiche Zivilisten get&ouml;tet. Manchmal behauptet das US-Milit&auml;r, diese untersuchen zu wollen. Doch auch das ist, wie erwartet, eine Farce, wie eine neue Studie deutlich macht. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8105\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-59898-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200403_Verdraengen_und_Vergessen_Das_ist_beim_US_Militaer_systematisch_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200403_Verdraengen_und_Vergessen_Das_ist_beim_US_Militaer_systematisch_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200403_Verdraengen_und_Vergessen_Das_ist_beim_US_Militaer_systematisch_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200403_Verdraengen_und_Vergessen_Das_ist_beim_US_Militaer_systematisch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=59898-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200403_Verdraengen_und_Vergessen_Das_ist_beim_US_Militaer_systematisch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200403_Verdraengen_und_Vergessen_Das_ist_beim_US_Militaer_systematisch_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mitte September zielten US-amerikanische Drohnen in der abgelegenen Region Wazir Tangi in der ostafghanischen Provinz Nangarhar auf eine Gruppe von Menschen. Irgendwann in der Nacht begann das Feuer der Hellfire-Raketen. Mindestens drei&szlig;ig Zivilisten wurden bei dem Massaker get&ouml;tet, dutzende weitere wurden verletzt. Das US-Milit&auml;r sowie ihre afghanischen Verb&uuml;ndeten in Kabul behaupteten, dass die Opfer &bdquo;IS-K&auml;mpfer&ldquo; gewesen seien. Diese Behauptung war eine L&uuml;ge, was schnell klar wurde. Bei allen Opfern handelte es sich n&auml;mlich um Bauern und lokale Erntehelfer. In Nangarhar herrschte zum besagten Zeitpunkt der H&ouml;hepunkt der Pinienkernsaison. Die Bauern richteten sich deshalb bereits im Vorfeld mit einem Schreiben an die Provinzregierung und forderten unter anderem, keine Luftangriffe in den betroffenen Regionen durchzuf&uuml;hren. In den letzten Jahren geh&ouml;rte Nangarhar zu den am meisten bombardierten Regionen des US-Milit&auml;rs. 2017 warf man hier die sogenannte &bdquo;Mutter aller Bomben&ldquo; ab.<\/p><p>Stattdessen ist das genaue Gegenteil eingetreten und die Pinienkernernte endete mit einem Drohnen-Blutbad. F&uuml;r viele Beobachter liegt auf der Hand, dass hier ein Kriegsverbrechen begangen wurde. Das US-Milit&auml;r und seine Verb&uuml;ndeten haben nicht nur die T&ouml;tung von Zivilisten in Kauf genommen, sondern diese bewusst angegriffen. Doch was geschah eigentlich danach? Gab es eine Untersuchung seitens der verantwortlichen Akteure? Wurde irgendjemand zur Rechenschaft gezogen? Abgesehen von einigen afghanischen Journalisten, die unter anderem auch f&uuml;r <strong><a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-afghanistan-attack-drones\/u-s-drone-strike-kills-30-pine-nut-farm-workers-in-afghanistan-idUSKBN1W40NW\">internationale Medien<\/a><\/strong> t&auml;tig sind, recherchierte niemand vor Ort &ndash; geschweige denn die T&auml;ter.<\/p><p>Nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Irak oder Syrien behauptete das US-Milit&auml;r hin und wieder, dass man &bdquo;Untersuchungen&ldquo; einleiten werde, um Vorw&uuml;rfen bez&uuml;glich ziviler Opfer nachzugehen. Wie diese Untersuchungen aussehen und ob sie &uuml;berhaupt stattfinden, war meist v&ouml;llig unklar. Hinzu kommt nat&uuml;rlich die Tatsache, dass es allgemein fragw&uuml;rdig sein sollte, wenn der T&auml;ter &ndash; und kein unabh&auml;ngiger Akteur &ndash; sein eigenes Vergehen untersuchen m&ouml;chte.<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.law.columbia.edu\/sites\/default\/files\/microsites\/human-rights-institute\/files\/in_search_of_answers_report_-_us_military_investigations_and_civilian_harm.pdf\">Eine Studie<\/a><\/strong> des <em>Center for Civilians in Conflict<\/em> und des <em>Columbia Law School Human Rights Institute<\/em> macht nun deutlich, was viele bereits im Vorfeld angenommen hatten. In den allermeisten F&auml;llen von Untersuchungen des US-Milit&auml;rs wird der Tatort n&auml;mlich kaum aufgesucht. Die Rechercheure der Studie fokussierten sich auf insgesamt 228 offizielle Untersuchungen, die in Afghanistan, Irak und Syrien zwischen 2002 und 2015 durchgef&uuml;hrt worden sind. Die Schaupl&auml;tze der Luftangriffe wurden lediglich in sechzehn Prozent der F&auml;lle aufgesucht.<\/p><p>Die Autoren des neuen Berichtes &uuml;ben scharfe Kritik am US-Milit&auml;r aus und betonen die Wichtigkeit von Untersuchungen vor Ort. Ohne diese w&uuml;rde man n&auml;mlich kaum Natur und Ausma&szlig; des Angriffes verstehen. Notwendig sind in diesem Kontext nat&uuml;rlich auch Interviews mit Opfern und deren Familienmitgliedern. Das US-Milit&auml;r interessiert sich allerdings nicht f&uuml;r diese Menschen. Eine Tatsache, die auch vom Bericht unterstrichen wird. Es ist n&auml;mlich zur Standardpraxis geworden, dass in den meisten F&auml;llen im Laufe von Untersuchungen lediglich Milit&auml;rpersonal befragt wird. In 21,5 Prozent der untersuchten F&auml;lle wurden Zivilisten vom US-Milit&auml;r interviewt. Fazit: Es ist eine Farce, &uuml;berhaupt von &bdquo;Untersuchungen&ldquo; zu sprechen.<\/p><p>Alle afghanischen Drohnen-Opfer, die ich bis jetzt pers&ouml;nlich interviewt habe, wurden bis zum heutigen Tage kein einziges Mal von Vertretern von US-Regierung oder Milit&auml;r aufgesucht. Sie erhielten weder Entsch&auml;digungszahlungen noch irgendeine Form der Entschuldigung. Dies betrifft auch die Bauern aus Nangarhar, die man angeblich f&uuml;r IS-Extremisten hielt.<\/p><p>Das Verdr&auml;ngen und Vergessen ist allerdings kein Zufall, sondern hat System. Die Opfer des &bdquo;War on Terror&ldquo; z&auml;hlen nicht. Man hat sich f&uuml;r sie nicht zu interessieren &ndash; und sobald Vorw&uuml;rfe und sogar klare Beweise im Raum stehen, werden sie einfach ignoriert. Irgendwann kommt es zum n&auml;chsten Angriff und dasselbe Szenario spielt sich nochmal ab.<\/p><p>Titelbild: PHOTOCREO Michal Bednarek \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren wurden durch US-Luftangriffe in Afghanistan, Syrien, Irak oder etwa Somalia zahlreiche Zivilisten get&ouml;tet. Manchmal behauptet das US-Milit&auml;r, diese untersuchen zu wollen. Doch auch das ist, wie erwartet, eine Farce, wie eine neue Studie deutlich macht. 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