{"id":59912,"date":"2020-04-04T11:45:59","date_gmt":"2020-04-04T09:45:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59912"},"modified":"2020-04-05T08:59:21","modified_gmt":"2020-04-05T06:59:21","slug":"covid-19-auch-raucher-sind-eine-wichtige-risikogruppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59912","title":{"rendered":"Covid-19: Auch Raucher sind eine wichtige Risikogruppe"},"content":{"rendered":"<p>Unser Land wird derzeit von der Covid-19-Pandemie beherrscht, die mit erheblichen und sehr einschneidenden Ma&szlig;nahmen einhergeht. Schulen, Kinderg&auml;rten, Spielpl&auml;tze, Restaurants, Hotels und viele Gesch&auml;fte sind f&uuml;r unbestimmte Zeit geschlossen worden. Etliche Selbstst&auml;ndige werden trotz der zugesagten staatlichen Hilfen wahrscheinlich aufgeben m&uuml;ssen und etliche Arbeiter und Angestellte werden voraussichtlich ihren Arbeitsplatz verlieren oder Angst davor bekommen, ob sie ihren Lebensunterhalt noch weiter bestreiten k&ouml;nnen. Wirtschaftlich droht eine Rezession. Seit Sonntag, dem 22.3.2020, gibt es bei uns eine Kontaktsperre mit Versammlungsverbot. Diese und weitere Ma&szlig;nahmen erscheinen der Mehrzahl unserer Bev&ouml;lkerung angesichts der Bedrohung durch das Virus derzeit unumg&auml;nglich. Von <strong>Monika Scheidt<\/strong> und <strong>Klaus-Dieter Kolenda<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Covid-19 &ndash; Was ist das?<\/strong><\/p><p>Covid-19 ist eine Abk&uuml;rzung f&uuml;r <em>Corona virus disease 2019<\/em>. Es handelt sich um eine neue Atemwegserkrankung durch ein neu aufgetretenes Corona-Virus (<em>Sars-CoV-2<\/em>). Dieses Virus ist hoch ansteckend, verl&auml;uft mit exponentiellem Anstieg und hat inzwischen zu einer Pandemie gef&uuml;hrt. Nach Mitteilung der Epidemiologen liegt die Zeit, in der sich die Zahlen der Infizierten verdoppeln, in Deutschland derzeit bei ca. 6 Tagen. <\/p><p>Die dramatisch ansteigenden Zahlen von intensivpflichtigen Patienten, zum Beispiel in Italien, Spanien, Frankreich und den USA, weisen darauf hin, das dieses neue Corona-Virus h&auml;ufiger schwere Atemwegserkrankungen verursacht als die bekannten Grippeviren, gegen die man ja auch durch eine regelm&auml;&szlig;ige j&auml;hrliche Impfung eine weitgehende Immunit&auml;t aufbauen kann. Dagegen besitzen die mit Sars-CoV-2 erstmals Infizierten keine sch&uuml;tzende Immunit&auml;t und eine wirksame Impfung ist nicht in Sicht.<\/p><p>Doch die gro&szlig;e Mehrheit, 85-90% der Infizierten, die &uuml;ber eine gesunde Immunabwehr verf&uuml;gen, bemerken von der Infektion gar nichts oder nur geringe grippeartige Symptome. Dennoch k&ouml;nnen sie die Viren auf eine Vielzahl anderer Menschen &uuml;bertragen. Bei ca. 10-15% der Infizierten, deren Abwehrsystem nicht (mehr) so stark ist, k&ouml;nnen die Corona-Viren aber bis in die tiefen Atemwege und die Lungen gelangen und dort eine schwere Lungenentz&uuml;ndung ausl&ouml;sen, die unter Umst&auml;nden so schwer verlaufen kann, dass die Patienten auf der Intensivstation beatmet werden m&uuml;ssen und am Ende vielleicht sogar sterben. In Italien und Spanien sind bereits Tausende Patienten verstorben, bei uns in Deutschland bislang 682 bei 61.180 positiv auf das Corona-Virus getesteten Personen (31.3.2020).<\/p><p>Bei den dramatischen Bildern zum Beispiel aus der Lombardei, Madrid oder dem Elsass, die uns in den letzten Tagen im Fernsehen gezeigt wurden, wo teilweise katastrophale Zust&auml;nde auf den dortigen Intensivstationen herrschen, die &Auml;rzte wegen &Uuml;berf&uuml;llung eine Triage durchf&uuml;hren m&uuml;ssen und zum Teil &uuml;ber 80-J&auml;hrige dort nicht mehr behandelt werden k&ouml;nnen, m&uuml;ssen wir bedenken, dass diese Zust&auml;nde kein Zufall sind oder allein durch Covid-19 verursacht werden. Sondern sie sind auch Folgen der politisch gewollten &Ouml;konomisierung des Gesundheitswesens, die in den letzten beiden Jahrzehnten rigoros durchgef&uuml;hrt wurde [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>][<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>][<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Es wurden Privatisierungen der Krankenh&auml;user durchgef&uuml;hrt und viele Kliniken wurden geschlossen, weil sie angeblich nicht mehr rentabel waren, und es wurden Betten abgebaut und Pflegekr&auml;fte entlassen. In Deutschland hat diese neoliberale Politik im Gesundheitswesen dazu gef&uuml;hrt, dass etwa ein Drittel aller Krankenh&auml;user geschlossen und mindestens 50.000 Stellen f&uuml;r Pflegekr&auml;fte abgebaut worden sind. <\/p><p><strong>Risiko-Patienten<\/strong><\/p><p>Den 10-15% der mit dem Corona-Virus Infizierten mit eingeschr&auml;nkten  Abwehrkr&auml;ften, den so genannten Risiko-Patienten, gilt mit Recht unsere Solidarit&auml;t. F&uuml;r sie nimmt die gesamte Bev&ouml;lkerung tief greifende Restriktionen und Einbu&szlig;en auf sich, um sie vor einer Ansteckung zu sch&uuml;tzen, denn f&uuml;r sie geht es h&auml;ufig um &bdquo;Leben oder Tod&ldquo;. Die erlassenen Ma&szlig;nahmen sollen die Ausbreitung der Infektion verlangsamen, damit m&ouml;glichst wenige Risikopersonen zur gleichen Zeit erkranken. Nur so kann jedem Schwerer- oder Schwersterkrankten bei der derzeitigen Situation in den Krankenh&auml;usern eine optimale medizinische Versorgung zuteil werden, ohne dass unser Gesundheitssystem &uuml;berfordert wird. <\/p><p>Wer zu den Risikopersonen geh&ouml;rt, dar&uuml;ber werden wir in Funk, Fernsehen, Zeitungen oder sozialen Medien ununterbrochen informiert: Es sind vor allem die &Auml;lteren und Hochbetagten, die &uuml;ber 70- oder 80-J&auml;hrigen, das hei&szlig;t Menschen, die in den meisten F&auml;llen bereits an einer vorbestehenden chronischen Krankheit leiden, zum Beispiel an Diabetes, an einer Herzkreislauf- oder Lungenerkrankung oder an Krebs. Bei vielen von ihnen kann eine Infektion mit dem Corona-Virus zu einem schweren bis schwersten Verlauf von Covid-19 f&uuml;hren. <\/p><p>Aber auch j&uuml;ngere Patienten k&ouml;nnen von Covid-19 betroffen sein, insbesondere, wenn bei ihnen ebenfalls Gesundheitsst&ouml;rungen bestehen, die mit einer Schw&auml;chung des Immunsystems einhergehen. Eine weitere besondere Risikogruppe sind Pflegekr&auml;fte und &Auml;rzte auf Intensivstationen und in Einrichtungen, in denen Infizierte behandelt und betreut werden m&uuml;ssen. So sollen in Italien und Spanien schon 10-15% der Pflegekr&auml;fte und &Auml;rzte auf den Intensivstationen infiziert sein und fallen deshalb aus. Ein wesentlicher Grund daf&uuml;r ist, dass Schutzkleidung und sch&uuml;tzende Atemmasken Mangelware sind. <\/p><p><strong>Auch Raucher als Risikogruppe anerkennen<\/strong><\/p><p>Nun ist Anfang M&auml;rz in der englischen Ausgabe des Chinese Medical Journal eine erste Arbeit erschienen, in der neben dem Lebensalter auf eine weitere wichtige Risikogruppe aufmerksam gemacht wird: die Raucher [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]. In dieser Studie wurde der klinische Verlauf bei 78 Patienten, die mit Covid-19 in ein Krankenhaus in Wuhan eingewiesen wurden, zwei Wochen lang beobachtet. W&auml;hrend dieser Beobachtungszeit hatte sich die Krankheit bei 11 Patienten verschlechtert, w&auml;hrend sie sich bei 67 Patienten verbessert beziehungsweise stabilisiert hatte. In der Gruppe der Patienten mit einem verschlechterten Krankheitsverlauf war der prozentuale Anteil der Raucher neunmal so gro&szlig; wie in der Gruppe derjenigen mit mildem Krankheitsverlauf. In dieser Untersuchung war das Rauchen neben dem Lebensalter der st&auml;rkste Risikofaktor f&uuml;r einen ung&uuml;nstigen Krankheitsverlauf.<\/p><p>Eigentlich d&uuml;rfte das Ergebnis dieser Studie niemanden &uuml;berraschen. Eine durch Tabakrauch vorgesch&auml;digte Lunge wird nat&uuml;rlich der Ausbreitung einer Virus-Infektion weniger Widerstand entgegensetzen k&ouml;nnen. So ist zum Beispiel schon lange bekannt, dass Zigarettenrauch die Aktivit&auml;t der Flimmerh&auml;rchen in den Bronchien l&auml;hmt, so dass die Selbstreinigungsfunktion der Bronchien, die so genannte <em>mukoziliare Clearance<\/em>, gest&ouml;rt ist. Das d&uuml;rfte sich nicht nur auf kleine und kleinste Schmutzpartikel oder Bakterien auswirken, sondern auch auf die in die Bronchien und die Lunge gelangten Viren wie zum Beispiel Sars-CoV-2. <\/p><blockquote><p>\n&Uuml;berraschend war lediglich das Ausma&szlig; der bei den Rauchern beobachteten Erh&ouml;hung der Erkrankungszahlen an schwerer kranken Patienten. F&uuml;hrende Wissenschaftler und Pneumologen haben diese Untersuchung zur Kenntnis genommen. Das Robert Koch-Institut (RKI) f&uuml;hrt in seinem &ldquo;Steckbrief Corona&rdquo; das Rauchen nun als eigenst&auml;ndigen Risikofaktor f&uuml;r einen schweren Krankheitsverlauf auf [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>].<\/p>\n<p>Auch Michael Pfeifer, Pr&auml;sident der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Pneumologie und Beatmungsmedizin und Leiter der Pneumologie am Universit&auml;tsklinikum Regensburg, geht in einer aktuellen Stellungnahme davon aus, dass Zigarettenkonsum das Risiko erh&ouml;ht, an der neuen Lungenkrankheit Covid-19 zu erkranken [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]. Er sagt, dass die Daten zum Verlauf aus Wuhan darauf hinweisen, dass das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs mit einer handfesten Lungenentz&uuml;ndung f&uuml;r Raucher deutlich h&ouml;her sei. Deshalb empfiehlt er den Rauchern &ndash; angesichts ihrer gr&ouml;&szlig;eren Gef&auml;hrdung durch Covid-19 &ndash; auf das Rauchen nun zu verzichten.\n<\/p><\/blockquote><p>Die Vermutung, dass Rauchen bei der neuen Lungenerkrankung ein Risikofaktor sein k&ouml;nnte, liege nahe, sagt Manfred Neuberger, der Wiener Umwelthygieniker und Leiter der dortigen &Auml;rzteinitiative gegen Rauchersch&auml;den [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]. Erste Berichte aus China &uuml;ber &uuml;berwiegend m&auml;nnliche Covid-19-Patienten h&auml;tten schon in die Richtung gewiesen, &ldquo;dass das auch etwas mit Lebensgewohnheiten zu tun hat&rdquo;. Denn in China w&uuml;rden mehr M&auml;nner als Frauen rauchen, so der Wissenschafter von der Medizinischen Fakult&auml;t der Universit&auml;t Wien. Das w&uuml;rde erkl&auml;ren, dass M&auml;nner h&auml;ufiger an dieser Erkrankung versterben. Auch beim verwandten MERS-Virus habe es unter den Verstorbenen eine H&auml;ufung an Rauchern gegeben.<\/p><p>Neuberger pl&auml;diert daf&uuml;r, Raucher in die Gruppe jener Menschen miteinzubeziehen, die ein gr&ouml;&szlig;eres Risiko f&uuml;r einen schweren Verlauf bei Coronavirus-Infektionen haben. &ldquo;Raucher m&uuml;ssen sich also noch mehr vor &Uuml;bertragung sch&uuml;tzen&rdquo;, indem sie Menschenansammlungen meiden oder sich nach Kontakten die H&auml;nde gr&uuml;ndlich waschen, so der Wissenschaftler.<\/p><p><strong>Von der Risikogruppe der Raucher h&ouml;rt man in der &Ouml;ffentlichkeit nichts<\/strong><\/p><p>Weitere Verbreitung hat diese Nachricht aus China bislang nicht gefunden. Zumindest in den &ouml;ffentlichkeitswirksamen Talkshows von Anne Will am 22.3.2020 und der Sendung &ldquo;Hart aber fair&rdquo; am darauf folgenden Tag war sehr viel von den unbedingt zu sch&uuml;tzenden &Auml;lteren und Vorerkrankten die Rede, von den gleicherma&szlig;en zu sch&uuml;tzenden Rauchern h&ouml;rte man nichts. Dabei handelt es sich nicht gerade um eine kleine Gruppe. Circa 12 Millionen Menschen, also 15% der Gesamtbev&ouml;lkerung, rauchen, dazu kommen noch die meist sehr jungen Liebhaber der Wasserpfeife, die ihre Lungen in einer kurzen Zeit mit weitaus gr&ouml;&szlig;eren Schadstoffmengen belasten und sie damit anf&auml;lliger machen f&uuml;r Krankheitserreger aller Art. <\/p><p>Nur zum Vergleich: Auch die &uuml;ber 70-J&auml;hrigen machen ca. 15% der Gesamtbev&ouml;lkerung aus. Ihnen werden &ndash; zu ihrem eigenen Schutz &ndash; zus&auml;tzlich zu den allgemeinen Restriktionen weitere schmerzhafte Opfer abverlangt. Gem&auml;&szlig; den geltenden Empfehlungen sollen sie ihre Enkelkinder nicht mehr oder kaum noch sehen. In etlichen Seniorenstiften oder Pflegeheimen herrscht mittlerweile absolutes Besuchsverbot. Die verordnete soziale Isolation wird manch einem alten Menschen buchst&auml;blich &ldquo;das Herz brechen&rdquo;. <\/p><p><strong>Was sollten wir tun?<\/strong><\/p><p>Nun k&ouml;nnte man fragen, wie der solidarische Beitrag aussehen sollte, den die Risikogruppe der Raucher erbringen k&ouml;nnte, &ldquo;zu ihrem eigenen Schutz&rdquo; und f&uuml;r die Gemeinschaft, die ja zum Schutz der Risikogruppen immens gro&szlig;e Opfer bringt. Man k&ouml;nnte auch fragen nach einer Erweiterung des Rauchverbotes, zum Beispiel auf dem Gel&auml;nde sozialer und medizinischer Einrichtungen, sowie nach einer Beschr&auml;nkung der Abgabemenge von Zigaretten. <\/p><p>Aber alle diese Fragen werden derzeit nicht gestellt. Und vielleicht ist es auch klug, diese Fragen nicht zu stellen. Man m&ouml;chte eine weitere Polarisierung der Gesellschaft vermeiden und feindselige Diskussionen gar nicht erst aufkommen lassen. Am besten sollte man die Raucher bez&uuml;glich ihres Corona-Risikos zuordnen zu den Menschen mit Vorerkrankungen. So wird auch in der Realit&auml;t verfahren. Aber zeugt das von verantwortungsbewusstem Handeln?<\/p><p>Fortgesetztes Rauchen ist bekanntlich eine chronische Suchterkrankung, die die Betroffenen viele Jahre fr&uuml;her sterben l&auml;sst, auch ohne Covid-19, aber mit schwerer Erkrankung durch Covid-19 noch fr&uuml;her, unter Umst&auml;nden sehr viel fr&uuml;her. Dann w&auml;re jedoch die Frage berechtigt, wie lange wir es uns noch leisten k&ouml;nnen, die Tabak-Suchterkrankung unbehandelt zu lassen beziehungsweise die Behandlung allein in den &ldquo;Bereich der pers&ouml;nlichen Verantwortung&rdquo; der Erkrankten zu legen (Urteil des Bundessozialgerichtes vom Juli 2019), was vom Effekt her einer Nicht-Behandlung gleichkommt.<\/p><p>Eine erfolgreiche Raucherentw&ouml;hnung w&uuml;rde in jedem Fall, unabh&auml;ngig von Covid-19, mit einem erheblichen gesundheitlichen Nutzen f&uuml;r die Raucher                          einhergehen [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>][<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]. In Corona-Zeiten sollte aber auch an einen m&ouml;glichen zus&auml;tzlichen Nutzen bei einer erfolgreichen Raucherentw&ouml;hnung gedacht werden. Es sollte bedacht werden, dass heute niemand sicher sagen kann, wie die Corona-Infektion in Deutschland in den n&auml;chsten Monaten weiter verlaufen wird. Es k&ouml;nnte durchaus sein, dass sie, wenn sie ihren H&ouml;hepunkt &uuml;berschritten hat und die Infektionsrate zur&uuml;ckgeht, noch Monate, eventuell auch Jahre, zeitweise immer wieder auf niedrigerem Niveau auftreten wird, bis eine effektive Impfung gefunden ist und praktiziert worden ist. Raucher w&uuml;rden, falls sie sich dann anstecken sollten, nach einer erfolgreichen Raucherentw&ouml;hnung auch von einer milder verlaufenden Erkrankung durch das Corona-Virus profitieren k&ouml;nnen.  <\/p><p>Milliardenschwere Hilfsprojekte sind aufgelegt worden zur Unterst&uuml;tzung der Wirtschaft. Gl&uuml;cklicherweise ist unser Staat dazu in der Lage. Aber w&auml;re es nicht sinnvoll, in dieser jetzigen Ausnahme-Situation auch der Risikogruppe der Raucher kostendeckende finanzielle Hilfen anzubieten f&uuml;r den Ausstieg? Schlie&szlig;lich kann man diese im Durchschnitt j&uuml;ngere Risikogruppe nicht &uuml;ber Wochen und Monate von der &Ouml;ffentlichkeit und aus ihrem Berufsleben fernhalten. Warum wird dar&uuml;ber nicht diskutiert? Dabei w&auml;ren die Kosten, die aufzubringen w&auml;ren f&uuml;r eine erfolgreiche Raucherentw&ouml;hnung, vernachl&auml;ssigbar gering im Vergleich zu den Kosten f&uuml;r die Behandlung einer schweren Lungenentz&uuml;ndung bei Covid-19. <\/p><p>Aber diese Fragen m&uuml;ssen die Politik und die Gerichte entscheiden. Seit dem letzten Jahr liegen aufgrund einer Initiative des Allgemeinarztes Dr. Ulf Ratje aus Eckernf&ouml;rde, die von der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Nikotin- und Tabakforschung   e. v. (DGNTF) unterst&uuml;tzt wird, diese Fragen dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vor [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]. Bis zu einer Entscheidung durch das h&ouml;chste Gericht werden wahrscheinlich noch Jahre vergehen. Es ist sehr in Zweifel zu ziehen, ob wir in Zeiten der Pandemie mit einer wirksamen Hilfe f&uuml;r die Risikogruppe der Raucher noch soviel Zeit verstreichen lassen k&ouml;nnen. Die Politik m&uuml;sste jetzt handeln! <\/p><p><strong>Autorin und Autor:<\/strong><\/p><p><strong>Monika Scheidt<\/strong>, Dr. med., Lungenfach&auml;rztin, derzeit t&auml;tig im Thoraxchirurgischen Zentrum des St. Vincenz Hospitals in K&ouml;ln-Nippes. Sie betreibt dort seit Jahren eine Rauchersprechstunde und ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Nikotin- und Tabakforschung e.V. (DGNTF).<br>\nE-Mail: <a href=\"mailto:scheidt.monika@t-online.de\">scheidt.monika(at)t-online.de<\/a><\/p><p><strong>Klaus-Dieter Kolenda<\/strong>, Prof. Dr. med., war von 1985 bis 2006 Chefarzt einer Rehabilitationsklinik f&uuml;r Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Atemwege und des Stoffwechsels. Er ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Nikotin- und Tabakforschung e.V. (DGNTF).<br>\nE-Mail: <a href=\"mailto:klaus-dieter.kolenda@gmx.de\">klaus-dieter.kolenda(at)gmx.de<\/a><\/p><p>Titelbild: Sergii Sobolevskyi\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/PDF-Dateien\/Veranstaltungen\/ht-22-10-2014-simultanmitschrift.pdf\">Vom Krankenhaus zum kranken Haus? Klinikum zwischen ethischem Anspruch und Kostendruck. &Ouml;ffentliche Tagung am 22.10.2014, Deutsches Hygiene-Museum Dresden.<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/oekonomisierung-der-krankenhaeuser-traurige-diagnose.724.de.html?dram:article_id=448558\">&Ouml;konomisierung der Krankenh&auml;user. Traurige Diagnose.<\/a> Deutschlandfunk 12.5.2019.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Badenberg C. &Ouml;konomisierung in den Kliniken ist politisch gewollt! &Auml;rztezeitung 21.11.2014 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Liu W, Tao ZW, et al. Analysis of factors associated with disease outcomes in hospitalized patients with novel 2019 coronavirus disease. Chinese Medical Journal (Engl), 2020 Feb 28, doi: 10.1097\/CM9.0000000000000775. (Epub ahead of print)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Steckbrief.html\">SARS-CoV-2-Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (Covid-19)<\/a>, Robert-Koch-Institut (RKI), aktualisiertes Blatt vom 23.3.2020.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.lungenaerzte-im-netz.de\/news-archiv\/meldung\/article\/rauchen-erhoeht-corona-erkrankungsrisiko\/\">Rauchen erh&ouml;ht Corona-Erkrankungsrisiko.<\/a> Lungen&auml;rzte im Netz vom 18.3.20.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000115279599\/raucher-erkranken-wahrscheinlich-schwerer-ancovid-19\">Raucher erkranken m&ouml;glicherweise schwerer an Covid-19<\/a>. Der Standard. 4.3.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44820\">Kolenda KD. Hauptsache nikotinabh&auml;ngig. &Uuml;ber die Gesundheitsgefahren des Rauchens und des Gebrauchs von E-Inhalationsprodukten und Tabakerhitzern.<\/a> Nachdenkseiten 8.7.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47523\">Kolenda KD. Das t&ouml;dlichste Artefakt- Gedanken zu Robert Proctors Buch &uuml;ber die Zigarettenkatastrophe.<\/a> Nachdenkseiten 29.11.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.allgemeinarzt-online.de\/a\/fragwuerdiges-urteil-raucherentwoehnung-weiterhin-keine-kassenleistung-2050970\">Ratje U. Fragw&uuml;rdiges Urteil. Raucherentw&ouml;hnung weiterhin keine Kassenleistung.<\/a> Algemeinarzt-online vom 28.10.2019<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Land wird derzeit von der Covid-19-Pandemie beherrscht, die mit erheblichen und sehr einschneidenden Ma&szlig;nahmen einhergeht. 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