{"id":60021,"date":"2020-04-07T16:22:17","date_gmt":"2020-04-07T14:22:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60021"},"modified":"2020-04-09T08:56:34","modified_gmt":"2020-04-09T06:56:34","slug":"ueber-die-engstirnigkeit-politischer-entscheidungen-und-ihre-popularitaet-ein-essay-aus-anlass-der-entscheidungen-zu-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60021","title":{"rendered":"\u00dcber die Engstirnigkeit politischer Entscheidungen und ihre Popularit\u00e4t. Ein Essay aus Anlass der Entscheidungen zu Corona"},"content":{"rendered":"<p>Angela Merkel ist eine Meisterin des guten Verkaufs schlechter, weil engstirniger politischer Entscheidungen. Das galt f&uuml;r ihre Spar-Politik der Schwarzen Null, es galt f&uuml;r ihre &bdquo;offenen Arme&ldquo;, es galt f&uuml;r die Zumutungen gegen&uuml;ber den Griechen und anderen V&ouml;lkern des S&uuml;dens und es gilt jetzt f&uuml;r den Umgang mit dem Corona-Virus. Sie und die mit ihr eng verbundenen Landesregierungen haben am 22. M&auml;rz Entscheidungen getroffen, die (zu Recht) die Warnungen von Virologen und Intensivmedizinern vor Zust&auml;nden wie in Italien in die Entscheidung einbezogen haben. Aber sie haben andere Folgen ihres Tuns nicht einbezogen, weil sie davon nichts wussten oder nichts wissen wollten. Die einen Experten wurden geh&ouml;rt, die anderen nicht. Die interdisziplin&auml;re Betrachtung ist jedoch wichtig, wenn man sachgerechte Entscheidungen f&auml;llen will. Zur Steigerung der Popularit&auml;t reicht allerdings die einseitige Betrachtung, wie man an Angela Merkel und an ihrer jetzt rasant steigenden Popularit&auml;t gut beobachten kann. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. Zum Herunterladen klicken Sie bitte auf das rote PDF-Symbol links neben dem Text. 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November 2018 in einem Beitrag f&uuml;r die Neue Z&uuml;rcher Zeitung ge&auml;u&szlig;ert hatte: &bdquo;Expertise ohne Ideologie, aber auch ohne gro&szlig;en Streit &ndash; das war der K&ouml;nigsweg guter Politik. Dem ist Merkel gefolgt&ldquo;. <\/p><p>Das genau stimmt eben nicht. Gerade Angela Merkel war besonders erfolgreich mit popul&auml;ren Forderungen, sie war erfolgreich als Populistin, w&uuml;rden andere sagen, die diesen Begriff lieben. Und auch jetzt wieder, in der Coronakrise orientiert sie sich an den Virologen als Experten und eben nicht zugleich an anderen wichtigen Experten, oder einfach nur an Menschen, die die Folgen ihrer Politik bedenken.<\/p><p>Ich nehme diesen Vorgang zum Anlass, diesen konkreten Fall wie auch weit zur&uuml;ckliegende fr&uuml;here politische Entscheidungen mit weitreichenden Folgen zu beschreiben und zu analysieren. Dabei wird sichtbar werden, dass Politiker und Politikerinnen, die sich in entscheidenden Phasen auf eine einseitige Betrachtungsweise konzentrierten und darauf ihre Entscheidungen aufbauten, darauf spekulieren konnten und k&ouml;nnen, damit popul&auml;r zu werden und f&uuml;r l&auml;ngere Zeit dies auch zu bleiben. Das gilt von Adenauer bis Merkel. <\/p><p>Bevor ich auf die notwendige interdisziplin&auml;re Betrachtung im Falle des Corona-Virus und die dazu getroffenen Entscheidungen zu sprechen komme und eine Revision der Kontaktregelungen, zeitlich wie auch sachlich, empfehle, einige Blicke zur&uuml;ck. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, an diesem historischen R&uuml;ckblick nicht interessiert sind, dann &uuml;berschlagen sie einfach diesen folgenden Teil I oder beschr&auml;nken Sie sich auf die Wahrnehmung der fett geschriebenen &Uuml;berschriften.<\/p><p><strong>Teil I: Beispiele f&uuml;r einseitige Betrachtungsweisen und Entscheidungen in der j&uuml;ngeren und &auml;lteren Vergangenheit.<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Die Schwarze Null und die Verlotterung der Infrastruktur<\/strong>\n<p>Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble wie auch seine Vorg&auml;nger Eichel und Steinbr&uuml;ck haben als Sparkommissare ihre Popularit&auml;t vermehrt. Dass sie mit dieser Konzentration auf das popul&auml;re Thema zugleich vers&auml;umt haben, die Finanzierung einer guten, produktiven Infrastruktur m&ouml;glich zu machen, hat man ihnen nicht &uuml;belgenommen. Wie sollten die Menschen in ihrer Mehrheit auch erkennen, dass sie ganz konkret darunter zu leiden haben bzw. zu leiden haben werden, wenn wegen des Sparens und der zu diesem Zweck eingef&uuml;hrten Schuldenbremse Schulen nicht ausreichend renoviert werden, wenn die Schieneninfrastruktur der Deutschen Bahn verkommt, wenn Br&uuml;cken marode werden oder Krankenh&auml;user auf Rendite getrimmt werden, usw. Die Zusammenh&auml;nge kann der einzelne betroffene B&uuml;rger nicht richtig absch&auml;tzen. Das w&auml;re die Aufgabe der gew&auml;hlten Politikerinnen und Politiker. Aber denen reichte es, sich als Sparkommissare und als Bundeskanzlerin, die die Finanzen zusammenh&auml;lt, feiern zu lassen. Die Bewunderung und Unterst&uuml;tzung der Medien f&uuml;r diese einseitige Betrachtungsweise und Entscheidungsfindung war gesichert und sie reicht bis heute. <\/p><\/li>\n<li><strong>Angela Merkels offene Arme<\/strong>\n<p>Die &bdquo;offenen Arme&ldquo; der deutschen Bundeskanzlerin haben ab Sommer 2015 ihr Image als mutige und den Menschen zugewandte Politikerin gepr&auml;gt. Dieses Image, gegr&uuml;ndet auf eine einsame und einseitige Entscheidung ohne R&uuml;cksicht auf Folgen und Nebenwirkungen, hat sogar weitere Entscheidungen &uuml;berlagert, die v&ouml;llig anderen Charakter hatten. Was Angela Merkel zum Beispiel mit dem t&uuml;rkischen Pr&auml;sidenten Erdogan vereinbart hat &ndash; Geld zu zahlen, wenn Fl&uuml;chtlinge zur&uuml;ckgehalten werden &ndash; hat dem Geist der offenen Arme widersprochen, aber dem geschaffenen Image der Bundeskanzlerin keinen nachhaltigen Abbruch getan.<\/p>\n<p>Auch ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die amerikanische Kriegspolitik, mit der Menschen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen und zu fl&uuml;chten, hat Merkels Image als den Menschen zugewandte Politikerin nicht besch&auml;digt. Schon als Oppositionspolitikerin hatte sie in Washington gefordert, Deutschland m&ouml;ge sich am Irakkrieg, einem mutwillig vom Zaun gebrochenen und mit L&uuml;gen begr&uuml;ndeten, Millionen Menschenleben kostenden Krieg beteiligen. Angesichts der unkritischen Haltung der Mehrheit der Medien in Deutschland wird auch dieser Vorgang vom Image der fl&uuml;chtlingsfreundlichen Bundeskanzlerin &uuml;berlagert.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wir sind Exportweltmeister und die Folgen f&uuml;r Europa<\/strong>\n<p>Angela Merkel hat sich der Exportweltmeisterschaft unentwegt ger&uuml;hmt. Mit &bdquo;Expertise ohne Ideologie&ldquo; hatte dieser Populismus nun wirklich nichts zu tun. Deutschlands Politik, mit Export&uuml;bersch&uuml;ssen zu gl&auml;nzen, brachte andere L&auml;nder Europas in Schwierigkeiten und schadete dem Zusammenhalt Europas eindeutig. Aber es war eben hierzulande popul&auml;r. Und wird &uuml;brigens auch in Zukunft immer wieder genutzt werden, um popul&auml;r zu werden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die &bdquo;Pleite-Griechen&ldquo;<\/strong>\n<p>Sch&auml;uble und Angela Merkel haben mit Unterst&uuml;tzung deutscher Medien die Schwierigkeiten Griechenlands versch&auml;rft. Dies geschah, weil es hierzulande popul&auml;r war, ohne R&uuml;cksicht auf Verluste und &uuml;brigens auch ohne R&uuml;cksicht auf die demokratischen Rechte eines anderen Volkes, sich bei Wahlen <strong>die<\/strong> Regierung und <strong>die<\/strong> Politik zu w&auml;hlen, die dem eigenen Wunsch und nicht dem Wunsch Berlins, Br&uuml;ssels und der EZB in Frankfurt entspricht.<\/p>\n<p>Wir berichteten ab 2010 &uuml;ber die &uuml;ble Kampagne zulasten Griechenlands, zum Beispiel so im Jahre 2019: <\/p>\n<blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen &hellip; und die Akropolis gleich mit!&ldquo;<\/strong><\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200407-Entscheidungen.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div>\n<p>So t&ouml;nte die <em>Bild-Zeitung<\/em> am 27. Oktober 2010 und die Bundesregierung unterst&uuml;tzte de facto die angelaufene Kampagne deutscher Medien gegen Griechenland. Die Troika und die Bundesregierung haben dem Land Sparprogramme aufgezwungen und die Privatisierung wichtigen &ouml;ffentlichen Eigentums durchgesetzt. Die L&ouml;hne und Einkommen sanken, die Renten sanken, kleine Unternehmen wurden insolvent, weil der Staat seine Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte, Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit stiegen. Jeder zweite Jugendliche war arbeitslos. Heute, im Jahre 2019 sind es noch 39,6 Prozent, in Spanien &uuml;brigens noch 32,4 und in Italien 28,1 Prozent. Das ist das Ergebnis nicht nur der Finanzkrise, sondern auch der deutschen Politik von Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li><strong>Konrad Adenauer und Ludwig Erhard sonnten sich im Glanz des &bdquo;Wirtschaftswunders&ldquo; ohne besondere R&uuml;cksicht auf die soziale Frage<\/strong>\n<p>Urspr&uuml;nglich war nach Ende des Zweiten Weltkrieges zun&auml;chst sogar im Westen Deutschlands erkannt worden, dass das Scheitern von Weimar und der Erfolg der Nazis auch etwas damit zu tun haben k&ouml;nnte, dass weite Teile unseres Volkes ausgeschlossen waren &ndash; von der politischen Mitwirkung und von der Teilhabe an dem gemeinsam geschaffenen Sozialprodukt. Sogar die konservative CDU setzte zun&auml;chst soziale Akzente. Am deutlichsten sichtbar im sogenannten <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/c\/document_library\/get_file?uuid=76a77614-6803-0750-c7a7-5d3ff7c46206&amp;groupId=252038\">Ahlener Programm<\/a>. Aber dann, im weiteren Verlauf der f&uuml;nfziger und sechziger Jahre spielten die angedachten sozialen Programmelemente keine gro&szlig;e Rolle mehr. Im Gegenteil, die Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung wurde so ungerecht, dass sogar ein konservativer &Ouml;konom wie Wilhelm Krelle diesen Zustand beklagte. <\/p>\n<p>Insbesondere hatte die Mehrheit von Kindern aus Arbeiterfamilien auch nicht ann&auml;hernd &auml;hnliche Chancen wie die Nachkommen konservativ-b&uuml;rgerlicher Familien. In sozialdemokratisch gef&uuml;hrten L&auml;ndern wie Hessen war das ein bisschen anders, ein bisschen besser und es &auml;nderte sich ab der zweiten H&auml;lfte der sechziger Jahre auch bundesweit. Aber auch diese nicht vollkommen einseitige Politik kam dann unter den Druck der neoliberalen Ideologie, beginnend Anfang der siebziger Jahre und von Thatcher verfochten mit dem Anspruch: TINA &ndash; There Is No Alternative. Dann gefolgt von Blair und Schr&ouml;der und Steinmeier und von Merkel und von Sch&auml;uble. Es gibt keine Alternative zu einer Politik, die auf vorteilhafte Angebotsbedingungen, also auf niedrige L&ouml;hne und niedrige Lohnnebenkosten, also auf geringere Sozialleistungen, setzt. Diese Politik unideologisch zu nennen, ist schon ein bemerkenswertes St&uuml;ck des Historikers M&uuml;nkler.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wirtschaftswunder und keine R&uuml;cksicht auf die Umwelt<\/strong>\n<p>In der Debatte der &Ouml;konomen um das Funktionieren einer Marktwirtschaft, konkret um die optimale Allokation der Ressourcen, war eigentlich schon sp&auml;testens seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts beachtet worden, dass es sogenannte externe Nutzen und Sch&auml;den des Wirtschaftens gibt: External Economies und Diseconomies nannte man das und man wusste, diese m&uuml;ssten in die Kalkulationen der Produzenten von G&uuml;tern wie etwa Transportleistungen hineingerechnet werden, wenn das Ergebnis des marktwirtschaftlichen Wirtschaftens einigerma&szlig;en optimal sein solle. Also selbst engagierte Markt&ouml;konomen haben schon fr&uuml;h erkannt, dass die Belastung und die Sch&auml;den f&uuml;r die Umwelt und Natur zum Beispiel Folgen f&uuml;r Abgaben und Steuern haben m&uuml;ssten. <\/p>\n<p>1967 erschien das Buch des britischen &Ouml;konomen Mishan: The Costs of Economic Growth. <\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200407-Entscheidungen-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div>\n<p>Schon vorher hatte 1961 der SPD-Spitzenkandidat Willy Brandt das Thema in der &ouml;ffentlichen Debatte Deutschlands eingef&uuml;hrt. Dennoch gab es keine Umweltpolitik. Erst mit dem Regierungswechsel von Kiesinger (CDU) zu Brandt (SPD) 1969 fand der Umweltschutz einen ersten Niederschlag in der Politik und pr&auml;gte dann auch relevante Teile der Gesetzgebung. Der IG-Metall-Vorsitzende Otto Brenner war ein Vorreiter von Umweltschutz und mehr Lebensqualit&auml;t. Au&szlig;erdem Erhard Eppler mit seinen Reden und B&uuml;chern. 1971 fand sich im Beschluss der von ihm geleiteten SPD-Steuerreformkommission der Vorl&auml;ufer einer &Ouml;kosteuer. <\/p>\n<p>Mit dem Kanzlerwechsel von 1974 &auml;nderte sich das atmosph&auml;risch und ein bisschen auch in der praktischen Politik. Der neue Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte wenig Sinn f&uuml;r &ouml;kologische Belange. Seine Einseitigkeit machte aus ihm den Geburtshelfer der Gr&uuml;nen Partei. Ausdruck seiner oft sehr eindimensionalen Sicht der Welt war Helmut Schmidts Engagement f&uuml;r die Kernenergie &ndash; den Streit mit jungen Menschen und seiner Partei inbegriffen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Vermehrung der Fernseh- und H&ouml;rfunkprogramme und ihre Kommerzialisierung ohne R&uuml;cksicht auf Demokratie, die Psyche der Menschen und Familien mit Kindern<\/strong>\n<p>Zu Ehren des Bundeskanzlers Helmut Schmidt muss ich wie schon des &Ouml;fteren anmerken, dass es zumindest einen Bereich der politischen Gestaltung gab, der von ihm ausgesprochen differenziert und eben nicht einseitig orientiert an &ouml;konomischen Interessen oder an au&szlig;enpolitischen Interessen angepackt wurde. Im Mai 1978 wurde dieser Bundeskanzler mit der Forderung der CDU-regierten L&auml;nder und des eigenen Postministers Gscheidle konfrontiert, in Deutschland mit der 200 Millionen teuren Verkabelung von zw&ouml;lf St&auml;dten den Durchbruch zur Programmvermehrung und Kommerzialisierung von Fernsehen und H&ouml;rfunk einzuleiten. Begr&uuml;ndung: technischer Fortschritt, Arbeitspl&auml;tze. <\/p>\n<p>Die von mir geleitete Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes empfahl damals, zu bedenken, was die Programmvermehrung und Kommerzialisierung f&uuml;r die personale Kommunikation der Menschen, f&uuml;r die Familien, f&uuml;r die Kinder bedeuten w&uuml;rde. Die Regierungsspitze in der Person des Bundeskanzlers unterzog sich der M&uuml;he, diese Aspekte mit zu bedenken und nicht danach zu entscheiden, dass neue Arbeitspl&auml;tze geschaffen w&uuml;rden. Technischen Fortschritt bot der Ausbau von Fernsehverteilnetzen sowieso nicht. Helmut Schmidt beugte sich nicht dem Begehren der CDU-regierten L&auml;nder und seines Postministers und hielt diese Position auch bis zum Regierungswechsel im September 1982 durch.<\/p>\n<p>Wenn die Union in Zusammenarbeit mit der FDP dann nicht umgeschaltet h&auml;tte, dann s&auml;he unser Land heute anders aus. Wir h&auml;tten weniger Fernsehprogramme, die Kommunikation w&auml;re nicht so zersplittert, die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender h&auml;tten sich nicht so weitgehend dem kommerziellen Angebot angepasst. Die sogenannte unideologische, tats&auml;chlich eindimensionale Betrachtung setzte sich inzwischen durch. Einige einsichtige CDU-Politiker vergie&szlig;en nachtr&auml;glich die Tr&auml;nen des Bedauerns. Aber das hilft nichts mehr.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Westbindung der Bundesrepublik Deutschland ohne R&uuml;cksicht auf die 17 Millionen in der DDR<\/strong>\n<p>Objektiv gab es keine Gr&uuml;nde daf&uuml;r, vor oder unmittelbar nach Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Deutschland (West) und der milit&auml;rischen Westbindung in der NATO nicht wenigstens den Versuch zu machen, sich mit den vier M&auml;chten darauf zu verst&auml;ndigen, dass Deutschland vereint und neutral bleiben k&ouml;nnte. In &bdquo;Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.&ldquo; habe ich beschrieben, dass dieser Versuch damals, jedenfalls zwischen 1950 und 1955 vom sp&auml;teren Bundespr&auml;sidenten und fr&uuml;heren CDU-Innenminister Gustav Heinemann und einer Gruppe Gleichgesinnter gemacht worden ist. F&uuml;r Konrad Adenauer, den F&uuml;hrer der West-CDU, gab es eine viel einfachere, einfacher zu vermittelnde und einseitige Strategie: die Westbindung. Zugleich lie&szlig; man damit die in der DDR lebenden Landsleute und auch die eigenen Einsichten, wie etwa die Einsicht &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo;, fallen.<\/p>\n<p>Erst jetzt beim Nachdenken &uuml;ber die einseitige Orientierung der jetzigen Bundesregierung Merkel an den Experten Virologen ist mir die Parallele so richtig bewusst geworden. Die Freundschaft zu Amerika, die Freundschaft zu den Franzosen und den Briten und die Integration in der NATO waren kombiniert mit dem Feindbild-Aufbau Russland einfach zu vermitteln. So einfach, dass man darauf &uuml;ber einen ersten Wahlsieg 1953 dann im Jahre 1957 die absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag erreichen konnte.<\/p>\n<p>Die Br&uuml;der und Schwestern spielten in den Spr&uuml;chen eine Rolle, nicht in der praktischen Politik. So ist es &uuml;brigens jetzt auch bei der Corona-Krise. Das Schicksal von Millionen Menschen ist ausgeblendet. Damit bin ich bei Teil II.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Teil II: &Uuml;ber die Engstirnigkeit politischer Entscheidungen und ihre Popularit&auml;t &ndash; dargestellt am Beispiel Corona.<\/strong><\/p><p>Vermutlich gibt es in unser aller Bekannten- und Freundeskreis in diesen Tagen eine weit gespannte und kontroverse Debatte. Die NachDenkSeiten bilden diese breite Debatte immer wieder ab. Es gibt unter unseren Freunden solche, die dem Konzept der Bundesregierung und der Orientierung an einigen wenigen Virologen kompromisslos folgen. Sie halten die Warnungen der Virologen und des Robert Koch-Instituts vor Verh&auml;ltnissen wie in den Kliniken in Bergamo und deshalb auch die Entscheidungen vom 22. M&auml;rz f&uuml;r berechtigt &ndash; mit allen Konsequenzen f&uuml;r Wirtschaft, Gesellschaft, die menschlichen Beziehungen und die Folgen f&uuml;r viele der betroffenen Menschen.<\/p><p>Auf der anderen Seite stehen viele andere, zum Beispiel Uwe Thomas, ein Kollege aus Bonner Zeiten. Von ihm erhielt ich von Beginn an Warnungen vor den Folgen und jetzt am 3. April eine Mail, die er zur Ver&ouml;ffentlichung freigegeben hat:<\/p><blockquote><p>\nBetreff: Wie gehen wir mit Alten um<\/p>\n<p>Lieber Albrecht M&uuml;ller <\/p>\n<p>wir lesen &uuml;ber die Menschen, die sterben, und bei denen der Coronavirus nachgewiesen worden ist. Es sind zur Zeit (3. April) etwa 100 jeden Tag und vielleicht steigt diese Zahl auch noch an, obwohl es scheint, als ob das etwa die Gr&ouml;&szlig;enordnung erreicht. Woran sie am Ende gestorben sind, wissen wir nicht, aber vermutlich spielt dabei die Infektion mit dem Virus f&uuml;r viele eine Rolle. <\/p>\n<p>Am gleichen Tag sterben im M&auml;rz jeden Tag etwa 3000 Menschen in Deutschland (im M&auml;rz, im Sommer sind es weniger). So steht es in den Statistiken der Momo Euro. <\/p>\n<p>Und bevor sie sterben? Wenn sie noch leben. Was machen wir mit Ihnen. Zur Zeit befinden sich&nbsp;etwa 800000 alte pflegebed&uuml;rftige Menschen in Pflegeheimen und zu Hause sind es 2,6 Millionen alte und pflegebed&uuml;rftige Menschen. Weil wir glauben, dass 100 oder vielleicht 200 Menschen an diesem verdammten Coronavirus sterben, qu&auml;len wir Millionen alter Menschen, weil wir ihnen die Kontaktpersonen untersagen und in Pflegeheimen nur noch ein Minimum an F&uuml;rsorge angedeihen lassen k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Warum reden wir nicht &uuml;ber die Grausamkeit, welche Folgen diese Kontakte untersagen. <\/p>\n<p>Wer macht sich eigentlich die Zahlen klar, die hinter diesem Leid stehen, welches wir mit der Einsperrung der alten Menschen verursachen. <\/p>\n<p>Weil 100 oder 200 Menschen meist mit Vorerkrankungen den Virus in sich tragen und sterben. <\/p>\n<p>Haben wir kein Mitleid mit den alten Menschen, die noch leben? Wir sterben alle eines Tages aber vorher sollten wir an die Lebenden denken. Und uns die Zahlen klarmachen. Die kann jeder nachschlagen. Auch unsere Wissenschaftler, die vor allem. Siehe oben. <\/p>\n<p>Uwe Thomas (81 Jahre alt)<br>\nStaatssekret&auml;r des Bundesministeriums f&uuml;r Bildung und Forschung a.D.\n<\/p><\/blockquote><p>Wegen der Dringlichkeit, weitsichtiger und umsichtiger mit den Folgen der Entscheidungen vom 22. M&auml;rz umzugehen, als dies die Bundeskanzlerin und die Ministerpr&auml;sidenten\/in getan haben und tun, sind als Anhang und zur Unterst&uuml;tzung der Position, die Uwe Thomas formuliert hat, am Ende des Textes zwei Leserbriefe angeh&auml;ngt. <\/p><p>In der Redaktion der NachDenkSeiten haben wir beide Sichten im Blick und wir werden von beiden und einigen mehr gebeutelt. Wir achten jene &bdquo;Experten&ldquo;, die uns mit Unterst&uuml;tzung der wichtigsten Medien in Deutschland davor gewarnt haben, Zust&auml;nde wie in Italien, namentlich in Bergamo, zu bekommen und damit &Auml;rzte und Pflegepersonal zu zwingen<br>\n, zwischen Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Vorerkrankungen entscheiden zu m&uuml;ssen, weil die Beatmungspl&auml;tze nicht f&uuml;r alle reichen. Der Versuch, mit Kontaktverboten und anderem daf&uuml;r zu sorgen, die Kurve der Infektionen und des Bedarfs der Behandlung in Krankenh&auml;usern abzuflachen, war auch aus unserer Sicht sinnvoll. <\/p><p><strong>Aber mussten deshalb so weit reichende Entscheidungen getroffen werden? Warum hat man darauf verzichtet, andere Expertisen in die Entscheidungen &uuml;ber Intensit&auml;t und L&auml;nge der Kontaktverbote einzubeziehen?<\/strong><\/p><p>Heribert Prantl hatte in seinem Newsletter &bdquo;Prantls Blick&ldquo; am 5. April geschrieben:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Bundeskanzlerin muss eilig einen gro&szlig;en Krisenstab einrichten, in dem nicht nur Virologen und Gesundheitsexperten, sondern auch Grundrechts- und Gesellschaftsexperten sitzen &ndash; Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Gesellschaft. Sie sollen, sie m&uuml;ssen die Lage umfassend analysieren und den Ausstieg aus dem Lockdown vorbereiten. Das kann, das darf nicht allein die Sache der Naturwissenschaft sein, die ist einseitig, sie ist derzeit medizinisch-virologisch&hellip;.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Forderung nach einer Erweiterung der Gesichtspunkte freut uns nat&uuml;rlich, schlie&szlig;lich hatte ich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59830\">am 1. April auf den NachDenkSeiten<\/a> im Blick auf &Auml;u&szlig;erungen der Bundeskanzlerin geschrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Bundeskanzlerin hatte bei ihrer Fernsehansprache am 18. M&auml;rz zur Epidemie angemerkt, alles, was sie dazu zu sagen habe, komme &bdquo;aus den st&auml;ndigen Beratungen der Bundesregierung mit den Experten des Robert-Koch-Instituts und anderen Wissenschaftlern und Virologen&ldquo;. &ndash; An dieser &Auml;u&szlig;erung wie auch aus gleichzeitigen &Auml;u&szlig;erungen zum Beispiel der rheinland-pf&auml;lzischen Ministerpr&auml;sidentin Malu Dreyer wird sichtbar, dass sich die ma&szlig;geblichen Personen von Bundesregierung und Landesregierungen bei ihrer so wichtigen Entscheidung zur Beschr&auml;nkung sozialer Kontakte auf &bdquo;Experten&ldquo; berufen haben. Das waren jedoch nur die Experten f&uuml;r Virologie. Die &bdquo;Experten&ldquo; f&uuml;r die Folgen der Entscheidungen f&uuml;r die Menschen, f&uuml;r ihre sozialen Beziehungen, f&uuml;r die Kinder, f&uuml;r die Familien und f&uuml;r die Gesellschaft als Ganzes und die zu erwartenden gro&szlig;en Br&uuml;che kamen nicht zur Sprache.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Weil die Argumente und Informationen vom 1. April offensichtlich wegen der gleichzeitigen Erinnerungen an fr&uuml;here April-Scherze von vielen NachDenkSeiten-Lesern &uuml;berlesen worden sind, f&uuml;ge ich Teile dieses Artikels noch einmal hier an. Das dient der notwendigen Breite der Entscheidungsgr&uuml;nde: <\/p><ol>\n<li><strong>Die vorgesehenen Regulierungen sind teilweise ausgesprochen widerspr&uuml;chlich und erscheinen schon deshalb als willk&uuml;rlich. Zum Beispiel:<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li>Wenn ein Lebensmittel-Supermarkt und ein danebenliegender Baumarkt weiter betrieben werden d&uuml;rfen, aber der dazwischen liegende Blumenladen nicht, dann wird augenscheinlich, wie absurd das ist. Baumarkt und Lebensmittel-Supermarkt verkaufen schon am Eingang und nunmehr vermehrt Blumen, Blumenerde und Samen. Das Blumengesch&auml;ft muss schlie&szlig;en. In &auml;hnlicher Weise gilt das f&uuml;r den Vergleich von Baum&auml;rkten und M&ouml;belm&auml;rkten. M&ouml;belm&auml;rkte und viele andere Gesch&auml;fte, die unter den einschneidenden Ma&szlig;nahmen leiden, weil sie geschlossen werden m&uuml;ssen, sind oft weitl&auml;ufiger und damit besser gesch&uuml;tzt gegen engen Kontakt von Menschen als Superm&auml;rkte und Baum&auml;rkte.<\/li>\n<li>Wenn Kinder sich in einem Kindergarten treffen, und Grundsch&uuml;ler in den Schulen, dann ist das nicht ma&szlig;geblich gef&auml;hrlicher f&uuml;r die Weiterverbreitung des Corona-Virus als die gemeinsame Arbeit der meisten Arbeiter und Angestellten, am Flie&szlig;band oder die gemeinsame Fahrt von Handwerksmeister und Gesellen im Firmenwagen zur n&auml;chsten Baustelle. Usw.<\/li>\n<li>Wenn Menschen sich in einem Gasthaus treffen, das gro&szlig; genug ist, um Distanz zwischen den G&auml;sten zu wahren, dann ist nicht einzusehen, warum der Betrieb eingestellt werden muss. Hier k&ouml;nnte man differenzierter vorgehen.<\/li>\n<li>Dass zum Beispiel die Universit&auml;ten lahmgelegt worden sind, zeugt davon, dass schlecht abgewogen worden ist. Usw.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Die Verantwortlichen in Bund und L&auml;ndern haben die weitreichenden Folgen nicht bedacht. <\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li>Es ist nicht bedacht worden, welche Folgen die Kontaktbeschr&auml;nkung f&uuml;r unsere Kinder und Familien haben wird. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59809\">Siehe dazu hier<\/a>.<\/li>\n<li>Es ist nicht bedacht worden, dass die Kontaktsperre zwischen Enkeln und Gro&szlig;eltern oder generell zwischen Familien und &auml;lteren Familienangeh&ouml;rigen das seelische und emotionale Wohlbefinden dieser &auml;lteren Personen gravierend und damit gesundheitssch&auml;digend belasten wird. Unmenschliches Leiden, Alleinsein beim Sterben wird an der Tagesordnung sein. (Siehe dazu den Leserbrief im Anhang)<\/li>\n<li>Es ist auch nicht bedacht worden, dass die meisten sozialen Einrichtungen die verf&uuml;gte Abschottung &auml;lterer Menschen in der ausgedachten Weise nicht zu bew&auml;ltigen verm&ouml;gen. Uns liegen erste Schilderungen konkreter F&auml;lle vor, die Schlimmes ahnen lassen.<\/li>\n<li>Die psychischen Folgen waren offensichtlich &uuml;berhaupt nicht im Blick der sogenannten Experten.<\/li>\n<li>Es ist nicht bedacht worden, dass die Ma&szlig;nahmen die wirtschaftlich und finanziell Schw&auml;chsten besonders hart treffen werden. 25% der Haushalte haben ein negatives Nettogeldverm&ouml;gen, also mehr Schulden als &bdquo;mobiles&ldquo; Verm&ouml;gen. Das bedeutet grob gerechnet, dass jeder Vierte finanziell gef&auml;hrdet ist, wenn das Einkommen wegbricht oder deutlich verringert wird.\n<p>Vermutlich wird noch ein betr&auml;chtlicher Anteil von Menschen, die zwar Nettoverm&ouml;gen haben, zum Beispiel eine Eigentumswohnung, aber daraus kein Einkommen ziehen k&ouml;nnen, um Verluste beim Arbeitseinkommen zu &uuml;berbr&uuml;cken, direkt in finanzielle Schwierigkeiten kommen.<\/p>\n<p>Eine vermutlich betr&auml;chtliche Zahl wird sogar Immobilien verkaufen m&uuml;ssen. Oder Aktien verkaufen m&uuml;ssen, falls sie den Ratschl&auml;gen der B&ouml;rsen-Frau der ARD, Anja Kohl, gefolgt sind.<\/p>\n<p>Wer hingegen finanzielle Reserven hat, kann den Stillstand der &ouml;konomischen T&auml;tigkeit &uuml;berbr&uuml;cken.<\/p><\/li>\n<li>Es ist nicht bedacht worden, dass die Verm&ouml;genden sich infolge der erzeugten Krise mit Schn&auml;ppchen, die die finanziell Schwachen verscherbeln m&uuml;ssen, bedienen k&ouml;nnen. Die &uuml;ppig Verm&ouml;genden werden sich unter den Nagel rei&szlig;en k&ouml;nnen, was an Notverk&auml;ufen auf den Markt kommt. Die ohnehin schon beklagenswert miserable und unfaire Verteilung der Verm&ouml;gen wird damit noch unfairer und ungerechter werden.<\/li>\n<li>Es ist nicht bedacht worden, dass die wirtschaftlichen Folgen nicht nur makro&ouml;konomischer Natur sind, wie das in der Berichterstattung &uuml;ber das Sondergutachten des Sachverst&auml;ndigenrates zum Beispiel sichtbar wurde. Die Struktur der Produktionsbetriebe und Dienstleistungen wird nachhaltig ver&auml;ndert werden und am Ende anders, nicht besser, aussehen. Mehr Konzentration, weniger Vielfalt und wahrscheinlich weniger Wettbewerb.<\/li>\n<li>Es ist nicht bedacht worden, dass die getroffenen Ma&szlig;nahmen vermutlich den Ausverkauf der Deutschland AG beschleunigen werden. Nutznie&szlig;er werden die Heuschrecken und Geistesverwandte sein &ndash; einschlie&szlig;lich ihrer Repr&auml;sentanten in der Kandidatenliste f&uuml;r den CDU-Vorsitz, namentlich Friedrich Merz.<br>\nDass ein (ehemaliger) Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock wie Friedrich Merz es &uuml;berhaupt wagen kann, in Deutschland den Vorsitz der gr&ouml;&szlig;ten Partei anzustreben, zeugt davon, wie sehr diese gro&szlig;en und m&auml;chtigen Interessen in Deutschland in die Politik verwoben sind. Das ist auch eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r, dass das Schicksal der Nicht-Verm&ouml;genden und der vielen Menschen mit Schulden bei der Planung und Konzipierung der Ma&szlig;nahmen von Bund und L&auml;ndern nicht bedacht worden ist.<\/li>\n<li>Bei der Planung der die Entscheidung von Bund und L&auml;ndern begleitenden wirtschaftlichen und finanziellen Hilfen ist mit Sicherheit nicht bedacht worden, dass die gro&szlig;z&uuml;gig aussehende Verteilung von Milliarden unter den deutschen Unternehmen der politischen Korruption und dem Einsatz von Vitamin B in unglaublicher Weise die Schleusen &ouml;ffnen wird.\n<p>Welche &bdquo;Experten&ldquo; haben die Regierenden bei der Abw&auml;gung der verschiedenen Folgen herangezogen? Vermutlich keine. Virologen alleine reichen nicht f&uuml;r eine sachgerechte Abw&auml;gung und f&uuml;r die Pr&uuml;fung der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der eingesetzten Ma&szlig;nahmen.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Fazit: Bundesregierung und L&auml;nderregierungen m&uuml;ssten m&ouml;glichst schnell dar&uuml;ber beraten, welche Konsequenzen sie aus der bisher unbedachten Konzeption im Umgang mit dem Corona-Virus und den damit verbundenen Folgen ziehen.<\/strong>\n<p>Konsequenzen m&uuml;ssten zum Beispiel sein:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Revision bei der Frist: Die Lahmlegung von Wirtschaft und Gesellschaft so schnell wie m&ouml;glich beenden.<\/li>\n<li>Revision in der Sache: Das am 22. M&auml;rz beschlossene Ma&szlig;nahmeb&uuml;ndel vorher schon revidieren, aufschn&uuml;ren, einiges fallen lassen. Tendenz: den Jugendlichen, Kindern und prinzipiell gesunden Erwachsenen das normale Leben, Lernen und Wirtschaften erm&ouml;glichen. Gesch&auml;fte und Lokale wieder &ouml;ffnen, wenn wie in vielen F&auml;llen der Kontakt zwischen Menschen kleingehalten werden kann.<\/li>\n<li><strong>Planung und Verk&uuml;ndung eines Lastenausgleichs zwischen den vermutlichen Corona-Gewinnern und -Verlierern.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol><p>Das war der Versuch, am 1. April etwas mehr Vernunft und Abw&auml;gung in die Diskussion &uuml;ber die von der Bundesregierung und den L&auml;nderregierungen getroffenen Ma&szlig;nahmen zu bringen.<\/p><p>Aber Vernunft hat es schwer. Denn die &ouml;ffentliche Pr&auml;sentation der aus meiner Sicht engstirnigen und nicht sehr weitsichtigen Entscheidungen von Bundesregierung und Landesregierungen ist perfekt. Die meisten Medien machen unkritisch mit. Angela Merkels wiederholte Statements sind meisterhaft formuliert und gestaltet. Voller Sorgen in Text und Anmutung. Aber eben nicht ausreichend umsichtig.<\/p><p><strong>Anhang<\/strong><br>\n<strong>Zwei Leserbriefe:<\/strong><\/p><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebes NDS Team, lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>ich m&ouml;chte ihnen im Folgenden erz&auml;hlen, was f&uuml;r Folgen das (Mis)management der sog. Pandemie haben kann und hoffe inst&auml;ndig, dass dies nur ein Einzelfall in Deutschland darstellt, obwohl ich eher skeptisch bin.<\/p><p>Meine Mutter (80), an Demenz erkrankt, befindet sich seit Okt. 2019 in einem Pflegeheim.<\/p><p>Da sie bis dato nicht versteht, warum sie nicht mehr in ihrer Wohnung leben darf, hat sie eine sog. Hinlauftendenz entwickelt und will zur&uuml;ck in ihre Wohnung. Diese Tendenz ist eigentlich leicht zu kontrollieren und in den meisten F&auml;llen kann man sie auch leicht von ihrem Vorhaben, die Einrichtung zu verlassen, abbringen. Nur muss eben gen&uuml;gend Personal vorhanden sein und ich kann nicht beziffern, wie oft mir als Sohn und Betreuer schon gesagt wurde, dass nicht gen&uuml;gend Personal vorhanden ist, als ob das mein Problem w&auml;re. Mal ganz nebenbei, das Heim geh&ouml;rt zu den teuren im Raum Hannover\/Lgh.<\/p><p>Im Zuge der drastischen Ma&szlig;nahmen der vorgeblichen Pandemie, hat das Heim seit dem 10.\/11.03.2020 den Besuch von Angeh&ouml;rigen untersagt, das Heim sozusagen abgeriegelt.<\/p><p>Ich bin v&ouml;llig einverstanden mit dieser Entscheidung, geht es doch darum, die gr&ouml;&szlig;te Risikogruppe vor dem Erreger zu sch&uuml;tzen. Nur hat das Heim m.E. nicht gen&uuml;gend Vorkehrungen getroffen, um der Hinlauftendenz meiner Mutter gerecht zu werden. Denn wie soll ich mir sonst erkl&auml;ren, das es die Schotten f&uuml;r Angeh&ouml;rige dicht macht, aber meine Mutter in der Lage war in der Nacht zum 25.03.2020 das Haus zu verlassen, um sich, wie sich jetzt herausgestellt hat, vielleicht mit SARS-Cov-2 anzustecken: sie hatte kurzen Kontakt zu jemanden in dieser Nacht, der 48 Std. sp&auml;ter COVID-19 positiv getestet wurde.<\/p><p>Am 30.03.2020 wurde ich vom Gesundheitsamt angerufen und &uuml;ber diesen Umstand aufgekl&auml;rt (f&uuml;nf Tage sp&auml;ter!). Man teilte mir mit, dass nach einer L&ouml;sung gesucht wird, wie man nun mit diesem Fall weiter verfahren wird. Ich w&uuml;nsche niemanden diese Erfahrung.<\/p><p>Im &uuml;brigen ist bis heute (01.04.2020) kein Abstrich vorgenommen worden, da erst bei eindeutigen Anzeichen dieser vorgenommen wird. <\/p><p>Als ich mich am folgenden Tag mit der Heimleitung in Verbindung setzte, musste ich feststellen, dass diese, mittlerweile auch vom Gesundheitsamt informiert, keinen Plan hatte, wie jetzt vorgegangen werden soll. Wortw&ouml;rtlich wurde mir gesagt, dass man auf die Entscheidung des Gesundheitsamtes warte. Als ich die Heimleitung fragte, was sie denn an etwaigen M&ouml;glichkeiten sieht, wurde mir gesagt, es g&auml;be die M&ouml;glichkeit, meine Mutter, in Absprache mit Neurologischen Fach&auml;rzten, medikament&ouml;s derart zu sedieren, dass ihre Hinlauftendenz besser zu kontrollieren w&auml;re. Mit anderen Worten, sie ruhig zu stellen. Oh, mein Gott. Im Nachhinein erscheint mir dieser Vorschlag derart unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig, dass ich mir jeden Kommentar dazu verkneife. Mal ganz abgesehen von den nicht zu kontrollierenden\/abzusehenden Wechselwirkungen der Psychopharmaka mit einer sich vielleicht entwickelnden COVID-19 Erkrankung. <\/p><p>Ich machte dem Heimleiter den Vorschlag, jemanden einzustellen, das w&auml;re ja wohl die einfachste L&ouml;sung, woraufhin ich ein Lachen als Antwort bekam. <\/p><p>Im Grunde ist die Entscheidung &uuml;ber das weitere Vorgehen mir &uuml;berantwortet worden, im Raum stehen mehrere M&ouml;glichkeiten:<\/p><ol>\n<li>meine Mutter wird per richterlichem Beschluss, den ich beantragen muss, in ihrem Zimmer 24Std. Lang eingeschlossen bei mindestens st&uuml;ndlicher Kontrolle, bis die Quarant&auml;ne vorbei ist<\/li>\n<li>meine Mutter wird, wie der Heimleiter andachte, medikament&ouml;s ruhig gestellt<\/li>\n<li>Ich hole meine Mutter zu mir nach Haus, in meine 3 Zimmerwohnung mit zwei Hunden und einer Frau, die im Krankenhaus arbeitet, wobei sie sich f&uuml;r den Zeitraum der Quarant&auml;ne, unter die auch ich gestellt w&uuml;rde, ausquartieren m&uuml;sste.<\/li>\n<li>Es wird eine Betreuungskraft f&uuml;r den Zeitraum eingestellt, die sich zumindest tags&uuml;ber ausschlie&szlig;lich um meine Mutter k&uuml;mmert, ich w&auml;re auch bereit f&uuml;r diese Kraft aufzukommen (da das Heim offenbar nicht bereit ist)<\/li>\n<\/ol><p>Zu Punkt 4 sagte der Heimleiter (in einem anderen Telefonat, das ich mit ihm f&uuml;hrte), dass ich wohl mit mehreren Tausend Euro rechnen m&uuml;sste und &uuml;berhaupt, wo wollten sie die denn herbekommen. Ich erwiderte, da hatte ich mir eigentlich Hilfe von Ihnen erwartet.<\/p><p>Inzwischen habe ich, Stand 01.04.20 \/ 12.30Uhr, mit der Heimleitung verabredet, dass ich den richterlichen Beschluss beantragen werde, aber nur, wenn meine Mutter lediglich Nachts eingeschlossen w&uuml;rde und sich tags&uuml;ber, wenn auch separiert, im Aufenthaltsraum aufhalten k&ouml;nnte. Das kann ich nat&uuml;rlich nicht kontrollieren. <\/p><p>Ich rief also das Amtsgericht Hannover an, aber beim Amtsgericht Hannover war um 12.45 Uhr niemand mehr anzutreffen (coronabedingt), wie mir eine nette Dame am Telefon mitteilte, nachdem ich ihr den Fall geschildert hatte. Ich bin auf den n&auml;chsten Tag vertr&ouml;stet worden.<\/p><p>Ich muss jetzt einen weiteren Tag warten, das Heim wartet auf meine Entscheidung und meine Nerven liegen Blank.<\/p><p>Ich schreibe ihnen von meiner Erfahrung, da ich ihre Arbeit sehr sch&auml;tze und wei&szlig;, dass Sie mit Sicherheit gerne wissen wollen, welche Auswirkungen die momentan in Deutschland praktizierten politischen Entscheidungen haben, Auswirkungen, die ganze Familien bis an die Grenze der Belastbarkeit bringen und ich hoffe, dass dies nur ein Einzelfall ist.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJ&ouml;rg W.\/Gisela W.<\/p><p>ps: die Nachdenkseiten sind unerl&auml;sslich f&uuml;r ein kritisches Meinungsbild, ich bin froh, dass es sie gibt :)<\/p><p>Erg&auml;nzung nach Anfrage der NachDenkSeiten wegen Bedenken gegen Ver&ouml;ffentlichung der Lesermail: <\/p><p>Sie d&uuml;rfen meinen Erfahrungsbericht gerne benutzen, Schwierigkeiten scheue ich nicht und ich w&auml;re auch daran interessiert, ob es Menschen gibt, die &auml;hnlich schwierige Zeiten durchmachen. &hellip;<\/p><p>Ich muss jedoch noch erg&auml;nzend hinzuf&uuml;gen, dass die Dame vom Gesundheitsamt au&szlig;erordentlich f&uuml;rsorglich und interessiert ist, eine gute L&ouml;sung f&uuml;r meine Mutter zu erarbeiten. Ich habe mittlerweile mit ihr eine &ldquo;L&ouml;sung&rdquo; erarbeiten k&ouml;nnen, &hellip; dass meine Mutter per richterlichen Beschluss nachts eingeschlossen werden darf, tags&uuml;ber aber separiert von den anderen Bewohnern sich alleine im Aufenthaltsraum aufhalten kann. Da ich jedoch das Heim nicht betreten darf, ohne vorher eine Genehmigung erteilt zu bekommen, kann ich nur hoffen, dass dies auch so umgesetzt wird.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief <\/strong><\/p><p><em>(Wiederholung vom 1. April)<\/em><\/p><p>Liebe Nachdenkseiten, <\/p><p>ich bewundere ja eure Bem&uuml;hungen um Ausgewogenheit in dieser Zeit. Was aber viel zu kurz kommt ist m.E. die menschliche Komponente. <\/p><p>Ganz abseits von der Diskussion, ob Drosten oder Wodarg oder sonst wer &ldquo;recht hat&rdquo;. Meine Oma ist 85 mit Vorerkrankungen. Einige aus der Familie m&ouml;chten sie um jeden Preis sch&uuml;tzen.. hei&szlig;t abschotten. <\/p><p>Die andere Fraktion sagt: &ldquo;nein. Ohne Kontakt geht sie ein&rdquo;. Sie war schon vorher depressiv veranlagt. Kontaktarmut w&uuml;rde mit Sicherheit alles verschlimmern. Zudem w&auml;re der Enkel v&ouml;llig verst&ouml;rt ohne den Kontakt zur Oma. Soll er nun lernen, dass er potenziell gef&auml;hrlich ist f&uuml;r seine Oma? Und was ist mit den ganzen Menschen, die nun ohne Besuche (die ohnehin selten sind) nun in den Pflegeheimen allein versterben? Ist das ein Sterben, wie wir es uns w&uuml;nschen? Sie ist allein verstorben, aber wenigstens nicht an COVID-19? Und fahren wir jetzt j&auml;hrlich bei solchen Pandemien immer diese Blaupause? Dann ist m.E. niemandem geholfen. Und die, die wir angeblich so sch&uuml;tzen wollen, leiden am meisten. Sterben geh&ouml;rt in die MItte der Gesellschaft. Und wir sollten denjenigen Beistand leisten, die nun diese Welt verlassen. Das ist so aber nicht mehr m&ouml;glich! <\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nMaike Fresenborg<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Titelbild: 360b \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkel ist eine Meisterin des guten Verkaufs schlechter, weil engstirniger politischer Entscheidungen. Das galt f&uuml;r ihre Spar-Politik der Schwarzen Null, es galt f&uuml;r ihre &bdquo;offenen Arme&ldquo;, es galt f&uuml;r die Zumutungen gegen&uuml;ber den Griechen und anderen V&ouml;lkern des S&uuml;dens und es gilt jetzt f&uuml;r den Umgang mit dem Corona-Virus. 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