{"id":60030,"date":"2020-04-08T08:10:52","date_gmt":"2020-04-08T06:10:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60030"},"modified":"2020-04-24T08:54:27","modified_gmt":"2020-04-24T06:54:27","slug":"mit-oder-wegen-corona-einige-schwierige-korrekturen-durchfuehren-toll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60030","title":{"rendered":"Mit oder wegen Corona &#8211; einige schwierige Korrekturen durchf\u00fchren. Toll."},"content":{"rendered":"<p>&ldquo;You never let a serious crisis to go to waste. And what I mean by that it&rsquo;s an opportunity to do things you think you could not do before.&ldquo; Das sagte der amerikanische Politiker Rahm Emanuel in einem Interview mit dem Wall Street Journal 2008. Ist die Corona-Pandemie eine solche Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte, um einige schwierige Korrekturen durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen? Von <strong>Florian Linse<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60030#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nEs stellt sich die Frage, ist die Gesellschaft dazu bereit? Die Rahmenbedingungen m&uuml;ssen passen. Viel ist im Zuge des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft sowieso schon auf &bdquo;Linie&ldquo; gebracht. Die Politik (Parteien), die Medien (Mainstream mit seinem Personal), internationale Organisationen wie die WHO (man denke an die Umdefinierung, ab wann eine Epidemie eine Pandemie ist).<\/p><p>Mit der Ausbreitung einer Krankheit macht man den Menschen Angst. Dass ihre Gesundheit in Gefahr ist. Zumindest mit so einem Virus funktioniert das. Es funktioniert ja scheinbar nicht mit Luftverschmutzung, Umweltgiften, nuklearer Strahlung und dergleichen, obwohl das auch alles krank macht und Menschenleben kostet. Aber es kommt wohl auch darauf an, wie die Angstmache organisiert wird.<\/p><p>Im Sog der Pandemie, mit der eigenen, daraus entstehenden Logik, entstehen Ma&szlig;nahmen. Eine der Hauptma&szlig;nahmen ist das Anhalten weiter Teile der Wirtschaft (eingeschlossen Dienstleistungen, im gro&szlig;en Stil z.B. der Tourismus). Ausgenommen sind Nahrungsmittel und wichtige Dinge des t&auml;glichen Lebens, sozusagen Verbrauchsmaterial. Also haben Lebensmittelgesch&auml;fte, Drogerien, Apotheken und Tankstellen offen. Der Bau z.B. ist ein gro&szlig;er Wirtschaftszweig, der weiterl&auml;uft. Aber wohl auch nicht mit dem gleichen Schwung.<\/p><p>Hinter der &Uuml;berflussgesellschaft steht eine Produktion, die alles im &Uuml;berfluss produzieren kann. Glaubt man den Zahlen der letzten Jahrzehnte, dann k&ouml;nnte auch noch mehr produziert werden. Die gro&szlig;en Konzerne h&auml;tten lieber mehr Wachstum und h&ouml;here Steigerungsraten. Aber die Abnehmer fehlen oder deren Kaufkraft ist nicht ausreichend.<\/p><p>Viele gro&szlig;e Industrien produzieren auf &bdquo;Kante&ldquo;. Gerade so viel, dass die Lager nicht zu voll werden. Manchmal werden die Lager trotzdem zu voll, Ware steht auf Halde oder wird dem Handel in die Lager gedr&uuml;ckt. Es wird geschoben, was geht, bis alle Puffer ausgesch&ouml;pft sind. K&ouml;nnen die Ums&auml;tze nicht gehalten werden, kommt der deflation&auml;re Schock. Die Preise brechen ein, Angestellte m&uuml;ssen im gro&szlig;en Stil entlassen werden. Was k&ouml;nnte man tun, wenn man sieht, dass eine solche Situation bevorsteht?<\/p><p>Wie w&auml;re es, wenn wir die ganze Maschinerie einfach einmal anhalten? Ein paar Wochen steht das gro&szlig;e Rad still. Bis auf wenige Bereiche wie Lebensmittel, f&uuml;r die die Menschen permanent Nachschub ben&ouml;tigen.<\/p><p>China, wahrscheinlich der gr&ouml;&szlig;te Zulieferer der Welt, machte als erstes dicht, stoppte gro&szlig;e Teile seiner Produktion; mit ihm noch S&uuml;dkorea und wahrscheinlich auch Taiwan. Alles getrieben, begr&uuml;ndet durch Corona.<\/p><p>Wie lange kann das gutgehen, wenn China nicht mehr in ausreichender Menge liefert? Die Lieferketten sind empfindlich. Einige Wochen nach China halten auch die deutschen Konzerne ihre Produktion an. Das geht erstaunlich widerspruchslos vonstatten. Man h&ouml;rte wenig Murren von Seiten der gro&szlig;en Industrien. Geradezu bereitwillig stoppten die Autohersteller die Produktionsb&auml;nder. Nat&uuml;rlich begleitet von vollmundigen Bekundungen der Politik, f&uuml;r alle Ausf&auml;lle Hilfsgelder bereitzustellen (auch in Form der Kurzarbeit). Nicht schlecht, Produktionsstopp &ndash; sprich: Abbau von &Uuml;berproduktion &ndash; auf Kosten des Staats. In den ersten 18 Tagen B&auml;nderstillstand wurden in Deutschland 360.000 Autos nicht gebaut. Die Banken der Fahrzeughersteller stellten den Handel vor&uuml;bergehend von der Bedienung der Kredite frei. Eine erstaunliche Ma&szlig;nahme, insbesondere so unverz&uuml;glich.<\/p><p>Zuerst aber brach die Tourismusbranche ein. Dort gab es die ersten Hilfszusagen (f&uuml;r Lufthansa, Flix Bus und die Hotellerie). Inzwischen sollen die Gesundheitseinrichtungen Verg&uuml;tungen f&uuml;r jedes freigehaltene Bett (500-600 Euro) und jede nicht durchgef&uuml;hrte Operation erhalten. Angeblich wegen der Pandemie, wenn man die Betten und das medizinische Personal irgendwann pl&ouml;tzlich ben&ouml;tigt. Wir werden sehen, ob das noch kommt. Im Moment bekommt man auch hier Geld f&uuml;rs Warten.<\/p><p>Als Folge dieses pl&ouml;tzlichen Stillstands der Wirtschaft kann man davon ausgehen, dass wir uns &ouml;konomisch und das Finanzsystem betreffend in einer &auml;u&szlig;erst prek&auml;ren Situation befinden, vielleicht &auml;hnlich wie vor ca. 90 Jahren zur sogenannten Gro&szlig;en Depression. Ich entdecke dort Parallelen zur heutigen Situation. Es geht mir dabei nicht darum, zu unterstellen, dass es die Pandemie nicht gibt. Aber es geschieht vielleicht etwas weit &uuml;ber diese Pandemie hinaus. Nicht auszuschlie&szlig;en ist, dass die Pandemie dazu genutzt wird.<\/p><p>Mariner Eccles, eine der wichtigen Figuren der Ausarbeitung und Umsetzung des sogenannten New Deal in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA zur &Uuml;berwindung der Folgen der Gro&szlig;en Depression, sagte vor einem Untersuchungsausschuss des US-Senats zu den wirtschaftlichen Problemen 1933 (von mir &uuml;bersetzt aus dem Englischen):<\/p><blockquote><p>\nBevor wirkungsvoll eingegriffen werden kann, um die katastrophalen Auswirkungen der Depression zu stoppen, muss erkannt werden, dass es sich bei dem Zusammenbruch des aktuellen Wirtschaftssystems um ein Versagen der politischen und finanziellen F&uuml;hrungsriegen handelt, ein rein finanzielles Problem vern&uuml;nftig zu regeln (to deal with the money problem). Es gibt keine realwirtschaftliche Ursache noch einen Grund f&uuml;r die Arbeitslosigkeit mit dem daraus resultierenden Elend und Leiden f&uuml;r ein Drittel der Bev&ouml;lkerung. Nach wie vor haben wir all das materielle Verm&ouml;gen und noch mehr, das wir auf dem H&ouml;hepunkt unseres Wohlstands 1929 auch hatten &hellip; Unsere Wirtschaft hat die Leistungsf&auml;higkeit, alles in &Uuml;berf&uuml;lle herzustellen, und zwar nicht nur, um die absoluten Grundbed&uuml;rfnisse der Menschen zu decken, sondern auch Annehmlichkeiten und Luxus. Unser Problem ist also nur ein Verteilungsproblem. Dieses kann nur behoben werden, indem man die B&uuml;rger dieses Landes mit entsprechender Kaufkraft versorgt, damit diese die Waren erwerben k&ouml;nnen, die zu produzieren diese Nation f&auml;hig ist &hellip;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Feststellung ist bemerkenswert. Ausgesprochen von einem der wohlhabendsten US-Amerikanern der damaligen Zeit. Er war einer der wenigen, der die Gro&szlig;e Depression mit all seinen Banken und Unternehmen unbeschadet &uuml;berstand. Die erstaunliche Kernaussage ist, dass es kein reales Problem gab, es war kein Problem der Dinge, von allem konnte genug herbeigeschafft werden. Das Problem war die Verteilung.<\/p><p>Er pr&auml;zisierte diese Problematik weiter:<\/p><blockquote><p>\nDie Schulden haben gegenw&auml;rtig eine solch astronomische H&ouml;he erreicht, weil der Wohlstand in der Zeit der erfolgreichen Jahre so ungleich verteilt wurde. Zu viel des durch Arbeit erzeugten Verm&ouml;gens wurde in Kapitalg&uuml;ter abgezweigt. In Folge wurde unser scheinbarer Wohlstand auf Basis von &uuml;bertriebenen Krediten im Inland und Ausland aufrechterhalten.\n<\/p><\/blockquote><p>Auch heute haben wir auf der einen Seite enorme Verm&ouml;genspositionen und auf der anderen relativ zu wenig. Jedenfalls zu wenig, um, wie Eccles sagt, die Produktion aufzukaufen. Das Aktienkapital und andere Finanzpositionen steigen und steigen an Wert. Ebenso Immobilien. Man wei&szlig; grunds&auml;tzlich, dass der gr&ouml;&szlig;te Teil der Preissteigerungen etwas mit den Bedingungen der Kreditvergabe zu tun hat.<\/p><p>Und beim Ausland? Es gibt Gl&auml;ubiger wie Deutschland und China, es gibt Schuldner wie USA und Italien, um nur einige wenige beispielhaft zu nennen. Wenn der Warenstrom immer nur in eine Richtung flie&szlig;t (bilanziell ausgedr&uuml;ckt), t&uuml;rmen sich Schulden auf.<\/p><p>Zu Eccles Zeit waren die USA das wirtschaftliche Zugpferd der Welt. Gro&szlig;e Teile dieser Welt wurden aus den USA mit Konsumg&uuml;tern und Industrieprodukten versorgt (eine gewisse &Auml;hnlichkeit zu China und Deutschland heute). Dementsprechend waren viele L&auml;nder gegen&uuml;ber den USA verschuldet. Eccles schilderte die Situation folgenderma&szlig;en:<\/p><blockquote><p>\nEs ist eine elementare Feststellung, dass Schulden zwischen Nationen letzten Endes nur mit Waren beglichen werden k&ouml;nnen &hellip; Wenn [unser] Land die Auslandsschulden bezahlt haben will, muss es mehr kaufen (im Ausland), als es produziert (und an das Ausland verkauft). Wir m&uuml;ssen den Schuldnern eine g&uuml;nstige Au&szlig;enhandelsbilanz erm&ouml;glichen.\n<\/p><\/blockquote><p>Er machte deutlich, dass sich die USA vom Ausland beliefern lassen m&uuml;ssten, damit dieses seine Schulden abbauen k&ouml;nnte. An anderer Stelle macht er klar, dass diese Vorgehensweise, w&uuml;rde man sich daf&uuml;r entscheiden, f&uuml;r die ohnehin an gro&szlig;er Arbeitslosigkeit leidende USA ein Dilemma darstellen w&uuml;rde. Denn w&uuml;rde man sich aus dem Ausland mit Waren beliefern lassen, hie&szlig;e das, dass man im Inland noch weniger produzieren d&uuml;rfte. Dies wiederum w&uuml;rde die Arbeitslosigkeit noch weiter steigern. Er erkl&auml;rt:<\/p><blockquote><p>\nWir m&uuml;ssen w&auml;hlen. Entweder akzeptieren wir es, ausreichend Waren im Ausland zu kaufen, damit dieses seine Schulden an uns bezahlen kann, oder wir erlassen ihnen die Schulden. Das ist kein moralisches Problem, sondern ein mathematisches.\n<\/p><\/blockquote><p>Einer der Senatoren fragt daraufhin:<\/p><blockquote><p>\nDann nehme ich an, Sie w&uuml;rden die [Kreditkosten] reduzieren?\n<\/p><\/blockquote><p>Eccles:<\/p><blockquote><p>\nNein, die Schulden annullieren. Ich denke, mit dem Aufschwung, den es in diesem Land geben w&uuml;rde, stoppen Sie den Verlust von 2 Milliarden Dollar pro Monat, der durch die Arbeitslosigkeit generiert wird und Sie bekommen mehr als das durch die Einkommens- und Erbschaftssteuer herein. Der Prozess der Wohlstandsgenerierung w&uuml;rde starten und sogar ein Kapitalist w&auml;re besser dran. Ich bin ein Kapitalist.\n<\/p><\/blockquote><p>Das klingt nur zu logisch. Aber auch unerh&ouml;rt. Schulden einfach erlassen. Und dann? Ganz einfach, man wird seine Waren wieder verkaufen k&ouml;nnen, denn die Gegenseite ist in der Folge schuldenfrei. Auf der Gl&auml;ubigerseite haben sich allerdings die Forderungen in Luft aufgel&ouml;st. Man muss also behutsam vorgehen, damit die Gl&auml;ubiger auf ihre Forderungen verzichten. Man muss ihnen klarmachen, dass sie diese sowieso nie zur&uuml;ckerstattet bekommen und wenn sie auf deren Begleichung beharren, man noch tiefer in die Misere abrutschen w&uuml;rde.<\/p><p>Im Inland ist es prinzipiell dasselbe Problem. So sagt Eccles:<\/p><blockquote><p>\nWenn es Kredit w&auml;re, an dem es mangelt, wieso sagen wir nicht, dass 200 der besten Unternehmen, die 40 Prozent des industriellen Outputs t&auml;tigen und in einer Verfassung sind, dass sie keinen Kredit ben&ouml;tigen &ndash; sie verf&uuml;gen &uuml;ber gro&szlig;e Mengen an Liquidit&auml;t &ndash; warum schickt ihr eure Leute nicht zur Arbeit? Eben weil es keine Nachfrage nach deren Produkten gibt, weil wir durch die Funktionsweise unseres kapitalistischen Systems am unteren Ende die F&auml;higkeit zerst&ouml;rt haben, einkaufen zu k&ouml;nnen. Dieses System f&uuml;hrte zu einer so extremen Fehlverteilung bei der Verm&ouml;gensgenerierung, dass immer mehr nur in die H&auml;nde sehr Weniger gelangte &ndash; vergleichsweise Weniger. Vielleicht mehrerer Millionen Menschen. Als Ergebnis haben wir immer noch Arbeitslosigkeit und keine Kaufkraft.\n<\/p><\/blockquote><p>Man glaubt es kaum, das sagt ein Kapitalist. Aber wahrscheinlich ein lupenreiner Kapitalist. Keiner, der f&uuml;r sich ein &bdquo;soziales Netz&ldquo; beansprucht, das ihn rettet, wenn er es verbockt hat. Wohl um dem Verdacht zuvorzukommen, es k&ouml;nnte darum gehen, die Wohlhabenden zu schr&ouml;pfen, zitiert er zum Ende seines Vortrags einen der damals f&uuml;hrenden &Ouml;konomen:<\/p><blockquote><p>\nF&uuml;r die Reichen ist es vollkommen unm&ouml;glich, soviel Verm&ouml;gen anzusparen, wie sie das in der letzten Zeit versucht haben. Und sie tendieren dazu, alles, was nur irgendwie von Wert ist, anzusparen. Sie &bdquo;sparen&ldquo; ungenutzte Fabriken und nutzlose Eisenbahnwaggons; sie haben leerstehende B&uuml;rogeb&auml;ude und geschlossene Banken. Sie halten Schuldverschreibungen gegen das Ausland (die dieses nicht mehr bedienen kann) &hellip; Es ist im Interesse der Wohlhabenden &ndash; um sie vor ihrem eigenen Aberwitz zu sch&uuml;tzen &ndash; ihnen eine hinreichende Menge ihres Gewinns abzunehmen, damit Konsumenten konsumieren und Unternehmen mit Profit wirtschaften k&ouml;nnen. Das bedeutet nicht, &bdquo;die Reichen zu schr&ouml;pfen&ldquo;; sondern sie zu retten. Es ist die einzige M&ouml;glichkeit, ihnen die Ruhe und Sicherheit zu garantieren, die sie im Augenblick nicht haben.\n<\/p><\/blockquote><p>Man muss bedenken, das war 1933. Die Depression w&uuml;tete schon seit 4 Jahren, ohne direkte Besserung in Sicht. Heute haben wir in Deutschland noch nicht massenweise ungenutzte Kapitalg&uuml;ter oder Immobilien; in manchen anderen L&auml;ndern schon etwas mehr (in bestimmten Gegenden der USA beispielsweise). Was soll also die Situation w&auml;hrend der Gro&szlig;en Depression und die Vorschl&auml;ge Eccels zur Behebung derselben mit der Gegenwart zu tun haben?<\/p><p>Nun, Eccles spricht auch von &bdquo;Overproduction&ldquo; und &bdquo;Underconsumption&ldquo;, zwei Seiten ein und derselben Medaille. Doch das eigentliche Problem damals wie heute ist, dass verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig zu wenig konsumiert wird, weil die Kaufkraft fehlt. Eine &uuml;berm&auml;&szlig;ig leistungsf&auml;hige Produktion steht mit ihrem Angebot einer zu kleinen Nachfrage gegen&uuml;ber. Dieses Problem haben wir heute auch, es zeigt sich im schleppenden Absatz der Unternehmen und immer weniger Wirtschaftswachstum.<\/p><p>Ebenso haben wir es heute mit Kreditexzessen zu tun; einerseits gro&szlig;e Verm&ouml;gen, andererseits hohe Schulden. Das Leihen von Geld muss immer billiger werden, damit die Schulden noch bedient werden k&ouml;nnen. In Bereichen, wo dies nicht m&ouml;glich ist, geben Zentralbanken mit unbeschr&auml;nkter Liquidit&auml;t (Quantitative Easing) Kaufgarantien ab.<\/p><p>Genauso sind die wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse zwischen den L&auml;ndern von hohen Schulden gepr&auml;gt. Einige haben fortw&auml;hrend positive Handelsbilanzen, die der anderen sind andauernd im Minus. So bauen sich &uuml;ber die Jahre riesige Ungleichgewichte auf.<\/p><p>Auch die Einkommen der B&uuml;rger klaffen mehr und mehr auseinander, wodurch die einen immer wohlhabender werden und die anderen relativ immer &auml;rmer. Womit wir wieder bei der fehlenden Kaufkraft weiter Teile der Gesellschaft angelangt sind.<\/p><p>Allerdings sieht es heute so aus, als w&uuml;rde das System funktionieren und es macht nicht den Eindruck einer Katastrophe wie 1929. Das liegt aber daran, dass die Zentralbanken und die Politik, anders als damals, mit allen Mitteln gegengesteuert haben. Die Finanzkrise ab 2007 war eigentlich der &bdquo;Meltdown&ldquo; des Finanzsystems. Doch durch die Bailouts (finanzielle Rettungsaktionen) und das schier unbegrenzte Fluten mit billigen Krediten (im Volksmund &bdquo;Geld Drucken&ldquo;) konnte man weitermachen wie eh und je. Die eigentlichen Ursachen der Schieflage, die Ungleichgewichte, wurden nie behoben. Kaufen auf Pump, Kreditexzesse, unausgeglichene Handelsbilanzen, gro&szlig;e Einkommensunterschiede. Teilweise versuchte man durch rigides Sparen (Austerit&auml;t), der Schulden Herr zu werden, was oft die Wirtschaft total abw&uuml;rgte oder weite Teile der Gesellschaft verarmen lie&szlig;. Das konnte so nicht ewig weitergehen. Was also jetzt?<\/p><p>Man nutzt einen &bdquo;Schrecken&ldquo; wie die Corona-Pandemie. Die Medien &ndash; der Teil des Mainstreams &ndash; hyperventiliert sowieso schon bei jedem kleinen Funken, der hineinfliegt. Wenn man jetzt gar ein Streichholz wirft, geht der ganze Laden hoch. Alles verst&auml;rkt sich gegenseitig, Hysterie, es gibt nur noch Corona. Der in Panik versetzte B&uuml;rger l&auml;sst sich gerne mal zuhause einsperren, der Gesundheit wegen, und l&auml;sst sich mir nix dir nix mal schnell grundlegende Menschenrechte absprechen. Kein Recht mehr auf Versammlung, keine Widerrede, die Kommunikation zwischen den B&uuml;rgern ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Es gibt eigentlich auch keine Politik mehr. Es gibt keine Parteiversammlungen mehr, in keinem Stadtteilb&uuml;ro der Parteien finden noch Sitzungen statt. Man darf nicht einmal auf einer Bank im Freien sitzen. Alles untersagt, wegen Corona &ndash; die Polizei passt auf.<\/p><p>Und die merkw&uuml;rdige Sache mit den Masken. Der Appell an die Menschen, Masken selber zu n&auml;hen, und ein Aufruf, getragene Masken zu waschen und mehrmals zu verwenden. Man kann es kaum glauben, die Nation ger&auml;t zum Teil in den Taumel des Bastelns von Masken. Das alles, ohne dass gekl&auml;rt ist, ob die Masken eine Ansteckung verhindern. Und dann noch der werbewirksame Auftritt von BMW und Siemens, nun auch mit der Herstellung von Masken in den eigenen Produktionsst&auml;tten zu beginnen. Das ist Marketing par excellence.<\/p><p>Das ist der Zustand, der es m&ouml;glich macht, die Welt umzubauen. Zum einen, wie angedeutet, nach &auml;hnlichen Rezepten, wie sie damals Marriner Eccles erl&auml;utert hat und die zu einem gro&szlig;en Teil im New Deal auch umgesetzt wurden. Das w&auml;re noch nicht einmal schlecht (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/coronavirus-krise-sollen-reiche-fuer-die-kosten-zahlen-a-7c5a8ee5-9b2c-483b-aab0-6d6937f39de4\">Spiegel Online: So k&ouml;nnten die Reichen f&uuml;r die Coronakrise zahlen<\/a>). Zum anderen k&ouml;nnte es auch Verschiebungen im globalen Machtgef&uuml;ge geben. Anzeichen gibt es, dass sich die aufstrebenden Nationen dieser Welt nicht mehr am G&auml;ngelband der westlichen Industrienationen vorf&uuml;hren lassen wollen. Das geschah auch nach der Gro&szlig;en Depression. England dankte endg&uuml;ltig als Weltmacht ab, die USA und die Sowjetunion r&uuml;ckten nach. England war damals &uuml;brigens haushoch &uuml;berschuldet. Wie sieht es heute mit den USA aus?<\/p><p>Die Corona-Panik ist dabei wie ein Schrittmacher beim Radrennen. Im Windschatten dieser Panik finden gigantische finale Verwerfungen statt. Alle scheinbar durch diese Panik ausgel&ouml;st. In Wirklichkeit w&auml;re der Umbau, wenn wir ihn nicht Zusammenbruch nennen wollen, sowieso gekommen. Mit oder wegen Corona, so, wie oft nicht gekl&auml;rt wird, ob mit oder wegen Corona gestorben wurde.<\/p><p>So k&ouml;nnte man auf den momentanen globalen Tumult blicken und irgendwie einen Sinn, eine Logik entdecken. Nat&uuml;rlich nur eine Idee.<\/p><p>Titelbild: Matushchak Anton \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Florian Linse<\/strong> ist Unternehmer und widmet sich seit Jahren verst&auml;rkt der Untersuchung von Machtsystemen in menschlichen Gesellschaften.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&ldquo;You never let a serious crisis to go to waste. And what I mean by that it&rsquo;s an opportunity to do things you think you could not do before.&ldquo; Das sagte der amerikanische Politiker Rahm Emanuel in einem Interview mit dem Wall Street Journal 2008. Ist die Corona-Pandemie eine solche Gelegenheit, die man sich nicht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60030\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":60031,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,126,132,30],"tags":[1112,290,499,909,215,2857,1222,479,748,1177,851,687,291,476,2037],"class_list":["post-60030","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-erosion-der-demokratie","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-buergerrechte","tag-binnennachfrage","tag-handelsbilanz","tag-kapitalismus","tag-konjunkturpaket","tag-lockdown","tag-pandemie","tag-reservearmee","tag-rettungsschirm","tag-rezession","tag-schuldenschnitt","tag-ungleichheit","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-weltwirtschaftskrise","tag-zukunftsangst"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/shutterstock_1500132071.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=60030"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":60047,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60030\/revisions\/60047"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/60031"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=60030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=60030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=60030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}