{"id":60093,"date":"2020-04-12T11:45:24","date_gmt":"2020-04-12T09:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60093"},"modified":"2020-04-12T17:16:48","modified_gmt":"2020-04-12T15:16:48","slug":"leserbriefe-zu-von-wegen-mehr-solidaritaet-der-am-27-maerz-veroeffentlichte-bericht-der-rentenkommission-zeigt-dass-die-politisch-entscheidenden-kraefte-nichts-aus-der-aktuellen-krise-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60093","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eVon wegen mehr Solidarit\u00e4t \u2013 Der am 27. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte Bericht der Rentenkommission zeigt, dass die politisch entscheidenden Kr\u00e4fte nichts aus der aktuellen Krise lernen.\u201c."},"content":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;llers Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59787\">Von wegen mehr Solidarit&auml;t &ndash; Der am 27. M&auml;rz ver&ouml;ffentlichte Bericht der Rentenkommission zeigt, dass die politisch entscheidenden Kr&auml;fte nichts aus der aktuellen Krise lernen.<\/a>&ldquo; hat zahlreiche und unterschiedliche Reaktionen bei unseren Leserinnen und Lesern ausgel&ouml;st. Danke an unsere Leserschaft f&uuml;r die Leserbriefe. Eine Auswahl geben wir hier nun wieder. Zusammengestellt von Christian Reimann.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Mail<\/strong><\/p><p>Liebe NDS,<\/p><p>angesichts dessen, dass es unz&auml;hlige Belege daf&uuml;r gibt, dass sich das neoliberale &ldquo;System&rdquo; und seine politischen Repr&auml;sentanten nicht f&uuml;r den Schutz von Menschenleben interessieren &ndash; so lange Elend und Sterben sich anonym und nicht im Bereich der Sichtbarkeit abspielen. Daher liegt es nahe, wenn pl&ouml;tzlich Menschenleben diskussionslos an erster Stelle gestellt werden, anzunehmen, dass es um &ldquo;mehr&rdquo; gehen wird als das, was verlautbart wird. Irritierend f&uuml;r den Beobachter ist es vor allem, dass die Regierenden weltweit fast ausnahmslos vergleichbaren Handlungsmaximen (Social Distance) folgen und von einem Tag auf den anderen als staatsm&auml;nnisch agierende Politiker und nicht mehr als Handlanger einer zur Ideologie geronnenen Interessenspolitik wahrgenommen werden. Menschen mit Neigung zu Verschw&ouml;rungstheorien (&ldquo;Cui bono?&rdquo;) vermuten dahinter irgendeine Form von Korruption wie Lobbyismus. Ich glaube das nicht, sondern eher, dass es vor allem darum geht, ein Systemversagen in seiner offensichtlichsten Form zu verhindern. Ein Versagen, das zugleich die Legitimit&auml;t (Gemeint ist die, die auf dem &ldquo;Deal&rdquo; beruht: Du, lieber B&uuml;rger, trittst die und die Deiner Rechte an den Staat ab, daf&uuml;r garantieren wir Dir vor allem, dass Du &uuml;ber die Stra&szlig;e gehen kannst, ohne dass Dir der &ldquo;Sch&auml;del&rdquo; eingeschlagen wird sowie ein gewisses Ma&szlig; an &ouml;ffentlicher Daseinsf&uuml;rsorge und Rechtssicherheit.) der herrschenden Politik in Frage stellt. Dabei spielen Parameter wie Zeit (wie viele Intensivpatienten in welcher Zeit), Zustand der &ouml;ffentlichen Daseinsf&uuml;rsorge sowie eine besonders drastische Form des Sterbens durch Ersticken und das Verhindern des ethischen Dilemmas einer Triage eine wichtige Rolle. Das neoliberale System galt &ndash; systembedingt &ndash; schon vor Corona als massiv krisenbehaftet und un&uuml;bersehbare Folgen standen laut einiger Analysten ins Haus. Jetzt steht zu bef&uuml;rchten, dass alle &ouml;konomischen Folgen Corona und nicht dem neoliberalen System zugeschrieben werden und eine &uuml;berf&auml;llige Systemdebatte in dem Zuge ausbleibt.<\/p><p>Mir pers&ouml;nlich ist das Ganze zu komplex, ich habe viel mehr offene Fragen als Antworten und kann mir daher keine dezidierte Meinung erlauben. Ich glaube aber vor allem, dass es eines umfassenden Gesamtnarrativs bedarf &ndash; und nicht nur kritischer Artikel zu einzelnen Punkten, um Menschen die M&ouml;glichkeit zu er&ouml;ffnen, sich von dem herrschenden Narrativ zu emanzipieren und dieses dann f&uuml;r sich entweder ganz oder teilweise ablehnen oder halt in G&auml;nze annehmen. Zu so einem Gesamtnarrativ w&uuml;rde f&uuml;r mich auch eine Berechnung geh&ouml;ren, wie viel weniger flach die Kurve der akzeptierten Neuinfektionen verlaufen w&uuml;rde, wenn im Zuge der neoliberalen&nbsp; Ideologie und Umverteilungspolitik nicht Krankenh&auml;user geschlossen und privatisiert worden w&auml;ren, Personal und Betten nicht eingespart worden w&auml;ren; aber u. a. auch, welche Schlussfolgerungen die Bundesregierung aus der Risikoanalyse &ldquo;Bev&ouml;lkerungsschutz&rdquo; aus 2012 gezogen hat.<\/p><p><a href=\"https:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/120\/1712051.pdf#page=55\">dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/120\/1712051.pdf#page=55<\/a><\/p><p>Der Lockdown wird auf jeden Fall bis zum 19. April Bestand haben. Bis dahin werde ich weiterhin die empfohlenen Ma&szlig;nahmen beachten. Aber au&szlig;er dass ich in geschlossenen &ouml;ffentlichen R&auml;umen (ohne mir bekannte Empfehlung seitens offizieller Stellen) gezielt durch die Nase ein- und ausatme, tue ich nichts weiter, was ich mir selbst auferlege. Ich zahle also weiterhin mit Bargeld, benutze keine Desinfektionsmittel, trage keinen Mundschutz oder Handschuhe. W&uuml;rde jetzt das Tragen eines Mundschutzes zur Pflicht, w&auml;re f&uuml;r mich das Ma&szlig; des Zumutbaren voll. So weit ich gelesen habe, ist bisher kein einziger Fall einer Kontaktinfektion nachgewiesen worden. Dennoch zielen viele der selbstauferlegten Ma&szlig;nahmen von Einzelpersonen oder Gesch&auml;ften darauf: Desinfizieren von allem M&ouml;glichen, Tragen von Handschuhen, Pr&auml;ferenz f&uuml;r bargeldlosen Zahlverkehr. All dies wird gutgehei&szlig;en und sei es allein nur mit dem Hinweis, dass es nicht schade (man wisse ja nie &hellip;) und es zumindest die allgemeine Aufmerksamkeit steigere. Ich bef&uuml;rchte, dass dieses Suspektgewordensein des anderen die Zeit &uuml;berdauern k&ouml;nnte und w&uuml;nschte mir einen rationaleren Umgang mit dem Corona-Virus, welcher vor allem auf Fakten, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten beruht.<\/p><p>Davon ab &ndash; &ldquo;and now for something completely different&rdquo;: Ich f&uuml;hle mich zuweilen ein wenig an Kurt Tucholskys &ldquo;Die Leibesfrucht spricht&rdquo;<br>\n<a href=\"https:\/\/www.textlog.de\/tucholsky-leibesfrucht.html\">textlog.de\/tucholsky-leibesfrucht.html<\/a><br>\nerinnert &ndash; nur umgekehrt: dass bei Corona anstelle der Geburt das Sterben getreten ist: &ldquo;Wir tun alles daf&uuml;r, dass Du nicht stirbst, aber f&uuml;r ein Leben in W&uuml;rde und wie Du zurechtkommst auf Erden, daf&uuml;r interessieren wir uns eher nicht.&rdquo;<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nStefan Eichardt<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Mail<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller<\/p><p>Die Zukunft ist nicht nur durch die Corona Krise l&auml;ngst geschrieben. Der Mittelstand geht so oder so baden. Die Wohlhabenden werden herbe Verluste einfahren. Der pers&ouml;nliche Luxus wird vollst&auml;ndig verschwinden. Die Reichen heulen &uuml;ber ihre Milliarden Verluste, die sie &uuml;ber den B&uuml;rger auf die eine oder andere Art wieder reinholen. Auch aus einem trockenen Stein kann man noch viele Tropfen Wasser heraus quetschen. Wer sich nicht selbst vorsorgen kann, das ist eine deutliche globale Mehrheit, hat den schwarzen Peter bis zum Ende seiner Rente. Die Missst&auml;nde sind klar, nur jene die das &auml;ndern k&ouml;nnten, verstehen es nicht, wollen und k&ouml;nnen auch nicht und glauben noch an den Weihnachtsmann. Na irgendwer wird es schon richten. Bl&ouml;d ist nur, viele wichtige Ressourcen wachsen nicht nach, werden trotzdem sinnlos weiter verschleudert, f&uuml;r kleine Judasl&ouml;hne, dem seelenlosen Profit. Irgendwann verkaufen wir sogar schon zu Lebzeiten unsere eigenen Leichen, denn materieller&nbsp; Wohlstand ist ja alles.<\/p><p>Der heutige B&uuml;rger ist wie die heutige Jugend, die erwartet das sie durch nichts tun, das Recht auf Windeln haben. Es ist jedoch an der Zeit zur Nutzgemeinschaft im und durch das Volk selbst zur&uuml;ck zu kehren, wo jeder nur das haben wird, was er wirklich zum Leben braucht. Aber wer glaubt allen Ernstes das der liebe B&uuml;rger auf sein bequemes Leben mit all den sch&ouml;nen Konsum verzichtet, um eine bessere Welt zu schaffen, in der die geliebte Zivilisation Schnee von gestern ist? Der Krug wird weiter zum Brunnen gehen, bis er zerbricht. Was dann wird, soweit denkt heute doch niemand mehr. Wir leben heutevnur noch f&uuml;r den Moment, der Rest ist nur eine Illusion, denn von Nichts kommt eben auch Nichts.<\/p><p>Das Leben selbst findet immer einen Weg, nur der Mensch nicht, er behaart auf einen Iststand, der schon heute wertlos ist. Die Krise wird nach 5 bis 10 Jahren zeigen, das Nichtstun schlimmer ist, als nur Pleite zu sein. Wohlstand ist nur relativ, wie ein trockener Weihnachtsbaum. H&auml;lt man ein Feuerzeug dran, l&ouml;st er sich in Rauch auf. Kommt der B&uuml;rger nicht bald zu seinen Wurzeln zur&uuml;ck, l&ouml;st sich sein kleines Leben, mit allen Anderen in hei&szlig;e Luft auf. Was zu tun ist, ist sonnenklar, nur wer h&auml;ngt nun der Katze die Schelle um den Hals?<\/p><p>PS: Ich k&ouml;nnte mir die NDS als neue Regierende vorstellen. Mitarbeiter in Form von Lesern haben Sie ja. Tendenz steigend. Ist es wirklich nur undenkbar oder ist die Verantwortung nur zu gro&szlig;? Wie aber definiert man Not und Elend in den n&auml;chsten Jahren, wo die Armen und Kranken deutlich in der &Uuml;berzahl sein werden. Der schwarze Peter erreicht dann jeden.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nF.B.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden Emailadressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;llers Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59787\">Von wegen mehr Solidarit&auml;t &ndash; Der am 27. M&auml;rz ver&ouml;ffentlichte Bericht der Rentenkommission zeigt, dass die politisch entscheidenden Kr&auml;fte nichts aus der aktuellen Krise lernen.<\/a>&ldquo; hat zahlreiche und unterschiedliche Reaktionen bei unseren Leserinnen und Lesern ausgel&ouml;st. Danke an unsere Leserschaft f&uuml;r die Leserbriefe. Eine Auswahl geben wir hier nun wieder. Zusammengestellt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60093\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,103],"tags":[423,2852],"class_list":["post-60093","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-leserbriefe","tag-austeritaetspolitik","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60093","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=60093"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60093\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":60094,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60093\/revisions\/60094"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=60093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=60093"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=60093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}