{"id":60130,"date":"2020-04-10T13:00:41","date_gmt":"2020-04-10T11:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60130"},"modified":"2020-04-12T08:01:49","modified_gmt":"2020-04-12T06:01:49","slug":"corona-krise-in-russland-geldspritzen-fuer-gesundheitssektor-und-steuerpause-fuer-kleine-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60130","title":{"rendered":"Corona-Krise in Russland: Geldspritzen f\u00fcr Gesundheitssektor und Steuerpause f\u00fcr kleine Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Die durch die Corona-Infektionen bedingten Quarant&auml;ne-Ma&szlig;nahmen und teilweisen Betriebsschlie&szlig;ungen erwischen Russland auf dem falschen Fu&szlig;. Zwei Drittel der Bev&ouml;lkerung haben keine Ersparnisse und ein Drittel lebt von 240 Euro im Monat. M&uuml;ssen die Russen sich nun auf noch h&auml;rtere Zeiten einstellen und wie in den 1990er Jahren Gem&uuml;se und Obst auf ihren Datschen anbauen? Von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>, Moskau.<br>\n<!--more--><br>\nDie Menschen hoffen, dass Pr&auml;sident Wladimir Putin die richtigen Anweisungen zur Begrenzung der Krise gibt. Schon vier Mal (17. und 25. M&auml;rz, 2. und 8. April) hat Putin Fernsehansprachen zur Corona-Krise gehalten. Die Zahl derjenigen, die mit der Arbeit des russischen Pr&auml;sidenten zufrieden sind, <a href=\"https:\/\/wciom.ru\/news\/ratings\/doverie_politikam_1\/\">stieg<\/a> nach einer Umfrage des WZIOM-Meinungsforschungsinstituts in der letzten M&auml;rz-Woche von 67 auf 71 Prozent.<\/p><p>Die Ausgangslage in Russland ist schwierig. Nur neun Prozent der Russen glauben nach <a href=\"http:\/\/www.ng.ru\/economics\/2020-04-08\/2_7838_healthcare.html\">Angaben<\/a> der Nesawisimaja Gaseta, dass das Gesundheitssystem der Corona-Krise gewachsen ist. 74 Prozent der Russen haben Probleme, Masken zu kaufen. <\/p><p>Bei seiner <a href=\"http:\/\/kremlin.ru\/events\/president\/news\/63176\/videos\">Ansprache<\/a> am 8. April machte Putin einige bemerkenswerte Ank&uuml;ndigungen. &Auml;rzte, welche direkt mit Corona-Patienten arbeiten, bekommen einen Gehaltszuschlag von 1.000 Euro. Krankenschwestern und &Auml;rzte der Ersten Hilfe, die mit Corona-Patienten arbeiten, bekommen einen Gehaltsaufschlag von 600 Euro. Der russische Pr&auml;sident erkl&auml;rte, 400 Millionen Euro seien zur Einrichtung spezieller Krankenhaus-Infektionsabteilungen in die Regionen &uuml;berwiesen worden. Weitere 158 Millionen Euro w&uuml;rden noch im April f&uuml;r den Kauf von Beatmungsmaschinen und Fahrzeugen f&uuml;r die Erste Hilfe in die Regionen &uuml;berwiesen. <\/p><p>Mit den von Putin und der Regierung angeordneten Ma&szlig;nahmen versucht man die Fehler der Vergangenheit auszub&uuml;geln. In den letzten 15 Jahren wurden in Russland nach <a href=\"http:\/\/www.ng.ru\/economics\/2020-04-08\/2_7838_healthcare.html\">Angaben<\/a> der Nesawisimaja Gaseta viertausend Krankenh&auml;user im Rahmen eines Programms zur &bdquo;Optimierung&ldquo; geschlossen und die Zahl der Krankenhausbetten um 400.000 reduziert. Im Dezember 2019 hatte die stellvertretende Ministerpr&auml;sidentin Tatjana Golikowa eingestanden, dass sich die Gesundheitsversorgung &bdquo;stark verschlechtert&ldquo; habe. Industrieminister Denis Manturow versprach dem russischen Pr&auml;sidenten, die Zahl der monatlich produzierten Beatmungsger&auml;te auf 1.500 zu steigern. <\/p><p><strong>Erste Betriebe nehmen wieder ihre Arbeit auf<\/strong><\/p><p>Unterdessen gibt es erste Zeichen der Entspannung. Am Montag nahmen 250 von insgesamt 750 mittleren und gro&szlig;en Industriebetrieben der Stadt Moskau ihre Arbeit wieder auf. Man versuche aber, die Mitarbeiter, die nicht direkt mit der Produktion zu tun haben, von zuhause aus arbeiten zu lassen, hie&szlig; es von Seiten der Stadtverwaltung. Die Wiederaufnahme der Arbeit in der russischen Stadt mit der h&ouml;chsten Zahl der Corona-Infizierten erstaunt. Hatte Putin die &Ouml;ffentlichkeit nicht gerade erst auf weitere vier Wochen Quarant&auml;ne eingestimmt? <\/p><p>Die Betriebe hatten ihre Arbeit nach der ersten Fernsehansprache des russischen Pr&auml;sidenten am 25. M&auml;rz eingestellt. Wie die Nachrichtenagentur TASS <a href=\"https:\/\/tass.ru\/moskva\/8173637\">mitteilte<\/a>, k&ouml;nnen nach einem Ukas von Putin Betriebe ihre Arbeit w&auml;hrend der Quarant&auml;ne unter der Bedingung fortf&uuml;hren, dass die Besch&auml;ftigten ausreichend durch hygienische Ma&szlig;nahmen gesch&uuml;tzt sind.  <\/p><p>Ein Grund f&uuml;r die Wiederaufnahme der Arbeit sind wohl die Steuerausf&auml;lle f&uuml;r die Stadt Moskau bei Betriebsschlie&szlig;ungen. Die 250 Unternehmen, die jetzt wieder ihre Arbeit aufgenommen haben, zahlen monatlich 110 Millionen Euro Steuern in die Stadtkasse.<\/p><p><strong>Schwere Einbu&szlig;en f&uuml;r die Wirtschaft<\/strong><\/p><p>Russland steht der H&ouml;hepunkt der Corona-Infektionen noch bevor, erkl&auml;rte der russische Ministerpr&auml;sident Michail Mischustin vor einigen Tagen. Die Statistik scheint ihm recht zu geben. In den letzten Tagen nahm die Zahl der Infizierten jeweils um &uuml;ber 1.000 neue F&auml;lle zu. Am 9. April lag die Gesamtzahl der Infizierten bei 8.672, davon allein 5.841 F&auml;lle in Moskau. Wie hoch die Dunkelziffer ist, dar&uuml;ber gibt es weder Angaben noch Sch&auml;tzungen. Insgesamt 63 Menschen sind bisher in Russland am Corona-Virus gestorben.<\/p><p>Die von Wladimir Putin am 2. April <a href=\"http:\/\/kremlin.ru\/events\/president\/news\/63133\">angeordneten<\/a> Quarant&auml;ne-Ma&szlig;nahmen bis hin zu Teilschlie&szlig;ungen von Unternehmen bis Ende April werden von den Menschen befolgt. Viele hoffen, dass die Quarant&auml;ne-Ma&szlig;nahmen noch vor dem 30. April wieder aufgehoben werden.  <\/p><p>Um zu wissen, wieviel Hilfe die wichtigsten Unternehmen brauchen, orderte die russische Regierung bei f&uuml;hrenden russischen Banken einen Stress-Test an. Die Analysten der Banken stellen <a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/economics\/06\/04\/2020\/5e89ab309a7947dff249b708\">zwei Stress-Szenarien vor<\/a>. Nach dem ersten Szenarium endet die von Putin angeordnete Quarant&auml;ne im Sommer und der &Ouml;lpreis steht bei der Marke 20 Dollar pro Barrel. Nach einem zweiten Szenarium wird die wirtschaftliche Aktivit&auml;t in Russland bis zum Herbst eingefroren und der &Ouml;lpreis f&auml;llt auf 10 Dollar pro Barrel. Die Szenarien zeigen, dass man f&uuml;r die russische Wirtschaft mit einem schweren Einbruch rechnet. <\/p><p>Die russische Regierung arbeitet an einem Hilfsplan f&uuml;r die russische Wirtschaft. Am 10. April soll eine Liste f&uuml;r 650 systemrelevante Unternehmen ver&ouml;ffentlicht werden. Diese Unternehmen h&auml;tten &bdquo;die gr&ouml;&szlig;ten Chancen auf Unterst&uuml;tzung&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.ng.ru\/economics\/2020-04-05\/1_7835_support.html\">schreibt<\/a> die Nesawisimaja Gaseta. <\/p><p><strong>KP-Chef Sjuganow: &bdquo;Corona&ldquo; verdeckt tiefere Krise<\/strong><\/p><p>Gennadi Sjuganow, Vorsitzender der KPRF, der gr&ouml;&szlig;ten russischen Oppositionspartei, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=416&amp;v=Q7AweShge8s&amp;feature=emb_logo\">erkl&auml;rte<\/a> am Montag nach einer Videokonferenz mit dem russischen Ministerpr&auml;sidenten Michail Mischustin, die derzeitige Wirtschaftskrise habe ihren Ursprung nicht in erster Linie in der Virus-Erkrankung. Die Corona-Krise versch&auml;rfe schon vorhandene Fehlentwicklungen. Russland brauche eine mehr nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Industrie, Landwirtschaft und Wissenschaft. Sjuganow erinnerte in diesem Zusammenhang an die globale Finanzkrise 2008, als das Wirtschaftswachstum in Russland um acht Prozent zur&uuml;ckging. Regierungsnahe russische Wirtschaftsexperten rechnen wegen der Corona-Krise jedoch nur mit einem R&uuml;ckgang des Wirtschaftswachstums um ein bis drei Prozent. <\/p><p>Der KP-Chef erinnerte daran, dass schon heute 53 Millionen Russen mit einem Einkommen von umgerechnet 230 Euro im Monat leben. Viele Menschen w&uuml;rden sogar nur 100 Euro im Monat verdienen. F&uuml;r alle diese Menschen brauche es eine sofortige Hilfe in H&ouml;he von umgerechnet 300 Euro. Die Hilfe m&uuml;sse schnell kommen, denn die Reserven der Menschen seien bald aufgebraucht. Viele h&auml;tten keinerlei Ersparnisse. <\/p><p>Wichtig sei au&szlig;erdem, dass der Staat den Menschen bei der g&uuml;nstigen Beschaffung von Agrartechnik und Treibstoff helfe, damit sie ihre Privatfelder und Brachland bestellen k&ouml;nnen. Wenn die Ern&auml;hrung in Russland nicht gesichert sei, werde es &bdquo;Hunger und Aufst&auml;nde geben&ldquo;. <\/p><p><strong>Gewerkschafts-Vorsitzender: Unternehmen vor spekulativen &Uuml;bernahmen sch&uuml;tzen<\/strong><\/p><p>Auch der russische Dachgewerkschaftsverband FNPR meldete bei der Regierung Forderungen an. In einem Brief an den Ministerpr&auml;sidenten <a href=\"http:\/\/fnpr.ru\/n\/241\/19217.html\">forderte<\/a> der FNPR-Vorsitzende Michail Schmakow f&uuml;r alle im medizinischen Bereich Besch&auml;ftigten einen Lohnzuschlag von 50 Prozent. Das medizinische Personal arbeite heute nicht nur unter dem Risiko der Ansteckung, sondern auch unter st&auml;ndiger &Uuml;berbelastung. <\/p><p>Weiter forderte der Gewerkschaftschef, Staatsanwaltschaft und Polizei m&uuml;ssten streng kontrollieren, dass die Arbeitgeber die angeordnete Arbeitsruhe w&auml;hrend der Quarant&auml;ne nicht umgehen und die Mitarbeiter unter Missachtung der Infektionsgefahren an die Arbeit zwingen. Auch m&uuml;sse man verhindern, dass es Massenentlassungen gibt. Finanzhilfen d&uuml;rfe es nur f&uuml;r die Unternehmen geben, welche die Arbeitspl&auml;tze erhalten. Die unteren Einkommen m&uuml;ssten g&auml;nzlich von Steuern befreit werden. Die Spitzeneinkommen m&uuml;ssten st&auml;rker besteuert werden. Nur so k&ouml;nne man das Loch stopfen, das durch die Ausf&auml;lle der Zahlungen in die Krankenversicherung entstehe. <\/p><p>Schmakow forderte sofortige Ma&szlig;nahmen zum Schutz von wichtigen Unternehmen vor spekulativem Kapital. Dieses versuche jetzt, bei den fallenden Aktienkursen, Unternehmen aufzukaufen. Die Regierung m&uuml;sse einen Plan zur Nationalisierung von Unternehmen ausarbeiten, die eine wichtige Rolle bei der sozialen und wirtschaftlichen Stabilit&auml;t spielen. Alle Privatisierungen von staatlichen Unternehmen m&uuml;ssten f&uuml;r ein Jahr ausgesetzt werden. <\/p><p><strong>Russisches Arbeitsgesetz verpflichtet Unternehmen zur Lohnfortzahlung<\/strong><\/p><p>Wladimir Putin hatte am 2. April in einer Fernsehansprache angek&uuml;ndigt, dass die Quarant&auml;ne-Ma&szlig;nahmen wegen der Corona-Infektionen bis Ende April verl&auml;ngert werden. Regionen, in denen es keine gro&szlig;e Gefahr mit dem Corona-Virus gibt, k&ouml;nnten jedoch weichere Ma&szlig;nahmen treffen.<\/p><p>Wer aber zahlt nun die L&ouml;hne und Geh&auml;lter f&uuml;r Millionen in den Quarant&auml;ne-Zwangsurlaub geschickte Arbeiter und Arbeiterinnen? Wladimir Putin hat sich dazu nicht direkt ge&auml;u&szlig;ert. Geht er davon aus, dass die Unternehmer die L&ouml;hne weiterzahlen?  Das entspricht dem russischen Arbeitsgesetz. Es verpflichtet die Unternehmen, den Besch&auml;ftigten den Lohn weiterzuzahlen, wenn die Produktion aus wirtschaftlichen, technologischen, technischen oder organisatorischen Gr&uuml;nden eingestellt werden muss. <\/p><p>F&uuml;r die Klein- und Mittelbetriebe ist die Lohnfortzahlung jedoch ein sehr harter Brocken. Viele dieser Unternehmen &ndash; insbesondere aus dem Bereich Dienstleistungen und Tourismus &ndash; k&ouml;nnten in den n&auml;chsten Monaten bankrottgehen. Als Trostpflaster verspricht die Regierung den kleinen und mittleren Unternehmen zinslose Kredite f&uuml;r die Bezahlung der Geh&auml;lter, eine Fristverl&auml;ngerung um ein halbes Jahr bei der Bezahlung der Steuern sowie ein Moratorium f&uuml;r Bankrottverfahren. <\/p><p>Noch gibt es kein klares Konzept, wie die Regierung die Krise meistern will. Man kann davon ausgehen, dass hinter den Kulissen die Interessengruppen, Staat, Parteien, Unternehmer und Gewerkschaften miteinander ringen. <\/p><p>&bdquo;Niemand erkl&auml;rt, wovon die L&ouml;hne gezahlt werden sollen, wenn es keinen Gewinn gibt&ldquo;, schreibt die nationalliberale Nesawisimaja Gaseta und spricht damit eine Frage aus, die alle besch&auml;ftigt. Weiter schreibt das Blatt, es k&ouml;nne nicht die Verpflichtung der russischen Regierung sein, &bdquo;Millionen Arbeiter zu unterst&uuml;tzen, die in einen unbezahlten Urlaub geschickt wurden,&ldquo; denn das w&uuml;rde das Haushaltsdefizit vergr&ouml;&szlig;ern und die finanziellen Reserven angreifen.<\/p><p><strong>Finanzexperte: &bdquo;Wohlstandsfonds&ldquo; als Sicherheitspolster im Falle weiterer Sanktionen<\/strong><\/p><p>Das wichtigste russische Finanzpolster ist der <a href=\"https:\/\/owc.de\/2019\/08\/08\/grafik-der-woche-wohlstandsfonds-starkes-wachstum\/\">nationale Wohlstandsfonds<\/a>. Er hat zurzeit ein Volumen von 127 Milliarden Dollar. Bisher wird dieser Fonds genutzt, um die russischen Steuerausf&auml;lle durch den gefallenen &Ouml;lpreis zu kompensieren. <\/p><p>Wenn man die Folgen der Corona-Krise so bek&auml;mpfe wie Europa und die USA, dann w&auml;ren die Mittel des Wohlstandsfonds im n&auml;chsten Jahr komplett verbraucht, meinte Investitionsbroker Timur Nigmatullin gegen&uuml;ber der Nesawisimaja Gaseta. Die russische Regierung werde den Wohlstandsfonds nicht antasten, so der Broker, denn es k&ouml;nnte jederzeit neue Sanktionen des Westens geben und dann brauche man dieses Geld. <\/p><p>Die unabh&auml;ngige russische Gewerkschaft &bdquo;Konf&ouml;deration der Arbeit&ldquo; (KTR) hat f&uuml;r die Forderung, dass die L&ouml;hne f&uuml;r die Besch&auml;ftigten der Klein- und Mittelbetriebe aus dem Fonds der Sozialversicherung bezahlt werden, nach eigenen Angaben 100.000 Unterschriften gesammelt. In den Fonds der Sozialversicherung, aus dem gew&ouml;hnlich der Lohn f&uuml;r krankheitsbedingte Tage bezahlt wird, zahlen die Unternehmer ein. <\/p><p><strong>In Moskau ist es still geworden<\/strong><\/p><p>Der Einschnitt in das Leben der Moskauer durch die Quarant&auml;ne ist gewaltig. In der Stadt, die sonst vor brodelnder Energie nur nachts f&uuml;r zwei Stunden zur Ruhe kommt, ist es still geworden. Auf den breiten Stra&szlig;en, auf denen es sonst st&auml;ndig Staus gibt, sind jetzt etwa so viele Autos unterwegs wie zu sozialistischen Zeiten (Video: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=13&amp;v=zuNVsWx2AgU&amp;feature=emb_logo\">Fahrt durch das Stadtzentrum<\/a>). Immerhin: Die Luft hat sich verbessert. <\/p><p>Wie das Moskauer Verkehrsministerium mitteilte, ist das Passagieraufkommen in der Moskauer U-Bahn, in der t&auml;glich <a href=\"https:\/\/www.mosmetro.ru\/press\/digits\/\">neun Millionen<\/a> Menschen unterwegs sind, um 83 Prozent <a href=\"https:\/\/regnum.ru\/news\/2902083.html\">gesunken<\/a>. <\/p><p>Wer kann, ist auf die Datscha gefahren. Superm&auml;rkte, die in Moskau gew&ouml;hnlich 24 Stunden am Tag ge&ouml;ffnet haben, machen jetzt die Nacht &uuml;ber zu. Wer Zeitungen lesen will, muss ins Internet gehen. In meinem Wohnbezirk haben alle Zeitungskioske geschlossen.<\/p><p>Die Russen entwickeln &Uuml;berlebensmethoden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Internet, das Ablenkung, aber auch die M&ouml;glichkeit zur visuellen Kommunikation bietet. Gefragt ist alles, was die Stimmung hebt, Lustiges, Verr&uuml;cktes, weniger Besinnliches. Es werden Kochrezepte und witzige Foto-Collagen ausgetauscht. Die Moskauer Tango-Szene organisiert Online-Milongas. Russische youtube-Kan&auml;le &uuml;berbieten sich seit Wochen mit neuesten Verschw&ouml;rungstheorien. Ohne Belege wird behauptet, der Corona-Virus sei bewusst von &bdquo;dunklen Kr&auml;ften&ldquo; eingesetzt worden. Gegen diese Verschw&ouml;rungstheorien <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uwXU-SCeduo&amp;t=884s\">agitiert<\/a> neben anderen der linke Video-Blogger Konstantin Sjomin, der vor einem Jahr seinen Job als Sprecher beim staatlichen Fernsehkanal Rossija 24 aufgegeben hat. <\/p><p><strong>Keine Rundum&uuml;berwachung in der russischen Hauptstadt<\/strong><\/p><p>Die gro&szlig;e &Uuml;berwachung aller Moskauer wollte die russische Regierung den B&uuml;rgern doch nicht zumuten. Die Stadtverwaltung hatte letzte Woche ein Projekt vorgestellt, nach dem jeder B&uuml;rger QR-Codes bestellen muss, mit denen das Verlassen des Hauses zum M&uuml;llcontainer oder zum Lebensmittelgesch&auml;ft legalisiert werden sollte. Doch B&uuml;rgermeister Sobjanin lobte, die B&uuml;rger w&uuml;rden schon jetzt sehr viel Disziplin zeigen. Die bisherigen Ma&szlig;nahmen der Kontrolle reichten aus. <\/p><p>Doch in mehreren russischen Regionen gibt es eine st&auml;rkere &Uuml;berwachung als in Moskau. In Nischni Nowgorod muss man das Verlassen des Hauses mit QR-Codes legalisieren. In Tatarstan muss man eine SMS an die Stadtverwaltung abschicken und den Grund f&uuml;r das Verlassen des Hauses angeben. Und im fern&ouml;stlichen Wladiwostok braucht man einen Ausweis, die eine wichtige T&auml;tigkeit nachweist, wenn man in der Stadt unterwegs ist. <\/p><p>Das russische Fernsehen versucht die Stimmung der Zuschauer mit Berichten &uuml;ber Betriebe zu verbessern, die Schutzanz&uuml;ge oder Masken herstellen. Gezeigt wurde in diesem Zusammenhang eine Produktionsabteilung des LKW-Herstellers Kamas und eine &ouml;lverarbeitende Fabrik in der Teilrepublik Tatarstan. Eine Universit&auml;t in Kaliningrad produziert mit Silber durchwirkte Masken, die antibakteriell wirken sollen.<\/p><p>Die Sch&uuml;ler in Russland sollen jetzt verst&auml;rkt &uuml;ber das Internet zum Unterricht herangezogen werden. Doch nicht alle Sch&uuml;ler haben Laptops und Tablets. In St. Petersburg sind es genau 17.000 Sch&uuml;ler, die ein Tablet oder einen Laptop <a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/society\/05\/04\/2020\/5e89c6559a7947e8484bae4b\">ben&ouml;tigen<\/a>. Der Gouverneur von St. Petersburg, Aleksandr Below, hat die B&uuml;rger der Stadt jetzt aufgefordert, nicht ben&ouml;tigte Tablets an bed&uuml;rftige Sch&uuml;ler abzugeben. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d91d64151f3c44b8b8cd6002a2729160\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><p>Titelbild: upprint \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die durch die Corona-Infektionen bedingten Quarant&auml;ne-Ma&szlig;nahmen und teilweisen Betriebsschlie&szlig;ungen erwischen Russland auf dem falschen Fu&szlig;. Zwei Drittel der Bev&ouml;lkerung haben keine Ersparnisse und ein Drittel lebt von 240 Euro im Monat. M&uuml;ssen die Russen sich nun auf noch h&auml;rtere Zeiten einstellen und wie in den 1990er Jahren Gem&uuml;se und Obst auf ihren Datschen anbauen? 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