{"id":60207,"date":"2020-04-15T07:52:31","date_gmt":"2020-04-15T05:52:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60207"},"modified":"2020-04-24T08:52:37","modified_gmt":"2020-04-24T06:52:37","slug":"risiko-und-nebenwirkungen-von-arno-luik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60207","title":{"rendered":"Risiken und Nebenwirkungen. Von Arno Luik."},"content":{"rendered":"<p>Das Virus Corona h&auml;lt die Welt im Griff? Nein. Die Antwort auf das Virus h&auml;lt die Welt im Griff. Muss das so sein? Schon diese Frage macht einen verd&auml;chtig. Was politisch entschieden wird, muss so sein. Eine Widerrede.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6185\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-60207-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200414-Arno-Luik-Corona-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200414-Arno-Luik-Corona-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200414-Arno-Luik-Corona-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200414-Arno-Luik-Corona-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=60207-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200414-Arno-Luik-Corona-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200414-Arno-Luik-Corona-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eine kleine, pers&ouml;nliche Geschichte: Meine&nbsp;Schwester ist schwer krank. Sie muss nun umziehen in betreutes Wohnen. Ihre Kinder helfen ihr beim Umzug. Ein paar Enkelkinder sind dabei (wo sollen sie auch hin?), tollen herum, helfen ein bisschen beim Packen, da kommen&nbsp;Nachbarn (die meine Schwester seit Jahrzehnten kennen) und sagen: &bdquo;Das geht nicht, dass diese Kinder hier rumspringen. Das verst&ouml;&szlig;t gegen die Auflagen. Sorgen Sie daf&uuml;r, dass die sofort weggehen. Oder wir holen die Polizei.&ldquo;<\/p><p>Deutschland, im Fr&uuml;hjahr 2020.<\/p><p>Neulich musste ich von der Schw&auml;bischen Alb nach Hamburg. Ich war am Samstag auf der Autobahn &ndash; eine Fahrt, wie man sie auf deutschen Stra&szlig;en seit den 60er Jahren nicht erlebt hat. Totale Einsamkeit. Irgendwo, nach Stunden einsamer Fahrt &uuml;berhole ich ein Auto. Hinterm Steuer, ganz allein im Wagen, ein Mann mit einer Atemmaske.<\/p><p>Deutschland, im Fr&uuml;hjahr 2020.<\/p><p>Jeden Morgen mache ich mit dem Rad eine kleine Tour, um die Zeitungen zu holen. Mein Weg, er ist gut drei Meter breit, f&uuml;hrt an einem kleinen Fl&uuml;sschen, der Brenz, entlang. Eine Frau kommt mir zu Fu&szlig; entgegen. Als sie mich sieht, springt sie panisch zur Seite &ndash; und fast ins Wasser.  Lieber ertrinken, als einem Radfahrer begegnen, der innerhalb von Sekunden in gro&szlig;em Abstand an ihr vorbeif&auml;hrt.<\/p><p>Deutschland, im Fr&uuml;hjahr 2020.<\/p><p>Seit gut drei Wochen ist das Land im Ausnahmezustand, nein, so hei&szlig;t das nicht, es ist im Corona-Krisenmodus. Und da der Staat seine B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen sch&uuml;tzen will und auch sch&uuml;tzen muss, hat er, sagen wir es freundlich: Ma&szlig;nahmen ergriffen. Sagen wir es unfreundlicher, aber zutreffender: Er hat Grundrechte abger&auml;umt, so radikal, so fundamental wie es wohl niemand vor f&uuml;nf, sechs Wochen f&uuml;r m&ouml;glich gehalten h&auml;tte. Vor einem Jahr wurde das 70. Jubil&auml;um des Grundgesetzes gefeiert. H&auml;tte damals jemand jene Missachtung dieses Grundgesetzes, wie sie nun im Eiltempo exekutiert wurde, vorausgesagt, man h&auml;tte ihn als Idioten verh&ouml;hnt.<\/p><p>Nun ist die GG-Besch&auml;digung da.<\/p><p>Unverletzlichkeit der Wohnung?  Vergessen Sie es &ndash; die Polizei darf kontrollieren, mit wie vielen Freunden oder Verwandten (sind es Verwandte ersten Grades?) Sie gerade Ihren Geburtstag in Ihrer Wohnung feiern. Versammlungsfreiheit? Demonstrationsrecht? Vergessen Sie es. Reisefreiheit? Vorbei. <\/p><p>Das muss alles so sein, hei&szlig;t es, genauso muss es sein. Denn: Es geht um Leben und Tod, nicht weniger. So h&ouml;rt und sieht man es auf allen Kan&auml;len und Sendern, so liest man es allenthalben in allen Zeitungen, rund um die Uhr geht das so, so wird es den B&uuml;rgern und B&uuml;rgerinnen eingebl&auml;ut, t&auml;glich, st&uuml;ndlich. Das Ergebnis dieser Gro&szlig;offensive: Angst. Verunsicherung. B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen, die fast alles mit sich machen lassen. Die nicht aufschreien, wenn der baden-w&uuml;rttembergische Innenminister Thomas Strobl sie auffordert, ihre Mitb&uuml;rger und Mitb&uuml;rgerinnen genauer zu kontrollieren, ob sie sich auch tats&auml;chlich an die aufgestellten Regeln halten. Schw&auml;bische Kehrwoche, deutscher Blockwart, ostdeutscher Abschnittsbevollm&auml;chtigter und Corona &ndash; Unheilvolles sp&uuml;lt da nach oben. Staatlich gef&ouml;rdertes Denunziantentum.<\/p><p>Und &uuml;ber allem das t&auml;gliche Ritual: Mit Grabesstimme verliest der Chef des Robert Koch-Instituts die Zahlen, die einen den nahen Tod bef&uuml;rchten lassen. Grauen und Grausen wird in Ruhe produziert. <\/p><p>Aber geht es tats&auml;chlich um Leben und Tod? Wenn es darum ginge, darauf hat der Jurist Oliver Lepsius, Professor f&uuml;r Verfassungstheorie, hingewiesen, &bdquo;m&uuml;ssten zun&auml;chst alle Kraftfahrzeuge verboten werden&ldquo;. Das werden sie aber nicht. Nat&uuml;rlich nicht, ganz im Gegenteil, der Staat f&ouml;rdert, subventioniert und unterst&uuml;tzt mit allen Mitteln diese Industrie jenes massenmordenden Vehikels, verhindert in so brutaler wie irrationaler Konsequenz rationale Ma&szlig;nahmen, die t&auml;glich Leben retten k&ouml;nnten. Und wenn es ein Tempolimit w&auml;re. <\/p><p>Wenn es um Leben oder Tod ginge, wenn die Ma&szlig;nahmen, die nun zum Guten der B&uuml;rger oktroyiert worden sind, auf Krankenh&auml;user angewandt werden w&uuml;rden, m&uuml;ssten diese sofort schlie&szlig;en: Jahr f&uuml;r Jahr sterben dort 30 000 Menschen an Viren, Keimen, Dreck.  <\/p><p>Wenn es um Leben oder Tod ginge, w&uuml;rden die Regierungen sofort etwas gegen den schleichend-t&ouml;tenden Feinstaub unternehmen. Wegen der Luftverschmutzung sterben in Europa j&auml;hrlich 400 000 Menschen, in China &uuml;ber eine Million. Das wird nicht nur hingenommen, sondern die Feinstaubproduktion wird angeheizt: durch Beton, Autos, die Gier nach noch mehr Produktion.<\/p><p>Nicht um Leben und Tod geht es bei der Corona-Krise.  Es geht ganz konkret darum, dass das kaputtgesparte Gesundheitssystem jetzt nicht &uuml;berfordert wird. Es r&auml;cht sich nun bitterlich, dass im neoliberalen Privatisierungswahn (der wie ein unbez&auml;hmbares Virus weltweit w&uuml;tete und noch immer w&uuml;tet) kommunale oder staatliche F&uuml;rsorgeeinrichtungen an Privatkonzerne verscherbelt worden sind, Reserven, die man nun so dringend br&auml;uchte, entsorgt wurden, so dass die Kliniken zu Profitzentren wurden, oft zum Nutzen von global agierenden Heuschrecken &ndash; zu Lasten von fast allen B&uuml;rgern.<\/p><p>Vorhin br&uuml;llte mich die irr-triumphale Schlagzeile an: &bdquo;Jetzt kommen die Atemmasken!&ldquo; Hat nicht die Welt-Gesundheitsbeh&ouml;rde vor ein paar Tagen noch gewarnt, dass diese Mundschutzmasken (nicht nur die selbst produzierten) wenig bis gar nichts bringen, dass sie falsche Sicherheit vorgaukeln, dass sie eventuell sogar gef&auml;hrlich seien? Egal. <\/p><p>Vernunft, Nachdenken? Daf&uuml;r ist im Angesicht der lebensbedrohlichen Gefahr (Guck nach Italien! Guck nach New York!! Willst Du, dass es so bei uns auch zugeht?) keine Zeit.<\/p><p>Ich mache gerade eine interessante Erfahrung: Schicke ich Mails herum, die das Gef&auml;hrliche betonen, hysterisch sind, bekomme ich sofort Antworten mit dem Tenor: Ja, so ist es, es ist gut, was die Regierung macht. Vielleicht ist es sogar gut, was gerade mit uns passiert: Wir m&uuml;ssen wieder Demut lernen! Die Krise, so klingt da durch, eine irgendwie gerechte Strafe Gottes f&uuml;r die hoff&auml;rtigen Menschen.<\/p><p>Schicke ich Mails herum, die nicht hysterisch, eher nachdenklicher Natur sind, die also &bdquo;die Ma&szlig;nahmen&ldquo; der Regierungen in Frage stellen, nach Alternativen suchen &ndash; bekomme ich keine Antworten. Oder falls doch, sind es h&auml;ufig Beleidigungen: Ein rationaler Diskurs &uuml;ber das, was uns fast den Atem raubend gefangen h&auml;lt, findet nicht statt. Ist nicht erw&uuml;nscht. Kommt man auf Schweden zu sprechen, das einen anderen, einen viel demokratischeren Weg der Krisenbew&auml;ltigung gew&auml;hlt hat, wird man angeblafft. Guck nach Italien, du Idiot! Dass Schweden nun wom&ouml;glich auch etwas rigider agieren wird, indem es die M&ouml;glichkeit zu Versch&auml;rfungen &ndash; in einem demokratischen Prozess &ndash; diskutiert, das erfreut viele. Gar nicht gern h&ouml;ren aber will man, dass Corona gerade dort sehr viele Opfer fordert, wo die Luftverschmutzung, die Belastung mit Feinstaub extrem hoch ist: etwa in Wuhan. In der Lombardei. In New York. Eine aktuelle Studie aus den USA unterstreicht diese t&ouml;dlich-enge Korrelation von Feinstaubbelastung und an Corona Verstorbenen.<\/p><p>Es ist grotesk: Es sind gerade wunderbare Sonnentage. Aber &uuml;ber allem liegt D&uuml;sternis.<\/p><p>W&auml;hrend ich das hinschreibe, schickt mir eine &Auml;rztin eine Mail, dass in einem Altenheim eine 90-j&auml;hrige Frau Essen und Trinken verweigert, weil ihr Sohn, der sie t&auml;glich besuchte und mit ihr sprach, sie ber&uuml;hrte, nicht mehr ins Altenheim darf. Sie denkt nun, er lebt nicht mehr, sie ist verwirrt, glaubt, seine Telefonanrufe bei ihr seien gef&auml;lscht. Sie versteht auch nicht, weshalb die Pfleger nun maskiert sind, so bedrohlich aussehen. Mit ihrer lebensnehmenden Angst ist sie allein, ganz allein.<\/p><p>Was sind denn das blo&szlig; f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die die Schw&auml;chsten in die totale Isolation zwingen? <\/p><p>Es geschieht im Augenblick eine unverzeihliche Entm&uuml;ndigung von Erwachsenen.  Man wird behandelt wie ein Kleinkind. Warum d&uuml;rfen Oma oder Opa nicht selbst dar&uuml;ber entscheiden, ob sie in ihrem Haus oder ihrer Wohnung ihre Enkelkinder sehen wollen? Vielleicht ein letztes Mal?  Was empfinden Erwachsene, die ein langes Leben hinter sich haben, wenn mit ihnen so umgesprungen wird? Letztlich ihrer W&uuml;rde beraubt werden?<\/p><p>Gerade erreicht mich die Mail eines Bekannten: &bdquo;Mein Sohn wurde am Montag 4 Jahre, und sein Cousin und sein Onkel haben ihn besucht. Es kam mir vor wie ein konspiratives Treffen von Terroristen, nur weil sechs Personen in einem Raum waren, die normalerweise auf drei Haushalte verteilt wohnen. Ich hatte das Gef&uuml;hl, dass eventuell Nachbarn uns verpfeifen k&ouml;nnten.&ldquo;<\/p><p>Keine Frage: Dieses Virus ist gef&auml;hrlich. Ich will &uuml;berhaupt nichts besch&ouml;nigen. Ich kenne diese Bilder aus Spanien, Italien, New York. Sie tun weh, viel mehr als das. Aber, nur mal so nebenbei gefragt, haben die Bilder der ertrinkenden Fl&uuml;chtlinge im Mittelmeer, die Bilder der in den Fl&uuml;chtlingslagern Darbenden die Regierenden und Regierten &auml;hnlich aufgew&uuml;hlt?<\/p><p>Dieses Virus, nochmals, ist gef&auml;hrlich. Aber ist es so gef&auml;hrlich, dass die Grundwerte der Gesellschaft in die Tonne getreten werden m&uuml;ssen? Dass weltweit in nahezu allen Staaten nach der Devise gehandelt wird, die ein US-Offizier im Vietnamkrieg so ausdr&uuml;ckte: &bdquo;Wir mussten das Dorf zerst&ouml;ren, um es zu retten&ldquo;.<\/p><p>Sie verordnen eine Medizin, aber &uuml;ber die Risiken und Nebenwirkungen haben sie sich offenbar keine gro&szlig;en Gedanken gemacht.<\/p><p>Sie sagen nur, das muss so sein &ndash; zu &bdquo;unserem Schutz&ldquo;. <\/p><p>Und die regierenden Politiker berufen sich dabei auf &bdquo;Experten&ldquo;. Allerdings werden jene Experten, die abweichende Meinungen haben, einfach ignoriert, oft verspottet, h&auml;ufig auch medial.<\/p><p>Vor ein paar Wochen hie&szlig; es, so wie China agiert, das gehe in demokratischen Staaten nicht, gehe gar nicht.  Aber nur ein paar Tage sp&auml;ter ist das autorit&auml;re Modell des faschistoiden China Vorbild f&uuml;r nahezu alle demokratischen Staaten.<\/p><p>Und der schlaue Sch&auml;uble, der so harmlos wirkt, aber unmenschlich agieren kann (Stichwort: Zertr&uuml;mmerung des Asylrechts. Stichwort: Griechenland!), entwirft als Bundestagspr&auml;sident, also als oberster Sch&uuml;tzer des Grundgesetzes und des Parlaments, sehr unangenehme, den Bundestag und damit die Demokratie letztlich zerst&ouml;rende Szenarien: Seine Gedankenspiele in Sachen Notparlament sind gar nicht so weit weg von Victor Orbans diktatorischem Agieren in Ungarn. Auf jeden Fall sickert so autorit&auml;r-totalit&auml;res Denken in das Staats- und Rechtssystem ein. Ein Virus, auf die Dauer gef&auml;hrlicher als das Corona-Virus.<\/p><p>Es ist alles nicht lustig. <\/p><p>Die Opferzahlen rechtfertigen nicht, was derzeit geschieht. W&auml;hrend ich das schreibe, sind weltweit seit dem Ausbruch der Pandemie, im Dezember 2019, 119.686 Menschen an Corona gestorben. Ob sie wegen oder mit Corona gestorben sind, das geht aus diesen Zahlen nicht hervor.  Aber genau dar&uuml;ber muss man reden, um Angst und Hysterie zu begegnen. Nach Angaben des italienischen Nationalen Gesundheitsinstituts ISS lag Anfang April das Durchschnittsalter der positiv-getesteten Verstorbenen bei circa 81 Jahren. Zehn Prozent der Verstorbenen waren &uuml;ber 90 Jahre alt. Die meisten der Verstorbenen, 80 Prozent, hatten mehrere chronische Vorerkrankungen. Bei weniger als einem Prozent handelte es sich um vorher gesunde Personen, nur 30 Prozent der Verstorbenen sind Frauen.<\/p><p>Aber, so wird mir jetzt entgegengehalten: 119.686 Tote &ndash; das ist doch schrecklich! Ja, das ist schrecklich. <\/p><p>Aber, Moment mal, t&auml;glich sterben &uuml;ber 150 000 Menschen. Alle f&uuml;nf Sekunden &ndash; und das ist im Grunde Mord &ndash; stirbt ein Kind an Hunger. &Auml;ndern wegen dieser vermeidbaren Trag&ouml;die die Regierenden und die Konzerne ihr Handeln, ihre Wirtschaftspolitik? Gibt es wegen dieser vermeidbaren Trag&ouml;die jeden Abend einen ARD-Brennpunkt, Sondersendungen im ZDF?<\/p><p>Seit ein paar Monaten steht Deutschland, ja, fast die ganze Welt still. <\/p><p>Es macht mich fassungslos. Was passiert hier? Was momentan global abl&auml;uft, sprengt die Vorstellungskraft &ndash;&shy; auch deswegen, weil das Heiligste des Kapitalismus so gef&auml;hrdet scheint: Profit.<\/p><p>Etwas naiv formuliert, k&ouml;nnte man sagen: Wir sind gerade historische Zeitzeugen eines weltweit einmaligen Experiments. Wer sind die Gewinner? Die Verlierer? Cui Bono?<\/p><p>Manche glauben ja, dass aus dem Schock etwas Gutes entstehen wird. Vielleicht, was so dringend n&ouml;tig w&auml;re: Staaten, die sich wirklich um ihre B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen k&uuml;mmern, Staaten mit mehr Demokratie, mehr Gerechtigkeit, weniger Umweltzerst&ouml;rung, viel weniger Profitdenken im Gesundheitswesen. <\/p><p>Ein naiver Glaube. <\/p><p>Ein &uuml;beraus einflussreicher B&uuml;rger, ein in vielen Staaten als Kriegsverbrecher gesuchter Mann, der fast sein Leben lang mit brutaler Waffengewalt diktatorische Regimes unterst&uuml;tzte, der Geo-Stratege und ehemalige US-Au&szlig;enminister Henry Kissinger, schreibt in der so wichtigen und auflagenst&auml;rksten Zeitung der USA, dem  &bdquo;Wall Street Journal&ldquo;,  dass &bdquo;die Coronavirus-Pandemie die Weltordnung f&uuml;r immer &auml;ndern  wird&ldquo;. Die USA, so Kissinger, m&uuml;ssten ihre B&uuml;rger &bdquo;besch&uuml;tzen&ldquo; und gleichzeitig &bdquo;eine neue Epoche planen&ldquo;. Das l&auml;sst nichts Gutes ahnen.<\/p><p>Die neue Epoche. Ein wichtiges Stichwort f&uuml;r sie: Tracking-Apps. Ein Milliardenmarkt nicht nur f&uuml;r Gesch&auml;fte aller Art. Das perfekte &Uuml;berwachungsinstrument f&uuml;r Regierungen, Arbeitgeber. Es gibt nun in diesen Krisentagen, da bin ich mir sicher,  sicherlich einige Akteure, die sich in ihren Konzernzentralen oder Geheimdienstbunkern gerade schlapplachen: Weil nun so viele Menschen so voller Angst sind, dass sie &bdquo;freiwillig&ldquo; nach Tracking-Apps rufen. Auch wenn diese Tracking-Apps wom&ouml;glich jeden B&uuml;rger und jede B&uuml;rgerin komplett durchsichtig machen, verfolg- und kontrollierbar bis in die kleinste emotionale Regung, rund um die Uhr, ohne Unterbrechung. Orwell reibt sich die Augen.<\/p><p>In Superm&auml;rkten werden wir &bdquo;zu unserem Schutz&ldquo; nun immer h&auml;ufiger gebeten, bargeldlos zu bezahlen. Das Bargeld muss weg. Es ist dreckig, es &uuml;bertr&auml;gt Viren. Es ist altmodisch, passt nicht in diese neue Epoche, denn: Es hinterl&auml;sst keine Spuren.<\/p><p>Ich ben&uuml;tze so gut wie nie das Wort &bdquo;Wir&ldquo;. Im &bdquo;Wir&ldquo; schwingt immer das Totalit&auml;re mit. <\/p><p>Aber nun ben&uuml;tze ich dieses Wort: Wir sollen durchsichtig werden. Wir sollen zwangsdiszipliniert werden. Orwell staunt.<\/p><p><em><strong>Nachbemerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Der Text des Journalisten und Bestsellerautors Arno Luik war urspr&uuml;nglich von &bdquo;Kontext&ldquo;, dem Online-Magazin aus Stuttgart, bestellt worden. Gegr&uuml;ndet wurde Kontext 2011, &bdquo;als bewusste Antwort auf diese Medienw&uuml;ste&ldquo; und &bdquo;um eins zu betreiben: kritischen Journalismus&ldquo;. Nach stundenlangen Diskussionen, nach zweimaligen Abstimmungen votierte die Mehrheit der Kontext-Redaktion gegen Luiks kritischen Journalismus. Schade, so etwas muss man doch aushalten, nicht nur das. Wir haben kritische Texte dringend n&ouml;tig, die J&uuml;ngeren unter uns &uuml;brigens ganz besonders.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Virus Corona h&auml;lt die Welt im Griff? Nein. Die Antwort auf das Virus h&auml;lt die Welt im Griff. Muss das so sein? Schon diese Frage macht einen verd&auml;chtig. Was politisch entschieden wird, muss so sein. 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