{"id":60239,"date":"2020-04-16T08:53:47","date_gmt":"2020-04-16T06:53:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60239"},"modified":"2020-04-16T17:05:00","modified_gmt":"2020-04-16T15:05:00","slug":"blackrock-als-regelgeber-fuer-banken-wie-kam-die-eu-auf-diese-schnapsidee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60239","title":{"rendered":"BlackRock als Regelgeber f\u00fcr Banken? Wie kam die EU auf diese Schnapsidee?"},"content":{"rendered":"<p>Die EU m&ouml;chte ihre Bankenaufsicht mit einem Regelwerk erg&auml;nzen, das auch die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance, was sich im Deutschen am ehesten mit Verantwortung &uuml;bersetzen l&auml;sst, enth&auml;lt. Das klingt l&ouml;blich. Wenn man jedoch ausgerechnet den Finanzkonzern BlackRock <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/business\/2020\/apr\/12\/blackrock-eu-environmental-rules-for-banks\">mit einer Studie beauftragt<\/a>, die die Grundlagen f&uuml;r die Implementierung dieser Faktoren in die Bankenaufsicht erarbeiten soll, wird aus der l&ouml;blichen Idee eine Farce. Denn BlackRock ist auf den Gebieten Umwelt, Soziales und Governance ein schillerndes Beispiel daf&uuml;r, wie man es nicht machen sollte. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5063\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-60239-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200416_Black_Rock_als_Regelgeber_fuer_Banken_Eine_Schnapsidee_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200416_Black_Rock_als_Regelgeber_fuer_Banken_Eine_Schnapsidee_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200416_Black_Rock_als_Regelgeber_fuer_Banken_Eine_Schnapsidee_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200416_Black_Rock_als_Regelgeber_fuer_Banken_Eine_Schnapsidee_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=60239-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200416_Black_Rock_als_Regelgeber_fuer_Banken_Eine_Schnapsidee_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200416_Black_Rock_als_Regelgeber_fuer_Banken_Eine_Schnapsidee_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Weiterf&uuml;hrende Informationen zu BlackRock und Co. finden Sie in meinem neuen Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Wer-schuetzt-die-Welt-vor-den-Finanzkonzernen.html\">Wer sch&uuml;tzt die Welt vor den Finanzkonzernen<\/a>&ldquo;, das im Westend Verlag erschienen ist und in den Buchhandlungen oder online bestellt werden kann. Im Buch werden die Hintergr&uuml;nde und Entwicklungen, die zur unglaublichen Verm&ouml;genskonzentration und Macht der Finanzgiganten gef&uuml;hrt haben, analysiert, die Gefahren aufgezeigt und die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r ein politisches Umdenken skizziert.<\/em><\/p><p><strong>BlackRock und die Umwelt<\/strong><\/p><p>Zusammen mit seinen Konkurrenten Vanguard und State Street hat BlackRock mehr als 300 Milliarden US-Dollar in Unternehmen investiert, die zu den gr&ouml;&szlig;ten Kohlendioxid-Emittenten der Welt geh&ouml;ren. Der Aussto&szlig; dieser Unternehmen ist seit Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens von 10.593 Gigatonnen CO2 auf 14.282 Gigatonnen CO2 gestiegen &ndash; dies entspricht rund 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen im Jahr 2018. Allein der australische Minenbaukonzern BHP Group (ehemals BHP Billington) steht f&uuml;r 0,52 Prozent der globalen CO2-Emissionen . Am 17. Oktober 2019 hat eine Gruppe von Aktion&auml;ren eine Resolution eingereicht, die BHP die Mitgliedschaft in Lobbyverb&auml;nden untersagen sollte, die gegen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens arbeiten. Bei der Hauptversammlung von BHP stimmten 22 Prozent der Aktion&auml;re f&uuml;r diese Resolution, sieben Prozent enthielten sich. Der Rest stimmte dagegen. Darunter auch BlackRock. <\/p><p>Auch beim &Ouml;lkonzern Royal Dutch Shell stellte sich BlackRock gegen die Implementierung umweltpolitischer Ma&szlig;nahmen. Auf einer bemerkenswerten Hauptversammlung hatte im Dezember 2018 eine Aktion&auml;rsgruppe namens Climate Change 100+ den britisch-niederl&auml;ndischen &Ouml;lmulti zu gleich mehreren Zugest&auml;ndnissen in Sachen Klimapolitik gezwungen. Shell verpflichtete sich, Ziele f&uuml;r seine Kohlendioxid-Emission zu definieren, legt seine Lobby- und Verbandsaktivit&auml;ten in Sachen Klimaschutz offen und wird &ndash; auch das ist bemerkenswert &ndash; die Vorstandsgeh&auml;lter k&uuml;nftig an den Emissionseinsparungen orientieren. Der Erfolg erkl&auml;rt sich, wenn man sich anschaut, wer Climate Action 100+ ist. Was sich anh&ouml;rt wie ein kleiner Verband kritischer Aktion&auml;re, ist ein B&uuml;ndnis aus Finanzkonzernen, die zusammen 35 Billionen US-Dollar verwalten &ndash; darunter die Allianz, Axa, der Pensionsfonds CalPERS, die deutsche DWS, die italienische Generali, die niederl&auml;ndische Rabobank und die Schweizer UBS. Wer fehlt, sind die drei ganz Gro&szlig;en &ndash; BlackRock, Vanguard und State Street. Der Finanzdienst Portfolio Adviser kommentierte den Widerstand treffend mit dem Satz : &bdquo;BlackRock und Vanguard hintergehen ihre Rivalen beim Kampf gegen den Klimawandel&ldquo;. Und dies ist beileibe kein Einzelfall.<\/p><p>Die Harvard Business School ver&ouml;ffentlichte im Oktober 2019 eine Studie zum Stimmverhalten von BlackRock und Vanguard bei Abstimmungen, die im Zusammenhang mit der Unternehmenspolitik zum Klimawandel stehen. Das Ergebnis ist erschreckend. BlackRock und Vanguard z&auml;hlen nicht nur zu den Finanzkonzernen, die am seltensten bei Abstimmungen im Sinne des Klimaschutzes gestimmt haben, sondern haben in mindestens 16 F&auml;llen sogar aktiv verhindert, dass auf den Hauptversammlungen dementsprechende Resolutionen angenommen wurden.<\/p><p>Ob die Sch&uuml;tzenhilfe f&uuml;r die Klimas&uuml;nder daher kommt, dass von den 18 Vorst&auml;nden von BlackRock sechs zuvor bei einem Unternehmen aus dem &Ouml;l- oder Gassektor besch&auml;ftigt waren? Wie dem auch sei. BlackRock hat  eine rabenschwarze Akte in Sachen Umwelt- und Klimapolitik und ist daher denkbar ungeeignet, ein Regelwerk zu erarbeiten, das den Finanzsektor dazu zwingen soll, den Faktor &bdquo;Umwelt&ldquo; in sein unternehmerisches Konzept mit einzubeziehen. <\/p><p><strong>Soziales und Governance<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlich verheerend sieht BlackRocks Bilanz bei den Faktoren Soziales und Governance aus. So ist BlackRock beispielsweise einer der gr&ouml;&szlig;ten Anteilseigner des Schweizer Rohstoffmultis Glencore, der wie kein anderer Konzern der Welt f&uuml;r die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents verantwortlich ist. Aber auch in den Industriel&auml;ndern des globalen Nordens macht sich BlackRock nicht als Vertreter demokratischer, sozialer oder verantwortungsvoller Unternehmenspolitik einen Namen. BlackRock unterst&uuml;tzt globale Multis wie Amazon, Disney, Google, McDonalds, Apple, Facebook und Starbucks dabei, sich weltweit vor ihrer Steuerpflicht zu dr&uuml;cken. Als gr&ouml;&szlig;ter Anteilseigner und damit ma&szlig;geblicher Mitbesitzer dieser Konzerne k&ouml;nnte BlackRock dieses asoziale Treiben von heute auf morgen unterbinden &hellip; aber daran denkt BlackRock noch nicht einmal.<\/p><p>BlackRock ist ein abschreckendes Beispiel f&uuml;r all jene, die sich jemals mit dem Begriff &bdquo;Governance&ldquo; besch&auml;ftigt haben. Der Konzern ist ma&szlig;geblich an mehr als 15.000 gro&szlig;en Unternehmen beteiligt. F&uuml;r die F&uuml;hrung dieser 15.000 Konzerne ist bei BlackRock eine Stewardship-Abteilung zust&auml;ndig, die ganze 45 Mitarbeiter umfasst. Diese Mitarbeiter hatten im Gesch&auml;ftsjahr 2018 jedoch nur Kontakt zu 1.458 Unternehmen aus dem gro&szlig;en BlackRock-Reich. Neun von zehn Unternehmen, an denen BlackRock ma&szlig;geblich beteiligt ist, werden also &uuml;berhaupt nicht kontrolliert und bei dem &bdquo;kontrollierten&ldquo; Zehntel kommt ein BlackRock-Mitarbeiter auf 32 Unternehmen; und das sind wohlgemerkt keine kleinen Mittelst&auml;ndler, sondern ausnahmslos global agierende Multis, deren Beteiligungen h&auml;ufiger ganze Aktenordner umfassen. <\/p><p>Dennoch hat BlackRock im Gesch&auml;ftsjahr 2018 an 16.124 Hauptversammlungen teilgenommen und dabei in 155.131 einzelnen Abstimmungspunkten seine Stimme abgegeben &ndash; und ist dabei &uuml;brigens in 92% aller F&auml;lle der Empfehlung des jeweiligen Unternehmensvorstands gefolgt. <\/p><p>Ein Finanzkonzern, der seine Pflichten als Mitbesitzer von tausenden Unternehmen nicht wahrnimmt, soll nun also ein Regelwerk f&uuml;r Governance konzipieren? Ein Gigant, f&uuml;r den soziale Faktoren bei der Verwaltung seiner Beteiligungen schlichtweg inexistent sind, soll anderen Konzernen Regeln f&uuml;r eine soziale Unternehmenspolitik empfehlen? <\/p><p>Was die EU-Kommission zu dieser schr&auml;gen Ausschreibung getrieben hat, ist und bleibt r&auml;tselhaft; au&szlig;er man unterstellt, dass es sich bei den geplanten ESG-Regeln um eine reine Alibi-Ma&szlig;nahme handelt und man so sichergehen kann, dass in diesen Regeln garantiert keine Punkte enthalten sein werden, die den Banken wehtun. Und genau so wird es wohl auch sein. Wer den Wolf mit einem Schutzkonzept f&uuml;r die Schafherde beauftragt, ist sicher nicht eben am leiblichen Wohl der Schafe interessiert. Und da wundere sich jemand, dass die EU bei den B&uuml;rgern einen derart schlechten Ruf genie&szlig;t. <\/p><p>Titelbild: Heerapix\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/c8ad880bc3ca4228b7cc0ed478411670\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU m&ouml;chte ihre Bankenaufsicht mit einem Regelwerk erg&auml;nzen, das auch die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance, was sich im Deutschen am ehesten mit Verantwortung &uuml;bersetzen l&auml;sst, enth&auml;lt. Das klingt l&ouml;blich. 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