{"id":60366,"date":"2020-04-21T13:10:40","date_gmt":"2020-04-21T11:10:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60366"},"modified":"2020-05-08T08:46:49","modified_gmt":"2020-05-08T06:46:49","slug":"es-ist-nicht-noetig-dem-volk-den-sommerurlaub-zu-verbieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60366","title":{"rendered":"Es ist nicht n\u00f6tig, dem Volk den Sommerurlaub zu verbieten."},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r Spitzenpolitiker wie Heiko Maas, Markus S&ouml;der oder Ursula von der Leyen ist die Sache klar &ndash; wenn kein Wunder geschehen sollte, k&ouml;nnen wir uns den gewohnten Sommerurlaub in diesem Jahr wohl abschminken. Diese Einsch&auml;tzung ist gleich auf mehreren Ebenen unverst&auml;ndlich. Warum sollte es f&uuml;r einen Berliner aus epidemiologischer Sicht gef&auml;hrlich sein, im Sommer zwei Wochen in einem Ferienhaus in der schwedischen Wildnis zu verbringen? Hinzu kommt der zu erwartende volkswirtschaftliche Schaden. In L&auml;ndern wie Kroatien, &Ouml;sterreich oder Griechenland, die in Sachen Covid-19 sicherlich nicht gef&auml;hrlicher als Deutschland sind, h&auml;ngen ganze Regionen wirtschaftlich am Tourismus. Der Schaden, den Maas, S&ouml;der und von der Leyen mit derlei Pauschalisierungen ausl&ouml;sen, wird gewaltig sein. Zeit, Luft zu holen und zu differenzieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4043\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-60366-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200421_Es_ist_nicht_noetig_dem_Volk_den_Sommerurlaub_zu_verbieten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200421_Es_ist_nicht_noetig_dem_Volk_den_Sommerurlaub_zu_verbieten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200421_Es_ist_nicht_noetig_dem_Volk_den_Sommerurlaub_zu_verbieten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200421_Es_ist_nicht_noetig_dem_Volk_den_Sommerurlaub_zu_verbieten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=60366-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200421_Es_ist_nicht_noetig_dem_Volk_den_Sommerurlaub_zu_verbieten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200421_Es_ist_nicht_noetig_dem_Volk_den_Sommerurlaub_zu_verbieten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der bayerische Ministerpr&auml;sident und gef&uuml;hlte deutsche Schattenkanzler Markus S&ouml;der hat ein seltsames Verst&auml;ndnis von Urlaub: Da &bdquo;der Apr&egrave;s-Ski in Ischgl, das Starkbierfest im Landkreis Tirschenreuth oder der Karneval in Heinsberg Plattformen f&uuml;r die Verbreitung (des neuen Coronavirus) waren&ldquo;, sei eine &Ouml;ffnung der Grenzen f&uuml;r den Tourismus &bdquo;derzeit nicht verantwortbar&ldquo;. Es mag Herrn S&ouml;der ja verg&ouml;nnt sein, seinen Urlaub bei derlei feuchtfr&ouml;hlichen Massenveranstaltungen zu verbringen &ndash; Millionen Deutsche ticken da zum Gl&uuml;ck anders. Und was hat bittesch&ouml;n der Karneval im Rheinland damit zu tun, dass es im Sommer nicht m&ouml;glich sein soll, in der Hohen Tatra zu wandern, in den slowenischen Alpen Mountainbike zu fahren, mit dem Hund am d&auml;nischen Nordseestrand spazieren zu gehen oder die Seele auf den kroatischen Adriainseln baumeln zu lassen?<\/p><p>Was vor Ort im Urlaub erlaubt oder nicht erlaubt ist, ist nicht Sache des bayerischen Ministerpr&auml;sidenten, sondern liegt in der Zust&auml;ndigkeit der lokalen Beh&ouml;rden vor Ort. Es ist ja nicht so, dass beispielsweise die spanische Regierung in Corona-Zeiten Massenbes&auml;ufnisse ausl&auml;ndischer Touristen in den Am&uuml;sierst&auml;tten am Ballermann erlauben w&uuml;rde. Und es besteht auch nicht unbedingt der Anfangsverdacht, dass beispielsweise die d&auml;nischen Beh&ouml;rden Schutzvorkehrungen wie Abstandsregelungen weniger professionell umsetzen und deren Einhaltung nicht so zuverl&auml;ssig kontrollieren wie ihre Kollegen in Sachsen oder dem Saarland. Wenn ein Staat wie Kroatien sich auf transparenter Basis entscheidet, seine Hotels und Gastst&auml;tten unter strengen Auflagen im Juni wieder zu er&ouml;ffnen, dann ist es nicht an Markus S&ouml;der oder einem anderen deutschen Provinzf&uuml;rsten, dies in Frage zu stellen und deutschen Staatsangeh&ouml;rigen den Urlaub in diesen L&auml;ndern zu untersagen. Kroatien hat zur Zeit rund 1.000 aktive Covid-19-F&auml;lle und musste 47 Todesopfer vermelden. Das ist in etwa so viel wie der Landkreis Freising. D&auml;nemark hat in etwa so viele Covid-19-F&auml;lle wie die Stadt M&uuml;nchen und Griechenland kann es diesbez&uuml;glich mit dem Landkreis Tirschenreuth aufnehmen. Es w&auml;re daher sch&ouml;n, wenn S&ouml;der und Co. sich erst einmal um ihren Einflussbereich k&uuml;mmern.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund wirkt auch eine weitere Aussage S&ouml;ders bemerkenswert. Da der Urlaub im Ausland in diesem Jahr ja &bdquo;unwahrscheinlich&ldquo; sei, d&uuml;rfte &ndash; so S&ouml;der &ndash; die einheimische Gastronomie- und Hotelbranche mit einem &bdquo;Run&ldquo; rechnen. Da stellt sich nat&uuml;rlich die Frage, auf welcher Basis Markus S&ouml;der den Deutschen den Urlaub im bayerischen Landkreis Traunstein (942 offizielle Covid-19-F&auml;lle) erlauben, aber den Urlaub im wenige Kilometer s&uuml;dlich liegenden &ouml;sterreichischen Landkreis Kitzb&uuml;hel (355 offizielle Covid-19-F&auml;lle) untersagen will. Mit dem angeblichen Gesundheitsschutz kann dieses Verbot ja offensichtlich nichts zu tun haben.<\/p><p>Was hier mit den Vorwand des Gesundheitsschutzes ausgekl&uuml;ngelt wird, scheint vielmehr eine besondere Form des &bdquo;Gastro-Nationalismus&ldquo; zu sein. Wenn alle Welt von der Buchung des Sommerurlaubs am Wolfgangsee abr&auml;t, bucht man seinen Urlaub halt am Chiemsee. Wenn ungewiss ist, ob man seinen Urlaub an der d&auml;nischen Nordsee verbringen kann, geht es in diesem Jahr halt an die deutsche Nordsee. Das ist sicherlich sch&ouml;n f&uuml;r die deutschen Hoteliers und Gastwirte, die zur Zeit schon genug Einbu&szlig;en hinnehmen m&uuml;ssen, aber auch h&ouml;chst unfair gegen&uuml;ber den Tourismusregionen anderer L&auml;nder. <\/p><p>Expertensch&auml;tzungen zufolge w&uuml;rden zwei Drittel aller &ouml;sterreichischen Beherbergungsbetriebe das Ausbleiben der deutschen Touristen nicht verkraften. In strukturschw&auml;cheren L&auml;ndern wie Kroatien oder dem ohnehin schon wirtschaftlich angeschlagenen Griechenland droht ganzen Regionen die Verelendung, wenn der Tourismus das gesamte Jahr wegbleiben sollte. <\/p><p>Es ist an der Bundesregierung, diesen Irrsinn zu stoppen. Wenn ein anderes Land wie Frankreich seine Grenzen f&uuml;r deutsche Touristen schlie&szlig;t, kann Berlin da nat&uuml;rlich wenig machen. Anders sieht es jedoch bei den Staaten aus, die ihre Grenzen zu Deutschland entweder ge&ouml;ffnet haben oder schon bald wieder &ouml;ffnen werden. Dazu z&auml;hlen L&auml;nder wie &Ouml;sterreich (auch als Transitland), D&auml;nemark, die Niederlande oder auch Schweden. Doch f&uuml;r deutsche Touristen bringt es wenig, wenn die Urlaubsl&auml;nder ihre Grenzen &ouml;ffnen, so lange Deutschland seine Grenzen geschlossen h&auml;lt. Zwar darf man als deutscher Staatsb&uuml;rger trotz geschlossener Grenzen wieder ins eigene Land einreisen, muss dann jedoch damit rechnen, dass man eine amtliche 14-t&auml;gige Zwangsquarant&auml;ne verordnet bekommt. Dies ist Bestandteil der <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/ReiseUndSicherheit\/covid-19\/2296762\">&bdquo;Ma&szlig;nahmen&ldquo;<\/a> des Ausw&auml;rtigen Amts und hindert deutsche Staatsb&uuml;rger zur Zeit und in absehbarer Zukunft effektiv an einer touristischen Reise ins EU-Ausland. Paradox ist zudem, dass diese Regelungen nur f&uuml;r Touristen gelten; wer gesch&auml;ftlich ins EU-Ausland reist, ist von diesen Ma&szlig;nahmen ausgenommen. <\/p><p>Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum man den Sommerurlaub, egal ob im In- oder im Ausland, untersagen sollte. Wer Urlaub mit &bdquo;Ballermann&ldquo; gleichsetzt, argumentiert unlauter. Wichtig ist es hier, zu differenzieren und abzuw&auml;gen. Epidemiologisch problematische Am&uuml;sements &aacute; la Apr&egrave;s-Ski in Ischgl sind zumindest in dieser Saison ohnehin in allen EU-Staaten beh&ouml;rdlich untersagt. Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu machen &ndash; dieses zeitlose Zitat von Charles de Montesquieu sollte in Zeiten von Corona oberste Maxime sein. <\/p><p>Titelbild: everst\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/edf28b24d6e942eea56e7a4af07bba1c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r Spitzenpolitiker wie Heiko Maas, Markus S&ouml;der oder Ursula von der Leyen ist die Sache klar &ndash; wenn kein Wunder geschehen sollte, k&ouml;nnen wir uns den gewohnten Sommerurlaub in diesem Jahr wohl abschminken. Diese Einsch&auml;tzung ist gleich auf mehreren Ebenen unverst&auml;ndlich. 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