{"id":6041,"date":"2010-06-30T09:06:49","date_gmt":"2010-06-30T07:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6041"},"modified":"2014-03-05T11:05:59","modified_gmt":"2014-03-05T10:05:59","slug":"enthalten-sie-sich-der-stimme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6041","title":{"rendered":"Enthalten Sie sich der Stimme!"},"content":{"rendered":"<p>Heute finden sich  im Reichstag die Mitglieder der Bundesversammlung zusammen , um ohne Aussprache den &bdquo;Bundespr&auml;sidenten&ldquo; zu w&auml;hlen.(<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/das-grundgesetz-ueber-den-bundespraesidenten\/1848826.html\">Art. 54 Abs. 1 GG<\/a>). F&uuml;r die Mitglieder aus dem Bundestag und f&uuml;r die gew&auml;hlten Vertreter aus den L&auml;ndern, gibt es viele Zweifel an den von den Parteispitzen vorgeschlagenen Kandidaten. Selten war bei der Nominierung der Kandidaten f&uuml;r das Staatsoberhaupt so viel Parteitaktik im Spiel und selten mussten die Wahlfrauen und Wahlm&auml;nner so sehr ihre eigenen &Uuml;berzeugungen hinter die Parteir&auml;son zur&uuml;ckstellen.<br>\nEs w&auml;re ein Akt demokratischer Kultur, wenn die Mitglieder der Bundesversammlung sich nicht als &bdquo;Stimmvieh&ldquo; missbrauchen lie&szlig;en und ihre Stimme bei einer Wahl verweigern w&uuml;rden, die eigentlich keine mehr ist. Deshalb appelliere ich an die Wahlfrauen und Wahlm&auml;nner: Enthalten Sie sich der Stimme! Ein schwaches Wahlergebnis w&auml;re ein bedeutendes Signal f&uuml;r eine lebendige Demokratie. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Verehrte Mitglieder der Bundesversammlung,<\/p><p>beim Pr&auml;sidenten des Bundestags, der die Sitzungen und Gesch&auml;fte der Bundesversammlung leitet, sind drei Wahlvorschl&auml;ge eingegangen.<br>\nChristian Wulff, der Ministerpr&auml;sident von Niedersachsen, wurde nach dem f&uuml;r alle unerwarteten R&uuml;cktritt von Horst K&ouml;hler nach einer Woche Personalspekulationen noch ganz rasch vor der sog. Sparklausur des Bundeskabinetts von Angela Merkel (CDU), von Horst Seehofer (CSU) und von Guido Westerwelle (FDP) f&uuml;r viele &uuml;berraschend vorgeschlagen, nachdem es zun&auml;chst so schien, als w&uuml;rde alles auf Ursula von der Leyen zulaufen.<br>\nJoachim Gauck wurde kurze Zeit danach von J&uuml;rgen Trittin (die Gr&uuml;nen) und Sigmar Gabriel (SPD) als &bdquo;&Uuml;berraschungskandidat&ldquo; dagegen gesetzt.<br>\nDie LINKE diskutierte lange und schlug dann die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag und fr&uuml;here Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks Luc Jochimsen als Kandidatin vor.<\/p><p>Sie sind entweder als Mitglied des Bundestags oder von ihrem Landtag auf Vorschlag der dort vertretenen Fraktionen entsprechend der Mitgliederzahl des Bundestags und im Verh&auml;ltnis zur Bev&ouml;lkerungszahl ihres Landes gew&auml;hlt worden.<\/p><p>Nach dem <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/bpr_swahlg\/gesamt.pdf\">Gesetz &uuml;ber die Wahl des Bundespr&auml;sidenten [PDF &ndash; 11.1 KB]<\/a> k&ouml;nnen Wahlvorschl&auml;ge f&uuml;r die Wahl des Bundespr&auml;sidenten von jedem Mitglied der Bundesversammlung beim Pr&auml;sidenten des Bundestags schriftlich einreichen, selbst im zweiten oder dritten Wahlgang k&ouml;nnten Sie noch neue Wahlvorschl&auml;ge einbringen. Sie brauchten nur die zur Bezeichnung des Vorgeschlagenen notwendigen Angaben zu machen und dessen schriftliche Zustimmungserkl&auml;rung beizuf&uuml;gen (&sect; 9 Abs. 1). Hat Ihnen jemand gesagt, dass Sie das Recht haben jeden oder jede, den oder die Sie f&uuml;r geeignet halten, zum Bundespr&auml;sidenten vorzuschlagen?<br>\nIhnen als Mitglied der Bundesversammlung steht dieses Recht zu und keineswegs nur Ihren Parteivorsitzenden!<\/p><p>Wurden Sie als &bdquo;freies&ldquo; Mitglied der Bundesversammlung etwa vor dem Vorschlag Ihrer Parteif&uuml;hrungen gefragt, durften Sie Vorschl&auml;ge machen, wurden Sie bei der Auswahl in irgendeiner Weise eingebunden?<br>\nSicher nicht.<br>\nEs ging doch nur um eine schnelle L&ouml;sung, damit die angeschlagene Regierung Handlungsf&auml;higkeit demonstrieren konnte. <\/p><p>Bestenfalls wurden Ihnen nachtr&auml;glich die Kandidaten vorgestellt. Ansonsten wird von Ihnen als Mitgliedern der Bundesversammlung wie selbstverst&auml;ndlich erwartet, dass Sie den  Vorschl&auml;gen von oben folgen. Es wird geradeso getan als unterl&auml;gen Sie einem imperativen Mandat. Die Abstimmung sei nicht &bdquo;freigegeben&ldquo; wird kolportiert. Dabei ist da gar nichts freizugeben. Sie h&auml;tten als Mitglied der Bundesversammlung nach dem Gesetz das freie Recht Ihren Vorschlag zu machen<\/p><p>Als gestandener Parteipolitiker wissen Sie nat&uuml;rlich, dass Pr&auml;sidentenwahlen immer auch parteipolitische Wahlen gewesen sind, doch bei dieser Wahl hat sich das Parteipolitische unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig in den Vordergrund gedr&auml;ngt. Es geht eigentlich nur um eine Machtfrage. Deswegen wird an Ihre Parteir&auml;son appelliert, es wird  Disziplin und Loyalit&auml;t von Ihnen verlangt. <\/p><p>Um Sie einzustimmen wurden Sie gestern Abend von den Parteien zu einem gem&uuml;tlichen Zusammensein eingeladen, Sie durften gut essen und trinken und wurden &ndash; hoffentlich &ndash; gut unterhalten. Keiner der offiziellen Redner hat sie nat&uuml;rlich ausdr&uuml;cklich verpflichtet ihre Stimme f&uuml;r den jeweiligen Kandidaten der jeweiligen Partei zu stimmen. Aber alle Parteigranden haben Sie auf den Wahlsieg ihres Kandidaten bzw. ihrer Kandidatin eingeschworen. Sie sind auf Sie zugegangen, haben Scherzchen gemacht und vielleicht sogar ihre Hand gesch&uuml;ttelt. Die Parteispitzen und die Kandidaten haben Ihnen ganz selbstverst&auml;ndlich unterstellt, dass Sie nicht aus der Ihnen zugedachten Rolle fallen k&ouml;nnten. Heute morgen wurden sie nochmals in die R&auml;ume der Fraktionen in den Reichstag bestellt. Man wollte sicher gehen, dass sie heute Nacht gut in Ihr Hotel gekommen sind und dass Sie auch rechtzeitig wieder &bdquo;an Deck&ldquo; sind. Vielleicht hat man Sie ja sogar noch zu einer offenen Probeabstimmung aufgefordert, um Sie noch pers&ouml;nlich &bdquo;&uuml;berzeugen&ldquo; zu k&ouml;nnen, falls Sie Ihre Hand zu z&ouml;gerlich gehoben haben.<\/p><p>Als Mitglied der Bundesversammlung w&auml;re es Ihre Aufgabe, den aus Ihrer Sicht besten Mann oder die beste Frau f&uuml;r das Amt des Staatsoberhauptes zu k&uuml;ren.<\/p><p>F&uuml;hlen Sie sich als souver&auml;nes und nur ihrem Gewissen verantwortliches Mitglied der Bundesversammlung eigentlich nicht nur als blinder Gefolgsmann oder als  blo&szlig;e Gefolgsfrau, oder &ndash; noch deutlicher gesagt &ndash; als reines &bdquo;Stimmvieh&ldquo; missbraucht. Wollen Sie wirklich eine Wahl mitmachen, die gar keine sein soll.<\/p><p>Wenn Sie schon nicht von Ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch machen, wenn Sie schon nicht gefragt wurden, wenn schon so getan wird, als h&auml;tten Sie gar keine Wahl, wenn Sie schon als reines Vollzugsorgan vorgefasster Entscheidungen degradiert werden sollen, warum enthalten Sie sich dann nicht, um Ihres Selbstwertgef&uuml;hls willen, einfach Ihrer Stimme?<\/p><p>Wenn Sie der CDU\/CSU angeh&ouml;ren oder von den Unionsfraktionen gew&auml;hlt wurden, haben Sie sich dann eigentlich einmal ehrlich gefragt, warum sie nun gerade den Niedersachen Christian Wulff w&auml;hlen sollten? Wollte selbst Angela Merkel nicht vielleicht Ursula von der Leyen lieber als Christian Wulff. Und ist die Sozialministerin nicht nur deshalb durchgefallen, weil der  m&auml;nnerdominierte &bdquo;Andenpakt&ldquo; partout keine zwei Frauen an der Spitze des Staates sehen wollte? <\/p><p>Wodurch ist Ihnen der farblose Parteisoldat und Karrierist Wulff au&szlig;er durch sein stets freundliches L&auml;cheln und seinen moderaten Ton jemals aufgefallen. Als &bdquo;Wulff im Schafspelz&ldquo; wurde er deshalb oft besp&ouml;ttelt. Hat er auch nur einen Gedanken ge&auml;u&szlig;ert, der bei Ihnen haften geblieben ist und den Sie spontan zitieren k&ouml;nnten? <\/p><p>Seine Wahl in Niedersachsen nach einem &bdquo;Wohlf&uuml;hlwahlkampf&ldquo; ohne Inhalt war mit knapp 6 % Verluste f&uuml;r die CDU auch nicht gerade ein gl&auml;nzender Erfolg. Wulff gilt zwar in den Medien als beliebt, doch ein Gro&szlig;teil der Deutschen kennt ihn gar nicht. Nur 57 Prozent Wahlbeteiligung bei seiner letzten Landtagswahl sprechen nicht gerade daf&uuml;r, dass er die Menschen mitrei&szlig;en kann. Christian Wulff ist doch deshalb nicht aufgefallen, weil er stets und rechtzeitig auf die Parteilinie eingeschwenkt ist. Wissen Sie wof&uuml;r er steht? <\/p><p>Wurde Wulff nicht vielleicht nur deshalb von der CDU-Vorsitzenden vorgeschlagen, weil sie  mit dessen Wahl zum Bundespr&auml;sidenten den letzten l&auml;stigen Konkurrenten abgeschoben hat, nachdem Koch und Merz von sich auf aufgegeben haben, Oettinger nach Br&uuml;ssel weggelobt wurde und Althaus und R&uuml;ttgers fallen gelassen wurden? Wurden Wulff nicht etwa auch Abwanderungsgel&uuml;ste in die Wirtschaft nachgesagt? Er traute sich zwar selbst &bdquo;Kanzler&ldquo; nicht zu, warum sollte er dann aber ein guter Bundespr&auml;sident sein? Hat die Kanzlerin die Zustimmung der FDP f&uuml;r Wulff nicht dadurch erkauft, dass im sog. &bdquo;Sparpaket&ldquo; keinerlei Steuererh&ouml;hungen verpackt sein durften? <\/p><p>Entspricht es Ihrer wertkonservativen Vorstellung von einer lebendigen Demokratie, dass der Bundespr&auml;sident zum reinen Prestigeobjekt des Parteienkampfes wird? Warum hat denn Ihre Partei 1999 selbst mit Joachim Gauck als Kandidat gelieb&auml;ugelt?<\/p><p>Auf alle diese Fragen d&uuml;rften viele von Ihnen keine sichere Antwort haben. Wer zwingt Sie  eigentlich, Christian Wulff zu w&auml;hlen? Geben Sie Ihrer Unsicherheit eine Stimme und enthalten Sie sich doch einfach? Die Wahl ist geheim und sanktionieren kann Sie niemand.<\/p><p>Wenn Sie der FDP-Fraktion angeh&ouml;ren oder von der FDP gew&auml;hlt wurden, warum sollten Sie gerade Christian Wulff w&auml;hlen? Nur um der CDU einen Gefallen zu tun? Sind nicht einige von Ihnen nicht f&uuml;r Ursula von der Leyen gewesen? Entspricht der Freiheitsbegriff von Joachim Gauck nicht viel mehr Ihrem wirtschaftsliberalen Verst&auml;ndnis?<br>\nWollen Sie Wulff nur deshalb w&auml;hlen, weil er in Niedersachsen nett zur FDP war? War es nett, dass er gedroht hat, den Steuersenkungspl&auml;nen Ihrer Partei im Bundesrat eine Absage zu erteilen? Halten Sie es f&uuml;r Glaubw&uuml;rdig, dass er vom <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/regional\/stuttgart\/dpa\/2010\/06\/28\/zweifel-an-wulffs-aussage-im-streit-um-steuercd.html\">Kauf der Steuer-CD nichts gewusst haben will<\/a>?  <\/p><p>Eigentlich geh&ouml;rt es doch noch immer zum grundlegenden Selbstverst&auml;ndnis eines Liberalen, f&uuml;r einen s&auml;kularen Staat einzutreten. Wie k&ouml;nnen Sie es mit dieser Ihrer Grundhaltung vereinbaren, einem Kuratoriumsmitglied der evangelikalen Missionsbewegung  &bdquo;Prochrist&ldquo; Ihre Stimme zu geben, eine Bewegung, die &bdquo;erzchristlich&ldquo; gilt und sich z.B. gegen <a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/blog\/146_christian_wulff_und_die_evangelikalen\">&bdquo;praktizierte Homosexualit&auml;t&ldquo; wendet.<\/a> Wie konnte Ihr Parteivorsitzender dar&uuml;ber einfach hinwegsehen. Wie k&ouml;nnen Sie es einfach hinnehmen, dass Ihre Partei von der Kanzlerin, die Ihnen ihren Kandidaten vor die Nase gesetzt hat, st&auml;ndig an die Wand gespielt wird. Hat nicht gerade noch Finanzminister Sch&auml;uble Ihre Partei richtiggehend <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/2792665_Finanzministerium-Schaeuble-trickst-bei-Schuldenbremse.html\">gelinkt<\/a>, als er mit zu niedrig angesetzten Haushaltszahlen Ihre Steuersenkungspl&auml;ne unterlaufen hat?<br>\nWer kann eigentlich nach den heftigen verbalen Attacken aus den Reihen der CSU, aber auch aus der CDU erwarten, dass Sie Ihrem Unbehagen nicht Ausdruck verleihen? Wie sollte Ihre Partei wieder aus dem Stimmungseinbruch herauskommen, wenn Sie nicht endlich einmal einen Akzent daf&uuml;r setzen, dass die FDP mit in der Regierung sitzt? Durch eine Stimmenthaltung k&ouml;nnten Sie ein Zeichen setzen, dass Sie nicht auch noch eine Klientelpartei der CDU\/CSU sind. Sie k&ouml;nnten damit auch signalisieren, dass Sie auch noch andere Optionen haben als die Nibelungentreue zur Union. <\/p><p>Am schwierigsten m&uuml;sste es Ihnen von der SPD-Bundestatsfraktion und Ihnen von den Landtagen gew&auml;hlten Anh&auml;ngern der Sozialdemokratie fallen, dem ihnen vorgesetzten Kandidaten Joachim Gauck Ihre Stimme zu geben. Das geht schon mit dessen Nominierung  los:  Er wurde offenbar von Thomas Schmid, dem Chefredakteur von Axel Springers &bdquo;Welt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:wahl-zum-bundespraesidenten-wulffs-angst-vor-den-promis\/50130138.html\">Sigmar Gabriel und J&uuml;rgen Trittin angedient<\/a>, mit dem Versprechen in den Springer-Bl&auml;ttern f&uuml;r Gauck Propaganda zu machen. &bdquo;Yes, we Gauck&ldquo; jubelte z.B. Bild. <\/p><p>Gauck hat nun wirklich kaum etwas, was ihn mit Ihnen als Sozialdemokrat verbinden k&ouml;nnte: Gauck &auml;u&szlig;erte noch nach der Wende Vorbehalte gegen die Entspannungspolitik von Willy Brandt und hat bis heute nicht verstanden, dass die &bdquo;friedliche Revolution&ldquo; erst durch &bdquo;den Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; m&ouml;glich wurde. Gauck sah &auml;hnlich wie die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, in der Anerkennung der Oder-Nei&szlig;e-Grenze eine <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub9F8AFB0E023642BAAB29EA1AEF2A9296\/Doc~EA6A5BE97BD30463186F590948D6B05B6~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;Zementierung&ldquo; des Kommunismus<\/a>. Gauck versteht unter Freiheit, dass jeder f&uuml;r sich selbst verantwortlich ist und dass &bdquo;jeder seines Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo; ist. Soziale Grundrechte, die f&uuml;r Sozialdemokraten die materielle Voraussetzung von Freiheit sind, sind ihm suspekt er sieht darin die Gefahr einer paternalistischen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/26\/Praesidentschaftskandidat-Joachim-Gauck?page=3\">&bdquo;F&uuml;rsorge-Gesellschaft&ldquo;<\/a>. <\/p><p>Parteimitglieder, die laut ihrem Hamburger Grundsatzprogramm f&uuml;r einen &bdquo;demokratischen Sozialismus&ldquo; eintreten, k&ouml;nnen eigentlich ihre Stimme nicht f&uuml;r jemand abgeben, f&uuml;r den jegliche Form eines Sozialismus ein Gr&auml;uel ist. Vor allem die brandenburger Sozialdemokraten m&uuml;ssten noch in guter Erinnerung haben, wie er in seiner Rolle als Leiter der Gauckbeh&ouml;rde sich als Ankl&auml;ger und Richter zugleich aufschwang und  Ministerpr&auml;sident <a href=\"?p=5927\">Stolpe geradezu aus dem Amt jagen wollte<\/a>. <\/p><p>Den Mitgliedern der Bundesversammlung die sich eher den Gr&uuml;nen zugeh&ouml;rig f&uuml;hlen, m&uuml;sste es nicht viel anders gehen, als den Sozialdemokraten. Gauck hat seine Aversion gegen das &bdquo;linksliberale Milieu&ldquo; in seiner Biografie mehr als deutlich durchscheinen lassen. Er verharmlost die Nazidiktatur indem er sie der totalit&auml;ren Herrschaft der Kommunisten gleichstellt. In kaum einer seiner Reden lassen sich Sympathien f&uuml;r das sozial-&ouml;kologische Gesellschaftsmodell der Gr&uuml;nen heraush&ouml;ren. Gr&uuml;n sei er nie gewesen, sagt er von sich selbst und nur &bdquo;mit geringem Vergn&uuml;gen&ldquo; habe er zur Kenntnis genommen, dass er als Mitglied von B&uuml;ndnis 90 mit der Partei der Gr&uuml;nen <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/wie-weit-darf-man-gehen-herr-gauck-der-fruehere-stasi-unterlagenbeauftragte-ueber-die-grenzen-oeffentlicher-neugier-das-gedaechtnis-der-nation-und-die-vertriebenen\/449978.html\">vereinigt wurde<\/a> .<\/p><p>Au&szlig;er dass Gauck als Kandidat Mitglieder aus den Reihen von CDU\/CSU und FDP von einer Stimmabgabe f&uuml;r Christian Wulff abwerben und damit  die Regierungskoalition blamieren und schw&auml;chen k&ouml;nnte, k&ouml;nnen Sozialdemokraten und Gr&uuml;ne eigentlich kaum &uuml;berzeugende Argumente anf&uuml;hren, dass sie Ihre Stimme f&uuml;r Gauck abgeben sollten. Aber kann ein solches &bdquo;vergiftetes Angebot&ldquo; an die Bundeskanzlerin und deren gesamte Bundesregierung f&uuml;r Sie ein entscheidendes Motiv bei einer Wahl zum Bundespr&auml;sidenten sein? <\/p><p>Merken Sie nicht, dass das Gedachte und das Gesagte beim &Uuml;berraschungscoup  Ihrer Parteispitzen weit auseinander fallen? Tragen Sie nicht mit dazu bei, dass dadurch das Amt des Bundespr&auml;sidenten noch mehr besch&auml;digt wird?<\/p><p>Die Wahlfrauen und Wahlm&auml;nner der Linken verbindet politisch noch weniger mit Joachim Gauck als die Mitglieder der Bundesversammlung, die die SPD und die Gr&uuml;nen in den Reichstag delegiert haben. Wie k&ouml;nnten Sie jemand ihre Stimme geben, der die Partei die LINKE f&uuml;r &bdquo;nicht regierungsf&auml;hig&ldquo; h&auml;lt und ihre Politiker zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer oft als &bdquo;belastet durch ihre Teilhabe am Unterdr&uuml;ckungssystem der DDR&ldquo; betrachtet und als<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2010-06\/gauck-linke\"> &bdquo;verw&ouml;hnte Kinder der roten Bourgeoisie von einst&ldquo;<\/a>. Wie k&ouml;nnten Sie jemand w&auml;hlen, der die Hartz-Gesetze &bdquo;als mutige Entscheidung&ldquo; rechtfertigt und den Afghanistan-Einsatz zwar &bdquo;nicht gut, aber ertr&auml;glich und gerechtfertigt&ldquo; ansieht.<br>\nIhre Parteif&uuml;hrung hat deshalb auch Luc Jochimsen als Gegenkandidatin gegen Wulff und Gauck vorgeschlagen. <\/p><p>Glauben Sie wirklich, dass wenn Sie im dritten Wahlgang f&uuml;r Gauck stimmten, um m&ouml;glicherweise Wulff zu verhindern, dass Sie damit Ihrer Partei die Eintrittskarte ins rot-gr&uuml;ne Lager verschafften?<br>\nF&uuml;rchten Sie nicht vielmehr, dass Sie damit Ihre Partei unglaubw&uuml;rdig machten, weil Sie sich wie alle anderen auch nur an parteipolitischen R&auml;nkespielen beteiligten.<\/p><p>Es gibt  also f&uuml;r viele Mitglieder der Bundesversammlung aus allen Lagern viele Gr&uuml;nde  den Vorschl&auml;gen ihrer Parteif&uuml;hrungen nicht blind zu folgen und weder Gauck noch Wulff  ihre Stimme zu geben. Viele von Ihnen m&uuml;ssten eigentlich, wenn Sie Ihr freies Mandat ernst n&auml;hmen und nur Ihrem Gewissen folgten, Stimmenthaltung &uuml;ben.<\/p><p>Sicher, dann w&auml;re im dritten Wahlgang immer noch derjenige Kandidat zum Bundespr&auml;sidenten gew&auml;hlt, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt h&auml;tte. Aber wenn alle, die im Zweifel sind, sich der Stimme enthalten, dann w&auml;re das Abstimmungsergebnis ein bedeutendes Signal. <\/p><ul>\n<li>\nSie w&uuml;rden mit Ihrer Stimmenthaltung dem Grundgesetz und dem Gesetz &uuml;ber die Wahl des Bundespr&auml;sidenten wieder Geltung verschaffen, die Ihnen das Recht verleihen einen Vorschlag f&uuml;r die Wahl des Bundespr&auml;sidenten Ihrer Wahl zu machen. Wenigstens k&ouml;nnen Sie darauf Ihr Recht ableiten, an bei einem solchen Vorschlag einbezogen zu werden. Sie w&uuml;rden mit Ihrer Stimmenthaltung also nicht zu willigen Gefolgsleuten von parteitaktischen Spielen ihrer Parteif&uuml;hrungen degradiert. Jeder k&uuml;nftige Vorschlag f&uuml;r einen Bundespr&auml;sidentenkandidaten w&uuml;rde anders und mit mehr demokratischer Absicherung zustande kommen. Das w&auml;re stilpr&auml;gend &uuml;ber Jahrzehnte.<\/li>\n<li>Sie w&uuml;rden der Bundesversammlung und der Wahl des Bundespr&auml;sidenten wieder eine demokratische Aura zur&uuml;ckgeben.<\/li>\n<li>Die Parteispitzen w&uuml;rden lernen, dass ihnen das Parteivolk nicht mehr nur kritiklos folgt und so wie bisher mit der Bundesversammlung nicht umspringen kann. <\/li>\n<li>Sie w&uuml;rden dem mit geringer Stimmenzahl gew&auml;hlten Bundespr&auml;sidenten die M&ouml;glichkeit geben, dass er dieses Zeichen erkennt und die ihm vom Gesetz gew&auml;hrte Bedenkzeit in Anspruch nimmt oder die Wahl unter den gegebenen Umst&auml;nden sogar ablehnt.<\/li>\n<li>Sie w&uuml;rden f&uuml;r den Fall, dass der mit einer geringen Unterst&uuml;tzung gew&auml;hlte Bundespr&auml;sident die Wahl annimmt, dessen Amtsverst&auml;ndnis und dessen Amtsf&uuml;hrung wesentlich pr&auml;gen. Er w&uuml;rde erfahren, dass es nicht ausreichend ist, wenn man sich nur an den politischen F&uuml;hrungszirkeln orientiert. Er m&uuml;sste sich um demokratische Akzeptanz bem&uuml;hen. Es w&auml;re ein Denkzettel daf&uuml;r, dass er sich das Vertrauen erst noch erwerben m&uuml;sste.\n<\/li>\n<\/ul><p>p.s.:Leider wird dieser Appell wohl auf taube Ohren sto&szlig;en und Christian Wulff als Bundespr&auml;sident gew&auml;hlt.<br>\nDamit ist wieder eine Chance zu mehr Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen vertan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute finden sich im Reichstag die Mitglieder der Bundesversammlung zusammen , um ohne Aussprache den &bdquo;Bundespr&auml;sidenten&ldquo; zu w&auml;hlen.(<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/das-grundgesetz-ueber-den-bundespraesidenten\/1848826.html\">Art. 54 Abs. 1 GG<\/a>). F&uuml;r die Mitglieder aus dem Bundestag und f&uuml;r die gew&auml;hlten Vertreter aus den L&auml;ndern, gibt es viele Zweifel an den von den Parteispitzen vorgeschlagenen Kandidaten. Selten war bei der Nominierung der Kandidaten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6041\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,1,126],"tags":[832,764,833,531,626,752],"class_list":["post-6041","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-das-kritische-tagebuch","category-erosion-der-demokratie","tag-fraktionszwang","tag-gauck-joachim","tag-jochimsen-luc","tag-koehler-horst","tag-von-der-leyen-ursula","tag-wulff-christian"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6041"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6047,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6041\/revisions\/6047"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}