{"id":60434,"date":"2020-04-24T09:05:08","date_gmt":"2020-04-24T07:05:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60434"},"modified":"2020-04-24T10:34:04","modified_gmt":"2020-04-24T08:34:04","slug":"das-fanal-von-bandung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60434","title":{"rendered":"Das Fanal von Bandung"},"content":{"rendered":"<p>Heute vor 65 Jahren, am 24. April 1955, endete in der indonesischen Stadt Bandung die erste gro&szlig;e Afro-Asiatische Konferenz im Geiste des Antikolonialismus, Antiimperialismus und Antirassismus. W&auml;hrend des Kalten Krieges wurden in Bandung auch die k&uuml;nftigen politischen Grundlinien der &bdquo;Dritten Welt&ldquo; und von &bdquo;Blockfreiheit&ldquo; entworfen. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas Ende des Zweiten Weltkriegs in S&uuml;dost- und Ostasien sowie im Pazifik hinterlie&szlig; Tr&uuml;mmerlandschaften gigantischen Ausma&szlig;es. Der Hauptaggressor in diesem Teil der Erde war das militaristische Japan, das sich in Allianz mit dem faschistischen Italien unter Mussolini und Nazideutschland unter Hitler angeschickt hatte, eine neue hegemoniale Weltordnung zu schaffen, die mit Blick auf die genannten Regionen eine &bdquo;Gr&ouml;&szlig;ere Ostasiatische Gemeinsame Wohlstandsph&auml;re&ldquo; begr&uuml;nden sollte. Dieser vom Generalstab und Au&szlig;enministerium in Tokio entworfene Plan schrieb Japan die Rolle der F&uuml;hrungsmacht zu im Kampf der asiatischen V&ouml;lker gegen den verhassten &bdquo;wei&szlig;en Imperialismus&ldquo; und &bdquo;westlichen Kolonialismus&ldquo;. Wenngleich dieser Plan schlie&szlig;lich durch die Alliierten zunichte gemacht wurde, ward bei Kriegsende unter zahlreichen asiatischen V&ouml;lkern der Nimbus der Unbesiegbarkeit &bdquo;des Westens&ldquo; ersch&uuml;ttert. Vor allem f&uuml;r das britische Empire bedeutete es eine herbe Schlappe, dass seine f&uuml;r uneinnehmbar gehaltene Festung Singapur sowie seine Kolonien Malaya (heute: Malaysia), Birma\/Burma (heute: Myanmar) und Hongkong handstreichartig von japanischen Truppen eingenommen und okkupiert worden waren. <\/p><p><strong>Post-koloniale Weichenstellungen<\/strong><\/p><p>Binnen eines Jahrzehnts nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte vor allem in S&uuml;dost- und S&uuml;dasien die erste Welle erfolgreicher Unabh&auml;ngigkeitsbestrebungen ein. Den Anfang machte Niederl&auml;ndisch-Indien beziehungsweise Indonesien, das seine Unabh&auml;ngigkeit als Republik am 17. August 1945 proklamierte, wenngleich Den Haag diese erst im Dezember 1949 endg&uuml;ltig anerkannte. Zwischenzeitlich fand ein erbitterter Guerillakrieg statt, den die niederl&auml;ndischen Truppen mit euphemistisch sogenannten <em>politionele acties<\/em> (&bdquo;Polizeiaktionen&ldquo;) zu beenden trachteten. Es folgte Vietnam, wo Ho Chi Minh am 2. September 1945 die unabh&auml;ngige Demokratische Republik Vietnam (DRV) im Norden des Landes ausrief. Am 4. Juli 1946 wurde in der philippinischen Metropole Manila das Sternenbanner eingeholt; damit endete die 48-j&auml;hrige US-Kolonialzeit. Indien und Pakistan proklamierten ihre Unabh&auml;ngigkeit vom Vereinigten K&ouml;nigreich am 15. beziehungsweise 14. August 1947, ein Schritt, dem Birma\/Burma am 4. Januar sowie Ceylon (heute: Sri Lanka) am 4. Februar 1948 folgten. 1953 erhielten Laos und Kambodscha unter k&ouml;niglichen Regierungen die Unabh&auml;ngigkeit, wenngleich sie Teil der Franz&ouml;sischen Union blieben. Im selben Jahr endete der dreij&auml;hrige Koreakrieg, der erste &bdquo;hei&szlig;e&ldquo; Konflikt in der &Auml;ra des Kalten Krieges. Als B&uuml;rgerkrieg begonnen, war er zu einem internationalen Konflikt eskaliert, der die Welt bedrohlich nahe am Abgrund eines 3. Weltkriegs sah und die West-Ost-Blockkonfrontation zementierte.<\/p><p>Als die Kolonialmacht Frankreich im Jahre 1954 eine vernichtende Niederlage im vietnamesischen Dien Bien Phu erlitt, f&uuml;hrte die im selben Jahr organisierte Genfer Konferenz zur Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrads mit der DRV im Norden und dem von Washington protegierten Regime eines Ngo Dinh Diem im S&uuml;den. Die Genfer Abkommen zur Beilegung des ersten Indochinakriegs, die schlie&szlig;lich dazu f&uuml;hren sollten, dass sich eine &bdquo;westliche&ldquo; Kolonialmacht, die USA, anschickten, eine andere, n&auml;mlich Frankreich, zu beerben und in deren Fu&szlig;stapfen zu treten, stie&szlig;en seitens zahlreicher asiatischer Regierungen, vor allem seitens des indischen Premierministers Jawaharlal Nehru, auf scharfe Kritik.<\/p><p>Es waren die ehemaligen s&uuml;dasiatischen Kolonien des britischen Empire Indien, Pakistan, Ceylon und Burma, die gemeinsam mit Indonesien eigene Vorstellungen einer neuen Weltordnung entwickelten und zu diesem Zweck zwei Vorbereitungstreffen mit Blick auf die Bandung-Konferenz ausrichteten. Dem ersten Treffen in Ceylons Hauptstadt Colombo im Sommer 1954 folgte Ende Dezember desselben Jahres ein weiteres in der indonesischen Stadt Bogor. Dort wurde vereinbart, die <em>Pancha Sila<\/em>, die f&uuml;nf Prinzipien der Koexistenz &ndash; gegenseitiger Respekt f&uuml;r die territoriale Integrit&auml;t und Souver&auml;nit&auml;t des jeweils anderen; gegenseitige Nicht-Aggression; gegenseitige Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen; Gleichheit und gegenseitiger Nutzen und friedliche Koexistenz &ndash; als Grundlage f&uuml;r die k&uuml;nftige bilaterale Zusammenarbeit anzuerkennen und als Austragungsort der avisierten ersten gro&szlig;en internationalen Konferenz Bandung vorzusehen. Dies verst&auml;rkte einerseits die indo-chinesische Kooperation und erleichterte es andererseits Delegationen, nicht unbedingt Stellung zu kontroversen Fragen (beispielsweise zum Ausgang des Koreakriegs) beziehen zu m&uuml;ssen.<\/p><p>Noch im selben Jahr (1954) hatte der &bdquo;Westen&ldquo; unter Federf&uuml;hrung der USA versucht, einen Keil zwischen die sp&auml;teren Konferenzteilnehmer in Bandung zu treiben, indem sie versuchten, sowohl Indonesien als auch Indien als SEATO-Mitglieder zu gewinnen. Diese S&uuml;dostasiatische Paktorganisation &ndash; alternierend auch Manila-Pakt genannt &ndash; war am 8. September 1954 in der philippinischen Hauptstadt aus der Taufe gehoben worden. Zu ihren Gr&uuml;ndungsmitgliedern z&auml;hlten neben den USA die Philippinen, Australien, Neuseeland, Frankreich, Gro&szlig;britannien und Thailand. Explizit verstand sich die SEATO als ostasiatisch-pazifisches Pendant zur NATO sowie als Cordon sanitaire gegen das &bdquo;Bollwerk des Kommunismus&ldquo; (die Sowjetunion und die seit dem 1. Oktober 1949 bestehende Volksrepublik China). Gleichzeitig sollte diese stramm antikommunistisch ausgerichtete Allianz den USA in ihrem Aggressionskrieg gegen die V&ouml;lker Vietnams, Kambodschas und Laos&lsquo; logistisch, politisch und ideologisch R&uuml;ckendeckung bieten. Kein Wunder, dass dieses &uuml;berfl&uuml;ssige, zutiefst unpopul&auml;re und unr&uuml;hmliche B&uuml;ndnis ebenso unr&uuml;hmlich im Sommer 1977, zwei Jahre nach dem Debakel der &bdquo;westlichen F&uuml;hrungsmacht&ldquo; in Vietnam, zu existieren aufh&ouml;rte.<\/p><p><strong>29 Konferenzteilnehmer<\/strong><\/p><p>Am 18. April 1955 er&ouml;ffnete der indonesische Pr&auml;sident Sukarno schlie&szlig;lich die asiatisch-afrikanische Konferenz in Bandung &ndash; ausgerechnet im fr&uuml;heren niederl&auml;ndischen Club Concordia, der zuvor in <em>Gedung Merdeka<\/em> (Haus der Freiheit) umbenannt ward. Die insgesamt 29 Teilnehmer der Konferenz kamen &ndash; in alphabetischer Reihenfolge &ndash; aus:<\/p><p><em>Afghanistan, &Auml;gypten, &Auml;thiopien, Birma\/Burma, Ceylon, Volksrepublik China, Goldk&uuml;ste (heute: Ghana), Indien, Indonesien, Iran, Irak, Japan, Jemen, Jordanien, Kambodscha, Laos, Libanon, Liberia, Libyen, Nepal, Pakistan, Philippinen, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, Thailand, T&uuml;rkei, Nordvietnam und S&uuml;dvietnam.<\/em><\/p><p>Daneben waren auch Beobachter mehrerer nationaler Befreiungsbewegungen zugegen. Nebst Gastgeber Sukarno weilten in Bandung auch solche damaligen Politgr&ouml;&szlig;en wie Premier- und Au&szlig;enminister Zhou Enlai (VR China), Indiens Premierminister Jawaharlal Nehru, Premierminister Mohammed Ali von Pakistan, Burmas Premierminister U Nu sowie Sir John Lionel Kotelawala aus Ceylon, dem dritten Premierminister seines Landes.<\/p><p>Das alles &uuml;berragende Thema dieser einw&ouml;chigen Konferenz war die Neubestimmung internationaler Beziehungen auf der Basis von Selbstbestimmung, nationaler Unabh&auml;ngigkeit und die angemessene Repr&auml;sentanz der vertretenen L&auml;nder in den Vereinten Nationen. Diese waren in jener Zeit ein haupts&auml;chlich von den USA und ihren westlichen Verb&uuml;ndeten kontrolliertes Gremium, in dem sich zahlreiche andere L&auml;nder im Geiste des Antikommunismus diesen verpflichtet f&uuml;hlten und sich entsprechend loyal bei (vor allem kontroversen) Abstimmungen verhielten.<\/p><p>&bdquo;Koloniales Erbe&ldquo;, &bdquo;kollektive Erfahrung kolonialer Unterdr&uuml;ckung&ldquo;, Imperialismus und Rassismus, S&uuml;d-S&uuml;d-Dialog, &bdquo;Blockfreiheit&rdquo; sowie &bdquo;Dritte Welt&ldquo; lieferten Stichworte, &uuml;ber die intensiv und auch kontrovers diskutiert wurde. Vor allem mit dem Begriff &bdquo;Dritte Welt&ldquo;, den erstmalig der franz&ouml;sische Demograph Alfred Sauvy in seinem Artikel &bdquo;Trois mondes, une plan&egrave;te&ldquo; im <em>L&rsquo;Observateur<\/em> vom 14. August 1952 benutzt hatte, wurden fortan all jene L&auml;nder bezeichnet, die zwar die Mehrheit der Weltbev&ouml;lkerung bildeten, aber in der Weltpolitik rechtlos waren, und die gleichzeitig keinem der beiden Machtbl&ouml;cke des Kalten Krieges angeh&ouml;rten.<\/p><p>W&auml;hrend der gesamten Konferenz galt es, die divergierenden Interessen gro&szlig;er und kleiner L&auml;nder mit jeweils unterschiedlichen Regierungsformen unter einen Hut zu bringen und dissenstr&auml;chtige Themen tunlichst au&szlig;en vor zu lassen. Japan beispielsweise hatte es besonders schwer, eine &uuml;berzeugende und glaubw&uuml;rdige Position im Kontext der neu avisierten internationalen und regionalen Beziehungen zu beziehen. Tokio war stark auf die Politik der USA fixiert und avancierte nach 1952 zum engsten Regionalverb&uuml;ndeten der Vereinigten Staaten. Zhou Enlai vertrat einen von der Sowjetunion, ebenfalls einem Nicht-Teilnehmer der Konferenz, unabh&auml;ngigen Sozialismus, w&auml;hrend Nehru f&uuml;r Liberalismus, Nationalismus und Gewaltlosigkeit pl&auml;dierte und die aufstrebenden F&uuml;hrer in zahlreichen afrikanischen L&auml;ndern auf eine politische Agenda der Entkolonialisierung mit unterschiedlichen Strategien insistierten, unter denen sp&auml;ter der Nationalismus und Panafrikanismus am st&auml;rksten hervortreten sollten. Die generelle Opposition gegen Kolonialismus, Neokolonialismus oder jede andere imperialistische Politik war die bedeutsamste einvernehmliche Position, die &uuml;ber Widerspr&uuml;che hinweg konsensual das Engagement f&uuml;r ein neues, besseres Weltsystem mobilisierte.<\/p><p><strong>Einheit in Vielfalt<\/strong><\/p><p>Am letzten Tag der Konferenz, am 24. April 1955, ver&ouml;ffentlichten die 29 Teilnehmer das von ihnen unterzeichnete <em>Final Communiqu&eacute; of the Asian-African Conference<\/em> und skizzierten anschlie&szlig;end ihre gemeinsame Position zu Fragen wirtschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit, zu Menschenrechten und Selbstbestimmung, zu Problemen abh&auml;ngiger V&ouml;lker, zu anderen Themen sowie schlie&szlig;lich zur F&ouml;rderung des Weltfriedens und der Zusammenarbeit. Letztere wurde sodann trotz kultureller, ideologischer, historischer und politischer Differenzen zwischen den Delegierten noch eigens in folgender zehn Punkte umfassenden &bdquo;<em>Erkl&auml;rung zur F&ouml;rderung des Weltfriedens und der Zusammenarbeit<\/em>&ldquo; verabschiedet:<\/p><ol>\n<li>Achtung der grundlegenden Menschenrechte und der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen;<\/li>\n<li>Achtung der Souver&auml;nit&auml;t und der territorialen Integrit&auml;t aller Nationen; <\/li>\n<li>Anerkennung der Gleichheit aller Rassen und der Gleichheit aller gro&szlig;en und kleinen Nationen; <\/li>\n<li>Verzicht auf jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes;<\/li>\n<li>Achtung des Rechts jeder Nation, sich allein oder gemeinsam zu verteidigen, in &Uuml;bereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen; <\/li>\n<li>(a) Verzicht auf den Einsatz von Vorkehrungen zur kollektiven Verteidigung, um bestimmten Interessen einer Gro&szlig;macht zu dienen; (b) Verzicht eines Landes auf die Aus&uuml;bung von Druck auf andere L&auml;nder; <\/li>\n<li>Verzicht auf Handlungen oder Androhung von Aggressionen oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrit&auml;t oder politische Unabh&auml;ngigkeit eines Landes;<\/li>\n<li>Beilegung aller internationalen Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln wie Verhandlungen, Schlichtung, Schieds- oder Gerichtsverfahren sowie mit anderen friedlichen Mitteln nach eigener Wahl der Parteien im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen;<\/li>\n<li>F&ouml;rderung der gegenseitigen Interessen und der Zusammenarbeit; <\/li>\n<li>Achtung von Gerechtigkeit und internationalen Verpflichtungen.<\/li>\n<\/ol><p>&bdquo;<em>Die Konferenz<\/em>&ldquo;, res&uuml;miert der Leipziger Historiker J&uuml;rgen Dinkel (2019), &bdquo;<em>war ein Produkt und Kristallisationspunkt globaler Transformationen der vierziger und f&uuml;nfziger Jahre und zugleich ein kraftvoller Impuls zur Beseitigung der alten kolonialen Ordnung und f&uuml;r das postkoloniale state-building. Innerhalb der postkolonialen Welt trug das Treffen zur Herrschaftsstabilisierung der neuen Regierungen und zu deren Legitimierung bei. Die Konferenzteilnehmer gewannen an Profil, was zugleich dazu f&uuml;hrte, dass es trotz des gro&szlig;en Erfolges der Konferenz und trotz mehrerer Versuche, diese zu wiederholen, zu keiner zweiten Bandung-Konferenz kam. Denn in dem Ma&szlig;e, in dem die Teilnehmer sich ihrer Anerkennung als souver&auml;ne Regierungen sicher sein konnten und in dem sich die europ&auml;ischen Kolonialreiche aufl&ouml;sten, schwand auf internationaler Ebene ihre Kompromissbereitschaft. Unterschiedliche nationalstaatliche Interessen, regionale Divergenzen und unterschiedliche Positionierungen der Bandung-Staaten im Ost-West-Konflikt verhinderten eine weitere Asiatisch-Afrikanische Konferenz, weshalb diese auf institutioneller Ebene einmalig blieb.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Immerhin konnten andere Formen und Fora entwickelt werden &ndash; wie beispielsweise die Ende Dezember 1957 in &Auml;gyptens Hauptstadt Kairo gegr&uuml;ndete <em>Afro-Asian Peoples&rsquo; Solidarity Organization<\/em> &ndash;, w&auml;hrend ab 1960 die zweite Welle erfolgreicher Unabh&auml;ngigkeitsbestrebungen (diesmal vor allem auf dem afrikanischen Kontinent) erfolgte. Nach der offiziellen Gr&uuml;ndung der <em>Bewegung der Blockfreien Staaten<\/em> 1961 in Belgrad, als deren Gastgeber Jugoslawiens Ministerpr&auml;sident Josip Broz Tito fungierte und die ebenfalls ein Resultat der Bandunger Konferenz war, war die &bdquo;Dritte Welt&ldquo; aufs Engste mit eben dieser Bewegung verkn&uuml;pft.<\/p><p><strong>Postscript 1:<\/strong>  Die USA mieden auf Dr&auml;ngen von Au&szlig;enminister John Foster Dulles die Konferenz und waren auch nicht offiziell vertreten. Den exponierten Aktivisten der afroamerikanischen B&uuml;rgerrechtsbewegung, W. E. B. Du Bois und seinem Sch&uuml;ler Paul Robeson, verweigerten die US-Beh&ouml;rden die Reise nach Indonesien. Der afroamerikanische Schriftsteller Richard Wright hingegen vermochte mit finanzieller Unterst&uuml;tzung des <em>Congress for Cultural Freedom<\/em> an der Konferenz in Bandung teilzunehmen. Wright verbrachte etwa drei Wochen in Indonesien, widmete sich eine Woche der Konferenzteilnahme und den Rest seiner Zeit der Interaktion mit indonesischen K&uuml;nstlern und Intellektuellen.  Ihm ist das &uuml;beraus lesenswerte Buch <em>The Color Curtain<\/em> zu verdanken, das bereits ein Jahr nach der Konferenz in New York erschien.<\/p><p><strong>Postscript 2:<\/strong>  Just eine Dekade nach seiner Gastgeberschaft der Konferenz von Bandung endete die politische Karriere von Sukarno Ende September 1965. Sein &bdquo;Makel&ldquo; bestand u.a. darin, dass er sich au&szlig;enpolitisch zu sehr der VR China angen&auml;hert hatte, was so gar nicht nach dem Gusto der vornehmlich im Westen ausgebildeten Generalit&auml;t (darunter zahlreiche in Hamburg-Blankenese und Hangelar bei Bonn) war. Im Herbst 1965 putschten sich in wohl orchestrierten Schritten Suharto und gleichgesinnte Kumpane an die Macht, enthoben Sukarno all seiner Machtbefugnisse  und entfesselten eine beispiellose Hatz gegen alle, die aus ihrer Sicht mit der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) lieb&auml;ugelten &ndash; der seinerzeit immerhin weltweit drittgr&ouml;&szlig;ten KP.<\/p><p>Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen dieses Massakers im Namen von &bdquo;<em>freedom &amp; democracy<\/em>&ldquo; werden auf diesen Seiten im Herbst en detail nachzulesen sein (<em>RW<\/em>).<\/p><p>Titelbild: &copy; Foreign Ministry of the Republic of Indonesia<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/209eb54dfb344be28c4da4c0fff09f98\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><p><strong>Quellen &amp; Literaturhinweise<\/strong><\/p><ul>\n<li>J&uuml;rgen Dinkel (2019): <em>Das Abschluss-Communiqu&eacute; der Asiatisch-Afrikanischen Konferenz in Bandung<\/em> (1955), in: Quellen zur Geschichte der Menschenrechte, hg. v. Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert, M&auml;rz 2019, URL: <a href=\"http:\/\/www.geschichte-menschenrechte.de\/bandung-konferenz\">geschichte-menschenrechte.de\/bandung-konferenz<\/a><\/li>\n<li>Luis Eslava, Michael Fakhri, Vasuki Nesiah (Eds. &ndash; 2017): <em>Bandung, Global History, and International Law. Critical Pasts and Pending Futures.<\/em> Cambridge<\/li>\n<li>Marc Frey (2006): <em>Dekolonisierung in S&uuml;dostasien. Die Vereinigten Staaten und die Aufl&ouml;sung der europ&auml;ischen Kolonialreiche.<\/em> M&uuml;nchen<\/li>\n<li>Christopher James Lee (Ed. &ndash; 2010): <em>Making a World after Empire. The Bandung Moment and its Political Afterlives.<\/em> Athens\/Ohio<\/li>\n<li>James A. C. Mackie (2005): <em>Bandung 1955. Non-Alignment and Afro-Asian Solidarity.<\/em> Singapur<\/li>\n<li>Richard Wright (1956): <em>The Color Curtain: A Report on the Bandung Conference.<\/em> New York<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 65 Jahren, am 24. April 1955, endete in der indonesischen Stadt Bandung die erste gro&szlig;e Afro-Asiatische Konferenz im Geiste des Antikolonialismus, Antiimperialismus und Antirassismus. W&auml;hrend des Kalten Krieges wurden in Bandung auch die k&uuml;nftigen politischen Grundlinien der &bdquo;Dritten Welt&ldquo; und von &bdquo;Blockfreiheit&ldquo; entworfen. 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