{"id":6049,"date":"2010-06-30T16:40:06","date_gmt":"2010-06-30T14:40:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6049"},"modified":"2014-03-05T11:05:35","modified_gmt":"2014-03-05T10:05:35","slug":"reaktionen-auf-das-schwenken-der-fahnen-eine-einuebung-in-gleichschaltung-fuer-alles-moegliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6049","title":{"rendered":"Reaktionen auf \u201eDas Schwenken der Fahnen &#8211; eine Ein\u00fcbung in Gleichschaltung f\u00fcr alles M\u00f6gliche\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Auf meine Thesen &ndash; siehe <a href=\"\/?p=6022\">hier<\/a> und Anhang am Ende &ndash; gab es heftige Reaktionen, kritische und unterst&uuml;tzende. Wir geben das Echo wieder und beginnen mit einer kritischen Mail meines Herausgeberkollegen Wolfgang Lieb, ansonsten chronologisch. Am Ende folgt auch eine kleine Replik von mir.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Entgegnungen zum Beitrag von Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\nLieber Albrecht,<br>\nOffen gestanden, ich bin auch (Das &bdquo;auch&ldquo; bezieht sich auf die kritische Mail Nr. 4., AM) etwas erschrocken &uuml;ber den Zusammenhang den Dumit der Begeisterung f&uuml;r das WM-Fu&szlig;ballteam und der &ldquo;Gleichschaltung&rdquo; bei anderen existenziellen Fragen herstellst. Ich bin nicht der Meinung, dass das F&auml;hchenschwenken oder das Herumlaufen in Fu&szlig;balltrikots gleichzusetzen ist mit der Bereitschaft, zu glauben, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt. Ich sehe darin auch nicht zwingend eine gef&auml;hrliche &ldquo;nationalistische&rdquo; Formierung. Das schon deshalb nicht, weil an jedem Wochenende Fu&szlig;ballfans nicht mit schwarz-rot-gold sondern mit den Farben ihres Lieblingsvereins durch die Stra&szlig;en ziehen.<br>\nMan kann &uuml;ber das Fan-Wesen lange philosophieren, man kann im (kommerziellen) Sport insgesamt Opium f&uuml;rs Volk sehen, was aber kaum bestreitbar ist, dass Fu&szlig;ball weltweit eine Faszination auf die Menschen aus&uuml;bt.<br>\nIch glaube nicht, dass meine Kinder bei der EM &ndash; als sie noch in Deutschland waren &ndash; Opfer einer nationalistischen Uniformierung waren, nur weil sie mit dem Hemdchen der Nationalmannschaft zum &ldquo;public viewing&rdquo; (englisch: der &ouml;ffentlichen Leichenschau) gegangen sind und gefeiert haben. Die Jugendlichen auf den Kirchentagen tragen auch Schals in entsprechenden Farben. Die Massenbegeisterung f&uuml;r den Fu&szlig;ball ist auch kein deutsches Ph&auml;nomen. Die Fu&szlig;ball-WM ist der Beweis, dass es sie weltweit gibt.<br>\nDer Fan identifiziert sich mit seinem Team und leidet mit ihm. Aber es ist bei 90 Prozent der Fans eben ein Spiel.<br>\nWenn Du mit den jungen Leuten sprichst, dann wirst Du feststellen, sie wollen gemeinsam feiern, sie wollen Spannung haben, sie wollen ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r das Team zum Ausdruck bringen. Da ist noch ein weiter Schritt zu nationalistischer Uniformierung, abgesehen davon, dass die jungen Leute gar nicht uniformiert sind, sondern wie Du bei jedem Kameraschwenk &uuml;ber die Trib&uuml;nen sehen kannst, teilweise lustig kost&uuml;miert sind.<br>\nSchwar-rot-gold sind sozusagen die Vereinsfarben.<br>\nIch bin bei Fahnen genauso allergisch wie glaube ich unsere Generation &uuml;berhaupt, aber die jungen Leute marschieren nicht einer Fahne nach, sie schwenken sie um ihre Sympathie f&uuml;r ihre Manschaft zum Ausdruck zu bringen. Ich will jetzt keine lange Abhandlung &uuml;ber Fu&szlig;ballfans schreiben. Und auch ich sehe die Gefahr der Ablenkung von wichtigeren Fragen durch das Prinzip Brot und Spiele.<br>\nAber ich finde, Du wirst den allermeisten Fu&szlig;ballfans nicht gerecht, wenn Du sie als politisch &ldquo;gleichgeschaltet&rdquo; verurteilst.<\/li>\n<li><strong>H. G.<\/strong><br>\nHallo H. M&uuml;ller,<br>\nich habe x mal dasselbe im Bekanntenkreis gesagt. Seit vielen Jahren. Kein Einziger hat mir je zugestimmt. Das Besondere dabei ist, da&szlig; ich 54 Jahre aktiv Sport betrieben habe, bis zur Bandscheibe jetzt. Die Bekannten eher weniger oder meist gar nicht. Bayern Anh&auml;nger meist&hellip;<br>\nDie, die am meisten jubeln, sind nie auf dem Sportplatz gestanden, von den Tennisrentnern bin ich fast der einzige, der kein Premiere oder Sky wie das jetzt hei&szlig;t, hat. Jeder jetzt ein Experte, wenn er kaum Tennis spielen kann oder noch nie Fu&szlig;ball spielte.<br>\nMan mu&szlig; es feststellen, die ganze Sippe hat alles drin:\n<ul>\n<li>Exportweltmeister <\/li>\n<li>Hartz 4 ist zu hoch <\/li>\n<li>Linke = Kommunisten<\/li>\n<li>Regierung reformiert zu wenig , nicht in der Richtung , die Sie wollen<\/li>\n<li>Schwarz Rot Gold &uuml;bers ganze Haus ( ! ) <\/li>\n<li>Politik sei eine Hure &hellip;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was man erlebt ist der radikale ungebildete Mittelstand, h&uuml;ndisch und ohne jede Moral in seiner Auspr&auml;gung als ehemals exzellent verdienender Angestellter.<br>\nNazi wenn es wieder gefordert wird. Da bei&szlig;t die Maus keinen Faden ab.<br>\nZu bequem sich zu informieren. Internet ist nicht , Spiegel und Focus normal, die sich besonders klug halten, r&uuml;hmen die Zeit&hellip;<br>\nDie Ungeheuerlichkeit ist schon lange &nbsp;die Sportgleichschaltung der Medien, das hat man bei den Nazis eben auch gelernt, bis zu den Sportarten hin:<br>\nZDF und ARD bringen am Sonntag hintereinander zu 90 % exakt dasselbe. Fu&szlig;ball und Motorsport. Das wird h&auml;ufig von sportfremden Moderatoren pr&auml;sentiert, f&uuml;r ein unsportliches Publikum. Die guten Moderatoren, denen man unterstellt, da&szlig; sie eine anst&auml;ndige Arbeit machen wollen, d&uuml;rfen offensichtlich nicht.<br>\nDie Masse mu&szlig; erreicht werden.<br>\nDie Moderatoren werden reich. Der Weizenbierschullehrer Waldmann hat seine Firma in Z&uuml;rich und macht mit der ARD Gesch&auml;fte. Beckmann wird Million&auml;r sein, Kerner sicher auch. Der Netzer, der bei ISL H&ouml;chstgelder von der ARD (erreichte), wird Mitschw&auml;tzer, der Geb&uuml;hrenzahler l&ouml;hnt. Unw&uuml;rdigst &nbsp;f&uuml;r alle Gremien. Und nat&uuml;rlich gewollt im Sinne der Verjauchung. Angeblich haben die &Ouml;ffentlich Rechtlichen 550 Leute in S&uuml;dafrika. Sky aus England f&uuml;r alle Spiele 70.<br>\nH&ouml;chstattraktive Sportarten kommen nicht mehr vor &ndash; Tischtennis z.B., Badminton gar nicht.<br>\nSendungen wie fr&uuml;her der Sportspiegel die hinter die Kulissen schauten, gibt&rsquo;s seit vielen Jahren nicht mehr. Auch die &nbsp;Dritten haben Claqueure immer dabei.<br>\n&hellip;.<br>\nDer Rechnungshof monierte die hohen Gagen &hellip; &ndash; 10 Mio wenn ich es recht wei&szlig; und die gr&ouml;&szlig;te Sauerei ist, da&szlig; von meinen Geb&uuml;hren, Profiboxen finanziert wird, da sind wir noch n&auml;her an dem, was Sie schrieben.<br>\n&hellip;&nbsp;<\/p><\/li>\n<li><strong>R.-S.<\/strong>\n<p>Lieber Albrecht M&uuml;ller,<br>\nwenn eine Gesellschaft f&uuml;r immer mehr Menschen so wenig M&ouml;glichkeiten f&uuml;r identit&auml;tsstiftende Lebenszusammenh&auml;nge bereith&auml;lt, bleibt im Rahmen mentaler Verelendung nur die Identit&auml;tsfindung durch Selbstaufbl&auml;hung mit einer gro&szlig;en Idee, der Nation oder dem Fu&szlig;ball (oder es wird mehr gesoffen oder es werden mehr Psychopharmaka konsumiert). Vor rd. 40 Jahren hat Gerhard Vinnai dies in seiner Studie &ldquo;Fu&szlig;ballsport als Ideologie&rdquo; mit dem Satz: &ldquo;Die Tote auf dem Fu&szlig;ballfeld sind die Eigentore der Beherrschten&rdquo; auf den Punkt gebracht.<br>\nWir machen &uuml;brigens mit ihm am (fu&szlig;ballspielfreien) Montag, den 5.7. in Dortmund die n&auml;chste Veranstaltung im Rahmen des NachDenkTreff.<\/p>\n<p>&hellip; und einen sch&ouml;nen Gru&szlig;<\/p><\/li>\n<li><strong>A. B. <\/strong>\n<p>Sehr geehrter Hr. M&uuml;ller ! <\/p>\n<p>Ich habe gro&szlig;e Zweifel an Ihrer These, dass die F&auml;hnchenschwenker sich vermutlich auch beim Krieg am Hindukusch und u.a. der Wirtschaftspolitik an den Regierungszielen orientieren.<br>\nDie Fu&szlig;ballbegeisterung gro&szlig;er Teile der Bev&ouml;lkerung macht bekanntlich auch vor den politisch Interessierten nicht halt. Sie hat f&uuml;r viele Menschen vor dem Hintergrund ihrer Lebensverh&auml;ltnisse und der Perspektiven eine Ventilfunktion. Das ein gro&szlig;er Teil der F&auml;hnchenschwenker im Normalleben Bildzeitung liest und sich leider nicht f&uuml;r Politik interessiert ist sicherlich richtig. Doch man sollte die Menschen nicht untersch&auml;tzen. Die Umfragen zu den in Rede stehenden Themen zeigen doch deutlich, dass das Gros der Bev&ouml;lkerung die Regierungsvorhaben ablehnt. Die Menschen k&ouml;nnen hier sehr gut differenzieren. Ich f&uuml;rchte viel eher, dass die Regierung versuchen wird in der Zeit der Weltmeisterschaft,an den F&auml;hnchenschwenkern vorbei, Fakten zu schaffen. <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en <\/p><\/li>\n<li><strong>M. B.<\/strong>\n<p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p>\n<p>ich lese seit einiger Zeit die NDS, habe auch Ihr Buch &ldquo;Meinungsmache&rdquo; gelesen und stimme Ihnen in vielem zu, z.B. was die neoliberale Ideologie angeht oder die Volksverdummung in den Medien.<br>\nBei einigen Beitr&auml;gen (z.B. allzu unkritischen gegen&uuml;ber der Ex-SED) stand ich jedoch schon kurz davor, eine Mail an Sie zu schreiben, um mein Unverst&auml;ndnis zu &auml;u&szlig;ern.<\/p>\n<p>Heute ist es nun soweit: Dass ein Volk mit seiner Nationalmannschaft fiebert und feiert und dabei deren Trikots und Farben tr&auml;gt, ist keine &ldquo;gef&auml;hrliche nationalistische Uniformierung&rdquo; wie Sie schreiben, sondern (endlich wieder) unverkrampfter Patriotismus.<br>\nDiese Freude und Geselligkeit als &ldquo;Gleichschaltung&rdquo; (ein belasteter Begriff aus der Nazi-Diktatur) zu bezeichnen, ist &ndash; pardon &ndash; absurd und passt nicht zu dem Bild, das ich mir bislang von Ihnen gemacht habe.<br>\nVon einem &ldquo;gro&szlig;en Sprung [&hellip;] von Gleichschaltung&rdquo; &ldquo;im Zusammenhang mit der<br>\nFu&szlig;ball-Weltmeisterschaft&rdquo; hab ich jedenfalls nichts bemerkt.<br>\nIm &Uuml;brigen glaube ich, k&ouml;nnen wir beruhigt davon ausgehen, dass sp&auml;testens ab dem 12. Juli der &ldquo;Uniformierungsgrad&rdquo; in der Bev&ouml;lkerung wieder drastisch abnehmen wird.<\/p>\n<p>Bitte nehmen Sie diesen Artikel wieder zur&uuml;ck. Er ist Munition f&uuml;r Ihre Gegner.<\/p>\n<p>Mit den  besten Gr&uuml;&szlig;en<\/p><\/li>\n<li><strong>K. G.<\/strong>\n<p>Das Kurzzeitged&auml;chnis oder auch RAM-Ged&auml;chtnis, ist bei vielen Deutschen noch sehr gut intakt, wenn es um den kurzfristigen Erfolg oder dem eigenen &Uuml;berleben geht. Das Langzeitged&auml;chtnis vieler Deutscher wird von den Meinungsmachmedien derzeit formatiert wie eine Festplatte. Alle Daten werden unwiderruflich gel&ouml;scht. Die Generation, die auf uns zukommt, wird bedingt durch eine informative Reiz&uuml;berflutung, alles au&szlig;er Kontrolle geraten lassen.&nbsp; In diesem Gesellschaftsstadium befinden wir uns zur Zeit. Wir werden im Chaos enden. Was ich mit Chaos meine, m&ouml;chte ich hier nicht beschreiben. <\/p>\n<p>Versetzen Sie sich mal in einen 18- j&auml;hrigen deutschen Jugendlichen von heute. Sie kennen keinen Krieg, Sie kennen kein authorit&auml;res Elternhaus. Vielen wird im Elternhaus kein Respekt gegen&uuml;ber Autorit&auml;ten gelehrt. Vielleicht wissen Sie noch nicht einmal, da&szlig; Sie ein Wahlrecht haben. Stattdessen kennen Sie das Internet mit ihren sozialen Netzwerken. Chatten. Handy. Sie kennen nur noch Spa&szlig; und Fun. Die WM ist f&uuml;r Sie nur ein Mittel um Fun zu haben. Viele wissen noch nicht einmal, was ein Abseits ist. Deutschland muss gewinnen. Dann k&ouml;nnen wir uns auf den Strassen mehr erlauben. <\/p>\n<p>Nach dem Deutschland &ndash; England (4:1) musste ich durch einen Kreisverkehr. Ich kam erst sehr sp&auml;t rein. Mit Ihren Fahnen kreisten sie ununterbrochen im Kreis. Der Spa&szlig;, den sich diese Generation leistet, wird immer gr&ouml;&szlig;er. Auch ein &ldquo;Erfolg&rdquo; dieser Meinungsmachmedien. <\/p>\n<p>Und dann frage ich mich: Wie w&auml;re ich heute, wenn ich 18 w&auml;re? Kann ich den Jugendlichen von heute dies &uuml;bel nehmen? <\/p>\n<p>Meine Antwort: Nein! , weil sie die harten Realit&auml;ten, die von den Meinungsmachmedien gesch&ouml;nt werden, noch nicht richtig kennengelernt haben. Ein klein wenig harte Realit&auml;t brauchen wir wieder. Und sie wird kommen, wenn es an der Zeit ist; wenn harte Realit&auml;ten keine Meinungsmache mehr zulassen. <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en <\/p>\n<p>und machen Sie weiter so. <\/p><\/li>\n<li><strong>J. R.<\/strong>\n<p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<br>\nich stimme Ihrer Analyse weitestgehend zu.<br>\nDennoch bleibt eine entscheidende Frage vorerst unbeantwortet: <\/p>\n<p>&ldquo;Wie wirkt die Macht der Interessengruppen (Banken, Regierung, etc.) konkret in die Berichterstattung der &Ouml;ffentlich &ndash; Rechtlichen hinein?&rdquo;<br>\nWill hei&szlig;en: Wie und mit wem geschieht das?<br>\nReicht es, Personalentscheidungen zu manipulieren wie im Falle ZDF-Koch-Brender?<br>\nWird direkt auf verantwortliche Redakteure und Programm-Direktoren Einfluss genommen? <\/p>\n<p>Oder: Was das Schlimmste w&auml;re:<br>\nHat sich die Herrschaft der Eliten bereits so tief in den Gehirnen der Medienmacher verankert, dass die dazu geh&ouml;rigen Personen gar nicht mehr manipuliert zu werden brauchen?<br>\nWas meinen Sie, Herr M&uuml;ller? <\/p>\n<p>Und: Wer in Deutschland k&ouml;nnte so etwas solide erforschen? <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en <\/p><\/li>\n<li><strong>D.H.<\/strong>\n<p>weiterhin danke f&uuml;r Eure Website.<br>\nDas Fahnenschwenken als, nunja, wiederein&uuml;ben von nationalem Uniformieren findet schon statt &ndash; ich pers&ouml;nlich sehe das weniger kritisch, im Zeitalter der EU, sofern es uns beschert bleibt, ist das mit ein bi&szlig;chen Gl&uuml;ck alles Folklore.<br>\nGanz anders jedoch die Fans. Neben der Hetze der englischen (nett zusammengestellt <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/sport\/wm-pressestimmen-deutsche-angsthasen-1.965890\">hier<\/a>) und deutschen Medien vor dem Spiel (die dt. Nationalmannschaft habe gegen Ghana &ldquo;SS-Uniformen&rdquo; getragen z.B.) und den erstaunlich fairen Kommentaren danach (siehe z.B. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/sport\/wm-pressestimmen-aus-england-zerrieben-und-zerfleischt-1.966348\">hier<\/a>), so machten doch die Fans interessant:<br>\nW&auml;hrend des Spiels zeigten die Kameras mehrfach englische Fans in Fliegeruniformen und am Ende die deutsche Antwort: Fans mit aufblasbaren englischen Spitfire-Modellen, die sie abst&uuml;rzend darstellten.<br>\nWas zum Geier soll das? Und wo soll das denn hinf&uuml;hren? <a href=\"http:\/\/www.myvideo.de\/watch\/2205963\/England_Germany\">Dahin<\/a>???<br>\nAber die interessanteste Frage ist: Wem n&uuml;tzt sowas? <\/p>\n<p>beste Gr&uuml;&szlig;e und alles gute,<br>\nD. H.<br>\nKreisvorsitzender<br>\nJusos <\/p><\/li>\n<li><strong>F.K.<\/strong>\n<p>zun&auml;chst m&ouml;chte ich mein allgemeines Wohlwollen Ihrem Projekt gegen&uuml;ber zum Ausdruck bringen. Ich bin erst vor wenigen Tagen auf Ihre Seite gesto&szlig;en, aber finde die Idee und ihre Ausf&uuml;hrung gro&szlig;artig.<br>\nNichtsdestotrotz habe ich einige Fragen zum Artikel von Albrecht M&uuml;ller vom 28 Juni, bei denen Sie mir hoffentlich weiterhelfen k&ouml;nnen. Es werden dort die Thesen ge&auml;u&szlig;ert: &ldquo;Wer gemeinsam Fahnen f&uuml;r den Sieg Deutschlands bei einem Fu&szlig;ballspiel schwenkt, ist vermutlich auch gemeinsam eher bereit zu glauben, Deutschlands Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt.<br>\nWer gemeinsam in einem Flaggenmeer jubelt, der ist vermutlich auch eher bereit, sich bei einem Disput &uuml;ber den richtigen Weg in der Wirtschaftspolitik an dem zu orientieren, was die Mutter der Nation von sich gibt.<br>\nWer kollektives Denken und F&uuml;hlen im Fu&szlig;ball-Wettstreit mit anderen Nationen einge&uuml;bt hat, ist auch bereit, sich bei anderen Fragen kollektiv und auf der Linie der Mehrheitslinie der eigenen F&uuml;hrung zu orientieren und dem so genannten Mainstream zu folgen.&rdquo;<br>\nDen Gedanken &uuml;ber die Gleichschaltung der Medien kann ich nachvollziehen, bei den zitierten Thesen stellt sich mir jedoch die Frage, woher sie kommen. K&ouml;nnen Sie mir dort weiterhelfen? Literaturhinweise oder &auml;hnliches w&uuml;rden mir schon v&ouml;llig ausreichen.<br>\nVielen Dank f&uuml;r Ihre M&uuml;he.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><\/li>\n<li><strong>T.C.<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nzu Ihrem gestrigen Beitrag &ldquo;Das Schwenken der Fahnen&rdquo; fiel mir ein Abschnitt im Buch &ldquo;Die verbl&ouml;dete Republik&rdquo; (Thomas Wieczorek) ein.&nbsp;Unten ein zum Thema passendes Zitat aus dem Buch.<br>\nIch gehe -wie Thomas Wieczorek auch- (fett dargestellt am Ende des Zitats) stark davon aus, dass der &ldquo;Fu&szlig;ballpatriotismus&rdquo; in der auch gegenw&auml;rtig dargebotenen Form beabsichtigt ist.<br>\nUnsere politische Elite samt ihrer meinungsschaffenden Medien k&ouml;nnen sich die H&auml;nde reiben. Sie arbeiten h&ouml;chst erfolgreich. Mich machen diese Ereignisse sprachlos. Ich mache mir viele Gedanken dar&uuml;ber, ob und wie man diese breite Masse wieder in einen Normalzustand &ldquo;zur&uuml;ckbiegen&rdquo; kann. Dann schweben mir Visionen vor, wie z. B.&nbsp;eine Stunde vor Spielbeginn auf den Public-Viewing Pl&auml;tzen Kabarettauftritte zu senden: Volker Pispers, Georg Schramm, Urban Priol,&nbsp;Winfried Schmickler, Hagen Rether in Bestform,&nbsp;als &ldquo;warm-up&rdquo;&hellip; Die Realit&auml;t bleibt aber wohl leider die, in welcher jeden Tag aufs Neue versucht werden muss,&nbsp;Bekannten, Kollegen, Nachbarn die Augen zu &ouml;ffnen und&nbsp;bei Ihnen&nbsp;den festen neoliberalen Lack anzukratzen.&nbsp;Frustrierend, wenn ich dann soeben lese, dass heute abend bei Hart aber Fair &uuml;ber die Pr&auml;sidentenwahl morgen diskutiert wird und mal wieder kein Vertreter der Linken eingeladen wurde, welche als demokratische Partei ja auch eine Kandidatin aufgestellt hat. Stattdessen steht dort Herr J&ouml;rges allein in diesem Jahr das gef&uuml;hlte zehnte Mal vor der Kamera. Die Linkspartei wird dort heute wohl mal&nbsp;wieder sehr&nbsp;negativ dargestellt werden &ndash; ohne sich durch Anwesenheit wehren zu k&ouml;nnen.&nbsp;Das finde ich sehr bedenklich. Es ist aber gleichzeitig auch wieder ein konkretes St&uuml;ck der Meinungsmache, worauf man&nbsp;seinen Bekanntenkreis gut hinweisen kann.<br>\n&nbsp;<br>\nHier nun der o. g. Abschnitt aus dem Buch &ldquo;Die verbl&ouml;dete Republik&rdquo;:<br>\n&nbsp;<br>\n&ldquo;Fu&szlig;ball fasziniere deshalb die Massen, lehrt Sepp Herberger, &ldquo;weil man nicht wei&szlig;, wie es ausgeht&rdquo;. Aber das erkl&auml;rt nicht, warum erwachsene und kultivierte M&auml;nner &ndash; denn es betrifft keinewegs nur fanatische jugendliche Unterschichtler &ndash; ihr pers&ouml;nliches Wohlbefinden und Lebensgef&uuml;hl an Fu&szlig;ballresultaten binden, auf die sie selbst keinerlei Einfluss haben.<br>\nEin Grund ist sicherlich jener dumpfe &ldquo;Stolz-auf&rdquo;-Nationalismus, der beileibe nicht nur bei braunen Sumpfgruppen in den diffusen &ldquo;Stolz, ein deutscher zu sein&rdquo; m&uuml;ndet: Man heftet sich die Erfolge der Mitglieder &ldquo;seiner&rdquo; Gruppe an die eigene Brust: Dichter, Denker, Fu&szlig;baller &ndash; zu anderen Zeiten und bei anderen Nationen m&ouml;gen es Boxer, Handballer, Maler, Schauspieler sein. Ehe man sich&#381;s versieht, ist es da, das &ldquo;Ich bin Deutschland-Gef&uuml;hl&rdquo;. Zehnj&auml;hrige Nachwuchskicker sind Ballack, Poldi, Schweini oder Frings und die &Auml;lteren sind es -unausgesprochen nat&uuml;rlich- ebenso. Anders l&auml;sst sich die bis an die Infarktgrenze gehende Aufregung kaum erkl&auml;ren, und auch nicht, warum zumindest geheuchelte Fu&szlig;ballbegeisterung&nbsp; f&uuml;r Politiker Pflicht ist.<br>\nHier aber lauert der v&ouml;lkische Pferdefu&szlig; und die Riesenchance zur Massenverbl&ouml;dung, gerade weil das gemeinsame Anfeuern des &ldquo;eigenen&rdquo; Teams an sich harmlos und symphatisch anmutet. Dazu ein Beispiel: In einer deutschen Fankurve k&ouml;nnten rein theoretisch ein Dieb und der Bestohlene, ein Vergewaltiger und sein Opfer, ein Firmenboss und ein von ihm Entlassener, ein Todesraser und eine Hinterbliebene direkt nebeneinander sitzen. W&uuml;rden die zueinander sagen: Vergessen wirs und feuern wir gemeinsam Deutschland an? Genau dies fordert und beabsichtigt aber der &ldquo;Fu&szlig;ballpatriotismus&rdquo; als Spielart des v&ouml;lkischen Nationalismus.&rdquo;<br>\n&nbsp;&nbsp;<br>\nViele Gr&uuml;&szlig;e von einem Leser und F&ouml;rderer Ihrer nachdenkseiten!<\/li>\n<p>&nbsp;<\/p><\/ol><p><strong>Kurze Replik von AM auf die Mails:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Eigentlich habe ich nichts zur&uuml;ckzunehmen. Aber betonen will ich, dass ich die Fu&szlig;ballfreunde nicht beleidigen wollte, (was ich auch nicht tat.)<\/li>\n<li>Ich hatte meine Hypothesen sehr vorsichtig formuliert. Deshalb treffen mich manche kritischen Bemerkungen nicht. Da kann ich nur raten, den angeh&auml;ngten Text nochmals nachzulesen.<\/li>\n<li>Der Kern, dass das gemeinsame Schwenken der Fahnen und alles, was damit einhergeht, zur Uniformierung f&uuml;hren kann und kritisches Denken auszuschalten vermag, ist nach meinem Eindruck schl&uuml;ssig. <\/li>\n<li>Zum Hintergrund meines Unbehagens: Ich habe als Kind die Beflaggung (fast) jedes Hauses erlebt und ich war dann stolz darauf, nach 1945 in einem quasi flaggenlosen Land aufzuwachsen. Und jedes Mal, wenn ich eine US-Flagge hinter dem US-Pr&auml;sidenten sah, bin ich zusammengezuckt. Heute ist das &uuml;blich, auch bei uns. Einen Fortschritt sehe ich darin nicht.<\/li>\n<li>Der beste Beleg f&uuml;r meine These ist die oft, zu oft gelebte Praxis der USA, wo mit Berufung auf die Nation viel zu vieles m&ouml;glich ist.<\/li>\n<li>&Uuml;brigens: Nicht alle Argumente der Mail-Schreiber, die meine Thesen unterst&uuml;tzen, teile ich.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Anlage:<\/strong><br>\n<strong>Auszug aus dem Beitrag vom 28.6.2010:<\/strong><\/p><p><strong>Das Schwenken der Fahnen &ndash; eine Ein&uuml;bung in Gleichschaltung f&uuml;r alles M&ouml;gliche<\/strong><br>\nEin Beitrag &uuml;ber Gleichschaltung wie jener <a href=\"\/?p=6015\">vom 26. Juni<\/a> l&ouml;st Fragen aus: Ist das wirklich so? Wie wird die Gleichschaltung erreicht? Wie bei den Medien? Wie bei vielen Menschen? Zurzeit erleben wir im Zusammenhang mit der Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaft einen gro&szlig;en Sprung von get&auml;tigter und potentieller Gleichschaltung gro&szlig;er Menschenmassen. Fahnenschwenken im Kollektiv scheint mir der erste Schritt zur Uniformierung, im konkreten Fall noch dazu einer gef&auml;hrlichen nationalistischen Uniformierung. Der erste harmlose Schritt. Albrecht M&uuml;ller. Mehr.<\/p><p><strong>Mit dem Fahnenschwenken beim Fu&szlig;ball wird vermutlich auch die Gleichschaltung zu anderen existenziellen Fragen programmiert<\/strong><\/p><p>Wer gemeinsam Fahnen f&uuml;r den Sieg Deutschlands bei einem Fu&szlig;ballspiel schwenkt, ist vermutlich auch gemeinsam eher bereit zu glauben, Deutschlands Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt.<br>\nWer gemeinsam in einem Flaggenmeer jubelt, der ist vermutlich auch eher bereit, sich bei einem Disput &uuml;ber den richtigen Weg in der Wirtschaftspolitik an dem zu orientieren, was die Mutter der Nation von sich gibt.<br>\nWer kollektives Denken und F&uuml;hlen im Fu&szlig;ball-Wettstreit mit anderen Nationen einge&uuml;bt hat, ist auch bereit, sich bei anderen Fragen kollektiv und auf der Linie der Mehrheitslinie der eigenen F&uuml;hrung zu orientieren und dem so genannten Mainstream zu folgen.<br>\nAlles was wir hier in den NachDenkSeiten an Aufkl&auml;rungsarbeit &uuml;ber das erfolgreiche Sparen und die richtige Wirtschaftspolitik schreiben, wird schon deshalb schwer vermittelbar sein, weil es im speziellen Fall die Vorstellungen einer anderen Nation, der USA, unterst&uuml;tzt und deshalb im Widerstreit zu der nationalen Position, der Meinung von Frau Merkel, liegt. Im Beitrag vom 26. Juni war darauf hingewiesen worden, dass hier ein Konflikt, im konkreten Fall ein Konflikt mit der Regierung einer andere Nation, genutzt wird, um Meinung zu machen.<br>\n&hellip; <strong>usw. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf meine Thesen &ndash; siehe <a href=\"\/?p=6022\">hier<\/a> und Anhang am Ende &ndash; gab es heftige Reaktionen, kritische und unterst&uuml;tzende. Wir geben das Echo wieder und beginnen mit einer kritischen Mail meines Herausgeberkollegen Wolfgang Lieb, ansonsten chronologisch. Am Ende folgt auch eine kleine Replik von mir.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[41,11,161],"tags":[350,834,836,1537,835],"class_list":["post-6049","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-beckmann-reinhold","tag-fussball","tag-hindukusch","tag-kerner-johannes-b","tag-nationalismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6049"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6049\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20970,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6049\/revisions\/20970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}