{"id":6065,"date":"2010-07-02T08:31:19","date_gmt":"2010-07-02T06:31:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6065"},"modified":"2014-03-05T11:03:21","modified_gmt":"2014-03-05T10:03:21","slug":"bedient-euch-der-grundrechenarten-um-luegen-zu-erkennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6065","title":{"rendered":"Bedient Euch der Grundrechenarten, um L\u00fcgen zu erkennen!"},"content":{"rendered":"<p>Diejenigen, die behaupten Christian Wulff sei mit Hilfe der Linken zum Bundespr&auml;sidenten gew&auml;hlt worden, sagen die Unwahrheit. Wer noch eins und eins zusammenz&auml;hlen kann, wird die sich hinter dieser Legende verbergende Unwahrheit als L&uuml;ge erkennen. Die Verbreitung von offenkundige L&uuml;gen durch Politiker und  Medien zerst&ouml;ren Glaubw&uuml;rdigkeit und besch&auml;digt das Vertrauen in die Demokratie.<br>\nDiejenigen die behaupten, die LINKE sei noch nicht in der Demokratie angekommen, sind auf dem besten Wege, selbst die Demokratie schwer zu besch&auml;digen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Gestern habe ich in meinem <a href=\"\/?p=6059\">Kommentar zur Wahl des Bundespr&auml;sidenten<\/a> unter anderem  geschrieben:<\/p><p>&bdquo;Dass Christian Wulff im dritten Wahlgang die absolute Mehrheit (n&auml;mlich 625 der erforderlichen 623 Stimmen) bekommen hat, verhindert wenigstens neue Legendenbildungen.<br>\nN&auml;mlich erstens die Legende, dass die Wahlm&auml;nner und Wahlfrauen der Linken einen m&ouml;glichen Kandidaten jenseits von CDU\/CSU und FDP verhindert h&auml;tten.<br>\nZweitens umgekehrt, dass Wulff nur durch das Wahlverhalten der Linken Bundespr&auml;sident geworden ist.<br>\nDrittens, die Legende, dass &ndash; h&auml;tten die Linken f&uuml;r Gauck gestimmt &ndash; ein rot-rot-gr&uuml;ner Bundespr&auml;sident h&auml;tte gew&auml;hlt werden k&ouml;nnen.&ldquo; <\/p><p>Obwohl ich &ndash; genauso wie vermutlich Sie &ndash; einiges an Umdeutung von Tatsachen und an politischer Legendenbildung gewohnt bin, habe ich mich mit meiner Annahme, dass es nach dem Wahlausgang zu solchen Legenden nicht mehr kommen k&ouml;nnte, gr&uuml;ndlich geirrt: <\/p><p>Gabriel, Nahles, Oppermann, Scholz und viele andere Sozialdemokraten, K&uuml;nast, Roth, &Ouml;zdemir und viele andere Gr&uuml;ne diktierten den Journalisten munter die Legende in die Notizbl&ouml;cke, dass &bdquo;Christian Wulff&hellip;letztlich auch mit Hilfe der Linken zum Pr&auml;sidenten geworden&ldquo; ist (Gabriel). &bdquo;Es ist schade, dass es die Linkspartei vers&auml;umt hat, erstmals einen Ostdeutschen zum Bundespr&auml;sidenten zu w&auml;hlen (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article8257452\/Die-Wahl-verhaertet-die-Fronten-in-der-Opposition.html#reqRSS\">Nahles<\/a>)  Mit der &bdquo;Hilfe der Linkspartei&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/bundespraesident-oezdemir-im-gespraech-die-linke-hat-eine-chance-verpasst-1.968387\">&Ouml;zdemir<\/a>) sei Wulff gew&auml;hlt worden.<\/p><p>Und nachdem dann diese Behauptung erst einmal aufgestellt wurde, folgte in der Regel die Schlussfolgerung, dass die Linke eben Gefangene ihrer SED-Vergangenheit sei, dass sie sich nicht &bdquo;von ihrem alten SED-  und Stasi-Erbe&ldquo; habe befreien k&ouml;nnen (Gabriel), dass sie noch immer nicht in der Demokratie angekommen sei (Scholz), dass sie geradezu &bdquo;demaskiert&ldquo; worden sei. Gabriel ging sogar so weit, dass er behauptete, es sei &bdquo;der Linkspartei wichtiger gewesen, Herrn Wulff zu w&auml;hlen, als jemanden, der mit geholfen hat, Unrechts- und Stasi-Taten <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Schwarz-Gelb-quaelt-Wulff-ins-Amt-article962321.html\">aufzukl&auml;ren<\/a>.<\/p><p>Eine ganz &uuml;berwiegende Zahl der Kommentatoren in den Medien griffen diese Behauptungen begierig auf. Dazu brauchen Sie nur einmal die Pressestimmen zu googeln. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.hna.de\/nachrichten\/politik\/linken-machen-wulff-bundespraesidenten-824744.html\">Die Linken machen Wulff zum Bundespr&auml;sidenten<\/a>&ldquo;    <a href=\"http:\/\/www.merkur-online.de\/nachrichten\/politik\/linken-machen-wulff-bundespraesidenten-824744.html\">so<\/a> oder so &auml;hnlich sind die Schlagzeilen oder der Tenor ganz vieler Kommentare. Selbst die taz schrieb, dass die Linke &bdquo;f&uuml;nf Jahre Wulff als ersten Mann im Staate&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/pressestimmen-bundespraesident-dritter-wahl-1.968374-2\">zu verantworten habe<\/a>. Stefan Schmitz verstieg sich im stern sogar zu der These, dass es durchaus denkbar sei, &bdquo;dass im entscheidenden dritten Wahlgang die Stimmen, die Wulff zuvor zur absoluten Mehrheit fehlten, <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/wahl-des-bundespraesidenten-wer-wars-1578944.html\">auch von den Linken kamen.<\/a>&ldquo; <\/p><p>Nehmen wir dagegen die unbestreitbaren Fakten:<\/p><p>In der Bundesversammlung hatten CDU\/CSU 496 Mitglieder, die FDP 148, die SPD 333, die Gr&uuml;nen 129, die Linke 124 und die Sonstigen 14 . <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/lexikon\/bundesversammlung.html#tabelle\">Insgesamt waren es also 1244 Wahlleute<\/a>. Die absolute Mehrheit war mit 623 Stimmen erreicht. <\/p><p>Im dritten Wahlgang hatte Wulff diese absolute Mehrheit mit 625 Stimmen erreicht. Selbst wenn alle Wahlleute der Linken Gauck gew&auml;hlt h&auml;tten, w&auml;ren nur 494 plus 124, also 618 Stimmen zusammengekommen.<\/p><p>Auch im zweiten Wahlgang h&auml;tten die 490 f&uuml;r Gauck abgegebenen Stimmen mit den 124  Stimmen der Linken Wahlleute nicht zur absoluten Mehrheit ausgereicht.<\/p><p>Nur im ersten Wahlgang h&auml;tte Gauck mit den 499 Stimmen plus den 124 Stimmen der Linken in der Bundesversammlung genau die absolute Mehrheit von 623 Stimmen erreicht.<\/p><p>Es ist jedoch geradezu verwegen, zu unterstellen, dass die Linken ihre Kandidatin komplett &bdquo;im Regen&ldquo; stehen lassen w&uuml;rden und sozusagen in einer &bdquo;Geheimabsprache&ldquo; einen &Uuml;berraschungscoup gelandet und zus&auml;tzlich noch darauf spekuliert h&auml;tten, dass es im Lager von CDU\/CSU und FDP 44 Abtr&uuml;nnige geben w&uuml;rde. Und das auch noch ohne, dass es einen vorherigen Kontakt zwischen SPD und Gr&uuml;nen mit der Linken gegeben h&auml;tte.<\/p><p>Wie das Endergebnis schlie&szlig;lich zeigte, ist es noch verwegener, davon auszugehen, dass, wenn es auch nur Ger&uuml;chte dar&uuml;ber gegeben h&auml;tte, dass die Linke komplett f&uuml;r Gauck stimmt, dass nicht wenigstens eines der Mitglieder von CDU\/CSU und FDP, das im ersten Wahlgang noch f&uuml;r Gauck stimmte schon im ersten Wahlgang umgeschwenkt w&auml;re und Wulff gew&auml;hlt h&auml;tte.<\/p><p>NachDenkSeiten-Leserinnen und Leser haben schon zahlreiche Beispiele daf&uuml;r lesen m&uuml;ssen, dass Politiker, um einen Vorteil gegen&uuml;ber einem politischen Gegner zu erlangen, die Unwahrheit sagen. Es entspricht auch der Erfahrung, dass eine Unwahrheit geglaubt wird, wenn nur ausreichend viele diese Unwahrheit wiederholen. &Uuml;blicherweise ist die Unwahrheit aber nicht so leicht erkennbar, wie in diesem Falle, wo es f&uuml;r jeden ausreicht die Grundrechenart der Addition zu beherrschen, um zu erkennen, dass die Rechnung falsch ist. <\/p><p>Normalerweise wird eine Unwahrheit in eine Behauptung verpackt, die man mit Fakten vielleicht gar nicht oder nur umst&auml;ndlich widerlegen kann. Man kann die Behauptung also glauben oder nicht glauben und ob man jemand glaubt, h&auml;ngt h&auml;ufig vor allem davon ab, ob man auf dessen Wort vertraut. <\/p><p>Da das Vertrauen aber zum wichtigsten &bdquo;Kapital&ldquo; von Politikern geh&ouml;rt, wird es in der Regel nicht riskiert eine unwahre Aussage zu machen, die leicht und sofort widerlegt werden kann. <\/p><p>Diese Regel wurde aber beim Versuch der Legendenbildung, die Linke habe Wulff zum Amt des Bundespr&auml;sidenten verholfen und Gauck verhindert, str&auml;flich au&szlig;er acht gelassen.<\/p><p>Man sollte eigentlich davon ausgehen k&ouml;nnen, dass die genannten Politiker und die meisten Kommentatoren, die diese unwahre Behauptung zur politischen Schlagwaffe benutzen, die einfachen Grundrechenart des Zusammenz&auml;hlens von dreistelligen Zahlen beherrschen. Deswegen kann man die unwahren Aussagen der Politiker und das Nachplappern der Journalisten nicht als Nachl&auml;ssigkeit oder als nur fahrl&auml;ssig abtun. <\/p><p>Nein, wenn jemand bewusst die Unwahrheit sagt, dann ist das eine L&uuml;ge. Es ist sogar eine gemeine L&uuml;ge, weil sie nur den eigenen Vorteil zum Zweck hat und dazu noch das Ansehen oder den Ruf eines anderen sch&auml;digt.<br>\nEs ist eine uralte Erkenntnis, dass die L&uuml;ge das Vertrauen in die Wahrheit des L&uuml;gners zerst&ouml;rt. Wer einmal l&uuml;gt dem glaubt man nicht, sagt schon der Volksmund.<\/p><p>Die Politiker und Journalisten, die also L&uuml;gen &uuml;ber die Wahl zum Bundespr&auml;sidenten zur politischen Legendenbildung nutzen m&ouml;chten, schaden sich also selbst am meisten.<br>\nAber dieser Schaden w&auml;re nicht schlimm, weil er nur die betreffenden Personen trifft. Weil diese Personen aber Verantwortung f&uuml;r unsere Demokratie tragen, f&uuml;gen sie der Glaubw&uuml;rdigkeit in unsere Demokratie einen schweren Schaden zu.<\/p><p>Diejenigen die behaupten, die LINKE sei noch nicht in der Demokratie angekommen, sind auf dem besten Wege, selbst die Demokratie schwer zu besch&auml;digen.<\/p><p>p.s.: Ich gestehe frank und frei, dass es mir nicht darum geht, die Linke zu verteidigen, sondern allein darum, dass L&uuml;gen kein Mittel der Politik sein d&uuml;rfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diejenigen, die behaupten Christian Wulff sei mit Hilfe der Linken zum Bundespr&auml;sidenten gew&auml;hlt worden, sagen die Unwahrheit. Wer noch eins und eins zusammenz&auml;hlen kann, wird die sich hinter dieser Legende verbergende Unwahrheit als L&uuml;ge erkennen. Die Verbreitung von offenkundige L&uuml;gen durch Politiker und Medien zerst&ouml;ren Glaubw&uuml;rdigkeit und besch&auml;digt das Vertrauen in die Demokratie.<br \/> Diejenigen die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6065\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,195,12],"tags":[814,401,764,830,831,752],"class_list":["post-6065","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-die-linke","category-manipulation-des-monats","tag-oezdemir-cem","tag-gabriel-sigmar","tag-gauck-joachim","tag-nahles-andrea","tag-scholz-olaf","tag-wulff-christian"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6065","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6065"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6065\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6074,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6065\/revisions\/6074"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6065"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6065"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6065"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}