{"id":60786,"date":"2020-05-07T09:00:56","date_gmt":"2020-05-07T07:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60786"},"modified":"2026-01-27T11:35:45","modified_gmt":"2026-01-27T10:35:45","slug":"armutsforscher-butterwegge-noetig-waere-ein-corona-soli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60786","title":{"rendered":"Armutsforscher Butterwegge: \u201eN\u00f6tig w\u00e4re ein Corona-Soli\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Man muss kein Prophet sein, um voraussagen zu k&ouml;nnen, dass die gesellschaftlichen Verteilungsk&auml;mpfe sehr viel h&auml;rter als zuvor werden.&ldquo; Das sagt der Armutsforscher <strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56488\">Christoph Butterwegge<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Der Politikwissenschaftler betont, dass demn&auml;chst dar&uuml;ber zu entscheiden sein wird, &bdquo;wer die Kosten der Pandemie und des wochenlangen Shutdowns zu tragen hat.&ldquo;  Er sieht nur zwei Alternativen: Entweder legt man Hand an den Sozialstaat an oder aber die Politik &bdquo;bittet die Wohlhabenden, Reichen und Hyperreichen durch Steuererh&ouml;hungen zur Kasse.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9394\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-60786-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200507_Armutsforscher_Butterwegge_Noetig_waere_ein_Corona_Soli_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200507_Armutsforscher_Butterwegge_Noetig_waere_ein_Corona_Soli_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200507_Armutsforscher_Butterwegge_Noetig_waere_ein_Corona_Soli_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200507_Armutsforscher_Butterwegge_Noetig_waere_ein_Corona_Soli_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=60786-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200507_Armutsforscher_Butterwegge_Noetig_waere_ein_Corona_Soli_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200507_Armutsforscher_Butterwegge_Noetig_waere_ein_Corona_Soli_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Es ist kein Geheimnis: Krisen treffen die Armen meistens am h&auml;rtesten. In der Coronakrise m&uuml;ssen die Hartz-IV-Empf&auml;nger nach wie vor mit ihrem gleichgebliebenen Regelsatz auskommen. Sie sind Ungleichheitsforscher und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58786\">setzen sich seit langem intensiv<\/a> mit den Lebensverh&auml;ltnissen der Armen auseinander. Was bedeutet die gegenw&auml;rtige Situation f&uuml;r die Menschen, die auf Transferleistungen angewiesen sind?<\/strong><\/p><p>Einem alleinstehenden Hartz-IV-Bezieher werden f&uuml;r Nahrung und alkoholfreie Getr&auml;nke gerade einmal 150 Euro im Monat zugebilligt. Davon kann niemand gesund leben, erst recht nicht, wenn das Immunsystem aufgrund der Infektionsgefahr durch den Verzehr von Obst und Gem&uuml;se gest&auml;rkt werden soll, die Lebensmittelpreise steigen und der Tafelladen im Ort geschlossen hat. Selbst wenn Hamsterk&auml;ufer dem Arbeitslosengeld-II-Bezieher die preiswerten Lebensmittel wie Nudeln und Mehl nicht weggeschnappt haben, fehlen ihm der Platz und das Geld, um gr&ouml;&szlig;ere und im Endeffekt billigere Packungen zu nehmen &ndash; von der M&ouml;glichkeit, mit dem Auto im g&uuml;nstigeren Supermarkt auf der gr&uuml;nen Wiese einzukaufen, ganz zu schweigen.<\/p><p><strong>Woran mangelt es konkret?<\/strong><\/p><p>Familien im Transferleistungsbezug leiden unter den wochenlangen Schlie&szlig;ungen von Kitas und Schulen nicht zuletzt deshalb besonders, weil die Kinder nicht mehr kostenlos in den &ouml;ffentlichen Betreuungseinrichtungen verpflegt werden. Frauen, denen es ohnehin schwerf&auml;llt, Erwerbs- und Erziehungsarbeit miteinander zu vereinbaren, werden zur&uuml;ck an Heim und Herd gedr&auml;ngt. Ich wei&szlig; nicht, wie Alleinerziehende mit diesem Problem, das sie physisch und psychisch &uuml;ber alle Ma&szlig;e belastet, fertigwerden sollen.<\/p><p><strong>Erst k&uuml;rzlich hat ein Vater, der Hartz IV bezieht, &ouml;ffentlich gemacht, dass seine Kinder dringend einen Computer f&uuml;r die Schule brauchen, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60604\">den ihnen die Beh&ouml;rden aber verweigern<\/a>. Ist das ein typischer Fall, wo deutlich wird, wie benachteiligt schon die Kinder aus armen Elternh&auml;usern sind?<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich sind die Bildungschancen in Deutschland genauso ungleich verteilt wie die Infektionsrisiken bei einer Pandemie. Schulbildung gilt den etablierten Parteien und den Massenmedien hierzulande zwar als Wundermittel f&uuml;r einen angeblich unbegrenzten sozialen Aufstieg, dies ist aber pure Ideologie. Denn das Bildungssystem reproduziert die materielle Ungleichheit und tr&auml;gt dazu bei, dass sich an der &uuml;berkommenen Sozialstruktur nichts &auml;ndert. Die strukturelle Bildungsbenachteiligung der Armen wirkt als gl&auml;serne Decke, weshalb sie an den weiterf&uuml;hrenden Schulen und an den Universit&auml;ten immer noch deutlich unterrepr&auml;sentiert sind. Hingegen k&ouml;nnte man in Abwandlung eines deutschen Sprichwortes sagen: Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg, sei es zum Abitur, zum Studium und\/oder zur beruflichen Karriere.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie nachvollziehen, warum das Jobcenter in M&ouml;nchengladbach und das Sozialgericht D&uuml;sseldorf sich der Hilfe verweigern? <\/strong><\/p><p>Nein, denn ihre Begr&uuml;ndungen sind wenig &uuml;berzeugend. In einem vergleichbaren Fall wurde die Forderung der betroffenen Familie nach Finanzierung eines Computers f&uuml;r die Schule allen Ernstes unter dem Vorwand abgelehnt, dass es sich hierbei nicht um einen &bdquo;laufenden&ldquo; Mehrbedarf handle. Kinder brauchen die Ger&auml;te aber nur einmal und nicht jeden Monat erneut, um beim Homeschooling, wie es auf Neuhochdeutsch hei&szlig;t, mithalten zu k&ouml;nnen. Da der digitale Unterricht die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler aus armen Elternh&auml;usern benachteiligt, weil sie entweder nicht &uuml;ber digitale Endger&auml;te verf&uuml;gen oder damit weniger gut vertraut sind, nimmt die vorhandene Privilegierung der Kinder aus bessersituierten Familien noch zu. Ob das angek&uuml;ndigte Sofortausstattungsprogramm des Bundes in H&ouml;he von 500 Millionen Euro daran etwas &auml;ndert, ist zu bezweifeln. Damit sollen die Bildungseinrichtungen bed&uuml;rftigen Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern einen Zuschuss von 150 Euro f&uuml;r die Anschaffung entsprechender Ger&auml;te gew&auml;hren und professionelle Online-Lehrangebote erstellen. Ein weiteres Problem sozial benachteiligter Familien kann dadurch mit Sicherheit nicht gel&ouml;st werden: Es besteht darin, dass armen Kindern oft ein eigenes Zimmer und damit ein ruhiger Arbeitsplatz fehlt, der ihnen ein konzentriertes Lernen erm&ouml;glichen w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Gerade wurde eine bundesweite Maskenpflicht eingef&uuml;hrt. Nicht jeder Hartz-IV-Empf&auml;nger kann n&auml;hen. Diejenigen, die Angst vor dem Virus haben, w&uuml;rden wahrscheinlich sich auch lieber Masken kaufen, als nur einen Schal zu nutzen. Wie soll das mit dem Regelsatz gehen?<\/strong><\/p><p>Dies ist eine berechtigte Frage, zumal die Mechanismen der hoch gelobten Sozialen Marktwirtschaft im heutigen &bdquo;Raubtierkapitalismus&ldquo; (Helmut Schmidt) daf&uuml;r gesorgt haben, dass der Preis f&uuml;r eine Atemschutzmaske fast &uuml;ber Nacht von ein paar Cent in der Spitze auf weit &uuml;ber 10 Euro hochgeschnellt ist. Wenn von jedem B&uuml;rger und jeder B&uuml;rgerin verlangt wird, dass sie in der &Ouml;ffentlichkeit geeignete Schutzkleidung tragen, muss man ihnen diese auch zur Verf&uuml;gung stellen. Momentan kommt der Sozialstaat seinen im Grundgesetz festgelegten Verpflichtungen gegen&uuml;ber Bed&uuml;rftigen nur l&uuml;ckenhaft nach.<\/p><p><strong>Sie haben fr&uuml;hzeitig gefordert, wegen der Pandemie einen Ern&auml;hrungszuschlag einzuf&uuml;hren und <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1134958.corona-und-soziale-folgen-butterwegge-fordert-corona-rettungsschirm-fuer-alleraermste.html\">den Regelsatz befristet um 100 Euro monatlich zu erh&ouml;hen<\/a>. Was sind denn Ihre weiteren Vorschl&auml;ge? <\/strong><\/p><p>Die befristete Gew&auml;hrung eines Ern&auml;hrungszuschlags von mindestens 100 Euro monatlich auf den Regelbedarf im SGB II (Hartz IV), im SGB XII (Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung) sowie auf die Asylbewerberleistungen ist &uuml;berf&auml;llig. Wohlfahrtsverb&auml;nde und Kirchen haben sich dieser Idee angeschlossen, Sozialminister Hubertus Heil hat zumindest ein gewisses Verst&auml;ndnis daf&uuml;r erkennen lassen. Wenn die Miete wegen Verdienstausfalls oder ausbleibender Auftr&auml;ge nicht bezahlt werden kann, w&auml;re eine Notfall-Komponente im Wohngeld die L&ouml;sung. Nicht blo&szlig; K&uuml;ndigungen, R&auml;umungsklagen und Zwangsr&auml;umungen, sondern auch Mieterh&ouml;hungen sollten f&uuml;r eine &Uuml;bergangszeit ausgeschlossen werden. Geschehen ist allerdings nichts, obwohl Bund, L&auml;nder und Gemeinden fast &uuml;ber Nacht mehr als eine Billion Euro f&uuml;r Hilfsma&szlig;nahmen, Kredite und B&uuml;rgschaften mobilisiert haben, die in erster Linie der Wirtschaft zugutekommen.<\/p><p><strong>Halten Sie diese Finanzhilfen denn f&uuml;r eine Fehlinvestition des Staates?<\/strong><\/p><p>Mich st&ouml;rt haupts&auml;chlich die falsche Gewichtung der beschlossenen Hilfspakete. W&auml;hrend zahlreiche Unternehmen, darunter auch gro&szlig;e Konzerne, die eine robuste Kapitalausstattung haben und eine ansehnliche Dividende zahlen, von der Bereitschaft des Staates zu einer hohen Neuverschuldung profitieren, gingen die Einkommensschwachen bei den Rettungspaketen bisher weitgehend leer aus. Unterst&uuml;tzt wurden n&auml;mlich gerade jene Menschen nicht, die als Hauptleidtragende der Pandemie mit den gr&ouml;&szlig;ten Problemen zu k&auml;mpfen haben. Selbst das seinem Volumen nach &uuml;berschaubare &bdquo;Sozial-Schutz-Paket&ldquo; der Bundesregierung wies eine verteilungspolitische Schieflage auf. Derzeit halten Wirtschaftslobbyisten der Automobilindustrie und anderer Branchen mit Hilfe neoliberaler &Ouml;konomen, die den Staat sonst als das gr&ouml;&szlig;te &Uuml;bel gei&szlig;eln, bei der Bundesregierung die Hand auf, um sich die Kassen zu f&uuml;llen, w&auml;hrend sie die katastrophalen sozialen Folgen der Pandemie nicht interessieren.<\/p><p><strong>Spielen Sie damit auf die Situation der Obdachlosen an? F&uuml;r sie d&uuml;rfte die aktuelle Lage besonders bedrohlich sein. Was m&uuml;sste deshalb von politischer Seite unternommen werden, um ihnen zu helfen?<\/strong><\/p><p>Wird f&uuml;r die Wohnungs- und Obdachlosen sowie die Suchtkranken unter ihnen nicht mehr getan, droht dieser Personengruppe eine seit der unmittelbaren Nachkriegszeit nie mehr gekannte Verelendung. Hauptbetroffene sind zweifellos jene Menschen, die ohne nennenswertes Einkommen auf der Stra&szlig;e leben. Ein deutliches Alarmsignal ist die Krise der Stra&szlig;enzeitungen, deren Verkauf den &Auml;rmsten neben dem Pfandsammeln und dem Betteln immerhin noch ein kleines Einkommen gesichert hatte. Trotz der Lockerungen des Shutdowns fehlen die Passanten, zumal sich die verbliebenen &uuml;berwiegend vor einer Ansteckung f&uuml;rchten. Das gilt auch f&uuml;r Stra&szlig;enmusiker, die dasselbe Problem haben wie die Zeitungsverk&auml;ufer. Die kommunalen Sozialdienste sind &bdquo;systemrelevanter&ldquo; denn je, stehen aber unter enormem Druck, weil im Obdachlosenmilieu derzeit Verzweiflung um sich greift. Wenn man sie schon nicht in leerstehende Wohnungen, Hotels und Pensionen einziehen l&auml;sst, m&uuml;ssten den Betroffenen zumindest mehr Streetworker und W&auml;rmestuben ebenso wie Sanit&auml;rstationen bereitgestellt werden.<\/p><p><strong>Wie stellen Sie sich denn die Finanzierung Ihrer Forderungen vor?<\/strong><\/p><p>Man sollte den urspr&uuml;nglich zur Finanzierung der Vereinigung und des Zweiten Golfkrieges erhobenen Solidarit&auml;tszuschlag auf die Einkommen-, Kapitalertrag- und K&ouml;rperschaftsteuer weder &ndash; wie vom Parlament beschlossen &ndash; einkommensstarken Angeh&ouml;rigen der Mittelschicht zum 1. Januar 2021 erlassen noch &ndash; wie zuletzt vom bayerischen Ministerpr&auml;sidenten Markus S&ouml;der erneut gefordert &ndash; komplett abschaffen, sondern umwidmen. N&ouml;tig w&auml;re ein &bdquo;Corona-Soli&ldquo;, der durch volle Aufrechterhaltung des Solidarit&auml;tszuschlages die Besserverdienenden, Kapitaleigent&uuml;mer und Konzerne zur Bew&auml;ltigung der Pandemiekosten heranziehen w&uuml;rde. Das erg&auml;be zwischen zehn und 20 Milliarden Euro j&auml;hrlich, von denen die &auml;rmere H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung nur einen Bruchteil aufbringen m&uuml;sste. <\/p><p><strong>Es ist anzunehmen, dass es Widerstand geben wird. Wie w&uuml;rden Sie die Einf&uuml;hrung eines &bdquo;Corona-Solis&ldquo; rechtfertigen?<\/strong><\/p><p>Praktisch alle Steuern, die besonders Wohlhabende, Reiche und Hyperreiche zahlen, sind in den vergangenen drei Jahrzehnten gesenkt oder abgeschafft worden. Ersteres gilt f&uuml;r den Spitzensteuersatz in der Einkommensteuer, f&uuml;r die K&ouml;rperschaftsteuer (als der Einkommensteuer f&uuml;r nat&uuml;rliche Personen entsprechende Steuerart f&uuml;r Konzerne und Stiftungen), die Kapitalertragsteuer und die Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer f&uuml;r Firmenerben. Letzteres gilt f&uuml;r die B&ouml;rsenumsatz- und die Gewerbekapitalsteuer. Auch die Verm&ouml;gensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben, weil die Regierung Kohl ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Privilegierung des Immobilienverm&ouml;gens gegen&uuml;ber dem Geldverm&ouml;gen bem&auml;ngelt hatte, als Vorwand missbraucht hat, um alle Verm&ouml;genden gleicherma&szlig;en zu beg&uuml;nstigen. Deshalb w&auml;re eine Verm&ouml;gensabgabe als Lastenausgleich und eine Wiedererhebung der Verm&ouml;gensteuer mit Sicherheit legitim.<\/p><p><strong>Halten Sie es f&uuml;r realistisch, das auch durchzusetzen, und welche Alternativen dazu gibt es?<\/strong><\/p><p>Man muss kein Prophet sein, um voraussagen zu k&ouml;nnen, dass die gesellschaftlichen Verteilungsk&auml;mpfe sehr viel h&auml;rter als zuvor werden. Demn&auml;chst wird dar&uuml;ber entschieden, wer die Kosten der Pandemie und des wochenlangen Shutdowns zu tragen hat. Da der R&uuml;stungshaushalt in den vergangenen Jahren deutlich erh&ouml;ht worden ist und keine Regierungspartei gro&szlig;es Interesse an Schritten zur Abr&uuml;stung erkennen l&auml;sst, bleiben nur zwei Handlungsalternativen: Entweder l&auml;sst man den Sozialstaat zur Ader oder man bittet die Wohlhabenden, Reichen und Hyperreichen durch Steuererh&ouml;hungen zur Kasse. Wegen des Merkel-Dogmas &bdquo;Keine Steuererh&ouml;hungen, egal f&uuml;r wen!&ldquo; sowie der bestehenden Macht- und parlamentarischen Mehrheitsverh&auml;ltnisse d&uuml;rfte ein &bdquo;Sparkurs&ldquo; in der Sozialpolitik die k&uuml;nftige Regierungspraxis bestimmen. Erstes Anzeichen daf&uuml;r sind die lauter werdenden Rufe in der Union, auf die Grundrente zu verzichten oder ihre f&uuml;r den 1. Januar 2021 vorgesehene Einf&uuml;hrung zu verschieben, obwohl die Altersarmut durch die Corona-Krise ja nicht ab-, sondern zunimmt.<\/p><p><strong>Sie zeichnen ein ziemlich d&uuml;steres Zukunftsszenario. Gibt es denn &uuml;berhaupt keine Hoffnung auf mehr Solidarit&auml;t und soziales Verantwortungsbewusstsein?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Vor einem Virus sind alle gleich&ldquo;, glauben immer noch viele Menschen. Tats&auml;chlich haben Seuchen oft zur Eind&auml;mmung der sozio&ouml;konomischen Ungleichheit beigetragen. Das geschah f&uuml;r eine gewisse Zeit etwa bei den mittelalterlichen Pestepidemien, die nicht blo&szlig; in Europa unz&auml;hlige Menschen dahinrafften. Urs&auml;chlich daf&uuml;r waren ein Verfall der Lebensmittel-, Boden- und Immobilienpreise (aufgrund leerstehender H&auml;user) einerseits sowie ein Anstieg der L&ouml;hne (aufgrund fehlender Arbeitskr&auml;fte und deren gest&auml;rkter Verhandlungsposition) andererseits. Mit den bakteriell ausgel&ouml;sten Epidemien, die Deutschland im 19. Jahrhundert heimsuchten, Cholera und Typhus, hat die von dem als SARS-CoV-2 bezeichneten Virus hervorgerufene Covid-19-Erkrankung gemeinsam, die Immun- und Einkommensschw&auml;chsten am st&auml;rksten zu treffen. Auch die soziale Schlagseite der Schutzma&szlig;nahmen des Staates wird dazu beitragen, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vertieft, ebenso wie das im globalen Ma&szlig;stab zu bef&uuml;rchten ist.<\/p><p><em>Lesetipp: Butterwegge, Christoph: Die zerrissene Republik. Wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland. Beltz Juventa. 20. November 2019. 414 Seiten. 24,95 Euro.<\/em><\/p><p>Titelbild: Hyejin Kang \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Man muss kein Prophet sein, um voraussagen zu k&ouml;nnen, dass die gesellschaftlichen Verteilungsk&auml;mpfe sehr viel h&auml;rter als zuvor werden.&ldquo; Das sagt der Armutsforscher <strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56488\">Christoph Butterwegge<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. 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