{"id":6079,"date":"2010-07-05T08:48:30","date_gmt":"2010-07-05T06:48:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6079"},"modified":"2014-03-05T10:57:48","modified_gmt":"2014-03-05T09:57:48","slug":"schwankend-wie-ein-rohr-im-wind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6079","title":{"rendered":"Schwankend wie ein Rohr im Wind"},"content":{"rendered":"<p>Bis kurz vor der Wahl zum Bundespr&auml;sidenten galt nach den Umfragen Joachim Gauck als &bdquo;Liebling&ldquo; des Volkes. Einen Tag nach der Wahl gilt Wulff als beliebt beim Volk. Dieser Stimmungsumschwung l&auml;sst einen erschrecken. Er belegt die Macht der Medien und er beweist zugleich, dass der Mainstream der Medien die SPD und die Gr&uuml;nen nur dann unterst&uuml;tzt, wenn diese Parteien &ndash; wie bei der Nominierung von Joachim Gauck &ndash;  liberal-konservative Vorschl&auml;ge machen. Wenn diese konservative Medienbarriere nicht durchbrochen wird, hat in Deutschland  auf absehbare Zeit nur eine Gro&szlig;e Koalition oder Jamaika bzw. Schwarz-Gelb eine Chance. Die gezielt vorangetriebene Spaltung des &bdquo;linken&ldquo; Lagers dr&auml;ngt die Vermutung auf, dass das auch das wirkliche Ziel der Parteif&uuml;hrungen von SPD und Gr&uuml;nen ist. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>&bdquo;Gauck beliebter als Wulff&ldquo;<\/strong><br>\nSo war die Stimmung am 11. Juni 2010<br>\n&bdquo;Bei einer Direktwahl des Bundespr&auml;sidenten k&ouml;nnte laut der Umfrage &ldquo;Deutschland-Trend&rdquo; im ARD-Morgenmagazin der rot-gr&uuml;ne Kandidat Joachim Gauck mit deutlich mehr Stimmen rechnen als Christian Wulff (CDU). Keiner der beiden bek&auml;me aber eine Mehrheit. Befragt wurden Anfang der Woche 1.000 Bundesb&uuml;rger.<br>\n40 Prozent der Befragten w&uuml;rden sich f&uuml;r Gauck entscheiden (davon 39 Prozent der Westdeutschen und 47 Prozent der Ostdeutschen), 31 Prozent h&auml;tten Wulff (West: 33 Prozent, Ost: 25 Prozent) gerne als Pr&auml;sidenten. Linken-Kandidatin Luc Jochimsen bek&auml;me <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/gauck-beliebter-als-wulff\/\">nur drei Prozent Zustimmung<\/a>&ldquo; . <\/p><p>Sogar noch drei Tage vor der Wahl zum Bundespr&auml;sidenten, am 27. Juni 2010, war<br>\n<strong>&bdquo;Gauck vor Wulff bei Umfragen&ldquo;<\/strong>.<br>\n&bdquo;Bei einer Umfrage des Emnid-Institutes wenige Tage vor der Bundespr&auml;sidentenwahl liegt der Kandidat der Gr&uuml;nen und der SPD, Joachim Gauck, vor seinem Konkurrenten, Niedersachsens Ministerpr&auml;sident Christian Wulff.<br>\nDemnach liegt Joachim Gauck laut einer Emnid-Umfrage bei 42 Prozent, w&auml;hrend Christian Wulff nur auf 36 Prozent k&auml;me. Seit seiner Nominierung vor rund drei Wochen konnte Gauck somit um ganze zehn Prozent in den Umfragen zulegen, sein Kontrahent hingegen verlor ein Prozent. Vor allem bei den Geschlechtern gibt es aber gro&szlig;e Unterschiede, so halten beispielsweise die Frauen Christian Wulff f&uuml;r den besseren Kandidaten, w&auml;hrend Gauck bei dem M&auml;nnern klar <a href=\"http:\/\/www.noows.de\/bundespraesidentenwahl-gauck-vor-wulff-bei-umfragen-19443\">dominiert<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Einen Tag nach der Wahl zum Bundespr&auml;sidenten gab es offenbar einen totalen Stimmungsumschwung:<\/p><p><strong>Bewertung f&uuml;r Wulff: sympathisch, glaubw&uuml;rdig, volksnah <\/strong><br>\nZur Einsch&auml;tzung Wulffs befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap laut ARD 799 Wahlberechtigte bundesweit telefonisch, zu den anderen Punkten 1000. 58 Prozent der Deutschen denken demnach, dass am Ende mit Wulff der richtige Kandidat gew&auml;hlt worden ist. Nur 35 Prozent finden, dass Joachim Gauck der bessere Pr&auml;sident gewesen w&auml;re. 79 Prozent der Befragten finden es gut, &ldquo;dass diesmal ein j&uuml;ngerer Kandidat in das Amt gew&auml;hlt wurde&rdquo;.<br>\nChristian Wulff wird von den B&uuml;rgern sehr positiv bewertet. 82 Prozent halten ihn f&uuml;r sympathisch, 74 Prozent f&uuml;r glaubw&uuml;rdig und 66 Prozent f&uuml;r volksnah. 80 Prozent sind der Meinung, dass Wulff Deutschland in der Welt gut vertreten kann. 64 Prozent denken, dass Wulff mit den Problemen der B&uuml;rger vertraut ist. 54 Prozent finden, dass Wulff die richtigen Themen anspricht. Dass Wulff &uuml;ber den Parteien stehen wird, glaubt allerdings nur weniger als die H&auml;lfte der Deutschen (47 Prozent).<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.infratest-dimap.de\/umfragen-analysen\/bundesweit\/ard-deutschlandtrend\/2010\/juli\/%20\">ARD-DeutschlandTREND <\/a><\/p><p>Wochenlang war also Joachim Gauck der &bdquo;Liebling&ldquo; des Volkes und Christian Wulff hatte  erheblich geringere Sympathien. Ein Tag nach Wahl ist alles anders. <\/p><p>Daraus kann man folgern: Entweder sind Umfragen nichts wert oder aber die Meinungen der Befragten. <\/p><p>Bilden aber die Umfragen die Meinungen jeweils wirklich ab, so kann man nur erschrecken. <\/p><p>Denn damit wird belegt, wie ausschlie&szlig;lich die Medien Meinungen machen. Vier Wochen lang gab es, initiiert von der Springer-Presse, eine Medien-Kampagne f&uuml;r Gauck &ndash; bis hin zu den &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten machten die meisten Medien mit. Ergebnis: Gauck war der Kandidat des Volkes.<\/p><p>Kaum war die Wahl gelaufen, da gab es einen Medien-Hype f&uuml;r Wulff. Und &uuml;ber Nacht halten Wulff 82 % f&uuml;r sympathisch, 74 % f&uuml;r glaubw&uuml;rdig und 66 % f&uuml;r volksnah und 47% halten ihn gegen&uuml;ber Gauck f&uuml;r den besseren Bundespr&auml;sidenten. Was hat sich &uuml;ber Nacht an der Einsch&auml;tzung der Personen anderes ver&auml;ndert als die Medienlage?<\/p><p>An dieser Meinungsmache mag man auch ablesen, wie wenig es dauerhaft politisch hilft, wenn man mit Personen machtaktische Spiele zu treiben versuchte. Die SPD und die Gr&uuml;nen haben mit ihrem &Uuml;berraschungscoup, Gauck zu Kandidaten vorzuschlagen, in der Sache nichts gewonnen. Sie haben vielleicht Merkel vor&uuml;bergehend ein wenig geschw&auml;cht und sie haben das &bdquo;linke&ldquo; Lager einmal mehr gespalten. F&uuml;r ihre politischen Inhalte &ndash; wenn sie denn mit Gauck solche vermitteln wollten &ndash; haben sie rein gar nichts gewonnen. <\/p><p>Es sollte SPD und Gr&uuml;nen zu denken geben, wie sehr sie Spielball der Medien sind. Sie k&ouml;nnen aus dem ganzen Spiel eigentlich nur den be&auml;ngstigenden Schluss ziehen, dass sie nur dann die Medien auf ihrer Seite haben, wenn diese Parteien Positionen vertreten, die den (weit &uuml;berwiegend konservativen) Medien gef&auml;llig sind. Und wenn SPD und Gr&uuml;ne noch im geringsten Ma&szlig;e selbstkritisch w&auml;ren, dann m&uuml;ssten sie ern&uuml;chtert erkennen, dass sie die Unterst&uuml;tzung durch die Medien nur dann erwarten d&uuml;rfen, wenn sie &ndash; wie bei Gauck &ndash; auf liberal-konservative Werte und antikommunistische Syndrome setzen. <\/p><p>Solange SPD und Gr&uuml;ne diese Medienbarriere aber nicht erkennen, wird die SPD in den Medien nur dann freundlich behandelt werden, wenn sie sich als (Ersatz-)Juniorpartner der CDU andient. Und die Gr&uuml;nen werden von den Medien nur so lange unterst&uuml;tzt, so lange sie sich als Koalitionspartner f&uuml;r Schwarz-Gelb oder f&uuml;r Jamaika anbiedern. <\/p><p>Das ist die eigentliche Lehre aus der Medienkampagne um die Wahl des Bundespr&auml;sidenten. Der Vorschlag Gauck l&auml;sst vermuten, dass die F&uuml;hrungsriegen von SPD und Gr&uuml;nen diesen Mechanismus erkannt haben und deshalb eben auch nur noch auf solche Koalitionsoptionen setzen. Sonst w&auml;re es auch kaum nachvollziehbar, dass diese Wahl zum Bundespr&auml;sidenten einerseits nutzten, um einerseits die schwarz-gelbe Koalition  zu schw&auml;chen und gleichzeitig das &bdquo;linke&ldquo; Lager durch ihre Attacken auf die Linke weiter auseinander zu treiben.<br>\nF&uuml;r alle diejenigen, die auf eine andere Politik f&uuml;r Deutschland hoffen, ist das ein ziemlich deprimierender Befund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis kurz vor der Wahl zum Bundespr&auml;sidenten galt nach den Umfragen Joachim Gauck als &bdquo;Liebling&ldquo; des Volkes. Einen Tag nach der Wahl gilt Wulff als beliebt beim Volk. Dieser Stimmungsumschwung l&auml;sst einen erschrecken. 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