{"id":61034,"date":"2020-05-16T11:45:00","date_gmt":"2020-05-16T09:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61034"},"modified":"2020-05-18T07:36:45","modified_gmt":"2020-05-18T05:36:45","slug":"die-machtelite-rezension-eines-soziologischen-klassikers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61034","title":{"rendered":"Die Machtelite \u2013 Rezension eines soziologischen Klassikers"},"content":{"rendered":"<p>Der Westend-Verlag hat das Werk &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Die-Machtelite.html\">Die Machtelite<\/a>&ldquo; des US-amerikanischen Soziologen C. Wright Mills neu aufgelegt. Dieser Klassiker der amerikanischen Soziologie erschien erstmals 1956. Ein Buch, dessen Lekt&uuml;re sich auch heute noch lohnt, meint Udo Brandes. Er hat das Buch f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen.<br>\n<!--more--><br>\nAls ich Politik studierte, besuchte ich im 2. Semester ein Seminar &uuml;ber die Soziologie Max Webers. Mich interessierte vor allem, was er &uuml;ber Macht zu sagen hatte. Weil mich das Thema &bdquo;Macht&ldquo; &uuml;berhaupt grundlegend interessiert. (Warum auch studierte man sonst Politikwissenschaft?) Deshalb hat es mich gefreut, dass der Westend-Verlag diesen Klassiker der Machtsoziologie, den ich noch nicht kannte, neu auflegte. Bei der Lekt&uuml;re stellte ich dann auch noch fest, dass Mills Macht mit Webers klassischem Begriff definiert: &bdquo;Macht ist die Chance, den eigenen Willen auch gegen den Widerstand anderer durchzusetzen.&ldquo; So konnte ich bei der Lekt&uuml;re quasi einen biografischen Bogen schlie&szlig;en. <\/p><p>Mills Werk mit insgesamt 574 Seiten (inklusive Vorwort) ist kein Buch, das man wie einen Roman in einem Zug durchliest. Sondern eher ein Buch, das man immer wieder zur Hand nimmt, weil einen das Thema &bdquo;Machtelite&ldquo; interessiert und besch&auml;ftigt (siehe dazu auch das Inhaltsverzeichnis am Ende der Rezension).<\/p><p><strong>Warum einen soziologischen Klassiker aus dem Jahr 1956 lesen?<\/strong><\/p><p>Aber warum sollte man f&uuml;r dieses Interesse ausgerechnet ein Buch lesen, dessen Forschungsstand das Jahr 1956 ist? Und das die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse und die Machtelite eben dieser Zeit portr&auml;tiert? Was n&uuml;tzt einem dies heute noch? <\/p><p>Nun, zum einen haben sich die Verh&auml;ltnisse nicht so grundlegend ver&auml;ndert. Von mancher Zeile aus Mills Werk k&ouml;nnte man meinen, sie sei in diesen Tagen geschrieben worden. Zum anderen lohnt es sich, aus demselben Grund Mills zu lesen, aus dem es sich auch heute noch lohnt, den gro&szlig;en Soziologen Max Weber oder Karl Marx zu lesen: Weil sie Grundlegendes beschrieben haben, das weit &uuml;ber den Tag hinaus Bedeutung hat. Um ein Beispiel zu nennen: Viele Experten hielten es f&uuml;r praktisch ausgeschlossen, dass Donald Trump die letzte Wahl zum US-Pr&auml;sidenten gewinnen k&ouml;nnte, weil er sich vollkommen kontr&auml;r zu den Rollenerwartungen an einen Pr&auml;sidenten bzw. Pr&auml;sidentschaftskandidaten verhielt. Vielleicht h&auml;tte sie ein Blick in Mills Werk vorsichtiger gemacht. Er schreibt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;W&auml;hrend die meisten Menschen die ihnen zugewiesene Rolle genauso spielen, wie es ihrer Stellung entsprechend von ihnen erwartet wird, ist gerade die Elite in ihrem Verhalten nicht durch die Rolle gebunden und l&auml;sst sich h&auml;ufig auch nicht durch sie binden. Die Elite kann die Gesellschaftsstruktur und ihre eigene Rolle in ihr oder die Art und Weise, wie sie diese Rolle spielen soll, in Frage stellen&ldquo; (S. 75).\n<\/p><\/blockquote><p>Er erl&auml;utert diesen Satz mit verschiedenen Beispielen. Unter anderem mit diesem: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Und es war keine &sbquo;historische Notwendigkeit&rsquo;, dass eine Atombombe auf Hiroshima geworfen wurde, sondern ein Mann namens Truman fasste mit einigen anderen gemeinsam diesen Entschluss&ldquo; (S. 75).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Mills Erkenntnisse sind auch heute noch aktuell<\/strong><\/p><p>Ich finde, genau diese beiden Zitate sollten sich alle diejenigen hinter die Ohren schreiben, die allen Ernstes glauben, dass ein US-amerikanischer Pr&auml;sident nicht auf die Idee kommen k&ouml;nnte, einen Atomkrieg zu beginnen. Wenn man dies vielleicht Barack Obama h&auml;tte unterstellen k&ouml;nnen: Diese Vernunft auch Trump zu unterstellen, ist meines Erachtens hochgradig leichtsinnig. Und eines ist sicher: Bei einem atomaren Krieg der USA haben wir die allerbesten Chancen, als allererste komplett ausradiert zu werden, solange die US-Atomraketen bei uns stationiert sind. Deshalb, man kann es wirklich nicht anders formulieren, ist die Bef&uuml;rwortung der Stationierung von US-Atomraketen in Deutschland bzw. Europa, wie sie in gro&szlig;en Teilen der politischen Klasse inklusive der Medien vertreten wird, schlichtweg kompletter Wahnsinn und ein totaler Realit&auml;tsverlust. Und ich finde es schon geradezu pervers, dass diese extrem riskante Politik mit dem Begriff &bdquo;nukleare Teilhabe&ldquo; regelrecht verniedlicht wird (Eine Randbemerkung: Wer sich n&auml;her mit dem Thema der politischen Unvernunft besch&auml;ftigen m&ouml;chte, dem sei das Buch &bdquo;Staat und Krieg. Die historische Logik politischer Unvernunft&ldquo; des leider schon verstorbenen Berliner Politologen Ekkehart Krippendorff empfohlen; dieser analysiert darin, wie eigentlich diese Logik der Unvernunft zustande kommt).<\/p><p>Genau dieser Punkt, die atomare R&uuml;stung der USA, ist im &Uuml;brigen auch die wesentliche Motivation von Mills zu seinen Forschungen &uuml;ber die Machtelite: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zwar sind dem Willen von Menschen stets Grenzen gesetzt, doch niemals zuvor waren diese Grenzen soweit gezogen wie heute, weil eben die ihnen in die Hand gegebenen Machtmittel nie zuvor so ungeheuerlich gro&szlig; waren. Aus diesem Grunde ist unsere Situation so gef&auml;hrlich, und deshalb ist ein Verst&auml;ndnis der Macht der amerikanischen Elite und ihrer Grenzen so au&szlig;erordentlich wichtig. Die Eigenart und Machtf&uuml;lle dieser Elite zu er&ouml;rtern, ist heutzutage die einzige ernsthafte und realistische M&ouml;glichkeit, das Problem der verantwortlichen Regierung neu aufzuwerfen&ldquo; (S.76).\n<\/p><\/blockquote><p>Und das gilt nat&uuml;rlich genauso heute. Nicht nur in Bezug auf die M&ouml;glichkeit eines Atomkrieges, sondern auch auf die M&ouml;glichkeit, die Lebensgrundlagen von Menschen auf der Erde auch ohne Krieg zu zerst&ouml;ren (Ich meine den Klimawandel und die &ouml;kologische Krise). <\/p><p><strong>Pr&auml;gnante Ideologiekritik an den Mythen der Machtelite <\/strong><\/p><p>Auch die Ideologiekritik spielt in Mills Buch eine gro&szlig;e Rolle: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer Vorteile hat, will meist nicht wahrhaben, dass er nur zuf&auml;llig Vorteile genie&szlig;t. Viel lieber sieht er sich als einen Menschen, der solcher Vorteile wert ist, der <strong>verdient<\/strong>, was er besitzt. Er glaubt dann sogar, er geh&ouml;re &sbquo;von Natur aus&rsquo; zur Elite, und nimmt schlie&szlig;lich an, dass seine Besitzt&uuml;mer und Vorrechte nur die nat&uuml;rlichen Zugaben sind, die sich aus seiner Zugeh&ouml;rigkeit zur Elite sozusagen von selbst ergeben. (Ich habe mal in einem Artikel &uuml;ber Donald Trump gelesen, dass er tats&auml;chlich exakt so denkt; UB) In diesem Sinne liegt dem Gedanken, dass die Elite aus Menschen vornehmen Wesens und h&ouml;herer Moral besteht, eine Ideologie zugrunde, welche die Elite als privilegierte, herrschende Klasse begreift, wobei es gleichg&uuml;ltig ist, ob diese Ideologie von der Elite selbst stammt oder eigens f&uuml;r sie von anderen erfunden wurde&ldquo; (S. 62).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Machtelite: Wer ist das?<\/strong><\/p><p>Aber wer genau ist die Machtelite? Wer geh&ouml;rt nach Mills Analyse dazu? Er schreibt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Will man die Macht der amerikanischen Elite begreifen, so gen&uuml;gt es weder, von der geschichtlichen Bedeutung der Zeitereignisse auszugehen, noch darf man sich auf die Selbsteinsch&auml;tzung der M&auml;nner verlassen, die offenkundig Entscheidungsgewalt haben. (Mills spricht in Zusammenhang mit der Machtelite ganz selbstverst&auml;ndlich immer nur von M&auml;nnern, was seinerzeit, 1956, sicherlich eine objektiv zutreffende Tatsache war, sprich: dass Frauen damals nicht oder nur ausgesprochen selten Teil der Machtelite waren; UB) Hinter diesen M&auml;nnern und den geschichtlichen Ereignissen stehen verbindend die gro&szlig;en Institutionen der modernen Gesellschaft: der Staat, die Wirtschaft und die Streitkr&auml;fte. Sie stellen heute die eigentlichen Machtmittel dar, und sie sind als solche von gr&ouml;&szlig;erer Bedeutung als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Die Kommandostellen an der Spitze dieser Hierarchien sind es, die uns den Schl&uuml;ssel zum soziologischen Verst&auml;ndnis der Rolle liefern, die die gehobenen Kreise in den Vereinigten Staaten spielen. In der amerikanischen Gesellschaft sind Wirtschaft, Politik und Milit&auml;r die eigentlichen Machtzentren&ldquo; (S. 51-52).\n<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Nach Mills muss, wer in der amerikanischen Gesellschaft ernsthaft Macht aus&uuml;ben will, in eine dieser Kommandostellen gelangen. Man fragt sich: Fehlen hier nicht die Universit&auml;ten? Und vor allen Dingen: die Medien? Mills betont ausdr&uuml;cklich, dass die Universit&auml;ten nicht entscheidend seien. Und die Medien hat er gar nicht sonderlich thematisiert. Es stellt sich die Frage: Kann ein US-Pr&auml;sident tats&auml;chlich <em>gegen<\/em> die Medien regieren? Hat nicht zuletzt die Watergate-Aff&auml;re gezeigt, dass die Medien ein wichtiger Machtfaktor sind? Ja. Aber die Erfahrung mit Donald Trump zeigt eben auch, dass ein US-Pr&auml;sident sehr wohl auch gegen die Medien regieren kann. Erst recht in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. <\/p><p><strong>Erfolg: Gesellschaftliche Faktoren wichtiger als Charaktereigenschaften<\/strong><\/p><p>Ich erw&auml;hnte es schon weiter oben: Mills Buch &uuml;ber die Machtelite ist auch eine Kritik der Ideologie der Machtelite. Er kritisiert schon 1956 die individualisierenden neoliberalen Mythen, die den Erfolg der Machtelite und von Aufsteigern in die Machtelite als Ausdruck von pers&ouml;nlichen Charaktereigenschaften deuten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Vielleicht hatte J.P. Morgan (Gr&uuml;nder des gleichnamigen Bankhauses; UB) wirklich als Kind Minderwertigkeitskomplexe, vielleicht hat sein Vater wirklich geglaubt, aus ihm w&uuml;rde nichts. Vielleicht haben diese Umst&auml;nde in ihm tats&auml;chlich seinen ungew&ouml;hnlichen Drang nach der &sbquo;Macht um der Macht willen&rsquo; geweckt. Doch das alles w&auml;re unwesentlich, wenn Morgan in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem indischen Dorf am Rand des Dschungels aufgewachsen w&auml;re. Zum Verst&auml;ndnis der Superreichen m&uuml;ssen wir vor allem die wirtschaftliche und politische Struktur der Nation untersuchen, in der sie so reich werden konnten&ldquo; (S. 164).\n<\/p><\/blockquote><p>Und im letzten Kapitel &bdquo;Die h&ouml;here Unmoral&ldquo; charakterisiert Mills die Machtelite wie folgt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die herrschenden Kreise Amerikas erheben den stolzen Anspruch, dass ihre Mitglieder den Aufstieg nur ihrer eigenen T&uuml;chtigkeit zu verdanken haben. Das ist ihre Selbsteinsch&auml;tzung wie auch ihr eigens erfundener Mythos. Der Bev&ouml;lkerung sucht man das durch Anekdoten und Biografien glaubhaft zu machen&ldquo; (S. 469).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wenn Erfolg mit Reichtum gleichgesetzt wird<\/strong><\/p><p>Warum es uns allen schadet, wenn eine Gesellschaft ihre Institutionen nur noch profitorientiert organisiert, das erleben wir nicht nur durch die aktuelle Coronakrise, das hat auch Mills sehr sch&ouml;n auf den Punkt gebracht:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In einer Gesellschaft, deren Mitglieder nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind, k&ouml;nnen keine Menschen mit Verantwortungsgef&uuml;hl heranwachsen. Eine Gesellschaft, welche die Bedeutung des Wortes &sbquo;Erfolg&rsquo; einengt, indem sie Erfolg mit Reichtum gleichsetzt und ein Versagen im Kampf um diesen Erfolg als Haupts&uuml;nde brandmarkt, also Geld zum absoluten Wertbegriff erhebt, bringt den r&uuml;cksichtslosen Manager und das dunkle Gesch&auml;ft hervor. Gesegnet sind die Zyniker, nur sie haben das Zeug zum Erfolg&ldquo; (S.468).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Mills wurde nur 45 Jahre alt. Er starb an einem Herzinfarkt. Und trotz dieses fr&uuml;hen Todes hat er ein gro&szlig;es soziologisches Werk hinterlassen. Seine wissenschaftliche Karriere verfolgte er einerseits sehr zielstrebig und machtbewusst. Und auch erfolgreich. Unter anderem wurde er zum Professor an der Columbia University in New York berufen. Gleichzeitig war er aber in der Soziologie ein Au&szlig;enseiter und St&ouml;renfried, der sich mit den Gr&ouml;&szlig;en des Fachs anlegte. Sein Leben erinnert mich an die Biografie des ber&uuml;hmten franz&ouml;sischen Soziologen Pierre Bourdieu, der gesellschaftlich immer zwischen den St&uuml;hlen sa&szlig;: n&auml;mlich seiner l&auml;ndlich-provinziellen und kleinb&uuml;rgerlichen Herkunftsklasse, und der schillernden Pariser Bildungs- und Machtelite, in die er aufgestiegen war. Aber genau dieses Au&szlig;enseitertum und dieser, wie Bourdieu es nannte, &bdquo;gespaltene Habitus&ldquo; (also die Verinnerlichung unterschiedlicher gesellschaftlicher Normen, Werte, Denk- und Wahrnehmungsweisen) versetzte ihn in die Lage, soziologische Erkenntnisse zu gewinnen, die der &bdquo;geborenen Bildungselite&ldquo; verschlossen waren &ndash; und nicht selten dort auf gro&szlig;en Widerstand stie&szlig;en. Auch Mills (1916 in Texas geboren) war als Sohn eines Versicherungsvertreters in gewisser Weise ein Au&szlig;enseiter in seinem sp&auml;teren wissenschaftlichen Umfeld. Dazu beigetragen hatte auch die Figur seines Gro&szlig;vaters, der, als Mills noch ein Kind war, hinterr&uuml;cks erschossen wurde. Die Herausgeber schreiben dazu: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Figur seines Gro&szlig;vaters, den er als Prototyp eines texanischen Cowboys betrachtet, wird f&uuml;r Mills zu einem Leitbild. Dessen Outsider-Leben und unabh&auml;ngiges Denken &uuml;bten eine gro&szlig;e Anziehung auf ihn aus und formte sein Selbstbild als &sbquo;geborener Unruhestifter&rsquo;&ldquo; (S. 12).\n<\/p><\/blockquote><p>Leider gehen die Herausgeber in ihrem Vorwort nicht n&auml;her auf diesen Gro&szlig;vater ein. Aber von diesem kleinen Makel abgesehen ist es ein sehr informatives Vorwort, das den Soziologen und Menschen Mills umfassend portr&auml;tiert. <\/p><p>Was Mills&rsquo; Buch grunds&auml;tzlich auch f&uuml;r Laien interessant macht: Er schreibt sehr allgemeinverst&auml;ndlich und lebendig. Was nun wirklich f&uuml;r Soziologen keine Selbstverst&auml;ndlichkeit ist. Trotzdem h&auml;tte er f&uuml;r meinen Geschmack auf etlichen Seiten schneller und pointierter auf den Punkt kommen k&ouml;nnen. Aber vielleicht ist diese Sichtweise auch eine journalistische Berufskrankheit: Wenn man t&auml;glich viele Informationen verarbeiten muss, dann will man schnell den wesentlichen Punkt h&ouml;ren. L&auml;ngere Ausf&uuml;hrungen kommen einem dann schnell umst&auml;ndlich vor. Vielleicht ist es dar&uuml;ber hinaus aber auch ein Symptom unserer Internetzeit: Eine gewisse Unf&auml;higkeit zur geduldigen Konzentration. Man merkt dies ja auch, wenn man zum Beispiel einen alten Tatort-Krimi anschaut. Die kommen einem furchtbar langatmig vor, weil man heutzutage eine schnelle Erz&auml;hlweise gewohnt ist.<\/p><p>Die gesamte Ausstattung des Buches &ndash; Schriftbild, Schriftgr&ouml;&szlig;e, Druck- und Papierqualit&auml;t &ndash;  ist hervorragend. Dies gilt ebenso f&uuml;r die textliche Ausstattung: Sowohl das Vorwort der Herausgeber als auch der Text von Mills umfasst einen detaillierten Anmerkungsapparat sowie eine ausf&uuml;hrliche Literaturliste. Daneben gibt es ein Sach- und Namensregister, was heutzutage selbst in wissenschaftlichen Publikationen keineswegs mehr selbstverst&auml;ndlich ist. Das Buch wurde also sehr sorgf&auml;ltig ediert. <\/p><p>Ich kann es allen empfehlen, die sich f&uuml;r das Thema &bdquo;Macht&ldquo; mit allen seinen verschiedenen Aspekten interessieren. Da man im Rahmen einer Rezension eines so umfassenden Werkes sich immer nur auf einzelne Aspekte fokussieren kann, hier zur vertiefenden Information noch das Inhaltsverzeichnis des Originaltextes von Mills:<\/p><p><strong>C. Wright Mills: Die Machtelite<\/strong><\/p><p>An den Leser<\/p><ol>\n<li>Die gehobenen Kreise<\/li>\n<li>Die Oberschicht der Provinzst&auml;dte<\/li>\n<li>Die oberen 400 der Metropolen<\/li>\n<li>Die Stars und Ber&uuml;hmtheiten<\/li>\n<li>Die Superreichen<\/li>\n<li>Die Topmanager<\/li>\n<li>Die Konzernreichen<\/li>\n<li>Die Kriegsherren<\/li>\n<li>Die milit&auml;rische Vorherrschaft<\/li>\n<li>Das politische Direktorat<\/li>\n<li>Die Theorie vom Gleichgewicht der Kr&auml;fte<\/li>\n<li>Die Machtelite<\/li>\n<li>Die Massengesellschaft<\/li>\n<li>Die konservative Geisteshaltung<\/li>\n<li>Die h&ouml;here Unmoral<\/li>\n<\/ol><p><strong>C. Wright Mills: Die Machtelite, hrsg. von Bj&ouml;rn Wendt, Michael Walter und Marcus B. Kl&ouml;ckner, Westend Verlag, Frankfurt\/Main 2019, 574 Seiten, gebunden, 29,99 Euro.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Westend-Verlag hat das Werk &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Die-Machtelite.html\">Die Machtelite<\/a>&ldquo; des US-amerikanischen Soziologen C. Wright Mills neu aufgelegt. Dieser Klassiker der amerikanischen Soziologie erschien erstmals 1956. Ein Buch, dessen Lekt&uuml;re sich auch heute noch lohnt, meint Udo Brandes. 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