{"id":61294,"date":"2020-05-27T09:00:53","date_gmt":"2020-05-27T07:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61294"},"modified":"2020-05-27T09:32:09","modified_gmt":"2020-05-27T07:32:09","slug":"meinungsmache-beim-fleischskandal-bei-3sat-bleiben-die-wichtigsten-fragen-offen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61294","title":{"rendered":"Meinungsmache beim Fleischskandal \u2013 bei 3sat bleiben die wichtigsten Fragen offen"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60935\">j&uuml;ngsten Covid-19-F&auml;lle unter Schlachthof-Mitarbeitern<\/a> haben dazu gef&uuml;hrt, dass das Thema &bdquo;Fleischskandal&ldquo; wieder in den Medien auftaucht. Auch im &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen stehen das Schnitzel und dessen Preis im Blickfeld der Redaktionen. Leider sind viele dieser Sendungen jedoch von Meinungsmache durchsetzt, da die verantwortlichen Redaktionen immer wieder versuchen, die Deutungshoheit &uuml;ber Inhalt, Fragen und Antworten zu behalten. Ein Beispiel daf&uuml;r ist die auf 3sat ausgestrahlte Wissenschaftsfernsehsendung &bdquo;Nano&ldquo;, die am 20. Mai das Thema &bdquo;Mindestpreis Fleisch&ldquo; behandelte. Wichtige Fragen wurden nicht gestellt, also brauchte es auch nicht entsprechende Antworten. Warum wohl? Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Nano-Beitrag war meisterlich in Sachen Verschweigen des eigentlichen Grundes, warum Fleisch so viel oder besser so wenig kostet, wie es in den Superm&auml;rkten angeboten wird. Nano-Moderatorin Yve Fehring formulierte eloquent ihre Ansage zum ersten Beitrag der Sendung, &bdquo;Mindestpreis Fleisch&ldquo;. Ein alter Skandal werde durch Corona wieder in den Mittelpunkt ger&uuml;ckt, so Fehring. Sie hatte Begriffe wie &bdquo;<em>Die Fleischsklaven<\/em>&ldquo; (Arbeitnehmer in der Fleischindustrie) und <em>&bdquo;Arbeitsbedingungen sind prek&auml;r&ldquo; im &bdquo;Billigfleischsystem&ldquo;<\/em> parat. Und fragte: <em>&bdquo;Braucht es wom&ouml;glich einen Mindestpreis? Denn wenn Schnitzel billiger sind als Spargel, kann die Rechnung nicht aufgehen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ist das wirklich so? Ist dies &uuml;berhaupt eine wichtige Frage? Das fragte sich der aufmerksame Zuschauer. Im Sendebeitrag wurde das &bdquo;Billigfleischsystem&ldquo; beschrieben und eine Ursache f&uuml;r die unver&auml;ndert bestehenden Verh&auml;ltnisse in den Produktionsst&auml;tten genannt: Zwischen 2008 und 2018 seien die Kontrollen um 50 Prozent heruntergefahren worden. 17 Jahre Kontrollmangel wegen fehlenden Personals bei den Beh&ouml;rden. Der Beitrag beschrieb, dass das Problem mit dem Billigfleisch tiefer l&auml;ge:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Deutschland produziert weit mehr Fleisch, als im Land verbraucht wird.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Konkret: Deutschland sei beim Schweinefleisch der gr&ouml;&szlig;te Exporteur weltweit. Das Zitat folgte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viel und billig, das ist Devise und die Produzenten wollen viel Rendite.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach dem TV-Beitrag interviewte Moderatorin Fehring die Agrar-Referentin vom BUND Katrin Wenz, die anmerkte, dass die beschriebenen Missst&auml;nde lange bekannt seien und nun nicht mehr weggesehen werden k&ouml;nne. Eine wichtige Ma&szlig;nahme g&auml;be es schon, so Wenz: Werksvertr&auml;ge in der Fleischindustrie w&uuml;rden verboten (ab 2021).<\/p><p>Fehring fragte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Hei&szlig;t das, Fleisch muss endlich teurer werden?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenz antwortete, es sei nur billig, weil es unter Missachtung der Umwelt produziert, viele Verst&ouml;&szlig;e im Arbeitsrecht begangen und Bauern nicht ausreichend bezahlt w&uuml;rden. Discounter bestimmten den Preis, ALDI habe das auch gefordert, so Wenz.  <\/p><p>Zum Finale schloss Fehring mit: &bdquo;<em>Wir m&uuml;ssen uns alle fragen, wie viel ist uns das Schnitzel tats&auml;chlich wert?<\/em>&ldquo; Der aufmerksame, hinterfragende Zuschauer &uuml;berlegte: Was fehlte in dem Beitrag? Was besprach da Fehring und Co. tats&auml;chlich?<\/p><p>Es fehlten wichtige Fragen wie &bdquo;Warum hat Aldi niedrigere Preise gefordert?&ldquo;, &bdquo;Warum ist der Preis f&uuml;r Fleisch so &bdquo;niedrig&ldquo;?&ldquo;, &bdquo;Wie kann es sein, dass dennoch viel Geld verdient wird im Billigfleischsystem?&ldquo;, &bdquo;Was passiert, wenn es einen Mindestpreis g&auml;be?&ldquo;, &bdquo;W&uuml;rden die Ausgaben der Verbraucher an der Theke anschlie&szlig;end an die Arbeiter in den Fabriken, an die Bauern weitergegeben?&ldquo;.  <\/p><p>Die Meinungsmache von Nano nahm den B&uuml;rger, den Verbraucher ins Boot. &bdquo;<em>Wir m&uuml;ssen uns alle fragen, wie viel ist uns das Schnitzel tats&auml;chlich wert?<\/em>&ldquo;<\/p><p>Wir alle? Es stimmt, Menschen gehen Fleisch einkaufen. Froh sind gerade diejenigen &uuml;ber g&uuml;nstige Preise, die nicht viel in der Geldb&ouml;rse haben. Dass sie dabei dennoch ein Recht haben, Qualit&auml;t zu kaufen, steht schon als Versprechen und Verpflichtung &uuml;ber den L&auml;den, die sie besuchen: &bdquo;Lebensmittel&ldquo;. Das bedeutet, dass es in diesen L&auml;den keinen Dreck gibt, oder? Der Spruch dazu &bdquo;wer billig kauft, darf nicht erwarten, gute Ware zu bekommen&ldquo;, ist zynisch. Das Gegenteil ist richtig: Wer Lebensmittel kauft, dem darf kein Dreck angeboten werden.<\/p><p>Nano fragte nicht: Warum bestimmen Discounter den Preis, warum hat das ALDI gerade wieder beim Fleisch gefordert? Fest steht, dass die gro&szlig;en Lebensmittelanbieter trotz &bdquo;billig&ldquo; massiv viel Geld verdienen. Und der &bdquo;Preiskampf&ldquo; von ALDI mit den Anbietern ist kein Fremdwort, er ist Ausdruck eines Wettbewerbes, der nicht fair ist, der darauf angelegt ist, den Konkurrenten im besten Fall in die Knie zu zwingen. Die Zeche zahlen die Arbeiter, die Bauern, nicht die Konzerneigent&uuml;mer. <\/p><p>Und der Kunde? Der ist unfreiwillig Teil des Systems, er wird mit &bdquo;Tiefpreisen&ldquo; gelockt. Er will das ja so. Wir alle eben. Der Kunde aber fordert diese Tiefpreise nicht, wie oft behauptet wird, und er akzeptiert auch keinen Dreck, schlechte Arbeitsbedingungen, Leiharbeit, Skandale. Oder? Die Verpflichtung f&uuml;r gute Ware und gute Rahmenbedingungen liegt beim Anbieter. Fakt ist indes: In den L&auml;den sieht das billigste Fleisch gut ausgeleuchtet sch&ouml;n und frisch aus. Ins Innere der Fabriken d&uuml;rfen Kunden und &Ouml;ffentlichkeit nicht schauen (Betriebsgeheimnis), die Politik schaut weg oder nicht so genau hin und h&auml;lt seit vielen Jahren dazu eben kein funktionierendes Kontrollsystem vor, damit die Kasse der Konzerne klingelt.<\/p><p>Und wenn dann die Marktmacht errungen ist, ist es auch vorbei mit billig. Wie sieht es aus mit der Forderung des B&uuml;rgers, des &bdquo;m&auml;chtigen Kunden&ldquo;, nach bezahlbaren Wohnungen? Fest steht: Sobald es eine Marktmacht, eine Konzentration, wenig bis keine Regulierung gibt &ndash; wird die Ware teurer statt billig. ALDI verkauft nicht aus N&auml;chstenliebe &bdquo;billig&ldquo; Fleisch und alles andere im Sortiment. Und wenn ein Mindestpreis kommt, dann wird der &bdquo;Mehrwert&ldquo; auf den Konzernkonten landen. All das berichtete Nano &ndash; nicht. <\/p><p>SENDUNG: <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/wissen\/nano\/200520-sendung-100.html\">nano vom 20. Mai 2020 &ndash; Mindestpreis Fleisch \/ Im Gespr&auml;ch: Katrin Wenz \/ CO2-Steuer auf Fleisch &amp; Co? \/ Klimaschutz &ndash; Lernen aus der Krise \/ 300.000 Jahre alter Waldelefant<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60935\">j&uuml;ngsten Covid-19-F&auml;lle unter Schlachthof-Mitarbeitern<\/a> haben dazu gef&uuml;hrt, dass das Thema &bdquo;Fleischskandal&ldquo; wieder in den Medien auftaucht. 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