{"id":61377,"date":"2020-05-28T16:15:15","date_gmt":"2020-05-28T14:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61377"},"modified":"2020-07-20T17:13:08","modified_gmt":"2020-07-20T15:13:08","slug":"leserbriefe-zu-extrem-wachsende-ungleichheit-zerstoert-die-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61377","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eExtrem wachsende Ungleichheit zerst\u00f6rt die Demokratie\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61257\">In diesem Beitrag<\/a> hat Albrecht M&uuml;ller auf die aktuellen Erkenntnisse des franz&ouml;sischen &Ouml;konomen Thomas Piketty hingewiesen. Piketty spricht von einem &ldquo;Ungleichheitsregime&ldquo;, das mit der seit den 1980er Jahren betriebenen neoliberalen Ideologie zunehmend durchgesetzt wurde. Basierend auf dieser Analyse und eigenen Beobachtungen zeigt Albrecht M&uuml;ller L&ouml;sungsans&auml;tze\/&ldquo;Konsequenzen&ldquo; auf, damit die Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung wieder gerecht gestaltet werden k&ouml;nnen. F&uuml;r die Leserbriefe bedanken wir uns sehr. Es folgt eine Auswahl der eingereichten Zuschriften. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>. <strong>Erg&auml;nzende Anmerkung Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist erstaunlich, dass auf diesen Beitrag zur Ungleichheit, den Folgen und den notwendigen politischen Antworten so vergleichsweise wenig Leserbriefe kamen. Vermisst habe ich vor allem die Reaktion von jenen vielen Leserinnen und Lesern, die die neue Partei &bdquo;Widerstand 2020&ldquo; unterst&uuml;tzen und jenen, die vor kurzem viele Leserbriefe geschrieben haben. Siehe hier: 22. Mai 2020 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61201\">Leserbriefe zu &bdquo;Weder links noch rechts!&rdquo; &ndash; also nirgendwo&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Vielleicht habe ich den Zusammenhang mit der Links-rechts-Debatte nicht deutlich genug markiert. Vielleicht habe ich nicht deutlich genug gemacht, welche Bedeutung die Verteilungsfrage f&uuml;r jede neue politische Bewegung &ndash; und die alten sowieso &ndash; haben m&uuml;sste. Ich wiederhole hier die Ziffer 9. des Textes vom 26. Mai:<\/p><blockquote><p>\n9. Ungleichheit ist ein soziales und ein gro&szlig;es politisches Problem. Es geht an die Substanz. Der Begriff &bdquo;Ungleichheitsregime&ldquo; kennzeichnet diese Gefahr recht gut. Sprechen wir also k&uuml;nftig bitte nicht von &bdquo;Westlicher Wertegemeinschaft&ldquo;, sondern von &bdquo;Ungleichheitsregime&ldquo;, wenn wir unsere so wunderbare Welt mit den sogenannten autokratischen oder totalit&auml;ren Regimen vergleichen.\n<\/p><\/blockquote><p>Nun aber die Leserbriefe:<\/p><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Albrecht M&uuml;ller, <\/p><p>bei der bisherigen und aktuellen Politik unserer Bundesregierung ist davon auszugehen, dass die von Ihnen trefflich analysierte Situation hinsichtlich der wachsenden Ungleichheit von Politik und Verm&ouml;genden bewu&szlig;t, gewollt und konsequent betrieben wird. Die Reste unserer Demokratie sind doch nur noch ein Feigenblatt. Sp&auml;testens seit der &Auml;ra Schr&ouml;der wird Deutschland massiv und nachhaltig gegen die Interessen des &uuml;berwiegenden Teils der Bev&ouml;lkerung regiert.<\/p><p>Ich gelange mehr und mehr zu der &Uuml;berzeugung, dass Politik und Verm&ouml;gende den Abbau demokratischer Strukturen gezielt betreiben, denn in einer Autokratie oder Oligarchie oder einer anderen undemokratischen Herrschaftsform l&auml;sst es sich doch wesentlich einfacher regieren, als in dieser &lsquo;l&auml;stigen&rsquo; Demokratie, die sowieso keine echte war und ist. Das Zitat von Warren Buffet ist heute aktueller denn je (&lsquo;There&rsquo;s class warfare, all right, but it&rsquo;s my class, the rich class, that&rsquo;s making war, and we&rsquo;re winning.&rsquo;).<\/p><p>Die Corona-Krise hat der herrschenden Kaste aus Politik und Kapital doch eindrucksvoll gezeigt, wie leicht und widerspruchslos sich unserer Verfassung, die ja bis heute auch keine echte ist, ausser Kraft setzen l&auml;sst &ndash; es muss nur eine halbwegs plausible Begr&uuml;ndung daf&uuml;r her. Die &lsquo;etablierten&rsquo; Medien helfen da ja kr&auml;ftig mit. Und China beweist plakativ, dass eine Total&uuml;berwachung des Volkes kaum Widerstand erzeugt, wenn nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen halbwegs stimmen. Und wenn sich doch Widerstand r&uuml;hrt, l&auml;sst er sich im totalit&auml;ren System leicht &lsquo;abstellen&rsquo;, ohne l&auml;stige, unabh&auml;ngige Justiz. Die Nachkriegsgenerationen, die in Deutschland kein totalit&auml;res System kennengelernt haben, haben offensichtlich zunehmend weniger Vorbehalte gegen&uuml;ber einem &lsquo;starken F&uuml;hrer&rsquo;. Ich glaube, Sie und alle Demokratie-Gl&auml;ubigen k&auml;mpfen allm&auml;hlich auf verlorenem Posten und es f&auml;llt uns nur noch schwer, uns das einzugestehen &ndash; aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. <\/p><p>Ulrich Herbst<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>zum Beitrag &ldquo;Extrem wachsende Ungleichheit zerst&ouml;rt die Demokratie&rdquo;<br>\n&nbsp;<br>\nGuten Tag Herr M&uuml;ller,<\/p><p>ich bin sehr erfreut, in den Nachdenkseiten wieder eine so gut gelungene Darstellung eines der gr&ouml;&szlig;ten aktuellen Probleme anhand des Videos mit Thomas Piketty zu lesen.<\/p><p>Unter Punkt 10 wurden dann sogar wunderbare Vorschl&auml;ge f&uuml;r das noch zu erarbeitende Parteiprogramm von &ldquo;Widerstand2020&rdquo; gemacht. Das ist wirklich konstruktiv in der Sache und ich finde es erfreulich, in diesem Fall nicht auf bestimmten, heute sehr unterschiedlich benutzten Begriffen zu beharren.<br>\n&nbsp;<br>\nIn diesem Sinne f&auml;nde ich es toll, wenn da die Nachdenkseiten sogar aktiv mitmachen w&uuml;rden in der &ldquo;Mitmachpartei&rdquo;, wobei sie so ja erstmal nur angek&uuml;ndigt ist.<br>\n&nbsp;<br>\nVielleicht gab es da ja auch ein fatales Missverst&auml;ndnis, denn Dr. Schiffmann hat sich nie von Links abgegrenzt. Er hat sich OFFEN gezeigt, mit allen, auch von Links und Rechts, zu reden (au&szlig;er Extremisten und Ausl&auml;nderfeinde). Die Partei darf durchaus Links werden, wenn die Mehrheit der Mitglieder das will.<\/p><p>Deshalb passten die einleitenden kritischen Worte &ldquo;Weder-links-noch-rechts-Therapie&rdquo;&nbsp; meiner Meinung nach nicht so richtig.<\/p><p>Wenn die Vorschl&auml;ge unter Punkt 10 keinen Eingang in das Parteiprogramm finden sollten, dann w&auml;re ich auch f&uuml;r eine massive Kritik an &ldquo;Widerstand2020&rdquo;.<br>\n&nbsp;<br>\nmit herzlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nMartin Beck<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<br>\n&nbsp;<br>\nja, f&uuml;r ein nachhaltiges Parteiprogramm einer Partei, die gegen die zunehmende Ungleichheit in unserer Gesellschaft k&auml;mpfen wollte, bed&uuml;rfte es tats&auml;chlich dieser Erkenntnisse, aber auch einer einer realistischen Analyse, warum es zu den von Ihnen skizzierten Entwicklungen kommen konnte.<br>\n&nbsp;<br>\nMakro&ouml;konmisch betrachtet, muss man das Bretton Woods &ndash; System ( Goldstandard ) von 1944 und das Aushebeln dieses Systems 1971 durch US-Pr&auml;sident Nixon im Zuge des Vietnam-Krieges und der damit beginnenden &Auml;ra des US-Dollars als Weltleitw&auml;hrung als wichtiges Ereignis benennen.<br>\n&nbsp;<br>\nDas Deutschland &ndash; obwohl schon 1953 die M&ouml;glichkeit der Wiedervereinigung eines neutralen deutschen Staates durch Konrad Adenauer abgelehnt wurde &ndash; durch die dadurch gew&uuml;nschte &rdquo; West-Bindung &rdquo; immer und weiterhin zum Spielball zuerst des kalten Krieges und den darauf folgenden geopolitischen Interessen der NATO wurde, d&uuml;rfte gemeinhin anerkannt sein.<br>\n&nbsp;<br>\nDie Umst&auml;nde der Wiedervereinigung, mit dem Ausverkauf der DDR-Industrie und der W&auml;hrungsunion in all ihren Facetten, sowie der darauf folgende Versuch der USA, die Russische F&ouml;deration auszubluten, darf nicht unerw&auml;hnt bleiben.<br>\n&nbsp;<br>\nUnd nicht zuletzt muss die NATO-Osterweiterung seit 1990 in all ihren Auswucherungen (Ukraine) und ihren immer pr&auml;senter werden Gefahren auch und gerade f&uuml;r unser Land erw&auml;hnt werden.<br>\n&nbsp;<br>\nOb ich Andreas von B&uuml;low ( Die deutschen Katastrophen ) oder Peter Orzechowski ( Besatzungszone ), Foschepoth oder selbst Brzensinski ( Die einzige Weltmacht ) lese:<br>\n&nbsp;<br>\nEs l&auml;uft immer in die selbe Richtung:<br>\n&nbsp;<br>\nDer &ldquo;2+4 &ndash; Vertrag&rdquo; hat unserem Land de jure, aber nicht de facto Souver&auml;nit&auml;t bedeutet.<br>\n&nbsp;<br>\nEines der wesentlichen politischen Interessen der USA ist, eine Koalition der Ressourcen Deutschlands und Russlands zu verhindern.<br>\n&nbsp;<br>\nRussland-Bashing, NSA-Aff&auml;re, Ramstein, B&uuml;chel, Nord-Stream 2, die B&ouml;rse vor acht &ldquo;, usw. usf. :<br>\n&nbsp;<br>\nEs bedarf keiner gro&szlig;artigen Anstrengungen um sich zu vergegenw&auml;rtigen, welches Problem wir hier vor allem in Deutschland, aber auch in Europa haben.<br>\n&nbsp;<br>\nUnser Problem ist dass des Vassallen gegen&uuml;ber dem Hegemon !!!!!<br>\n&nbsp;<br>\nUm auf die aktuelle Disposition zur&uuml;ckzukommen, m&ouml;chte ich das Buch&nbsp; &rdquo; Schocktherapie &rdquo; von Naomi Klein erw&auml;hnen, dessen Inhaltsbeschreibung schon auf so viele uns bekannte Regime-Changes per Schocktherapie durch die USA verweist.<br>\n&nbsp;<br>\nDas, was unserem Land und weiten Teilen der Welt in Sachen &rdquo; Corona &rdquo; widerfahren ist, sollte man schon auch als &rdquo; Schock &rdquo; bezeichnen d&uuml;rfen !<br>\n&nbsp;<br>\nDie Frage ist nur, sind hier die Interessen der US-Administration direkt oder nur indirekt offenkundig geworden ?<br>\n&nbsp;<br>\nIst der &rdquo; Dissens &rdquo; zwischen der Bill &amp; Melinda Gates Stiftung bzw. der WHO mit Trump ein wirklicher solcher ?<br>\n( Die &Uuml;bernahme der USA-Beitr&auml;ge f&uuml;r die WHO hat die Gates-Stiftung in jedem Fall mal fix ausgeglichen).&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nOder ist es glaubw&uuml;rdiger, dass ein Staat, der noch nicht einmal die f&uuml;r uns elementaren menschenw&uuml;rdigen sozialen Sicherungssysteme etablieren m&ouml;chte&nbsp; &ndash; einen ihrer Vorzeige-Milliad&auml;re, der nachweislich durch die Kapitalverpflechtungen seiner Stiftungen einschl&auml;gig profitiert &ndash;&nbsp; ins Rennen um die &rdquo; Rettung der Welt &rdquo; schickt ? Und sich dieser dann weltweit noch als &rdquo; Philantrop &rdquo; abfeiern lassen darf?<br>\n&nbsp;<br>\nIch bin der Meinung, dass wir als (West-) Deutsche die soziale Marktwirtschaft nur solange als &rdquo; Errungenschaft &rdquo; feiern durften, bis die &rdquo; Konkurrenz &rdquo; aus dem Osten &ndash; und das war ab 1980 &ndash; Beginn der Solidarnoc-Aktivit&auml;ten in Polen &ndash; so langsam aber sicher ihren Niedergang erleben durfte.<br>\n&nbsp;<br>\nDas haben Sie in Ihrer chronologischen Auflistung &ndash; indirekt &ndash; treffend beschrieben.<br>\n&nbsp;<br>\nWie auch immer , die USA und Gates, stehen f&uuml;r ein raffiniertes kapitalistisches System, dem Neo-Liberalismus oder wie auch immer bezeichnet, dessen Auswucherungen nun eine Dimension erreicht haben, die alle Teile der Gesellschaft treffen.<br>\n&nbsp;<br>\nWie wir wissen, treffen die einschl&auml;gigen Ma&szlig;nahmen gerade die sozial schwachen Mitmenschen in dieser Zeit insbesondere.<br>\n&nbsp;<br>\nIst es nicht an der Zeit, dass ehemals &rdquo; linke &rdquo; Politik, die ich tats&auml;chlich als Politik f&uuml;r das Volk ( B&uuml;rger-\/Volks-Politik ) bezeichnen w&uuml;rde, sich zu einer Politik f&uuml;r die &rdquo; Vielen &rdquo; und nicht zu einer Politik f&uuml;r die &rdquo; Linken &rdquo; bezeichnen w&uuml;rde.<br>\n&nbsp;<br>\nEs m&uuml;sste doch mal &ouml;ffentlich klar werden, dass in erster Linie Politik f&uuml;r die Betroffenen und nicht f&uuml;r die &rdquo; so Denkenden &rdquo; gemacht wird.<br>\n&nbsp;<br>\nDiese uns&auml;gliche Corona-Hysterie bietet aus meiner Sicht eine gute Gelegenheit sich von den politischen Denkmustern der Vergangenheit zu l&ouml;sen und alle Betroffenen zu erreichen.<br>\n&nbsp;<br>\nDenn, so einfach ist das:<br>\n&nbsp;<br>\nDie urspr&uuml;nglich Betroffenen, sind jetzt noch betroffener !<br>\n&nbsp;<br>\nZum Thema &rdquo; linker Positionierung &rdquo; hier ein kleines pers&ouml;nliches Beispiel :<br>\n&nbsp;<br>\nMein Bruder, Jg. 1951, Sozialp&auml;dagoge, und, weil bei &rdquo; meiner &rdquo; Stadt im Ruhrgebiet besch&auml;ftigt auch zwangsl&auml;ufig SPD-Mitglied (ohne Parteibuch w&auml;re das in den 1980er Jahren nicht gelaufen) , ist f&uuml;r die Betreuung unserer fast 90 j&auml;hrigen, allein lebenden Mutter, verantwortlich.<br>\n&nbsp;<br>\nDer selbsternannte &rdquo; linke Sozialp&auml;dagoge &rdquo; hat ihr den t&auml;glichen Einkauf vor die T&uuml;r gestellt, ohne mit der alten Dame zu kommunizieren. Ihn hat nicht interessiert, ob diese Frau evtl. mehr darunter leidet, dass sie ihm nicht pers&ouml;nlich begegnen kann.<br>\n&nbsp;<br>\nEr hat die Beschneidung der allgemeinen Freiheitsrechte und die autorit&auml;ren Ansagen &rdquo; seiner &rdquo; Bundesregierung widerstandslos hingenommen.<br>\n&nbsp;<br>\nZu &auml;hnlichen Themen kennen wir mittlerweile viele &ouml;ffentlich gemachte Beispiele .<br>\n&nbsp;<br>\nInsofern, sehr geehrter Herr M&uuml;ller, erscheint mir das Denken in den alten politischen Einordnungen als &uuml;berholt.<br>\n&nbsp;<br>\nEs gilt aus meiner Sicht zun&auml;chst zu kl&auml;ren, warum die Wahrung von freiheitlichen Rechten, also die aktuell erlebten wesentlichen Einschr&auml;nkungen der Grundrechte nicht mit einem origin&auml;r &rdquo; linken &rdquo; Denken (gerne gem&auml;&szlig; ihre aufgef&uuml;hrten 10-Punkte) zu vereinbaren ist.<br>\n&nbsp;<br>\nDes weiteren erscheint mir schon mehr als notwendig, einen Ausweg aus der Diffamierungskampagne des politischen Establishment zu finden, die sich als politische Mitte &ndash; mit der Ausgrenzung nach links und rechts &ndash; zur Zeit medial gerade ganz gut positioniert zu haben scheinen.<br>\n&nbsp;<br>\nAuch hier ein pers&ouml;nliches Beispiel:<br>\n&nbsp;<br>\nIn meiner Heimatstadt befindet sich die Bundeszentrale der MLPD ( Marxistisch-Leninistische-Pertei Deutschlands ).<br>\n&nbsp;<br>\nDie Partei will seit geraumer Zeit ein Lenin-Denkmal in Form einer Bronze-Statue der Sowjetunion aus den 1930 er Jahren vor ihrem Geb&auml;ude platzieren.<br>\n&nbsp;<br>\nDie von der SPD regierte Kommune hat alles unternommen, um dieses &rdquo; Schand-Mal &rdquo; zu verhindern.<br>\n&nbsp;<br>\nNach Monate w&auml;hrenden Hin und Her hat die hiesige Tageszeitung &ndash; mit Monopolstellung &ndash; z&auml;hneknirschend berichtet,dass die &rdquo; linksextremistische &rdquo; und vom Verfassungsschutz wegen verfassungsfeindlicher &Auml;usserungen beobachtete MLPD vom Ober-Verwaltungsgericht nunmehr die Erlaubnis zur Aufstellung der Statue erhalten hat.<br>\n&nbsp;<br>\nHelfen Sie mir bitte, Herr M&uuml;ller, eine politische Einordnung f&uuml;r mich zu finden:<br>\n&nbsp;<br>\nMein &auml;lterer Bruder, der selbsternannte&nbsp; &rdquo; Linke &ldquo;, ignoriert Kollateralsch&auml;den und nimmt die psychische &Uuml;berbelastung der Mutter in Kauf.<br>\n&nbsp;<br>\nEr verh&auml;lt sich lieber so, wie es ihm &rdquo; seine &rdquo; Regierung &rdquo; vorgegeben hat und &auml;ussert keinen Widerspruch zu den uns bekannten Ma&szlig;nahmen. Er findet allerdings den Aufbau der Lenin-Statue&hellip;..unangemessen!<br>\n&nbsp;<br>\nDer andere Bruder, also ich &ndash; der sich auch immer als &rdquo; Linker &rdquo; bezeichnet hat &ndash;&nbsp; kann sich &uuml;berhaupt nicht mit solchen, die Freiheit und Selbstbestimmung beschr&auml;nkenden Ma&szlig;nahmen anfreunden und findet es gut, dass die MLPD ihre Statue aufbauen darf !<br>\n&nbsp;<br>\nIst mein Bruder noch links zu verorten und bin ich gar als Linksextremer zu verachten ???<br>\n&nbsp;<br>\nWas w&auml;re, wenn eine rechte politische Gruppierung eine Statue von Adolf Hitler aufbauen wollte ?<br>\n&nbsp;<br>\nNun, das haben wir gesetzlich geregelt, das ist Staatsr&auml;son.<br>\n&nbsp;<br>\nWas ist aber, wenn ich der Meinung bin, dass eine wirkliche Demokratie auch eine solche politische Str&ouml;mung aushalten k&ouml;nnen m&uuml;sste ?<br>\n&nbsp;<br>\nBin ich dann noch ein Demokrat oder in jedem Fall ein &rdquo; Rechter &rdquo; oder gar Nazi ????<br>\n&nbsp;<br>\nEin &rdquo; Rechtsextremist &rdquo; w&auml;re ich aber in jedem Fall, wenn ich auf einer &rdquo; Corona-Hygiene-Protest-Versammlung &rdquo; meinen Unmut zu der derzeitigen Aushebelung des Grundgesetzes kundtun w&uuml;rde. Zumindest nach Gusto der Haupt-Medien in diesem Lande.<br>\n&nbsp;<br>\nBin ich dann aber wieder der Freund der politischen Mitte, die sich &ndash; gerne wenn Minderheiten in diesem Land betroffen waren &ndash; dem Kampf gegen alle Feinde der freiheitlich demokratischen Grundordnung, den Gegnern des Grundgesetzes verschworen haben ?<br>\n&nbsp;<br>\nObwohl, bin ich dann nicht auch &rdquo; Mitglied &rdquo; einer Minderheit ????!!!!<br>\n&nbsp;<br>\nLieber Herr M&uuml;ller, wenn Sie auf die &rdquo; LINKE &rdquo; und insbesondere auf die SPD schauen ( Gr&uuml;n ist obsolet, da sind wir uns einig ), werden Sie feststellen, dass von origin&auml;rer linker Politik kaum etwas &uuml;brig geblieben ist.<br>\n&nbsp;<br>\nSie haben schon fr&uuml;her treffend formuliert, dass wir uns nun seit 40 Jahren mit den neoliberalen politischen Ausw&uuml;chsen auseinandersetzen zu haben.<br>\n&nbsp;<br>\nSeit wann gibt es die klassische Links bis Rechts-Einteilung ? (Weimarer Republik, um Splitterparteien besser verorten zu k&ouml;nnen?)<br>\n&nbsp;<br>\nGab es jemals &ndash; ausser von 1939-1945 &ndash; solche aktuellen Einschr&auml;nkungen, gerade im Hinblick auf Kontaktsperren etc. ?<br>\n&nbsp;<br>\nW&auml;re es nicht angemessen, nach 40 Jahren neoliberaler Politik eine andere Bezeichnung zu finden, die pazifistische, soziale, demokratische und freiheitliche Politik kennzeichnen k&ouml;nnte ?<br>\n&nbsp;<br>\nAlle etablierten Parteien bieten hier keine realistische Perspektive mehr an. Egal, welche rechnerische Koaliton m&ouml;glich w&auml;re.<br>\n&nbsp;<br>\nDie NDS diskreditieren &rdquo; Widerstand2020 &rdquo; nicht und das sei hier ausdr&uuml;cklich positiv erw&auml;hnt.<br>\n&nbsp;<br>\nIch w&uuml;nsche mir jedoch dar&uuml;ber hinaus, dass die NDS im Kontext meiner Ausf&uuml;hrungen eine Protestbewegung wie &rdquo; Widerstand2020 &rdquo; ausdr&uuml;cklich unterst&uuml;tzen w&uuml;rden und zwar bis zu dem Zeitpunkt, bis ein zu bewertendes Parteipogramm existiert.<br>\n&nbsp;<br>\nDer Volksmund sagt:<br>\n&nbsp;<br>\nGelegenheit macht Diebe !<br>\n&nbsp;<br>\nWann bitte, wenn nicht durch eine solche Gelegenheit, wird es in diesem Land wieder eine &rdquo; Protestbewegung &rdquo; mit evtl. ausbaubarer politischer Substanz geben ?<br>\n&nbsp;<br>\nWenn irgendwelche Atompilze durch die Gegend fliegen, ist es zu sp&auml;t!<br>\n&nbsp;<br>\nAus der von mir wahrgenommenen Konnotation einiger Ihrer Ausf&uuml;hrungen schlie&szlig;e ich, das Sie sich einer Losl&ouml;sung der Rechts-Links-Einordnungen &ndash; bei Wahrung der geschilderten politischen Inhalte &ndash; zwar f&uuml;gen w&uuml;rden, das aber wohl eher Z&auml;hne knirschend.<br>\n&nbsp;<br>\nDas ist sehr schade, lieber Herr M&uuml;ller!<br>\n&nbsp;<br>\nGerade Ihre Erfahrung und Expertise br&auml;uchte es, eine angemessene Bezeichnung f&uuml;r freiheitliche linke Politik finden zu k&ouml;nnen, die es auch dem politischen Gegner erschweren w&uuml;rde, ehemalige Querfrontmuster zu bedienen.<br>\n&nbsp;<br>\nBitte stellen Sie das doch Ihren Lesern einmal zur Diskussion.<br>\n&nbsp;<br>\nFreundliche Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nMichael Krater<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Zum Vorl&auml;ufer-Artikel &uuml;ber &bdquo;Weder links noch rechts&ldquo;<\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ihren Kommentar zu &ldquo;links und rechts&rdquo; habe ich erst jetzt gelesen. Er trifft den Nagel auf den Kopf &ndash; eine Anmerkung dazu will ich machen: Ich erinnere mich an ein langes TV-Interview Mitte der 1970er Jahre (In Nachfolge der G&uuml;nter Gau&szlig;-Sendungen) mit Axel Eggebrecht. Der Interviewer (sinngem&auml;&szlig;):&rdquo;Wie w&uuml;rden Sie Ihre politische Position bezeichnen, links und rechts hat doch wohl heute keine Bedeutung mehr&rdquo;? &ndash; Eggebrecht: &ldquo;Widerspruch! Wer sagt links und rechts sage nichts mehr aus, ist am Ende immer rechts&rdquo;; also leider nicht &ldquo;nirgendwo&rdquo;. In den seitherigen 45 Jahren ist mir leider keine Ausnahme bekannt geworden. <\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r Ihre Arbeit und Standhaftigkeit und herzliche Gr&uuml;&szlig;e<\/p><p>Hagen K&uuml;hn, Stendal<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden Emailadressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61257\">In diesem Beitrag<\/a> hat Albrecht M&uuml;ller auf die aktuellen Erkenntnisse des franz&ouml;sischen &Ouml;konomen Thomas Piketty hingewiesen. Piketty spricht von einem &ldquo;Ungleichheitsregime&ldquo;, das mit der seit den 1980er Jahren betriebenen neoliberalen Ideologie zunehmend durchgesetzt wurde. Basierend auf dieser Analyse und eigenen Beobachtungen zeigt Albrecht M&uuml;ller L&ouml;sungsans&auml;tze\/&ldquo;Konsequenzen&ldquo; auf, damit die Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung wieder gerecht gestaltet<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61377\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,103,132],"tags":[],"class_list":["post-61377","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-leserbriefe","category-ungleichheit-armut-reichtum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61377","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61377"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61377\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61381,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61377\/revisions\/61381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}