{"id":61408,"date":"2020-05-29T13:11:02","date_gmt":"2020-05-29T11:11:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61408"},"modified":"2020-06-02T07:34:02","modified_gmt":"2020-06-02T05:34:02","slug":"trump-tichy-und-das-faktencheckerdilemma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61408","title":{"rendered":"Trump, Tichy und das Faktencheckerdilemma"},"content":{"rendered":"<p>Der Kurznachrichtendienst Twitter hat einen Tweet des US-Pr&auml;sidenten Trump mit einem selbstgestrickten Faktencheck versehen und sich damit mit seinem m&auml;chtigsten und wohl auch bekanntesten Nutzer angelegt. Dies konnte der selbsternannte &bdquo;F&uuml;hrer der freien Welt&ldquo; nat&uuml;rlich nicht auf sich sitzen lassen. In einem rechtlich nicht bindenden Dekret will er nun die digitalen &bdquo;Plattformbetreiber&ldquo; zu redaktionellen Anbietern machen, die man sowohl f&uuml;r Inhalte als auch f&uuml;r ihre Handlungen rechtlich haftbar machen kann. Sicher ist dies in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit vor allem als Ablenkungsman&ouml;ver zu werten. Dahinter verbirgt sich jedoch mehr. Zu Ende gedacht w&auml;re dies wohl das endg&uuml;ltige Ende der ohnehin schon bedrohten Meinungsfreiheit in den sozialen Netzwerken. Denn dass eine wirklich unabh&auml;ngige Faktenpr&uuml;fung von Nutzerinhalten so gut wie unm&ouml;glich ist, zeigte nicht zuletzt der fast zeitgleiche Sieg des alternativen Portals &bdquo;Tichys Einblick&ldquo; &uuml;ber die Facebook-Faktenchecker von &bdquo;Correctiv&ldquo; vor dem Oberlandesgericht in Karlsruhe. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4231\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-61408-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200530_Trump_Tichy_und_das_Faktencheckerdilemma_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200530_Trump_Tichy_und_das_Faktencheckerdilemma_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200530_Trump_Tichy_und_das_Faktencheckerdilemma_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200530_Trump_Tichy_und_das_Faktencheckerdilemma_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=61408-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200530_Trump_Tichy_und_das_Faktencheckerdilemma_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200530_Trump_Tichy_und_das_Faktencheckerdilemma_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200529-trump-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200529-trump-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Donald Trump ist der Meinung, dass Briefwahlen einen massiven Betrug darstellen. Nun ja, das ist freilich Bl&ouml;dsinn. Wer dem Pr&auml;sidenten der USA auf Twitter folgt, hat zugegebenerma&szlig;en schon gr&ouml;&szlig;eren Bl&ouml;dsinn gelesen. Warum der Kurznachrichtendienst ausgerechnet <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realDonaldTrump\/status\/1265255845358645254?ref_src=twsrc%5Etfw\">an diesem Tweet<\/a> ein Exempel statuieren musste, ist und bleibt unklar. Zur Meinungsfreiheit geh&ouml;rt es nun einmal auch, eine bl&ouml;dsinnige Meinung zu haben und so lange man diese im Einklang mit den Gesetzen &auml;u&szlig;ert, ist dies allenfalls eine Stilfrage. Dies sah Twitter jedoch offenkundig anders und f&uuml;hlte sich bem&uuml;&szlig;igt, unter besagten Trump-Tweet einen &bdquo;Warnhinweis&ldquo; zu setzen, der die Nutzer mit dem Hinweis auf &bdquo;Fakten&ldquo; zum Anklicken animiert. Was Twitter jedoch dann als &bdquo;Fakt&ldquo; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/i\/events\/1265330601034256384\">pr&auml;sentiert<\/a>, ist &ndash; gemessen am &bdquo;Tabubruch&ldquo; &ndash; streng genommen eher peinlich.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200529-trump-02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200529-trump-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>&bdquo;Diese [Trumps] Vorw&uuml;rfe haben laut CNN, Washington Post u.a. keine Substanz. Experten sagen, dass es bei Briefwahlen nur sehr selten zu einem Wahlbetrug kommt&ldquo;, so der Inhalt des &bdquo;Faktenchecks&ldquo; &aacute; la Twitter &ndash; kein Link, keine vertiefenden Informationen. Weil CNN und Co. das sagen, ist es halt so. Basta! Das mag in diesem konkreten Fall ja auch richtig sein, jedoch steht hier letztlich auch nur eine (wohl falsche) gegen eine (wohl korrekte) Meinung. Was Twitter in diesem Fall gemacht hat, war strenggenommen genau das, was auch Millionen Nutzer des Dienstes tagt&auml;glich tun &ndash; man hat einer als falsch wahrgenommenen Meinung seine eigene als korrekt wahrgenommene Meinung entgegnet. Das Problem: Wenn Joe Doe seinem Pr&auml;sidenten via Twitter widerspricht, landet diese Antwort irgendwo in der Reihe der tausenden Antworten unter dem pr&auml;sidialen Tweet, w&auml;hrend die Antwort von Twitter nicht nur prominent unter dem Beitrag positioniert ist, sondern zudem durch den in Anspruch genommenen Charakter eines Faktenchecks den Eindruck der Objektivit&auml;t erweckt. Das Wahrheitsministerium hat den Tweet des Pr&auml;sidenten als unwahr eingestuft. <\/p><p><strong>Ein Dekret, das nicht zu mehr, sondern zu weniger Meinungsfreiheit f&uuml;hren w&uuml;rde<\/strong><\/p><p>Auch wenn Twitter in diesem Fall sicherlich der Wahrheit n&auml;her kommt als sein erratischer Premium-Nutzer, hat der Nachrichtendienst mit diesem Fakten- oder nennen wir es doch lieber Meinungscheck die Rolle eines neutralen Plattformbetreibers aufgegeben und sich als redaktionelles Medium aufgespielt; denn es ist nicht zu erkennen, in welchem Punkt der besagte Tweet gegen die Nutzerrichtlinien des Dienstes versto&szlig;en haben soll. Wenn Trump nun also Twitter per Dekret als genau jenes redaktionelle Medium einstufen will, ist dies nicht &bdquo;nur&ldquo; eine kindische Reaktion des Pr&auml;sidenten, sondern Twitters eigene Schuld und im konkreten Fall nicht einmal unberechtigt. Twitter hat als Plattformbetreiber alle Beitr&auml;ge seiner Nutzer, die weder gegen g&uuml;ltige Gesetze noch gegen die Nutzungsbedingungen versto&szlig;en, gleich zu behandeln. Punkt. Wenn der Dienst stattdessen selektiv redaktionell eingreifen will, ist er ein redaktionelles Medium und muss den Regeln, die f&uuml;r solche Medien gelten, folgen. <\/p><p>Doch was w&uuml;rde das in der Praxis bedeuten? Einige Kritiker von Twitter und Facebook sehen darin sogar einen Vorteil, weil sich die &bdquo;Plattformen&ldquo; dann nicht mehr auf ihre reine technische Funktion als Dienstleister zur&uuml;ckziehen, sondern f&uuml;r s&auml;mtliche Schweinereien, die Nutzer auf diesen Plattformen nun mal h&auml;ufiger anstellen, direkt in Haftung genommen werden k&ouml;nnten. Doch es w&auml;re naiv anzunehmen, dass die Konzerne dieses gewaltige rechtliche Risiko auch eingehen w&uuml;rden. Wenn die Plattformen per Gesetz als redaktionelle Medien eingestuft werden, dann h&auml;tten sie auch das Recht &ndash; ja sogar die Pflicht &ndash; potentiell problematische Inhalte ihrer Nutzer erst gar nicht zu ver&ouml;ffentlichen oder umgehend zu l&ouml;schen. Das untersagt auch Trumps Dekret nicht. Die einzig logische Folge: Twitter und Facebook w&uuml;rden massiv Beitr&auml;ge l&ouml;schen und Nutzer sperren, die Inhalte posten, die in welcher Form auch immer f&uuml;r die Betreiber problematisch sind. Und in einem Punkt hat Trump ja nicht unrecht: Als problematisch werden von den Plattformbetreibern meist Beitr&auml;ge gesehen, die vom politischen Mainstream abweichen und eine g&auml;nzlich andere Position beinhalten als die Publikationen der gro&szlig;en Mainstreammedien. Als Plattform f&uuml;r &bdquo;Andersdenkende&ldquo; w&auml;ren die sozialen Netzwerke dann endg&uuml;ltig gestorben &hellip; und das betr&auml;fe nicht nur die Tech-Giganten, sondern auch vorhandene und m&ouml;gliche Alternativen, da sie ja ebenfalls als redaktionelle Medien eingestuft werden m&uuml;ssten und das volle rechtliche Risiko tragen w&uuml;rden. Damit w&auml;re &uuml;brigens auch Donald Trump nicht geholfen. W&auml;re sein Dekret Gesetz, w&uuml;rde Twitter seine Tweets halt keinem &bdquo;Faktencheck&ldquo; unterziehen, sondern gleich l&ouml;schen. Das Hausrecht gilt f&uuml;r alle, f&uuml;r Joe Doe genauso wie f&uuml;r den Pr&auml;sidenten der USA.<\/p><p>Zum Gl&uuml;ck ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass Trumps Dekret irgendwelche Folgen haben wird. Um dereinst Gesetz zu werden, m&uuml;sste es zun&auml;chst vom Kongress in ein Gesetz gegossen werden. Das wird aber sicherlich nicht geschehen, zumal es in dieser Form mit anderen Gesetzen kollidiert, die dann auch noch ge&auml;ndert werden m&uuml;ssten. <\/p><p><strong>Was ist falsch, was ist umstritten?<\/strong><\/p><p>Die ganze Posse wirft jedoch auch ein Licht auf ein delikates Problem der sozialen Netzwerke. Soll ein Plattformbetreiber &uuml;berhaupt den Wahrheitsgehalt von Nutzerbeitr&auml;gen &uuml;berpr&uuml;fen und wenn, dann wie? Dazu haben die beiden gro&szlig;en Anbieter unterschiedliche Positionen. Twitter will auch weiterhin Warnhinweise ausgeben, wenn Nutzer Informationen verbreiten, die nach Ansicht des Konzerns &bdquo;falsch&ldquo; oder &bdquo;umstritten&ldquo; sind. Diese Ansage ist hoch problematisch, da Twitter nun einmal ein Unternehmen und keine der Neutralit&auml;t verpflichtete Institution und gar nicht f&uuml;r solche Aufgaben legitimiert ist. Es geht ja nicht um die Frage, ob eins plus eins gleich zwei ist oder nicht. Es geht hier konkret vor allem um weltanschauliche Fragen und Meinungen &ndash; letztere kann man subjektiv als falsch oder unwahr empfinden, eine objektive Bewertung ist indes nicht m&ouml;glich. Echte Falschmeldungen &aacute; la &bdquo;Asylbewerber verspeist blondes M&auml;dchen in Kiel&ldquo; sind nat&uuml;rlich eine andere Kategorie und werden qua Gesetz auch nicht einem Faktencheck unterzogen, sondern schlicht gel&ouml;scht, wenn sie nicht belegbar sind. Aber alleine der oben zitierte Trump-Tweet zeigt, wie schmal der Grat zwischen subjektiver Meinung und dem Anspruch auf Objektivit&auml;t ist. <\/p><p>Einen anderen Weg geht &ndash; zumindest nach Aussagen seines Chefs Mark Zuckerberg &ndash; der Gigant Facebook. Zuckerberg sagte in einem Interview mit Fox-News, er sei &bdquo;fest davon &uuml;berzeugt, dass Facebook nicht Schiedsrichter &uuml;ber den Wahrheitsgehalt von allem sein sollte, was Menschen online sagen&ldquo;. Das klingt sympathisch, hat aber zumindest in Deutschland leider &uuml;berhaupt nichts mit der Realit&auml;t zu tun. Auf kleiner Ebene urteilen die Facebook-Mitarbeiter intransparent und gnadenlos subjektiv dar&uuml;ber, was gegen die Nutzungsbedingungen verst&ouml;&szlig;t und was nicht &ndash; als Nutzer sind einem da ohnehin die H&auml;nde gebunden, kriegt man doch noch nicht einmal eine Begr&uuml;ndung, warum dieser oder jener Beitrag nach Ansicht &bdquo;von Facebook&ldquo; gegen welche Nutzungsbedingung versto&szlig;en haben soll. F&uuml;r die &bdquo;gr&ouml;&szlig;eren F&auml;lle&ldquo; hat sich Facebook indes die Variante eines externen &bdquo;Faktenchecks&ldquo; von Dienstleistern wie Correctiv verpflichtet und sich damit in ein Dilemma man&ouml;vriert.<\/p><p><em>Lesen Sie dazu den Artikel: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36631\">Ausgerechnet &bdquo;Correctiv&ldquo; soll Facebook von Falschmeldungen befreien? Da wird doch der Bock zum G&auml;rtner gemacht!<\/a><\/em><\/p><p>Im Grund sind die &bdquo;Faktenchecks&ldquo; von Correctiv und Co. auch nichts anderes als etwas ausf&uuml;hrlichere Antworten auf den urspr&uuml;nglichen Beitrag. Die &bdquo;Faktenchecker&ldquo; k&ouml;nnten diese Beitr&auml;ge, wie jeder andere Nutzer auch, als Antwort auf die angeblich irref&uuml;hrenden oder falschen Beitr&auml;ge innerhalb des Netzwerks posten. Doch genau das findet ja nicht statt. Stattdessen werden die &bdquo;Faktenpr&uuml;fer&ldquo; eigens von Facebook beauftragt und ihre Pr&uuml;fungsergebnisse werden als vermeintlich objektive Wahrheit dem vermeintlich irref&uuml;hrenden subjektiven Beitrag gegen&uuml;bergestellt. Die Botschaft ist klar: Der Beitrag ist irref&uuml;hrend, der Faktencheck &ndash; das sagt ja auch schon der Name &ndash; objektiv und neutral. <\/p><p><strong>Die Faktenchecker scheitern vor Gericht<\/strong><\/p><p>Dass diese Praxis selbst irref&uuml;hrend ist, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/tichy-siegt-gegen-correctiv-vor-gericht-16789353.html\">zeigt der Erfolg der Plattform &bdquo;Tichys Einblick&ldquo; &uuml;ber &bdquo;Correctiv&ldquo; vor dem Oberlandesgericht in Karlsruhe<\/a>. Tichys Einblick hatte im September einen Offenen Brief von &bdquo;500 Wissenschaftlern&ldquo; gepostet, die sich kritisch zur Klimapolitik der UN ge&auml;u&szlig;ert haben. Facebook beauftragte Correctiv daraufhin mit <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/faktencheck\/wirtschaft-und-umwelt\/2019\/10\/11\/offener-brief-zum-klimawandel-weder-haben-500-wissenschaftler-unterzeichnet-noch-stimmen-alle-behauptungen\">einem Faktencheck<\/a>, der zu dem Ergebnis kam, der Beitrag sei &bdquo;teilweise falsch&ldquo;. Dieses Verdikt prangte daraufhin direkt unter dem Facebook-Eintrag von Tichys Einblick. Correctiv hatte Zweifel an den Aussagen der &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; und stellte infrage, ob die 500 Unterzeichner &uuml;berhaupt als &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; bezeichnet werden k&ouml;nnen. Diese Teilaspekte interessierten das OLG Karlsruhe jedoch nicht. Tichy und Co. wurde vielmehr Recht gegeben, da der &bdquo;Faktencheck&ldquo; den Eindruck erwecke, Tichy selbst w&uuml;rde Falschmeldungen verbreiten, w&auml;hrend die inkriminierten Punkte Gegenstand des Offenen Briefs jedoch nicht der Meldung von Tichys Einblick seien. <\/p><p>Diese formale Erkl&auml;rung kann nicht wirklich &uuml;berzeugen, da das OLG zu den drei wichtigsten Punkten nicht Stellung bezog:<\/p><ul>\n<li>Nach welchen Kriterien entscheidet Facebook, ob ein Faktencheck unternommen wird?<\/li>\n<\/ul><p>Es ist ja nicht &uuml;berraschend, dass hier ein konservatives Alternativmedium &uuml;berpr&uuml;ft wurde. Wann hat Facebook Deutschland eigentlich einmal einen Faktencheck f&uuml;r die Meldung eines traditionellen Mediums beauftragt? Mir ist kein einziger Fall bekannt. W&auml;hrend alternative Medien nach Ansicht von Facebook offenbar grunds&auml;tzlich verd&auml;chtig sind, irref&uuml;hrende Meldungen zu verbreiten, werden traditionelle Medien sogar als Beleg f&uuml;r die &bdquo;Wahrheit&ldquo; einer Aussage zitiert. Wer wei&szlig;, wie einseitig die Positionen dieser Medien sind, kann da nur verzweifelt den Kopf sch&uuml;tteln. Die NachDenkSeiten berichten t&auml;glich &uuml;ber falsche und irref&uuml;hrende Berichte in diesen Medien. Hier wird subjektiv und redaktionell entschieden, wer warum wie und von wem &uuml;berpr&uuml;ft werden soll. Das macht Facebook jedoch zu einem redaktionellen Medium, wo das Netzwerk nach Aussagen seines Chefs doch eigentlich eine neutrale Plattform sein sollte. Dieser Widerspruch ist nicht aufzul&ouml;sen. <\/p><ul>\n<li>Wer entscheidet bei widerspr&uuml;chlichen Positionen, was richtig und was falsch ist?<\/li>\n<\/ul><p>Auch Correctiv ist f&uuml;r viele F&auml;lle kein objektives Schiedsgericht f&uuml;r den Wahrheitsgehalt einer Aussage. Die &bdquo;Faktenchecker&ldquo; k&ouml;nnen Aussagen lediglich widersprechende Aussagen gegen&uuml;berstellen. Nehmen wir den aktuellen Fall des Streits in der wissenschaftlichen Community zur <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61383#h02\">&bdquo;Kinderstudie&ldquo; von Drosten und Co.<\/a>. Haben die angesehenen Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/medium.com\/@d_spiegel\/is-sars-cov-2-viral-load-lower-in-young-children-than-adults-8b4116d28353\">McConway und Spiegelhalter<\/a> mit ihrer Kritik an der Studie recht? Selbst angesehene Wissenschaftsjournalisten <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/gesundheit\/2020-05\/christian-drosten-bild-zeitung-debatte-kitaschliessung-widerspruch-studie\/komplettansicht\">tun sich hier mit einer Bewertung schwer<\/a>. Wie soll ein normaler Journalist &ndash; und die Faktenchecker von Correctiv sind genau das &ndash; hier &bdquo;schlauer&ldquo; sein als Wissenschaftler, die auf ihrem Gebiet angesehene Experten sind und sich gegenseitig widersprechen? Und was f&uuml;r wissenschaftliche Aussagen gilt, gilt f&uuml;r weltanschauliche Meinungs&auml;u&szlig;erungen um so mehr.<\/p><ul>\n<li>Wer verhindert, dass einseitig gepr&uuml;ft und damit Aussagen in Zweifel gezogen werden?<\/li>\n<\/ul><p>Faktenchecks sind vor allem dann beliebt, wenn es um unterschiedliche Positionen bei den &bdquo;gro&szlig;en&ldquo; weltpolitischen Fragen geht. Gerade hier treffen jedoch die subjektiven Wahrheiten in steter Regelm&auml;&szlig;igkeit aufeinander und gerade hier sind die &bdquo;Faktenchecker&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Wer-die-Bekaempfung-von-Fake-News-finanziert-4768361.html\">besonders einseitig aufgestellt<\/a>. In steter Regelm&auml;&szlig;igkeit wird &uuml;ber angebliche &bdquo;Fake News&ldquo; von russischen Medien berichtet. Wann wurde von diesen Faktencheckern jemals von den &bdquo;Fake News&ldquo; der NATO und der USA berichtet? Wenn einseitig gepr&uuml;ft wird, muss das Ergebnis nat&uuml;rlich auch immer einseitig sein. Mit einer wie auch immer gearteten Neutralit&auml;t oder gar Objektivit&auml;t hat das dann aber nichts mehr zu tun. Twitter und Facebook sind nicht parteiisch, sie sind Partei. <\/p><p><strong>Wenn Faktenchecks nicht sinnvoll machbar sind, ist es sinnvoll, keine Faktenchecks zu machen<\/strong><\/p><p>Wahrscheinlich w&auml;re es das Beste, man w&uuml;rde Mark Zuckerbergs Aussage zu einer Selbstverpflichtung machen. Wenn Twitter, Facebook und Co. rein technische Plattformen sind, dann sollte ihnen sogar verboten werden, in welcher Form auch immer inhaltlich Einfluss auf die Beitr&auml;ge der Nutzer zu nehmen, sofern diese nicht gegen g&uuml;ltige Gesetze versto&szlig;en. Ansonsten kommt man &ndash; wie man es auch dreht und wendet &ndash; immer in die Situation, eine subjektive Bewertung vorzunehmen, wo eine objektive Bewertung n&ouml;tig, aber eben nicht praktisch umsetzbar ist. F&uuml;r den Rest ist die Medienkompetenz der Nutzer verantwortlich. <\/p><p>Titelbild: rationalwiki<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/1f83bd4c12844257825084779f3139a3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kurznachrichtendienst Twitter hat einen Tweet des US-Pr&auml;sidenten Trump mit einem selbstgestrickten Faktencheck versehen und sich damit mit seinem m&auml;chtigsten und wohl auch bekanntesten Nutzer angelegt. Dies konnte der selbsternannte &bdquo;F&uuml;hrer der freien Welt&ldquo; nat&uuml;rlich nicht auf sich sitzen lassen. In einem rechtlich nicht bindenden Dekret will er nun die digitalen &bdquo;Plattformbetreiber&ldquo; zu redaktionellen Anbietern<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61408\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":61409,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,41,182,11],"tags":[2218,2036,1508,2005,1865,1113,1133,1800,2195],"class_list":["post-61408","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-correctiv","tag-facebook","tag-fake-news","tag-meinungsfreiheit","tag-soziale-medien","tag-tichy-roland","tag-trump-donald","tag-twitterx"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/200529_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61408"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61488,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61408\/revisions\/61488"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/61409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}