{"id":61422,"date":"2020-05-31T11:45:53","date_gmt":"2020-05-31T09:45:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61422"},"modified":"2020-09-28T10:38:18","modified_gmt":"2020-09-28T08:38:18","slug":"auch-unser-spaeterer-praesident-sukarno-arbeitete-als-freiwilliger-fuer-die-japaner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61422","title":{"rendered":"\u201eAuch unser sp\u00e4terer Pr\u00e4sident Sukarno arbeitete als Freiwilliger f\u00fcr die Japaner\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Indonesien &ndash; die niederl&auml;ndische Kolonie unter japanischer Besatzung (Teil III). Im dritten Teil der siebenteiligen Serie zur Vorgeschichte, zum Verlauf und zu den Verm&auml;chtnissen des Zweiten Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien besch&auml;ftigt sich unser Autor <strong>Rainer Werning<\/strong> mit der Herrschaft Japans &uuml;ber den indonesischen Archipel.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p><em>75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; Vorgeschichte, Verlauf, Verm&auml;chtnisse lautet der Titel dieser siebenteiligen Artikelserie <strong>von Rainer Werning<\/strong>, die die NachDenkSeiten innerhalb dieses Jahres in regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden ver&ouml;ffentlichen.<\/em><\/p><p><em>Lesen Sie bitte auch den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58483\">ersten<\/a> und den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59918\">zweiten<\/a> Teil der Reihe.<\/em><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auf den Baustellen (der Pakanbaroe-Bahn[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] auf Sumatra) mussten wir Knochenarbeit leisten: Erdmassen bewegen, B&auml;ume f&auml;llen, schwere Holzst&auml;mme heranschaffen, um die Trasse zu befestigen. Wenn wir nicht gehorchten, schlug man uns ins Gesicht oder auf die Schultern. Das waren javanische Aufpasser, die uns schlugen. Die Japaner lie&szlig;en sich zweimal die Woche blicken. Auch sie pr&uuml;gelten auf Leute ein, die nicht mehr arbeiten konnten, weil sie krank waren. &sbquo;Was?&rsquo;, schrien sie dann, &sbquo;du bist krank? Du L&uuml;gner!&rsquo; Immer wieder diese Schl&auml;ge. Du konntest nichts machen, du warst wehrlos. Sie hatten Waffen und Macht, wir hingegen wollten nur nicht sterben. Wenn wir uns schlecht f&uuml;hlten, suchten wir tags&uuml;ber Schutz unter einem Baum. Wir bekamen nur winzige Portionen zu essen: dreimal am Tag kriegten wir ein bisschen Reis mit Salz und Pfeffer. Gem&uuml;se gab es nicht. Mit den Bewohnern des n&auml;chstgelegenen Dorfes tauschten wir Kleidung gegen Sago und S&uuml;&szlig;kartoffeln. Wie kann man hart arbeiten, wenn der Magen leer ist und nur knurrt? Wir lebten in Baracken. Unter unseren Pritschen entz&uuml;ndeten wir meist ein kleines Feuer, damit der Rauch die Moskitos verscheuchte. Wir gingen so fr&uuml;h wie m&ouml;glich ins Bett. Einige Leute haben Abends gesungen.<\/p>\n<p>Nach diesen Erfahrungen hatte ich oft Alptr&auml;ume. Dann tr&auml;umte ich, jemand w&uuml;rde mich packen, und ich schrie um Hilfe. Dann wachte ich auf und wusch mir das Gesicht. Diese schrecklichen Tr&auml;ume haben mittlerweile aufgeh&ouml;rt. H&auml;ufig musste ich an die Zeit w&auml;hrend der japanischen Herrschaft denken, meistens nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Schlafengehen. Dann vergingen einige Stunden, bis ich wieder einschlief. Wut packt mich immer noch, wenn ich an das Schicksal meines Vaters und meines Bruders denke. Man hat sie als Leichname einfach weggeworfen. Wenn ich heute einem Japaner begegnen w&uuml;rde, w&uuml;rde ich ihn umbringen. H&auml;tte ich all das nicht erlebt, k&ouml;nnte ich mich heute &uuml;ber meine Arbeit und mein Leben freuen. Doch jetzt bin ich krank, auch im Herzen. Ich habe keinen Appetit und kann nicht zur Ruhe kommen.&rdquo;<\/p>\n<p>&ndash; Der ehemalige Zwangsarbeiter und Reisbauer Mohamed Nur, 1919 in Ostsumatra geboren, in: Jan Banning (2003: S.123 f.)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Knallharte Durchsetzung des Handelsmonopols mit Gew&uuml;rzen<\/strong><\/p><p>Niederl&auml;ndisch-Indien, wie Indonesien fr&uuml;her hie&szlig;, war wie die meisten L&auml;nder S&uuml;dostasiens Jahrhunderte von einer westlichen Kolonialmacht beherrscht worden. Die niederl&auml;ndische Kolonie war f&uuml;r die Japaner wegen ihrer N&auml;he zur Nordk&uuml;ste Australiens und wegen ihrer &Ouml;lvorkommen und anderer Bodensch&auml;tze von besonderer Bedeutung. Obwohl die Niederlande selbst bereits im Mai 1940 von den Truppen Nazideutschlands &uuml;berrannt worden waren und sich die niederl&auml;ndische Regierung nach London abgesetzt hatte, leisteten die niederl&auml;ndischen Kolonialtruppen auf Sumatra und Java noch bis Anfang M&auml;rz 1942 Widerstand gegen die Japaner, die dort ihre Offensive am 11. Januar begonnen hatten. Doch dann mussten auch sie vor den Verb&uuml;ndeten der deutschen Faschisten in Asien kapitulieren. Denn die &bdquo;antikoloniale&ldquo; Kriegspropaganda der Japaner gegen die Herren aus dem fernen Europa, die den indonesischen Archipel seit dem Jahre 1602 beherrschten, stie&szlig; in der indonesischen Bev&ouml;lkerung auf weitaus mehr Sympathien als irgendwo sonst in Asien.<\/p><p>Peter Latuihamallo war ein junger Theologiestudent in Batavia, der heutigen Hauptstadt Jakarta, als die Japaner in die Stadt einr&uuml;ckten. In Interviews mit dem Autor berichtete der sp&auml;tere Theologieprofessor:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich studierte dort Theologie und konnte wie viele Studenten, die von Inseln im Osten Indonesiens stammten, nicht mehr nach Hause zur&uuml;ckkehren, als der Krieg begann, weil die Schifffahrtslinien von Unterseebooten der Amerikaner, Holl&auml;nder und Australier unterbrochen waren. In der ersten Zeit feierten viele in Indonesien die Landung der Japaner, weil sie die Holl&auml;nder vertrieben hatten. &Uuml;berall packten die Leute ihre rot-wei&szlig;en indonesischen Fahnen aus und hissten sie neben der japanischen Flagge. Auch unser sp&auml;terer Pr&auml;sident Sukarno arbeitete als Freiwilliger f&uuml;r die Japaner. Er war zwar schon damals f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit, forderte uns Studenten jedoch dazu auf, die Japaner in ihrem Krieg zu unterst&uuml;tzen. Nach einem Jahr &auml;nderte sich die Lage. Aufgrund einer alliierten Blockade war Indonesien von der Au&szlig;enwelt v&ouml;llig abgeschottet und es herrschte unvorstellbare Armut. T&auml;glich fuhren Wagen durch die Stadt, um die Leichen derer einzusammeln, die auf der Stra&szlig;e verhungert waren. Und dann rekrutierten die Japaner auch in Indonesien zahlreiche Romusha, Zwangsarbeiter, um sie nicht nur auf den Inseln, sondern auch zum Unterhalt ihrer Kriegsmaschinerie in Malaya und Thailand einzusetzen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wie in den anderen Regionen S&uuml;dost- und Ostasiens waren auch die Kolonialtruppen in Niederl&auml;ndisch-Indien von den schnell vorr&uuml;ckenden japanischen Einheiten &uuml;berrascht worden. Was f&uuml;r die Niederlande eine schm&auml;hliche Niederlage war, bot dem &uuml;berwiegenden Teil der indonesischen Bev&ouml;lkerung Anlass zur Freude. Schlie&szlig;lich waren die verhassten Kolonialherren besiegt. Im kollektiven Ged&auml;chtnis der Kolonisierten konnten die Freveltaten der Vergangenheit nicht getilgt werden. Denn in Niederl&auml;ndisch-Indien, dem Dreh- und Angelpunkt des niederl&auml;ndischen Kolonialreichs in S&uuml;dostasien, hatte seit 1602 zun&auml;chst die <em>Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC)<\/em> und knapp zwei Jahrhunderte sp&auml;ter dann der niederl&auml;ndische Staat systematisch Einheimische und gelegentlich auch H&auml;ndler anderer Nationen ermorden lassen, um weltweit das Handelsmonopol f&uuml;r Gew&uuml;rze zu sichern.<\/p><p>Besonders blutig verlief dabei die Unterwerfung der zu den Molukken geh&ouml;renden Banda-Inseln. Dort brannten die Kolonialherren 1621 auf Befehl des Generalgouverneurs der VOC D&ouml;rfer und Siedlungen nieder und verschleppten deren Bewohner auf Sklavenm&auml;rkte. Von mehr als 10.000 Einheimischen &uuml;berlebten das Massaker nur wenige Hundert. F&uuml;r die Niederl&auml;nder entpuppte sich dieses jedoch als lohnende Investition: Fortan beherrschten sie den Weltmarkt f&uuml;r Muskat, ein Gew&uuml;rz, das nur auf den Banda-Inseln wuchs, und sp&auml;ter dann zudem noch den f&uuml;r Nelken und Zimt. Erst 1863 schafften die Niederlande als einer der letzten europ&auml;ischen Staaten die Sklaverei offiziell ab. <em>(GEO Epoche 2020)<\/em><\/p><p>Bewaffneter Widerstand gegen die neuen japanischen Besatzer regte sich deshalb kaum. W&auml;hrend sich der sp&auml;tere Staatsgr&uuml;nder und Pr&auml;sident Sukarno und etliche seiner Gefolgsleute f&uuml;r eine Zusammenarbeit mit den Japanern entschlossen hatten, gingen die Sozialisten und Kommunisten in den Untergrund. Einige Monate hielt in der Bev&ouml;lkerung die gro&szlig;e Erwartungshaltung an, Japan werde dem riesigen Inselreich als Befreier auch zur Unabh&auml;ngigkeit verhelfen. Doch eben das sahen die Pl&auml;ne in Tokio nicht vor. Dort stand fest, dass Indonesien als Teil der &bdquo;Gr&ouml;&szlig;eren Ostasiatischen Gemeinsamen Wohlstandssph&auml;re&ldquo; direkt von japanischen Truppen verwaltet werden sollte. Betroffen waren davon gleicherma&szlig;en Indonesier, Europ&auml;er und alle Personen eurasischer Abstammung.<\/p><p><strong>Internierungslager<\/strong><\/p><p>Die japanische Armee richtete zun&auml;chst auf Sumatra, Celebes (Sulawesi), Borneo (Kalimantan), in den Molukken (Maluku) und West-Timor Kriegsgefangenen- und Internierungslager ein. Dazu dienten Schulen und Gef&auml;ngnisse ebenso wie Bahnhofsgel&auml;nde und Kl&ouml;ster. Dann folgten Internierungen auf Java, von denen zuallererst die alliierten Kriegsgefangenen und B&uuml;rger der L&auml;nder betroffen waren, mit denen sich Japan im Krieg befand. Damals lebten knapp 300.000 Europ&auml;er auf dem Archipel, eine kleine Zahl im Vergleich zu der zirka 68 Millionen Einwohner z&auml;hlenden Bev&ouml;lkerung Indonesiens. Etwa die H&auml;lfte der Niederl&auml;nder war eurasischer Abstammung. In den Internierungslagern wurden die sozialen Unterschiede zwischen ihnen und denen, die sich vormals hochn&auml;sig als Teil der europ&auml;ischen Elite gew&auml;hnt hatten, schnell eingeebnet.<\/p><p>Ungef&auml;hr 100.000 niederl&auml;ndische Zivilisten wurden von den Japanern interniert, die meisten davon im Jahre 1942. Europ&auml;ische Schulen wurden umgehend geschlossen, und s&auml;mtliche niederl&auml;ndischen Zeitungen und Magazine mussten ihr Erscheinen einstellen. In die Internierungslager wurden zuerst M&auml;nner im Alter von 16 bis 60 Jahren gepfercht, gefolgt von Frauen, Kindern und &Auml;lteren. Die Lager f&uuml;r M&auml;nner und die f&uuml;r Frauen und Kinder waren getrennt. Sp&auml;ter dann, im Sommer 1944, wurden sogar Lager f&uuml;r Jungen &uuml;ber zehn Jahren und f&uuml;r alte M&auml;nner eingerichtet. Insgesamt sollen etwa 155 solcher Internierungslager &uuml;ber den gesamten Archipel verstreut gewesen sein. Die meisten von ihnen befanden sich auf Java, weil dort auch der gr&ouml;&szlig;te Teil der Europ&auml;er vor Kriegsbeginn gelebt hatte.<\/p><p>W&auml;hrend in einem Lager im Herbst 1942 durchschnittlich etwa 2.500 Personen lebten, waren darin bei Kriegsende etwa 10.000 Menschen auf engem Raum zusammengepfercht. Drei lange Jahre blieben diese Menschen von der Au&szlig;enwelt abgeschlossen und lebten unter Bedingungen, die sich von Monat zu Monat verschlechterten. Denn die Essensrationen wurden immer sp&auml;rlicher und es wurde schwieriger, Gem&uuml;se aus angelegten G&auml;rten oder durch Schwarzhandel mit den Einheimischen zu bekommen. Zirka 16.800 Internierte &uuml;berlebten die Strapazen nicht und starben.<\/p><p><strong>Zwangsarbeit in gro&szlig;em Stil<\/strong><\/p><p>Weitaus schlimmer als das Schicksal der Niederl&auml;nder und Eurasier war das Los der einheimischen Bev&ouml;lkerung. Die vermeintlichen Befreier entpuppten sich als gnadenlose Sklaventreiber, die immer mehr Menschen in die Zwangsarbeit trieben. <em>Romushas<\/em> (Zwangsarbeiter) wurden vor allem beim Bau von Stra&szlig;en und Br&uuml;cken, dem Ausbau von Flugh&auml;fen und Landepisten sowie beim Ausheben von k&uuml;stennahen Befestigungsw&auml;llen eingesetzt. F&uuml;r die japanischen Truppen blieb n&auml;mlich die K&uuml;stensicherung ein ungel&ouml;stes Problem; die langen K&uuml;sten waren zu riesig, um effektiv kontrolliert werden zu k&ouml;nnen. Dem japanischen Generalstab war nicht verborgen geblieben, dass alliierte Truppen Pl&auml;ne hegten, neben Malaya auch auf Sumatra Landeman&ouml;ver zu versuchen, um so an geheimdienstlich relevante Informationen heranzukommen und eine R&uuml;ckeroberung vorzubereiten.<\/p><p>Tats&auml;chlich durchgef&uuml;hrt wurden solche heiklen Landeoperationen von einer unter britischem Kommando stehenden Spezialeinheit, der Force 136 (<em>Corps Insulinde<\/em>) mit Sitz in Ceylon (dem heutigen Sri Lanka). Dieser Einheit geh&ouml;rten zeitweilig auch malaiische Widerstandsk&auml;mpfer und indonesische Informanten an. Da es den japanischen Truppen nicht einmal m&ouml;glich war, s&auml;mtliche K&uuml;stenabschnitte Sumatras und Malayas zu bewachen, gelang es Mitgliedern der <em>Force 136<\/em> einige Male erfolgreich, dort mit U-Booten aufzutauchen und Informanten an Land zu setzen beziehungsweise sie wieder an Bord zu nehmen.<\/p><p><em>Romushas<\/em> wurden auch beim Bau milit&auml;rstrategisch bedeutsamer Projekte eingesetzt. Dazu z&auml;hlten vor allem zwei Eisenbahnprojekte in S&uuml;dostasien: die Thailand-Birma-Bahn und die etwa 220 Kilometer lange Bahnlinie von Pakanbaroe nach Muaro Sijunjung in Zentralsumatra. Diente erstere den Japanern als logistischer Br&uuml;ckenkopf, um Birma zu besetzen und die Invasion (Ost-)Indiens vorzubereiten, so sollte die Pakanbaroe-Bahn den Transportweg zwischen der Hafenstadt Padang auf Sumatra und Singapur verk&uuml;rzen. Denn von Singapur aus musste die japanische Marine entweder den langen n&ouml;rdlichen oder den gleich langen s&uuml;dlichen Seeweg in Kauf nehmen, um den Nachschub zu sichern. Wie risikoreich diese Seewege waren, zeigten die Transporte von Zwangsarbeitern zu den Baustellen der Bahn. So wurde am 18. September 1944 das altersschwache Schiff <em>Junyo Maru<\/em> mit etwa 2.300 Kriegsgefangenen und 4.500 <em>Romushas<\/em> an Bord auf dem Weg nach Padang von einem britischen U-Boot torpediert und versenkt. Nur 680 alliierte Soldaten und 200 <em>Romushas<\/em> &uuml;berlebten &ndash; eine Schiffskatastrophe, deren Opferzahl nur beim Untergang der <em>Wilhelm Gustloff<\/em> und <em>Goya<\/em> ([<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>]) im Jahre 1945 &uuml;berschritten wurde.<\/p><p>Von April 1943 bis zur Kapitulation Japans am 15. August 1945 dauerte der Bau dieser Bahn durch tropischen Dschungel. Insgesamt mussten etwa 6.500 Kriegsgefangene &ndash; vorwiegend Niederl&auml;nder, au&szlig;erdem einige Australier, Briten und US-Amerikaner &ndash; auf den Baustellen der Bahn arbeiten. Bei Kriegsende war ein Drittel von ihnen ums Leben gekommen. Entweder waren sie beim Transport und im Zuge der Bauarbeiten an Ersch&ouml;pfung, Unterern&auml;hrung und tropischen Krankheiten gestorben oder von ihren Aufsehern erschlagen worden.<\/p><p>Weitaus h&ouml;her war die Zahl der Opfer unter den <em>Romushas<\/em>; von sch&auml;tzungsweise 98.000 zwangsrekrutierten Indonesiern kamen 80 Prozent ums Leben oder sie galten als verschollen. Ein immenser Blutzoll f&uuml;r eine Bahnlinie, die nie in Betrieb genommen wurde. Unmittelbar nach Kriegsende wurden bereits zig Kilometer Gleise aus der Trasse gerissen, um als hochwertiger Eisenschrott verkauft zu werden. Heute wird weder in Indonesien noch im modernen Pekanbaru selbst an dieses Kapitel der Kriegsgeschichte erinnert. Zwar steht dort seit Mitte der 1970er Jahre im Gedenken der Opfer auf einer leicht erh&ouml;hten Plattform eine alte Lokomotive, doch dieses &bdquo;Kriegsmonument&ldquo; ist verrostet und so gut wie vergessen &ndash; allenfalls interessant als Spiel- und Tummelplatz f&uuml;r Kinder.<\/p><p><strong>Exkurs: &bdquo;Futter f&uuml;r die militaristischen Nachkommen der Sonneng&ouml;ttin!&ldquo;<\/strong> Der Schriftsteller Pramoedya Ananta Toer &uuml;ber die japanische Okkupation seiner Heimat<\/p><p>Wie alle anderen L&auml;nder S&uuml;dostasiens &ndash; mit Ausnahme des alten Siam und heutigen K&ouml;nigreichs Thailand &ndash; war auch Niederl&auml;ndisch-Indien lange von einer westlichen Kolonialmacht beherrscht worden. Dort wurde die Ankunft der japanischen Truppen zun&auml;chst enthusiastisch begr&uuml;&szlig;t, erhoffte man sich doch von Japan sehnlichst die Unterst&uuml;tzung im Kampf gegen die verhassten niederl&auml;ndischen Besatzer, die nebst den Portugiesen am l&auml;ngsten als Kolonialherren in S&uuml;dostasien pr&auml;sent waren. Die Stimmung in der Bev&ouml;lkerung kippte allerdings um, als sich Gr&auml;ueltaten japanischer Soldaten gegen die indonesische Zivilbev&ouml;lkerung h&auml;uften und vor allem Zwangsarbeit in gro&szlig;em Stil angeordnet wurde.<\/p><p>Pramoedya Ananta Toer (1925-2006), der gro&szlig;e alte Mann der indonesischen Literatur, mehrfach nominiert f&uuml;r den Literaturnobelpreis und den dieser Autor einige Male interviewte, war siebzehn Jahre alt, als die Japaner in seine Heimat einfielen. In seinen autobiographischen Aufzeichnungen &bdquo;<em>Stilles Lied eines Stummen &ndash; Aufzeichnungen aus Buru<\/em>&ldquo; (2000) &auml;u&szlig;erte sich der Autor &uuml;ber die Zeit der japanischen Besatzung, an die auch er anf&auml;nglich gro&szlig;e Erwartungen gekn&uuml;pft hatte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;W&auml;hrend der japanischen Besatzungszeit war Indonesien &ndash; der Name war nach dem Zerfall Niederl&auml;ndisch-Indiens mittlerweile offiziell &ndash; in einer Weise geteilt, die keinerlei Ambitionen vermuten lie&szlig;, eine politische Einheit zu schmieden. Java und Madura bildeten eine separate administrative Einheit, die der japanischen Armee unterstand. Sumatra, Bali und andere Inseln hingegen wurden wie eigenst&auml;ndige Staaten behandelt und waren der japanischen Marine unterstellt.<\/p>\n<p>Die japanischen Soldaten &auml;hnelten den Karikaturen, die einst in den holl&auml;ndischen Zeitungen abgebildet waren: Sie hatten gro&szlig;e Z&auml;hne, darunter viele aus Gold, waren sch&auml;big gekleidet und statt zu sprechen schrien sie, wobei sie gew&ouml;hnlich ihr Bajonett auf die Person richteten, die sie anschrieen. Au&szlig;erdem verstr&ouml;mten viele einen f&uuml;rchterlichen K&ouml;rpergeruch, den man bereits aus f&uuml;nf Metern Entfernung wahrnahm. Nach einiger Zeit verbesserten sich das &auml;u&szlig;ere Erscheinungsbild und der Geruch der Japaner, doch das war nicht anders zu erwarten, denn die erste Welle, die Java erreichte und verlie&szlig;, bestand aus Frontsoldaten, welche die Inseln zu sichern hatten, w&auml;hrend mit der n&auml;chsten Welle gebildetere M&auml;nner eintrafen, die zur Besatzungsarmee geh&ouml;rten. (&hellip;) Die indonesische Bev&ouml;lkerung hatte keine Achtung vor den Japanern, sondern schiere Angst, die auf die h&auml;ufigen Misshandlungen durch Soldaten zur&uuml;ckzuf&uuml;hren war. Die Japaner betrachteten die Indonesier nicht nur als minderwertige Rasse, sondern eher noch als eine Herde Vieh, mit der sie umspringen konnten, wie es ihnen beliebte. Sie selbst f&uuml;hlten sich als Herrenrasse, und an den Schulen, an denen japanische Geschichte unterrichtet wurde, lernten die Sch&uuml;ler, dass (Kaiser) Hirohito ein Abk&ouml;mmling der Sonneng&ouml;ttin Amaterasu sei.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Pramoedya Ananta Toer arbeitete damals als Stenograph bei der japanischen Nachrichtenagentur Domei. So kam er an Informationen heran, die die meisten seiner Landsleute nicht hatten. Und er erfuhr, was sich in dem riesigen Inselreich, das sich von Osten nach Westen &uuml;ber 5.000 Kilometer erstreckt, unter der Herrschaft der neuen Besatzungsmacht zutrug:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;W&auml;hrend sich die Disziplin der Japaner allm&auml;hlich verbesserte, verschlechterte sich die Nahrungsmittelversorgung. Anfangs hatten die Bauern nur einen gewissen Prozentsatz ihrer Ernte an das Milit&auml;r abtreten m&uuml;ssen, doch schon bald wurden auch ihre Arbeitskraft eingefordert und ihre Freiheit geraubt: Viele Menschen wurden als <em>Romusha<\/em>, Zwangsarbeiter, von ihren Familien getrennt, um ohne Entsch&auml;digung Befestigungsanlagen zu errichten und fern der Heimat mit dem Himmel als einzigem Zeugen zu sterben. Nach dem Krieg erfuhr ich, dass mindestens vier Millionen javanische Bauern als <em>Romusha<\/em> ums Leben gekommen waren &ndash; als Futter f&uuml;r die militaristischen Nachkommen der Sonneng&ouml;ttin. Vier Millionen! Die St&auml;dte quollen &uuml;ber vor M&auml;nnern, die im verzweifelten Versuch, dem Tod zu entkommen, aus ihren D&ouml;rfern flohen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Hauptstadt Jakarta, das alte Batavia, glich einer M&uuml;llhalde. Die Bev&ouml;lkerung musste sich in pro-japanische Organisationen eingliedern. Auf dem Lande entleerten sich die D&ouml;rfer. Reisvorr&auml;te gelangten zuv&ouml;rderst in die japanischen Garnisonen. Hunger wurde zu einer t&ouml;dlichen Waffe. Allesamt Erfahrungen, die den Autor Pramoedya Ananta Toer bewogen, seine anf&auml;ngliche Bewunderung f&uuml;r die Japaner in Abscheu umschlagen zu lassen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Batavia, das bei meiner Ankunft noch sauber und ordentlich wirkte, war nun ein M&uuml;llhaufen aus ungenie&szlig;barem Abfall &ndash; alles Genie&szlig;bare, egal in welcher Form und welchem Zustand, fand unausweichlich den Weg in einen hungrigen Mund und leeren Magen.<\/p>\n<p>Da die Japaner die Unterst&uuml;tzung der unterworfenen V&ouml;lker ben&ouml;tigten, um ihren Krieg zu gewinnen, versuchten sie, die Nationalisten, die religi&ouml;sen F&uuml;hrer und die Oberschicht unter ihrer Vorherrschaft zu vereinen. (Als erste Ma&szlig;nahme hatten sie nach ihrer Landung auf Java versucht, die Kommunisten auszurotten.) Auf lokaler Ebene &uuml;berwachten sie durch Nachbarschafts-Sicherheitseinheiten namens Toonarigumi alle &ouml;ffentlichen Aktivit&auml;ten. Frauen wurden in die Organisation Fujinkai eingegliedert und die Jugendlichen mussten sich bei der Seinendan, dem lokalen Zweig der Keibodan-Polizei, registrieren lassen. Alle Autorit&auml;t und alle Entscheidungsbefugnisse lagen in H&auml;nden des japanischen Milit&auml;rs.<\/p>\n<p>Im B&uuml;ro verbrachte ich meine Tage mit dem Tippen von Berichten &uuml;ber die Aktivit&auml;ten der Bev&ouml;lkerung und ihre Dienste in den genannten &Uuml;berwachungsorganisationen, die sie zum Zwecke des Sieges im &sbquo;Gro&szlig;ostasiatischen Krieg&rsquo; verrichten mussten.<\/p>\n<p>Fette &Uuml;berschriften verk&uuml;ndeten japanische Siege zu Lande und zur See. &Uuml;ber die Leinwand flimmerten Bilder von japanischen Siegen und japanischer &Uuml;berlegenheit, gleichg&uuml;ltig ob es sich um Sport&uuml;bertragungen oder Lustspiele handelte. Der Rundfunk strahlte unabl&auml;ssig japanische und indonesische Milit&auml;rlieder aus. Doch auf Javas Feldern, Stra&szlig;en und Kreuzungen h&auml;uften sich die Leichen von Menschen, die von Grippe und Ruhr dahingerafft wurden. Verbesserte japanische Disziplin und Ordnung bedeutete f&uuml;r die Indonesier Hunger und bittere Armut.<\/p>\n<p>(&hellip;) Ich konnte mich nicht dagegen wehren, eine gewisse Bewunderung f&uuml;r die Japaner zu empfinden, die S&uuml;dostasiens Jahrhunderte langer Ankettung an Frankreich, England und Holland ein Ende bereitet hatten. Als sei es wirklich eine himmlische Macht, hatte Dai Nippon Teikoku, das Gro&szlig;e Japanische Kaiserreich, mit einem einzigen Atemhauch die Vergangenheit weggeblasen. Mit eigenen Augen hatte ich gesehen, wie W&uuml;rde, Autorit&auml;t und Respekt, die westlichen Menschen in meinem Heimatland zugebilligt wurden, in nur einem Augenblick verschwanden. Wie viele meiner Mitb&uuml;rger hatte ich anfangs gro&szlig;e Hoffnung auf die Befreiung vom Joch des Kolonialismus gelegt, die unser &sbquo;gro&szlig;er Bruder&rsquo; uns verk&uuml;ndete, doch wie bei vielen anderen schlugen meine positiven Erwartungen bald in Abscheu um, als ich gewahrte, erfasste und begriff, dass Japan nichts anderes als eine neue Kolonialmacht war, die sich als noch habgieriger und unmenschlicher erwies als die fr&uuml;heren. Im Chuoo Sangi-in (das Geb&auml;ude des Volkskongresses war w&auml;hrend der japanischen Besatzung in Chuoo Sangi-in umbenannt worden &ndash; Anm.: RW) hatte ich pers&ouml;nlich die japanischen Versprechungen auf Freiheit &sbquo;zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt&rsquo; stenographiert &ndash; dieser Zeitpunkt w&uuml;rde offensichtlich lange auf sich warten lassen.<\/p>\n<p>Schon bevor ich mich von Domei (der japanischen Nachrichtenagentur &ndash; Anm.: RW) absetzte, hatten die Nachrichten trotz der st&auml;ndigen Glorifizierung grandioser japanischer Siege nicht verbergen k&ouml;nnen, dass Japan unter wachsenden Druck geriet. Im Pazifik drangen alliierte Streitkr&auml;fte auf die Solomonen und die Philippinen vor, und in Indonesien wurden die Zentren der &Ouml;lproduktion auf Kalimantan und Sumatra zu Zielen amerikanischer B-29-Bomber. Mehrfach waren Maschinen dieses Typs schon &uuml;ber Jakarta aufgetaucht, doch die japanischen Luftabwehrgesch&uuml;tze waren nicht stark genug, um sie vom Himmel zu holen. In Ostjava begannen die Alliierten bereits, die Transportsysteme aus den Fugen zu hebeln, und in vielen Z&uuml;gen, die zwischen Malang, Kediri und Surabaya verkehrten, waren von Granaten zerfetzte Menschenleiber die einzige Fracht.<\/p>\n<p>Der Hunger trieb die Menschen umher; Bauernaufst&auml;nde in Westjava und der Aufstand der Milit&auml;rorganisation Peta ([<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">***<\/a>]) in Ostjava waren nur zwei Zeichen der um sich greifenden Unruhen. In Westpapua, Nordsulawesi und Aceh hatten Erhebungen gegen die Japaner zu Siegen der Rebellen gef&uuml;hrt, doch auf Java verfolgten und jagten die Japaner noch immer jeden, den sie als Feind betrachteten. (&hellip;) Das japanische Milit&auml;r hatte sich &uuml;bersch&auml;tzt. Die japanische Kriegsverwaltung berief die indonesische Jugend in die Verb&auml;nde Heiho und Peta, die sie als Zivilabwehr und Milit&auml;reinheit gegr&uuml;ndet hatten; doch auch dieser Schritt enth&uuml;llte nur den Beweis, dass Japans einheimischer Nachschub an Soldaten schrumpfte. Die Todesstrafe f&uuml;r die Peta-Soldaten, die in Blitar revoltiert hatten, machte deutlich, dass Japan nicht geneigt war, Vertrauen in eine indonesische Armee zu setzen. Jeder sp&uuml;rte, dass Japans Milit&auml;r eines Tages zusammenbrechen w&uuml;rde, doch nur wenige rechneten damit, dass es so schnell geschehen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Am 23. August 1945 verbreitete sich in Tunjung wie ein Lauffeuer die Nachricht, dass Soldaten von der Front zur&uuml;ckkehrten, und jeder sei mit einem Sack Reis best&uuml;ckt. Sie seien entwaffnet worden und h&auml;tten Anweisung erhalten, nicht mehr zu ihren Einheiten zur&uuml;ckzukehren.<\/p>\n<p>Ich hastete zu Fu&szlig; nach Ngadiluwih, wo ich erfuhr, dass Indonesien nun frei war. In Kediri &auml;u&szlig;erte sich diese Nachricht in unz&auml;hligen rot-wei&szlig;en Flaggen, die &uuml;ber der Stadt im Wind flatterten. Als ich die indonesische Nationalflagge sah, musste ich wieder an das Versprechen denken, dass die Japaner im Chuoo Sangi-in gegeben hatten. Doch dann erfuhr ich, dass die neu gewonnene Freiheit kein Geschenk Japans war, sondern dass Sukarno und Hatta bereits am 17. August die Unabh&auml;ngigkeit erkl&auml;rt hatten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Gescheiterte &bdquo;Japanisierung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auch in Indonesien setzten die neuen Kolonialherren alles daran, das Erbe und den Einfluss der fr&uuml;heren Herren schnellstm&ouml;glich aus dem &ouml;ffentlichen Leben zu verdr&auml;ngen. Per Dekret verf&uuml;gten die Japaner, dass fortan der Geburtstag von Kaiser Hirohito ein offizieller Feiertag sei, Japan als Schutzmacht Nippon zu akzeptieren sei und die japanische Zeit und der japanische Kalender gelten sollten. Jeder Einwohner, ob Niederl&auml;nder oder Indonesier, hatte dem japanischen Milit&auml;r jederzeit und &uuml;berall Respekt zu zollen, indem sie sich vor ihm verbeugten, was die Betroffenen in aller &Ouml;ffentlichkeit dem&uuml;tigen sollte. Hungerrevolten gegen die Besatzer folgten bald bewaffnete Aufst&auml;nde &ndash; so beispielsweise in Ostsumatra und Aceh (Nordsumatra) sowie im S&uuml;den und Westen von Borneo. Nur wenige japanische Offiziere waren der Meinung, dass Indonesien von ihren Gnaden &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo; werden sollte.<\/p><p>Erst gegen Ende 1944 &auml;nderte man in Tokio die Haltung gegen&uuml;ber den Nationalisten in Indonesien. Ausschlaggebend daf&uuml;r waren zahlreiche milit&auml;rische R&uuml;ckschl&auml;ge, die Japan im Pazifik und in Ostindonesien hinnehmen musste und die darauf hindeuteten, dass die japanische Herrschaft auch in Indonesien langsam br&ouml;ckelte. Im September 1944 lie&szlig; Tokio erstmals den Plan erkennen, die Indonesier wie im n&ouml;rdlichen Nachbarland, den Philippinen, in eine ihnen genehme &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; zu entlassen, um so wenigstens einen Teil seines Einflusses in dem Land zu wahren. Ein genaues Datum wurde allerdings nicht genannt, wenngleich man sich bei verschiedenen Anl&auml;ssen, darunter in Singapur sowie in Saigon (Vietnam), zu gemeinsamen Verhandlungen getroffen hatte, auf denen &uuml;ber die Gr&uuml;ndung einer Vorbereitungskommission zur Gew&auml;hrung der Unabh&auml;ngigkeit gesprochen wurde.<\/p><p>Mitte August 1945 sollten solche Verhandlungen auf Java konkretisiert werden. Doch da war es bereits zu sp&auml;t; auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 beschlossen die Siegerm&auml;chte, Thailand, Indochina, Malaya und Niederl&auml;ndisch-Indien unter das britische Kommando des <em>South East Asia Command (SEAC)<\/em> zu stellen, dessen Oberbefehl Admiral Lord Louis Mountbatten innehatte. Ostindonesien und Borneo kamen unter australisches Kommando. Dann &uuml;berst&uuml;rzten sich die Ereignisse. Am 15. August 1945 mussten die Japaner auch in Indonesien kapitulieren. Und zwei Tage sp&auml;ter riefen Sukarno und Mohammad Hatta die Unabh&auml;ngigkeit der freien Republik Indonesien aus.<\/p><p>Doch noch immer kontrollierten japanische Truppen weite Teile des Landes. Und die innenpolitisch prek&auml;re Lage nutzten die Niederlande ihrerseits, um erneut ihren Herrschaftsanspruch &uuml;ber die Inseln gewaltsam zu untermauern und die Nationalisten bis 1949 in milit&auml;rische Auseinandersetzungen zu verwickeln. Auf die Ereignisse von der Ausrufung der Republik am 17. August 1945 bis zur Unterzeichnung der Souver&auml;nit&auml;ts&uuml;bergabe 1949 reagierten die neu-alten Kolonialherren mit dem, was sie besch&ouml;nigend <em>politionele acties<\/em> (Polizeiaktionen) nannten. Auf diese Weise sollten die in der Folgezeit erbittert gef&uuml;hrten Kampfhandlungen, flankiert von einem an vielen Fronten gef&uuml;hrten Guerillakrieg, als innerstaatliche Querelen heruntergespielt werden. Erst nach langem politisch-diplomatischen Tauziehen kam es am 27. Dezember 1949 im K&ouml;niglichen Palast zu Amsterdam im Beisein der damaligen K&ouml;nigin Juliana zur feierlichen Beilegung des Konflikts und damit auch de jure zur Anerkennung Indonesiens durch die vormalige Kolonialmacht.<\/p><p><em><strong>Postscript:<\/strong><\/em> Reichlich sieben Dekaden sp&auml;ter statteten die niederl&auml;ndischen Royals, K&ouml;nig Willem-Alexander und K&ouml;nigin M&aacute;xima, der Republik Indonesien auf Einladung von Pr&auml;sident Joko Widodo vom 10. bis 12. M&auml;rz 2020 einen Staatsbesuch ab. Nebst den &uuml;blichen diplomatischen Gepflogenheiten fand der K&ouml;nig in einer Ansprache immerhin Worte von bemerkenswerter Tragweite, als er erkl&auml;rte: &bdquo;In &Uuml;bereinstimmung mit fr&uuml;heren Erkl&auml;rungen meiner Regierung m&ouml;chte ich mein Bedauern und meine Entschuldigung f&uuml;r die &uuml;berm&auml;&szlig;ige Gewalt seitens der Niederl&auml;nder in diesen Jahren zum Ausdruck bringen und wiederholen. Ich tue dies in der vollen Erkenntnis, dass der Schmerz und die Trauer der betroffenen Familien auch heute noch sp&uuml;rbar sind.&ldquo; Es sei gut, f&uuml;gte der K&ouml;nig hinzu, sich seiner Geschichte zu stellen und man k&ouml;nne die Vergangenheit nicht ausl&ouml;schen.<\/p><p>Gewiss ein Novum in der Nachkriegsgeschichte; erstmalig bekannte sich der K&ouml;nig in seiner Funktion als Staatsoberhaupt zu den milit&auml;rischen Gr&auml;ueltaten der Vorfahren. Dennoch blieb diese Goodwill-Geste in den Niederlanden selbst nicht unumstritten. Linksliberale Politiker warfen die Frage auf, warum Willem-Alexanders explizite Entschuldigung <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/NiederlandeNet\/aktuelles\/archiv\/2020\/0311Koenig_Entschuldigung_Indonesien.html\">nicht f&uuml;r die gesamte Kolonialzeit erfolgt sei<\/a>.<\/p><p>Pr&auml;sident Joko Widodo veranlassten die Ausf&uuml;hrungen seines hochrangigen Staatsgastes, diese mit den Worten zu quittieren: &bdquo;Frieden und Stabilit&auml;t in der Welt k&ouml;nnen erreicht werden, wenn die L&auml;nder der Welt Beziehungen unterhalten, die auf der Achtung der Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Integrit&auml;t anderer L&auml;nder beruhen, und ich m&ouml;chte Ihre Majest&auml;t einladen, starke Beziehungen auf der Grundlage dieser Prinzipien zu entwickeln.&ldquo;<\/p><p>Titelbild: HildaWeges Photography\/shutterstock.com<\/p><p><strong>Anmerkungen\/Literaturhinweise<\/strong><\/p><ul>\n<li>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] W&auml;hrend des Krieges hie&szlig; die Stadt <em>Pakanbaroe<\/em> und die Eisenbahnlinie <em>Pakanbaroe Spoorweg<\/em>, weshalb der Name <em>Pakanbaroe<\/em> im Text durchg&auml;ngig beibehalten und verwendet wird. Heute indes hei&szlig;t die Stadt <em>Pekanbaru<\/em>. &ndash; Der Autor dankt dem Fotojournalisten Jan Banning (Utrecht) f&uuml;r wichtige Informationen und Hinweise.<\/li>\n<li>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Die <em>Wilhelm Gustloff<\/em> war ein Kabinenfahrgastschiff der NS-Organisation Deutsche Arbeitsfront, das vor allem von deren Unterorganisation NS-Gemeinschaft &bdquo;Kraft durch Freude&ldquo; f&uuml;r Kreuzfahrten eingesetzt wurde. W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs wurde es von der Kriegsmarine als Lazarettschiff und Truppentransporter verwendet. Bei ihrer Versenkung durch ein sowjetisches U-Boot vor der K&uuml;ste Pommerns am 30. Januar 1945 fanden mehr als 9.000 Menschen den Tod. Die <em>Goya<\/em> war ein im norwegischen Bergen gebautes Frachtschiff, das nach dem spanischen Maler Francisco de Goya benannt und Anfang April 1940 in Dienst gestellt wurde. Nach der deutschen Besetzung Norwegens wurde die Goya von der Kriegsmarine beschlagnahmt. Nachdem sie u.a. als Truppentransporter eingesetzt worden war, diente das Schiff in den letzten Kriegsmonaten zur Evakuierung der deutschen Ostprovinzen. Am 16. April 1945 wurde es durch einen sowjetischen Torpedo versenkt, wobei &uuml;ber 7.000 Menschen ums Leben kamen.<\/li>\n<li>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;***<\/a>] PETA (<em>Pembela Tanah Air<\/em> &ndash; Verteidiger der Heimat) diente der Besatzungsmacht Japan von Oktober 1943 bis Kriegsende als Freiwilligenarmee zur Abwehr einer m&ouml;glichen Invasion seitens der alliierten Streikr&auml;fte. Bei Kriegsende betrug PETAs haupts&auml;chlich auf Java und Sumatra konzentrierte Truppenst&auml;rke ann&auml;hernd 60.000 Mann. Zwar wurde PETA anl&auml;sslich der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung am 17. August 1945 aufgel&ouml;st, wenngleich zahlreiche ihrer Mitglieder, darunter auch der sp&auml;tere Putschgeneral Suharto, Kommandoh&ouml;hen der indonesischen Streitkr&auml;fte erklommen. Pr&auml;sident Sukarno unterst&uuml;tzte die PETA-Aufl&ouml;sung u.a. deshalb, weil er bef&uuml;rchtete, ansonsten sehr rasch als offener Kollaborateur mit Japan stigmatisiert zu werden &ndash; <em>RW<\/em>.<\/li>\n<li>Banning, Jan (2003): <em>Sporen van oorlog. Overlevenden van de Birma- en de Pakanbaroe-spoorweg<\/em> (Spuren des Krieges. &Uuml;berlebende der Birma- und <em>Pakanbaroe<\/em>-Bahn), Utrecht &ndash; aus dem Niederl&auml;ndischen &uuml;bersetzt von Dr. Jos&eacute; Angelito U. Hardillo (Rotterdam) und dem Autor.<\/li>\n<li>Benda, Harry J. (1958): <em>The Crescent and the Rising Sun: Indonesian Islam Under the Japanese Occupation 1942-1945<\/em>. The Hague<\/li>\n<li>Dahm, Bernhard (1974): <em>Emanzipationsversuche von kolonialer Herrschaft in S&uuml;dostasien. Die Philippinen und Indonesien. Ein Vergleich.<\/em> Wiesbaden<\/li>\n<li>Euronews &ndash; 10\/03\/2020 \/ <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2020\/03\/10\/willem-alexander-auseinandersetzung-mit-der-kolonialvergangenheit\">de.euronews.com\/2020\/03\/10\/willem-alexander-auseinandersetzung-mit-der-kolonialvergangenheit<\/a><\/li>\n<li>GEO EPOCHE Nr. 101\/2020 mit den <em>Niederlanden<\/em> als Schwerpunkt. Hamburg \/ <a href=\"https:\/\/www.geo.de\/wissen\/22588-rtkl-niederlande-erbarmungslose-kolonialverbrechen-die-dunkle-seite-des-glanzes\">geo.de\/wissen\/22588-rtkl-niederlande-erbarmungslose-kolonialverbrechen-die-dunkle-seite-des-glanzes<\/a><\/li>\n<li>Hovinga, Henk (1996), <em>Eindstation Pakanbaroe 1943-1945. Dodenspoorweg door het oerwoud<\/em>. Amsterdam<\/li>\n<li><em>Japanese Military Administration in Indonesia<\/em> (1963), Washington, D.C.<\/li>\n<li>Kratoska, Paul H. (ed. &ndash; 2005): <em>Asian Labor in the Wartime Japanese Empire. Unknown Histories.<\/em> Armonk\/London <\/li>\n<li>Neumann, H.\/Witsen, E. van (1985), <em>De Sumatra spoorweg.<\/em> Amstelveen<\/li>\n<li>Reid, Anthony (1974): <em>The Indonesian national revolution, 1945-1950.<\/em> Hawthorn <\/li>\n<li>Toer,  Pramoedya Ananta Toer (2000): <em>Stilles Lied eines Stummen &ndash; Aufzeichnungen aus Buru<\/em>, &uuml;bertragen ins Deutsche von Diethelm Hofstra, Bad Honnef &ndash; hier das Kapitel &bdquo;<em>In Diensten der Japaner<\/em>&ldquo;, S. 184-185 und 191-192. Die Zitate sind mit freundlicher Abdruckgenehmigung des Horlemann Verlages dem Buch entnommen: &ndash; siehe ferner: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/24602.von-der-gefangeneninsel-buru-zurueck-ins-leben.html\">neues-deutschland.de\/artikel\/24602.von-der-gefangeneninsel-buru-zurueck-ins-leben.html<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/kind-aller-volker\">freitag.de\/autoren\/der-freitag\/kind-aller-volker<\/a><\/li>\n<li>van den Doel, Hubrecht Willem (2000): <em>Afscheid van Indi&euml;. de val van het Nederlands imperium in Azi&euml;.<\/em> Amsterdam<\/li>\n<li>van Langenberg, Michael (1980): <em>North Sumatra 1942-1945: The Onset of a National Revolution<\/em>, in: McCoy, Alfred W. (ed.): Southeast Asia under Japanese Occupation. New Haven, S. 33-64<\/li>\n<li>Vickers, Adrian (2005): <em>A history of modern Indonesia.<\/em> Cambridge\/New York<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Indonesien &ndash; die niederl&auml;ndische Kolonie unter japanischer Besatzung (Teil III). Im dritten Teil der siebenteiligen Serie zur Vorgeschichte, zum Verlauf und zu den Verm&auml;chtnissen des Zweiten Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien besch&auml;ftigt sich unser Autor <strong>Rainer Werning<\/strong> mit der Herrschaft Japans &uuml;ber den indonesischen Archipel.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":61423,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,171],"tags":[2960,1426,1620,1497,1792,1378,966,2360,2704],"class_list":["post-61422","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-der-zweite-weltkrieg-in-ost-und-suedostasien","tag-hegemonie","tag-indonesien","tag-japan","tag-kolonialismus","tag-niederlande","tag-weltkrieg","tag-zivile-opfer","tag-zwangsarbeit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/shutterstock_1031149756.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61422"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61422\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61484,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61422\/revisions\/61484"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/61423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}