{"id":6154,"date":"2010-07-09T14:38:27","date_gmt":"2010-07-09T12:38:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6154"},"modified":"2015-12-16T14:44:03","modified_gmt":"2015-12-16T13:44:03","slug":"die-manipulative-interpretation-von-wirtschaftsdaten-hat-zur-zeit-mal-wieder-hochkonjunktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6154","title":{"rendered":"Die manipulative Interpretation von Wirtschaftsdaten hat zur Zeit mal wieder Hochkonjunktur"},"content":{"rendered":"<p>Wie schon bei der letzten kleinen Wirtschaftsbelebung von 2006 bis 2008 wird auch heute wieder eine kleine Aufw&auml;rtsbewegung euphorisch interpretiert; damals wurden Wachstumsraten von kaum &uuml;ber 2 % &bdquo;Boom&ldquo; genannt; heute schaltet der Bundesfinanzminister bei 2 % realem Wachstum auf &bdquo;Konjunktur-Euphorie&ldquo; um. Und wenn die Exporte im Vergleich zum letzten Jahr kr&auml;ftig steigen, dann macht das Statistische Bundesamt und mit ihm die Mehrheit der Medien daraus ein halbes Wunder, obwohl der kurze Blick auf die Ver&auml;nderung im Jahr davor zeigt, dass jetzt nur aufgeholt wird, was zwischen 2008 und 2009 eingebrochen war. Dass Sch&auml;uble versucht zu manipulieren, dass das Statistische Bundesamt leider keine neutrale Institution ist, das wissen wir. Dass aber die Medien einvernehmlich nicht nur die Fakten wiedergeben, sondern die euphorische Interpretation &uuml;bernehmen, zeugt vom totalen Niedergang der Medien als kritischer Instanz des Geschehens. Albrecht M&uuml;ller. <!--more--><\/p><p>Dabei sind die Tricks der Manipulation &auml;u&szlig;erst einfach. Sie m&uuml;ssten von Journalisten durchschaut werden. Vermutlich ist das auch so. Vermutlich sind die ma&szlig;geblichen Journalisten nahezu komplett unter dem Einfluss von Spindoktoren.<\/p><p><strong>Zur Konjunktureuphorie bei 2 % Wachstum:<\/strong><br>\nDer Trick beim Wachstum der Volkswirtschaft ist einer der billigsten Tricks: man macht eine Prognose unterhalb des m&ouml;glichen Potenzials, im konkreten Fall lag die Prognose f&uuml;r das reale Wachstum 2010 bisher bei 1,4 %. Wenn dann die Prognose nach oben korrigiert wird, und sei es nur um 0,6 % auf ein niedriges Wachstum von 2 %, dann wird diese Ver&auml;nderung zur Basis der Euphorie erkl&auml;rt. Und alle, nahezu alle Medien, machen diese Stimmungs&auml;nderung mit. Dabei k&ouml;nnte man mit einem Blick auf Wachstumsraten in anderen L&auml;ndern und bei fr&uuml;heren Wirtschaftsbelebungen sowie mit einem Blick auf den Einbruch in Deutschland zwischen 2008 und 2009 und au&szlig;erdem mit einem Blick auf die Produktivit&auml;tszuw&auml;chse sehr gut wissen, das 2 % eine minimale positive Ver&auml;nderung sind. Damit ist Deutschland noch lange nicht heraus aus dem Loch.<\/p><p>Wie die Manipulation funktioniert, sehen Sie zun&auml;chst einmal an einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,druck-705479,00.html\">Beitrag von Spiegel Online<\/a> vom 8. Juli. Hier die ersten Zeilen:<\/p><blockquote><p>08. Juli 2010, 19:46&nbsp;Uhr<br>\n&ldquo;Zwei Prozent Wachstum&rdquo;<br>\n<strong>Sch&auml;uble schaltet auf Konjunktur-Euphorie um<\/strong><br>\nOptimismus eines Berufspessimisten: Finanzminister Sch&auml;uble geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um stolze zwei Prozent w&auml;chst. Bislang rechnet die Regierung mit einem deutlich geringeren Konjunkturplus. Zumindest offiziell.<br>\nBerlin &ndash; Es w&auml;re ein entscheidender Schritt aus der Krise: Die deutsche Wirtschaft k&ouml;nnte in diesem Jahr nach Einsch&auml;tzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&auml;uble (CDU) weit st&auml;rker zulegen als angenommen. &ldquo;Wir haben in diesem Jahr die reale Chance, dass es zwei Prozent Wachstum werden&rdquo;, sagte Sch&auml;uble am Donnerstagabend in Berlin.\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Interpretation wurde nicht nur vom Spiegel so gemacht. Wenn Sie bei Google News am 9.7-13:30 &bdquo;Wachstum&ldquo; eingeben, dann erhalten Sie folgende Meldung:<\/p><blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,705479,00.html\">&ldquo;Zwei Prozent Wachstum&rdquo;: Sch&auml;uble setzt voll auf Konjunktur-&Uuml;berraschung<\/a> Spiegel Online&nbsp;&ndash; &lrm;Vor 17 Stunden&lrm;<br>\n&ldquo;Wir haben in diesem Jahr die reale Chance, dass es zwei Prozent Wachstum werden&rdquo;, sagte Sch&auml;uble am Donnerstagabend in Berlin. Es wird schon seit l&auml;ngerem &hellip; <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/newsticker.sueddeutsche.de\/list\/id\/1012044\">Sch&auml;uble: Chance f&uuml;r Wachstum von 2 Prozent<\/a> sueddeutsche.de <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.maerkischeallgemeine.de\/cms\/beitrag\/11843333\/5934832\/UPDATE-Schaeuble-sieht-reale-Chance-auf-Wachstum.html\">UPDATE: Sch&auml;uble sieht reale Chance auf 2% Wachstum 2010<\/a> M&auml;rkische Allgemeine <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.open-report.de\/artikel\/Sch%E4uble%3A+Deutschland+kann+2010+zwei+Prozent+Wachstum+erreichen\/66998.html\">Sch&auml;uble: Deutschland kann 2010 zwei Prozent Wachstum erreichen Nachrichten-Magazin<\/a> | Internetzeitung | OPEN-REPORT.de <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.handelszeitung.ch\/artikel\/Finanz-AWP_Schaeuble-Reale-Chance-fuer-2-Prozent-Wachstum-in-Deutschland-in-diesem-Jahr_754316.html\">Handelszeitung&nbsp;Online <\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/news.google.de\/news\/story?pz=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;cf=all&amp;ncl=dMbl1-VHKKy0-JMyq5BWf5in4HqlM\">Alle 85 Artikel&nbsp;<\/a><\/p><\/blockquote><p>Der Trick, mit Schlimmerem zu rechnen und dann das weniger Schlimme zu feiern, funktioniert bei deutschen Journalisten und anderen Meinungsf&uuml;hrern ausgesprochen gut. Wir haben dies gerade in den letzten Tagen auch am Fall der Nettokreditaufnahme studieren k&ouml;nnen. Hier wurde die erwartete h&ouml;here Zahl auf 57,5 Milliarden reduziert und dies dann geb&uuml;hrend gefeiert.<\/p><p><strong>Der Trick zur manipulativen Interpretation der Exportziffern: Einfach vergessen, was die Ausgangsbasis war.<\/strong><br>\nVorweg ist hier anzumerken, dass Export-&Uuml;berschuss-Erfolge aus unserer Sicht angesichts der Leistungsbilanzungleichgewichte kein Grund zum Feiern sind. Dieser Einwand ist jetzt nicht das Thema. Thema ist die dreiste Interpretation der Exportzuw&auml;chse. Die gefeierten 28,8 % Plus von Mai 2009 auf Mai 2010 entsprechen fast genau dem Einbruch der Ausfuhren zwischen Mai 2008 auf Mai 2009. Damals gingen die Ausfuhren um 24,5 % zur&uuml;ck. Und die manipulative Interpretation durch das Statistische Bundesamt zu merken, h&auml;tten die Damen und Herren Journalisten nur die neue Pressemitteilung vom 8.7.2010 mit jener vom 9.7.2009 vergleichen m&uuml;ssen. Schon das ist offenbar zu viel verlangt. Hier die beiden &Uuml;berschriften und Aufmacher der beiden Pressemitteilungen:<\/p><p>Pressemitteilung Nr.237&nbsp;vom 08.07.2010<br>\n<strong>Deutsche Ausfuhren im Mai 2010: +&nbsp;28,8% zum Mai 2009 <\/strong><\/p><p>WIESBADEN &ndash; Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorl&auml;ufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Mai 2010 von Deutschland Waren im Wert von 77,5 Milliarden Euro ausgef&uuml;hrt und Waren im Wert von 67,7 Milliarden Euro eingef&uuml;hrt. Die deutschen Ausfuhren waren damit im Mai 2010 um 28,8% und die Einfuhren um 34,3% h&ouml;her als im Mai 2009. Ausfuhrseitig war das der h&ouml;chste Anstieg eines Monats gegen&uuml;ber dem Vorjahresmonat seit Mai 2000 (+&nbsp;30,7%), einfuhrseitig seit Januar 1989 (+&nbsp;38,9%).<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2010\/07\/PD10__237__51,templateId=renderPrint.psml\">destatis<\/a><\/p><p>Pressemitteilung Nr.255&nbsp;vom 09.07.2009<br>\n<strong>Deutsche Ausfuhren im Mai 2009: &ndash; 24,5% zum Mai 2008 <\/strong><\/p><p>WIESBADEN &ndash; Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorl&auml;ufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Mai 2009 von Deutschland Waren im Wert von 60,7 Milliarden Euro ausgef&uuml;hrt und Waren im Wert von 51,1 Milliarden Euro eingef&uuml;hrt. Die deutschen Ausfuhren waren damit im Mai 2009 um 24,5% und die Einfuhren um 22,6% niedriger als im Mai 2008.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2009\/07\/PD09__255__51,templateId=renderPrint.psml\">destatis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon bei der letzten kleinen Wirtschaftsbelebung von 2006 bis 2008 wird auch heute wieder eine kleine Aufw&auml;rtsbewegung euphorisch interpretiert; damals wurden Wachstumsraten von kaum &uuml;ber 2 % &bdquo;Boom&ldquo; genannt; heute schaltet der Bundesfinanzminister bei 2 % realem Wachstum auf &bdquo;Konjunktur-Euphorie&ldquo; um. Und wenn die Exporte im Vergleich zum letzten Jahr kr&auml;ftig steigen, dann macht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6154\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[12,133,30],"tags":[721,380,440,420,405],"class_list":["post-6154","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-manipulation-des-monats","category-wichtige-wirtschaftsdaten","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-aufschwung","tag-export","tag-schaeuble-wolfgang","tag-spiegel","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6154"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6158,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6154\/revisions\/6158"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}