{"id":61553,"date":"2020-06-03T13:59:41","date_gmt":"2020-06-03T11:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61553"},"modified":"2020-06-04T08:03:17","modified_gmt":"2020-06-04T06:03:17","slug":"deutschlands-exportfixierung-droht-zum-krisenbeschleuniger-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61553","title":{"rendered":"Deutschlands Exportfixierung droht zum Krisenbeschleuniger zu werden"},"content":{"rendered":"<p>Europa beendet den Lockdown und f&auml;hrt seine Wirtschaft wieder hoch. Die Folgen der weltweiten Ma&szlig;nahmen zur Eind&auml;mmung der Corona-Pandemie sind jedoch massiv und tiefgreifend. Die WTO geht <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/wto-zu-corona-krise-welthandel-koennte-um-bis-zu-ein-drittel-einbrechen-a-446fcc65-cad1-4122-a0b6-7df6ae9e1da1\">mittlerweile<\/a> von einem R&uuml;ckgang des Welthandels um bis zu 32 Prozent in diesem Jahr aus, der IWF <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/iwf-senkt-prognosen-wie-noch-nie-weltwirtschaft-vor-dramatischer-rezession\/a-53117910\">spricht<\/a> von der &bdquo;vermutlich schlimmsten Rezession seit der Gro&szlig;en Depression in den 1930er Jahren&ldquo;. Vor allem Volkswirtschaften, die ihre Binnenkonjunktur zugunsten der Exportwirtschaft vernachl&auml;ssigt haben, werden noch lange die Auswirkungen der &bdquo;Coronakrise&ldquo; sp&uuml;ren &ndash; allen voran der Export&uuml;berschussweltmeister Deutschland. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5629\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-61553-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200603_Deutschlands_Exportfixierung_droht_zum_Krisenbeschleuniger_zu_werden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200603_Deutschlands_Exportfixierung_droht_zum_Krisenbeschleuniger_zu_werden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200603_Deutschlands_Exportfixierung_droht_zum_Krisenbeschleuniger_zu_werden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200603_Deutschlands_Exportfixierung_droht_zum_Krisenbeschleuniger_zu_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=61553-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200603_Deutschlands_Exportfixierung_droht_zum_Krisenbeschleuniger_zu_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200603_Deutschlands_Exportfixierung_droht_zum_Krisenbeschleuniger_zu_werden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Auch im letzten Jahr <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/leistungsbilanz-deutschland-macht-wieder-weltgroessten-ueberschuss-a-fbc4f89e-e3e2-4bd8-b0c1-e672def93048\">verteidigte<\/a> Deutschland einmal mehr seinen traurigen Spitzenplatz beim Leistungsbilanz&uuml;berschuss. Deutschland ist Export&uuml;berschussweltmeister. 2019 betrug die Summe rund 293 Milliarden Dollar. So hoch ist hierzulande die j&auml;hrliche Differenz zwischen den Exporten und den Importen von Waren und Dienstleistungen. <strong>Zu den Hintergr&uuml;nden dazu werden die NachDenkSeiten in den n&auml;chsten Tagen ein Papier zu unseren &bdquo;Grundpositionen&ldquo; ver&ouml;ffentlichen. <\/strong><\/p><p>Worum geht es bei den Export&uuml;bersch&uuml;ssen? Die Erfahrung zeigt, dass Export&uuml;bersch&uuml;sse immer dann entstehen, wenn die L&ouml;hne &ndash; in Relation zu den Handelspartnern &ndash; einerseits zu niedrig und andererseits ungleich verteilt sind. Beides trifft auf Deutschland zu. Steigen die L&ouml;hne und sinkt die Ungleichverteilung der Einkommen, steigt auch der Konsum der Bev&ouml;lkerung und somit die Menge der Importe. Gleichzeitig sinkt durch steigende L&ouml;hne auch tendenziell der Lohnst&uuml;ckkostenvorteil, wodurch die Exporte sinken. Vereinfacht k&ouml;nnte man unterstellen, dass sich ein Land, in dem sich Importe und Exporte die Waage halten, volkswirtschaftlich auf dem richtigen Weg ist. Dies trifft innerhalb der Eurozone zum Beispiel mit Abstrichen auf Frankreich zu, dessen Handelsbilanz fast ausgeglichen ist. Deutschland weist jedoch sowohl relativ als auch absolut die h&ouml;chsten Export&uuml;bersch&uuml;sse auf. Ein anderer Begriff f&uuml;r Export&uuml;bersch&uuml;sse ist &uuml;brigens Importdefizite. Dies sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. <\/p><p>Eine Volkswirtschaft, die davon lebt, anderen Volkswirtschaften ihre G&uuml;ter und Dienstleistungen zu verkaufen, ist darauf angewiesen, dass eine stetige Nachfrage besteht. Der Welthandel muss brummen. Genau dieser Grundpfeiler ger&auml;t jedoch durch die weltweite Wirtschaftskrise in Folge der &bdquo;Corona-Ma&szlig;nahmen&ldquo; nun ins Wanken. Wenn die Weltwirtschaft hustet, droht der deutschen Volkswirtschaft eine Lungenentz&uuml;ndung; wobei der Begriff &bdquo;Husten&ldquo; f&uuml;r die sich zur Zeit entwickelnde Weltwirtschaftskrise ein sehr verniedlichender Begriff ist. <strong>Welche Auswirkung hat die Krise f&uuml;r Deutschland?<\/strong> Wie stehen die Chancen, dass die k&uuml;nftige Nachfrage zumindest stabil bleibt? Schauen wir uns doch einmal die zehn Volkswirtschaften an, in die Deutschland 2019 die meisten G&uuml;ter und Dienstleistungen exportiert hat&hellip;<\/p><ol>\n<li>USA &ndash; 119 Milliarden Euro\n<p>Im letzten Jahr gingen die meisten Exporte deutscher Unternehmen in die USA. In diesem Jahr d&uuml;rfte diese Zahl merklich zur&uuml;ckgehen. Von Februar bis April stieg die Arbeitslosenquote in den USA von 3,5% auf 14,7%. Alleine in der Woche zwischen dem 21. und dem 28. M&auml;rz registrierten die Beh&ouml;rden 6,9 Millionen Neuantr&auml;ge auf Arbeitslosengeld &ndash; damit haben binnen einer einzigen Woche mehr Menschen Arbeitslosengeld beantragt, als im langj&auml;hrigen Schnitt &uuml;berhaupt arbeitslos waren. Ein absurder Rekord. Mitte Mai waren offiziell 35,5 Millionen US-Amerikaner als arbeitslos gemeldet. Die &bdquo;Corona-Ma&szlig;nahmen&ldquo; haben in den USA mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit geschickt, als es die &Ouml;lkrise und s&auml;mtliche Finanzkrisen der j&uuml;ngeren Vergangenheit vermocht haben. H&ouml;here Arbeitslosenzahlen haben die USA bislang nur zum H&ouml;hepunkt der &bdquo;Gro&szlig;en Depression&ldquo; in den 1930ern gesehen. <\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200603-Exportfixierung-02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200603-Exportfixierung-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p><em>Arbeitslosenzahlen USA<\/em><\/p>\n<p>Die Konsumausgaben gingen im gleichen Zeitraum um 17% zur&uuml;ck &ndash; einzelne Sektoren, wie der f&uuml;r deutsche Exporteure so wichtige Automobilverkauf (-49%), implodierten f&ouml;rmlich. Im ersten Quartal schrumpfte die amerikanische Volkswirtschaft bereits um 5,0%, f&uuml;r das zweite Quartal geht man zur Zeit von einem weiteren R&uuml;ckgang in H&ouml;he von 11,2% aus. Am Ende des Jahres soll nach <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/external\/datamapper\/NGDP_RPCH@WEO\/DEU\/FRA\/ITA\/GBR\/USA\/POL\/CHE\/AUT\/BEL\">Sch&auml;tzungen des IWF<\/a> ein Minus von 5,9% stehen bleiben, was anl&auml;sslich der aktuellen Zahlen jedoch ziemlich zweckoptimistisch wirkt. <\/p>\n<p>Offen ist noch, wie andere M&auml;rkte auf die Entwicklungen reagieren. Parallel zur Arbeitslosigkeit und zum Kaufkraftverlust kommt noch ein massiver R&uuml;ckgang des &Ouml;lpreises (die USA sind mittlerweile &Ouml;lexporteur) und ein deutlicher R&uuml;ckgang bei der Immobiliennachfrage hinzu. Wie die Finanzm&auml;rkte mit ihren strukturierten Spekulationsprodukten darauf und auch die drohende Pleitewelle reagieren werden, ist eine weitere offene Frage. Das Kartenhaus wackelt und es ist nicht davon auszugehen, dass die US-Volkswirtschaft &ndash; anders als die B&ouml;rsenkurse &ndash; so bald wieder das &bdquo;Vorkrisenniveau&ldquo; erreicht. Deutsche Exporteure m&uuml;ssen k&uuml;nftig den G&uuml;rtel enger schnallen. <\/p><\/li>\n<li>Frankreich &ndash; 107 Milliarden Euro\n<p>Schwer absehbar sind die realwirtschaftlichen Folgen der Coronakrise f&uuml;r unser Nachbarland Frankreich. Verglichen mit anderen L&auml;ndern war der franz&ouml;sische Lockdown besonders restriktiv und die besonders betroffenen Branchen wie der Tourismus, die Gastronomie und der Einzelhandel sind traditionell wichtige Standbeine der franz&ouml;sischen Volkswirtschaft. F&uuml;r die k&uuml;nftige Entwicklung d&uuml;rfte es daher ausschlaggebend sein, wie schnell und gut diese Sektoren wieder in Gang kommen und ob die franz&ouml;sische Regierung die fiskalischen Freiheiten hat, gen&uuml;gend Geld in die Hand zu nehmen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Bei dieser Frage haben jedoch auch die EZB, die Eurozone und allen voran die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59988\">fiskalischen Falken aus den Niederlanden und Deutschland mitzureden<\/a>. Die Prognose d&uuml;rfte daher eher d&uuml;ster ausfallen. F&uuml;r das laufende Jahr geht der IWF von einem R&uuml;ckgang der franz&ouml;sischen Wirtschaftsleistung um 7,2% aus. Auch hier werden die deutschen Exporte massiv sinken.<\/p><\/li>\n<li>China &ndash; 96 Milliarden Euro\n<p>Wenn man nur den Zahlen von IWF, Weltbank und Co. folgt, d&uuml;rfte China die Weltwirtschaftskrise wohl von allen gro&szlig;en Volkswirtschaften am besten meistern. Ungeschoren kommt jedoch auch das Reich der Mitte nicht aus der Krise. Nachdem Ministerpr&auml;sident Li Keqiang f&uuml;r das erste Quartal sogar einen R&uuml;ckgang des BIP in H&ouml;he von 6,8% verk&uuml;nden musste, hat China sich &ndash; zum ersten Mal in seiner Geschichte &ndash; dazu entschlossen, kein Wachstumsziel mehr festzulegen. Die Zeiten seien &bdquo;unvorhersehbar&ldquo;. Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt derzeit mit rund 6% um ganze 50% h&ouml;her als der langj&auml;hrige Schnitt von 4%. Die besonders vom Lockdown betroffene Region Hubei musste &uuml;brigens f&uuml;r das erste Quartal des Jahres einen R&uuml;ckgang des BIP um 39,2% vermelden. Aktuell gehen IWF und Weltbank f&uuml;r China von einem Wachstum von 0,1% bis 2,3% aus &ndash; dies w&auml;re das geringste Wachstum seit dem &bdquo;gro&szlig;en Sprung&ldquo; in den 1980er Jahren.<\/p>\n<p>All diese Zahlen haben jedoch einen gro&szlig;en Unsicherheitsfaktor. Zwar ist die chinesische Binnenwirtschaft in den letzten Jahren massiv gewachsen; der Export &ndash; vor allem nach Europa und Nordamerika &ndash; ist jedoch immer noch der Motor der chinesischen &Ouml;konomie. Und hier sitzt China mit Deutschland in einem Boot. Wenn der Welthandel einbricht, leidet auch China ganz besonders unter den Folgen. Und dies setzt sich indirekt auch auf Deutschland fort, da Deutschland vor allem G&uuml;ter nach China exportiert, die dort vom zur Zeit besonders fragilen industriellen Sektor nachgefragt werden. Auch hier d&uuml;rften die deutschen Exporte merklich sinken.<\/p><\/li>\n<li>Niederlande &ndash; 92 Milliarden Euro\n<p>Auch die Niederlande sind keine Insel der Gl&uuml;ckseligen in einem Meer der Depression.<br>\nZwar hat sich die niederl&auml;ndische Volkswirtschaft dank der vergleichsweise lockeren &bdquo;Ma&szlig;nahmen&ldquo; mit nur 1,7% in den ersten drei Monaten recht stabil gehalten; daf&uuml;r sind den Niederl&auml;ndern jedoch ebenfalls die Absatzm&auml;rkte weggebrochen. F&uuml;r das laufende Jahr geht der IWF daher auch von einem R&uuml;ckgang des BIPs in H&ouml;he von 7,5% aus. Und dieser R&uuml;ckgang wird auch die niederl&auml;ndische Volkswirtschaft negativ beeintr&auml;chtigen und den Absatz deutscher Importe schm&auml;lern. Vereinfacht gesagt: Wer den G&uuml;rtel enger schnallen muss, kauft sich keinen Audi, BMW oder Mercedes. <\/p><\/li>\n<li>Gro&szlig;britannien &ndash; 79 Milliarden Euro\n<p>Der gr&ouml;&szlig;te europ&auml;ische Risikofaktor ist sicherlich Gro&szlig;britannien. Kein anderes europ&auml;isches Land ist so stark von den epidemiologischen und &ouml;konomischen Folgen der Krise betroffen und gleichzeitig schwebt &uuml;ber dem Land immer noch das Damoklesschwert eines harten Brexits. Daher ist es auch besonders schwer, hier Prognosen zu erstellen. W&auml;hrend der IWF Gro&szlig;britannien mit einem Minus von &bdquo;nur&ldquo; 6,5% eine vergleichsweise milde Rezession vorhersagt, prognostiziert die Bank of England sogar einen R&uuml;ckgang von 14% f&uuml;r das laufende Jahr &ndash; dies w&auml;re dann die tiefste Rezession seit 300 Jahren. Im schlimmsten Fall addieren sich zu den Folgen des Lockdowns auch noch die Folgen eines immer wahrscheinlicher werdenden harten Brexits. So oder so werden die deutschen Exporte auf die Insel zur&uuml;ckgehen.<\/p><\/li>\n<li>Italien &ndash; 68 Milliarden Euro\n<p>Auch in Italien sind die Sektoren Tourismus und Gastronomie besonders stark von der Krise betroffen. Der IWF geht f&uuml;r Italien sogar von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr von 9,1% aus. Dies ist &auml;hnlich wie f&uuml;r Frankreich und Spanien vor allem deshalb ein Problem, da Italien nicht frei &uuml;ber Konjunkturma&szlig;nahmen entscheiden kann, sondern wegen der Neuverschuldungsproblematik daf&uuml;r in Br&uuml;ssel, Frankfurt und Berlin um Zustimmung werben muss. Und selbst wenn Italien die Mittel daf&uuml;r bereitgestellt bek&auml;me, d&uuml;rften die massiven Einbu&szlig;en bei den betroffenen Haushalten mittel- bis langfristig dazu f&uuml;hren, dass weniger G&uuml;ter aus Deutschland importiert werden. <\/p><\/li>\n<li>&Ouml;sterreich &ndash; 66 Milliarden Euro\n<p>Bis Mitte April meldeten sich in &Ouml;sterreich rund 590.000 Menschen als arbeitssuchend. Weitere 1,2 Millionen Arbeitnehmer mussten in Kurzarbeit gehen. Auch hier sind vor allem der Tourismus und die Gastronomie betroffen. Nach IWF-Sch&auml;tzung wird die &ouml;sterreichische Volkswirtschaft heuer um 7% schrumpfen. Auch aus &Ouml;sterreich wird daher mit Sicherheit kein Wachstumsimpuls f&uuml;r die deutsche Volkswirtschaft ausgehen. <\/p><\/li>\n<li>Polen &ndash; 66 Milliarden Euro\n<p>Polen ist wohl der Nachbarstaat Deutschlands, der von den Ma&szlig;nahmen noch am geringsten betroffen ist. Der IWF prognostiziert f&uuml;r unseren &ouml;stlichen Nachbarn lediglich einen R&uuml;ckgang des BIPs von 4,6%. Polen ist jedoch eine &ndash; wie es immer so sch&ouml;n hei&szlig;t &ndash; sehr dynamische Volkswirtschaft, die im letzten Jahr mit einem Wachstum von 4,1% hinter Estland die zweitgr&ouml;&szlig;ten Wachstumsraten in der EU vermelden konnte. Damit ist jetzt erst einmal Schluss und die deutschen Exporte d&uuml;rften ebenfalls zur&uuml;ckgehen.<\/p><\/li>\n<li>Schweiz &ndash; 56 Milliarden Euro\n<p>Die Schweiz vermeldete k&uuml;rzlich 1,5 Millionen Gesuche auf Kurzarbeit &ndash; dies entspricht rund 30 Prozent der Erwerbst&auml;tigen. In besonders betroffenen Regionen wie dem Tessin betr&auml;gt der Anteil sogar 45 Prozent. Die Schweizer Regierung prognostiziert einen R&uuml;ckgang des BIP in H&ouml;he von 6,7% f&uuml;r das laufende Jahr. Die damit verbundenen Lohneinbu&szlig;en d&uuml;rften vor allem in einem Land mit derart hohen Lebenshaltungskosten wie der Schweiz zu einem deutlichen R&uuml;ckgang beim Konsum f&uuml;hren. Hinzu kommt, dass auch die Schweizer Volkswirtschaft stark vom Weltmarkt abh&auml;ngt. Beide Facetten sprechen f&uuml;r einen R&uuml;ckgang der deutschen Exporte.<\/p><\/li>\n<li>Belgien &ndash; 46 Milliarden Euro\n<p>Auch das von Covid-19 besonders betroffene Belgien geh&ouml;rt mit einem f&uuml;r das laufende Jahr gesch&auml;tzten R&uuml;ckgang der Wirtschaftskraft von 6,9% zu den Verlierern der Wirtschaftskrise. Wie alle anderen Kunden Deutschlands auch wird Belgien mindestens im laufenden Jahr, aber wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren deutlich weniger G&uuml;ter und Dienstleistungen einf&uuml;hren. Darunter leidet allen voran der Handelspartner Nummer Eins: Deutschland.<\/p><\/li>\n<\/ol><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200603-Exportfixierung-03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200603-Exportfixierung-03.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><em>IWF-Prognose Wirtschaftsentwicklung 2020<\/em><\/p><p><strong>D&uuml;stere Prognosen<\/strong><\/p><p>Deutschlands wichtigste Kunden fallen also kurz-, mittel- und wom&ouml;glich sogar langfristig als Wachstumsmotor aus. Diese zehn Staaten stehen f&uuml;r 794 Milliarden Euro deutscher Exporte. Dies sind fast zwei Drittel des gesamten Exportvolumens von 1.328 Milliarden Euro. Die Prognosen sind d&uuml;ster, die Zukunft ungewiss.<\/p><p>Wenn sich diese Prognosen erf&uuml;llen, d&uuml;rfte sich ausgerechnet die angeblich so &uuml;berlegene deutsche Volkswirtschaft besonders schwer damit tun, aus der Krise zu kommen. Es fehlen schlicht die Wachstumsimpulse. Wenn die Welt den G&uuml;rtel enger schnallen muss, verkaufen deutsche Premiummarken weniger Autos. Wenn die Welt weniger produziert, verkaufen deutsche Maschinenbauer weniger Produkte. Deutschlands &ouml;konomisches R&uuml;ckgrat ist auf eine stabile Weltwirtschaft und eine stabile Nachfrage angewiesen und nicht krisenfest. Nicht trotz, sondern durch unsere &bdquo;Exportst&auml;rke&ldquo; droht der deutschen Volkswirtschaft nun ein tiefes Tal der Tr&auml;nen. <\/p><p>Doch jede Krise geht auch immer mit einer Chance einher. F&uuml;r Deutschland bietet sich nun die hervorragende Gelegenheit, sich vom Exportwahn zu verabschieden und die Binnenkonjunktur zu st&auml;rken. Dies w&uuml;rde Europas st&auml;rkste Volkswirtschaft ganz nebenbei auch zum Wirtschaftsmotor f&uuml;r die Eurozone und wom&ouml;glich sogar f&uuml;r die gesamte Welt machen. Denn eins sollte klar sein: Um die Weltwirtschaftskrise zu b&auml;ndigen, muss Nachfrage generiert werden. Fr&uuml;her haben die USA und China diese Funktion &uuml;bernommen. Nun w&auml;re Deutschland an der Reihe und k&ouml;nnte sogar gr&uuml;ne und nachhaltige Akzente setzen. Daf&uuml;r w&auml;re jedoch ein Umdenken n&ouml;tig. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. <\/p><p>Titelbild: Lightspring\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/346b65a55cae4389a976323d8b70425c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa beendet den Lockdown und f&auml;hrt seine Wirtschaft wieder hoch. Die Folgen der weltweiten Ma&szlig;nahmen zur Eind&auml;mmung der Corona-Pandemie sind jedoch massiv und tiefgreifend. Die WTO geht <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/wto-zu-corona-krise-welthandel-koennte-um-bis-zu-ein-drittel-einbrechen-a-446fcc65-cad1-4122-a0b6-7df6ae9e1da1\">mittlerweile<\/a> von einem R&uuml;ckgang des Welthandels um bis zu 32 Prozent in diesem Jahr aus, der IWF <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/iwf-senkt-prognosen-wie-noch-nie-weltwirtschaft-vor-dramatischer-rezession\/a-53117910\">spricht<\/a> von der &bdquo;vermutlich schlimmsten Rezession seit der Gro&szlig;en<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61553\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":61554,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,107,13,37,30],"tags":[771,1889,290,379,380,1043,469,499,577,289,2857,333,1378,799,288,479,338,687,1556,476,2852],"class_list":["post-61553","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-audio-podcast","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-globalisierung","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-oesterreich","tag-belgien","tag-binnennachfrage","tag-china","tag-export","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-handelsbilanz","tag-italien","tag-kurzarbeit","tag-lockdown","tag-lohnstueckkosten","tag-niederlande","tag-polen","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reservearmee","tag-schweiz","tag-ungleichheit","tag-usa","tag-weltwirtschaftskrise","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_1658863093.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61553"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61576,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61553\/revisions\/61576"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/61554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}