{"id":61581,"date":"2020-06-04T09:17:22","date_gmt":"2020-06-04T07:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61581"},"modified":"2020-06-04T10:04:02","modified_gmt":"2020-06-04T08:04:02","slug":"was-jetzt-auf-dem-spiel-steht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61581","title":{"rendered":"Was jetzt auf dem Spiel steht"},"content":{"rendered":"<p>Michail Gorbatschow, der Politiker, dem wir das Ende des Kalten Krieges verdanken, sieht den Weltfrieden in Gefahr. Und meldet sich deshalb mit einem Buch zu Wort. Der Titel: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Was-jetzt-auf-dem-Spiel-steht.html\">Was jetzt auf dem Spiel steht. Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit<\/a>&ldquo;. Unser Rezensent <strong>Udo Brandes<\/strong> hat das Buch gelesen. Und ist beeindruckt davon, wie detailliert Gorbatschow noch immer informiert ist und wie treffsicher seine politischen Analysen sind.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Warum lohnt es sich, dieses Buch zu lesen?<\/strong><\/p><p>Weil wir darin etwas erfahren k&ouml;nnen, was in den westlichen Medien so gut wie gar nicht mehr stattfindet: Ein Blick auf die internationale Politik aus der Perspektive eines russischen Sozialdemokraten (das ist Gorbatschows Selbstverst&auml;ndnis, und ich meine, es beschreibt zutreffend seine politische Weltanschauung) und russischen Patrioten, der loyal und mit einem <em>realistischen<\/em> Blick die russische wie internationale Politik analysiert. Dabei f&auml;llt auf, dass Gorbatschow offenbar immer noch exzellent informiert ist und sich auch noch mit vielen Detailfragen der internationalen Politik auskennt. Wie er Putin und dessen Politik beschreibt, ist keinesfalls unkritisch oder anbiedernd, aber ein komplett anderes Bild, als wir es aus deutschen Medien kennen. Im Vergleich mit Gorbatschow wirken viele deutsche und westliche Politiker, Journalisten und andere au&szlig;enpolitische &bdquo;Denker&ldquo;, die unser Bild von der internationalen Politik pr&auml;gen, wie dumpfe Ideologen und Lobbyisten einer imperialistischen Politik. Gorbatschow erscheint mir dagegen als ein aufrichtig um den Frieden und die Demokratie besorgter Politiker, der zudem f&uuml;rchtet, dass die &ouml;kologische Krise ein Leben auf der Erde unm&ouml;glich machen k&ouml;nnte. Das ist sein Standort, der seine Perspektive bestimmt, aus der er die Verh&auml;ltnisse in der Welt analysiert. Dabei liegt meine Betonung auf dem Wort &bdquo;analysiert&ldquo;. Wie ich oben schon andeutete, verhalten sich viele westliche Politiker, als ob Russland imperialistische Ziele verfolgte. Ein aktuelles Beispiel dazu: Am Dienstag dieser Woche war der gr&uuml;n-rechte (n&auml;mlich neoliberal-rechte) Politiker und Lobbyist Ralf F&uuml;cks im Mittagsmagazin des Deutschlandfunks Kultur zu Gast. Er hat ganz klipp und klar Russland zum &bdquo;Gegner&ldquo; Deutschlands erkl&auml;rt.<\/p><p>Kurze Frage zu diesem Themenkomplex: Wenn man einmal vergleicht, wie viele L&auml;nder Russland und die USA jeweils &uuml;berfallen haben, gegen wie viele L&auml;nder beide L&auml;nder Krieg gef&uuml;hrt haben, wie viele Menschen von den Armeen beider Seiten seit Ende des 2. Weltkriegs get&ouml;tet wurden, wie viele Regime beide Regierungen jeweils gest&uuml;rzt haben, wie viele Menschen beide L&auml;nder mit Drohnen get&ouml;tet haben &ndash; was glauben Sie, wer hat mehr Tote, Elend und Leid produziert? Vor welchem Land werden die meisten Menschen auf der Welt mehr Angst haben? In beiden F&auml;llen lautet die Antwort ganz eindeutig: USA. Aber ein Blick in die deutsche Presse zeichnet ein v&ouml;llig anderes Bild. <\/p><p><strong>Wie Gorbatschow die deutsche Presselandschaft bewertet<\/strong><\/p><p>Ich sagte oben schon: Gorbatschow ist hervorragend informiert &uuml;ber die Lage in der Welt. Er ist auch sehr gut informiert &uuml;ber die deutsche Presselandschaft. Die deutsche Medienlandschaft k&ouml;nnte man nicht treffender beschreiben:  <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In Deutschland gibt es hochprofessionelle Medien. Einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften trugen wesentlich dazu bei, dass sich Deutschland nach dem Krieg in eine echte Demokratie verwandelt hat. Sie zeichneten sich durch ihr unabh&auml;ngiges Urteil aus. <\/p>\n<p>Seit einigen Jahren scheint mir die deutsche Presse jedoch wie verwandelt. Wenn Sie einen Beitrag &uuml;ber Russland zur Hand nehmen, werden Sie oft feststellen, dass er von einem Journalisten geschrieben wurde, der wie ein Ankl&auml;ger auftritt. Themen, die mit Russland zu tun  haben, werden nicht selten mit einer generellen Vorwurfshaltung behandelt. <\/p>\n<p>Was ist passiert? Journalisten sind frei, es gibt weder Zensur noch irgendwelche Einschr&auml;nkungen. Doch nur wenige trauen sich, gegen den Mainstream anzuschreiben. Heute, so wirkt es auf mich, zeigen deutsche Medien keine Sympathien f&uuml;r die Russen, mehr noch, sie wollen gar nicht erst verstehen. Obwohl man genau dies gerade von den Deutschen erwarten sollte. <\/p>\n<p>Dies erscheint mir ein besonderes Ph&auml;nomen in den deutschen Medien zu sein: Russland und den Russen wird erneut die Rolle des Schreckgespenstes zugewiesen. Aber w&auml;hrend sie zur Zeit des Kalten Krieges  das Zerrbild des &sbquo;wilden Asiaten&rsquo; zeichneten, fast mit einem Dolch zwischen den Z&auml;hnen, gehen sie heute einen anderen Weg. Sie greifen nicht nur Russland und die Russen an, sondern auch jene Deutschen &ndash; ob Journalisten oder Politiker &ndash; die f&uuml;r den Versuch pl&auml;dieren, Russland zun&auml;chst einmal zu verstehen, bevor man ein endg&uuml;ltiges Urteil f&auml;llt &uuml;ber das Land. Wer es wagt, &ouml;ffentlich solche Positionen zu vertreten, dem droht ein Scherbengericht&ldquo; (S. 167-168).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Charta von Paris &ndash; und was aus ihren Prinzipien geworden ist<\/strong><\/p><p>Gorbatschow bringt viele Beispiele, die belegen, auf welch gutem Weg die Welt Ende der achtziger Jahre und Anfang der neunziger Jahre war. Er erinnert an die Charta von Paris, deren Unterzeichner offiziell die &Auml;ra der Konfrontation und Spaltung in Europa f&uuml;r beendet erkl&auml;rten. Die Charta wurde am 21. November 1990 in Paris von 32 europ&auml;ischen L&auml;ndern sowie den USA und Kanada unterzeichnet. Am Ende der Charta hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir beschlie&szlig;en Mechanismen zur Verh&uuml;tung und L&ouml;sung von Konflikten zwischen Teilnehmerstaaten zu schaffen. (&hellip;) Wir werden nicht nur nach wirksamen Wegen suchen, um m&ouml;gliche Konflikte mit politischen Mitteln zu verhindern, sondern im Einklang mit dem V&ouml;lkerrecht auch geeignete Mechanismen zur friedlichen Beilegung etwaiger Streitigkeiten festlegen. Dementsprechend verpflichten wir uns, in diesem Bereich nach Formen der Zusammenarbeit zu suchen&ldquo; (S. 20).\n<\/p><\/blockquote><p>Gorbatschow f&uuml;hrt dann aus, dass einer der Grunds&auml;tze des neuen politischen Denkens lautete, dass Sicherheit niemals einseitig zum Nachteil anderer erreicht werden k&ouml;nne. Die Sowjetunion habe ihr Engagement f&uuml;r dieses Prinzip in der Praxis bewiesen. Sie habe die  V&ouml;lker in den osteurop&auml;ischen L&auml;ndern nicht daran gehindert, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ohne dabei die Rolle der V&ouml;lker selbst gering zu sch&auml;tzen, m&ouml;chte ich hinzuf&uuml;gen: Diese friedliche Revolution und, ganz allgemein, ein neues, demokratisches Europa w&auml;ren unm&ouml;glich gewesen ohne die tiefgreifenden Ver&auml;nderungen, die in der Sowjetunion ihren Anfang nahmen, ohne Glasnost und Perestoika&ldquo; (S. 23).\n<\/p><\/blockquote><p>Ich m&ouml;chte hinzuf&uuml;gen: Auch der russische Pr&auml;sident Putin hat immer wieder mit seinen Reden und Initiativen bewiesen, dass er gewillt ist, sich f&uuml;r ein friedliches und kooperatives Europa zu engagieren, insbesondere mit seiner Rede am 25. September 2001 im Deutschen Bundestag. Leider traf seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit und weiteren Ann&auml;herung insbesondere in Deutschland auf taube Ohren, und es setzte ein gegenteiliger Prozess ein. <\/p><p><strong>Der Siegesrausch der westlichen L&auml;nder<\/strong><\/p><p>Wie ist das zu erkl&auml;ren? Gorbatschow sieht es so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Verpflichtungen aus der Charta von Paris zu ignorieren, das war nur eines der Symptome einer ganz speziellen Krankheit, von der die politische Elite des Westens im ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Kalten Krieges befallen wurde: Siegesrausch. Was meine ich damit? Vor drei Jahrzehnten hat niemand daran gezweifelt: Das Endes des Kalten Krieges war unser gemeinsamer Sieg. Er kam zustande durch Dialog und Verhandlungen &uuml;ber die kompliziertesten Probleme der Sicherheit und Abr&uuml;stung und indem man bilaterale Beziehungen aufnahm. Ohne all dies h&auml;tten der Kalte Krieg und das Wettr&uuml;sten noch einige Jahrzehnte andauern k&ouml;nnen! Und wer wei&szlig;, wozu das h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen! Anstatt dies anzuerkennen, erkl&auml;rte der Westen sich zum Sieger&ldquo; (S.24).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wie Gorbatschow Putin sieht<\/strong><\/p><p>Gorbatschow verweist darauf, dass man sich f&uuml;r die Bewertung der Politik Putins &uuml;ber etwas klar sein m&uuml;sse:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die russische Gesellschaft steckt noch immer in einer &Uuml;bergangsphase &ndash; von Totalitarismus und Unfreiheit zur Demokratie. Ein solcher &Uuml;bergang ist nicht einfach&ldquo; (S. 141).\n<\/p><\/blockquote><p>Gorbatschows eigene Bem&uuml;hungen, die Sowjetunion grundlegend zu erneuern, wurden 1991 durch den Putsch gegen ihn vereitelt. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Noch heute glaube ich, dass die Integrit&auml;t des Landes h&auml;tte gewahrt werden k&ouml;nnen und dass die neue Union im Interesse aller lag. Aber der Putsch hat meine Position geschw&auml;cht. Und die F&uuml;hrung Russlands, der gr&ouml;&szlig;ten Republik der UdSSR, unter Boris Jelzin (der mit massiver amerikanischer Unterst&uuml;tzung ins Amt kam; Anmerkung von UB), entschied sich f&uuml;r die Aufl&ouml;sung der Sowjetunion. Das Land brach auseinander, der Staat kollabierte&ldquo; (S. 141).\n<\/p><\/blockquote><p>Dies alles f&uuml;hrte bekannterma&szlig;en zu einem politischen und wirtschaftlichen Chaos und einer mafi&ouml;sen Gesellschaftsstruktur, in der Oligarchen das Land ausraubten und Milliardenverm&ouml;gen anh&auml;uften. Au&szlig;enpolitisch wurde Russland enorm geschw&auml;cht: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viele politische Entscheidungen der westlichen L&auml;nder, und vor allem der USA, widersprachen damals Russlands nationalen Interessen, aber wir konnten nichts dagegen tun, auf uns wurde keine R&uuml;cksicht genommen. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt&ldquo; (S.142).\n<\/p><\/blockquote><p>Als Pr&auml;sident habe Wladimir Putin dieses politische und &ouml;konomische Chaos, das sein Vorg&auml;nger Boris Jelzin zu verantworten hatte, geerbt. Gorbatschows Schlussfolgerung: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unter diesen Umst&auml;nden war es kaum m&ouml;glich, mit Demokratie aus dem Lehrbuch die katastrophale Lage zu beenden. Daf&uuml;r hatte uns die Geschichte einfach nicht gen&uuml;gend Zeit einger&auml;umt. Der Pr&auml;sident hatte gar keine andere Wahl, als entschieden und konsequent zu handeln&ldquo; (S. 143).\n<\/p><\/blockquote><p>Sein Fazit: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In jenen Jahren wurde ich oft gefragt, wie ich die autorit&auml;ren Elemente in der russischen Politik beurteilte. Sie blieben mir nicht verborgen, aber f&uuml;r mich war es undenkbar, die Politik des Pr&auml;sidenten allein danach zu beurteilen. Man muss die Umst&auml;nde betrachten, unter denen er handeln musste. Und wenn es das Ziel der Regierung ist, die Voraussetzung zu schaffen, dass eine starke, moderne Demokratie entsteht, bin ich bereit den Pr&auml;sidenten dabei zu unterst&uuml;tzen. Selbst wenn ich mit einzelnen Entscheidungen nicht einverstanden bin&ldquo; (S. 144).\n<\/p><\/blockquote><p>Gorbatschow kritisiert an der russischen Regierung, dass es ihr nicht gelungen sei, die Abh&auml;ngigkeit der heimischen Wirtschaft vom Rohstoffexport zu beenden. Auch sei es falsch gewesen, die Sozialleistungen f&uuml;r Rentner einzuschr&auml;nken. Trotzdem gelte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Generell kann man aber sagen, dass im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts der Lebensstandard f&uuml;r Millionen von Russen sich deutlich besserte und dies eine Steigerung des Realeinkommens zur Folge hatte. Das wirtschaftliche Chaos der neunziger Jahre war &uuml;berwunden&ldquo; (S. 145).\n<\/p><\/blockquote><p>Meine pers&ouml;nliche Anmerkung zu Pr&auml;sident Putin: Zum einen hat Gorbatschow recht. Die westlichen Politiker und Kritiker mit ihrer wohlfeilen Kritik lassen v&ouml;llig au&szlig;er Acht, welchen objektiven Spielraum Putin hatte und hat. Sie sind also offensichtlich nicht zum Perspektivenwechsel in der Lage, was aber grundlegend ist, um im Sinne von Frieden und Demokratie eine erfolgreiche Au&szlig;enpolitik zu betreiben. Und zweitens habe ich in meinem Politikstudium gelernt, dass man immer auch die Gegenthese mitdenken muss. Und das hei&szlig;t in Bezug auf Putin: Wer garantiert denn, dass der Nachfolger Putins zwangsl&auml;ufig eine prowestliche und demokratische Politik machen wird? Putin ist ein ausgesprochen rational agierender Politiker. Mit ihm kann man verhandeln. Aber was w&auml;re, wenn ein russischer Trump Putin ersetzen w&uuml;rde?<\/p><p><strong>Wie demokratisch ist die Au&szlig;enpolitik der westlichen L&auml;nder?<\/strong><\/p><p>Gorbatschow hat Zweifel am demokratischen Gehalt der Politik westlicher L&auml;nder:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich habe unseren westlichen Partnern, vor allem den amerikanischen Politikern, wiederholt versucht zu erkl&auml;ren, dass Demokratie nicht verordnet werden kann, dass sie nicht wie Kaffee in S&auml;cken durch L&auml;nder und Kontinente transportiert und verteilt werden kann, und noch weniger in Panzern. <\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, den Zwang zur Demokratie aufzugeben, den Menschen Freiheit zu gew&auml;hren, eine eigene Wahl zu treffen, die ihrer Kultur, Mentalit&auml;t und Tradition entspricht. <\/p>\n<p>Ich muss sagen: Westliche Politiker haben diesen Rat nicht befolgt. Sie nahmen sich das Recht und erkl&auml;rten es geradezu zu ihrer Mission, Noten f&uuml;r Demokratie zu verteilen, L&auml;nder und V&ouml;lker anzuklagen, vor Gericht zu bringen, zu verurteilen und das Urteil zu vollstrecken. <\/p>\n<p>Was anderes waren die Milit&auml;raktionen in Jugoslawien, im Irak und in Lybien? Sie fanden unter jeweils anderen Vorw&auml;nden statt, waren aber immer begleitet von demokratischen Parolen&ldquo; (S. 131).\n<\/p><\/blockquote><p>Allgemein analysiert Gorbatschow die Lage der Demokratie wie folgt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Und wenn wir den Grad an Demokratie in verschiedenen L&auml;ndern bewerten, dann sollten wir das nicht nur nach formalen Kriterien tun. Wahlen, Machtwechsel, freie Medien, Menschenrechte sind nat&uuml;rlich die wichtigsten Indizien. Aber sind sie in den L&auml;ndern der &sbquo;nachhaltigen Demokratie&rsquo; alle vollst&auml;ndig verwirklicht worden? Warum h&auml;ufen sich massenhafte Zeichen von Unzufriedenheit in der Bev&ouml;lkerung? W&auml;re es nicht besser, diesen Problemen Aufmerksamkeit zu schenken? <\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich diskreditiert nichts die Demokratie mehr als das Versagen demokratischer Politiker bei der L&ouml;sung von Problemen, die die Interessen der eigenen Bev&ouml;lkerung betreffen.<\/p>\n<p>Wenn aus den j&uuml;ngsten Fehlschl&auml;gen des Westens in der Au&szlig;enpolitik und bei der L&ouml;sung interner Probleme keine Schlussfolgerungen gezogen werden, wenn gewisserma&szlig;en keine Demokratisierung der Demokratie eintritt, wird die Attraktivit&auml;t konkurrierender politischer Modelle f&uuml;r viele Menschen zunehmen. Ich f&uuml;rchte, wir n&auml;hern uns dieser Linie. Sie ist eine gef&auml;hrliche Grenzlinie&ldquo; (S. 131).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Sanktionen gegen Russland und Gorbatschows Schlusswort<\/strong><\/p><p>Gorbatschow betont zum Schluss seines Buches noch einmal, dass westliche Politiker und Medien eine Atmosph&auml;re der Feindseligkeit und Feindschaft erzeugen. Das erkl&auml;rte Ziel der Sanktionen, die die USA und die EU gegen Russland beschlossen h&auml;tten, und die von Deutschland unterst&uuml;tzt w&uuml;rden, sei es, Russland zu bestrafen. Sein Appell an die Deutschen: Sie m&ouml;gen dar&uuml;ber nachdenken, ob sie das wirklich wollen. Es sei schlie&szlig;lich das russische Volk gewesen, das unvorstellbare Opfer erbracht habe, um die V&ouml;lker Europas, einschlie&szlig;lich der Deutschen, vom Hitler-Regime zu befreien. Und es seien die Russen gewesen, die vor drei&szlig;ig Jahren Verst&auml;ndnis daf&uuml;r bewiesen h&auml;tten, dass die Deutschen wieder in einem Land leben wollten. Er betont, dass das probate Mittel f&uuml;r die &Uuml;berwindung von Meinungsverschiedenheiten nicht Sanktionen seien, sondern Verhandlungen. Auch damals (bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung) schienen die Probleme un&uuml;berwindlich. Aber man habe es geschafft. H&auml;tte man seinerzeit versucht, die Schw&auml;chen und Fehler des jeweils anderen f&uuml;r sich zu nutzen, anstatt aufeinander zuzugehen, dann &bdquo;w&auml;re das Brandenburger Tor wahrscheinlich noch heute durch eine Mauer blockiert&ldquo; (S. 184). Deshalb ruft Gorbatschow seine Leser auf:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Denken Sie nach, &uuml;ber die Vergangenheit und die Gegenwart. Bedenken Sie, wohin es uns f&uuml;hren kann, wenn wir den gegenw&auml;rtigen Weg der Feindseligkeit fortsetzen. Ich fordere von niemandem, auch nicht von der Presse, auf Kritik zu verzichten. Aber Kritik ist eine Sache, die Wiederbelebung eines Feindbildes eine andere. Wer Nationen gegeneinander aufstachelt, verh&auml;lt sich wie der Rattenf&auml;nger aus dem ber&uuml;hmten M&auml;rchen. Heutzutage kann so ein Rattenf&auml;nger die ganze Menschheit an einen Punkt f&uuml;hren, von dem es kein Zur&uuml;ck mehr gibt&ldquo; (S.185).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Mein Fazit:<\/strong> H&auml;tte Gorbatschow doch noch ein paar Jahre mehr Zeit im Amt gehabt! Die Welt w&auml;re heute vielleicht eine ganz andere. Und: Wir brauchen dringend Politiker vom Format eines Michail Gorbatschow. Das Buch von Gorbatschow kann ich nur w&auml;rmstens empfehlen. <\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Was-jetzt-auf-dem-Spiel-steht.html\">Michail Gorbatschow: Was auf dem Spiel steht. Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit<\/a>, Siedler-Verlag, M&uuml;nchen 2019, gebunden, 186 Seiten, 18,00 Euro.<\/strong><\/p><p>Titelbild: Kaliva\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michail Gorbatschow, der Politiker, dem wir das Ende des Kalten Krieges verdanken, sieht den Weltfrieden in Gefahr. Und meldet sich deshalb mit einem Buch zu Wort. Der Titel: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Was-jetzt-auf-dem-Spiel-steht.html\">Was jetzt auf dem Spiel steht. Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit<\/a>&ldquo;. Unser Rezensent <strong>Udo Brandes<\/strong> hat das Buch gelesen. 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