{"id":61840,"date":"2020-06-16T08:47:32","date_gmt":"2020-06-16T06:47:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61840"},"modified":"2026-01-27T11:37:03","modified_gmt":"2026-01-27T10:37:03","slug":"armut-die-gesellschaftliche-kluft-wird-von-medien-verfestigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61840","title":{"rendered":"Armut: \u201eDie gesellschaftliche Kluft wird von Medien verfestigt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Medien &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Armen-in-Deutschland-dem-Tod-so-nah-3195687.html?seite=all\">Armut<\/a> und die Angeh&ouml;rigen der unteren Schichten berichten, liegt oft vieles im Argen. Das ist der Befund von <strong>Bernd G&auml;bler<\/strong>, der sich f&uuml;r die Otto-Brenner-Stiftung unter dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/wissenschaftsportal\/informationsseiten-zu-studien\/armutszeugnis-wie-das-fernsehen-die-unterschichten-vorfuehrt\/\">Armutszeugnis &ndash; Wie das Fernsehen die Unterschichten vorf&uuml;hrt<\/a>&ldquo; des Themas angenommen hat. &bdquo;Armut ist ein zentrales gesellschaftliches Problem, wird aber an den Rand der Aufmerksamkeit gedr&auml;ngt&ldquo;, sagt G&auml;bler im NachDenkSeiten-Interview. Zudem stellt G&auml;bler fest, dass Medien &bdquo;mit zu geringer Neugier und zu wenig Respekt berichten.&ldquo; Der Professor f&uuml;r Journalistik an der FHM Bielefeld wirft bestimmten TV-Formaten vor, dass sie unter dem Deckmantel der Dokumentation Menschen vorf&uuml;hren. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2640\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-61840-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Armut_Die_gesellschaftliche_Kluft_wird_von_Medien_verfestigt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Armut_Die_gesellschaftliche_Kluft_wird_von_Medien_verfestigt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Armut_Die_gesellschaftliche_Kluft_wird_von_Medien_verfestigt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Armut_Die_gesellschaftliche_Kluft_wird_von_Medien_verfestigt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=61840-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Armut_Die_gesellschaftliche_Kluft_wird_von_Medien_verfestigt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200611_Armut_Die_gesellschaftliche_Kluft_wird_von_Medien_verfestigt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Wie berichten Medien &uuml;ber das Thema <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=armut\">Armut<\/a>?<\/strong><\/p><p>Oft unzureichend, gelegentlich mit gutem Willen und viel zu h&auml;ufig so, dass ohnehin bestehende Ressentiments bekr&auml;ftigt, ja noch verst&auml;rkt werden.<\/p><p><strong>Der Reihe nach. Sie haben sich in einem 84-seitigen Arbeitspapier f&uuml;r die Otto-Brenner-Stiftung mit dem Thema Armut und Medienberichterstattung auseinandergesetzt. Warum ist dieses Thema von Bedeutung?<\/strong><\/p><p>Weil die sozialen Unterschiede und Konflikte ein gro&szlig;es und grunds&auml;tzliches Problem unserer reichen Gesellschaft sind, &uuml;ber Armut aber mit zu geringer Neugier und zu wenig Respekt berichtet wird.<\/p><p><strong>Die Wirklichkeitsbilder, die in den Medien vorkommen, haben Auswirkungen auch auf die konkrete Lebensrealit&auml;t. Was bedeutet es, wenn Medien eine verzerrte Berichterstattung zum Thema Armut abliefern?<\/strong><\/p><p>Dass die ohnehin bestehende Ausgrenzung sich weiter verfestigt. Bestimmte soziale Gruppen und kulturelle Milieus begegnen sich kaum noch: Man wohnt in anderen Stadtvierteln, geht woanders einkaufen, ist in der Freizeit in anderen Kneipen, Clubs oder Sportvereinen, geht in andere Konzerte. Selbst die Trink- und Essgewohnheiten differieren zunehmend. Armut ist ein zentrales gesellschaftliches Problem, wird aber an den Rand der Aufmerksamkeit gedr&auml;ngt.<\/p><p><strong>Wie sind Sie f&uuml;r Ihre Kurzstudie vorgegangen?<\/strong><\/p><p>Ich habe vor allen Dingen sehr, sehr viel Fernsehen geschaut &ndash; querbeet alle einschl&auml;gigen Sender, und &uuml;ber hundert Stunden Sendungen von RTLzwei, die ansonsten von der Fernsehkritik wenig beachtet werden. Es ist also eher ein durch Beobachtung gest&uuml;tzter gr&ouml;&szlig;erer Essay, keine empirische Studie.<\/p><p><strong>Worauf haben Sie noch geachtet?<\/strong><\/p><p>Ich habe sehr genau hingeschaut, besonders auf die jeweiligen Inszenierungsstrategien. Das geht von der Kameraf&uuml;hrung bis hin zum Einsatz von Musik und den Stimmen der Kommentatoren. Ich habe sehr exakt protokolliert und dies nach nachvollziehbaren &uuml;bergeordneten Rubriken sortiert.<\/p><p><strong>Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?<\/strong><\/p><p>Dass es in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Sendern zwar einige sehenswerte Dokumentationen gibt, aber insgesamt keine kompakte Programmstrategie zur Armutsberichterstattung erkennbar ist. Dass RTL entweder Kitsch (Vera Int-Veen) bietet oder Zynismus (Ein Koffer voller Chancen), w&auml;hrend RTLzwei quantitativ am meisten &uuml;ber soziale Brennpunkte berichtet, aber unter dem Deckmantel des angeblich Dokumentarischen auch am schlimmsten arme und kranke Leute vorf&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Was ist Ihnen noch aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Dass Unterschichten-Figuren in fiktionalen Produktionen oft wie Karikaturen erscheinen, dass klassische Sozialdokumentationen in vielen Redaktionen als langweilig gelten, dass es also mehr Austausch und Anstrengungen geben muss, um eine ad&auml;quate Bildsprache f&uuml;r eine zeitgem&auml;&szlig;e Armutsberichterstattung zu entwickeln.<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich die Ergebnisse Ihrer Untersuchung?<\/strong><\/p><p>Ehrlich gesagt: relativ einfach. Die tiefe gesellschaftliche Kluft wird von Medien nicht nur fortgesetzt und gespiegelt, sondern dadurch zugleich reproduziert und verfestigt.<\/p><p><strong>Schon seit langem ist bekannt, dass Medien, was ihre soziale Zusammensetzung angeht, sehr <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47186\">einseitig<\/a> besetzt sind. Im vergangenen Jahr wurde in einer entsprechenden Studie gefragt: <a href=\"http:\/\/www.uni-mainz.de\/downloads_presse\/02_Studie_Journalismus_Report.pdf\">Wo ist die Arbeiterklasse im Journalismus?<\/a> Was bedeutet es, allgemein, wenn Medien sozial zu einheitlich aufgestellt sind, aber auch speziell im Hinblick auf das Thema Armut?<\/strong><\/p><p>Der Journalismus ist mittlerweile ein durchakademisierter Beruf. Es sind meist Angeh&ouml;rige der auf Individualismus ausgerichteten urbanen Mittelschichten, die bevorzugt &uuml;ber ihresgleichen berichten oder zumindest aus dieser Perspektive auf die Welt schauen. Wenn dann noch Moralisieren und Didaktik das Handwerk &uuml;berlagern, m&uuml;ssen wir uns &uuml;ber Ausgrenzung oder &bdquo;Exotisierung&ldquo; der Armut nicht wundern.<\/p><p><strong>Die Chefredakteurin von RTLzwei hat sich in einem l&auml;ngeren Beitrag zu Wort gemeldet und Ihr Arbeitspapier kritisiert. Sie sagt, Sie h&auml;tten &bdquo;ein als wissenschaftliche Arbeit getarntes Meinungsst&uuml;ck, das nur unbelegte Behauptungen und Polemik zu bieten hat, und bei dem es der Autor f&uuml;r verzichtbar gehalten hat, auch mal mit uns zu reden&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Wie gehen Sie mit der <a href=\"https:\/\/www.dwdl.de\/magazin\/77198\/sozialdokus_bei_rtlzwei_deshalb_wollen_wir_dass_ihr_das_seht\/\">Kritik<\/a> um?<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte auf mediale Missst&auml;nde aufmerksam machen, Frau Beyer will ihren Job retten. Wir agieren also auf v&ouml;llig unterschiedlichen Ebenen. Einige Medien wollten ein &bdquo;Duell&ldquo; zwischen Frau Beyer und mir. Sie zeigen damit nur, dass sie gar nicht begriffen haben, worum es geht. Die Frau ist mir herzlich egal, aber nicht egal sind mir die Menschen, die von RTLzwei vorgef&uuml;hrt werden.<\/p><p><strong>Die Chefredakteurin versucht in ihrem Beitrag, wie sie sagt, &bdquo;Dinge geradezur&uuml;cken&ldquo;. Sie sagt, in den entsprechenden Sendungen werde einfach die Realit&auml;t unverbl&uuml;mt gezeigt, aber es gehe eben gerade nicht darum, Menschen vorzuf&uuml;hren. Gestatten Sie mir bitte, eine l&auml;ngere Passage aus dem Beitrag anzuf&uuml;hren. Darin hei&szlig;t es:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir geben Menschen und Geschichten einen Raum, die sonst in den Medien nicht vorkommen, oder nur als Problem, &uuml;ber das andere reden. Oft sind das Bilder, die schwer anzuschauen sind, das ist wahr. Aber sie vermitteln direkt und ehrlich, was soziale Probleme sind und wie Menschen in diesem Land leben. In Talkshows oder Expertengespr&auml;chen kommen die von Armut betroffenen Menschen selten selber zu Wort. Wir w&auml;hlen diese Genres deshalb bewusst nicht. Wegschauen und abstrahieren, das passiert viel zu oft. Auch das h&auml;tten manche Kritiker lieber, wenn sie wie G&auml;bler fordern, die gezeigten Personen zum Aufr&auml;umen ihrer Wohnungen zu ermahnen, sie von Aussagen abzubringen oder sie nachtr&auml;glich &auml;ndern zu lassen, bis hin zum Recht auf Abnahme und Freigabe des Sendematerials durch die Mitwirkenden. Das w&auml;re dann journalistisch sauber und nicht manipulativ? <a href=\"https:\/\/www.dwdl.de\/magazin\/77198\/sozialdokus_bei_rtlzwei_deshalb_wollen_wir_dass_ihr_das_seht\/\">Die Realit&auml;t zu zeigen, ist hier unsere Aufgabe.<\/a>&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Das klingt erstmal vern&uuml;nftig. Aber macht es sich die Chefredakteurin da nicht doch etwas zu einfach? Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p><p>Wenn ich von &bdquo;Inszenierungsstrategien&ldquo; spreche, sagt Frau Beyer, dass die gezeigten Menschen aber echt seien und keine Schauspieler. Wenn ich auf die Verantwortung f&uuml;r das Was und Wie des Gezeigten hinweise, unterstellt sie, ich verlange Sch&ouml;nf&auml;rberei. &bdquo;Das Objektiv ist nicht objektiv&ldquo; und &bdquo;Die Kamera ist eine Waffe&ldquo; &ndash; diese S&auml;tze von Susan Sontag sind f&uuml;r mich Lehrs&auml;tze f&uuml;r jeden Dokumentaristen. Frau Beyer sind sie Hekuba. Deshalb wehrt sie sich immer gegen Vorw&uuml;rfe, die ich gar nicht erhebe. Sie sagt: Wir halten doch einfach nur &ndash; ohne Ideologie und Wertung &ndash; die Kamera drauf, deshalb sind wir objektiv. Genau das ist aber nicht der Fall. So bildet man stets nur die Oberfl&auml;che ab, best&auml;tigt g&auml;ngige Sichtweisen.<\/p><p><strong>In dem zitierten Absatz hei&szlig;t es, dass Menschen Raum gegeben werde, &bdquo;die sonst in den Medien nicht vorkommen.&ldquo; Dem kann man sicherlich zustimmen. Aber warum kommen Vertreter der unteren Klassen in den Medien tats&auml;chlich eher selten vor? Wie erfassen Sie dieses Problem?<\/strong><\/p><p>Es geht nicht um Quantit&auml;t, sondern um Geduld und einen forschenden Blick, um Neugier und echtes menschliches Interesse. Ein einfaches Beispiel: Die RTLzwei-Formate wie &bdquo;Hartz und Herzlich&ldquo; zeigen tats&auml;chlich viele Protagonisten aus sozialen Brennpunkten. Um eine besondere N&auml;he zu suggerieren, werden diese nur mit Vornamen genannt und geduzt. Das gilt aber interessanterweise nicht f&uuml;r &Auml;rzte, Rechtsanw&auml;lte oder Krankenschwestern, sobald diese in den Filmen auftauchen. Das mag kumpelhaft gemeint sein, ist aber nichts als Respektlosigkeit. Immer im Verborgenen bleiben nat&uuml;rlich die Honorare f&uuml;r die Protagonisten und die Knebelvertr&auml;ge, mit denen sie an die Produktionsfirmen gebunden werden, herausposaunt werden hingegen alle Krankheiten der Gezeigten.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns kurz den Fokus auf die Sprache richten. Von denjenigen, die sich innerhalb der Medien zu Wort melden, wird erwartet, dass sie eine Sprache anschlagen, die den Erwartungen der h&ouml;heren Schichten entspricht. Das hei&szlig;t: Hochdeutsch ist eine Selbstverst&auml;ndlichkeit &ndash; nat&uuml;rlich gesprochen ohne jeden grammatikalischen Fehler. Dann gilt es, sich nat&uuml;rlich so auszudr&uuml;cken, dass eine ausgefeilte Sprache zum Ausdruck kommt. Nun ist es kein Geheimnis, dass Vertreter der unteren Schichten, was diese &bdquo;saubere Hochsprache&ldquo; angeht, die Erwartungen nicht immer erf&uuml;llen k&ouml;nnen. Wie soll man als verantwortungsvoller Journalist mit diesem &bdquo;Problem&ldquo; umgehen? L&auml;sst man die Menschen so reden, wie sie es eben tun, setzt man sie &ndash; was traurig ist &ndash; der L&auml;cherlichkeit aus. Hilft man ihnen, setzt man sich dem Vorwurf aus, sie zu bevormunden.<\/strong><\/p><p>Ich halte die tats&auml;chlich existierenden sprachlichen Unterschiede f&uuml;r kein so gro&szlig;es Problem. Ich bin eher skeptisch, wenn ein Journalist aus Gr&uuml;nden der Ann&auml;herung pl&ouml;tzlich Jargon statt Hochdeutsch spricht. In meiner kleinen Studie steht ein Interview, das ich mit Jacqueline Paetzel gef&uuml;hrt habe, einer jungen Frau, die unter anderem als Protagonistin in dem RTLzwei-Format &bdquo;Armes Deutschland &ndash; Stempeln oder abrackern?&ldquo; mitgewirkt hat. Die Sprache ist authentisch, auch ich habe mich nicht verstellt. Mit ihr wollte ich unbedingt sprechen, denn beim Zuschauen war mir klar, dass sie v&ouml;llig willk&uuml;rlich und manipulativ in ein Gut\/B&ouml;se-Schema gepresst worden war, was ihrer komplexen Pers&ouml;nlichkeit &uuml;berhaupt nicht gerecht wird. Ich habe sehr viel Zeit und Geduld aufgewendet, um sie zu treffen, sie zu &uuml;berzeugen, ihre Skepsis zu &uuml;berwinden. Sie hat sehr mit sich gerungen, aber immer war klar, dass wir uns in vielem fremd bleiben w&uuml;rden. Nach der Ver&ouml;ffentlichung schrieb sie mir eine Mail &ndash; ich zitiere w&ouml;rtlich: &bdquo;Ich hatte ja am Anfang erst Bedenken ihnen zu zusagen, aber es war doch ganz gut das ich es getan hab! Danke daf&uuml;r. Danke f&uuml;r&rsquo;s zuschicken! Es ist echt gut geschrieben.&ldquo; Ist das nicht toll? Da achte ich doch nicht auf sprachliche Einzelheiten.<\/p><p><strong>Unsere Gesellschaft ist, was Rassismus angeht, relativ sensibel eingestellt. Allerdings gibt es gro&szlig;e Defizite, was <a href=\"https:\/\/andreaskemper.org\/2011\/12\/07\/klassismus-von-deutschen-politikern\/\">Klassismus<\/a> angeht. So wie Rassismus Menschen aufgrund ihrer anderen ethnischen Zugeh&ouml;rigkeit abwertet, zielt Klassismus in abwertender Form auf die Verhaltensweisen, die Mitglieder der unteren Schichten an den Tag legen. Zeugt es also, um den Begriff zu gebrauchen, nicht von einem ziemlichen <em><a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/cbaron\/hier-hast-du-was-zu-trinken\">Klassismus<\/a><\/em>, dass die Sprache der &bdquo;einfachen Menschen&ldquo; als &bdquo;minderwertig&ldquo; betrachtet wird, dass ihre Sprechweise als &bdquo;l&auml;cherlich&ldquo; empfunden wird? Meine Beobachtung ist: Medien sind tolerant, wenn Menschen aus den unteren Schichten vor der Kamera zu einem politisch unproblematischen Thema Stellung beziehen oder aber, wenn sie politisch die &bdquo;richtige&ldquo; Meinung vertreten. Aber wehe, diese Menschen &auml;u&szlig;ern in ihrer einfachen Sprache eine Meinung, die von der des medialen Mainstreams abweicht: Dann ist Klassismus vorprogrammiert. Sehen Sie das auch so? Und: M&uuml;ssen Journalisten, was Klassismus angeht, sensibler werden?<\/strong><\/p><p>Ich bin skeptisch, ob &bdquo;Klassismus&ldquo; ein so guter Begriff ist, aber was Sie meinen, ist keineswegs nur ein Problem des Journalismus. Vermutlich m&uuml;sste man weiter ausholen &ndash; die mangelnde Sensibilit&auml;t gegen&uuml;ber der sozialen Segregation unserer Gesellschaft hat viel zu tun mit dem spezifischen Zustand einer letztlich doch sehr identit&auml;tspolitisch getriebenen Linken in der Bundesrepublik.<\/p><p>Titelbild: Concept Photo\/shutterstock.com<\/p><p><em><strong>Bernd G&auml;bler<\/strong> ist Professor f&uuml;r Journalistik an der FHM Bielefeld und war fr&uuml;her Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Grimme-Instituts in Marl. Die Studie &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/wissenschaftsportal\/informationsseiten-zu-studien\/armutszeugnis-wie-das-fernsehen-die-unterschichten-vorfuehrt\/\">Armutszeugnis &ndash; Wie das Fernsehen die Unterschichten vorf&uuml;hrt<\/a>&ldquo; ist Anfang April 2020 als Arbeitsheft Nr. 40 der Otto Brenner Stiftung erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Medien &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Armen-in-Deutschland-dem-Tod-so-nah-3195687.html?seite=all\">Armut<\/a> und die Angeh&ouml;rigen der unteren Schichten berichten, liegt oft vieles im Argen. Das ist der Befund von <strong>Bernd G&auml;bler<\/strong>, der sich f&uuml;r die Otto-Brenner-Stiftung unter dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/wissenschaftsportal\/informationsseiten-zu-studien\/armutszeugnis-wie-das-fernsehen-die-unterschichten-vorfuehrt\/\">Armutszeugnis &ndash; Wie das Fernsehen die Unterschichten vorf&uuml;hrt<\/a>&ldquo; des Themas angenommen hat. &bdquo;Armut ist ein zentrales gesellschaftliches Problem, wird aber an den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61840\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":62054,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,183,11,132],"tags":[881,1183,1029,1370,1539,1174,408,827,425],"class_list":["post-61840","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-armut","tag-exklusion","tag-otto-brenner-stiftung","tag-reality-tv","tag-rtl","tag-segregation","tag-soziale-herkunft","tag-stigmatisierung","tag-unterschicht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_193018853.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61840"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81393,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61840\/revisions\/81393"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62054"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}