{"id":61844,"date":"2020-06-13T12:00:01","date_gmt":"2020-06-13T10:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61844"},"modified":"2020-06-13T14:44:52","modified_gmt":"2020-06-13T12:44:52","slug":"die-ewige-gelbe-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61844","title":{"rendered":"Die ewige Gelbe Gefahr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie die Berichterstattung der deutschen Medien dabei hilft, China zum Feindbild Europas und der NATO aufzubauen.<\/strong> China ist ein furchtbares Land. Eine Diktatur, ein korrupter Einparteienstaat, der die Menschenrechte mit F&uuml;&szlig;en tritt, in dem die Zensur regiert und dessen kommunistische Partei sich allein durch Unterdr&uuml;ckung der eigenen B&uuml;rger und massive Propaganda der Staatsmedien an der Macht halten kann. Wer die Entwicklung der letzten Jahre und Chinas stetig wachsenden Einfluss auf der internationalen B&uuml;hne mitverfolgt hat, der muss den Eindruck gewinnen, dass das chinesische Regime seinen absoluten Machtanspruch auch auf den Rest der Welt auszubreiten gedenkt. Die Expansion des autorit&auml;ren China ist eine Gefahr f&uuml;r die freiheitliche westliche Welt und damit auch f&uuml;r Deutschland. So oder so &auml;hnlich muss der Eindruck sein, wenn man deutsche Medien liest. Von <strong>Walther B&uuml;cklers<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2992\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-61844-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Die_ewige_Gelbe_Gefahr_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Die_ewige_Gelbe_Gefahr_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Die_ewige_Gelbe_Gefahr_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Die_ewige_Gelbe_Gefahr_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=61844-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200611_Die_ewige_Gelbe_Gefahr_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200611_Die_ewige_Gelbe_Gefahr_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wenn man deutsche Medien liest, kann es dann auch nur folgerichtig erscheinen, dass die EU China neuerdings als &bdquo;Systemrivalen&ldquo; oder US-Au&szlig;enminister Mike Pompeo China bei NATO-Treffen offen als &bdquo;Bedrohung&ldquo; und Teil der neuen Achse des B&ouml;sen zusammen mit Russland und Iran beschreibt. Es w&auml;re verantwortungslos, sich als westliche Wertegemeinschaft einem solch menschenverachtenden Regime nicht entgegenzustellen. Doch entspricht diese Bewertung der chinesischen Regierung und des chinesischen Staates wirklich den Tatsachen oder ist das negative Image Chinas das Resultat einer unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig kritischen Berichterstattung? Das Medienecho zur aktuellen Corona-Krise l&auml;sst hier eindeutige Schl&uuml;sse zu.<\/p><p>Denn wie bei beinahe allen Themen, die China betreffen, ist sich die deutsche Medienlandschaft erstaunlich einig. Dabei ist es egal, ob man die sogenannten Qualit&auml;tsmedien, wie FAZ, S&uuml;ddeutsche und die Zeit, oder die &ouml;ffentlich-rechtlichen Angebote wie die Tagesschau oder das Heute Journal konsumiert, die Berichterstattung unterscheidet sich bestenfalls marginal. China, so der Konsens, hat die Corona-Krise erst vertuscht, dann zu sp&auml;t reagiert und schlie&szlig;lich durch eine medienwirksame &Uuml;berreaktion versucht, das eigene Missmanagement vergessen zu machen. Der Protagonist im Mittelpunkt der Geschichte ist der junge Wuhaner Augenarzt Li Wenliang, der als Whistleblower bereits im Dezember versucht hatte, vor dem Virus zu warnen, bevor er von den chinesischen Beh&ouml;rden mundtot gemacht wurde. Die kommunistische Partei hat die Wahrheit unterdr&uuml;ckt, sonst h&auml;tte die Epidemie verhindert werden k&ouml;nnen. Die Partei tr&auml;gt Mitschuld an der Krise, da sind sich alle einig.<\/p><p><strong>Hat China die Krise vertuscht?<\/strong><\/p><p>Ein Blick auf den Verlauf der Geschehnisse zu Anfang der Krise in China legt nahe, dass an dieser Darstellung Zweifel bestehen sollten. Die tats&auml;chliche Protagonistin der Geschichte hei&szlig;t n&auml;mlich nicht Dr. Li, sondern <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/society\/article\/3074991\/coronavirus-chinas-first-confirmed-covid-19-case-traced-back\">Dr. Zhang<\/a>, sie ist keine Augen&auml;rztin, sondern eine Atemwegsspezialistin und hatte bereits am 27.12. den Beh&ouml;rden das Cluster von Lungenentz&uuml;ndungen in Wuhan <a href=\"https:\/\/baijiahao.baidu.com\/s?id=1657494117404456993&amp;wfr=spider&amp;for=pc\">gemeldet<\/a>. Drei Tage sp&auml;ter, am 30.12., <a href=\"http:\/\/finance.ifeng.com\/c\/7sqkJgGa8Uz\">warnten die Beh&ouml;rden<\/a> Krankenh&auml;user in Wuhan vor dem Ausbruch einer unbekannten Lungenkrankheit. Die Nachricht verbreitet sich rasant &uuml;ber Social Media und wird bereits zu diesem Zeitpunkt erstmals vom <a href=\"https:\/\/promedmail.org\/promed-post\/?id=6864153\">amerikanischen ISID<\/a> (International Society for Infectious Diseases) aufgegriffen. An diesem Tag warnt Dr. Li seine Freunde in einer privaten Social Media Gruppe.<\/p><p>Nur einen Tag sp&auml;ter, am 31.12., richten sich die Beh&ouml;rden Wuhans erstmals <a href=\"http:\/\/www.chinanews.com\/sh\/2019\/12-31\/9047937.shtml\">direkt<\/a> an die &Ouml;ffentlichkeit, der nationale Nachrichtensender CCTV berichtet mehrmals (<a href=\"http:\/\/tv.cctv.com\/2019\/12\/31\/VIDErw2nRTe9j0fYpfSBlOZC191231.shtml?spm=C52448022284.P5Ttlwv9L2md.0.0\">1<\/a>\/<a href=\"http:\/\/tv.cctv.com\/2019\/12\/31\/VIDEZAj6WeYo0NLoxitYHgAd191231.shtml\">2<\/a>) &uuml;ber die Ereignisse und Chinas Regierung <a href=\"https:\/\/www.who.int\/docs\/default-source\/coronaviruse\/situation-reports\/20200121-sitrep-1-2019-ncov.pdf\">informiert<\/a> die WHO. Als <span style=\"color: #000000;\">Dr. Li drei Tage sp&auml;ter <\/span>von der Polizei einbestellt wird, beginnt China bereits den <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2020-04\/06\/c_138951662.htm\">regelm&auml;&szlig;igen Austausch<\/a> mit den amerikanischen Gesundheitsbeh&ouml;rden.<\/p><p>Doch obwohl Nachrichten zum Ausbruch bereits in der &Ouml;ffentlichkeit kursierten und die Beh&ouml;rden nur einen Tag sp&auml;ter sowohl die eigene Bev&ouml;lkerung als auch die internationale Gemeinschaft informieren, wird Dr. Li von den Medien irref&uuml;hrenderweise als &bdquo;Whistleblower&ldquo; bezeichnet. Whistleblower bringen geheime Informationen gegen den Widerstand der M&auml;chtigen an die &Ouml;ffentlichkeit. Doch weder waren die Inhalte, die Dr. Li mit seinen Freunden geteilt hat, geheim, noch war es seine Absicht, sie publik zu machen, wie seine <a href=\"https:\/\/truthandsatire.files.wordpress.com\/2020\/02\/img_1432.jpg?w=1000&amp;h=816\">Social-Media-Nachrichten<\/a> zeigen, in denen er explizit darum bittet, seine Informationen nicht au&szlig;erhalb der Gruppe weiterzuverbreiten.<\/p><p>Dass Dr. Li sowie <a href=\"http:\/\/med.china.com.cn\/content\/pid\/155275\/tid\/3\">7 weitere &Auml;rzte<\/a> von der Polizei einbestellt wurden, ist nicht dem Umstand geschuldet, dass er sensible Informationen preisgegeben hat, sondern r&uuml;hrt daher, dass seine Posts vor einem erneuten SARS-Ausbruch warnen. Die SARS-Epidemie von 2003 war &ndash; auch Dank einer echten Vertuschung durch die chinesischen Beh&ouml;rden &ndash; eine traumatische Erfahrung f&uuml;r China. Die Verbreitung von Falschinformationen zu diesem Thema haben das Potential, panische Reaktionen auszul&ouml;sen, und stellen nach chinesischem Recht eine Ordnungswidrigkeit dar. Ein Gesetz, das auf deutscher Seite am ehesten mit der Gesetzgebung zur Wahrung des &ouml;ffentlichen Friedens vergleichbar ist. Die Anwendung des Gesetzes auf Dr. Li hat, vor allem nach seinem tragischen Tod durch das Coronavirus, in China gro&szlig;e Kritik hervorgerufen und letztendlich die Regierung zu einem <a href=\"https:\/\/www.politico.com\/news\/2020\/03\/20\/china-exonerates-doctor-reprimanded-for-warning-of-virus-138637\">r&uuml;ckwirkenden Freispruch<\/a> gezwungen. Doch das &auml;ndert nichts an der Tatsache, dass Dr. Li aus rechtlichen, nicht politischen, Gr&uuml;nden abgemahnt wurde oder dass Dr. Lis Privatnachricht weder auf die bereits laufende Untersuchung noch auf den weiteren Verlauf der Epidemie einen nennenswerten Einfluss hatte.<\/p><p>Von Dr. Zhangs Bericht bis zur Benachrichtigung der WHO hat es ganze 4 Tage gedauert. 10 Tage sp&auml;ter gibt China <a href=\"https:\/\/twitter.com\/PDChina\/status\/1215071708333215745\">bekannt<\/a>, dass es sich um ein neuartiges Coronavirus handelt, und <a href=\"https:\/\/virological.org\/t\/novel-2019-coronavirus-genome\/319\">ver&ouml;ffentlicht<\/a> die DNA-Sequenz des Virus auf zwei Open-Access-Seiten. Innerhalb von zwei Wochen ist die Weltgemeinschaft informiert, das Virus identifiziert, die DNA-Daten ver&ouml;ffentlicht und chinesische Wissenschaftler stehen im st&auml;ndigen Austausch mit internationalen Partnern. Angesichts dieses Ablaufs der Geschehnisse sehen sich zwar auch die deutschen Medien gen&ouml;tigt, Chinas schnelle Reaktion anzuerkennen, bleiben aber trotz alledem konsequent dabei, dass eine Vertuschung stattgefunden h&auml;tte. Gleichzeitig wird Li Wenliang f&uuml;r das Schreiben einer unbedeutenden Privatnachricht zum unterdr&uuml;ckten Whistleblower hochstilisiert. Die Darstellung ist faktisch inkorrekt und es ist bedenklich, dass sie ausnahmslos von allen deutschen Medien verbreitet wurde.<\/p><p>Weitere Anschuldigungen, wie die Kritik, dass die ersten Corona-F&auml;lle bereits im November in China auftraten, aber erst Ende Dezember offiziell diagnostiziert wurden, was auf eine Vertuschung hindeuten k&ouml;nnte, verkennen die Realit&auml;t der medizinischen Praxis. Die Symptome von Corona-Patienten gleichen denen einer normalen Lungenentz&uuml;ndung. Eine h&auml;ufig auftretende Krankheit, mit einem g&auml;ngigen Behandlungsablauf. Nicht jeder Patient wird automatisch auf ein neues Virus getestet. Erst nachdem mit der g&auml;ngigen Behandlung kein Therapieerfolg zu verzeichnen ist, werden weitere Ma&szlig;nahmen ergriffen. Wenn man dar&uuml;ber hinaus ber&uuml;cksichtigt, dass das Virus in den meisten F&auml;llen glimpflich verl&auml;uft und die fr&uuml;hen Patienten einzeln unterschiedliche Krankenh&auml;user aufsuchten, wird deutlich, warum erst das Auftreten eines Clusters von vier Patienten am gleichen Tag zur Einleitung einer weiteren Untersuchung durch die Beh&ouml;rden gef&uuml;hrt hat.<\/p><p><strong>Hat China zu sp&auml;t auf den Ausbruch des Virus reagiert?<\/strong><\/p><p>Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie &uuml;ber die Grenzen Chinas hinaus h&auml;tte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uXg-2yRJz9A\">verhindert werden k&ouml;nnen<\/a>, h&auml;tte China rechtzeitig gehandelt; auch hier sind sich die deutschen Medien einig. Eine schwere Anklage, denn sie unterstellen so nicht nur politisches Versagen, sondern schieben der Volksrepublik die Verantwortung f&uuml;r zehntausende Opfer weltweit zu. Die Unterstellung scheint durch eine wissenschaftliche Studie widerlegt, die zu der Erkenntnis <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0924857920301643\">gelangt<\/a>, dass es bereits mindestens im Dezember Infektionsf&auml;lle in Frankreich gab.<\/p><p>Aber h&auml;tte China schneller reagieren m&uuml;ssen? Der Vorwurf zielt auf die zwei Wochen relativer Inaktivit&auml;t zwischen der Ver&ouml;ffentlichung des Genoms und des Lockdowns von Wuhan am 23. Januar. In dieser Zeit ver&ouml;ffentlicht die Regierung wenig &uuml;ber neue Fallzahlen und betont, die &Uuml;bertragbarkeit von Mensch zu Mensch gelte als <a href=\"https:\/\/global.chinadaily.com.cn\/a\/202001\/17\/WS5e20c5b4a310128217271876.html\">nicht erwiesen<\/a>, Gro&szlig;veranstaltungen finden wie geplant statt und die Reisewelle zum chinesischen Neujahr beginnt. Es ist nat&uuml;rlich wahr, dass ein fr&uuml;herer Lockdown den Ausbruch einged&auml;mmt h&auml;tte. Im Nachhinein ist das eine einfache Schlussfolgerung, die allerdings die Komplexit&auml;t der Situation, in der das Ausma&szlig; des Ausbruchs unklar, die Eigenschaften des neuartigen Virus zum Gro&szlig;teil unbekannt und Testmaterialien nur unzureichend vorhanden sind, v&ouml;llig au&szlig;er Acht l&auml;sst.<\/p><p>Als Zong Nanshan, Chinas f&uuml;hrender Epidemiologe, am 20. Januar die &Uuml;bertragbarkeit von Mensch zu Mensch <a href=\"http:\/\/news.xhby.net\/index\/202001\/t20200120_6481540.shtml?from=timeline\">best&auml;tigt<\/a>, sind seit der Ver&ouml;ffentlichung des Virus-Genoms 10 Tage vergangen; eine Zeitspanne, die der Gr&uuml;nder und vormalige Leiter der US-Gesundheitsbeh&ouml;rden in China, Ray Yip, als &bdquo;nicht unangemessen&ldquo; <a href=\"https:\/\/apnews.com\/68a9e1b91de4ffc166acd6012d82c2f9\">bezeichnet<\/a>. Drei Tage sp&auml;ter leitet China Gegenma&szlig;nahmen ein. Von Dr. Zhangs Bericht bis zum Lockdown ist noch kein Monat vergangen.<\/p><p>Dass die chinesische Regierung schneller h&auml;tte reagieren k&ouml;nnen und dass Zeit durch die Inkompetenz der Wuhaner Beh&ouml;rden verloren ging, ist wahrscheinlich. Wieviel Zeit genau, ist aber Spekulation. Dass die chinesische Regierung aber schneller auf die Krise reagiert hat als fast jede andere Nation, ist Fakt. Landesweit sind zum Zeitpunkt des Lockdowns 571 Infektionen und 17 Todesf&auml;lle <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2020\/05\/14\/xi-jinping-good-emperor-coronavirus\/\">bekannt<\/a>. Als vergleichbare Konsequenzen in Deutschland gezogen werden, sind bereits viermal so viele Menschen gestorben, in Italien sind es mehr als zehnmal so viele. Im geschichtlichen Vergleich ist die Geschwindigkeit von Chinas Krisenmanagement beispiellos. Egal ob AIDS, SARS, MERS oder Schweinegrippe: In allen F&auml;llen dauerte es Monate, bis die Beh&ouml;rden auf den Ausbruch reagierten. Die vollkommene Eind&auml;mmung einer Krankheit, die nach aktuellen Erkenntnissen bei bis zu 80% der F&auml;lle asymptomatisch verl&auml;uft und bereits im Dezember au&szlig;er Landes auftrat, war nie realistisch. Aber es scheint der Ma&szlig;stab zu sein, an dem die deutschen Medien China messen.<\/p><p><strong>Chinas Krisenmanagement<\/strong><\/p><p>Nach der &uuml;beraus kritischen Beurteilung von Chinas anf&auml;nglichen Bem&uuml;hungen, des Virus Herr zu werden, ist es wenig &uuml;berraschend, dass auch das weitere Krisenmanagement nicht den Beifall der deutschen Medien findet. Im Januar und Februar <a href=\"https:\/\/nzzas.nzz.ch\/hintergrund\/corona-virus-60-millionen-menschen-unter-quarantaene-ld.1537963?reduced=true\">setzt<\/a> China die gr&ouml;&szlig;te Quarant&auml;neaktion der Geschichte um, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/03\/04\/health\/coronavirus-china-aylward.html\">entsendet<\/a> 40.000 Mann medizinisches Personal in die Provinz Hubei, <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/how-china-managed-build-entirely-new-hospital-in-10-days-2020-2\">errichtet<\/a> zwei Krankenh&auml;user in 10 Tagen und stellt die Wirtschaft auf medizinische Notversorgung um.<\/p><p>Der Lockdown ist keine vier Tage alt, da <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/coronavirus-wuhan-china-1.4771921\">erkl&auml;rt<\/a> die SZ Chinas Ma&szlig;nahmen bereits f&uuml;r schlicht falsch und blinden Aktionismus. Das Heute Journal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1p4c6SfrY2I\">nennt<\/a> sie &bdquo;martialisch&ldquo; und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HE20gaJrbrs\">diskreditiert<\/a> sie sp&auml;ter als &bdquo;die Mittel eines autorit&auml;ren Staates&ldquo;. Nur wenig sp&auml;ter werden viele europ&auml;ische Staaten vergleichbare Quarant&auml;nema&szlig;nahmen einleiten. Als die WHO China f&uuml;r seine Reaktionsschnelligkeit und Transparenz lobt, ist das f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/coronavirus-wuhan-china-1.4771921\">die SZ<\/a> &bdquo;eine Schande&ldquo; und die FAZ <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/coronavirus\/kampf-gegen-corona-dem-virus-davonfliegen-16605281.html\">mutma&szlig;t<\/a>, dass die chinesischen Medien der WHO die Worte in den Mund gelegt h&auml;tten. Als Chinas Ma&szlig;nahmen Wirkung zeigen und die Infektionen Ende Februar deutlich zur&uuml;ckgehen, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/china-nichts-gelernt-1.4863096\">zweifelt<\/a> man die Glaubw&uuml;rdigkeit der Daten an. Als China beginnt, dringend ben&ouml;tigte Hilfslieferungen oft kostenlos in dutzende L&auml;nder zu versenden, wird dies als Propaganda und der Versuch politischer Einflussnahme <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/corona-krise-warum-china-die-eu-unterstuetzt-16696505.html\">gewertet<\/a>. Als Hubei wieder seine Tore &ouml;ffnet, ist Claus Kleber <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9MJQhnxgvds&amp;t=551s\">&uuml;berzeugt<\/a>, dass die Regierung leichtfertig die Gesundheit der B&uuml;rger aufs Spiel setzt und die Argumente f&uuml;r eine zweite Welle sprechen. Fast jeder Beitrag zu China wiederholt, dass es eine Vertuschung gegeben h&auml;tte.<\/p><p>An dieser Berichterstattung ist kaum abzulesen, dass Chinas Krisenmanagement keine Katastrophe, sondern mit einer der weltweit niedrigsten Pro-Kopf-Raten an Infektionen und Todesopfern durchaus von Erfolg gekr&ouml;nt war. Mit 85.000 registrierten F&auml;llen und 4.600 Toten liegen Chinas Ergebnisse 50% unter denen Deutschlands, einem Land, dessen Reaktion im internationalen Vergleich als vorbildlich gilt. Chinas Bem&uuml;hungen wird ein &auml;hnlich positives Fazit verwehrt, da Chinas Zahlen schlicht als unglaubw&uuml;rdig abgetan werden.<\/p><p><strong>Eine klare Tendenz<\/strong><\/p><p>Dass deutsche Medien nicht ganz unvoreingenommen berichten, wird besonders dann deutlich, wenn man das von ihnen entworfene Bild von Chinas fahrl&auml;ssiger St&uuml;mperei, die die Pandemie erst m&ouml;glich gemacht hat, mit den Meinungen weltweit anerkannter Experten vergleicht. Denn im Gegensatz zur deutschen Berichterstattung ist das Feedback hier &uuml;berw&auml;ltigend positiv. Bereits Anfang Januar erh&auml;lt China universelles Lob f&uuml;r die Entschl&uuml;sselung und Ver&ouml;ffentlichung des Virusgenoms in Rekordzeit von Institutionen wie der <a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2020\/01\/scientists-urge-china-quickly-share-data-virus-linked-pneumonia-outbreak\">WHO<\/a> bis zu leitenden Politikern wie dem <a href=\"https:\/\/www.politico.com\/news\/2020\/01\/29\/officials-praise-china-transparency-virus-108926\">US-Gesundheitsminister<\/a>, Alex Azar. Peter Daszak, Pr&auml;sident der EcoHealth Alliance, <a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2020\/01\/scientists-urge-china-quickly-share-data-virus-linked-pneumonia-outbreak\">nennt<\/a> die Arbeit der chinesischen Kollegen &bdquo;extrem schnell, extrem effizient&ldquo;. Peter Hotez, Professor am amerikanischen Baylor College of Medicine und einer der f&uuml;hrenden Experten f&uuml;r Coronaviren, <a href=\"https:\/\/www.politico.com\/news\/2020\/01\/29\/officials-praise-china-transparency-virus-108926\">nennt<\/a> Chinas schnelle Ver&ouml;ffentlichungen &bdquo;A game changer&ldquo;. <a href=\"https:\/\/sciencebusiness.net\/covid-19\/international-news\/china-was-slammed-initial-covid-19-secrecy-its-scientists-led-way\">Aus Sicht<\/a> von Peter Horton, Chefredakteur der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet, ist die Welt den chinesischen Wissenschaftlern und Medizinern f&uuml;r ihre schnelle, gr&uuml;ndliche Arbeit zu Dank verpflichtet. Dr. Ian Lipkin von der Columbia Universit&auml;t, einer der f&uuml;hrenden Epidemiologen weltweit, <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/coronavirus-deadly-originated-wild-animal-wet-markets-urging-chinese-government-shut-down\/\">lobt<\/a> das gro&szlig;e Pflichtbewusstsein, dass China bei seinen Bem&uuml;hungen zur Eind&auml;mmung der Epidemie an den Tag legt.<\/p><p>Die Gegenma&szlig;nahmen, die China Ende Januar ergreift, <a href=\"https:\/\/www.politico.com\/news\/2020\/01\/29\/officials-praise-china-transparency-virus-108926\">nennt<\/a> Michael Ryan, Direktor des Health-Emergency-Programmes bei der WHO, &bdquo;au&szlig;ergew&ouml;hnlich&ldquo; und lobt Chinas gro&szlig;es Engagement. Der Ende Februar erschienene <a href=\"https:\/\/www.who.int\/publications-detail\/report-of-the-who-china-joint-mission-on-coronavirus-disease-2019-(covid-19)\">Bericht<\/a> der 25-k&ouml;pfigen WHO-Mission, der auch deutsche und amerikanische Experten angeh&ouml;rten, nennt Chinas Gegenma&szlig;nahmen &bdquo;die wohl ambitioniertesten und aggressivsten&ldquo; der Geschichte. F&uuml;r den Leiter der Mission, den Kanadier Bruce Aylward, <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/china-stopped-100000-coronavirus-cases-with-harsh-response-who-expert-2020-3\">steht fest<\/a>, dass hunderttausende Menschen aufgrund von Chinas Krisenmanagement von der Krankheit verschont geblieben sind. Am 19. Februar <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(20)30418-9\/fulltext\">ver&ouml;ffentlicht<\/a> The Lancet einen offenen Brief von 27 f&uuml;hrenden Wissenschaftlern und Medizinern, der die Arbeit, Reaktionsschnelligkeit und Transparenz der chinesischen Kollegen &bdquo;bemerkenswert&ldquo; nennt. Christian Drosten ist einer der Autoren. Kaum eine dieser Expertenmeinungen findet in deutschen Medien Erw&auml;hnung.<\/p><p>Auch der Unterschied in der Corona-Berichterstattung zwischen China und den USA sollte Fragen aufwerfen. W&auml;hrend in China eine systematische Vertuschung unterstellt wird, die Gegenma&szlig;nahmen als &bdquo;martialisch&ldquo; beschrieben und die sich verbessernden Falldaten anschlie&szlig;end als unglaubw&uuml;rdig abgetan werden, ist der Ton der US-Berichterstattung deutlich g&ouml;nnerhafter. Als die USA z.B. Anfang April erstmals die weltweit gr&ouml;&szlig;te Anzahl an Infektionen und Toten zu beklagen hat, versichert Claus Kleber in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3PBJ7VIhzns&amp;t=927s\">Sendung<\/a> am 11.04. zun&auml;chst, New York w&uuml;rde die Krise schon &uuml;berstehen und lobt, die Stadt h&auml;tte Unm&ouml;gliches m&ouml;glich gemacht. Der anschlie&szlig;ende Bericht zeigt erst Massengr&auml;ber und &uuml;berf&uuml;llte K&uuml;hllaster, um dann zu beruhigen, die Zahl der Neueinweisungen in die st&auml;dtischen Krankenh&auml;user w&uuml;rde abflachen, das sei ein Grund zur Hoffnung. Das Video zeigt, dass die Neueinweisungen bei &uuml;ber 18.000 Menschen pro Tag liegen &ndash; Zahlen, die in China nie erreicht wurden. Auf YouTube l&auml;uft der Beitrag unter der &Uuml;berschrift: &bdquo;Zuversicht: New York h&auml;lt zusammen.&ldquo; Einen solchen Optimismus, selbst unter deutlich besseren Vorzeichen, wird man in der Berichterstattung zu China vergeblich suchen, wie die FAZ mit dem zusammenfassenden <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/coronavirus-in-wuhan-die-geschichte-eines-scheiterns-16691212.html\">Titel<\/a> &bdquo;Die Geschichte eines Scheiterns&ldquo; zeigt. Der Titel erscheint Ende M&auml;rz zu einer Zeit, als Wuhan seit f&uuml;nf Tagen keine Neuinfektionen zu verzeichnen hat.<\/p><p><strong>Die Gelbe Gefahr<\/strong><\/p><p>Kritische Berichterstattung ist wichtig. Guter Journalismus muss kritisch sein. Aber wer die deutsche Berichterstattung zu China mit den tats&auml;chlichen Ereignissen in China vergleicht, muss den Eindruck gewinnen, dass es den deutschen Medien weniger um eine kritische Analyse von Tatsachen als vielmehr die Etablierung eines Feindbildes geht. Zu einfach, zu einseitig, zu negativ ist das Bild, das sie zeichnen. Und das trotz eigener Korrespondenten vor Ort.<\/p><p>Wie sonst l&auml;sst es sich erkl&auml;ren, dass vermutete b&uuml;rokratische Inkompetenz der Wuhaner Beh&ouml;rden, die im schlimmsten Fall zwei Wochen gekostet hat, zu einer systematischen Vertuschung der kommunistischen Partei wird? Wie wird eine beispiellose und im internationalen Vergleich offensichtlich erfolgreiche Reaktion auf die Krise zu einem Schuldspruch, der China f&uuml;r zehntausende Tote weltweit verantwortlich zu machen versucht? Warum sonst wird der tragische Tod eines jungen Arztes als Symbol des Widerstandes gegen die kommunistische Partei, deren Mitglied er &uuml;brigens war, hochgejubelt? Warum wird bereits Anfang Februar, als der Verlauf der Krise noch vollkommen unklar ist, allenthalben &uuml;ber Systemversagen gemutma&szlig;t? Weshalb spielen Fakten nur eine Nebenrolle, sobald Indizien gegen China sprechen?<\/p><p>Noch verst&ouml;render als die verzerrte Darstellung der Corona-Krise ist aber der permanente Versuch, das Kalter-Krieg-Narrativ des Systemwettstreits zwischen China und der westlichen Welt zu etablieren. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/coronavirus-china-autokratie-1.4781311?reduced=true\">Laut der SZ<\/a> propagiert die kommunistische Partei die &Uuml;berlegenheit ihres Systems und bietet sich gar als Alternative zur liberalen Gesellschaft an. Das Heute Journal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YtLpWX6PN7Q&amp;t=659s\">versichert<\/a>, dass China die Krise nutzen wolle, um zu beweisen, &bdquo;dass Chinas System besser sei als die freiheitlichen &bdquo;chaotischen&ldquo; Systeme des Westens.&ldquo; Die FAZ <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/corona-china-inszeniert-sich-als-helfer-in-der-not-16702384.html\">f&uuml;rchtet<\/a>, China k&ouml;nne die Schw&auml;che seiner &bdquo;Systemrivalen&ldquo; zu seinen Gunsten nutzen und auf der Weltb&uuml;hne an Gewicht gewinnen. Die Sorge wird auch bei Matthias Na&szlig;&rsquo; unzweideutig betitelten Kommentar &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2020\/14\/china-coronavirus-aussenpolitik-meinungsfreiheit-pressefreiheit\">China &ndash; ein krankes System<\/a>&ldquo; in der Zeit deutlich. Den Tiefpunkt dieser hysterischen Farce bietet Claus Kleber an, als er in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YtLpWX6PN7Q&amp;t=659s\">Sendung<\/a> zum zweiten Februar Chinas System mit dem Virus gleichsetzt und behauptet, Xi Jinping wolle &bdquo;die Welt mit dem Sozialismus chinesischer Pr&auml;gung infizieren&ldquo;. Ist das noch Journalismus oder bereits die Propaganda, die man im Hinblick auf chinesische Staatsmedien so gern verlacht?<\/p><p>Die diesem Narrativ zugrundeliegende Annahme, dass Chinas Erfolg einer Niederlage f&uuml;r &bdquo;den Westen&ldquo; gleichkommt, wird durch die j&uuml;ngere Geschichte widerlegt, in der kaum jemand so sehr vom wirtschaftlichen Aufschwung Chinas profitiert hat wie die Firmen Europas und der USA. Die deutsche Autoindustrie, deren mit Abstand <a href=\"https:\/\/www.vda.de\/de\/presse\/Pressemeldungen\/191217-europaeer-und-us-amerikaner-kaufen-mehr-neuwagen-chinesen-und-inder-halten-sich-zur-ck.html\">wichtigster Markt<\/a> China ist, ist hier ein prominentes Beispiel. Die Behauptung, dass China daran gelegen sei, andere Staaten nach dem Muster der Amerikaner zu seinem politischen oder wirtschaftlichen System zu bekehren, ist eine Erfindung ohne Bezug zur Realit&auml;t. Hier schreiben die Medien ungezwungen einen Konflikt zusammen, der kein Recht auf Existenz hat.<\/p><p>Das Bild, das die deutschen Medien von China zeichnen, ist eine h&auml;ssliche Karikatur der Wirklichkeit und die eindimensionale Darstellung der chinesischen Regierung als verlogener Antagonist macht es unm&ouml;glich, innerstaatliche oder geopolitische Herausforderungen Chinas realistisch zu beurteilen. Diese Berichterstattung kl&auml;rt nicht auf, sie wiegelt auf. Und wem die unverkennbare &Uuml;bereinstimmung nicht nur der deutschen, sondern einer gro&szlig;en Vielzahl der Leitmedien in den NATO-Staaten in allen Sachen China auff&auml;llt, der kann leicht zu dem Schluss kommen, dass dies politisch motiviert ist und beim Aufbau genau des Feindbildes behilflich sein soll, das die US-Regierung sich zu w&uuml;nschen scheint.<\/p><p>Titelbild: IHOR SULYATYTSKYY\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wie die Berichterstattung der deutschen Medien dabei hilft, China zum Feindbild Europas und der NATO aufzubauen.<\/strong> China ist ein furchtbares Land. 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