{"id":61890,"date":"2020-06-12T08:51:43","date_gmt":"2020-06-12T06:51:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61890"},"modified":"2020-07-03T10:14:22","modified_gmt":"2020-07-03T08:14:22","slug":"krieg-statt-kooperation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61890","title":{"rendered":"Krieg statt Kooperation"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gegenaufkl&auml;rung im Neuland &ndash; Der Informationskrieg f&uuml;r den Machterhalt. Von Johannes Bichler<\/strong><br>\nVorbemerkung: Eigentlich w&auml;re es das Vern&uuml;nftigste von der Welt, wenn die etablierten Medien und die mit ihnen verbundenen Politikerinnen und Politiker die Medien im Internet als Partner, wenn auch als kritische und konkurrierende Partner, betrachten w&uuml;rden. Es w&uuml;rde beiden, den Etablierten und den Neuen, guttun. Das Gegenteil ist inzwischen eingetreten. Die etablierte Welt betrachtet die neue Welt als Feind. Es herrscht Krieg statt Kooperation. Johannes Bichler* beschreibt diesen Informationskrieg und die mobilisierte &bdquo;Schl&auml;gertruppe&ldquo; &ndash; Psiram, Wikipedia, Amadeu Antonio Stiftung, die EU East StratComTaskforce usw. &ndash; Es muss und es wird nicht bei diesem ersten St&uuml;ck bleiben. Albrecht M&uuml;ller.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2496\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-61890-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200612_Krieg_statt_Kooperation_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200612_Krieg_statt_Kooperation_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200612_Krieg_statt_Kooperation_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200612_Krieg_statt_Kooperation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=61890-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200612_Krieg_statt_Kooperation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200612_Krieg_statt_Kooperation_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Gegenaufkl&auml;rung im Neuland &ndash; Der Informationskrieg f&uuml;r den Machterhalt. Von Johannes Bichler*<\/strong><\/p><p><strong>Der Vorschlag: Demokratie durch Empathie<\/strong><\/p><p>Vor knapp neun Jahren, im Dezember 2011, wurde der Psychologe Peter Kruse eingeladen, bei der Enquete-Kommission &ldquo;f&uuml;r Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages&rdquo; zu sprechen. Die Anwesenden haben viele Fragen, denn es handelt sich bei dem Themenfeld &ldquo;Internet&rdquo; um ein immer noch sehr frisches Ph&auml;nomen, dessen Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Prozesse der Meinungsbildung nicht absehbar und wenig erforscht sind. Und zu allem &Uuml;berfluss spielt es sich auch noch au&szlig;erhalb der bisher g&uuml;ltigen Normen ab, die von den etablierten Medien in jahrzehntelanger m&uuml;hevoller Arbeit eingerichtet worden sind.<\/p><p>Auf die Fragen der Anwesenden, inwieweit sich demokratische Prozesse unter dem Einflu&szlig; der neuartigen Informationswege und der medialen Vernetzung der B&uuml;rger ver&auml;ndern werden und wie eine solch umfassende Vernetzung die bestehenden Machtverh&auml;ltnisse beeinflussen k&ouml;nnte, antwortet Professor Kruse unter anderem so:<\/p><blockquote><p>[&hellip;]<br>\n&ldquo;Die gro&szlig;e Frage an die Politik ist: Kann man sich tats&auml;chlich jenseits der institutionellen Zw&auml;nge auf die Grunddynamik einer Gesellschaft einlassen, die mit einem anderen Modell arbeitet?&rdquo;<br>\n[&hellip;] &ldquo;Ich glaube, dass wir eine grunds&auml;tzliche &Auml;nderung der Einstellung und Haltung zur Macht brauchen, das hei&szlig;t, dass wir uns klarmachen m&uuml;ssen, dass wir in Zukunft nicht mehr unsere Art von Kompetenz daraus ziehen k&ouml;nnen, dass wir ein unmittelbares Erreichen von Zielen vor uns haben; sondern es ist eine Interaktion mit eigendynamischen Systemen.&rdquo;<br>\n[&hellip;]<\/p><\/blockquote><p>Es ist nicht &uuml;bertrieben zu behaupten, dass bei den Fragestellern eine gewisse Sorge zu beobachten ist. Sie sprechen von &ldquo;noch st&auml;rkeren B&uuml;rgern&rdquo; als bisher, die noch mehr als bisher an demokratischen Prozessen beteiligt werden m&ouml;chten, vom &ldquo;Verlust der Selbstreflexion der Gesellschaft&rdquo; via der alteingesessenen Medien, und von einer &ldquo;Diskrepanz zwischen der politischen Willensbildung im Netz und der politischen Entscheidungsfindung&rdquo;.<\/p><p>Herrn Kruses ausf&uuml;hrliche, m.E. analytisch geradezu hellsichtige Antwort, die Sie sich zum besseren Verst&auml;ndnis des Folgenden anh&ouml;ren sollten, ist <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_YTBmkoWpoY\">hier zu sehen<\/a>.<br>\nEr umrei&szlig;t neben der erw&auml;hnten Frage, wie die Politik seiner Meinung nach auf den erwartbaren Anstieg von Teilhabeforderungen reagieren sollte, auch den Auftrag der Leitmedien, der sich daraus ableitet: N&auml;mlich die empathische (!) Moderation dessen, was sich im Internet abspielt.<\/p><p>Im Folgenden werde ich versuchen, deutlich zu machen, dass gerade dies nicht stattfindet, sondern leider oft das Gegenteil &ndash; nicht nur &uuml;ber die klassischen Medien, sondern auch &uuml;ber weniger offensichtliche Protagonisten, wie z.B. eigens gegr&uuml;ndete oder zweckentfremdete Beh&ouml;rden, Stiftungen und Internetplattformen: Die Wikipedia, Psiram, die Amadeu Antonio Stiftung, Correctiv sowie internationale Strukturen wie die Task Force f&uuml;r Strategische Kommunikation der EU, und Bellingcat.<\/p><p>Und ich werde mich dabei einer Kriegsrhetorik nicht der Effekthascherei wegen bedienen, sondern weil ich hoffe, damit in einer Sprache zu sprechen, die inzwischen viele Teilnehmer des Wirtschaftssystems und Angeh&ouml;rige einer marktkonformen Demokratie verstehen: Denn die Marktrhetorik ist durch und durch kriegerisch. &ldquo;Wir m&uuml;ssen neue M&auml;rkte erobern&rdquo; und &ldquo;xy bricht in unseren Markt ein&rdquo;, sind zwei Beispiele daf&uuml;r.<\/p><p><strong>Krieg statt Kooperation<\/strong><\/p><p>Den einzigen konstruktiven Weg sehe Kruse (dessen Fachgebiet sich bis in die Kybernetik, also die Steuerung komplexer Systeme, erstreckt) darin, es &ldquo;zulassen (zu) k&ouml;nnen, dass man Menschen involviert, ohne sicher sein zu k&ouml;nnen, was das Ergebnis ist.&rdquo;<\/p><p>Holla die Waldfee, die Worte sollte man erst einmal sacken lassen. Denn er sagt der Politik unverbl&uuml;mt: Ihr werdet Macht verlieren. Ihr werdet in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, die Dinge so zu machen, wie ihr wollt, ohne auf die informierte &Ouml;ffentlichkeit im Netz zu achten. Ihr werdet nicht mehr die M&ouml;glichkeit haben, dieses dynamische System, diese gesellschaftliche Wetterlage mittels eurer etablierten Medienorgane in derselben Weise zu beeinflussen, wie es bisher m&ouml;glich und der Brauch gewesen ist. Mit ein wenig Phantasie kann man sich schon vorstellen, wie gro&szlig; die Begeisterung derjenigen, die immer besonders viel auf ihr exklusives Privileg der Machtaus&uuml;bung gehalten haben, deswegen ausf&auml;llt.<\/p><p>Im Zuge dieser und &auml;hnlicher Beratschlagungen &ndash; der Kartographierung des &ldquo;Neulandes&rdquo; &ndash; wurde den Politikern Kontroll-, Einfluss- und Ansehensverlust in Aussicht gestellt, sollte es ihnen nicht gelingen, bestimmte Kompromisse einzugehen, die man vermutlich in die Sparte &ldquo;Direktdemokratie&rdquo; einordnen kann. Seitdem lautet die Fragestellung keinesfalls: Wie k&ouml;nnen wir auf Basis dieser Prognosen in ein konstruktives Verh&auml;ltnis mit der sich unweigerlich emanzipierenden Bev&ouml;lkerung kommen? Sondern die Strategie lautet: Um zu verhindern, dass die Dinge uns entgleiten, m&uuml;ssen wir schleunigst gegensteuern. Und dieses Gegensteuern muss auf eine v&ouml;llig andere Weise erfolgen, als Herr Kruse (der &uuml;brigens eng mit der Bertelsmann-Stiftung zusammengearbeitet hat) oder die alternative Medienszene uns das vorschlagen. Das Gegensteuern muss der Informationskrieg sein.<br>\nMan hat sich f&uuml;r den Kampf statt f&uuml;r Kooperation entschieden und man hat daf&uuml;r eine Armee aufgestellt. Eine multimediale Armee.<\/p><p><strong>Kritiker kaltstellen &ndash; die Lufthoheit zur&uuml;ckerobern<\/strong><\/p><p>Die Ziele, die es auf diesem Kampfplatz, auf dem die zu neuer St&auml;rke gelangten B&uuml;rger (denn Wissen ist Macht) aller Schichten aufmarschieren, zu treffen und auszuschalten gilt, sind jene, die dieses Wissen schaffen, erm&ouml;glichen, multiplizieren und verteilen: einzelne Kritiker, Internetblogs und -foren, investigative Journalisten, (vielfach privat organisierte) Film- und Kunstbeitr&auml;ge, und nicht zuletzt St&ouml;rfaktoren in den eigenen Reihen. Dazu geh&ouml;ren nat&uuml;rlich auch widerspenstige Journalisten und andere Organisatoren des Medienrummels, die bis dato nicht ins Gewicht gefallen oder mangels Problembewusstseins unter dem Radar geflogen sind. Ein Beispiel daf&uuml;r ist die Journalistin Claudia Zimmermann. Ihr Vergehen, in einem Interview im niederl&auml;ndischen (!) Rundfunk die Einseitigkeit der deutschen Berichterstattung w&auml;hrend der Fl&uuml;chtlingskrise zu beklagen, hat f&uuml;r sie das Karriereende <a href=\"https:\/\/meedia.de\/2017\/07\/27\/meine-journalistische-karriere-in-deutschland-ist-zu-ende-die-bittere-bilanz-einer-wdr-journalistin-nach-ihrem-umstrittenen-zitat-in-der-fluechtlingskrise\/\">bedeutet<\/a>.<\/p><p>Die Liste der ausgeknipsten Kritiker wird l&auml;nger und l&auml;nger, w&auml;hrend in vielen F&auml;llen die Gr&uuml;nde daf&uuml;r denkbar d&uuml;rftig sind, bei genauerem Hinsehen. Man mag von den einzelnen Personen halten, was man will: Ken Jebsen, Frieder Wagner, Frau Zimmermann, Reiner Mausfeld oder auch aktuell diejenigen Personen, die sich &ldquo;abweichlerisch&rdquo; zu den Corona-Ma&szlig;nahmen ge&auml;u&szlig;ert haben, z.B. Hendrik Streeck und Wolfgang Wodarg, haben die z. T. massiven Einschr&auml;nkungen ihrer Arbeitsm&ouml;glichkeiten bzw. die Besch&auml;digung ihres Rufes nicht ihrem &ldquo;Extremismus&rdquo; zu verdanken, sondern es eint sie die Kritik an politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Die soll aber unterbunden werden, damit sie nicht den Weg in die Kan&auml;le des Netzes findet. Wohl kaum deshalb, weil Kritik und Aufkl&auml;rung per se nicht mehr erlaubt sind, sondern weil &ndash; in Bezug auf Professor Kruses Analyse &ndash; ihr Effekt auf die Bev&ouml;lkerung nicht mehr vorhersehbar ist, wenn sie au&szlig;erhalb des etablierten Mediengeheges stattfindet. Vor allem dann, wenn es sich um Kritik aus Quellen handelt, die nicht ohne Weiteres als abseitig betitelt werden k&ouml;nnen. Also sind sie&hellip; irgendwie doch nicht mehr erlaubt.<\/p><p>Der Effekt, den das Netz inzwischen auf die Bev&ouml;lkerungen dieses Planeten hat, ist sicherlich vergleichbar mit der Wirkung des Buchdrucks auf die mittelalterliche Gesellschaft. Heute wie damals gilt es daher, eine unkontrollierte Vervielf&auml;ltigung von &ldquo;unerw&uuml;nschten&rdquo; Inhalten zugunsten des Machterhalts zu unterbinden. Gleichzeitig soll die Prominenz der eigenen Sichtweisen gew&auml;hrleistet sein. Die Lufthoheit muss wiederhergestellt werden.<\/p><p>Dass es beispielsweise keinen mehr wirklich vom Hocker rei&szlig;t, wenn der Vize-Chefredakteur der BILD-Zeitung, Nikolaus Blome, mir nichts, dir nichts zum Spiegel wechselt, hat m.E. nicht nur mit der Verw&auml;sserung der Haltung zu tun, die die Bl&auml;tter erfahren haben. Es h&auml;ngt auch davon ab, wie kompetent solches Personal die politische Aufgabe erf&uuml;llt, die &ouml;ffentliche Meinung in die gew&uuml;nschte Richtung zu formen und diese Lufthoheit zu verteidigen. <\/p><p><em><strong>Anmerkung der Redaktion:<\/strong> In einer fr&uuml;heren Version des Textes stand an dieser Stelle ein Zitat, das Heiko Maas zugeschrieben wird. Einige Leser schrieben uns, dass dieses Zitat offenbar so nie gefallen sei. Wir haben das &uuml;berpr&uuml;ft und da wir keine Quelle f&uuml;r das Zitat finden konnten, haben wir und entschlossen, es herauszunehmen.<\/em> <\/p><p><strong>Mit Dreck auf den Gegner werfen<\/strong><\/p><p>Im politischen Diskurs wird gerne &ldquo;mit Dreck auf den Gegner geworfen&rdquo;, denn ein bisschen davon wird schon an ihm h&auml;ngenbleiben &ndash; und exakt das ist das Mittel der Wahl f&uuml;r die Politik, den Meinungsgegner im Volk, den sogenannten Aktivisten, auszuschalten, der mittels der neuen Technik viel gr&ouml;&szlig;ere Kreise erreichen kann als fr&uuml;her. So sind die in den letzten Jahren pilzartig aus dem Boden geschossenen Antisemitismusvorw&uuml;rfe ebenso zu erkl&auml;ren wie das unabl&auml;ssige Bombardement durch den Begriff &ldquo;Verschw&ouml;rungstheorie&rdquo;.<\/p><p>Wenn das Ausschalten nicht gelingt, wie es bei Frau Zimmermann oder auch Christoph H&ouml;rstel gelungen ist, wird Kritik wenigstens in ihrer Wirksamkeit so eingehegt, dass jenes &ldquo;dynamische System&rdquo;, vor dem die Macht sich zu f&uuml;rchten begonnen hat, nicht mehr auf sie aufmerksam werden kann. Im Falle H&ouml;rstel sollte man sich dabei nicht so sehr auf seine aktuellen T&auml;tigkeiten konzentrieren, um zu verstehen, wie dessen Entfernung aus dem Medienbetrieb vonstatten ging, sondern auf den Vorgang an sich: Als einziger Auslandskorrespondent der ARD, der im Afghanistan-Krieg 2001 aus Kabul berichtete, wagte er On-air-Kommentare, die das g&auml;ngige Narrativ in Teilen infrage stellten, und setzte sich seither f&uuml;r einen Abzug aus Afghanistan ein &ndash; und musste deshalb seinen Hut nehmen. Ein <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ex-Afghanistankorrespondent-Hoerstel\/!5171329\/\">Interview mit der &ldquo;taz&rdquo; aus dem Jahre 2008<\/a> geht darauf genauer ein.<\/p><p>Aber auch Privatleute, die es wagen, ihren Kopf aus dem Sch&uuml;tzengraben zu strecken, kann es treffen. So ist es dem Privatmann Bodo Schickentanz ergangen. Damit Sie sich &uuml;ber ihn ein Bild machen k&ouml;nnen, verlinke ich einen Beitrag von ihm <a href=\"https:\/\/youtu.be\/j7TsZ3-pJ9w?t=1083\">&uuml;ber den Terroranschlag in Istanbul vom 12.01.2016<\/a>. Ihm hat das ZDF nach &uuml;ber zwanzigj&auml;hrigem Vertrag als freier Mitarbeiter (Grafik) fristlos gek&uuml;ndigt und ihm damit die Existenzgrundlage entzogen, nachdem der Intendanz von Denunzianten (nach eigenen Angaben vermutlich von Angeh&ouml;rigen des Netzwerks &ldquo;Psiram&rdquo;, das auch eine eigene Seite f&uuml;r ihn eingerichtet hat) seine medienkritische Haltung offenbart worden war, die er seit 2014 in YouTube-Videos darlegt &ndash; und zwar keineswegs unfundiert oder vereinfachend, wenn man genauer hin- und die Kraftausdr&uuml;cke &uuml;berh&ouml;rt. Und dabei einen Rest Empathie aufbringen kann. Wenn die Form auch nicht immer gef&auml;llig sein mag &ndash; der Inhalt und Kern seiner Kritik ist m. E. der eigentliche Grund f&uuml;r seinen Rauswurf.<\/p><p>Hartn&auml;ckig werden in den Leitmedien bestimmte Erz&auml;hlungen wiederholt, die l&auml;ngst widerlegt worden sind, um Personen zu diskreditieren und f&uuml;r die nach Informationen suchende Masse unattraktiv oder schwer auffindbar zu machen, weil z.B. entsprechend gestaltete Algorithmen Inhalte sperren oder in Ergebnislisten weit unten platzieren. Ken Jebsen z.B. ist alles M&ouml;gliche, ein Antisemit ist er nicht. Der konstruierte Vorwurf beruht haupts&auml;chlich auf einer mehr als d&uuml;rftigen Argumentation, einem aus dem Zusammenhang gerissenen, absichtlich missverstandenen Zitat. So eine Einsch&auml;tzung kann ich mir leisten, weil mich diese Wahrheit nichts kosten wird &ndash; innerhalb des etablierten Medienspektrums geht es jedoch schon lange nicht mehr um so Profanes wie Wahrheit. Die musste leider der Kriegsstrategie weichen, und wer ihr nicht folgt, kann schnell Probleme bekommen.<\/p><p>Die Frage, was Meinungsfreiheit eigentlich bedeutet und mit welch unterschiedlichen Ma&szlig;st&auml;ben dabei im Falle staatlich gewollter Verbreitungsorgane gemessen wird, soll und muss gestellt werden. Und sie muss gestellt werden d&uuml;rfen, ohne dass damit sofort das Verschw&ouml;rungs-N&auml;hk&auml;stchen aufgemacht wird. Knapp danach kommt dann schon die Frage, was eine Demokratie noch wert ist, die mit unangenehmen Thesen nicht mehr anders umgehen kann, als sie zu verbannen.<\/p><p>Wer sich von all dem Dreckgeschleudere nicht sofort abschrecken l&auml;sst und genauer hinh&ouml;rt, wird feststellen, dass sich der Qualit&auml;tsjournalismus mitnichten inhaltlich mit anderen Meinungen und Kritik auseinandersetzt, sondern fast ausschlie&szlig;lich affektiv subjektiv und\/oder klischeehaft propagandistisch &ndash; wie gesagt, es herrscht Krieg. Es wird geschossen, nicht geredet. Denn Reden w&auml;re ein empathisches Kooperationsangebot, das zu machen, die Macht nicht bereit ist. Und Sie wissen ja: K&ouml;nnen Sie einen Gegner nicht mit Argumenten schlagen, dann verpr&uuml;geln Sie ihn doch einfach.<\/p><p><strong>Die Schl&auml;gertruppe<\/strong><\/p><p>Verpr&uuml;geln &ndash; hier kommt einigen, im Folgenden aufgef&uuml;hrten Schl&uuml;sselinstitutionen eine tragende Rolle zu. Neben der Unterdr&uuml;ckung der Ursachen, die zu einem dynamischen, unkontrollierbaren System f&uuml;hren, geht es auch darum, die Deutungshoheit &uuml;ber bestimmte Inhalte zu konservieren. Dies ist die klassische Aufgabe der Gatekeeper.<\/p><p>Da die &ldquo;Bedrohungslage&rdquo;, wie Kruse sie skizziert, umfangreicher geworden ist und sich auf ein anderes, weitgehend un&uuml;bersichtliches Feld verlagert hat, sind folgerichtig auch die Mittel und Spielr&auml;ume erweitert worden, die diesen Gatekeepern zur Verf&uuml;gung stehen. Man hat sie gezielt dort hingef&uuml;hrt, wo der Meinungskampf stattfindet: im Netz.<\/p><p>Die klassischen Medien, die ich oben umrissen habe, sind um etliche Komponenten erweitert worden, die nicht mehr nur bewachen, sondern agieren:<\/p><p><strong>1) Wikipedia<\/strong><\/p><p>Wer den Film <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5vdHiPGhIc0\">&ldquo;Die dunkle Seite der Wikipedia&rdquo;<\/a> gesehen hat, kann diesen Absatz eigentlich &uuml;berspringen. Darin wird am Beispiel von Daniele Ganser, seines Zeichens Historiker und Friedensforscher, die wikipedianische Praxis beschrieben, den Ruf prominenter Personen mit einer kritischen Haltung zu politisch relevanten Themen zu sch&auml;digen. Es bedurfte eines langwierigen &ldquo;edit wars&rdquo;, also eines Editierungskrieges, um eindeutig rufsch&auml;digende Passagen in Gansers Eintrag in neutralere Varianten abzuwandeln.<\/p><p>&Auml;hnliche Vorg&auml;nge lassen sich auch in den anderssprachigen Versionen der Wikipedia finden &ndash; seit seiner ber&uuml;chtigten &ldquo;Ziegenrede&rdquo; anl&auml;sslich Corona war beispielsweise der Pr&auml;sident von Tansania, John Magufuli, in der englischsprachigen Wikipedia nicht nur Politiker und Staatspr&auml;sident, sondern einige Tage lang ebenfalls ein &ldquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&rdquo;. Das wurde inzwischen wieder herausgenommen, aber wer die Versionsgeschichte ab Mitte M&auml;rz 2020 durchsieht, wird feststellen: Man hat es versucht. Ein Pr&auml;sident wurde, f&uuml;r alle Welt sichtbar, von anonymen Agitatoren quasi f&uuml;r verr&uuml;ckt erkl&auml;rt.<\/p><p>H&auml;tte man dem &ldquo;Brockhaus&rdquo; den Anspruch, eine Enzyklop&auml;die zu sein, durchgehen lassen, w&auml;ren seine Autoren sowie Verlagsmitarbeiter stets anonym und unerreichbar geblieben? Mit der Begr&uuml;ndung, sich vor Anfeindungen sch&uuml;tzen zu m&uuml;ssen? Das zeugt nicht von verantwortungsvoller Arbeit unter journalistischen Pr&auml;missen wie Objektivit&auml;t und Neutralit&auml;t. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass die Autoren &ndash; gerade wenn es um politische oder personenbezogene Eintr&auml;ge geht &ndash; eine gewisse Furcht davor haben, einen wie auch immer gearteten Unmut auf sich zu ziehen. Liest man dann bestimmte Eintr&auml;ge wie den zu Magufuli, Ganser oder selbst den zum Herausgeber der NachDenkSeiten, scheint diese Furcht eine Berechtigung zu bekommen. Ich glaube kaum, dass &ldquo;herk&ouml;mmliche&rdquo; Enzyklop&auml;dieautoren zu diesen &Auml;ngsten neigen mussten. Kampfbegriffe wie &ldquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&rdquo; hatten in einer Enzyklop&auml;die eigentlich nie etwas verloren.<\/p><p><strong>2) Psiram<\/strong><\/p><p>Dieselbe Software wie Wikipedia nutzend, und damit auf den unbedarften Besucher vertrauenserweckend wirkend, er&ouml;ffnet Psiram einen bis dato kaum f&uuml;r m&ouml;glich gehaltenen virtuellen Wettbewerb im Schlagen unter die G&uuml;rtellinie. Verbr&auml;mt wird das Ganze mit allerlei Werbung f&uuml;r rationales Denken, Pharmazeutika und sonstige Geistes- und Industrieerzeugnisse. Die zu 100 Prozent anonymen Betreiber, die ihre Server irgendwo in Osteuropa aufgestellt haben, nehmen wohl an, dass sie den Durchschnittsb&uuml;rger damit ansprechen.<\/p><p>Jede\/r m&ouml;ge anhand dieses Eintrags &uuml;ber die NachDenkSeiten selbst entscheiden, inwieweit sich seine\/ihre Erfahrung mit dem Bild deckt, <a href=\"https:\/\/www.psiram.com\/de\/index.php\/NachDenkSeiten\">das dort gezeichnet wird<\/a>.<br>\nZitat aus dem Eintrag: &ldquo;Heute bedienen die NachDenkSeiten sich in ihren Beitr&auml;gen beim Vokabular klassischer Verschw&ouml;rungstheorien.&rdquo; Ist das so? In sch&auml;rferem Ton und viel ausholender als auf der Wikipedia wird die &ldquo;Verschw&ouml;rungstheorie&rdquo; zur Motivation aller Beteiligten erkl&auml;rt. Lauter Wahnsinnige, lautet der Tenor. Das gilt dann wohl auch f&uuml;r die Leserschaft.<\/p><p>Wer hier Fakten sucht, findet nichts, das einer auch nur halbherzigen &Uuml;berpr&uuml;fung nach journalistischen Kriterien &ndash; namentlich vor allem Neutralit&auml;t &ndash; standh&auml;lt, daf&uuml;r strotzen die meist direkt personenbezogenen Eintr&auml;ge vor Subjektivit&auml;t und tendenzi&ouml;sen Faktenfetzen, die jedem Sch&uuml;lerzeitungsredakteur die Schamesr&ouml;te ins Gesicht treiben m&uuml;ssen. Klug, dass die Damen und Herren anonym und nicht lokalisierbar bleiben &ndash; man mag sich gar nicht vorstellen, wieviele Verleumdungsklagen es hageln w&uuml;rde, w&auml;ren sie es nicht.<\/p><p>Ein anderes Beispiel: Der Einf&uuml;hrungssatz zu Dirk Pohlmann lautet: &ldquo;Dirk Pohlmann (geb. 11. August 1959) ist ein deutscher Drehbuchautor, Filmregisseur und ehemaliger Manager, der seit 2018 als Kritiker des nichtkommerziellen Gemeinschaftsprojekts Wikipedia auf sich aufmerksam macht.&rdquo; Das Perfide an dieser Art von Meinungsmache ist, dass sie klug genug ist, keinen offenen Kampfakt zu vollziehen, sondern subtil trifft. Und sie l&uuml;gt hier auch nicht. Beim Lesen eines solchen Einleitungssatzes sollte man sich allerdings fragen: Ist die Tatsache, dass Herr Pohlmann Wikipedia kritisiert, wirklich das entscheidende Charakteristikum, das es verdient, ganz oben pr&auml;sentiert zu werden? Und die positive Wertung des &ldquo;nichtkommerziellen Gemeinschaftsprojektes&rdquo;, worauf zielt das ab? Das ist reine Stimmungsmache. &Uuml;bersetzt hei&szlig;t das: Ein zwielichtiger Mensch m&ouml;chte einem gemeinn&uuml;tzigen, ohne Hintergedanken agierenden Mitmachprojekt ans Leder.<\/p><p>Und ganz allgemein gefragt: Weshalb legt Psiram eigentlich so gro&szlig;en Wert darauf, Wikipedia-Kritiker zu archivieren und schlecht wegkommen zu lassen?<\/p><p>Dabei dient m.E. der Psiram-Komplex in erster Linie nicht als Nachschlagewerk, sondern als politischer Knigge. Sollte es beispielsweise einem Journalisten einfallen (was nicht unwahrscheinlich ist; dazu unten mehr), dort nach Informationen z.B. &uuml;ber einen m&ouml;glichen Interviewpartner zu suchen, wird er bereits nach dem Lesen des ersten Absatzes wissen, wieviel Gegenliebe ein solches Interview bei denjenigen erzeugen wird, die alles daran setzen, den Meinungs- und Wissenskorridor unter Kontrolle und stubenrein zu halten.<\/p><p><strong>3) Die Amadeu Antonio Stiftung<\/strong><\/p><p>Genannt sei diese stellvertretend f&uuml;r ein ganzes Netz politisch motivierter und protegierter Gesinnungs- und Meinungsw&auml;chter, national wie international, zu denen auch z.B. die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft INSM, die britische Integrity Initiative und mittlerweile wohl auch einige Gewerkschaften zu z&auml;hlen sind, welche die R&uuml;cknahme bestimmter radikalkapitalistischer Ans&auml;tze als &ldquo;Querfront-Forderung&rdquo; verstehen. Finanziert unter anderem von Steuergeldern via Familienministerium, deren j&auml;hrliche H&ouml;he seit Gr&uuml;ndung der Stiftung im Jahre 1998 kontinuierlich angestiegen ist und seit 2017 um die Eine-Millionen-Marke kreist, bewirbt und verlinkt die Amadeu Antonio Stiftung das oben genannte Psiram-Denunziationsportal, gerne auch in Schul- und Aufkl&auml;rungsbrosch&uuml;ren <a href=\"https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Reichsbuerger_Internet.pdf\">wie dieser<\/a> und zwar unter der F&uuml;hrung von Anetta Kahane &ndash; deren langj&auml;hrige Stasi-T&auml;tigkeit als &ldquo;IM Victoria&rdquo; &uuml;brigens von der Wikipedia wiederum als auffallend harmlos dargestellt wird.<\/p><p>Aber Vorsicht: Wer das Wirken dieser Einrichtung oder ihrer Leitung zu kritisch sieht, dem kann es sehr schnell passieren, dass ihm von anderer Seite das Etikett &ldquo;rechtsradikal&rdquo; angeheftet wird. Zum Beispiel von &ndash; Sie ahnen es bereits &ndash; der Wikipedia: Unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Angriffe und Vorw&uuml;rfe gegen die Stiftung&rdquo; (Anm.: Das Wort &ldquo;Kritik&rdquo; war an dem Tag der Erstellung des Wikipedia-Eintrags anscheinend vergriffen) l&auml;sst sich eine ellenlange Liste finden &ndash; und allesamt gingen sie nat&uuml;rlich von Antisemiten, Rechtspopulisten und Extremisten aus. Darunter geht es wohl nicht mehr.<\/p><p>Sicherlich: Es gibt unfundierte Meinungen oder gar gef&auml;hrliche Gesinnungen &ndash; der Verweis auf offensichtlich &auml;u&szlig;erst subjektiv bewertendes, m.E. sogar justiziables Gedankengut, dessen Herkunft zu 100 Prozent anonym bleibt, ist aber bestimmt nicht der richtige Weg, um Bl&ouml;dsinn oder Gefahr zu begegnen. Schon gar nicht f&uuml;r Jugendliche. Stattdessen t&auml;te eine Verfolgerin von &ldquo;Hate Speech&rdquo; gut daran, Psiram f&uuml;r seine Entgleisungen zu r&uuml;gen und dieselben Ma&szlig;st&auml;be anzusetzen, mit denen sie Nazis, Antisemiten und Gewaltpredigern begegnet. Doch das ist scheinbar nicht ihr Auftrag.<\/p><p>Da ich in diesen Zusammenh&auml;ngen auf keinen Fall an ein Versehen glauben kann, liegt auch hier der Verdacht nahe, dass es sich bei dieser Stiftung um einen staatlicherseits ins Feld gef&uuml;hrten Meinungskrieger handelt &ndash; vielleicht nicht urspr&uuml;nglich, aber im Laufe der Zeit mit entsprechenden Mitteln und Geleitschutz versehen.<\/p><p><strong>4) Die Task Force f&uuml;r Strategische Kommunikation (EU East StratCom Task Force)<\/strong><\/p><p>Eigentlich sagt der Name schon alles. Man sollte dazu wissen, dass diese Institution explizit dazu geschaffen wurde, die behaupteten Desinformationskampagnen Russlands zu bek&auml;mpfen. Das geht &ndash; nat&uuml;rlich zuf&auml;llig &ndash; Hand in Hand mit den Zielen der britischen &ldquo;Integrity Initiative&rdquo;. Eine prominente deutsche Vertreterin dieses Netzwerks (und auch wenn es langsam langweilig wird: seine internationalen Ableger m&ouml;chten gerne anonym bleiben) ist Marieluise Beck.<\/p><p>Den Mueller-Report, der die aus dem Westen stammende Desinformation, &ldquo;der Kreml&rdquo; nehme direkten Einfluss auf die US-Wahlen, bereits v&ouml;llig dekonstruiert hat, lassen aber sowohl Beck als auch die EU gerne unter den Tisch fallen.<\/p><p>Ein Auszug aus dem &ldquo;Aktionsplan der EU &uuml;ber strategische Kommunikation&rdquo;:<\/p><blockquote><p>&ldquo;Der Aktionsplan legt konkrete Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung von Desinformationen fest, einschlie&szlig;lich der Einrichtung eines Schnellwarnsystems und einer genauen &Uuml;berwachung der Umsetzung des von den Online-Plattformen unterzeichneten Verhaltenskodex. Dazu z&auml;hlen die Aufstockung der Mittel f&uuml;r die Task Force f&uuml;r strategische Kommunikation im Europ&auml;ischen Ausw&auml;rtigen Dienst (EAD) von 1,9 Mio. Euro im Jahr 2018 auf 5 Mio. Euro im Jahr 2019. Zudem werden die EU-Delegationen in den Nachbarl&auml;ndern durch zus&auml;tzliches Fachpersonal und Instrumente zur Datenanalyse verst&auml;rkt. Die EU-Mitgliedstaaten sollten diese Ma&szlig;nahmen erg&auml;nzen, indem sie ihre eigenen Mittel zur Bek&auml;mpfung von Desinformationen verst&auml;rken.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Im Folgenden ein Teil einer E-Mail, die ich in Bezug auf den obigen Absatz nach Br&uuml;ssel gesendet habe (ohne je eine Antwort bekommen zu haben):<\/p><blockquote><p>&ldquo;Ich verstehe. Noch mehr Geld f&uuml;r Propaganda und &ldquo;Framing&rdquo;. Weiterhin flie&szlig;t allerdings wenig Energie in die glaubw&uuml;rdige Widerlegung der sog. Desinformation (anstelle des etwas infantilen &ldquo;Stimmt-ja-gar-nicht!&rdquo;, das wir &ndash; f&uuml;r den Fall, da&szlig; nicht lautstark totgeschwiegen wird &ndash; &uuml;berall und dauernd h&ouml;ren m&uuml;ssen, und das mich immer &ouml;fter an die kl&auml;glichen Rechtfertigungsversuche der Gestalter einer anderen, vergangenen Demokratischen Republik erinnert). Die diesbez&uuml;gliche Liste ist lang, aber Gehaltvolles habe ich in den letzten Jahren dazu kaum geh&ouml;rt, und stattdessen jede Menge Dinge erfahren, die man drehen und wenden kann, wie man m&ouml;chte, ohne da&szlig; dabei das &ldquo;Vertrauen in die Demokratie&rdquo; w&auml;chst.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>5) Faktenchecker und Recherchenetzwerke<\/strong><\/p><p>Correctiv und Bellingcat, und im weiteren Sinne auch die &ldquo;Syrische Ein-Mann-Beobachtungsstelle f&uuml;r Menschenrechte&rdquo; &ndash; mangels Insiderinformationen, die es mir gestatteten, die Rechercheleistung der dort arbeitenden Journalisten realistisch einordnen zu k&ouml;nnen, verlege ich mich hier auf einen Vorgang aus der Vergangenheit. Jede\/r m&ouml;ge selbst beurteilen, ob sich so etwas wiederholen kann &ndash; oder ob es gerade stattfinden k&ouml;nnte: In aller K&uuml;rze: <a href=\"https:\/\/www.thedailybeast.com\/how-the-cia-paid-and-threatened-journalists-to-do-its-work\">Die &ldquo;Operation Mockingbird&rdquo;<\/a>.<\/p><p>Besonders interessant an diesem kurzen englischen Beitrag ist, wie ich finde, vor allem der Satz: &ldquo;Dieses Programm wurde nie offiziell beendet.&rdquo; Es handelt(e) sich dabei um die gezielte Beeinflussung, die Bestechung und Erpressung von Journalisten auf internationaler Ebene, um diese im Sinne der CIA w&auml;hrend des Kalten Krieges in antikommunistische Propaganda einzuspannen. Keine Verschw&ouml;rungstheorie, sondern erwiesenes, aktenkundiges Faktum. So wie Relotius es auch ist.<\/p><p>Die Wikipedia schlie&szlig;t in dem betreffenden, sehr d&uuml;rftig ausgefallenen Eintrag &uuml;ber diese staatlich angeordnete, massive Manipulationsorgie &uuml;brigens mit dem unpassend wohlwollend klingenden, aber auch nachdenklich machenden Satz: &ldquo;Zu den gef&ouml;rderten Institutionen und Einzelpersonen geh&ouml;rten auch die Tr&auml;ger des Nobelpreises f&uuml;r Literatur Boris Leonidowitsch und Heinrich B&ouml;ll.&rdquo;<\/p><p>So, so: gef&ouml;rdert.<\/p><p>Eine sehr ausf&uuml;hrliche Analyse k&ouml;nnen Interessierte <a href=\"http:\/\/www.luftpost-kl.de\/luftpost-archiv\/LP_13\/LP18915_051015.pdf\">hier finden<\/a>. (Der US-Medienwissenschaftler Prof. James F. Tracy untersucht die Beeinflussung der Medien durch die CIA.)<\/p><p>Und was Bellingcat betrifft: In der Presse findet man dazu eigentlich nur wenig Gehaltvolles. &ldquo;Bellingcat ist ein Recherchenetzwerk rund um den Netzaktivisten Eliot Higgins&rdquo;, und &auml;hnliche Formulierungen. Schon das sollte stutzig machen. Auf ihrer Website findet sich im Einleitungstext der Satz: &ldquo;&hellip;to probe a variety of subjects &ndash; from Mexican drug lords and crimes against humanity, to tracking the use of chemical weapons and conflicts worldwide.&rdquo;<\/p><p>Ich wei&szlig; nicht, wie es Ihnen geht, aber ich muss bei der verdichteten Erw&auml;hnung von mexikanischen Drogenbaronen, Menschenrechtsverbrechen und chemischen Waffen spontan an drei Buchstaben denken: CIA.<\/p><p><strong>Extreme entstehen nicht, sie werden produziert<\/strong><\/p><p>Meine vorl&auml;ufige, zusammenfassende Einsch&auml;tzung all dieser Vorg&auml;nge und &ndash; f&uuml;r den Laien kaum durchdringbarer &ndash; Netzwerkverbindungen lautet daher: Wir haben es mit einem sich gegenseitig r&uuml;ckversichernden, geheimdienstgest&uuml;tzten, sich hermetisch nach au&szlig;en abriegelnden und dabei munter Falschnachrichten und Extreme produzierenden Medien- und Meinungsmachesystem zu tun, dessen Komponenten sich bei verlangten Quellennachweisen gegenseitig verlinken. Sie zeichnen sich durch eine mehr als augenscheinliche Gleichbehandlung der meisten Themen aus und bilden einen monolithischen Block. Dieser wird weiter wachsen, bis es neben ihm keinen Platz f&uuml;r andere Meinungen mehr geben wird, wenn die Politik ihre Strategie des Informationskrieges nicht &auml;ndert. Und er ruft aufgrund seiner scheinbaren Unverr&uuml;ckbarkeit auch einen anderen Effekt hervor, den Kruse ermittelt hat: den Frust, die Ver&auml;rgerung &uuml;ber das Versprechen der Teilhabe, ohne dass diese Wirklichkeit wird.<\/p><p>Die multimediale Armee gegen Einigkeit und Klarheit innerhalb der Bev&ouml;lkerung belastet sich dabei nicht mehr mit journalistischen Standards. Sie etikettiert gewisse gesellschaftliche Str&ouml;mungen als negativ und indiskutabel, die in der Vergangenheit als Teilnehmer an demokratischen Prozessen wenigstens noch akzeptiert wurden (Beispiel Friedensbewegung), und erzwingt Mehrheitsmeinungen im Sinne der herrschenden Klasse. Mit dem Totschlagargument &ldquo;Verschw&ouml;rungstheorie&rdquo; und &ldquo;russische Desinformation&rdquo; wird alles, was au&szlig;erhalb des politischen Mainstreams liegt (aber deshalb noch lange nicht falsch sein muss), niedergemacht.<\/p><p>Die konsequente Weiterf&uuml;hrung des Elitenprojektes EU (Anm.: das ist wertfrei gemeint) Ende der 90er Jahre erforderte als Grundvoraussetzung eine homogenere Presse- und Meinungslandschaft. Das haben die federf&uuml;hrenden Parteien sicherlich als zwingend erforderlich erkannt, um gesellschaftliche Ver&auml;nderungen dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung durchsetzen zu k&ouml;nnen. Die daf&uuml;r notwendigen Institutionen, Netzwerke und Strategien wurden ausgearbeitet und installiert, und selbige k&ouml;nnen in der Gegenwart auch dazu benutzt werden, jeden Kritiker eines beliebigen Zustandes zum Verschw&ouml;rungsideologen zu degradieren. Die Infrastruktur, um starke Eigendynamik zu unterdr&uuml;cken, existierte bereits vor 2011, und weil es diese Mittel gab, lag die Idee nicht fern, sie weiter auszubauen und einzusetzen.<\/p><p>Vor allem Privatpersonen, die von der ganzen Wucht der vernetzten, weitgehend unsichtbaren Meinungsmacher getroffen werden, stecken das bisweilen nicht so einfach weg. Ich habe oben einige Beispiele genannt, bei denen das offensichtlich geworden ist. Doch die Politik sollte sich nicht wundern, dass sie damit Extreme produziert: Denn Angst ist eine starke Triebkraft.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>* Johannes Bichler. Alter: 39 &#8232;Ausbildung zum Landschaftsg&auml;rtner; momentan f&uuml;r das Rote Kreuz t&auml;tig.&#8232; War schon: Auslieferungsfahrer, Altenpfleger, Taxifahrer, bei den&#8232; Maltesern, Dichter und Biog&auml;rtner. &#8232;Reist gerne und verehrt die Punkbands der 80er und 90er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Die Gegenaufkl&auml;rung im Neuland &ndash; Der Informationskrieg f&uuml;r den Machterhalt. Von Johannes Bichler<\/strong><br \/> Vorbemerkung: Eigentlich w&auml;re es das Vern&uuml;nftigste von der Welt, wenn die etablierten Medien und die mit ihnen verbundenen Politikerinnen und Politiker die Medien im Internet als Partner, wenn auch als kritische und konkurrierende Partner, betrachten w&uuml;rden. Es w&uuml;rde beiden, den Etablierten und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61890\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,126,41,182,11],"tags":[2218,1929,2905,2036,2005,1205,901,2543,1238,2669,1865,2904,2902,1534,2906,682,1541,220],"class_list":["post-61890","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-amadeu-antonio-stiftung","tag-bellingcat","tag-correctiv","tag-fake-news","tag-ganser-daniele","tag-geheimdienste","tag-integrity-initiative","tag-jebsen-ken","tag-leitmedien","tag-meinungsfreiheit","tag-pohlmann-dirk","tag-psiram","tag-querfront","tag-stratcom","tag-verschwoerungstheorie","tag-wikipedia","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61890"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61890\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61959,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61890\/revisions\/61959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}