{"id":61925,"date":"2020-06-12T12:28:31","date_gmt":"2020-06-12T10:28:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61925"},"modified":"2026-01-27T11:37:05","modified_gmt":"2026-01-27T10:37:05","slug":"mordfall-olof-palme-ich-gehe-nicht-davon-aus-dass-stig-engstroem-der-moerder-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61925","title":{"rendered":"Mordfall Olof Palme: \u201eIch gehe nicht davon aus, dass Stig Engstr\u00f6m der M\u00f6rder war\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Krister Petersson pr&auml;sentierte kein Ermittlungsergebnis, sondern einen politischen Schachzug&ldquo;, sagt der Autor <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54251\">Patrik Baab<\/a> im NachDenkSeiten-Interview. Petersson ist der Generalstaatsanwalt, der den Mord an dem schwedischen Ministerpr&auml;sidenten Olof Palme neu untersucht hat. Gerade erst hat er auf einer Pressekonferenz die jahrelangen Ermittlungsergebnisse vorgestellt. In vielen Medienberichten hei&szlig;t es, der Fall sei nun aufgekl&auml;rt, ein ehemaliger Skandia-Mitarbeiter, der bereits verstorben ist, habe Palme 1986 erschossen. Patrik <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40531\">Baab<\/a>, der zusammen mit dem Politikwissenschaftler und R&uuml;stungsexperten <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Im-Spinnennetz-der-Geheimdienste.html?\">Robert E. Harkavy<\/a> am Fall Palme arbeitet, traf Petersson im Zuge seiner Recherchen. Obwohl er Petersson als Mann kennenlernte, der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54251\">tats&auml;chlich<\/a> aufkl&auml;ren will, misstraut er dem Ermittlungsergebnis. Aus welchen Gr&uuml;nden, erkl&auml;rt er im Interview. Von <strong>Marcus K&ouml;ckner<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7331\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-61925-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200615_Mordfall_Olof_Palme_Ich_gehe_nicht_davon_aus_dass_Stig_Engstroem_der_Moerder_war_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200615_Mordfall_Olof_Palme_Ich_gehe_nicht_davon_aus_dass_Stig_Engstroem_der_Moerder_war_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200615_Mordfall_Olof_Palme_Ich_gehe_nicht_davon_aus_dass_Stig_Engstroem_der_Moerder_war_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200615_Mordfall_Olof_Palme_Ich_gehe_nicht_davon_aus_dass_Stig_Engstroem_der_Moerder_war_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=61925-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200615_Mordfall_Olof_Palme_Ich_gehe_nicht_davon_aus_dass_Stig_Engstroem_der_Moerder_war_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200615_Mordfall_Olof_Palme_Ich_gehe_nicht_davon_aus_dass_Stig_Engstroem_der_Moerder_war_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>&bdquo;Fall Olof Palme nach 34 Jahren gel&ouml;st. Der M&ouml;rder tarnte sich als Zeuge&ldquo;, lautet die Schlagzeile beim <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/mord-an-olof-palme-aufgeklaert-ein-einzeltaeter-keine-verschwoerung-a-4aa08ffa-3ee8-4631-9bf1-dfcedbf9e3aa\">Spiegel<\/a>. Der <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/panorama\/ermittler--der-mord-an-olof-palme-ist-aufgeklaert-9296642.html?utm_campaign=alle&amp;utm_medium=rss-feed&amp;utm_source=standard\">Stern<\/a> w&auml;hlt die &Uuml;berschrift: &bdquo;Ermittler: Der Mord an Olof Palme ist aufgekl&auml;rt&ldquo;. Beim <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/mordfall-olof-palme-ein-schlussstrich-und-kein-ende.1013.de.html?dram:article_id=478386\">Deutschlandfunk<\/a> hei&szlig;t es hingegen: &bdquo;Mordfall Olof Palme: Ein Schlussstrich und kein Ende&ldquo;.<br>\n<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45168\">Herr Baab<\/a>, welche Schlagzeile ist denn nun korrekt?<\/strong><\/p><p>Am besten gef&auml;llt mir die Schlagzeile des Z&uuml;rcher &bdquo;Tagesanzeiger&ldquo;: &bdquo;Ein Schlusspunkt, der keiner ist.&ldquo; Aber die des Deutschlandfunks &bdquo;Ein Schlussstrich und kein Ende&ldquo; ist auch nicht schlecht. Beide &Uuml;berschriften bringen das Dilemma des schwedischen Generalstaatsanwalts genau auf den Punkt. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der reagierende Journalismus geradezu darauf gewartet haben muss, die endlose Geschichte um den Mord an Olof Palme &ndash; mit einem vermeintlichen Ermittlungsergebnis und einem mutma&szlig;lichen Einzelt&auml;ter &ndash; endlich zu den Akten legen zu k&ouml;nnen. Dagegen ist sich, soweit ich das wahrnehmen kann, der agierende und recherchierende Journalismus einig: Krister Petersson legte ein Ermittlungsergebnis vor, das keines ist. Und niemand wei&szlig; das besser als Krister Petersson selbst.<\/p><p><strong>Das m&uuml;ssen Sie uns erkl&auml;ren.<\/strong><\/p><p>Um das zu verstehen, lohnt es sich, die Pressekonferenz von Krister Petersson etwas n&auml;her zu betrachten. Wegen der Corona-Krise wurde sie per Skype und Zoom &uuml;bertragen. Sie dauerte etwa zweieinhalb Stunden. Krister Petersson und sein Ermittlungsleiter Hans Melander zeigten eine Power-Point-Pr&auml;sentation. Jeder Journalist und jede Journalistin konnten nur eine Frage stellen. Beide lenkten den Blick auf den sogenannten Skandia-Mann Stig Engstr&ouml;m, der l&auml;ngst verstorben ist.<\/p><p><strong>Und das ist falsch?<\/strong><\/p><p>Nein, das ist richtig und wichtig. Allerdings h&auml;tte es bereits 1986 geschehen m&uuml;ssen. Denn Stig Engstr&ouml;m ist im Zusammenhang mit dem Mord an Olof Palme eine wichtige Figur. Er war als Werbegrafiker bei Schwedens gr&ouml;&szlig;tem Finanzdienstleister Skandia besch&auml;ftigt, vor dessen Sitz Palme erschossen wurde.<\/p><p><strong>Deshalb wird er als &bdquo;Skandia-Mann&ldquo; bezeichnet?<\/strong><\/p><p>Genau. Seiner Stechkarte zufolge hat er das Geb&auml;ude Sveav&auml;gen Nr. 44 genau um 23:19 Uhr verlassen. Sp&auml;ter gab er an, nach ein paar Schritten habe er einen Schuss geh&ouml;rt und dann noch einen zweiten Knall. Er habe geholfen, das Opfer in Bauchlage zu bringen und habe mit Lisbet Palme gesprochen. Nur wurden diese Angaben weder von Lisbet Palme noch von anderen best&auml;tigt. Stig Engstr&ouml;m hatte einen Freund namens Willy Glaser, der in einer Wehrsportgruppe aktiv und Waffensammler war. In seiner Sammlung befand sich auch mindestens ein Revolver, Kaliber 357 Magnum. Glaser f&uuml;hrte ein Unternehmen, das Kunden in den USA und Israel hatte. Engstr&ouml;m und Glaser d&uuml;rfen zu den Gegnern von Olof Palme gerechnet werden. Nun sagt Krister Petersson, man habe diese Waffe Probe geschossen, es sei aber nicht mehr feststellbar, ob es sich um die Tatwaffe gehandelt habe. Damit pr&auml;sentiert Krister Petersson Bekanntes, aber keinen klaren technischen Beweis. Dennoch sagte er, man komme an Stig Engstr&ouml;m nicht vorbei. Damit dreht er faktisch die Beweislast um und pr&auml;sentiert einen Einzelt&auml;ter: den Skandia-Mann.<\/p><p><strong>In unserem letzten Interview zum Fall Olof Palme im August 2019 haben Sie gesagt, die aktuellen Ermittlungen zeigen, dass die Einzelt&auml;ter-Theorie in sich zusammenbreche. &bdquo;Der schwedische Chefermittler denkt an eine professionelle, milit&auml;risch ausgebildete T&auml;tergruppe, m&ouml;glicherweise milit&auml;rische Spezialkr&auml;fte&ldquo;, so schlussfolgerten Sie damals. Nun sind die Ermittlungen abgeschlossen, der ermittelnde Staatsanwalt hat aber einen Einzelt&auml;ter pr&auml;sentiert. Ist das f&uuml;r Sie nachvollziehbar?<\/strong><\/p><p>Derzeit sehe ich keinen Grund, meine Wertsch&auml;tzung f&uuml;r Krister Petersson zu schm&auml;lern. Ebenso wenig sehe ich einen Anlass, das Recherche-Ergebnis von Robert E. Harkavy und mir zu korrigieren. Es lief darauf hinaus, dass der Mord an Olof Palme eine gemeinsame Operation von CIA, s&uuml;dafrikanischem Geheimdienst und dem schwedischen Arm der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1YhRBxxyRqs\">NATO-Geheimarmee Stay-Behind<\/a> war. Tats&auml;chlich hatte sich auch Krister Petersson zu Beginn seiner Ermittlungen von der Einzelt&auml;ter-Theorie verabschiedet und vermutete eine professionelle, milit&auml;risch ausgebildete T&auml;tergruppe hinter dem Mord. Denn der Generalstaatsanwalt wusste, dass im Skandia-Geb&auml;ude der schwedische Arm von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-39997525.html\">&bdquo;Stay-Behind&ldquo;<\/a> residierte und der Chef des Unternehmens Skandia, vormals Thule, Alvar Lindencrona, diese Gruppe bis 1978 leitete. Dann hat Lindencrona diese Funktion an den ehemaligen Chef des schwedischen Arbeitgeberverbandes SAF Curt-Steffan Giesecke abgegeben. Dass Stay-Behind im neutralen Schweden aktiv war, ist nun keine Verschw&ouml;rungstheorie, um ein Wort aus dem Vokabelkasten journalistischer Ja-Sager zu verwenden, sondern steht in den Memoiren des fr&uuml;heren CIA-Direktors William Colby, der die schwedische <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38063\">Stay-Behind-Organisation<\/a> nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat. In einer dreist&uuml;ndigen Diskussion, die Robert E. Harkavy und ich mit Krister Petersson im Sommer 2017 gef&uuml;hrt haben, kreisten unsere Gedanken um diesen Punkt, und wir haben dies auch in die 4. Auflage unseres Buches aufgenommen. Daneben haben Krister Petersson und sein Team auch geheimdienstliche Unterlagen aus S&uuml;dafrika bekommen. Der abschlie&szlig;ende Ermittlungsbericht liegt mir noch nicht vor. Aber sie scheinen in die Gesamtbewertung keinen Eingang gefunden zu haben. Krister Petersson erkl&auml;rte dazu auf der Pressekonferenz, man habe auch untersucht, ob Stig Engstr&ouml;m Teil einer Gruppe gewesen sei, denn damals habe es Geheimgruppierungen gegeben. Zwar habe niemand dar&uuml;ber Auskunft geben wollen. Aber er k&ouml;nne nicht ausschlie&szlig;en, dass Engstr&ouml;m Teil einer Verschw&ouml;rung war oder Mitt&auml;ter hatte.<\/p><p><strong>Sie haben viel zum Fall Olof Palme recherchiert.<br>\nWie ordnen Sie Engstr&ouml;m ein? Anders gefragt: Kann er tats&auml;chlich der M&ouml;rder gewesen sein?<\/strong><\/p><p>Stig Engstr&ouml;m tauchte am Tatort auf. Seine genaue Rolle ist bis heute ungekl&auml;rt. Er selbst kann nicht mehr befragt werden, weil er seit langem tot ist. Er war jedoch Waffennarr, Palme-Hasser und lebte im Stockholmer Stadtteil T&auml;by unter Freunden, die durchaus eine Waffe schweren Kalibers wie die Tatwaffe h&auml;tten besorgen k&ouml;nnen. Nach dem Mord stellte sich heraus, dass der Hintereingang des Skandia-Geb&auml;udes nicht abgeschlossen und die &Uuml;berwachungskamera ausgeschaltet war. Er arbeitete im Skandia-Geb&auml;ude, wo auch das Stockholmer Hauptquartier von Stay-Behind zu finden war, bei jenem Finanzdienstleister, dessen Chef diese Gruppe f&uuml;hrte. Es gibt Hinweise darauf, dass dort auch die CIA zur Tatzeit aktiv war. Deshalb geht der schwedische Journalist und Buchautor Lars Borgn&auml;ss davon aus, dass Stig Engstr&ouml;m an einer &Uuml;berwachungsoperation der S&Auml;PO oder einer Stay-Behind-Gruppe teilgenommen hat, die mit dem Mord an Olof Palme in Zusammenhang steht. Dies habe von den Ermittlern nicht publik gemacht werden d&uuml;rfen, weil es den Mordverdacht auf die Sicherheitskr&auml;fte selbst gelenkt h&auml;tte. Mich &uuml;berzeugt das Ergebnis nicht, dass Stig Engstr&ouml;m der M&ouml;rder war. Er hat wenig &Auml;hnlichkeit mit dem Phantombild, und er war offensichtlich nicht jener Mann, der die Stufen der Tunnelgatan hinauflief und verschwand. Und wie soll ein Einzelt&auml;ter gewusst haben, dass Olof und Lisbet genau vor dem Skandia-Geb&auml;ude entlanglaufen, ohne Begleitschutz? Diese Entscheidung wurde ja erst kurz nach dem Kinobesuch gegen 23:10 gef&auml;llt. Wie passen zu diesem Ermittlungsergebnis die zahlreichen M&auml;nner mit Funkger&auml;ten wie Anti Avsan, die in der Tatnacht in der Innenstadt von Stockholm gesehen wurden? Und wie passt zu einem Sonntagssch&uuml;tzen ein Schuss durchs R&uuml;ckenmark, der den sofortigen Tod herbeif&uuml;hrt? Krister Petersson pr&auml;sentierte in meinen Augen kein Ermittlungsergebnis, sondern einen politischen Schachzug.<\/p><p><strong>F&uuml;r Sie ist es also nicht nachvollziehbar, dass der leitende Staatsanwalt Krister Petersson auf Engstr&ouml;m als M&ouml;rder gekommen ist?<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der Ausf&uuml;hrungen seines Ermittlungsleiters Hans Melander schien Krister Petersson seltsam abwesend. Seine K&ouml;rpersprache wirkte so, als ob er sich von seinem eigenen Ermittlungsergebnis distanzieren wollte. Ich habe Krister Petersson ganz anders kennengelernt, hellwach und klar kombinierend. Deshalb hatte die Pressekonferenz in meinen Augen einen Subtext. Ein Ermittlungsergebnis ohne Beweise, ohne Neuigkeiten, unter Ausklammerung wesentlicher Tatbest&auml;nde &ndash; daf&uuml;r gibt es in meinen Augen nur eine einzige Erkl&auml;rung. Wir sollten in die &Uuml;berlegungen einbeziehen: Die schwedische Generalstaatsanwaltschaft ist nicht unabh&auml;ngig, sondern eine weisungsgebundene Beh&ouml;rde &ndash; wie die Staatsanwaltschaften in Deutschland auch. Sie ist direkt dem Justizministerium unterstellt. Mehrere Rechercheure gehen davon aus, dass Krister Petersson angewiesen wurde, die Ermittlungen jetzt einzustellen, weil die schwedische Regierung den Fall Palme im Windschatten der Corona-Krise endlich zu den Akten legen wollte.<\/p><p><strong>Der Stern zitiert Petersson mit folgender Aussage: &ldquo;Ich bin der Ansicht, dass wir so weit gekommen sind, wie man es von der Untersuchung verlangen kann.&rdquo;<br>\nDas klingt irgendwie kryptisch, oder?<\/strong><\/p><p>Nach meinem Eindruck wollte Krister Petersson damit sagen, dass man von dieser Untersuchung kein anderes Ergebnis verlangen kann als den R&uuml;ckfall auf die schon beerdigte Einzelt&auml;ter-Theorie, weil die Ermittler vom Sicherheitsapparat, von den Geheimdiensten und von den politisch Verantwortlichen ausgebremst worden sind. Diese Ermittlung endete wieder einmal mit einer Vertuschung. Doch die schwedische Regierung t&auml;uscht sich. Die Palme-Ermittlungen auf diese Weise zu beenden, hat die Legitimationskrise des schwedischen Staates vertieft und die Glaubw&uuml;rdigkeit der Ermittlungsbeh&ouml;rden nachhaltig besch&auml;digt. Der Mord an Olof Palme ist f&uuml;r Schweden ein Trauma, welches das ganze Land bis heute spaltet. Dieser Riss in der schwedischen Gesellschaft wird nun noch tiefer.<\/p><p><strong>Sehen Sie noch eine realistische M&ouml;glichkeit, den Fall aufzukl&auml;ren? Wenn ja: Was k&ouml;nnte oder sollte noch getan werden?<\/strong><\/p><p>Hier geht es nicht um Verschw&ouml;rungstheorien. Es geht um politische Interessen. Der Z&uuml;rcher Tagesanzeiger, mit dem wir das Gespr&auml;ch begonnen haben, hat unter seinem Artikel ein Diskussionsforum er&ouml;ffnet und damit einen Debattenraum er&ouml;ffnet, in dem diese Interessen angerissen worden sind. Dies ist ein Beispiel f&uuml;r inklusiven Journalismus. Hier m&uuml;ssen wir dar&uuml;ber reden, dass Olof Palme ein Gegner der Rassentrennung in S&uuml;dafrika war, zusammen mit Gorbatschow eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa anstreben wollte und den illegalen schwedischen Waffenhandel mit dem Iran gestoppt hat. Er war f&uuml;r die NATO und die USA, f&uuml;r den schwedischen Sicherheitsapparat und seine R&uuml;stungsunternehmen, f&uuml;r das Apartheid-Regime in S&uuml;dafrika und f&uuml;r die westlichen Geheimdienste ein Sicherheitsrisiko. Hier liegen die Mordmotive, und aus der Macht dieser Akteure erw&auml;chst die Hartn&auml;ckigkeit, mit der sie bis heute geleugnet werden.<\/p><p><em>Lesetipp (4. und aktualisierte Ausgabe): <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Im-Spinnennetz-der-Geheimdienste.html?\">Im Spinnennetz der Geheimdienste &ndash; Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?<\/a> Westend Verlag. Frankfurt am Main, 2019. 416 Seiten. 20 Euro.<\/em><\/p><p>Titelbild: Tupungato\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Krister Petersson pr&auml;sentierte kein Ermittlungsergebnis, sondern einen politischen Schachzug&ldquo;, sagt der Autor <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54251\">Patrik Baab<\/a> im NachDenkSeiten-Interview. Petersson ist der Generalstaatsanwalt, der den Mord an dem schwedischen Ministerpr&auml;sidenten Olof Palme neu untersucht hat. Gerade erst hat er auf einer Pressekonferenz die jahrelangen Ermittlungsergebnisse vorgestellt. 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