{"id":61943,"date":"2020-06-12T15:28:10","date_gmt":"2020-06-12T13:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61943"},"modified":"2020-06-13T10:04:38","modified_gmt":"2020-06-13T08:04:38","slug":"bolivien-die-oas-manipulation-des-wahlbetrugs-die-deutsche-medienkampagne-gegen-evo-morales-und-die-entlarvung-einer-intrige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61943","title":{"rendered":"Bolivien \u2013 Die OAS-Manipulation des Wahlbetrugs, die deutsche Medienkampagne gegen Evo Morales und die Entlarvung einer Intrige"},"content":{"rendered":"<p>Knappe acht Monate nach der angefochtenen Pr&auml;sidentschaftswahl in Bolivien, aus der der amtierende Pr&auml;sident Evo Morales zum vierten Mal als Sieger hervorging, attestiert eine vierte wissenschaftlich-akribische <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3621475\">Untersuchung<\/a>, dass die angebliche Wahlf&auml;lschung vom Oktober 2019 in Bolivien nicht stattgefunden hat. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAuf den Punkt gebracht, untermauert die Untersuchung die Richtigkeit einer vor mehr als einem halben Jahr gewonnenen Vermutung. Dass n&auml;mlich der Regierung Morales und dem bolivianischen Wahlgericht keineswegs absichtlicher Betrug nachgewiesen werden kann, sondern ganz im Gegenteil der Organisation der Amerikanischen Staaten (OEA\/OAS) vors&auml;tzliche, politisch motivierte Manipulation ihrer Wahlanalyse vorzuwerfen ist. Die &uuml;berst&uuml;rzte Kritik und die darauffolgende Publikation einer zugegebenen <a href=\"https:\/\/www.oas.org\/es\/centro_noticias\/comunicado_prensa.asp?sCodigo=C-099\/19\">OAS-Teilanalyse<\/a> befeuerte wenige Tage nach ihrer Ver&ouml;ffentlichung die Meuterei der Polizei und den Ruf nach dem Putsch gegen die demokratisch gew&auml;hlte Regierung Evo Morales. Unbeschadet ihres Wahlsiegs sollte das Mandat dieser Regierung erst am 20. Januar 2020 enden, doch wie die NachDenkSeiten ausf&uuml;hrlich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56333\">am 13. November berichteten<\/a>, traten der Pr&auml;sident und sein Kabinett zweieinhalb Monate davor zur&uuml;ck und verlie&szlig;en am 11. November fluchtartig Bolivien, um angedrohten Mordanschl&auml;gen zu entgehen.<\/p><p>Nachdenkenswert, im Sinne dieser Publikation, sollten indes zwei Signale sein. Zum einen der Hinweis darauf, dass alle vier bisherigen Untersuchungen, die sich kritisch mit dem OAS-Vorwurf des angeblichen Wahlbetrugs auseinandersetzen, aus der Feder von US-Wissenschaftlern stammen. So die erste vom Washingtoner Zentrum f&uuml;r Wirtschafts- und Politikforschung (CEPR), die zweite vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), die dritte von der University Michigan und die vierte von Professoren der University of Pennsylvania und der Tulane University. Zum anderen der Verweis darauf, dass auch die Kritik an der in Washington ans&auml;ssigen und US-h&ouml;rigen OAS von zwei beherrschenden US-Medien vorgetragen wird, so zun&auml;chst die Washington Post vom 27. Februar mit <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/politics\/2020\/02\/26\/bolivia-dismissed-its-october-elections-fraudulent-our-research-found-no-reason-suspect-fraud\/\">ihrer Reportage<\/a> und am vergangenen 7. Juni die New York Times (NYT) mit dem Artikel <em><a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/06\/07\/world\/americas\/bolivia-election-evo-morales.html\">In Bolivia, A Bitter Election is Being Revisited<\/a><\/em>, so der Online-Titel, der jedoch auf der Abdruck-Seite &ndash; &bdquo;A Bitter Election. Accusations of Fraud. And Now Second Thoughts&ldquo; &ndash; Nachdenklichkeit zugesteht.<\/p><p>Eine &auml;hnliche &bdquo;and&auml;chtige Versenkung&ldquo; probte die Deutsche Welle bereits am vergangenen 28. Februar mit der Meldung <em><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bolivien-vielleicht-doch-kein-wahlbetrug\/a-52578198\">&bdquo;Bolivien: Vielleicht doch kein Wahlbetrug&ldquo;<\/a><\/em>. Es reicht allerdings eine oberfl&auml;chliche Titel-Recherche unter dem Stichwort &bdquo;Bolivien-Wahl&ldquo;, um sich davon &uuml;berzeugen zu lassen, dass die sogenannten deutschen Leitmedien im Konzert mit dem US-Mainstream monatelang die Wahlbetrugs-Litanei der OAS nachgebetet haben.<\/p><p>&bdquo;And Now Second Thoughts&ldquo;, gibt die NYT zu. Davor hagelte es auf den Seiten der Mainstream-Lokomotive &uuml;ble Worte und Verd&auml;chtigungen gegen Evo Morales.<\/p><p><strong>The New York Times, der Mainstream und ihre &bdquo;Standards&ldquo;<\/strong><\/p><p>Seit vielen Jahrzehnten ist die NYT in den USA auch unter ihrem Spitznamen &bdquo;The Gray Lady&rdquo; bekannt, also eine &auml;ltere Dame, der der Volksmund steifen Konservatismus, aber &ndash; gutmeinend &ndash; auch Augenma&szlig; andichtet. Diese Obacht und Balance hat die beherrschende US-Tageszeitung jedoch in Dutzenden kontroversen <em>media cases<\/em> l&auml;ngst aufgegeben, zuletzt in den gerade vergangenen ersten Juni-Tagen, und davor im Oktober 2019 mit ihren &bdquo;Editorials&ldquo; zu Bolivien.<\/p><p>Am 3. Juni hatten die Herausgeber einen Leitartikel des republikanischen Politikers Tom Cotton mit dem haneb&uuml;chenen Titel <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/06\/03\/opinion\/tom-cotton-protests-military.html\">&bdquo;Send in the Troops&ldquo;<\/a> ver&ouml;ffentlicht, in dem der Rechtsau&szlig;en Donald Trumps Drohung, Milit&auml;r gegen die George-Floyd-Proteste einzusetzen, befeuerte, um &bdquo;Gesetzesbrecher auseinanderzutreiben, zu verhaften und letztendlich abzuschrecken&ldquo;. Auf den Leitartikel hagelte es lautstarke Kritik. Die Times wurde beschuldigt, Falschmeldungen zu verbreiten, die New Yorker News Guild warf den Herausgebern vor, das St&uuml;ck f&ouml;rdere Gewalt. Ein Lob auf die innere Pressefreiheit: Mehr als 800 interne Mitarbeiter der Times unterschrieben einen Protestbrief gegen den Cotton-Leitartikel.<\/p><p>Die Folge: James Bennet, Leitartikel-Herausgeber, der mit Times-Erbe und Senior Publisher Arthur Gregg Sulzberger die Publizierung des Cotton-Pamphlets aus angeblichen Gr&uuml;nden der &bdquo;Ausgewogenheit&ldquo; gerechtfertigt hatte, trat von seinem Posten zur&uuml;ck und begr&uuml;ndete den mutigen Schritt mit einem katastrophalen Eingest&auml;ndnis: Er habe den Artikel vor seiner Ver&ouml;ffentlichung nicht gelesen. Zweite Folge: Nach einer internen &Uuml;berpr&uuml;fung wurde dem Artikel eine 317 W&ouml;rter kurze &bdquo;Anmerkung des Herausgebers&ldquo; beigef&uuml;gt, die darauf hinwies, dass &bdquo;unsere Standards nicht eingehalten wurden und der Artikel nicht h&auml;tte ver&ouml;ffentlicht werden d&uuml;rfen&ldquo;. Sulzberger erkl&auml;rte seinen Mitarbeitern, es sei in der &bdquo;letzten Woche ein erheblicher Zusammenbruch unserer Bearbeitungsprozesse zu verzeichnen; nicht der erste, den wir in den letzten Jahren erlebt haben&ldquo;.<\/p><p>&Uuml;bertr&auml;gt man nun Sulzbergers Selbstkritik auf die Bolivien-Berichterstattung, so st&ouml;&szlig;t man am 29. Oktober 2019, unmittelbar nach der Wahl in Bolivien, in der spanischsprachigen Ausgabe der NYT auf die Drohung: <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/es\/2019\/10\/29\/espanol\/opinion\/evo-morales-bolivia.html\">Evo, no m&aacute;s trucos<\/a>. W&ouml;rtlich &uuml;bersetzt: &bdquo;Evo, keine Tricks mehr!&ldquo;. Am darauffolgenden 11. November 2019 schob Bennet einen weiteren Leitartikel mit dem Titel nach: <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/11\/11\/opinion\/evo-morales-bolivia.html\">Evo Morales Is Gone. Bolivia&rsquo;s Problems Aren&rsquo;t<\/a> &ndash; &bdquo;Evo Morales ist weg. Boliviens Probleme sind es nicht.&ldquo; *<\/p><p>Darin hie&szlig; es: &bdquo;Wenn ein F&uuml;hrer die Macht und die Institutionen, die ihm von den W&auml;hlern zur Verf&uuml;gung gestellt werden, unversch&auml;mt missbraucht, wie es Pr&auml;sident Evo Morales in Bolivien getan hat, ist er es, der seine Legitimit&auml;t verliert und ihn oft zur einzigen verbleibenden Option zwingt. Das haben die Bolivianer getan&hellip; &ldquo;. Als &bdquo;einzige verbleibende Option&ldquo; und unbeschadet der Drohungen von Polizei, Milit&auml;r und faschistischen Milizen &ndash; geschweige denn der Frage nach der Rolle von CIA und State Dept. bei der Vorbereitung des Putsches &ndash; meinte die NYT Morales&lsquo; R&uuml;cktritt.<\/p><p>W&auml;hrenddessen war in der deutschen ARD-Tagesschau zu sehen, zu h&ouml;ren und zu lesen: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/bolivien-wahlmanipulation-101.html\">&bdquo;Bolivien: War die Wahl manipuliert?&ldquo;<\/a>. Die Hamburger Zeit schrieb, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/freitext\/evo-morales-bolivien-wahlbetrug-proteste-autokratie\">&bdquo;Evo Morales: Bolivien sagt Nein&ldquo;<\/a>, das ZDF alarmierte, <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/streit-um-wiederwahl-von-praesident-morales-in-bolivien-proteste-in-bogota-100.html\">&bdquo;Bolivien versinkt im Chaos&ldquo;<\/a>, die Deutsche Welle meldete, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/oas-gezielte-manipulation-der-pr%C3%A4sidentschaftswahl-in-bolivien\/a-51538906\">&bdquo;OAS: &bdquo;Gezielte Manipulation&ldquo; der Pr&auml;sidentschaftswahl in Bolivien&ldquo;<\/a>. Sodann &uuml;bernahm die Tagesschau eine verlogene und skandal&ouml;se Unterstellung der Putsch-Regierung und schrieb am 23. November: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bolivien-morales-117.html\">&bdquo;Boliviens Ex-Pr&auml;sident: Regierung wirft Morales Terror vor&ldquo;<\/a>. Doch nach der Ver&ouml;ffentlichung der kritischen CEPR- und MIT-Untersuchungen &uuml;ber das Vorgehen der OAS schien die konzertierte Berichterstattung pl&ouml;tzlich auch der Deutschen Welle zu verd&auml;chtig, die sich am 28. Februar offenbar selbst die Frage stellte: <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bolivien-vielleicht-doch-kein-wahlbetrug\/a-52578198\">&bdquo;Bolivien: Vielleicht doch kein Wahlbetrug&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Trotz der Kurskorrektur in der Washington Post und der NYT &ndash; &bdquo;keine Beweise f&uuml;r Wahlbetrug in Bolivien&rdquo; &ndash; herrscht seitdem Funkstille in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Anstalten Deutschlands.<\/p><p><strong>Die OAS-Manipulation: Was ist neu an der Untersuchung der Universit&auml;ten Pennsylvania und Tulane?<\/strong><\/p><p>Im November letzten Jahres wurden zwei internationale Studien &uuml;ber den OAS-Wahlbericht ver&ouml;ffentlicht. Zum einen die <a href=\"https:\/\/cepr.net\/images\/stories\/reports\/bolivia-elections-2019-11-spanish.pdf\">Untersuchung vom CEPR<\/a> und zum anderen ein <a href=\"http:\/\/www-personal.umich.edu\/~wmebane\/Bolivia2019.pdf\">Gutachten von Walter Mebane<\/a>, Professor f&uuml;r Politikwissenschaft und Statistik an der Universit&auml;t Michigan und internationaler Experte f&uuml;r Wahlbetrug. Mit unterschiedlichen methodischen Ans&auml;tzen gelangten beide zu &auml;hnlichen Ergebnissen.<\/p><p>Wie bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56333\">auf den NachDenkSeiten dargestellt<\/a>, begr&uuml;ndete die OAS-Wahlpr&uuml;ferkommission die Wahlanfechtung damit, dass in den vier gepr&uuml;ften Abschnitten (Technologie, Sorgfaltskette, Integrit&auml;t des Protokolls und statistische Prognosen) Unregelm&auml;&szlig;igkeiten festgestellt worden (seien), die von &bdquo;sehr schwerwiegend bis hin zu hinweisend reichen&ldquo;. Dies habe das technische Team dazu veranlasst, die Integrit&auml;t der Wahlergebnisse zu hinterfragen. Der Zwischenbericht best&auml;tigte Evo Morales&lsquo; Wahlsieg, verwies jedoch auf &bdquo;schwerwiegende Sicherheitsm&auml;ngel bei Computern&ldquo;, &bdquo;eine eindeutige Manipulation des Systems&rdquo; des Obersten Wahlgerichts (TREP), ferner auf offizielle Berechnungen sowie auf von Hand vorgenommene physische Aufzeichnungen mit &Auml;nderungen und &bdquo;gef&auml;lschten Signaturen&ldquo;.<\/p><p>Obwohl das Auditorenteam die verf&uuml;gbaren Informationen und die &uuml;ber 250 Beschwerden gegen die Wahl &bdquo;weiterhin verarbeiten werde, bevor es seine Empfehlungen im Abschlussbericht ausspricht&ldquo;, bezeichnete die OAS die vorl&auml;ufigen Ergebnisse (als) &bdquo;&uuml;berw&auml;ltigend&rdquo;. Als besonders beunruhigend bezeichnete die OAS-Mission eine Unterbrechung der elektronischen Stimmenausz&auml;hlung &hellip; und &bdquo;die drastische Ver&auml;nderung des vorl&auml;ufigen Ergebnistrends an den Wahlurnen (die Evo Morales zu sp&auml;ter Stunde einen 10-prozentigen Vorsprung zusicherte), die schwer zu rechtfertigen seien&ldquo;.<\/p><p>Der CEPR-Gegenbericht enth&uuml;llte wiederum, dass die OAS-Mission in Bolivien in technischer Hinsicht widerspr&uuml;chliche Erkl&auml;rungen abgegeben hat, die keineswegs einen Wahlbetrug belegen. Genauer: Dass offenbar darauf hingearbeitet wurde, die bolivianische Bev&ouml;lkerung und die internationale &Ouml;ffentlichkeit zur Annahme zu bewegen, die Wiederwahl von Evo Morales sei manipuliert worden. Das Washingtoner Institut verwies in seiner Studie auf ein entscheidendes, von der OAS bestrittenes Detail, n&auml;mlich die versp&auml;tete Ausz&auml;hlung der Stimmen einiger Wahlkreise im Landesinnern. Demzufolge eine solche Verz&ouml;gerung in mehreren L&auml;ndern der Welt &uuml;blich ist und sich aus den logistischen und technologischen Hindernissen im Hinterland erkl&auml;rt. Periphere und l&auml;ndliche Regionen Boliviens waren von der langsamen Stimmausz&auml;hlung am h&auml;rtesten betroffen, z&auml;hlten jedoch zum gr&ouml;&szlig;ten Teil zum W&auml;hlerstamm von Evo Morales und seiner Partei MAS.<\/p><p>Die CEPR-Studie behauptet ferner, dass Morales zum Zeitpunkt der Unterbrechung der Stimmausz&auml;hlung mit 83,85 Prozent der Stimmen bereits einen gro&szlig;en Vorsprung gegen&uuml;ber seinem Gegner Carlos Mesa erzielt hatte. Eine CEPR-Umfrage st&uuml;tzt sich dabei auf eine Projektion der Stimmen, die noch gez&auml;hlt werden mussten, und stellte fest, dass das Ergebnis mit dem Prozentanteil identisch war, den der gew&auml;hlte Pr&auml;sident erzielt hatte, als die Stimmen wieder gez&auml;hlt wurden. &bdquo;Die Ergebnisse dieser statistischen Projektion stimmen mit den offiziellen Ergebnissen der Wahlz&auml;hlung in Bolivien &uuml;berein (die Morales&lsquo; Sieg mit einem Vorsprung von 10,5 Prozentpunkten ausweist)&rdquo;, hei&szlig;t es in dem Gegenbericht zur OAS.<\/p><p>Mit einer <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3621475\">abweichenden Methode<\/a> best&auml;tigen vier Monate sp&auml;ter die Pennsylvania- und Tulane-Experten die Schlussfolgerungen des CEPR. &bdquo;Wir haben die statistischen Daten der OAS sorgf&auml;ltig gepr&uuml;ft und Probleme mit ihren Methoden festgestellt. Sobald wir diese Probleme korrigierten, &acute;verschwanden&acute; jedoch die OAS-Ergebnisse und hinterlassen keine statistischen Hinweise auf Betrug&ldquo;, erkl&auml;rte Francisco Rodr&iacute;guez, &Ouml;konom und Professor f&uuml;r Lateinamerika-Studien an der Tulane University, gegen&uuml;ber der NYT. Die beiden anderen Autoren der Untersuchung sind die Politikwissenschaftler Dorothy Kronick und Nicol&aacute;s Idrobo von der University of Pennsylvania.<\/p><p>Rodr&iacute;guez, Kronick und Idrobo legen allerdings Wert auf den Hinweis, dass sich ihre Analyse allein auf die statistische Analyse der Abstimmungsergebnisse durch die OAS konzentriert und &bdquo;nicht beweist, dass die Wahl frei und fair war&ldquo;. Tats&auml;chlich seien zahlreiche Probleme bei der Abstimmung dokumentiert worden, schreiben die Autoren der NYT-Reportage und zitieren zum zigsten Male den 100-seitigen OAS-Bericht mit Hinweisen auf Fehler, Unregelm&auml;&szlig;igkeiten und &bdquo;einer Reihe von b&ouml;swilligen Vorg&auml;ngen&rdquo;, die darauf abzielten, die Ergebnisse zu &auml;ndern. Dazu geh&ouml;ren versteckte Datenserver, manipulierte Abstimmungsergebnisse und gef&auml;lschte Unterschriften, die laut Angaben der Organisation die Validierung der Wahlergebnisse unm&ouml;glich machten; allerdings begrenzt auf &bdquo;mindestens 38.000 Stimmen&rdquo; in einem Gesamtuniversum mehrerer Millionen Stimmen.<\/p><p>Idrobo, Kronick und Rodr&iacute;guez stellten jedenfalls fest, dass die Wahlergebnisse die Glaubw&uuml;rdigkeit des Prozesses an sich &bdquo;nicht in Frage stellen&ldquo;. Nicht die Integrit&auml;t des Wahlprozesses sei bewertet worden, sondern nur die quantitativen Beweise, die &bdquo;eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der politischen Krise in Bolivien spielten&ldquo;. Bei der Pr&uuml;fung der Wahlen hatte die OAS erkl&auml;rt, sie habe einen &bdquo;h&ouml;chst unwahrscheinlichen Trend in den letzten 5 Prozent der Z&auml;hlung&rdquo; festgestellt, der Morales einen Sieg in der ersten Wahlrunde erm&ouml;glichte.<\/p><p>Dagegen kontern Idrobo, Kronick und Rodr&iacute;guez, dass die OAS-&bdquo;Ergebnisse&ldquo; mit den wahrscheinlich verwendeten Techniken nicht replizierbar seien. Eine pl&ouml;tzliche Trend&auml;nderung sei nur durch den Ausschluss von Ergebnissen aus manuell verarbeiteten und sp&auml;t berichtenden Wahlkabinen aufgetreten, erkl&auml;ren die Wissenschaftler. Was darauf hindeute, dass die OAS einen falschen Datensatz verwendet hat, um zu ihrer Schlussfolgerung zu gelangen. Mit einem erheblichen Unterschied: Die ausgeschlossenen, 1.500 versp&auml;teten Wahlkabinen stellen den Gro&szlig;teil der endg&uuml;ltigen Stimmen dar, die laut statistischer Analyse der OAS verd&auml;chtig waren.<\/p><p>&bdquo;Der Sturz von Morales ebnete den Weg f&uuml;r eine rechtsextreme provisorische Regierung unter der F&uuml;hrung von Jeanine &Aacute;&ntilde;ez Ch&aacute;vez, die ihr Mandat zur &Uuml;berwachung von Neuwahlen noch nicht erf&uuml;llt hat. Die neue Regierung hat Anh&auml;nger des ehemaligen Pr&auml;sidenten verfolgt, Dissens zum Schweigen gebracht und daran gearbeitet, ihre Machtkontrolle zu festigen. Sieben Monate nach Morales&lsquo; Sturz hat Bolivien weder eine gew&auml;hlte Regierung noch einen offiziellen Wahltermin&ldquo;, bedauern die NYT-Reporter Anatoly Kurmanaev und Maria Silvia Trigo. &Uuml;ber versch&uuml;ttete Milch zu jammern, macht wenig Sinn, hei&szlig;t es in einem brasilianischen Sprichwort. Noch vor wenigen Monaten schlug die NYT in die gleiche Anti-Morales-Kerbe von Donald Trump, Mike Pompeo und Marco Rubio.<\/p><p>The problem ist the &bdquo;standards&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: Matias Baglietto\/shutterstock.com<\/p><p>&nbsp;<\/p><p>* Korrektur 13.06.2020: Ungenaue &Uuml;bersetzung berichtigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knappe acht Monate nach der angefochtenen Pr&auml;sidentschaftswahl in Bolivien, aus der der amtierende Pr&auml;sident Evo Morales zum vierten Mal als Sieger hervorging, attestiert eine vierte wissenschaftlich-akribische <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3621475\">Untersuchung<\/a>, dass die angebliche Wahlf&auml;lschung vom Oktober 2019 in Bolivien nicht stattgefunden hat. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":61944,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,123,183,190],"tags":[1171,2186,2296,1507,2756,919,2761,663,603,451,1556,2121,1540,457],"class_list":["post-61943","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-wahlen","tag-asyl","tag-bolivien","tag-deutsche-welle","tag-morales-evo","tag-morddrohung","tag-nyt","tag-organisation-amerikanischer-staaten","tag-putsch","tag-ruecktritt","tag-tagesschau","tag-usa","tag-wahlfaelschung","tag-zdf","tag-zeit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_1619424793.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61943","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61943"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61943\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61956,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61943\/revisions\/61956"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/61944"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61943"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61943"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61943"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}