{"id":62,"date":"2004-02-10T14:53:41","date_gmt":"2004-02-10T12:53:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=62"},"modified":"2016-04-02T12:34:18","modified_gmt":"2016-04-02T10:34:18","slug":"strategie-debatte-in-der-spd-wie-schon-haufig-ist-der-weg-in-die-nachsten-niederlagen-mit-falschen-analysen-gepflastert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62","title":{"rendered":"Strategie-Debatte in der SPD &#8211; wie schon h\u00e4ufig ist der Weg in die n\u00e4chsten Niederlagen mit falschen Analysen gepflastert"},"content":{"rendered":"<p>Die Umfragen f&uuml;r die SPD sind schlecht, mit dem bisher erreichten Tiefpunkt von 24 Prozent W&auml;hlervotum auf Bundesebene so gravierend schlecht, dass viele schon die Hoffnung fahren lassen f&uuml;r die in diesem Jahr und 2005 anstehenden Wahlen, und letztlich auch f&uuml;r die kommende Bundestagswahl im Jahr 2006.<br>\n<!--more--><br>\nDie Umfragen f&uuml;r die SPD sind schlecht, mit dem bisher erreichten Tiefpunkt von 24 Prozent W&auml;hlervotum auf Bundesebene so gravierend schlecht, dass viele schon die Hoffnung fahren lassen f&uuml;r die in diesem Jahr und 2005 anstehenden Wahlen, und letztlich auch f&uuml;r die kommende Bundestagswahl im Jahr 2006.\t<\/p><p>In den Begr&uuml;ndungen f&uuml;r den personellen Wechsel im Parteivorsitz wie auch in der in letzter Zeit h&auml;rter gewordenen Debatte um den Ansehensverlust der SPD kommen immer die gleichen Argumente: Es stehe schlecht um das W&auml;hlervotum f&uuml;r die SPD,<\/p><ul>\n<li>weil die Reformen schlecht vermittelt worden seien &ndash; das soll der neue Parteivorsitzender M&uuml;ntefering vor allem in die SPD hinein besser leisten,<\/li>\n<li>weil die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger jetzt noch nicht sehen k&ouml;nnten, was Gutes aus den Reformen w&auml;chst,<\/li>\n<li>weil das Reformentempo zu schnell sei,<\/li>\n<li>weil durch immer neue Ank&uuml;ndigungen von Reformma&szlig;nahmen die Menschen verwirrt und verunsichert w&uuml;rden,<\/li>\n<li>weil das Tempo zu langsam sei, meinen wiederum andere,<\/li>\n<li>weil beim Reformieren so viele handwerkliche Fehler gemacht worden seien,<\/li>\n<li>weil die Reformen eine soziale Schieflage h&auml;tten, die kleinen Leute m&uuml;ssten k&uuml;nftig besser wegkommen bei den Reformen,<\/li>\n<li>weil die SPD nicht einig genug an einem Strang ziehe &ndash; auch dieses abgedroschene Argument taucht gelegentlich, wenn auch seltener, auf. Bei der Ank&uuml;ndigung des Stabwechsels am vergangenen Freitag schlug es wieder kr&auml;ftiger durch, obwohl die SPD wahrscheinlich eher noch mehr an Mitgliedern und Ansehen verloren h&auml;tte, wenn sie den Vorgaben der Agenda 2010 oder der Gesundheitsreform noch sprachloser gefolgt w&auml;re.<\/li>\n<\/ul><p>In allen diesen Erkl&auml;rungsversuchen f&uuml;r den Ansehensverlust und auch in den Begr&uuml;ndungen f&uuml;r den Verzicht auf den Parteivorsitz wird nicht die Frage gestellt, was die Reformen gemessen an den damit verbundenen Versprechungen und Erwartungen tats&auml;chlich gebracht haben, ob die Richtung &uuml;berhaupt stimmt und ob die Bundesregierung und die Koalition gut beraten sind, einen Reformkurs fortzusetzen, der bei weiteren allenfalls m&auml;&szlig;igen Erfolgen den Druck auf eine Erh&ouml;hung der Dosis verst&auml;rkt. Es wird beim personellen Wechsel an der Parteispitze auch nicht die Frage gestellt, ob die SPD gut beraten war und gut beraten ist, auch solche Reformen vorzuschlagen und meist mit der Bundesratsmehrheit der Union durchzusetzen, die den Weg zu einer &Auml;nderung unseres insgesamt bew&auml;hrten Modells, am Ende gar zu einem Systemwechsel, bereiten. In allen diesen Analysen wird, obwohl die Wirklichkeit eine ganz andere Sprache spricht, nicht daran gezweifelt, dass die eingeleiteten Reformen irgend einen nachhaltigen Effekt zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage unseres Landes und damit zum Abbau von Arbeitslosigkeit haben k&ouml;nnten.<\/p><p>Die Engstirnigkeit der Analysen und &uuml;brigens auch das Fehlen jeglicher selbstkritischen Debatte innerhalb der Meinungsf&uuml;hrer ist bedr&uuml;ckend. Schon die bisherigen Misserfolge von grundlegenden Reformen wie den vielen von Helmut Kohl begonnenen und Gerhard Schr&ouml;der weitergef&uuml;hrten Steuerreformen und Steuersenkungen, den Hartz-Gesetzen und der Riester-Rente m&uuml;ssten doch eigentlich zu denken geben. Bei so vielen entt&auml;uschten Erwartungen w&auml;re es doch an der Zeit, aufzuwachen und zu &uuml;berlegen, ob die Richtung stimmt. Es ist au&szlig;erordentlich bedauerlich, dass Gerhard Schr&ouml;der jetzt das Opfer des Verzichts auf den Parteivorsitz bringt, ohne damit das Signal f&uuml;r eine n&uuml;chterne Zwischenbilanz und f&uuml;r eine Korrektur der sich als erfolglos erwiesenen Konzepte zu setzen. Man kann jetzt schon prognostizieren, dass die SPD nach dem Wahlmarathon dieses Jahres noch schlechter und noch ratloser da steht.<\/p><p>Es gibt vier gute Gr&uuml;nde, die Richtung des Kurses zu &uuml;berdenken und zu &auml;ndern:<\/p><ol>\n<li><strong>Der Wirkungszusammenhang zwischen den Reformen und der dringend notwendigen wirtschaftlichen Belebung existiert offenbar nicht; er existiert allenfalls in den K&ouml;pfen der neoliberalen Einfl&uuml;sterer.<\/strong><br>\nSeit sp&auml;testens 1982 werden solche Reformen gemacht. Seitdem ist unsere Volkswirtschaft von steigender Arbeitslosigkeit, von Unterauslastung der volkswirtschaftlichen und betrieblichen Kapazit&auml;ten und von miserablen Wachstumsraten gepr&auml;gt. Von 1992 bis heute hat Deutschland im Durchschnitt eine Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts, also der G&uuml;ter und Dienste, die hier produziert werden, von gerade mal 1,24 Prozent erreicht. Das liegt weit unter der Produktivit&auml;t der arbeitenden Menschen und unserer Volkswirtschaft. Das ist vor allem die Folge einer verkorksten Geld- und Konjunkturpolitik. Warum in aller Welt sollten wir diesen fehlgeschlagenen angebots&ouml;konomischen und neoliberalen Kurs fortzusetzen? Der einzige Grund k&ouml;nnte sein, dass die &ouml;ffentlichen Meinungsmacher in Politik und Wirtschaft, im Beratungswesen und in der Publizistik diesem Denken verhaftet sind. Einen sachlichen Grund daf&uuml;r gibt es nicht. Die erkennbare Fehlorientierung der Meinungsf&uuml;hrungseliten unseres Landes ist ein gro&szlig;es Problem, das sei zugestanden. Aber darf man deshalb eine gescheiterte gesellschaftliche und wirtschaftliche Ideologie fortsetzen, und diese unserem Volk weiter zumuten?<\/li>\n<li><strong>Anders als die Meinungsf&uuml;hrer der Bundesrepublik Deutschland steht die Mehrheit unseres Volkes nach wie vor zu L&ouml;sungen der solidarischen, sozialen Sicherheit und zu sozialstaatlichen Regelungen.<\/strong><br>\nDie Mehrheit des Volkes misst dem Staat eine gro&szlig;e Bedeutung und Verantwortung f&uuml;r die eigene soziale Sicherheit zu. Vor allem die Mehrheit des SPD-Potentials denkt so. Sie sp&uuml;ren es an sich selbst: Nur die Reichen k&ouml;nnen sich einen armen Staat leisten. Das zeigen die Begr&uuml;ndungen f&uuml;r Austritte aus der SPD &ndash; von denen die Frankfurter Rundschau vergangene Woche eine Auswahl dokumentiert hat &ndash; genau so wie Umfragen, von den siebziger Jahren bis heute. Wenn nach der neuesten Infratest-Umfrage 82 Prozent der SPD Anh&auml;nger meinen, bei den Reformen seien die Interessen der kleinen Leute vernachl&auml;ssigt worden, dann zeigt auch dies eine deutliche Pr&auml;ferenz f&uuml;r eine soziale Politik. Auch die Gr&uuml;ndung der Initiative Neuer Sozialer Marktwirtschaft &uuml;brigens und ihr Versuch, die Meinung der Bev&ouml;lkerungsmehrheit umzudrehen, geht auf eine Umfrage mit &auml;hnlichem Befund zur&uuml;ck, auf eine Umfrage des Instituts f&uuml;r Demoskopie Allensbach von 1999. Nachzulesen in einer Brosch&uuml;re des Instituts der deutschen Wirtschaft von 2000. Die Mehrheit der potenziellen SPD-W&auml;hler und die Mehrheit des Volkes sch&auml;tzen sozialstaatliche Regelungen, sie betrachten die soziale Sicherheit und das soziale Netz als ihr &ldquo;Verm&ouml;gen&rdquo;, wie Sozialdemokraten dies fr&uuml;her einmal formuliert haben; die Mehrheit der Menschen sch&auml;tzt auch &ouml;ffentliche Leistungen &ndash; auch das konnte man in der Allensbach-Studie von 1999 nachlesen. Und dennoch wird in Zeiten einer SPD-Regierung das finanzielle Potenzial der Gemeinden zur Versorgung mit wichtigen &ouml;ffentlichen Leistungen extrem beschr&auml;nkt. Und trotz einer weit verbreiteten Wertsch&auml;tzung f&uuml;r solidarische L&ouml;sungen propagiert die von der SPD gef&uuml;hrte Bundesregierung mehr Eigenverantwortung (was ja wunderbar klingt) und &ndash; was gravierender ist &ndash; sie setzt auf private Vorsorge und gibt die bisherigen solidarischen L&ouml;sungen zur Vorsorge f&uuml;r die Risiken des Lebens dem Erosionsprozess preis. So wird es n&auml;mlich kommen, auch wenn viele das heute noch nicht erkennen und schon gar nicht wahrhaben wollen.<br>\nDer SPD nutzt es in diesem Zusammenhang nicht, dass sie darauf verweisen kann, dass die Union und die FDP diesen Erosionsprozess eingeleitet und gef&ouml;rdert haben, indem sie den Beitragszahlern tonnenweise versicherungsfremde Leistungen aufgeb&uuml;rdet haben und indem sie auf Kosten der Beitragszahler und der Steuerzahler fr&uuml;hverrentet haben, usw. Dieser Hinweis auf die massiven Fehler der Kohl-Regierung nutzt der Regierung Schr&ouml;der genau so wenig, wie die Drohung, dass Merkel, Stoiber oder Merz noch viel h&auml;rter zupacken w&uuml;rden &ndash; solange sie selbst den Kurs der Erosion sozialer Sicherung fortf&uuml;hrt. &ndash; Dies erkl&auml;rt zum Teil auch die sonderbare Entwicklung, dass das Umfrage-Votum f&uuml;r die Union so erstaunlich gro&szlig; ist, obwohl die W&auml;hler sich eigentlich daran erinnern m&uuml;ssten, dass das Elend mit Kanzler Kohl und der Union angefangen hat. Die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler haben keine Alternative. Das ist ihr Problem. In den letzten Jahren wuchs deshalb ihre Neigung, hin und her zu springen und W&auml;hler-Bindungen aufzugeben; das hohe Votum f&uuml;r die Union ist auch mit dieser Beliebigkeit zu erkl&auml;ren. Zu einem anderen Teil ist der gro&szlig;e proportionale(!) Stimmen-Anteil der Union einfach damit zu erkl&auml;ren, dass die potenziellen W&auml;hler der SPD kein Votum abgeben bzw. bei Wahlen zuhause bleiben. Sie glauben einfach nicht, dass der Sozialstaat wetterfest wird, wenn man nur ihren G&uuml;rtel enger schnallt und die hohen Einkommensbezieher sogar noch steuerlich entlastet, oder wenn man zum Beispiel die parit&auml;tische Finanzierung der Altersvorsorge und des Krankengelds zum Teil oder ganz aufhebt. Wenn diese W&auml;hler klug sind, dann w&auml;hlen sie nicht die Union oder die FDP, weil das noch schlimmer w&auml;re. Aber sie w&auml;hlen zur Zeit auch nicht die weniger schlimme Variante. Dass die Politik der SPD nicht mehr l&auml;ssig als das &ldquo;kleinere &Uuml;bel&rdquo; sondern als schlimm betrachtet wird, das ist das Problem der SPD und wird noch mehr zu ihrem Problem, wenn sie meint, das l&auml;ge nur an der Vermittlung und nicht an der politischen Linie.<\/li>\n<li><strong>Wenn die SPD-F&uuml;hrung diesen Kurs fortf&uuml;hrt, dann wird sie vermutlich nicht nur die Wahlen verlieren, sie wird den &uuml;bernehmenden CDU\/CSU\/FDP\/B&uuml;ndnisGr&uuml;nen-Regierungen ein Bett gemacht haben, indem diese sich so richtig suhlen k&ouml;nnen.<\/strong><br>\nWeniger drastisch kann man das nicht formulieren. Denn genauso problematisch wie der Wahlverlust m&uuml;sste f&uuml;r die jetzige Sozialdemokratie sein, dass sie in die Geschichte als eine Bewegung eingeht, die zwischen 1998 und 2006 den konservativen Kr&auml;ften nicht nur den Weg zur Macht bereitet hat, sondern ihnen auch Alibis geschaffen hat f&uuml;r eine Politik, nach deren Vollendung man die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr wiedererkennen wird.<br>\nAngesichts der Gefahren dieser Wegbereitung ist es schon erstaunlich, wenn man aus Kreisen der Sozialdemokratie Stimmen h&ouml;rt, die das Motto variieren: wenn wir schon die Wahlen verlieren, dann wollen wir vorher wenigstens noch alle Grausamkeiten begehen. Das ist sozialpsychologisch vielleicht zu verstehen, weil es eine Art innerer Entlastung von der Verantwortung f&uuml;r den falschen Weg bietet. Es ist dennoch unverantwortlich. Denn die sozialdemokratischen Nachfahren dieser Entwicklung werden nicht einmal mehr das Bundesverfassungsgericht anrufen k&ouml;nnen, um sich vor der dann beschleunigten Aush&ouml;hlung der sozialstaatlichen Ordnung, die uns das Grundgesetz versprochen hat, zu sch&uuml;tzen. Denn das Bundesverfassungsgericht, das lehrt die Vergangenheit, wird sich in einer solchen grunds&auml;tzlichen Frage nicht gegen den Zeitgeist stellen, wie er vermeintlich von einer Quasi-Allparteienkoalition der politischen Meinungs- und Entscheidungsf&uuml;hrer repr&auml;sentiert wird.<\/li>\n<li><strong>Wenn die SPD den jetzigen Kurs fortf&uuml;hrt, dann wird sie au&szlig;erdem den Gr&uuml;nen das Sprungbrett zimmern zum Sprung in schwarz-gr&uuml;ne Koalitionen.<\/strong><br>\nDer jetzige Kurs der SPD-F&uuml;hrung schw&auml;cht jene Gruppen und Personen in den Reihen der B&uuml;ndnisGr&uuml;nen, die schwarz-gr&uuml;ne Koalitionen nicht wollen. Was sollte die F&uuml;hrung der B&uuml;ndnisGr&uuml;nen aber schrecken, mit R&uuml;ttgers zu koalieren, wenn sich Steinbr&uuml;ck nicht erkennbar weniger neoliberal gibt; was sollte sie vom B&uuml;ndnis mit Angela Merkel oder Merz abhalten, wenn der Grundtenor der politischen Ansichten von Wolfgang Clement sich kaum davon unterscheidet? Die Anpassung an den Neoliberalismus ist so nicht nur die Ursache f&uuml;r den Niedergang der SPD bei ihren treuen Anh&auml;ngern und ihren potentiellen W&auml;hlern insgesamt, es ist auch die Br&uuml;cke f&uuml;r den Gang der Gr&uuml;nen zu den &ldquo;Schwarzen&rdquo;.<\/li>\n<\/ol><p>Gibt es noch Chancen, Wahlen zu gewinnen? Das ist schwer zu sagen. Jedenfalls ist es mit dem jetzigen Kurs sehr unwahrscheinlich. Daf&uuml;r w&auml;ren noch einige erg&auml;nzende Gr&uuml;nde zu nennen: zun&auml;chst die personellen, Gerhard Schr&ouml;der ist nicht mehr neu und nicht mehr so interessant wie vor sechs Jahren (daf&uuml;r kann er nichts), das Zusammenspiel mit den Journalisten, das 1998 den Wahlkampf pr&auml;gte und f&ouml;rderte, ist weitgehend dahin; Gerhard Schr&ouml;der ist nicht mehr so ausgepr&auml;gt der Medienkanzler, wie er es damals war. Bezeichnend daf&uuml;r ist die kampagnenartige Feindseligkeit der Bild-Zeitung. Die Konsequenz, die der Bundeskanzler und Noch-Vorsitzende aus der erkennbaren Medienbarriere ziehen m&uuml;sste, w&auml;re zu erkennen und zu akzeptieren, dass er andere braucht, z. B. engagierte Mitglieder und Sympathisanten der SPD. &Uuml;brigens: Die R&uuml;ckgabe des SPD-Vorsitzes k&ouml;nnte man so deuten, dass er das ganz anders sieht. Dann w&auml;re dieser Verzicht ein bedr&uuml;ckendes Signal.<\/p><p>Die SPD wird auch anders als 1998 und 2002 nicht mehr so leicht mit ein paar Leuchtmarken wie dem verbalen Beteuerungen eines arbeitnehmerfreundlichen Verhaltens und der kritischen Haltung zum Irakkrieg die Mehrheit ihrer potenziellen W&auml;hler und Multiplikatoren hinter sich bringen. Da ist sehr viel Erde verbrannt worden beim Versuch, sich beim neoliberalen Mainstream beliebt zu machen. Mit einer kleinen Korrektur, mit ein bisschen gerechteren Reformen und mit einem langsameren Tempo wird man diese Menschen und vor allem die so wichtigen Multiplikatoren nicht mehr gewinnen k&ouml;nnen.Dass einzige, was die SPD noch retten k&ouml;nnte, jedenfalls sie vor dem Totalverlust bewahren k&ouml;nnte, w&auml;re die Einsicht, einen Irrweg eingeschlagen zu haben, eine Art Mea Culpa der jetzigen F&uuml;hrung &ndash; unseretwegen nur das Bekenntnis, den falschen Beratern das Ohr geliehen zu haben &ndash; und eine Korrektur mit einem klaren Bekenntnis zur Renaissance des Sozialstaats und zur Renaissance einer effizienten Globalsteuerung. Dann m&uuml;sste man allerdings die ideologische und vor allem die sachliche Auseinandersetzung mit den Kr&uuml;cken des Neoliberalismus angriffslustig f&uuml;hren. Man m&uuml;sste auch die Auseinandersetzung mit der Mehrheit der inzwischen neoliberal gepr&auml;gten Medien wagen. Ein so gro&szlig;es Wagnis ist das nicht, weil sich die Mehrheit dieser Medien eh&rsquo; schon auf einen konservativen neoliberalen Kurs festgelegt hat und die SPD eh&rsquo; nur als den Mohr betrachtet, der seine Schuldigkeit getan hat.<br>\nDie sachliche Rechtfertigung einer solchen Korrektur liegt &uuml;berall herum. Die Misserfolge der neoliberalen Rezepte wurden schon genannt. Man muss dar&uuml;ber hinaus nur die B&uuml;cher und Essays der Autoren des Neoliberalismus, der Miegels, der Tietmeyers, der Henkels, der Sinns, der Metzgers, der Barings, der Kluges, McKinseys und der Bergers und wie sie alle hei&szlig;en, lesen. So viel d&uuml;nnes wart selten auf Papier gedruckt.<\/p><p>Die Ausgangslage f&uuml;r eine Kurskorrektur ist nicht schlecht. Aber wenn man einen Kurswechsel will und damit wieder Vertrauen gewinnen will, dann muss man sich sachkundig machen und k&auml;mpfen. Warum Gerhard Schr&ouml;der dies jetzt nicht getan hat, begreifen wir nicht. Schade, denn das w&auml;re doch eine richtig gute Herausforderung f&uuml;r einen K&auml;mpfer wie Gerhard Schr&ouml;der. Noch einmal r&uuml;tteln an den Gitterst&auml;ben der Macht. Diesmal von innen und um drinnen zu bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Umfragen f&uuml;r die SPD sind schlecht, mit dem bisher erreichten Tiefpunkt von 24 Prozent W&auml;hlervotum auf Bundesebene so gravierend schlecht, dass viele schon die Hoffnung fahren lassen f&uuml;r die in diesem Jahr und 2005 anstehenden Wahlen, und letztlich auch f&uuml;r die kommende Bundestagswahl im Jahr 2006.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[146,191,11,190],"tags":[251,1648,312,411],"class_list":["post-62","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziale-gerechtigkeit","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","category-wahlen","tag-muentefering-franz","tag-parteiaustritt","tag-reformpolitik","tag-schroeder-gerhard"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32673,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions\/32673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}