{"id":62056,"date":"2020-06-16T10:52:47","date_gmt":"2020-06-16T08:52:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62056"},"modified":"2020-07-03T10:13:45","modified_gmt":"2020-07-03T08:13:45","slug":"nord-stream-2-die-usa-drehen-weiter-an-der-sanktionsschraube-und-haben-nun-auch-deutschland-im-visier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62056","title":{"rendered":"Nord Stream 2 \u2013 Die USA drehen weiter an der Sanktionsschraube und haben nun auch Deutschland im Visier"},"content":{"rendered":"<p>Um die fast fertiggestellte Ostseepipeline Nord Stream 2 zu verhindern, leiten die USA nun die n&auml;chste Eskalationsstufe ein. Ein Gesetzesentwurf aus dem US-Senat soll die bestehenden Sanktionen deutlich erweitern &ndash; k&uuml;nftig drohen auch europ&auml;ischen Konzernen, die indirekt mit dem Bau und Betrieb der Pipeline in Zusammenhang stehen und sogar europ&auml;ischen und deutschen Beh&ouml;rden harte Sanktionen. Dies geht sogar der Bundesregierung zu weit. Doch au&szlig;er einer freundlich formulierten <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ostseepipeline-nord-stream-2-berlin-ruegt-amerika-16813559.html\">&bdquo;R&uuml;ge&ldquo;<\/a> ist bislang aus Berlin nichts zu vernehmen. Dabei w&auml;re es l&auml;ngst an der Zeit, sich zu wehren und den USA Grenzen aufzuzeigen. Das Ma&szlig; ist voll. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6320\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62056-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200616_Nord_Stream_2_Die_USA_drehen_weiter_an_der_Sanktionsschraube_und_haben_nun_auch_Deutschland_im_Visier_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200616_Nord_Stream_2_Die_USA_drehen_weiter_an_der_Sanktionsschraube_und_haben_nun_auch_Deutschland_im_Visier_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200616_Nord_Stream_2_Die_USA_drehen_weiter_an_der_Sanktionsschraube_und_haben_nun_auch_Deutschland_im_Visier_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200616_Nord_Stream_2_Die_USA_drehen_weiter_an_der_Sanktionsschraube_und_haben_nun_auch_Deutschland_im_Visier_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62056-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200616_Nord_Stream_2_Die_USA_drehen_weiter_an_der_Sanktionsschraube_und_haben_nun_auch_Deutschland_im_Visier_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200616_Nord_Stream_2_Die_USA_drehen_weiter_an_der_Sanktionsschraube_und_haben_nun_auch_Deutschland_im_Visier_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Urspr&uuml;nglich sollte die Ostseepipeline Nord Stream 2 bereits seit Beginn dieses Jahres russisches Erdgas in das europ&auml;ische Pipelinesystem liefern. Doch daraus wurde nichts. Am 31. Juli 2019 hatte der Au&szlig;enausschuss des US-Senats einen Gesetzesentwurf mit dem anma&szlig;enden Titel &raquo;Protecting Europe&rsquo;s Energy Security Act of 2019&laquo; angenommen. Der Entwurf des US-Senators Ted Cruz sieht vor, Unternehmen und Einzelpersonen, die sich am Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligen, auf die Sanktionsliste der USA zu setzen. Cruz hat es dabei vor allem auf die Firmen abgesehen, die Schiffe besitzen, die solche Unterwasserpipelines verlegen k&ouml;nnen. Davon g&auml;be es weltweit nur f&uuml;nf, so Cruz. Konkret betroffen durch die US-Sanktionen waren damals die Unternehmen Allseas Group mit Firmensitz in der Schweiz und das italienische Unternehmen Saipem. W&uuml;rden sich diese Unternehmen weiterhin am Bau der Pipeline bet&auml;tigen, drohten die USA mit so unsch&ouml;nen Dingen wie einem Ausschluss von Auftr&auml;gen f&uuml;r s&auml;mtliche Projekte, die direkt und indirekt unter die Jurisdiktion der USA fallen und einem Einfrieren s&auml;mtlicher Verm&ouml;genswerte weltweit. Mitarbeitern und Anteilseignern der betroffenen Unternehmen wurde mit einem Einreiseverbot und ebenfalls mit einem weltweiten Zugriff auf deren Konten und Verm&ouml;genswerte gedroht.<\/p><p>Wie kaum anders zu erwarten, stellten die von den Sanktionen bedrohten Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit dem Pipelinekonsortium daraufhin ein. Was folgte, war ein russischer Verzweiflungsakt der besonderen Sorte. In einer f&uuml;nfmonatigen Reise um die halbe Welt wurde der russische Rohrverleger &bdquo;Akademik Cherskiy&ldquo; vom Pazifikhafen Nakhodka in den Nord-Stream-Logistikhafen Mukran auf R&uuml;gen verlegt. Nur die &bdquo;Akademik Cherskiy&ldquo; verf&uuml;gt &uuml;ber das von den d&auml;nischen Beh&ouml;rden vorgeschriebene dynamische Ortungssystem. W&auml;hrend der &Uuml;berfahrt wechselte das Schiff zudem seinen Besitzer und geh&ouml;rt nun &bdquo;pro forma&ldquo; einem W&auml;rmekraft-Eigentumsfonds aus Samara, der wohl kein verletzliches Opfer der US-Sanktionen ist. Seit Anfang Mai liegt die &bdquo;Akademik Cherskiy&ldquo; nun auf R&uuml;gen und wird offenbar f&uuml;r den Einsatz in der Ostsee umger&uuml;stet. Im Juli beginnt die Laichzeit f&uuml;r den Kabeljau, so dass eine Fortsetzung der Arbeiten fr&uuml;hestens im September m&ouml;glich ist. Dies wollen die USA durch ihre neuen Sanktionen verhindern.<\/p><p>K&uuml;nftig sollen die Sanktionen des &raquo;Protecting Europe&rsquo;s Energy Security Act of 2019&laquo; auch Personen und Unternehmen betreffen, die Schiffe, die an der Ostseepipeline arbeiten, versichern oder sie in welcher Form auch immer &bdquo;unterst&uuml;tzen&ldquo;. Unter die Sanktionen fallen dann auch Unternehmen, die Zertifizierungen f&uuml;r die Pipeline unternehmen oder eine Mittlerrolle einnehmen. Dies <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/boerse\/kraft-sibiriens-neuer-schlag-gegen-putin-pipeline-bundesregierung-verstimmt-ueber-us-plaene_id_12077660.html\">betrifft<\/a> unter anderem die europ&auml;ischen Multis Uniper (E.on), Wintershall (BASF), die &ouml;sterreichische OMV, die britisch-niederl&auml;ndische Royal Dutch Shell und den franz&ouml;sischen Konzern Engie, die zusammen mit Gazprom an der Pipeline beteiligt sind. Welche Banken und Versicherungen betroffen sind, ist noch unbekannt. Laut internen deutschen Regierungsvermerken <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/nord-stream-ostseepipeline-russland-1.4934264\">betreffen die Sanktionen sogar<\/a> deutsche und europ&auml;ische Beh&ouml;rden. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die deutschen und d&auml;nischen Beamten, die bei der Zertifizierung der Pipeline eine Rolle spielen und den russischen Verlegeschiffen eine Genehmigung erteilen, laufen Gefahr, dass sie nicht mehr in die USA einreisen d&uuml;rfen und ihnen wom&ouml;glich gar von bestimmten Banken ihre Verm&ouml;genswerte eingefroren werden. <strong>Ging es bislang &ndash; zumindest in der &ouml;ffentlichen Debatte &ndash; um Sanktionen gegen Russland, stellt diese Ausweitung direkte Sanktionen gegen Deutschland und andere EU-Staaten dar.<\/strong><\/p><p>Dies <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ostseepipeline-nord-stream-2-berlin-ruegt-amerika-16813559.html\">sieht auch die Bundesregierung kritisch<\/a> &hellip; au&szlig;er verbalen Sorgenfalten ist aus Berlin jedoch nichts Konkretes zu vernehmen. Warum? Wenn die USA es sich anma&szlig;en, das Handeln der deutschen Regierung zu sanktionieren, ist dies &ndash; freundlich ausgedr&uuml;ckt &ndash; ein &bdquo;unfreundlicher Akt&ldquo;. Weniger diplomatisch k&ouml;nnte man sogar von einem Wirtschaftskrieg sprechen. Schlie&szlig;lich geht es den USA nur am Rande um Russland, geh&ouml;ren die US-Amerikaner <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51908\">doch selbst zu den besten Kunden<\/a> russischer Erd&ouml;lproduzenten. Es geht darum, aus Europa einen Absatzmarkt f&uuml;r die durch die Fracking-Technologie geschaffenen massiven &Uuml;berkapazit&auml;ten an US-Erdgas zu machen, das dann in verfl&uuml;ssigter Form als LNG exportiert werden soll.<\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51908\">Dumm, d&uuml;mmer, Deutschland &ndash; wir sanktionieren und die USA lachen sich ins F&auml;ustchen<\/a><\/em><\/p><p>Genau diese Strategie bietet auch die geeignete Plattform f&uuml;r eine diplomatische Antwort auf die neuen Sanktionen: <strong>Deutschland sollte Strafz&ouml;lle auf US-Gas verh&auml;ngen und seine Macht auf EU-Ebene daf&uuml;r einsetzen, diese Z&ouml;lle in der gesamten EU einzurichten.<\/strong> Was auf den ersten Blick drastisch klingt, ist durchaus g&auml;ngige Praxis. So hat die EU erst im April im Handelsstreit mit den USA <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/us-handelsstreit-eu-verhaengt-strafzoelle-auf-spielkarten-und-feuerzeuge-a-76f2aa04-075c-4f23-918b-9136c5027591\">Strafz&ouml;lle<\/a> auf Produkte wie Spielkarten, Feuerzeuge und Plastikabdeckungen f&uuml;r M&ouml;bel aus den USA verh&auml;ngt. Im vorangegangenen Handelsstreit <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2018-06\/handelsstreit-eu-zoelle-us-produkte\">betrafen<\/a> die EU-Strafz&ouml;lle Bourbon, Harleys und Erdnussbutter aus den USA. Warum nicht auf Erdgas? Offenbar muss man mit den USA in der einzigen Sprache sprechen, die sie verstehen. Und diplomatische Fu&szlig;noten werden in Washington ganz offensichtlich nicht verstanden.<\/p><p><em><strong>Anhang:<\/strong> Ein kurzer Auszug aus meinem Buch <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Wer-schuetzt-die-Welt-vor-den-Finanzkonzernen.html\">&bdquo;Wer sch&uuml;tzt die Welt vor den Finanzkonzernen&ldquo;<\/a>, der das Ausma&szlig; der US-Sanktionen illustriert:<\/em><\/p><p><strong>Die lange Liste der Sanktionen<\/strong><\/p><p>In der j&uuml;ngeren Vergangenheit gab es gleich mehrere F&auml;lle, in denen die US-Regierung von diesem Instrumentarium Gebrauch gemacht hat. Im September 2005 setzten die USA die Delta Asia Financial Group aus Macau auf ihre Sanktionsliste. Der Vorwurf: Die Bank habe im Auftrag Nordkoreas Geldw&auml;schegesch&auml;fte get&auml;tigt. 2007 erweiterten die USA die Sanktionen und verboten nun allen Banken, die in den USA zugelassen sind, Gesch&auml;fte mit der Delta Asia Financial Group zu t&auml;tigen. Das Pr&uuml;fungsunternehmen Ernst &amp; Young und die Finanzbeh&ouml;rden von Macau konnten die Vorw&uuml;rfe nicht best&auml;tigen (3). Dennoch steht die Bank bis heute auf der Sanktionsliste und kann daher keine internationalen Gesch&auml;fte in Fremdw&auml;hrungen t&auml;tigen.<\/p><ul>\n<li>Im Januar 2009 zahlte die britische Bank Lloyds in den USA 350 Millionen US-Dollar wegen Verst&ouml;&szlig;en gegen die US-Sanktionen gegen Iran und den Sudan.<\/li>\n<li>Im Dezember 2009 zahlte die Schweizer Credit Suisse in den USA 536 Millionen US-Dollar Strafe f&uuml;r Gesch&auml;fte mit dem Iran und anderen Staaten.<\/li>\n<li>Im Mai 2010 zahlte die Royal Bank of Scotland in den USA 500 Millionen US-Dollar Strafe f&uuml;r Gesch&auml;fte der &uuml;bernommenen niederl&auml;ndischen ABN Amro mit Iran, Libyen, dem Sudan, Kuba und anderen sanktionierten Staaten.<\/li>\n<li>Im Dezember 2010 zwang die US-Regierung die Zahlungsdienstleister PayPal, Visa und Mastercard keine Spenden an Wikileaks entgegenzunehmen (4). Hintergrund war die als &raquo;Cablegate&laquo; bekannte Ver&ouml;ffentlichung einer Viertelmillion diplomatischer US-Berichte.<\/li>\n<li>Im Juni 2012 zahlte der niederl&auml;ndische Finanzkonzern ING in den USA 619 Millionen US-Dollar wegen Gesch&auml;ften mit Iran und Kuba.<\/li>\n<li>Im November 2013 zahlte die Deutsche B&ouml;rse AG 152 Millionen US-Dollar, weil ihre Tochter Clearstream bei Wertpapier&uuml;bertragungen eingefrorenes Geld illegalerweise in den Iran &uuml;berwiesen haben soll.<\/li>\n<li>Im April 2014 verh&auml;ngten die USA Sanktionen gegen 17 russische Banken und Energiekonzerne. Die Sanktionen sahen auch ein Einfrieren der Verm&ouml;gen dieser Unternehmen in den USA vor (5). Im Juli wurden die Sanktionen auf vier weitere Unternehmen ausgeweitet.<\/li>\n<li>Im September 2014 weiteten die USA ihre Sanktionen abermals aus und koppelten nun auch die gr&ouml;&szlig;te Bank Russlands (Sberbank) und den Mischkonzern Rostec vom internationalen Finanzmarkt ab, indem sie Banken, die in den USA zugelassen sind, jedwede Gesch&auml;fte mit diesen beiden Unternehmen untersagten. Ferner untersagte man US-Unternehmen den Verkauf von G&uuml;tern und Dienstleistungen an die Energiekonzerne Gazprom, Gazprom Neft, Lukoil, Surgutneftegas und Rosneft (6).<\/li>\n<li>Im Dezember 2014 verh&auml;ngten die USA ein umfassendes Embargo gegen die Krim. Jedes Unternehmen aus jedem Land der Welt, das in welcher Form auch immer auf der Krim oder mit Unternehmen, die auf der Krim t&auml;tig sind, Gesch&auml;fte macht, macht sich gem&auml;&szlig; der Sanktionsanordnungen in den USA strafbar (7).<\/li>\n<li>Am 10. M&auml;rz 2015 setzte das US-Finanzministerium die Banca Privada d&rsquo;Andorra aus dem gleichnamigen Zwergstaat aus den Pyren&auml;en auf eine Sanktionsliste, die es s&auml;mtlichen Banken, die in den USA zugelassen sind, verbietet, mit der BPA Gesch&auml;fte zu machen. Begr&uuml;ndet wurde dies mit dem Verdacht der Geldw&auml;sche mit &raquo;kriminellen Gruppen in Russland, Venezuela und China&laquo;. Die Bank &uuml;berlebte den Todeskuss nicht (8) und wurde sp&auml;ter von der US-Finanzheuschrecke J.C. Flowers &#64257;letiert (9).<\/li>\n<li>Im Oktober 2015 willigte die franz&ouml;sische Bank BNP Paribas ein, in den USA 8,9 Milliarden US-Dollar Strafe zu zahlen. Zus&auml;tzlich wurde der BNP Paribas f&uuml;r ein Jahr lang untersagt, bestimmte Gesch&auml;fte in US-Dollar abzuwickeln (10). Die USA warfen BNP Paribas vor, gegen die US-Sanktionen gegen Sudan, Kuba und Iran versto&szlig;en zu haben; Sanktionen, die von der EU nicht verabschiedet wurden. Auch die deutsche Commerzbank (1,45 Milliarden US-Dollar (11) ), die Deutsche Bank (258 Millionen US-Dollar (12) ), die Schweizer UBS (780 Millionen US-Dollar (13) ), die franz&ouml;sischen Banken Credit Argicole (787 Millionen US-Dollar (14) ) und Societe Generale (1,4 Milliarden US-Dollar (15) ) sowie die italienische UniCredit (1,3 Milliarden US-Dollar (6 )) mussten ebenfalls emp&#64257;ndliche Geldstrafen zahlen.<\/li>\n<li>Im April 2018 verh&auml;ngten die USA Sanktionen gegen sieben russische Oligarchen und zw&ouml;lf mit ihnen verbundene Unternehmen. Die Begr&uuml;ndung: &raquo;B&ouml;sartige Aktivit&auml;ten rund um den Globus&laquo;. Die US-Verm&ouml;gen der Sanktionierten wurden eingefroren, US-Finanzinstituten die Kooperation untersagt.<\/li>\n<li>Am 9. November 2018 veranlassten die USA das internationale Clearingsystem SWIFT, iranische Banken auszuschlie&szlig;en. &Uuml;ber SWIFT werden global grenz&uuml;berschreitende Bank&uuml;berweisungen get&auml;tigt. 11 000 Banken und in &uuml;ber 200 L&auml;ndern sind an das System angeschlossen. Durch die Sanktion wurde die komplette iranische Volkswirtschaft effektiv vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Besonders pikant: SWIFT sitzt in Br&uuml;ssel und untersteht der EU-Jurisdiktion. Die EU unterst&uuml;tzt die Iran-Sanktionen der USA jedoch ausdr&uuml;cklich nicht.<\/li>\n<li>Im Dezember 2018 nahmen die kanadischen Beh&ouml;rden die Huawei-Managerin Meng Wanzhou auf Ersuchen der USA fest (17). Der Vorwurf: Huawei habe gegen die US-Sanktionen gegen Iran versto&szlig;en. China hatte nie Sanktionen gegen Iran verh&auml;ngt. Das Auslieferungsverfahren wird sich Presseangaben zufolge wohl bis Oktober 2020 hinziehen (18).<\/li>\n<li>Im Januar 2019 verh&auml;ngten die USA Sanktionen gegen die venezolanische &Ouml;lindustrie, die es US-Unternehmen untersagten, mit dem venezolanischen &Ouml;lsektor Gesch&auml;fte zu machen. Daraufhin brach der Aussto&szlig; der amerikanischen Raf&#64257;nerien um 40 Prozent ein (19).<\/li>\n<li>Am 9. April 2019 stimmt die britische Gro&szlig;bank Standard Chartered einer Zahlung von insgesamt rund 1,1 Milliarden US-Dollar zu, um Ermittlungen wegen angeblicher Verst&ouml;&szlig;e gegen die US-Iran-Sanktionen beizulegen.<\/li>\n<li>Im August 2019 verh&auml;ngten die USA Sanktionen, die es s&auml;mtlichen in den USA zugelassenen Banken unter Strafandrohung untersagen, in welcher Form auch immer Gesch&auml;fte mit Anleihen des russischen Staates oder russischer Staatsunternehmen zu t&auml;tigen (20). Am 25. Oktober 2019 warnten die US-Beh&ouml;rden europ&auml;ische Finanzinstitute, Gesch&auml;fte mit Iran zu t&auml;tigen. &raquo;Wenn Sie eine Bank, ein Investor, ein Versicherer oder ein anderes Unternehmen in Europa sind, sollten Sie wissen, dass es eine sehr schlechte Gesch&auml;ftsentscheidung ist, sich an &hellip; [Instex] zu beteiligen.&laquo; Instex ist die Clearingstelle, die die EU eingerichtet hat, um den US-Boykott Irans &uuml;ber das Clearingsystem SWIFT zu umgehen.<\/li>\n<\/ul><p>Die Beispiele zeigen sowohl das Ausma&szlig; als auch die stetige Ausweitung der verwendeten Sanktionierungsinstrumente, die vor allem Banken und Unternehmen aus Europa treffen, obgleich sie nicht gegen europ&auml;ische, sondern gegen US-amerikanisches Recht versto&szlig;en haben sollen. V&ouml;lkerrechtlich ist die Ausweitung eigener Sanktionen auf Drittstaaten und Unternehmen aus Drittstaaten &uuml;brigens ganz klar untersagt. Diese Sanktionspraxis bedeutet nichts anderes als eine &raquo;Lex Americana&laquo;, ein Anspruch des US-Pr&auml;sidenten, Gesetze und Verordnungen zu erlassen, an die sich die gesamte Welt zu halten hat.<\/p><p>Die USA mischen sich unter Gewaltandrohung (Wirtschaftssanktionen sind ein Akt der Gewalt) in die Politik von Drittl&auml;ndern ein, die mit den politischen Problemen zwischen den USA und Iran gar nichts zu tun haben. Dies stellt eine massive Verletzung der Charta der Vereinten Nationen dar. Art. 2 Ziff. 7 der Charta untersagt es Staaten, in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzugreifen. Und dazu geh&ouml;ren auch die Regelung der eigenen Handelspolitik und die Ausgestaltung der Au&szlig;enpolitik. V&ouml;lkerrechtswidrig ist die Intervention, wenn ein N&ouml;tigungselement hinzutritt, was hier ganz klar der Fall ist.<\/p><p>Ferner versto&szlig;en die Sanktionen und genau so die Sanktionsdrohungen an Drittl&auml;nder direkt und indirekt gegen das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT der Welthandelsorganisation WTO. Der gerade von den USA immer wieder f&uuml;r eigene Zwecke instrumentalisierte &raquo;Freihandel&laquo; l&auml;sst sich selbstverst&auml;ndlich nicht mit dem Anspruch der USA vereinbaren, Drittl&auml;ndern ohne einen WTO-Beschluss Handelsverbote mit einem anderen Staat aufzuerlegen. Sogar der Internationale Gerichtshof forderte die USA in einem einstimmigen Urteil auf, diese Sanktionspraxis einzustellen (21). Was taten die USA? Sie k&uuml;ndigten ganz einfach einseitig die beiden Vertragswerke, auf deren Basis der Internationale Gerichtshof sein Urteil begr&uuml;ndete. Die imperiale Ignoranz der USA kennt weder Grenzen noch internationale Gesetze.<\/p><p>Wie Norbert H&auml;ring in seinem Buch&nbsp;Sch&ouml;nes Neues Geld&nbsp;berichtet (22), hat das US-Thinktank Center for a New American Security (CNAS) Finanzsanktionen bereits als &raquo;die neuen Werkzeuge des Wirtschaftskriegs&laquo; bezeichnet. Die Gr&ouml;&szlig;e, Liquidit&auml;t und Integrit&auml;t des US-Finanzsystems seien demnach wichtige strategische St&auml;rken der USA. Ein Lizenzentzug f&uuml;r das US-Gesch&auml;ft und Transaktionen in US-Dollar kommt international t&auml;tigen Banken einem Ruin gleich. Das macht sie erpressbar. Und was f&uuml;r Banken gilt, gilt unisono f&uuml;r international operierende Konzerne aus der Realwirtschaft. W&uuml;rde beispielsweise Siemens durch US-Sanktionen vom internationalen Finanzmarkt abgeschnitten werden, k&ouml;nnte das Unternehmen keine Anleihen mehr aufnehmen, seine Gesch&auml;fte nicht vor&#64257;nanzieren und keine Zahlungen von oder an seine internationalen Gesch&auml;ftspartner mehr vornehmen. Dies w&auml;re der Todeskuss.<\/p><p>Hinzu kommt, dass die USA ihre Sanktionen immer h&auml;u&#64257;ger im Eigeninteresse und gegen die Interessen anderer, verb&uuml;ndeter Staaten verh&auml;ngen und anwenden. So gingen die europ&auml;ischen Exporte nach Russland im ersten Jahr nach den verh&auml;ngten Sanktionen um zehn Prozent und die deutschen Exporte sogar um 18 Prozent (23) zur&uuml;ck. Die USA konnten hingegen sogar eine Steigerung des Handelsvolumens mit Russland um sechs Prozent vermelden. Mittlerweile geh&ouml;ren die USA zu den zehn gr&ouml;&szlig;ten Handelspartnern Russlands (24) . Summa summarum schulterten die USA laut einer Untersuchung des IfW 0,6 Prozent des R&uuml;ckgangs des Handelsvolumens, w&auml;hrend Deutschlands Wirtschaft stolze 40 Prozent zu verkraften hatte (25) . Noch drastischer ist die Schie&#64258;age bei den Sanktionen gegen Iran. Nach dem Atomabkommen von 2015 und dem Ende der Sanktionen hatte sich das Handelsvolumen zwischen Iran und der EU wieder von 7,7 Milliarden Euro auf 21 Milliarden Euro fast verdreifacht. Das Handelsvolumen zwischen Iran und den USA betr&auml;gt 180 Millionen Euro &ndash; also weniger als ein Prozent des iranisch-europ&auml;ischen Wertes.<\/p><p>Durchschaubar ist auch das Interesse der USA an den Sanktionen gegen das Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Die USA haben dank des Frackingbooms massive &Uuml;berkapazit&auml;ten an Erdgas, das sie liebend gerne in ver&#64258;&uuml;ssigter Form in Tankern nach Europa verschiffen w&uuml;rden. Eine weitere Pipeline, die billiges Erdgas aus Russland liefert, ist da nat&uuml;rlich hinderlich. Es geht den USA dabei auch keinesfalls nur um die Liefermengen an sich. Durch das &Uuml;berangebot sind die Preise f&uuml;r Erdgas in den USA f&ouml;rmlich kollabiert. Ein gesteigerter Gasexport w&uuml;rde das &Uuml;berangebot vom Markt nehmen und die Preise wieder anheben. Schlecht f&uuml;r die Verbraucher in den USA und Europa, gut f&uuml;r die Fracker, die nebenbei auch zu den eifrigsten Spendern f&uuml;r Donald Trumps Wahlkampf geh&ouml;ren, und f&uuml;r die Wall Street, die die Fracker mit teils wagehalsigen Fremdkapitalinstrumenten &#64257;nanziert.<\/p><p>Titelbild: NickEyes\/shutterstock.com<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/27f45cade2b94fee894e64efb8ae8377\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die fast fertiggestellte Ostseepipeline Nord Stream 2 zu verhindern, leiten die USA nun die n&auml;chste Eskalationsstufe ein. Ein Gesetzesentwurf aus dem US-Senat soll die bestehenden Sanktionen deutlich erweitern &ndash; k&uuml;nftig drohen auch europ&auml;ischen Konzernen, die indirekt mit dem Bau und Betrieb der Pipeline in Zusammenhang stehen und sogar europ&auml;ischen und deutschen Beh&ouml;rden harte Sanktionen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62056\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":62057,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,169,107,126,178,30],"tags":[1859,877,878,2575,951,2608,259,2908,1556,1703,1019],"class_list":["post-62056","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-ressourcen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-cruz-ted","tag-erdgas","tag-fracking","tag-handelskrieg","tag-iran","tag-nord-stream","tag-russland","tag-strafzoelle","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_783759088.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62056"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62082,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62056\/revisions\/62082"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}