{"id":621,"date":"2005-07-06T08:33:59","date_gmt":"2005-07-06T06:33:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=621"},"modified":"2016-03-13T08:44:18","modified_gmt":"2016-03-13T07:44:18","slug":"wehe-dem-der-sich-gegen-die-legendenbildung-stellt-der-neoliberale-mainstream-verliert-die-kontenance-und-holzt-gegen-oskar-lafontaine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=621","title":{"rendered":"Wehe dem, der sich gegen die Legendenbildung stellt! Der neoliberale Mainstream verliert die Kontenance und holzt gegen Oskar Lafontaine"},"content":{"rendered":"<p>Wie und was Oskar Lafontaine politisch denkt, kann man in drei B&uuml;chern und in unz&auml;hligen Interviews nachlesen. Eine kritische Auseinandersetzung dar&uuml;ber fand bisher nicht statt. Jetzt, wo er sich politisch wieder &bdquo;in den Ring&ldquo; begibt, geht die &uuml;bliche Keilerei los. Politiker und Kommentatoren k&ouml;nnen sich wieder ihrer Lieblingsbesch&auml;ftigung widmen, den politischen Gegner pers&ouml;nlich niederzumachen.<br>\nStatt pers&ouml;nlicher Verunglimpfungen halten wir es mit der kritischen Auseinandersetzung mit Personen und der von ihnen vertretenen politischen Inhalte. Deshalb haben wir am 30.6.05 auf das Interview Lafontaines mit der taz hingewiesen. Dazu noch einige pers&ouml;nliche Anmerkungen.<br>\n<!--more--><br>\nUm zwei aktuelle Vorw&uuml;rfe gegen Oskar Lafontaine vorab anzusprechen:<br>\nDas Wort &bdquo;Fremdarbeiter&ldquo; ist mir fremd. Ich halte es nicht schon deshalb f&uuml;r korrumpiert, weil es auch die Nazis (&uuml;brigens in einem ganz anderen Zusammenhang) gebrauchten. Nein, ich erinnere mich noch ganz gut, dass in den 60er und 70er Jahren, als das politisch korrekte Wort &bdquo;Gastarbeiter&ldquo; noch nicht etabliert war, damals noch links-liberale Medien wie der Spiegel oder Politiker aller Parteien diesen Begriff anstandslos benutzten. F&uuml;r mich hat das Wort &bdquo;fremd&ldquo; ganz einfach eine negative abgrenzende, trennende Bedeutung, es hat nicht den Anklang, den Anderen, sei er aus dem Ausland oder aus einer anderen Kultur, als gleichwertig zu akzeptieren. Und wer, wenn nicht gerade Arbeiter, teilen &ndash; egal woher sie kommen &ndash; &uuml;berall das gleiche Los, n&auml;mlich das Los, als &bdquo;Faktor Arbeit&ldquo; eingesetzt zu werden und dessen Faktorkosten m&ouml;glichst niedrig zu liegen haben. <\/p><p>Auch Folter ist f&uuml;r mich ein Tabu. Mir sind aus der Geschichte zu viele h&ouml;chstrangige Rechtfertigungsgr&uuml;nde bekannt, die Gewaltandrohung zur Erzwingung eines Gest&auml;ndnisses oder auch nur Wohlverhaltens als verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig erscheinen lie&szlig;en. Und da sehe ich in einer Zeit, wo der &bdquo;Terrorismus&ldquo; als Rechtfertigung f&uuml;r den Bruch von V&ouml;lkerrecht und f&uuml;r die Verletzung von Menschenrechten &ndash; wie etwa in Guantanamo &ndash; herangezogen wird, keine rosigeren Zukunftsaussichten f&uuml;r eine Lockerung des Folter-Tabus. Nicht verschwiegen werden darf aber auch, dass es im Fall des Polizeipr&auml;sidenten Daschner viele durchaus angesehene Demokraten gab und gibt, die hier eine &auml;hnliche Position wie Lafontaine bezogen haben. <\/p><p>W&auml;ren das Wort &bdquo;Fremdarbeiter&ldquo; und die &Auml;u&szlig;erungen zur &bdquo;Folter&ldquo; typisch oder gar vorherrschend f&uuml;r Lafontaines politische Haltung, k&ouml;nnte man die Zuspitzungen und Diffamierungen verstehen, die jetzt t&auml;glich von Politikern von SPD\/Gr&uuml;ne\/CDU\/CSU\/FDP und von unseren sog. meinungspr&auml;genden Medien nahezu fl&auml;chendeckend abgelassen werden. Lafontaine wird als &bdquo;Linkspopulist&ldquo;, der am rechten Rand wildert, abgestempelt, er habe das Kost&uuml;m eines roten Panthers mit braunen P&uuml;nktchen &uuml;bergestreift&ldquo;. Ja sogar als &bdquo;Oskar Haider&ldquo; (J&ouml;rg Lau) wird er beschimpft. Er sei r&uuml;ckw&auml;rtsgewandt, betreibe &bdquo;Retropolitik&ldquo;. Ihn treibe &bdquo;Gier nach Gr&ouml;&szlig;e&ldquo;, dabei sei er aber abgestiegen vom einstmaligen Vorsitzenden einer stolzen Volkspartei &bdquo;zum Lautsprecher einer chaotischen Bewegung&ldquo;. Er mache sich als &bdquo;Lebemann&ldquo;, der in einem gro&szlig;en Haus lebt, gerne gut isst und dem Wein zuspricht und der viel Geld hat, zum &bdquo;Volksanwalt&ldquo; oder zum Rattenf&auml;nger &bdquo;derer, die am Rande der Wohlstandsgesellschaft stehen&ldquo;. Er sei herabgesunken zum Anf&uuml;hrer von &bdquo;&Uuml;briggebliebenen aus verblassten Bewegungen, Radikal&ouml;kologen, Neo-Marxisten, Trotzkisten und verbiesterten Sozialdemokraten von ehedem&ldquo;, denen er mit einer &bdquo;radikalisierten Sprache des Hasses&ldquo; ihren &bdquo;Hass hervorkitzelt&ldquo;. (Fast alle diese Zitate entstammen dem aktuellen SPIEGEL 27\/2005). Kurz: Oskar kommt kurz vor dem &bdquo;Leibhaftigen&ldquo;.<br>\nJeder der im etablierten Politik- und Medienbetrieb etwas auf sich h&auml;lt, darf offenbar oder muss jetzt diffamieren bis hin zur pers&ouml;nlichen Beleidigung. Kaum einer seiner Kritiker macht sich die M&uuml;he, sich mit seinen auf Hunderten von Seiten ausf&uuml;hrliche dargestellten und in Tausenden von Interviews verbreiteten sonstigen Positionen, seinem Politikstil, seinen St&auml;rken und Schw&auml;chen auseinander zu setzen. <\/p><p>Das will ich hier in einigen Aspekten versuchen, als jemand, der in Lafontaine einen Hoffnungstr&auml;ger in der SPD sah, und als einer, der es bis heute zwar nachvollziehen aber nicht akzeptieren will, dass &bdquo;Oskar&ldquo; in seiner einflussreichen Rolle den politischen Kampf gegen die Schr&ouml;der-Hombach-Intrigen aufgab &ndash; wohl wissend, dass damals eine Diffamierungskampagne gegen ihn inszeniert worden ist, der gegen&uuml;ber die derzeitigen Attacken nur harmlose Possenspiele sind.<br>\nLafontaines Weggang hat in der Sozialdemokratie eine politische L&uuml;cke hinterlassen, die von anderen nicht zu schlie&szlig;en war. Durch diese offene Flanke konnte Schr&ouml;der mit seinen &bdquo;Agenda-Truppen&ldquo; durchmarschieren, ohne auf geordneten politischen Widerstand zu sto&szlig;en. (Anmerkung von Albrecht M&uuml;ller: Das w&auml;re mit Hilfe der medialen Meinungsf&uuml;hrer auch geschehen, wenn Lafontaine z.B. Parteivorsitzender geblieben w&auml;re. Die Kampagne gegen diese Trennung w&auml;re gelaufen wie damals bei Brandt und Schmidt, nur noch h&auml;rter, weil man sich darauf berufen h&auml;tte, dass Schmidt das sp&auml;ter als Fehler angesehen hat.) Der einzige, jedoch fundamentale Irrtum, dem die damaligen &bdquo;New-Labour-Sozialdemokraten&ldquo; um den Spin-Doctor Hombach unterlagen, war der, dass sie wohl geglaubt haben, wenn Oskar erst weggemobbt ist, dann w&uuml;rden sich auch die Menschen und das hei&szlig;t eben auch die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler, die ihre Hoffnung auf den Lafontaine-Fl&uuml;gel in der SPD setzten, irgendwohin verlaufen oder am besten ganz von der politischen Bildfl&auml;che verschwinden. <\/p><p>F&uuml;r mich ist Oskar Lafontaine kein sozialistischer Theoretiker, sondern ein mit allen Wassern gewaschener sozialdemokratischer Machtpolitiker mit autorit&auml;ren bis hin zu despotischen Z&uuml;gen. Er kennt alle Tricks der &ouml;ffentlichen Debatte bis hin zum populistischen Werben um Zustimmung und dem Verlangen nach absoluter Gefolgschaft &ndash; jedenfalls von seinen Gefolgsleuten. Ich habe miterlebt, wie er 1996 auf dem Mannheimer Parteitag der SPD mit skrupelloser Virtuosit&auml;t seine mitrei&szlig;enden rhetorischen F&auml;higkeiten einzusetzen wusste, um Rudolf Scharping gerade zu weg zu putschen. Er wei&szlig; z.B. dass man in der heutigen Mediengesellschaft weniger &uuml;ber Themen kommunizieren kann, sondern dass man &bdquo;personalisieren&ldquo; muss, wenn man &bdquo;durchdringen&ldquo; will. Den Vorwurf des &bdquo;Linkspopulismus&ldquo; kontert er damit, dass sich Schr&ouml;der unter Preisgabe sozialdemokratischer Prinzipien und mit dem Bruch von Wahlversprechen sozusagen &uuml;ber Nacht der Ideologie des &bdquo;Neoliberalismus&ldquo; angedient habe. Auf den Vorhalt, seine Politik sei &bdquo;r&uuml;ckw&auml;rtsgewandt&ldquo; antwortet er: &bdquo;Wer betet denn mit Lohn-, Renten- und Sozialk&uuml;rzungen die neoliberale Lehre des 19. Jahrhunderts herunter?&ldquo;<br>\nEr &uuml;bt nicht zuerst eine strukturelle Kapitalismuskritik, sein politisches Feld ist vor allem die Verteilungsfrage. So prangert er die Selbstbereicherung der Manager an und beklagt pathetisch die gleichzeitige Verarmung breiter Bev&ouml;lkerungskreise. Ganz typisch f&uuml;r ihn ist seine Antwort in dem genannten taz-Interview auf die Frage, was er als &bdquo;links&ldquo; verstehe, n&auml;mlich eintreten &bdquo;f&uuml;r Arbeitnehmer, f&uuml;r Rentner und Arbeitslose&ldquo;.<br>\nLafontaines Kritik an politischen Inhalten ist, seiner pers&ouml;nlichen Eitelkeit entspringend, meist auch verbunden mit einer Kritik an der Unzul&auml;nglichkeit oder Mittelm&auml;&szlig;igkeit der &bdquo;politischen Eliten&ldquo;. Gerhard Schr&ouml;der, den er als den Urheber der damaligen politischen Intrigen gegen ihn betrachtet und die ihn wohl mindestens so tief getroffen haben, wie einst das Messer-Attentat, das auf ihn ausge&uuml;bt worden ist, h&auml;lt er geradezu f&uuml;r charakterlos und als einen sich bei den &bdquo;Bossen&ldquo; liebedienerisch einschmeichelnden Aufsteiger. <\/p><p>Lafontaines Hauptgegner ist der &bdquo;Neoliberalismus&ldquo;. Dabei gibt er sich nicht mit der theoretischen Kritik an dieser &ouml;konomischen Glaubensrichtung ab, ihm reicht es die Auswirkungen der &bdquo;neoliberalen&ldquo; Politik zu benennen: Die Reichen werden reicher, die Armen werden &auml;rmer, dem Staat wird durch Steuersenkungen seine Handlungsf&auml;higkeit genommen, gespart wird einseitig bei den sozial Schw&auml;cheren. Man k&ouml;nnte noch viele Beispiele dieser Art anf&uuml;gen, Lafontaine hat die F&auml;higkeit, seine Kritik meistens ganz konkret zu machen. Und jeder, der das als Vereinfachung beschimpft, soll sich mal bei Sabine Christiansen hinsetzen und mit seinen differenzierten Argumenten versuchen, gegen den dort versammelten Mainstream aller Schattierungen besser anzuk&auml;mpfen. <\/p><p>Sein moralischer Hauptvorwurf &ndash; und es ist ein moralischer Vorwurf &ndash; vor allem an seine ehemaligen Parteifreunde ist, dass sie in ihrem politischen Handeln das sozialdemokratische Programm verraten und sich der wirkm&auml;chtigen Ideologie des Neoliberalismus angebiedert haben, der zu folge es f&uuml;r die Politik gegen&uuml;ber den wirtschaftlichen Zw&auml;ngen keine oder nur noch wenige Handlungsalternativen gibt.<br>\nOskar Lafontaine hingegen sieht Handlungsalternativen, er glaubt, die Macht der &Ouml;konomie b&auml;ndigen zu k&ouml;nnen und er glaubt an den Primat der Politik und &ndash; entgegen der herrschenden Sachzwangideologie &ndash; vertritt er die Auffassung, dass die Mehrheit bestimmen kann und darf, was sie politisch f&uuml;r richtig h&auml;lt.<br>\nEs ist ein historisches Paradox, dass der schon immer eher opportunistische und deswegen schon immer &bdquo;reformistische&ldquo; Gerhard Schr&ouml;der heute eher dogmatische &bdquo;Stamokap&ldquo;-Positionen (allerdings auf der Seite des &bdquo;Kapitals&ldquo;) vertritt, als der auf das &bdquo;Programm&ldquo; insistierende Oskar Lafontaine. <\/p><p>Lafontaine glaubt an ein sozialdemokratisches Programm, das den Sozialstaat verteidigt, und er glaubt an die Steuerbarkeit der Wirtschaft und vor allem an die M&ouml;glichkeit der fairen und gerechten Verteilung des gemeinsam Geschaffenen. <\/p><p>Lafontaine sieht im Gegensatz zu den &bdquo;Machern&ldquo; in der Politik und in der Wirtschaft immer auch klare Interessenhintergr&uuml;nde und er hat deshalb meist einen klaren Gegnerbezug und er attackiert seine Gegner &ndash; manchmal ohne R&uuml;cksicht auf Verluste. Seine Kritik am Neoliberalismus ist am besten, wo sie sprachkritisch daherkommt. Das Kapitel &bdquo;Korruption der Sprache und des Denkens&ldquo; in seinem Buch &bdquo;Politik f&uuml;r alle&ldquo; hat eine erfrischend aufkl&auml;rerische Wirkung und erhellt mehr &uuml;ber gesellschaftliche Zust&auml;nde als mancher noch so scharfsinnige &ouml;konomische Diskurs. <\/p><p>Lafontaines St&auml;rke ist die Kritik verbunden mit dem Pathos der Mitmenschlichkeit. Er hat kein Gegenmodell zum Schr&ouml;derschen Agenda-Kurs , er spricht aber in Vielem, was er kritisiert, den Menschen aus dem Herzen. Er beschr&auml;nkt sich h&auml;ufig darauf zu sagen, dass man es so, wie es gemacht wird (meist aus moralischen Gr&uuml;nden) nicht machen darf. Er redet Klartext, den die Menschen verstehen und er trifft damit ins Mark der SPD, die pl&ouml;tzlich schmerzhaft feststellt, wie viele ihrer fr&uuml;heren W&auml;hlerinnen und W&auml;hler sie einfach hatte links liegen lassen. Und er sorgt f&uuml;r Nervosit&auml;t unter den Konservativen, die gehofft hatten, dass bei einer m&ouml;glichen Macht&uuml;bernahme die rot-gr&uuml;ne Regierungspolitik f&uuml;r deren weitergehende neoliberale Reformen endg&uuml;ltig die Bahn gebrochen h&auml;tte. <\/p><p>Wenn man Oskar Lafontaines Konzept neokeynesianisch nennen w&uuml;rde, w&auml;re ihm das vermutlich egal, f&uuml;r ihn ist aber &ndash; anders als f&uuml;r Clement oder Schr&ouml;der &ndash; Wirtschaftspolitik mehr, als vor allem die Angebotsseite zu verbessern. Er will die Wirtschaft ankurbeln und daf&uuml;r ist ihm fast jedes Mittel aus dem &ouml;konomischen Werkzeugkasten recht. Er neigt als Physiker eher zu kausalem Denken als dass er die komplexen und r&uuml;ckgekoppelten Kreisl&auml;ufe volkwirtschaftlicher Gedankenschl&uuml;sse ausbreitet. Aus sicherlich eher taktischen Gr&uuml;nden macht er &ouml;konomische Anleihen bei Ludwig Erhards &bdquo;Sozialer Marktwirtschaft&ldquo;, ja sogar bei der Freiburger Schule der Ordoliberalen. <\/p><p>Postmoderne Kritiker werfen ihm vor, er w&auml;re zu sehr dem Fetisch &bdquo;Arbeit&ldquo; versessen oder er habe Paul Lafargues &bdquo;Recht auf Faulheit&ldquo; aus den Augen verloren (z.B. Joseph Reindl). Deswegen war und ist Lafontaine f&uuml;r viele &bdquo;Intellektuelle&ldquo; suspekt oder schlicht zu bieder &ndash; auch schon in seinem Auftreten und der Art, wie er sich kleidet.<br>\nDie Marxisten in der PDS werfen ihm vor, dass er keine Ahnung von Marx und von einer echten Klassenanalyse habe. Was solche Kritiker &uuml;bersehen ist, dass Lafontaine mehr hedonistische Z&uuml;ge hat, als es f&uuml;r die Vertreter der Utopien eines Lebens &bdquo;jenseits der Erwerbsgesellschaft&ldquo; akzeptabel w&auml;re, und er wei&szlig; konkreter zu sagen, wie eine moderne Klassengesellschaft aussieht, als die meisten im Umfeld von Sarah Wagenknecht. <\/p><p>Lafontaine ist eigentlich ein Sozialdemokrat links von der Mitte, der, dadurch dass er nach schweren Tief- und Niederschl&auml;gen einmal das Handtuch geworfen hat, aus dem gro&szlig;en sozialdemokratischen &bdquo;Boxstall&ldquo; ausgesperrt wurde. Jetzt hat er sich wieder einer anderen, viel kleineren und viel bunteren Mannschaft angeschlossen. Er wird sich auch dort nicht mehr &auml;ndern und gerade deshalb ist er eine Galionsfigur f&uuml;r ein politisches Spektrum von, wie er selbst sch&auml;tzt, zehn Millionen Menschen. Und das sch&auml;tzen seine Gegner im Hinblick auf die Wahlen wohl nicht viel anders ein und deshalb versuchen sie, ihn mit allen Mitteln des politischen Catch-as-Catch-Can als Person madig zu machen. <\/p><p>Man muss Oskar Lafontaine als Person nicht m&ouml;gen, man kann seine pers&ouml;nlichen Defizite kritisieren, er ist blitzgescheit und kann schnell und spontan, dazu h&auml;ufig auch gereizt, reagieren, man kann beklagen, dass ihm oft die emotionale Ansprache seines Publikums wichtiger ist als die intellektuell abw&auml;gende Analyse, aber er ist weder demagogischer, noch eitler, noch &bdquo;machtbesessener&ldquo; geschweige denn &bdquo;machtvergessener&ldquo; (Richard von Weizs&auml;cker) als nahezu alle, die sich jetzt als seine Kritiker aufschwingen &ndash; allenfalls spielt er auf dieser Klaviatur besser als die meisten seiner Gegner. <\/p><p>Angesichts der Schwierigkeiten die sich innerhalb des &bdquo;Linksb&uuml;ndnisses&ldquo; auftun, auch angesichts der Tatsache, dass dort noch viel politischer Kl&auml;rungsprozesse ablaufen werden und m&uuml;ssen, deren Ausgang noch ziemlich offen ist, sind noch viele und wichtige Fragen zur politischen Perspektive und Wirksamkeit offen.<br>\nEine Frage ist aber jetzt schon beantwortet: Schon die reale Bedrohung der etablierten Parteienlandschaft durch eine ernst zu nehmende Bewegung von &bdquo;links&ldquo; &ouml;ffnet die politische Debatte in Deutschland wieder, es wird &uuml;ber Alternativen diskutiert und nicht nur &uuml;ber Varianten innerhalb des prinzipiell gleichen Kurses. Das ist ein Gewinn an Pluralit&auml;t in der immer eindimensionaler gewordenen &ouml;ffentlichen Meinungsbildung. Das ist f&uuml;r jemand, der ein unersch&uuml;tterlicher Aufkl&auml;rer ist, schon viel. <\/p><p>Nun gibt es die These, dass eine Spaltung der Linken, die Linke insgesamt schw&auml;cht. Ja, wir haben das bei der Niederlage Jospins gegen Chirac in Frankreich gesehen und Berlusconi hat in Italien auch gewonnen, weil sich die Bewegung, die sich unter dem &bdquo;Olivenbaum&ldquo; versammelt hatte, nicht einig war. Aber kann man in Deutschland, zumindest solange Schr&ouml;der die SPD auf sich einschw&ouml;ren kann, wirklich von einer Spaltung der Linken von au&szlig;erhalb sprechen? Ist es nicht so, dass die SPD, &auml;hnlich wie in den fr&uuml;hen achtziger Jahren mit den Friedens- und &Ouml;kologiethemen, einfach bewusst oder aus Blindheit ein politisches Vakuum hinterlassen hat. Damals waren es die Gr&uuml;nen, die in diese L&uuml;cke hineinstie&szlig;en und sich als politisches und organisatorisches Auffangbecken anboten. Wer also spaltet eigentlich die Linke in Deutschland, diejenigen, die ein politisch potentiell linkes Spektrum preisgeben, oder diejenigen, die in eine str&auml;flich offen gelassene L&uuml;cke hineinsto&szlig;en? Spalten statt vers&ouml;hnen ist offenbar das Motto Gerhard Schr&ouml;ders: &bdquo;Ich werden nie etwas mit dieser merkw&uuml;rdigen Gruppierung am linken Rand machen&ldquo;, sagte er bei der Vorstellung des Wahlmanifestes. Dabei hat diese &bdquo;merkw&uuml;rdige Gruppierung&ldquo; schon jetzt viel mehr mit der SPD gemacht, als dem Kanzler lieb sein kann.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie und was Oskar Lafontaine politisch denkt, kann man in drei B&uuml;chern und in unz&auml;hligen Interviews nachlesen. Eine kritische Auseinandersetzung dar&uuml;ber fand bisher nicht statt. Jetzt, wo er sich politisch wieder &bdquo;in den Ring&ldquo; begibt, geht die &uuml;bliche Keilerei los. Politiker und Kommentatoren k&ouml;nnen sich wieder ihrer Lieblingsbesch&auml;ftigung widmen, den politischen Gegner pers&ouml;nlich niederzumachen.<br \/> Statt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=621\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,123,183],"tags":[1544,330,411,420,291],"class_list":["post-621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-kampagnenjournalismus","tag-lafontaine-oskar","tag-schroeder-gerhard","tag-spiegel","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=621"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32053,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/621\/revisions\/32053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}