{"id":62265,"date":"2020-06-23T12:11:38","date_gmt":"2020-06-23T10:11:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62265"},"modified":"2020-06-24T11:39:19","modified_gmt":"2020-06-24T09:39:19","slug":"mehr-als-nur-99-heiss-luftballons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62265","title":{"rendered":"Mehr als nur 99 (Hei\u00df-)Luftballons"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Sprengung des innerkoreanischen Liaisonb&uuml;ros in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong vor einer Woche herrscht auf der Halbinsel erneut Starrheit in Bewegungen. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_767\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62265-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200623-Mehr-als-nur-99-Heiss-Luftballons-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200623-Mehr-als-nur-99-Heiss-Luftballons-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200623-Mehr-als-nur-99-Heiss-Luftballons-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200623-Mehr-als-nur-99-Heiss-Luftballons-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62265-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200623-Mehr-als-nur-99-Heiss-Luftballons-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200623-Mehr-als-nur-99-Heiss-Luftballons-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK &ndash; Nordkorea) hat am vergangenen Dienstag (16. Juni) das erst im September 2018 eingerichtete gemeinsame innerkoreanische Verbindungsb&uuml;ro in seiner Grenzstadt Kaesong gesprengt und damit die Spannungen auf der Halbinsel versch&auml;rft. Wenige Tage zuvor hatte deren politische F&uuml;hrung einen solch drastischen Schritt angedroht, um sich wegen gezielter antikommunistischer Propaganda aus der Republik Korea (ROK &ndash; S&uuml;dkorea) zu revanchieren. Die Sprengung erfolgte laut Angaben des Vereinigungsministeriums in S&uuml;dkoreas Hauptstadt Seoul um 14.49 Uhr Ortszeit.<\/p><p>Der Norden ergriff diese Ma&szlig;nahme, weil es die s&uuml;dkoreanische Regierung unter Pr&auml;sident Moon Jae-In seiner Meinung nach vers&auml;umt habe, &Uuml;berl&auml;ufer und erzreaktion&auml;re s&uuml;dkoreanische Aktivisten daran zu hindern, wiederholt Hei&szlig;luftballons mit Anti-Pj&ouml;ngjang-Flugbl&auml;ttern &uuml;ber die Grenze zu senden. Wenige Tage zuvor hatte bereits Kim Yo-Jong, die Schwester des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-Un und erste stellvertretende Abteilungsleiterin des Zentralkomitees der regierenden Partei der Arbeit Koreas (PdAK), in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur <em>Korean Central News Agency (KCNA)<\/em> verbreiteten Mitteilung erkl&auml;rt: &bdquo;Ich f&uuml;hle, dass es h&ouml;chste Zeit ist, mit den s&uuml;dkoreanischen Beh&ouml;rden zu brechen. Wir werden bald die n&auml;chste Aktion in Angriff nehmen&rdquo;.<\/p><p>Das &bdquo;Recht zur Durchf&uuml;hrung der n&auml;chsten Aktion&rdquo;, so Frau Kim weiter, liege &bdquo;beim Generalstab unserer Armee&rdquo;. Gemeint war damit offenbar die Sprengung des Liaisonb&uuml;ros in Kaesong, das sie als &bdquo;nutzlos&rdquo; bezeichnete. Der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee &uuml;berpr&uuml;ft derweil einen Aktionsplan, um bereits &bdquo;entmilitarisierte&ldquo; Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen und das Terrain insgesamt erneut zu einer Art Befestigungsanlage auszubauen. Auch wird erwogen, nunmehr vom Norden aus Propagandamaterial gen S&uuml;den zu schicken. Derweil sind die telefonischen und anderen Kommunikationslinien zwischen beiden L&auml;ndern gekappt.<\/p><p>Die Reaktionen auf die Sprengung fielen anf&auml;nglich vergleichsweise verhalten aus. S&uuml;dkoreas Vereinigungsminister Kim Yeon-Chul erkl&auml;rte noch am selben Tag (16.6.), die Sprengung des Liaisonb&uuml;ros sei etwas, &bdquo;das (von Nordkorea) zum Teil bereits angek&uuml;ndigt wurde&ldquo;. An die F&uuml;hrung in Pj&ouml;ngjang richtete der Minister den Appell, sich an fr&uuml;here bilaterale Vereinbarungen zu halten. &Auml;hnlich &auml;u&szlig;erte sich S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident Moon Jae-In, als er im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung den Norden aufforderte, den bereits eingeschlagenen Friedenspfad nicht zu verlassen.<\/p><p>Aus Chinas Au&szlig;enministerium verlautete, Beijing hoffe auf Frieden und Stabilit&auml;t auf der Koreanischen Halbinsel inmitten eskalierender Spannungen zwischen Seoul und Pj&ouml;ngjang. Eine Sichtweise, der sich auch das russische Au&szlig;enministerium in Moskau anschloss. Im politischen Washington dr&auml;ngte man darauf, Provokationen zu vermeiden und zu Verhandlungen zur&uuml;ckzukehren. Trotz wachsender Spannungen auf der Halbinsel, so der nordamerikanische Machthaber Donald Trump, werde sein Land nicht &bdquo;den Weltpolizisten&ldquo; spielen.<\/p><p><strong>Tiefer Frust &uuml;ber das Scheitern des mittlerweile vierten innerkoreanischen Ann&auml;herungsprozesses<\/strong><\/p><p>Wieso geschieht all das und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da just am 15. Juni vor zwanzig Jahren die damaligen Staatschefs beider Korea, Kim Dae-Jung und Kim Jong-Il, der Vater Kim Jong-Uns, anl&auml;sslich des ersten innerkoreanischen, wahrlich historisch zu nennenden Gipfels mit der Unterzeichnung der Nord-S&uuml;d-Deklaration unter anderem auch und gerade den Aufbau des seinerzeit als Kronjuwel bilateraler Kooperation gepriesenen <em>Kaesong Industriekomplexes (KIC)<\/em> beschlossen hatten?<\/p><p>Vieles auf der Koreanischen Halbinsel ist und bleibt f&uuml;r au&szlig;enstehende Beobachter zutiefst paradox. Betrachten wir nur die j&uuml;ngste Geschichte. Vor drei Jahren noch polterte der nordamerikanische Machthaber Donald Trump, er werde alles daran setzen, die DVRK mitsamt ihrer F&uuml;hrung unter Kim Jong-Un, dem Vorsitzenden des Komitees f&uuml;r Staatsangelegenheiten der DVRK, mit Feuer und Schwert zu &uuml;berziehen und das Land zu &bdquo;vernichten&ldquo;. Vor zwei Jahren dann eine Kehrtwende um 180 Grad. Im s&uuml;dostasiatischen Stadtstaat Singapur trafen beide Staatsm&auml;nner das erste Mal pers&ouml;nlich zusammen. Eingejettete Vertreter des internationalen Medienkorps wurden pl&ouml;tzlich mit der verbl&uuml;ffenden News konfrontiert, da keime so etwas wie eine innige M&auml;nnerfreundschaft auf. Flankiert wurde auch diese wahrlich historische Begegnung mit gegenseitigen Besuchen des Genossen Kim mit seinem s&uuml;dkoreanischen Kollegen, Pr&auml;sident Moon Jae-In. Auch diese Treffen an der Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrads nahe dem unwirtlichen Grenzort Panmunjom schienen die Hoffnung zu n&auml;hren, dass man nach Jahrzehnten der Entfremdung, Teilung und gegenseitiger Verteufelung nunmehr aktiv auf der Suche nach neuen Freundbildern sei.<\/p><p>Und noch vor einem Jahr, Ende Februar 2019, in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi? Da hatte der Vorsitzende Kim eine lange, wiewohl publicitytr&auml;chtige Zugreise von Nordkoreas Hauptstadt Pj&ouml;ngjang aus angetreten, um erneut dem eingeflogenen Machthaber aus Washington freudig die H&auml;nde zu sch&uuml;tteln. Die in Hanoi geplante politisch-diplomatische Ann&auml;herung oder zumindest Teill&ouml;sung im Rahmen heikler Fragen von Sanktionen und Denuklearisierung blieb aus beziehungsweise erf&uuml;llte sich nicht. Architekt des Scheiterns war der manisch-bellizi&ouml;se John R. Bolton, Trumps damaliger Nationaler &bdquo;Sicherheits&ldquo;berater.<\/p><p>Bolton, der ohnehin f&uuml;r die nordkoreanische Delegation seit den sogenannten <em>Sechsergespr&auml;chen<\/em> zur Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel (an denen vor &uuml;ber einem Jahrzehnt nebst den beiden Korea auch Russland, Japan, die USA und die VR China als Gastgeber teilnahmen) ein tiefrotes Tuch war, hatte buchst&auml;blich im letzten Moment an die Adresse Pj&ouml;ngjangs gerichtete (neue) Forderungen gestellt, die, weil sie zu dem Zeitpunkt &uuml;berhaupt nicht Gegenstand der Verhandlungen waren, einzig die Gegenseite br&uuml;skieren sollten.<\/p><p>Das erinnerte dann sp&auml;ter selbst seinen Boss Trump an eine uns&auml;gliche Neuauflage der von Bolton fr&uuml;her propagierten &bdquo;Libyen-L&ouml;sung&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], wonach Pj&ouml;ngjang einseitig und bar jedweder verbindlichen Gegenleistung sein Nuklearprogramm einstellen und seine entsprechenden Waffen &bdquo;einmotten&ldquo; sollte. Was Bolton in diesen Tagen nunmehr die Retourkutsche fahren l&auml;sst, die Treffen zwischen Kim Jong-Un und Trump in Singapur und Hanoi seien keinem strategisch durchdachten Konzept seines fr&uuml;heren Vorgesetzten gefolgt, sondern gingen ma&szlig;geblich auf s&uuml;dkoreanische Initiativen zur&uuml;ck. Pikant war in Hanoi zudem, dass Trumps damaligem Sondergesandten f&uuml;r Nordkorea, Stephen Biegun, nur ein Pl&auml;tzchen am Katzentisch zugewiesen ward.<\/p><p>Dabei hatte vieles darauf hingedeutet, dass dieser vierte (innerkoreanische) Ann&auml;herungsprozess [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] reale Erfolgschancen in sich barg. &Auml;hnliche Avancen scheiterten 1972, um die Jahreswende 1991\/1992 sowie 2000. Nach der Nord-S&uuml;d-Deklaration vom 15. Juni 2000 besuchte im Herbst desselben Jahres mit Vizemarschall Jo Myong-Rok die damalige Nummer Zwei der nordkoreanischen Nomenklatura US-Pr&auml;sident Bill Clinton im Oval Office im Wei&szlig;en Haus. Wenige Tage sp&auml;ter erwiderte US-Au&szlig;enministerin Madeleine Albright diesen Besuch mit einer Stippvisite in Pj&ouml;ngjang. Eine Notiz &uuml;ber diese Treffen, die sich in von <em>WikiLeaks<\/em> im Oktober 2016 ver&ouml;ffentlichten Emails befand, zitierte Kim Jong-Il mit den Worten: &bdquo;Falls die Demokraten im Jahr 2000 gewonnen h&auml;tten, h&auml;tte die Situation in den bilateralen Beziehungen nicht eine solche Zuspitzung erfahren. Vielmehr w&auml;ren alle Vereinbarungen erf&uuml;llt worden, die DVRK h&auml;tte Leichtwasserreaktoren erhalten und die Vereinigten Staaten h&auml;tten einen neuen Freund in Nordostasien in einer komplexen Welt gehabt.&ldquo;<\/p><p>Mit dem Amtsantritt von US-Pr&auml;sident George W. Bush Ende Januar 2001 war all das auf einmal Schall und Rauch. Die DVRK galt fortan als &bdquo;Bedrohungsfaktor in Ostasien&ldquo;, ein Jahr darauf als Teil einer omin&ouml;sen &bdquo;Achse des B&ouml;sen&rdquo; und &bdquo;Schurkenstaat&ldquo;, in dem ein &bdquo;Regimewechsel&ldquo; &uuml;berf&auml;llig sei.<\/p><p><strong>Zur&uuml;ck auf Los! oder Die Neusortierung eines Scherbenhaufens<\/strong><\/p><p>Anhaltende Sanktionen, strikte Einschr&auml;nkungen wegen der Corona-Pandemie, ein zumindest auf dem Lande vergleichsweise schwaches Gesundheitssystem, momentan abgeschottete Grenzen mitsamt all den damit verbundenen Verwerfungen ohne Aussicht auf absehbar politisch-diplomatische Erfolge 70 Jahre nach dem Beginn des Koreakrieges veranlassen heute das Regime in Pj&ouml;ngjang, auf den s&uuml;dkoreanischen Sack einzuschlagen, wenngleich der US-amerikanische Esel gemeint ist. Erneut trat ein, was der langj&auml;hrige CIA-Mitarbeiter, gewiefte Politfuchs und ehemalige US-Botschafter in Seoul (1989-93), Donald P. Gregg, bereits vor Jahren &ndash; und das mit gutem Recht &ndash; beklagt hatte: Washington verf&uuml;gt &uuml;ber keine konsistente Nordkorea-Politik, stattdessen herrsche gegen&uuml;ber der ostasiatischen Volksrepublik lediglich eine <em>Haltung<\/em> vor. Und die sei gespeist aus Hass. H&auml;tte er noch &bdquo;Ignoranz&ldquo;, &bdquo;unilaterales Dragonertum&ldquo; sowie &bdquo;imperiale Inflexibilit&auml;t&ldquo; hinzugef&uuml;gt, entspr&auml;che das einer konzisen Beschreibung der selbsterkl&auml;rten &bdquo;Schutzmacht&ldquo; der Republik Korea.<\/p><p>Die beiderseitigen US-s&uuml;dkoreanischen B&uuml;ndnisverpflichtungen und die bis dato geltende Regelung gem&auml;&szlig; dem <em>Combined Forces Command<\/em>, wonach im Falle eines Konflikts der in S&uuml;dkorea residierende Oberkommandierende der dort stationierten US-Streitkr&auml;fte gleichzeitig auch die s&uuml;dkoreanischen Streitkr&auml;fte befehligt, sind Produkte eines virulenten Kalten Krieges und heute schlichtweg anachronistisch. Gleicherma&szlig;en obsolet sind gemeinsame Milit&auml;rman&ouml;ver, die in der Vergangenheit einzig darauf abzielten, Angriffe gegen die DVRK zu simulieren. In s&auml;mtlichen Bereichen (Wirtschaft, Technologie oder milit&auml;rische Ausr&uuml;stung inklusive modernster, aus den USA bezogener Waffensysteme) ist Seoul dem Norden eh haushoch &uuml;berlegen und sehr wohl imstande, seine eigenen Interessen &ndash; inklusive seine eigene Sicherheit &ndash; ohne die &bdquo;Schutzmacht USA&ldquo; zu gew&auml;hrleisten. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Allein die Pr&auml;senz von US-amerikanischen Truppen auf s&uuml;dkoreanischem Boden bot der Gegenseite immer wieder die M&ouml;glichkeit, die jeweiligen Regierungen in Seoul als &bdquo;US-Marionetten&ldquo; zu brandmarken.<\/p><p>Wie also weiter? <em>S&uuml;dkoreas<\/em> Vereinigungsminister Kim Yeon-Chul ist mittlerweile zur&uuml;ckgetreten. Pr&auml;sident Moon Jae-In befindet sich nunmehr in einer Zwickm&uuml;hle; die herausragenden und l&ouml;blichen Avancen, die er unternahm, um den vierten innerkoreanischen Ann&auml;herungsprozess &uuml;berhaupt zu initiieren und sogar zumindest zeitweilig die US-amerikanische Seite &bdquo;ins Boot zu holen&ldquo;, sind im Sande verlaufen. W&auml;hrend seiner am 15. Juni gehaltenen Rede anl&auml;sslich des 20. Jahrestags der Verk&uuml;ndung der <em>Nord-S&uuml;d-Deklaration<\/em> [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] ging der Pr&auml;sident nicht n&auml;her auf die von Nordkorea zuvor harsch kritisierten antikommunistischen Propagandaaktionen im Grenzgebiet ein. Was die Gegenseite weidlich ausschlachtete und Frau Kim Yo-Jong laut KCNA dazu verleitete, Moons Rede als &bdquo;schamloses und freches Geschw&auml;tz voller Ungereimtheiten&ldquo; zu bezeichnen. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Dass ausgerechnet Kim Yo-Jong anstelle ihres &auml;lteren Bruders in diesen turbulenten Zeiten das Zepter schwingt, was propagandistische Breitseiten und Tiraden gegen den S&uuml;den betrifft, entspricht einem politischen Initiationsritus. In der nordkoreanischen Nomenklatura hat sie sich beharrlich &ndash; selbstredend von ihrem Bruder protegiert &ndash; emporgearbeitet und erheischte erstmalig international mediale Aufmerksamkeit anl&auml;sslich der letzten Olympischen Winterspiele Anfang 2018 im s&uuml;dkoreanischen Pyeongchang. Dort nahm sie als Staatsgast auf der Ehrentrib&uuml;ne neben Pr&auml;sident Moon Platz. Begleitet von dem gro&szlig;en alten Mann nordkoreanischer Diplomatie und Au&szlig;enpolitik, Kim Yong-Nam, der zu dem Zeitpunkt noch Vorsitzender des Pr&auml;sidiums der Obersten Volksversammlung der DVRK war und mithin als protokollarisches Staatsoberhaupt fungierte. Zum Initiationsritus z&auml;hlt auch und gerade ein demonstrativ hartes Auftreten.<\/p><p>Last, but not least: Was am 16. Juni in Kaesong geschah, ist Ausdruck tiefster Verbitterung dar&uuml;ber, dass trotz beachtlicher Vorleistungen, Entgegenkommen und Goodwill nichts an substanziellen (Teil-)Zugest&auml;ndnissen seitens der US-Verhandlungsf&uuml;hrer nach dem Hanoier Treffen Ende Februar 2019 auch nur in Aussicht gestellt wurde. Selbst die seitdem erfolgten Avancen seitens Seouls, mit Pj&ouml;ngjang eine engere Kooperation in Handel und Wirtschaft zu avisieren, wurden seitens Washingtons konterkariert und als m&ouml;gliches Unterlaufen von Sanktionen gewertet.<\/p><p>Auf Seiten des Nordens wurde erst einmal die Binnensolidarit&auml;t beachtlich gest&auml;rkt, wie denn im Gegenzug auf fatale Weise die Nordpolitik Pr&auml;sident Moons einen D&auml;mpfer erfahren hat. Zwar wird &ndash; mit Blick auf momentan von beiden Seiten gef&uuml;hrte propagandistische Spitzen, die es in der Vergangenheit immer wieder gegeben hatte &ndash; bekanntlich nichts so hei&szlig; gegessen, wie es gekocht wird. Doch angesichts der aktuellen Stimmungen dies- wie jenseits des 38. Breitengrads wird es wieder eine Zeit lang dauern, bis aufs Neue Bewegungen in der Starrheit auszumachen sind.<\/p><p>Titelbild: zapomicron\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.koreatimes.co.kr\/www\/nation\/2020\/06\/103_291481.html\">Trump blames Bolton for deadlock with North Korea, in: The Korea Times (Seoul) vom 19. Juni 2020<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.koreatimes.co.kr\/www\/nation\/2020\/06\/103_291482.html\">In memoir, Bolton says nuclear diplomacy with North Korea was South Korea&rsquo;s &lsquo;creation&rsquo;, in: ebenda<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Diesen Prozess habe ich auf diesen Seiten bereits ausf&uuml;hrlich dargestellt und analysiert: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43639\">Rainer Werning: Korea &ndash; Ann&auml;herungen im Stakkato, NDS vom 23. April 2018<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Siehe dazu: <a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/blog\/korea-watch\/why-cant-america-let-south-korea-defend-itself-162972\">https:\/\/nationalinterest.org\/blog\/korea-watch\/why-cant-america-let-south-korea-defend-itself-162972<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Siehe: <a href=\"https:\/\/english1.president.go.kr\/BriefingSpeeches\/Speeches\/839\">https:\/\/english1.president.go.kr\/BriefingSpeeches\/Speeches\/839<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Siehe: <a href=\"http:\/\/m.koreaherald.com\/view.php?ud=20200617000665\">http:\/\/m.koreaherald.com\/view.php?ud=20200617000665<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Sprengung des innerkoreanischen Liaisonb&uuml;ros in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong vor einer Woche herrscht auf der Halbinsel erneut Starrheit in Bewegungen. 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