{"id":62285,"date":"2020-06-24T10:31:13","date_gmt":"2020-06-24T08:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62285"},"modified":"2020-06-24T16:47:51","modified_gmt":"2020-06-24T14:47:51","slug":"heuschrecke-am-ohr-wie-eine-gemeinnuetzige-beratungsstelle-fuer-patienten-zum-callcenter-von-renditejaegern-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62285","title":{"rendered":"\u201eHeuschrecke\u201c am Ohr. Wie eine gemeinn\u00fctzige Beratungsstelle f\u00fcr Patienten zum Callcenter von Renditej\u00e4gern wurde"},"content":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Unabh&auml;ngige Patientenberatung Deutschland&ldquo; geh&ouml;rt einem Auftragnehmer der Krankenkassen, au&szlig;erdem seit zwei Jahren einem Dienstleister der Pharmaindustrie. Interessenkonflikte, mangelnde Neutralit&auml;t? F&uuml;r die Bundesregierung gab es daf&uuml;r bisher keinerlei Anhaltspunkte. Nach einer Untersuchung durch den Bundesrechnungshof k&ouml;nnte sich das jetzt &auml;ndern. Die Finanzw&auml;chter bem&auml;ngeln Verschwendung, Intransparenz und Machenschaften, die nach &bdquo;krummen Gesch&auml;ften&ldquo; riechen. Das Gesundheitsministerium ist alarmiert und will die Sache pr&uuml;fen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4826\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62285-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200624_Beratungsstelle_fuer_Patienten_als_Renditejaeger_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200624_Beratungsstelle_fuer_Patienten_als_Renditejaeger_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200624_Beratungsstelle_fuer_Patienten_als_Renditejaeger_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200624_Beratungsstelle_fuer_Patienten_als_Renditejaeger_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62285-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200624_Beratungsstelle_fuer_Patienten_als_Renditejaeger_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200624_Beratungsstelle_fuer_Patienten_als_Renditejaeger_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Preisfrage: Wo ist eine Beratungsstelle, an die sich Menschen bei Konflikten mit &Auml;rzten, Kliniken, Krankenkassen und Arzneimittelherstellern wenden, gut aufgehoben? Doch wohl kaum in den H&auml;nden von &Auml;rzten, Kliniken, Krankenkassen und Arzneimittelherstellern. Von wegen: Mit der &bdquo;Unabh&auml;ngigen Patientenberatung Deutschland&ldquo; (UPD) verh&auml;lt es sich praktisch genau so. Seit bald viereinhalb Jahren geh&ouml;rt die auf dem Papier &bdquo;gemeinn&uuml;tzige&ldquo; Organisation zu einer Unternehmensallianz, bei der Gemeinnutz nichts und Eigennutz alles z&auml;hlt. Dabei ist diese im weitesten Sinne allen zu Diensten, die im Gesundheitswesen etwas zu melden haben: den gesetzlichen und privaten Krankenversicherern, Krankenh&auml;usern, Medizinern, der Pharmaindustrie. Und obgleich diese nicht selten in direktem Widerstreit mit den Bed&uuml;rfnissen der Patienten stehen, vertritt der Verbund ganz offiziell auch deren Interessen.<\/p><p>Zumindest wird das behauptet und bisher hatte die Bundesregierung immer so getan, als glaubte sie daran. Schlie&szlig;lich war sie es auch, damals schon in Gestalt der gro&szlig;en Koalition, die die UPD zu dem gemacht hat, was sie heute ist: ein Konzernanh&auml;ngsel. Zum 1. Januar 2016 war der kostenlose Beratungsdienst, der im gesetzlichen Auftrag agiert und Teil der Regelversorgung ist, nach einer europaweiten Ausschreibung als vermeintlich eigenst&auml;ndige Tochter an die Sanvartis GmbH mit Sitz in Duisburg &uuml;bergeben worden. Dass diese ihr Geld insbesondere mit dem Betrieb von Callcentern f&uuml;r die gesetzlichen Krankenkassen verdient &ndash; kein Hinderungsgrund. Wie es von Kritikern hei&szlig;t, war der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sogar die treibende Kraft hinter der Auslagerung.<\/p><p><strong>Mit und gegen die Krankenkassen<\/strong><\/p><p>Das hatte schon mehr als ein &bdquo;Geschm&auml;ckle&ldquo;: Tats&auml;chlich ist n&auml;mlich die GKV der Hauptf&ouml;rderer der UPD. Diese erh&auml;lt j&auml;hrlich &uuml;ber neun Millionen Euro aus Beitragsmitteln der Versicherten. Dazu kommt noch ein vergleichsweise unerheblicher Beitrag aus der Kasse der Privaten Krankenversicherung (PKV). Die Frage dr&auml;ngte sich auf: Wie kann eine UPD unter dem Dach der Sanvartis &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo; in m&ouml;glichen Streitf&auml;llen mit der GKV beraten, wenn die der wichtigste Sanvartis-Kunde ist und die UPD dazu noch an deren Tropf h&auml;ngt?<\/p><p>Entsprechend laut war der Aufschrei, den der Vorgang damals provozierte. Allerdings blieb er ohne Folgen. Denn &bdquo;nat&uuml;rlich&ldquo; wollten die Entscheider keinen Interessenkonflikt erkennen und insistierten, die Eigenst&auml;ndigkeit der UPD w&auml;re gesichert. Der Garant daf&uuml;r soll ein System laufender Auditierung und Evaluation sein, das daf&uuml;r eigens installiert wurde. Au&szlig;erdem unterliegt die UPD einer st&auml;ndigen Begleitung durch einen wissenschaftlichen Beirat unter Vorsitz des Patientenbeauftragten der Bundesregierung. Aber nicht einmal alle Mitglieder des Gremiums trauten der Neukonstruktion &uuml;ber den Weg. Mit Marie-Luise Dierks und Rolf Rosenbrock legten im September 2015 gleich zwei ihr Amt aus Protest gegen die Quasi-Privatisierung nieder.<\/p><p><strong>Schn&ouml;des Callcenter <\/strong><\/p><p>Retten konnte das die &bdquo;alte&ldquo; UPD nicht. Von 2006 bis 2015 hatte sie sich als reines Non-Profit-Projekt in der Tr&auml;gerschaft durch den Sozialverband VdK, die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie den Verbund unabh&auml;ngige Patientenberatung (VuP) befunden. Laut Helga K&uuml;hn-Mengel, zwischen 2004 und 2009 Patientenbeauftragte der Bundesregierung, war es Ziel des anf&auml;nglichen Modellvorhabens, &bdquo;ein von Kassen und Leistungserbringern unabh&auml;ngiges Beratungs- und Informationsangebot als Regelleistung aufzubauen&ldquo;. Gesagt, getan: Die Organisation genoss jahrelang hohes Ansehen, gerade auch wegen ihrer &bdquo;N&auml;he&ldquo; zu den Menschen. 2015, dem letzten Jahr in zivilgesellschaftlicher Tr&auml;gerschaft, erfolgten 14 Prozent aller Beratungen in direktem, pers&ouml;nlichem Kontakt.<\/p><p>In der Regie von Sanvartis waren es nach dem vor zwei Wochen vorgelegten <a href=\"https:\/\/www.patientenberatung.de\/de\/presse#\/pressreleases\/monitor-patientenberatung-2019-vorgestellt-3006775\">Monitorbericht f&uuml;r 2019<\/a> noch 3,3 Prozent. Das deckt sich mit Vorw&uuml;rfen von Kritikern, die UPD sei zu einem schn&ouml;den Callcenter verkommen &ndash; nur mit halbem Ohr und halbem Herz bei den Hilfsbed&uuml;rftigen. Wo es fr&uuml;her zahlreiche regionale Beratungsstellen gab, werden die Anliegen der Betroffenen heute zu 90 Prozent am H&ouml;rer und in durchschnittlich 20 Minuten abgehandelt. Zu fassen bekommt man die &bdquo;Helfer&ldquo; nur noch in einem der quer durch die Lande tourenden &bdquo;Beratungsmobile&ldquo;. Aber auch die selbstgesteckten Ziele erreicht die UPD nicht einmal ann&auml;hernd. Im Ausschreibungsverfahren hatte Sanvartis 222.500 Telefonberatungen j&auml;hrlich in Aussicht gestellt. Im Vorjahr schaffte die UPD gerade einmal 128.000 und damit blo&szlig; 60 Prozent der Vorgabe.<\/p><p><strong>Unwirtschaftliche Doppelstrukturen<\/strong><\/p><p>Immerhin deutet sich in der Politik offenbar ein Umdenken an. Ausl&ouml;ser sind j&uuml;ngere Berichte verschiedener Medienorgane &uuml;ber einen vertraulichen Pr&uuml;fbericht des Bundesrechnungshofes (BRH). Der hatte bereits vor fast zwei Jahren angek&uuml;ndigt, die Leistungsbilanz der UPD und die F&ouml;rdervereinbarungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und Sanvartis unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis &ndash; ein 36-seitiger Report, der mit &bdquo;nur f&uuml;r den Dienstgebrauch&ldquo; gestempelt ist &ndash; liegt den NachDenkSeiten vor und ist nichts weniger als ein veritabler Verriss. Neben unerf&uuml;llten Leistungsversprechen beanstanden die Finanzkontrolleure Verschwendung von Geldern durch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/bundesrechnungshof-patientenberatung-101.html\">&bdquo;unwirtschaftliche Doppelstrukturen&ldquo; sowie ein intransparentes Gesch&auml;ftsgebaren<\/a>.<\/p><p>Damit erh&auml;rtet sich ein von Kritikern schon lange gehegter Verdacht, Sanvartis k&ouml;nnte sich durch den Betrieb der UPD bereichert und Beitragsmittel von Versicherten veruntreut haben. Ohnehin fragt man sich, wie ein privates Unternehmen mit einem f&uuml;r die Beratungskunden unentgeltlichen Service Profite machen kann. Im Fall Sanvartis geht das augenscheinlich so: Je geringer die Kosten f&uuml;r den Betrieb zu Buche schlagen, desto mehr bleibt von den GKV-F&ouml;rdermitteln als Gewinn h&auml;ngen. Seinen Ausdruck findet das in besagten Einschnitten in puncto Qualit&auml;t und Quantit&auml;t der Beratert&auml;tigkeiten sowie etwa darin, dass die UPD vor allem bei den Beratern mit akademischen Abschl&uuml;ssen Abstriche gemacht hat. Dazu passt auch der BRH-Befund einer &bdquo;hohen Personalfluktuation&ldquo;. Offenbar setzt man verst&auml;rkt auf billige und unerfahrene Arbeitskr&auml;fte und spart an den Profis. Zitat: &bdquo;Die UPD hatte Schwierigkeiten, insbesondere Leitungspositionen zu besetzen.&ldquo;<\/p><p><strong>Lukrative Melkkuh<\/strong><\/p><p>Dazu kommt ein zweiter Vorwurf, der wom&ouml;glich sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen k&ouml;nnte. Seit dem Betreiberwechsel sollen von den j&auml;hrlichen GKV-F&ouml;rdermitteln betr&auml;chtliche Summen f&uuml;r die Bezahlung von Lizenzen f&uuml;r eine Wissensmanagement-Software aus Sanvartis-Bestand draufgegangen sein. Die UPD zweigt demnach an das Mutterunternehmen Geld f&uuml;r die Einrichtung einer informationstechnischen Infrastruktur (IT) ab, auf deren Basis die ihre Arbeit verrichtet. Im bis 2022 laufenden Bewilligungszeitraum von sieben Jahren sollen sich die &Uuml;berweisungen bei j&auml;hrlich rund zwei Millionen Euro auf insgesamt 14 Millionen Euro summieren.<\/p><p>Trifft dies zu, h&auml;tte sich Sanvartis mit der UPD quasi einen neuen Kunden als &bdquo;Melkkuh&ldquo; ins Haus geholt, dem sie auf Rechnung der Beitragszahler ein hauseigenes Produkt aufdr&uuml;ckt &ndash; ohne Ausschreibung und ohne jeden Akquiseaufwand. So betrachtet war der Anbieterwechsel eine echte Zeitenwende. Denn bei der &bdquo;alten&ldquo; UPD beliefen sich die IT-Ausgaben noch auf h&ouml;chstens 50.000 Euro pro Jahr, also blo&szlig; ein Vierzigstel der Summe. Wie es der &bdquo;Zufall&ldquo; wollte, erhielt die &bdquo;neue&ldquo; UPD seit der &Uuml;bergabe an Sanvartis j&auml;hrlich &uuml;ber zwei Millionen Euro mehr als zuvor in zivilgesellschaftlicher Tr&auml;gerschaft &ndash; Geld, das seither wom&ouml;glich Jahr f&uuml;r Jahr und praktisch eins zu eins ins Sanvartis-&bdquo;Profitcenter&ldquo; &uuml;berwechselt.<\/p><p><strong>20 Millionen Euro abgezweigt<\/strong><\/p><p>Der Bundesrechnungshof legt diese Verwicklungen schonungslos offen. &bdquo;Vertragliche Leitungsbeziehungen&ldquo; betreffen laut Bericht neben Softwarelizenzen, den &bdquo;Einsatz des &Uuml;berlaufteams bei Anrufspitzen&ldquo;, &bdquo;sonstige Leistungen wie Rechnungswesen&ldquo; und &bdquo;Qualit&auml;tsmanagement&ldquo;. Ferner soll die UPD eine Partnerschaft mit einer anderen Sanvartis-Firma zur &bdquo;entgeltlichen Unterst&uuml;tzung&ldquo; bei der Texterstellung im Rahmen des &bdquo;Medical Writing&ldquo; unterhalten und derselben im Jahr 2016 mehr als eine Million Euro f&uuml;r ein &bdquo;Marketingbudget&ldquo; gutgeschrieben haben. Darunter fiel ein &bdquo;Honoraranteil&ldquo; von 512.000 Euro, der auch die Verg&uuml;tung eines &bdquo;Pressesprechers&ldquo; umfasste. Im August 2017 &uuml;bernahm die UPD diese Funktion in Eigenverantwortung &ndash; &bdquo;eine &Auml;nderung des &sbquo;Honorars&lsquo; folgte daraus nicht&ldquo;.<\/p><p>Alles in allem wird laut BRH &bdquo;nach Ablauf der siebenj&auml;hrigen F&ouml;rderzeit fast ein Drittel der F&ouml;rdersumme &ndash; mehr als 20 Millionen Euro &ndash; an die Sanvartis GmbH oder andere Mitglieder der Unternehmensallianz geflossen sein&ldquo;, j&auml;hrlich zwischen 3,1 und 3,6 Millionen Euro, konstatieren die Finanzw&auml;chter. Das Wort &bdquo;Untreue&ldquo; verkneifen sie sich trotzdem, wer will, kann es aber zwischen den Zeilen herauslesen. Die Leistungsentgelte &bdquo;k&ouml;nnten gro&szlig;z&uuml;gig bemessen sein&ldquo;, was &bdquo;Zweifel an einem optimalen Einsatz der F&ouml;rdermittel&ldquo; n&auml;hre, befinden die Pr&uuml;fer.<\/p><p><strong>Neuaufstellung empfohlen<\/strong><\/p><p>Dann folgt ein knallhartes Misstrauensvotum: &bdquo;Die Abh&auml;ngigkeit der UPD von der Sanvartis GmbH und weiteren Unternehmen der Unternehmensallianz in wirtschaftlicher, organisatorischer und teilweise personeller Hinsicht ist geeignet, den Eindruck fehlender Unabh&auml;ngigkeit und Neutralit&auml;t in der Beratung hervorzurufen.&ldquo; Obgleich man daf&uuml;r &bdquo;keine Anhaltspunkte&ldquo; gefunden haben will, vertrete man die Auffassung, &bdquo;dass schon der &ndash; zumal &ouml;ffentlich und von Fachseite ge&auml;u&szlig;erte &ndash; Eindruck einer fehlenden Unabh&auml;ngigkeit einen Nachteil der derzeitigen Gestaltung der Patientenberatung innerhalb eines Verbundes von Wirtschaftsunternehmen darstellt&ldquo;.<\/p><p>Schlussendlich res&uuml;miert der Bundesrechnungshof, dass sich das &bdquo;Modell einer befristeten Vergabe (&hellip;) nicht bew&auml;hrt&ldquo; habe und &bdquo;die enge Bindung an ein gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen (&hellip;) vermieden&ldquo; werden sollte. Dem Bundesministerium f&uuml;r Gesundheit (BMG) habe man deshalb geraten, &bdquo;bei einer zuk&uuml;nftigen unabh&auml;ngigen Patientenberatung darauf zu achten, dass diese in einer Form betrieben wird, die m&ouml;glichst frei ist von wirtschaftlichen Interessen oder sonstigen Abh&auml;ngigkeiten&ldquo;. Als m&ouml;gliche Tr&auml;ger im Falle einer Neuaufstellung in &ouml;ffentlicher Zust&auml;ndigkeit schl&auml;gt der BRH die Bundeszentrale f&uuml;r gesundheitliche Aufkl&auml;rung (BZgA) oder das Institut f&uuml;r Qualit&auml;t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vor.<\/p><p><strong>Kritik von Sachverst&auml;ndigen<\/strong><\/p><p>Zu ganz &auml;hnlichen Schl&uuml;ssen kamen mehrere Experten bei einer Anh&ouml;rung im Gesundheitsausschuss des Bundestages am vergangenen Mittwoch. Hintergrund war <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/143\/1914373.pdf\">ein Antrag der Fraktion Die LINKE<\/a> , wonach die Beratung dauerhaft in die H&auml;nde derjenigen Organisationen gelegt werden solle, die mit institutioneller Patientenberatung besch&auml;ftigt seien. Au&szlig;erdem m&uuml;sse die UPD k&uuml;nftig statt aus Versicherten- aus Steuergeldern finanziert werden. Sechs der sieben geladenen Sachverst&auml;ndigen sch&auml;tzten es r&uuml;ckblickend als Fehler ein, die UPD einem gewinnorientierten Unternehmen anvertraut zu haben. Als einziger Verteidiger des Status quo trat UPD-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Thorben Krumwiede in Erscheinung.<\/p><p>Marie-Luise Dierks von der Medizinischen Hochschule Hannover und fr&uuml;her selbst Mitglied im UPD-Beirat <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/113722\/Experten-empfehlen-Reform-der-Unabhaengigen-Patientenberatung\">sprach dagegen von einem &bdquo;Webfehler&ldquo;<\/a>, die Auswahl des Betreibers der GKV zu &uuml;bertragen, die selbst Teil von Konflikten sei. Das habe auch zum Problem der Reputation beigetragen. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Parit&auml;tischen Wohlfahrtsverbands, &auml;u&szlig;erte den Wunsch, an den Ausgangspunkt der UPD in den 1970er Jahren anzukn&uuml;pfen. Dies seien Gesundheitsl&auml;den gewesen, die aus der Beobachtung entstanden sind, &bdquo;dass sich viele Menschen von der Komplexit&auml;t von Versorgung und Versicherung &uuml;berfordert f&uuml;hlen, wichtige Informationen nicht verstehen, keinen L&ouml;sungsweg finden, sich ungerecht behandelt f&uuml;hlen und ohne Beratung scheitern&ldquo;.<\/p><p><strong>Hedgefonds &uuml;bernimmt<\/strong><\/p><p>Die &bdquo;guten alten Zeiten&ldquo; sind lange vorbei, wobei der vorl&auml;ufige Tiefpunkt der UPD erst zwei Jahre zur&uuml;ckliegt. Im Sommer 2018 hatte diese im Paket mit dem Sanvartis-Verbund klammheimlich den Besitzer gewechselt und fand sich pl&ouml;tzlich in den H&auml;nden der Careforce GmbH wieder. Die geh&ouml;rt laut Eigendarstellung &bdquo;zu den f&uuml;hrenden Unternehmen im Bereich der Personal- und Vertriebsdienstleistung f&uuml;r die pharmazeutische Industrie und andere Unternehmen im Healthcaremarkt&ldquo;. Faktisch arbeite die Firma mit Sitz in K&ouml;ln Arzneimittelherstellern zu, &bdquo;damit die ihre Pillen und Salben besser unter die Leute bringen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/338764.lobbyarbeit-verraten-und-verkauft.html?sstr=verraten%7Cund%7Cverkauft%7Cupd\">schrieb seinerzeit die Tageszeitung &bdquo;junge Welt&ldquo;<\/a>, die die Vorg&auml;nge exklusiv publik machte.<\/p><p>Nicht besser wird die Sache dadurch, dass hinter der Careforce-Holding ein Private-Equity-Fonds namens Findos Investor steht, der mit dem Geld deutscher Mittelst&auml;ndler auf Renditejagd geht. Die UPD befindet sich seither also nicht l&auml;nger nur in der Einflusssph&auml;re der Krankenkassen, sondern auch der Pharmaindustrie und noch dazu im Dunstkreis einer &bdquo;Heuschrecke&ldquo;. Man stelle sich vor, der Gesch&auml;digte eines Blutverd&uuml;nners will den Hersteller juristisch zur Verantwortung ziehen und eine Kompensation erwirken. Nun geh&ouml;rt jedoch sein &bdquo;Berater&ldquo; zu demselben Unternehmen, das daf&uuml;r sorgen soll, dass sich das fragliche Medikament gut und teuer verkauft. Welches Anliegen hat in diesem Fall wohl mehr Gewicht?<\/p><p><strong>N&auml;chste Ausschreibung steht bevor<\/strong><\/p><p>Die Koalition trieben solche Fragen lange Zeit nicht um. Was auch daran gelegen haben mag, dass der Careforce-Deal im Sommerloch 2018 ziemlich untergegangen war. Auch ein kurz darauf lancierter Brandbrief der wissenschaftlichen Mitglieder des UPD-Beirats, in dem diese uneingel&ouml;ste Leistungsversprechen und &bdquo;irref&uuml;hrende&ldquo; Informationen anprangerten, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/gesundheit\/medizin-offizielle-patientenberatung-fuehrt-hilfesuchende-in-die-irre-1.4147159\">lie&szlig; den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Ralf Brauksiepe (CDU), kalt<\/a>.<\/p><p>Selbst als klar war, dass der BRH die Hintergr&uuml;nde der &Uuml;bernahme und die Performance der UPD durchleuchten will, machten die Zust&auml;ndigen in Regierung und beim GKV-Spitzenverband keine Anstalten, von ihrer Linie abzur&uuml;cken. Vor einem Jahr legte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sogar fest, den UPD-Betrieb nach Ende der laufenden F&ouml;rderphase 2022 abermals per Ausschreibung vergeben zu wollen. Es h&auml;tten sich keine Hinweise ergeben, &bdquo;dass die Neutralit&auml;t und Unabh&auml;ngigkeit der Patientenberatung der UPD infrage gestellt ist&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/356979.gesundheitswesen-upd-soll-melkkuh-bleiben.html?sstr=upd%7Cunabh%C3%A4ngige%7Cpatientenberatung\">lie&szlig; er verlauten<\/a>.<\/p><p><strong>Spahn vorm Sinneswandel?<\/strong><\/p><p>Nach der Ohrfeige durch den Bundesrechnungshof ist die Stimmung im Ministerium aber wohl gekippt. Wie die NachDenkSeiten aus gut unterrichteten Quellen erfahren haben, will die amtierende Patientenbeauftragte Claudia Schmidtke (CDU) ein Gutachten mit der Frage nach einer Verstetigung der UPD unter neuer Tr&auml;gerschaft beauftragen. Die Expertise soll schon im kommenden Herbst vorgelegt und der Allgemeinheit zug&auml;nglich gemacht werden. Auf eine Anfrage beim Bundesgesundheitsministerium &auml;u&szlig;erte am Montag ein Sprecher, die BRH-Studie werde &bdquo;aktuell noch gepr&uuml;ft&ldquo; und weiter: &bdquo;Das Ergebnis dieser Pr&uuml;fung und m&ouml;gliche Schlussfolgerungen sind daher noch abzuwarten.&ldquo;<\/p><p>F&uuml;r Rolf Rosenbrock vom Parit&auml;tischen Wohlfahrtsverband kann es nur ein Resultat geben. N&ouml;tig sei ein neuer gesetzlicher Rahmen f&uuml;r die UPD, der es erlaube, wieder an die &bdquo;alte&ldquo; Beratungsarbeit mit ihrer &bdquo;Gleichgewichtung von psychosozialer, sozialrechtlicher und medizinischer Kompetenz&ldquo; anzuschlie&szlig;en. Hierf&uuml;r k&auml;men nur gemeinn&uuml;tzige Organisationen infrage, die unabh&auml;ngig von Staat, GKV, PKV und Gewinnerwartungen sind. Hoffentlich beh&auml;lt er recht.<\/p><p>Titelbild: dotshock \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/712c954626974e3f975a09ed2c20df1c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Unabh&auml;ngige Patientenberatung Deutschland&ldquo; geh&ouml;rt einem Auftragnehmer der Krankenkassen, au&szlig;erdem seit zwei Jahren einem Dienstleister der Pharmaindustrie. Interessenkonflikte, mangelnde Neutralit&auml;t? F&uuml;r die Bundesregierung gab es daf&uuml;r bisher keinerlei Anhaltspunkte. Nach einer Untersuchung durch den Bundesrechnungshof k&ouml;nnte sich das jetzt &auml;ndern. Die Finanzw&auml;chter bem&auml;ngeln Verschwendung, Intransparenz und Machenschaften, die nach &bdquo;krummen Gesch&auml;ften&ldquo; riechen. Das Gesundheitsministerium ist<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62285\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":62286,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,160,143],"tags":[311,1324,768,438,1455,847,1798],"class_list":["post-62285","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-markt-und-staat","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","tag-callcenter","tag-foerdermittel","tag-gkv","tag-pharmaindustrie","tag-private-equity","tag-rechnungshof","tag-spahn-jens"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_703592761.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62285","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62285"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62285\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62301,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62285\/revisions\/62301"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62286"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62285"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62285"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62285"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}