{"id":62321,"date":"2020-06-25T11:10:55","date_gmt":"2020-06-25T09:10:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62321"},"modified":"2020-06-26T07:55:00","modified_gmt":"2020-06-26T05:55:00","slug":"die-taz-und-horst-seehofer-heuchelei-auf-allen-seiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62321","title":{"rendered":"Die taz und Horst Seehofer: Heuchelei auf allen Seiten"},"content":{"rendered":"<p>Die geh&auml;ssige taz-Kolumne zur Polizei h&auml;tte man gerne ignoriert. Doch der Aufruhr ist gro&szlig; und der Vorgang ber&uuml;hrt auch interessante Fragen etwa zur Zensur. Der Abdruck der Kolumne ist scharf zu kritisieren, aber auch zu verteidigen. Die Androhungen von Klagen gegen den Text sind abzulehnen. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_285\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62321-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200625_Die_taz_und_Horst_Seehofer_Heuchelei_auf_allen_Seiten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200625_Die_taz_und_Horst_Seehofer_Heuchelei_auf_allen_Seiten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200625_Die_taz_und_Horst_Seehofer_Heuchelei_auf_allen_Seiten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200625_Die_taz_und_Horst_Seehofer_Heuchelei_auf_allen_Seiten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62321-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200625_Die_taz_und_Horst_Seehofer_Heuchelei_auf_allen_Seiten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200625_Die_taz_und_Horst_Seehofer_Heuchelei_auf_allen_Seiten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In der Debatte um eine <a href=\"https:\/\/taz.de\/Abschaffung-der-Polizei\/!5689584\/\">Kolumne in der Tageszeitung taz<\/a> &uuml;ber eine &bdquo;Abschaffung der Polizei&ldquo; sind beide Positionen zu kritisieren: Sowohl die Ver&ouml;ffentlichung des sehr fragw&uuml;rdigen Textes in der taz als auch die Ank&uuml;ndigung von Innenminister Horst Seehofer (CSU), dagegen gerichtlich vorzugehen.<\/p><p>Gerne h&auml;tte man die inhaltlich schwache und stilistisch geh&auml;ssige Kolumne ignoriert. Doch daf&uuml;r herrscht mittlerweile ein zu gro&szlig;er Aufruhr &ndash; es gilt, ein Sommerloch zu f&uuml;llen und zus&auml;tzlich von dr&auml;ngenderen Problemen abzulenken. Au&szlig;erdem werden durch den Vorgang auch interessante Fragen ber&uuml;hrt, darum lohnt sich die Besch&auml;ftigung damit.<\/p><p><strong>Geh&auml;ssige Kolumne, enthemmter Innenminister<\/strong><\/p><p>Zum Text in der taz ist zu sagen: Das Niveau der Debatte um Polizei und Rassismus wird durch Texte wie diesen radikal gesenkt, stilistisch und inhaltlich. Auf das stilistische Niveau werden sich viele Rechte gerne einlassen. Der Kampf gegen Hasssprache wird erheblich erschwert, wenn man sich ihrer selber bedient. Es werden au&szlig;erdem zahlreiche Steilvorlagen f&uuml;r Retourkutschen geboten. Inhaltlich ist die Kolumne als billig zu bezeichnen: K&uuml;rzungen bei der Polizei (und nat&uuml;rlich erst recht eine &bdquo;Abschaffung&ldquo;) sind nicht fortschrittlich, sondern neoliberal und sie sind als kurzsichtig abzulehnen, wie die NachDenkSeiten etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61856\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben haben.<\/p><p>Mindestens ebenso abzulehnen wie der verungl&uuml;ckte Text ist die Reaktion von Horst Seehofer darauf. Das Gewicht und die ganze einsch&uuml;chternde Macht seines Amtes gegen eine taz-Kolumnistin ins Feld zu f&uuml;hren, ist abzulehnen, und es widerspricht stark der Rechtsempfindung zur Pressefreiheit. Hier muss aber einschr&auml;nkend betont werden: Gegen ein Medium zu klagen, ist nicht per se verwerflich, es ist das gute Recht jedes B&uuml;rgers. So h&auml;tte es z.B. die &bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung wohl gern, dass ihre Opfer sich nur an den zahnlosen Presserat wenden k&ouml;nnten. Die prinzipielle moralische Verurteilung von Medienklagen ist also abzulehnen: Diese prinzipielle Verurteilung bedeutet auch eine Missachtung des Gerichts, weil dadurch jedes Urteil gegen ein Medium als &bdquo;Maulkorb&ldquo; diffamiert werden kann.<\/p><p><strong>Die taz, der Minister und der Fall Diekmann<\/strong><\/p><p>Im konkreten Fall wird vor allem ein Problem daraus, dass Seehofer in seiner Funktion als Innenminister handelte, als er der taz &ouml;ffentlichkeitswirksam eine Klage androhte. Eine Drohung, die ihm nun anscheinend <a href=\"https:\/\/taz.de\/Reaktionen-auf-Seehofer-Ankuendigung\/!5696703\/\">um die Ohren fliegt<\/a> &ndash; ein Schauspiel, das man nicht ohne Am&uuml;sement betrachtet. Hat Seehofer nicht vom <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/penis-satire-schlappe-fuer-bild-chef-diekmann-a-223481.html\">Fall Kai Diekmann<\/a> gelernt? . Ein <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/debatte-um-taz-kolumne-seehofer-sollte-zuruecktreten.720.de.html?dram:article_id=479273\">Kommentar im Deutschlandfunk<\/a> m&ouml;chte schon den R&uuml;cktritt Seehofers herbeischreiben. Zur Rechtspraxis zitiert die <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/debatte-um-taz-kolumne-darf-ein-innenminister-eine-journalistin-anzeigen-71429416.bild.html\">&bdquo;Bild&ldquo;<\/a> einen prominenten Medienanwalt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Im Presserecht muss man zwischen zwei wichtigen Grundrechten abw&auml;gen: Auf der einen Seite die Meinungs- und &Auml;u&szlig;erungsfreiheit der Journalistin. Auf der anderen Seite die Rechte der betroffenen Pers&ouml;nlichkeiten (Polizei). Bei dieser Abw&auml;gung schl&auml;gt das Pendel zugunsten der Betroffenen. Der letzte Satz mit dem Abfallvergleich ist einfach zu viel. Es handelt sich um eine sog. Kollektivbeleidigung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das m&uuml;sse sich ein Polizeibeamter nicht bieten lassen. Die m&ouml;gliche Strafanzeige des Bundesministers sei allerdings nicht erfolgversprechend, da solche Verfahren &uuml;blicherweise eingestellt w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Was darf &bdquo;Satire&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Der Vorgang ber&uuml;hrt auch die umk&auml;mpfte Definition von Satire, denn darauf beruft sich zur Verteidigung die taz. Wenn aber Satire &bdquo;fast alles darf&ldquo;, wie es aktuell einmal mehr von vielen Seiten hei&szlig;t: Sollte dann der Begriff vielleicht sch&auml;rfer definiert werden? Ist es denn Satire, wenn grobe, pauschale und teils b&ouml;swillige Beleidigungen aneinandergereiht werden, ohne dass diese satirisch gebrochen w&uuml;rden? Aufreizend an der Debatte sind auch jene Kommentatoren, die so tun, als w&uuml;rden allein sie den satirischen Gehalt eines Textes erkennen und die Kritiker seien einfach zu humorlos daf&uuml;r. Das &auml;u&szlig;ert sich in dem nun <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/polizei-kolumne-der-taz-der-massstab-fuer-texte-kann-nicht.1008.de.html?dram:article_id=478845\">h&auml;ufig ge&auml;u&szlig;erten Satz<\/a>, &bdquo;Gerichte seien nicht daf&uuml;r da, satirische Text zu erkl&auml;ren&ldquo;. Das ist nicht nur arrogant gegen&uuml;ber jenen Personen, die sich von groben Texten verletzt f&uuml;hlen und deren Verletzung durch &bdquo;Dummheit&ldquo; erkl&auml;rt werden soll. Es ist auch inkonsequent, wenn man diese Position in Relation zu &Auml;u&szlig;erungen (auch der taz) beim &bdquo;Kampf gegen Hasssprache&ldquo; setzt: In diesen F&auml;llen sollen Gerichte durchaus &uuml;ber Meinungsfragen und inhaltliche Debatten entscheiden. Das ist im &Uuml;brigen noch der bessere Fall: Das sich verbreitende Modell, dass private Gruppen wie &bdquo;Correctiv&ldquo; oder die Internetkonzerne selber Zensur aus&uuml;ben, ist scharf zu kritisieren.<\/p><p>Wenn also im Falle der &bdquo;rechten Hasssprache&ldquo; (im besten Fall) Gerichte &uuml;ber die Berechtigung bzw. den pauschal beleidigenden Charakter von Meinungs&auml;u&szlig;erungen entscheiden sollen &ndash; warum ist das dann im Falle eines taz-Textes ein Problem? Schlie&szlig;lich ginge es ja nicht um ein vorbestimmtes Urteil, sondern um eine gerichtliche Kl&auml;rungshilfe bei einer gesellschaftlichen Debatte. Diese Frage ist aber keine Forderung nach Zensur der taz! Im Gegenteil ist sie ein Pl&auml;doyer daf&uuml;r, auch andere grenzwertige Meinungs&auml;u&szlig;erungen nicht zu attackieren. In diesem Bereich muss die taz aber mittlerweile als teils moralisch auftrumpfend bezeichnet werden. Ein j&uuml;ngeres Beispiel f&uuml;r den infamen Umgang der taz mit Andersdenkenden war <a href=\"https:\/\/taz.de\/Hygienedemo-Aktivisten-als-Nachbarn\/!5688393\/\">dieser Artikel<\/a> &uuml;ber Corona-Proteste in Berlin. Durch eine teils forsche Haltung gegen Andersdenkende hat sich die taz mittlerweile angreifbar gemacht.<\/p><p><strong>Meinungsfreiheit: Die Heuchelei der taz<\/strong><\/p><p>Wer auf anderen Feldern &bdquo;abweichende&ldquo; Meinungen so hart attackiert wie die taz und viele gro&szlig;e Medien, der macht sich der Heuchelei schuldig, wenn er diese Attacken d&auml;monisiert, sobald sie einen selber treffen. Wer anderen den Mund verbieten will, auf den f&auml;llt das irgendwann zur&uuml;ck. Nochmals sei betont: Hier soll die Kultur der Meinungsunterdr&uuml;ckung scharf kritisiert werden &ndash; egal, ob es taz-Kolumnen oder Facebook-Kommentare betrifft: Beides darf nicht zensiert oder eingesch&uuml;chtert werden, es sei denn, strafrechtliche Aspekte werden ber&uuml;hrt. Aber es sollten auch gleiche Bedingungen im Meinungskampf gelten. Man kann &bdquo;den Hass&ldquo; im Netz nicht l&ouml;schen und ihn gleichzeitig in der taz dulden. Moral hat bei dieser Frage nichts zu suchen: Wer wollte festlegen, welche grenzwertige &Auml;u&szlig;erung politisch genehm ist, weil sie ja f&uuml;r die &bdquo;gute Sache&ldquo; wirkt, und welche grenzwertige &Auml;u&szlig;erung von Correctiv aufgesp&uuml;rt und von Youtube oder Facebook markiert oder gar gel&ouml;scht werden darf? Am Beispiel unterschiedlicher Bewertungen von Demos haben die NachDenkSeiten solche Ungleichbehandlungen an anderer Stelle k&uuml;rzlich im Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61739\">&bdquo;Gute Demos, schlechte Demos&ldquo;<\/a> beschrieben.<\/p><p>Kritik an Seehofers Vorgehen ist sehr berechtigt &ndash; dadurch r&uuml;ckt eine Kritik an der taz aber etwas in den Hintergrund. Die Zeitung nimmt diese Steilvorlage gerne wahr: Zum einen, um vom Kern der Debatte (der Kolumne) abzulenken. Zum anderen, um sich nun in einer aufreizenden und exzessiven Selbstdarstellung zu dem Thema zu &auml;u&szlig;ern. So bl&auml;st die Zeitung den Vorgang und die Selbstbespiegelung in ganzen Dossiers auf &ndash; <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Debatte-um-Kolumne-in-der-taz\/!t5696698\/\">hier<\/a> findet sich die Artikelsammlung zur Kolumne, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Pressefreiheit\/!t5007487\/\">hier<\/a> die zur nun bedrohten &bdquo;Pressefreiheit&ldquo;. <a href=\"https:\/\/taz.de\/In-eigener-Sache\/!5696448\/\">Hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Innenminister-droht-der-taz-mit-Anzeige\/!5696702\/\">hier<\/a> hat sich die Chefredakteurin zum Vorgang ge&auml;u&szlig;ert, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Verteidigung-taz-Kolumne\/!5696661\/\">hier<\/a> der Anwalt der taz. Es gibt noch zahlreiche weitere taz-Beitr&auml;ge zum Thema.<\/p><p><strong>Polizei, Rassismus, Medien: Debatte bleibt an der Oberfl&auml;che<\/strong><\/p><p>Allgemein ist zu beklagen, dass durch die Debatte wieder nur die Oberfl&auml;che ber&uuml;hrt wird &ndash; von der taz, von der Politik und den Medien: Ursachen (vor allem wirtschaftspolitische) werden nicht analysiert, Symptome werden dagegen exzessiv thematisiert. Und ausgerechnet jene, die bei der Polizei jahrelang das Personal gek&uuml;rzt haben, beklagen nun eine Missachtung der Polizei &ndash; dabei ist K&uuml;rzung die gr&ouml;&szlig;te Missachtung, weil dadurch der Eindruck entsteht, die Polizei w&auml;re permanent &uuml;berfordert. Dieses Verhalten ist auf allen Gebieten des vernachl&auml;ssigten Staates zu beobachten: Die wirtschaftsliberalen Politiker beklagen die durch K&uuml;rzungen selber herbeigef&uuml;hrten Zust&auml;nde. Sie sind die Ursache &ndash; Stra&szlig;engewalt ist das Symptom. Die Frage ist nicht, ob wir eine &ouml;ffentliche Polizei wollen, sondern was f&uuml;r eine. Anzustreben w&auml;re ein Zustand mit weniger &Uuml;berwachung, Bewaffnung und Technik, statt dessen mit massenhaft einzustellenden (unbewaffneten) Nachbarschafts-Beamten.<\/p><p>Wer detaillierter in die Debatte einsteigen m&ouml;chte, kann das tun: Es sind zahllose Artikel dazu erschienen. Eher die Position der taz nehmen dabei etwa das <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1138151.horst-seehofer-untragbarer-innenminister.html\">&bdquo;Neue Deutschland&ldquo;<\/a>, der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/margarete-stokowski-ueber-rassismus-und-die-kontroverse-taz-kolumne-von-hengameh-yaghoobifarah-a-9e059e83-ef29-4747-a6d6-ce8fffc3f3ea\">&bdquo;Spiegel&ldquo;<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2020-06\/taz-polizei-hengameh-yaghoobifarah-satire-seehofer\/komplettansicht\">&bdquo;Zeit&ldquo;<\/a> oder der <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/polizei-kolumne-der-taz-der-massstab-fuer-texte-kann-nicht.1008.de.html?dram:article_id=478845\">Deutschlandfunk<\/a> ein. Eher kritisch gegen&uuml;ber Zeitung und Kolumne positionieren sich etwa <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/statement-auf-kolumne-junger-polizist-rechnet-mit-taz-autorin-ab-mit-jedem-satz-waechst-meine-wut_id_12135985.html\">&bdquo;Focus&ldquo;<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/2020\/politik\/nach-polizei-kolumne-horst-seehofer-erstattet-strafanzeige-gegen-taz-kolumnistin-71416198.bild.html\">&bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung<\/a>. Die CSU ver&ouml;ffentlichte auf Twitter gar einen Steckbrief mit einem Foto der Autorin und schrieb: &bdquo;Die h&auml;ssliche Fratze der hasserf&uuml;llten Linken in Deutschland zeigt sich. (&hellip;) SIE will Polizisten als Abfall auf der M&uuml;llhalde entsorgen!&ldquo; Sp&auml;ter wurde der Tweet gel&ouml;scht. Und die <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/muellabfuhr-der-taz-kommentar-zur-kolumne-ueber-die-polizei-16819362.html\">FAZ<\/a> hat zugespitzt einige &auml;ltere Titel der Autorin zusammengetragen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wer schreibt so etwas? Yaghoobifarah arbeitet als freie Autorin, verfasst seit 2016 die Kolumne &bdquo;Habibitus&ldquo; bei der &bdquo;taz&ldquo; und wirkte beim 2015 eingestellten Blog &bdquo;Ich. Heute. 10 vor 8.&ldquo; dieser Zeitung mit. Als sie 2017 in einer Kolumne die Kultur der &bdquo;Kartoffeln&ldquo; und &bdquo;Lauchs&ldquo; (gemeint sind: Deutsche) als &bdquo;Dreckskultur&ldquo; bezeichnete, l&ouml;ste das einen mittleren Aufschrei aus, der heute m&uuml;&szlig;ig wirkt. Denn in dem Duktus ging es weiter, hier zitatweise dokumentiert: &bdquo;Trust no white bitch&ldquo; (2016), &bdquo;Deutsche, schafft Euch ab!&ldquo; (2017), &bdquo;Auch sie sind Schweine&ldquo; (2018, &uuml;ber Frauen, die sich der MeToo-Bewegung verschlie&szlig;en), &bdquo;Vielleicht betrachten Almans Rex &amp; Co. als ihresgleichen, weil sie oft selber Hunde sind&ldquo; (2019), &bdquo;Friedrich Merz &hellip; Seine Strategie gegen rassistische Gewalt? Verstaatlichte rassistische Gewalt&ldquo; (2020). Ironie oder ein doppelter Boden sind nirgends erkennbar, auch in der Kolumne &uuml;ber Polizisten nicht. (&hellip;) Warum bringt die &bdquo;taz&ldquo;, die sonst gerne gegen &bdquo;Hass im Netz&ldquo; anschreibt, Texte, die &ndash; mit vertauschten Feindbildern, ansonsten wortgleich &ndash; in rechten Hetzbl&auml;ttern stehen k&ouml;nnten?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Identit&auml;tspolitik: &bdquo;Die Eigentumsverh&auml;ltnisse werden nicht angetastet&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ein interessanter aktueller <a href=\"https:\/\/taz.de\/taz-Kolumne-ueber-Polizei\/!5691333\/\">taz-Beitrag<\/a> geht ein auf den taz-internen Konflikt zwischen &bdquo;intersektional Denkenden, meist jungen KollegInnen, f&uuml;r die Identit&auml;t eine zentrale politische Kategorie ist, und dem Rest der Redaktion&ldquo;. Durch diese jungen Kollegen w&uuml;rde zwar &bdquo;niemandem verboten zu reden&ldquo;. Erwartet werde aber, &bdquo;sich der Auffassung anzuschlie&szlig;en, nichts zum Diskurs beizutragen zu haben, wenn man keine eigenen Erfahrungen hat &ndash; und deshalb freiwillig zu schweigen&ldquo;. Und deswegen &bdquo;darf&ldquo; eine Autorin wie Hengameh Yaghoobifarah in den Augen intersektional Denkender auch &bdquo;alles&ldquo;. Wer ihr das abspreche &ndash; und etwa die Kolumne kritisiere &ndash; sei kein guter Verb&uuml;ndeter der Diskriminierten, sondern verteidige nur seine Privilegien. Der Beitrag kritisiert diese verh&auml;ngnisvolle Entwicklung:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Was mit der politischen Fixierung auf Privilegien zu gewinnen ist, ist nicht ausgemacht. Diese zielt vor allem auf die Subjekte. Ver&auml;nderung soll zum einen &uuml;ber moralische Anrufung und die daraus folgende Bereitschaft kommen, unrechtm&auml;&szlig;ige Vorteile abzutreten. In einer &sbquo;neoprotestantischen Selbstdisziplinierung&lsquo; sollen Wei&szlig;e ihre Besserstellung aufgeben. (&hellip;) Die Organisationsfrage wird nicht gestellt, die Eigentumsverh&auml;ltnisse werden nicht angetastet.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das ablenkende Potenzial einer bestimmten Auspr&auml;gung der Bewegung gegen Rassismus haben die NachDenkSeiten gerade <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62143\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben. Auch zu weiteren hier angesprochenen Themen haben wir bereits Beitr&auml;ge ver&ouml;ffentlicht. So wird die teils fragw&uuml;rdige Entwicklung der taz etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52265\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43085\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60328\">hier<\/a> thematisiert. Das Thema Zensur w&auml;hrend der Corona-Krise wurde etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62071\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60119\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62169\">hier<\/a> aufgegriffen. Beitr&auml;ge zum Thema Internetzensur finden sich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44517\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51891\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47228\">hier<\/a>.<\/p><p>Titelbild: Hadrian \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geh&auml;ssige taz-Kolumne zur Polizei h&auml;tte man gerne ignoriert. Doch der Aufruhr ist gro&szlig; und der Vorgang ber&uuml;hrt auch interessante Fragen etwa zur Zensur. Der Abdruck der Kolumne ist scharf zu kritisieren, aber auch zu verteidigen. Die Androhungen von Klagen gegen den Text sind abzulehnen. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":62322,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,60,183,161],"tags":[423,1959,2686,1163,421,1415,1331,582,590,220],"class_list":["post-62321","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-innere-sicherheit","category-medienkritik","category-wertedebatte","tag-austeritaetspolitik","tag-hate-speech","tag-identitaetspolitik","tag-meinungspluralismus","tag-polizei","tag-pressefreiheit","tag-satire","tag-seehofer-horst","tag-taz","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_1111956926.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62321"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62350,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62321\/revisions\/62350"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}