{"id":62433,"date":"2020-06-29T12:51:05","date_gmt":"2020-06-29T10:51:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62433"},"modified":"2020-07-03T10:12:51","modified_gmt":"2020-07-03T08:12:51","slug":"staatliche-rettung-der-lufthansa-eine-schmierenkomoedie-mehrfach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62433","title":{"rendered":"Staatliche Rettung der Lufthansa \u2013 eine Schmierenkom\u00f6die, mehrfach"},"content":{"rendered":"<p>Ab 3. M&auml;rz 2020 kauften sich Spekulanten wie Heinz Hermann Thiele und noch ganz andere schrittweise in die abst&uuml;rzende Lufthansa AG ein. Mit ge&uuml;btem Gesp&uuml;r f&uuml;r das staatliche Pandemie-Management wussten sie, was dann passiert. Besch&auml;ftigte, Umwelt und Staatshaushalt werden belastet, Spekulanten belohnt. Verantwortungsvolle Umstrukturierung s&auml;he ganz anders aus und w&auml;re m&ouml;glich. Von <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6442\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62433-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200629_Staatliche_Rettung_der_Lufthansa_eine_Schmierenkomoedie_mehrfach_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200629_Staatliche_Rettung_der_Lufthansa_eine_Schmierenkomoedie_mehrfach_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200629_Staatliche_Rettung_der_Lufthansa_eine_Schmierenkomoedie_mehrfach_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200629_Staatliche_Rettung_der_Lufthansa_eine_Schmierenkomoedie_mehrfach_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62433-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200629_Staatliche_Rettung_der_Lufthansa_eine_Schmierenkomoedie_mehrfach_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200629_Staatliche_Rettung_der_Lufthansa_eine_Schmierenkomoedie_mehrfach_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am 25. Juni bei der au&szlig;erordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa AG stimmten die Aktion&auml;re dem Rettungsplan der Bundesregierung zu. Der Staat bringt 9 Milliarden Euro auf, als 20-prozentigen Anteil an den Aktien sowie als Kredite. Damit soll die wegen der Corona-Pandemie abgest&uuml;rzte deutsche Fluggesellschaft gerettet werden. Der Staat will ab 2023 wieder aussteigen, nach der erhofften Sanierung.<\/p><p><strong>Herr Thiele ist unzufrieden mit seinem Staat<\/strong><\/p><p>Diese Entscheidung war lange unsicher. Vor allem der neue Hauptaktion&auml;r Heinz Hermann Thiele hatte gedroht, das staatliche Rettungspaket bei der anstehenden au&szlig;erordentlichen Hauptversammlung der Aktion&auml;re abzulehnen. Herr Thiele ist &uuml;brigens ein Spekulant: Er hatte sich unter dem Schirm der alles beherrschenden &bdquo;Corona-Hysterie&ldquo; seine 15,5 Prozent der Aktien genau ab dem 3. bis 16. M&auml;rz 2020 still und heimlich zusammengekauft. Nach der &ouml;ffentlichen Bekanntgabe des Rettungspakets (Finanzminister Scholz: So geht &bdquo;Wumms&ldquo;) war er ganz, ganz sicher und hat wumms schnell noch die letzten 5 Prozent dazugekauft. So geht &bdquo;Wumms&ldquo;![<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Und nun wurde Thiele frech: Der Einfluss des Staates sei zu gro&szlig;! Der Staat soll seine Milliarden abliefern, er kriegt eine stille Beteiligung &ndash; das reicht dem Staat, der soll die Klappe halten, teilte der Multimilliard&auml;r per FAZ der Merkel-Regierung mit. Damit l&auml;sst sich unsere beziehungsweise seine Bundeskanzlerin kommentarlos &ouml;ffentlich vorf&uuml;hren. Sie h&auml;lt die Klappe, sie muss ja regieren und die B&uuml;rger zu Mund- und Nasenschutz aufrufen.<\/p><p>Der Thiele blieb frech, die ganze Zeit von der Verk&uuml;ndung des Rettungsprogramms bis eine Minute vor der Hauptversammlung. Obwohl doch die kapitalfromme Bundesregierung schon so zur&uuml;ckhaltend wie m&ouml;glich war: Sie bleibt mit den 20 Prozent unter der 25-Prozent-Beteiligung: Nicht mal die damit m&ouml;gliche Sperrminorit&auml;t will sie haben. Und sie verzichtet darauf, selbst ihre Vertreter im Aufsichtsrat vorzuschlagen: Dieses Recht gesteht sie ausschlie&szlig;lich dem Lufthansa-Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl-Ludwig Kley zu.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Aber Herr Thiele war immer noch sehr sehr unzufrieden: Obwohl sein Aktienpaket nur dadurch seinen Milliardenwert beh&auml;lt, dass der Staat bzw. sein Staat einsteigt, worauf Thiele ja spekuliert hat und sich verlassen konnte. Thiele hatte auch noch angedeutet: Statt dieser staatlichen Rettung k&ouml;nnten wir doch eine Insolvenz durchziehen! Da k&ouml;nnte man ganz neu anfangen, k&ouml;nnte schnell Personal abbauen und den lukrativen Kern heraussch&auml;len. &bdquo;Ich habe jetzt meine Berater, Wirtschaftspr&uuml;fer und Anw&auml;lte losgeschickt&ldquo;, lie&szlig; er &uuml;ber die FAZ bekanntgeben. Sie sollen nachverhandeln. Also er wisse keinesfalls, ob er dem Rettungspaket der Bundesregierung zustimme, drohte der Thiele bis zuletzt. So geht seinesgleichen eben mit seiner Regierung um.<\/p><p><strong>Neben Thiele auch noch Morgan Stanley, BlackRock &amp; Co<\/strong><\/p><p>So bibberten deutsche Regierung, Vorstand und Aufsichtsrat der Lufthansa bis zum letzten Tag: Wie wird sich Herr Thiele entscheiden?[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Wo er doch zudem noch zart angedeutet hatte: Ich stehe mit dem halben Dutzend der n&auml;chstgr&ouml;&szlig;eren Aktion&auml;re in Verbindung. Das sind &uuml;brigens meistens solche, die auch erst mit Beginn der Pandemie neu eingestiegen sind, im Zutrauen auf ihren Staat. Das sind an erster Stelle die US-Investmentbank Morgan Stanley mit 7,4 Prozent sowie weitere Aktion&auml;re, die Thiele namentlich aber nicht nannte.<\/p><p>Bekannt ist noch BlackRock, der allgegenw&auml;rtige, scheinbar unscheinbare Miteigent&uuml;mer aller DAX- und ein paar hundert weiterer Konzerne in Deutschland. Wobei BlackRock, im Unterschied zu Thiele und Morgan Stanley und den anderen auch schon vorher Lufthansa-Aktion&auml;r war. BlackRock&amp;Co aber sagten nie was, wurden nicht wie Thiele von FAZ und Handelsblatt und S&uuml;ddeutscher Zeitung seitenlang interviewt. Nein, diese anderen Unbekannten &ndash; deren Privatheit wurde respektiert. Die lie&szlig;en dezenterweise den Thiele &ouml;ffentlich plappern und taktieren und den Staat vorf&uuml;hren.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>So konnte der Thiele die Lufthansa-Rettung als deutsche patriotische Tat inszenieren. Er inszenierte sich mit der Minister Scholz und Altmaier Hilfe als Retter des &bdquo;deutschen Champions&ldquo; Lufthansa. Wo doch Deutschland und die EU nach der segensreichen &bdquo;Globalisierung&ldquo; jetzt im wirtschaftlichen Abstieg, zerrieben zwischen den USA und China, um deutsche und europ&auml;ische &bdquo;Champions&ldquo; k&auml;mpfen m&uuml;ssen, neuerdings!<\/p><p><strong>Endlich doch: Herr Thiele &amp; Co erl&ouml;sen den Staat und die Lufthansa<\/strong><\/p><p>Also dann bei der Hauptversammlung erl&ouml;sten der Herr Thiele &amp; Co die Regierung, den Vorstand, den Aufsichtsrat, die Medien und nicht zuletzt die 138.000 (Noch-)Besch&auml;ftigten der Lufthansa: Thiele stimmte dem Rettungsplan zu.<\/p><p>Die virtuelle Hauptversammlung mit einem Dutzend nichts sagender Figuren, war &uuml;brigens eine Gespensterversammlung, in mehrfacher Hinsicht: Nur 38 Prozent der Aktion&auml;re waren vertreten, also Thiele, Morgan Stanley, BlackRock und die neuen Unbekannten. Die waren aber selber bei der virtuellen Versammlung gar nicht da, sondern lie&szlig;en sich durch ein paar korrekt gekleidete Anzugtr&auml;ger, gutverdienende Unternehmer-Anw&auml;lte vertreten. Z.B. f&uuml;r Thiele dr&uuml;ckte jemand von der M&uuml;nchner Gro&szlig;kanzlei Gauweiler, die dem CSU-Bundestagsabgeordneten und Gro&szlig;-Nebenverdiener Gauweiler geh&ouml;rt, aufs Kn&ouml;pfchen f&uuml;r die digitale Zustimmung.<\/p><p>&Uuml;brigens ein Beispiel daf&uuml;r, wie heute auf Aktion&auml;rsversammlungen eine kleine radikale und teilweise unbekannte Minderheit mit einer Minderheit der Aktien die Entscheidungen f&auml;llt bzw. vor der &ouml;ffentlichen Hauptversammlung l&auml;ngst ausbaldowert hat.<\/p><p>Zu dieser Art &bdquo;Wirtschaftsrettung&ldquo; geh&ouml;ren systemisch solche Schmierenkom&ouml;dien.<\/p><p><strong>Aktien rein und raus, Aktien rauf und runter: Das Krisen-Gesch&auml;ftsmodell<\/strong><\/p><p>Mit Beginn der Pandemie-Ma&szlig;nahmen ab Ende Februar 2020 war der Flugverkehr eingebrochen. Und ab dem 3. M&auml;rz 2020 also waren die neuen Kapitalisten als die neuen Eigent&uuml;mer in die Lufthansa AG eingestiegen. Sie hatten schrittweise Aktienpakete der abst&uuml;rzenden Fluggesellschaft aufgekauft. Je l&auml;nger der Lockdown dauerte, desto mehr Aktien kauften sie, schrittweise. Sie kauften immer mehr Aktien eines Unternehmens, das immer mehr der Insolvenz zusteuerte. Geheimnisvoll, r&auml;tselhaft, oder?<\/p><p>Nein, normales asoziales kapitalistisches Krisengesch&auml;ft heute. Die Leitmedien machen mit dem Absturz der Aktienwerte den Klein- und Mittelaktion&auml;ren Angst. &bdquo;Die Wirtschaft&ldquo; trudelt ab, die Spekulanten &ndash; Investoren genannt &ndash; steigen ein. Jedenfalls solche Investoren, die in den Berichten f&uuml;r das verdummte Volk, z.B. im t&auml;glichen B&ouml;rsenbericht des Staatssenders ARD, nie genannt werden. Aktien runter &ndash; lecker f&uuml;r die professionellen Gro&szlig;spekulanten.<\/p><p>Jede Bewegung auf dem Wertpapiermarkt, ob nach oben oder unten &ndash; ein Gesch&auml;ft, z.B. f&uuml;r BlackRock mithilfe der Tochterfirma Aladdin: Die gr&ouml;&szlig;te Datenverarbeitungsanlage des westlichen Kapitalismus spekuliert im Nanosekundenbereich mit allen Aktien aller Aktiengesellschaften der westlichen Welt. Wertverluste, Wertgewinne &ndash; die Algorithmen nutzen die kleinste Differenz in der zweiten Stelle hinter dem Komma blitzartig und gro&szlig;volumig aus, gleichzeitig an allen B&ouml;rsen. Aladdin ber&auml;t gegen eine kleine Geb&uuml;hr auch andere Spekulanten, &uuml;brigens auch die Finanzaufsicht und die EZB und die Federal Reserve Bank.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Die Finanzaufsichten kriegen dann bei anderen Schmierenkom&ouml;dien wie jetzt in Deutschland bei Wirecard nichts mit.<\/p><p><strong>Rettung: Wer wird gerettet?<\/strong><\/p><p>Nach der Rettungszusage k&uuml;ndigte Vorstandschef Carsten Spohr an: Wir m&uuml;ssen ungef&auml;hr 22.000 Arbeitspl&auml;tze abbauen. Das hatte er &uuml;brigens schon jahrelang vor der Pandemie geplant. Und noch weitere paar zehntausend stehen schon l&auml;nger auf der Abschussliste. Die aufsteigende Konkurrenz aus dem Ausland, vor allem die Billig-Massenflieger wie Ryan Air, macht seit langem Druck. Mit der Gr&uuml;ndung der Billigflieger-T&ouml;chter Germanwings und Eurowings und dem Verkauf der Cateringtochter Sky Masters hatte Spohr schon einen z&ouml;gerlichen Anlauf gemacht. Aber jetzt mit dem Aufkleber Corona soll es richtig aufw&auml;rts bzw. abw&auml;rts gehen, mit Staatshilfe.<\/p><p>Die Gewerkschaften der Piloten, Flugbegleiter und des Bodenpersonals, also Cockpit, UFO und verdi, werden erpresst: m&ouml;glichst viele Besch&auml;ftigte in m&ouml;glichst ausgedehnte Teilzeit, sinkende Geh&auml;lter, reduzierte Beitr&auml;ge zur Altersvorsorge, zus&auml;tzlich reduzierte Pensionen, unbezahlte Urlaube, freiwilliges Ausscheiden mit Abfindung. Dagegen: Den Aktion&auml;ren sind keine Verzichte abgezwungen worden, z.B. ihre Aktienpakete nicht in Finanzoasen zu verstecken. Also den Besch&auml;ftigten hilft die Bundesregierung nicht.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Dazu noch ein Vergleich: F&uuml;r gut zwei Millionen Selbst&auml;ndige hat der Staat etwa 12 Milliarden an Krisenhilfen ausgesch&uuml;ttet, als einmalige Kurzzeithilfen von 2.000 bis 15.000 Euro. Da h&auml;ngen noch einige Millionen Arbeitspl&auml;tze dran, vielfach prek&auml;r. Die Hilfen laufen f&uuml;r drei Monate, dann muss genau abgerechnet werden. Was nicht als Betriebskosten anrechenbar ist, muss zur&uuml;ckgezahlt werden. Denn nach drei Monaten ist bekanntlich die Krise zu Ende, nicht wahr?<\/p><p>Dagegen: F&uuml;r das eine Unternehmen Lufthansa mit den 138.000 (Noch-)Besch&auml;ftigten gibt der Staat eine &auml;hnliche Summe aus, mit jahrelangen Garantien, w&auml;hrenddessen die ohnehin wenigen Besch&auml;ftigten immer weniger werden und die angstvollen &Uuml;brigbleibenden immer &auml;rmer werden sollen.<\/p><p><strong>Was k&ouml;nnte Herr Thiele Besseres tun?<\/strong><\/p><p>Thiele hatte aus seinen gesch&auml;tzten 13 Milliarden Euro Privatverm&ouml;gen &ndash; das ist nur der &ouml;ffentlich bekanntgegebene Wert &ndash; schnell mal ein paar Milliarden abgezweigt und die Lufthansa-Aktien gekauft. Kapital ist sehr beweglich, wenn es bzw. sein Kapitalist es will.<\/p><p>Thiele ist gro&szlig; und reich geworden mit seinen Unternehmen Knorr Bremse und Vossloh. Knorr Bremse ist weltweit f&uuml;hrend bei Brems- und Leitsystemen f&uuml;r Schienen- und Nutzfahrzeuge, auch etwa f&uuml;r U-Bahnen und Landmaschinen, f&uuml;r Schienen- und T&uuml;rtechnik, Klimaanlagen und Energiesysteme. Das Unternehmen Vossloh produziert erg&auml;nzend Weichen- und Schienenbefestigungssysteme und Lokomotiven.<\/p><p>Das h&auml;tte, wenn die Bundesregierung die Umwelt entlasten und neue Arbeitspl&auml;tze schaffen wollte, weiterentwickelt werden k&ouml;nnen: An &ouml;ffentlichen und besser funktionierenden und billigeren Nahverkehrssystemen ist Bedarf.<\/p><p>Und wo doch die Bundesregierung mit der Europ&auml;ischen Kommission jetzt genauer aufpasst, dass nicht zuviel an China verscherbelt wird: Thiele durfte v&ouml;llig ungehindert den Bereich Transportation an das gr&ouml;&szlig;te Eisenbahnunternehmen Chinas verkaufen: China Railway Rolling Stock Corporation, CRRC. Damit konnte Thiele Lufthansa-Aktien kaufen. Statt dass der Staat gesagt h&auml;tte: Mein Freund, Vossloh Transportation bleibt in Deutschland, in Europa! Wir bauen Schienensysteme hier!<\/p><p>Aber nein, die Bundesregierung l&auml;sst Thiele seine Milliarden umschichten in die umweltt&ouml;dliche Fliegerei. Und die wird trotz aller schleimigen Bekenntnisse zum Klimaschutz auch jetzt wieder bei diesem Rettungspaket zudem noch rechts- und systemwidrig beim Flugbenzin von der Mehrwertsteuer entlastet.<\/p><p>Das Wirtschafts-Rettungspaket schw&auml;cht den Staatshaushalt und zerst&ouml;rt die Umwelt.<\/p><p><strong>Thieles Vorbild: Herbert Quandt<\/strong><\/p><p>Da marschiert die Bundesregierung, von der Europ&auml;ischen Kommission unterst&uuml;tzt, mit ihrem Thiele bzw. der Thiele mit seiner Bundesregierung in eine ganz andere Richtung. Privatgewinn, staatlich gef&ouml;rdert, statt Umwelt- und Klimaschutz.<\/p><p>Thiele als einer der allerreichsten Deutschen hat als Vorbild einen anderen der allerreichsten Deutschen aus besseren Zeiten, bekennt er nostalgisch: Sein Vorbild ist Herbert Quandt, der stille Nazi-Gro&szlig;profiteur, der auch schon mit Staatshilfe sehr reich wurde. So konnte er 1959 als einer der reichsten Deutschen pl&ouml;tzlich mit ganz viel Kapital auf der Matte stehen und als edler Retter bei BMW auftreten (Handelsblatt: &bdquo;Mit Parallelen zur Lufthansa&ldquo;) und seinen Erben eine milliardenschwere Pfr&uuml;nde hinterlie&szlig;: Leistungsloses Abkassieren von j&auml;hrlich zwischen 500 und 900 Millionen Euro f&uuml;r den Quandt\/Klatten-Clan. Und der muss nicht mal ein Tausendstel davon abgeben f&uuml;r Spenden an CDU und CSU, damit alles so gut klappt. (Thiele selbst braucht gar nicht zu spenden, zumindest bisher.)<\/p><p><strong>Staats-Wirtschaft: aber ja! Es muss aber der richtige Staat sein<\/strong><\/p><p>Dank der Beziehungen zur CDU wurde Knorr Bremse als Dauer-Gro&szlig;-Auftragnehmer der damals noch staatlichen Bundesbahn &ndash; 80 Prozent des Umsatzes &ndash; m&auml;chtig. Auch Thiele hatte wie Vorbild Quandt nichts gegen die ansonsten kritisierte Staatswirtschaft. So kam Thiele mithilfe des CDU-Staates auch an einiges in der Ex-DDR.<\/p><p>Der Gro&szlig;unternehmer wird in der Wirtschaftswoche jetzt als &bdquo;Kind der Wirtschaftswunderjahre und Empork&ouml;mmling im besten Sinne&ldquo; gefeiert: &bdquo;Mit Gewerkschaften hat er Schwierigkeiten&ldquo;, gestand er der S&uuml;ddeutschen Zeitung. &bdquo;Die Leute wollen gef&uuml;hrt werden&ldquo;, erz&auml;hlte er der Wirtschaftswoche. Bei Knorr Bremse gilt deshalb kein Tarifvertrag. Daf&uuml;r muss 42 Stunden in der Woche gearbeitet werden, und der F&uuml;hrer verteilt an die Besten dann Boni.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Mit &Ouml;ffentlichkeit mag er es meist nicht so: Erst 2018 ging Knorr Bremse an die B&ouml;rse. Die Mehrheit geh&ouml;rt dem Thiele-Familienclan, geparkt in einer steuerbeg&uuml;nstigten Familienholding. Und: &bdquo;Die Erbschaftssteuer ist ein enteignungs&auml;hnlicher Eingriff in das Privateigentum&ldquo;, vertraute er dem sympathisierenden Unternehmerbl&auml;ttchen FAZ an. Die Familienholding nutzt zudem im bayerischen Promistandort Gr&uuml;nwald die besonders niedrige Gewerbesteuer. Von einer Luxemburger Briefkastenfirma bekam der Clan in den letzten Jahren Millionen-Dividenden ausgezahlt, berichtet die S&uuml;ddeutsche Zeitung, undsoweiter.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Diejenigen, die m&ouml;glichst wenig Steuern zahlen, kriegen die dicksten Staatshilfen &ndash; daf&uuml;r stehen bzw. fallen an vorderster Front Merkel, Altmaier, Scholz, von der Leyen. Die Reihen dahinter scheinen fest geschlossen. Ein Staat steht stramm. Schmierenkom&ouml;die.<\/p><p><strong>BlackRock: 160 Briefkastenfirmen f&uuml;r die Lufthansa-Aktien<\/strong><\/p><p>Wer die dicksten Staatshilfen kriegt, tr&auml;gt also dazu bei, dass der Staat auch in Zukunft immer weniger Steuereinnahmen haben wird. Und wer zahlt dann jetzt die Staats-Rettungs-Schulden zur&uuml;ck?<\/p><p>Die Bundesregierung verschuldet sich mit 128 Milliarden Euro, um die Unternehmen wie die Lufthansa, die schon vor der Pandemie auf die Rezession zugesteuert sind, zu retten, ohne Auflagen und ohne Mitbestimmung. Deutschland ist auch der gr&ouml;&szlig;te Schuldenmacher im zus&auml;tzlichen 750 Milliarden-Rettungspaket der Europ&auml;ischen Union. Die R&uuml;ckzahlung dieser Schulden ist weit in die schlechte Zukunft verschoben, soll 2028 beginnen und bis 2058 laufen &ndash; 30 Jahre lang.<\/p><p>Und womit will Deutschland seine vielen gro&szlig;z&uuml;gigen Rettungs-Schulden zur&uuml;ckzahlen? Mithilfe des Spekulanten Thiele? Mit mehr Steuern bei den anderen gro&szlig;en Steuerfl&uuml;chtlingen offensichtlich auch nicht. Die zart angedeutete &Uuml;berlegung, dass Staatshilfe nur an solche Unternehmen gehen darf, die keine Tochterfirmen in Finanzoasen unterhalten &ndash; das war schnell vom Tisch. Daf&uuml;r brauchten Thiele&amp;Co nicht mal mit der Wimper zu zucken.<\/p><p>Und nur mal als Beispiel, weil wir schon dabei sind, und was alles in der Tagesschau und im heute journal und in der FAZ und in der S&uuml;ddeutschen und im Staatsfunk Deutschlandfunk nicht vorkommt: Der Lufthansa-Mitretter BlackRock bzw. -Mitspekulant hat seine Lufthansa-Aktien auf 160 Briefkastenfirmen verteilt. Darin steckt das Kapital der superreichen BlackRock-Kunden, domiziliert in einem Dutzend Finanzoasen zwischen dem EU-Vorzeigestaat Luxemburg, Delaware und den Cayman Islands. Hier ein Ausschnitt aus der Liste:<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200629_LufthansaRettung-01.png\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200629_LufthansaRettung-01.png\" alt=\"\"><\/a><\/div><p>&Uuml;brigens: Die abst&uuml;rzende Lufthansa AG wurde wegen des schon vor der Pandemie abst&uuml;rzenden Aktienwerts endg&uuml;ltig aus dem DAX entfernt, dem Edelclub der 30 sch&ouml;nsten Aktiengesellschaften in Deutschland. Daf&uuml;r stieg der auch ansonsten mit Gewinnen und erh&ouml;hten Mieten aufsteigende Wohnungskonzern Deutsche Wohnen AG in den Club auf. Nur damit es nicht vergessen wird: Bei Deutsche Wohnen ist &uuml;brigens BlackRock auch Gro&szlig;aktion&auml;r.<\/p><p><strong>Lukrative Illusionen: Deutsche und europ&auml;ische Champions<\/strong><\/p><p>Auch die Europ&auml;ische Kommission hat dieser Lufthansa-Rettung schnell zugestimmt. Genauso wie den anderen lukrativen Schmierenkom&ouml;dien in der EU. So d&uuml;rfen der franz&ouml;sische und der niederl&auml;ndische Staat zusammen mit 10 Milliarden die &auml;hnlich abst&uuml;rzende Fluggesellschaft Air France\/KLM retten. Wo doch eigentlich die EU f&uuml;r die freie Marktwirtschaft eintritt und gegen staatliche Subventionen, in &Uuml;bereinstimmung mit dem liberalen L&uuml;genkonstrukt, in Wirklichkeit aber die gr&ouml;&szlig;te b&uuml;rokratisch gelenkte Staatswirtschaft darstellt.<\/p><p>Laut Branchenverband International Air Transport Association IATA pumpen westliche Staaten jetzt etwa 120 Milliarden Dollar in &bdquo;ihre&ldquo; Fluggesellschaften. Mit &auml;hnlichen Spekulanten und Praktiken. Die Trump-Regierung hilft den gro&szlig;en vier US-Fluggesellschaften mit 50 Milliarden Dollar. Ebenso setzen die heftigsten &bdquo;Globalisierer&ldquo; auch in Europa, die bundesdeutsche, die franz&ouml;sische und die niederl&auml;ndische Regierung und die Europ&auml;ische Kommission selbst, auf nationale und europ&auml;ische Champions.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Das ist verantwortungsloser Schwachsinn. Die Zeiten sind vorbei. Als der zweitgr&ouml;&szlig;te Flugkonzern Deutschlands, Air Berlin, k&uuml;rzlich insolvent war und kurzfristig auch mit Staats-Trara gest&uuml;tzt wurde und dann doch schnell verschwand: Hat es jemand gemerkt? Erinnert sich jemand? Die L&uuml;cke war schnell geschlossen.<\/p><p>Auch wenn die alten, teuren, nationalen, abst&uuml;rzenden Champions nicht gerettet werden, w&uuml;rden alle noch gew&uuml;nschten Fl&uuml;ge in kurzer Zeit wieder m&ouml;glich werden. Es besteht ein &Uuml;berangebot. Und wo doch jetzt sowieso weniger Leute fliegen, aus vielen Gr&uuml;nden: Weil viele Menschen jetzt und in Zukunft sowieso noch weniger verdienen, weil Umweltbewusstsein doch jetzt greift, weil Konzerne ihren Managern jetzt Video-Konferenzen verordnen, auch um die luxuri&ouml;sen und schwachsinnigen Inlandsfl&uuml;ge von Lufthansa, KLM&amp;Co einzusparen.<\/p><p>Aber nein: Auch die EU f&ouml;rdert die asozialen Privilegien der allerreichsten Kapitalisten, nicht mehr nur der einheimischen, sondern auch derer aus dem am heftigsten abst&uuml;rzenden, asozialsten Kapitalstandort. Kranke Gesundheitssysteme, kranke Wirtschaftssysteme: Alles wird fortgef&uuml;hrt. Allerdings digitalisiert. Was auch zu den allgegenw&auml;rtigen Gro&szlig;aktion&auml;ren von Google, Apple, Amazon, Facebook und Microsoft f&uuml;hrt: Ihr wisst schon, nicht wahr?<\/p><p>Nicht nur Deutschland braucht eine neue Regierung und neue Investoren, auch die Europ&auml;ische Union braucht das. &Uuml;berlebens-notwendig.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/d711d8d91b9643d1bfe3d3c0618b67ea\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p><p>Titelbild: Nate Hovee\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] &bdquo;Mir ist es Ernst mit der Lufthansa&ldquo;, FAZ 17.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Entscheidung f&uuml;r die Lufthansa, FAZ 22.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Das Drama um Lufthansa, Handelsblatt 22.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Die Optionen des Herrn Thiele, Handelsblatt 24.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. K&ouml;ln 2. aktualisierte Auflage 2020, S. 19ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Die etwas andere Mitarbeiterbeteiligung, S&uuml;ddeutsche Zeitung 26.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Der Angstgegner, Wirtschaftswoche 26.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Schwer zu bremsen. Wo der Selfmade-Milliard&auml;r und Investor Heinz Hermann Thiele sich einmischt, S&uuml;ddeutsche Zeitung 25.6.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Preis der Rettung, S&uuml;ddeutsche Zeitung 25.6.2020<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab 3. M&auml;rz 2020 kauften sich Spekulanten wie Heinz Hermann Thiele und noch ganz andere schrittweise in die abst&uuml;rzende Lufthansa AG ein. Mit ge&uuml;btem Gesp&uuml;r f&uuml;r das staatliche Pandemie-Management wussten sie, was dann passiert. Besch&auml;ftigte, Umwelt und Staatshaushalt werden belastet, Spekulanten belohnt. Verantwortungsvolle Umstrukturierung s&auml;he ganz anders aus und w&auml;re m&ouml;glich. Von <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62433\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":62434,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,136,132,73,30],"tags":[872,873,610,622,588,692,325,2915],"class_list":["post-62433","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-banken-boerse-spekulation","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-verkehrspolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-blackrock","tag-dax","tag-lufthansa","tag-morgan-stanley","tag-personalabbau","tag-rettungspaket","tag-staatsschulden","tag-thiele-heinz-hermann"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/shutterstock_1424762228.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62433","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62433"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62433\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62446,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62433\/revisions\/62446"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62433"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62433"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62433"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}