{"id":62491,"date":"2020-07-01T09:09:29","date_gmt":"2020-07-01T07:09:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62491"},"modified":"2020-07-02T07:41:29","modified_gmt":"2020-07-02T05:41:29","slug":"die-ermordung-von-jeremy-corbyn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62491","title":{"rendered":"Die mediale Ermordung von Jeremy Corbyn"},"content":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten haben in den letzten Jahren immer wieder &uuml;ber Jeremy Corbyn und die uns&auml;glichen Kampagnen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=corbyn-jeremy\">gegen diesen bemerkenswerten Politiker geschrieben<\/a>. Nun hat Corbyn &ndash; politisch leider postum &ndash; Sch&uuml;tzenhilfe von ungew&ouml;hnlicher Seite erhalten. In einem &auml;u&szlig;erst lesenswerten Artikel rekapitulieren Peter Oborne und David Hearst den medialen Mord an Jeremy Corbyn. Oborne und Hearst sind Urgesteine des britischen Journalismus &ndash; Oborne geh&ouml;rt sogar zu jenen konservativen Stimmen, aus deren Reihen der mediale Mord begangen wurde. Susanne Hofmann hat diesen Artikel, der im Original auf &bdquo;Middle East Eye&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/killing-jeremy-corbyn\">erschienen ist<\/a>, mit freundlicher Genehmigung der Autoren f&uuml;r die NachDenkSeiten ins Deutsche &uuml;bersetzt. Dabei sollte man auch immer im Hinterkopf behalten, dass auch die deutschen Medien die L&uuml;gen und Manipulationen der britischen Medien meist 1:1 &uuml;bernommen haben.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3011\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62491-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200701-Die-mediale-Ermordung-von-Jeremy-Corbyn-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200701-Die-mediale-Ermordung-von-Jeremy-Corbyn-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200701-Die-mediale-Ermordung-von-Jeremy-Corbyn-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200701-Die-mediale-Ermordung-von-Jeremy-Corbyn-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62491-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200701-Die-mediale-Ermordung-von-Jeremy-Corbyn-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200701-Die-mediale-Ermordung-von-Jeremy-Corbyn-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die mediale Ermordung von Jeremy Corbyn<\/strong><\/p><p>Der fr&uuml;here Labour-Chef wurde Opfer eines sorgf&auml;ltig geplanten und brutal durchgef&uuml;hrten politischen Attentats.<\/p><p>W&auml;hrend seiner gesamten parlamentarischen Laufbahn hat der sanftm&uuml;tige, aufreizend ruhige <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/topics\/jeremy-corbyn\">Jeremy Corbyn<\/a> immer starke Emotionen geweckt.<\/p><p>In den Augen seiner Gegner wird er als einer der <a href=\"https:\/\/www.politicshome.com\/news\/article\/the-worst-leader-ever-to-inspiring-hope-of-a-better-future-as-jeremy-corbyn-steps-down-we-asked-labour-politicians-what-his-legacy-will-be\">schlechtesten Labour-Parteivorsitzenden<\/a> in die Geschichte eingehen. Er ist daran gescheitert, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2020\/feb\/26\/labour-new-leader-unite-party-leadership-contest\">seine Partei zu einen<\/a>. Er sandte zu viele <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2019\/dec\/15\/jeremy-corbyn-brexit-labour-working-class\">widerspr&uuml;chliche Botschaften<\/a> zum Brexit aus, dem wichtigsten Thema seiner Zeit. Er hat sich nie um Labours <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/antisemitism-claims-have-one-goal-stop-corbyn-winning-power\">Antisemitismus-Problem<\/a> gek&uuml;mmert. Und bei den Parlamentswahlen erlitt er schlie&szlig;lich eine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2019\/dec\/13\/defeat-labour-support-unrecognisable-30-years-michael-foot\">katastrophale Niederlage<\/a>.<\/p><p>F&uuml;r eine so lautstarke wie leidenschaftliche Schar von Bewunderern steht Corbyn daf&uuml;r, dass er die Anzahl der Parteimitglieder <a href=\"https:\/\/theconversation.com\/huge-rise-in-labour-membership-figures-show-corbyns-strength-63563\">verdreifacht<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2017\/may\/22\/jeremy-corbyn-labour-anti-austerity-manifesto\">Austerit&auml;t verbannt<\/a>, den Diskurs des politischen Mainstreams nach links verschoben und eine wirklich radikale Alternative zum Sumpf des post-industriellen Kapitalismus pr&auml;sentiert hat.<\/p><p><strong>Wahrhaftiger Journalismus<\/strong><\/p><p>Wir sind keine Corbyn-Anh&auml;nger.<\/p><p>Keiner von uns ist ein Labour-Parteimitglied, ja, einer von uns hat als Politikredakteur und Kommentator f&uuml;r den <a href=\"https:\/\/www.spectator.co.uk\/\">Spectator<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/\">Daily Telegraph<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/home\/index.html\">Daily Mail<\/a> gearbeitet, drei Bollwerke politischer Meinungsmache im Sinne der Tories. Uns beiden liegt sorgf&auml;ltiger, ehrlicher Journalismus am Herzen. Wir beide sch&auml;tzen als britische B&uuml;rger die Tradition von Fair Play und Anstand.<\/p><p>Aus diesem Grund sind wir davon &uuml;berzeugt, dass es jeden etwas angeht, welches Bild die britischen Medien von Corbyn w&auml;hrend der vier Jahre seines Parteivorsitzes gezeichnet haben.<\/p><p>Corbyn war nie die monstr&ouml;se Figur, als die man ihn dem britischen Volk hingestellt hat. Er war nie Marxist. Er war nicht versessen darauf, den westlichen Kapitalismus zu zerst&ouml;ren. Er war Sozialist. Auch war er kein Antisemit, daf&uuml;r gibt es keine stichfesten Beweise, was nicht hei&szlig;t, dass wir ihn vom Vorwurf falscher Entscheidungen freisprechen, die zum Beispiel darin bestanden, sich als einfacher Abgeordneter in verschiedenen Internetforen getummelt zu haben.<\/p><p>Er war auch keine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2019\/aug\/21\/jeremy-corbyn-divisive-broken-politics-labour-leader\">polarisierende Figur<\/a>, was so viele seiner Gegner vom rechten Fl&uuml;gel gegen ihn ins Feld f&uuml;hrten.<\/p><p>Politischer Mord<\/p><p>Eines von Corbyns Problemen bestand vielmehr darin, dass er mit seinen internen Feinden zu sanft umging, als er 2015 versuchte, die Labour-Partei nach seiner &uuml;berraschenden Wahl zum Vorsitzenden zu einen. Er war ein unvollkommener Politiker, der Fehler machte.<\/p><p>Er besa&szlig; aber auch pers&ouml;nlichen Anstand und Authentizit&auml;t, was man inmitten der tausenden verleumderischen Attacken, die in der Presse und in den Medien &uuml;berhaupt gegen ihn lanciert wurden, kaum honoriert hat. Darum hielten wir es f&uuml;r wichtig, das <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/jeremy-corbyn-labour-interview-transcript-full\">erste gro&szlig;e Interview<\/a> mit Corbyn seit seinem R&uuml;cktritt als Labour-Vorsitzender am 3. April dieses Jahres zu f&uuml;hren.<\/p><p>Wir wollten ihm eine Chance geben, seine Sicht der Geschichte zu erz&auml;hlen, was ihm als Labour-Chef weitgehend verweigert wurde. Wir wollten au&szlig;erdem eine finstere Wahrheit ans Licht bringen; Corbyn fiel einem sorgsam geplanten und brutal ausgef&uuml;hrten politischen Attentat zum Opfer.<\/p><p>Man hat ihm nie eine Chance gegeben. Weder das Gros der Labour-Fraktion und viele Beamte, von denen einige, wie wir jetzt erfahren, heftiger gegen ihren gew&auml;hlten Parteichef <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/how-top-labour-officials-plotted-bring-down-corbyn\">k&auml;mpften<\/a> als gegen die Tory-Regierung. Noch hochrangige Pers&ouml;nlichkeiten, die mit dem britischen Staat in Verbindung stehen, einschlie&szlig;lich <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-7718615\/Jeremy-Corbyn-danger-national-security-warns-former-MI6-chief.html\">ehemaliger Spionagechefs<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/uk\/politics\/british-army-could-stage-mutiny-under-corbyn-says-senior-serving-general-10509742.html\">Milit&auml;roffiziere<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.thetimes.co.uk\/edition\/news\/jeremy-corbyn-too-frail-to-be-pm-fears-civil-service-9398m903t\">Beamter<\/a>, die es alle viel besser h&auml;tten wissen sollen.<\/p><p>Nehmen wir zum Beispiel die Behauptung, dass Corbyns Strategiechef <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/truth-about-seumas-milne-jeremy-corbyn-and-new-mccarthyism\">Seumas Milne<\/a> in Regierungsfunktion keine Unbedenklichkeitserkl&auml;rung bekommen w&uuml;rde, weil er mit Putin &bdquo;auf vertrautem Fu&szlig;&ldquo; war.<\/p><p>Der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdienstes MI6, Sir Richard Dearlove, <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-6738171\/Corbyns-closest-aide-national-security-risk.html\">sagte<\/a> der Mail on Sunday: &bdquo;Man w&uuml;rde niemanden mit einem vergleichbaren Hintergrund auch nur in die N&auml;he vertraulicher Informationen lassen. Das k&auml;me nicht in Frage.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Das bedeutet, dass Corbyn die Urteile und Entscheidungen, die ein Premierminister treffen muss, nur treffen kann, wenn er ihn nicht mehr zurate zieht.&ldquo; Dearloves Nachfolger beim MI6 und ehemaliger Vorsitzender des Joint Intelligence Committee, Sir John Scarlett, war ein Jahr, ehe Milne ging, <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/truth-about-seumas-milne-jeremy-corbyn-and-new-mccarthyism\">&bdquo;auf du und du&ldquo; mit Putin<\/a> und nahm seine Gastfreundschaft im Valdai-Club an.<\/p><p>Einer von uns trank in einer Bar in Moskau ein Gl&auml;schen mit einem extrem entspannten Scarlett, der sein Gespr&auml;ch mit Putin und seinen Freunden offensichtlich genoss.<\/p><p><strong>Unwahrheiten und falsche Darstellungen<\/strong><\/p><p>Eine L&uuml;ge nach der anderen wurde Tag f&uuml;r Tag, Monat f&uuml;r Monat &uuml;ber Corbyn verbreitet. In den vergangenen vier Jahren haben sich nur wenige Journalisten darum geschert, ihre Arbeit zu machen, also Behauptungen auf Fakten zu &uuml;berpr&uuml;fen und fair &uuml;ber ihn zu berichten.<\/p><p>In unserer <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/tom-bower-book-dangerous-hero-jeremy-corbyn-labour-leader-truth\">Rezension<\/a> von Tom Bowers Buch &bdquo;Ein gef&auml;hrlicher Held&rdquo; haben wir einen Mischmasch von Unwahrheiten und falschen Darstellungen untersucht und aufgedeckt. Dabei wurde das Buch als wichtige Biographie des Labour-Chefs von Harper Collins, einem der bedeutendsten britischen Verlage, ver&ouml;ffentlicht.<\/p><p>Wir haben aufgezeigt, wie Bower ein Treffen mit dem <a href=\"https:\/\/prc.org.uk\/\">Palestinian Return Centre<\/a> PRC falsch darstellte. Bower warf dem PCR vor, eine Gruppe zu sein, die die Schuld des Holocausts den Juden gab. Niemand, der mit dem PCR zu tun hat, hat jemals eine solche Ansicht ge&auml;u&szlig;ert, das hat eine Untersuchung unter der Aufsicht der <a href=\"https:\/\/publications.parliament.uk\/pa\/ld201617\/ldselect\/ldprivi\/142\/14205.htm\">Commissioner for Standards<\/a> (Commissioner for Standards: aktuell Lucy Scott-Moncrieff &ndash; sie &uuml;berwacht die Einhaltung des Verhaltenscodex im britischen Oberhaus; Anmerkung der &Uuml;bersetzerin) dargelegt.<\/p><p>Der Verlag Harper Collins und Autor Bower erkl&auml;rten sich damit <a href=\"https:\/\/prc.org.uk\/en\/post\/4148\/harper-collins-and-tom-bower-withdraw-false-and-defamatory-allegations-against-the-prc\">einverstanden<\/a>, die Behauptung nicht zu wiederholen. Die Mail on Sunday, die Bowers Buch als gro&szlig;angelegte Serie ver&ouml;ffentlichte, zog die Behauptung zur&uuml;ck und entschuldigte sich. Der entscheidende Punkt hier ist, dass solche Behauptungen kaum Bestand haben, wenn die Aussicht besteht, dass sie vor Gericht von Richtern, die sich an Fakten und Beweisen orientieren, ordentlich und in einem korrekten Verfahren gepr&uuml;ft werden.<\/p><p>Sir <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/labour-keir-starmer-chance-become-uk-prime-minister\">Keir Starmer<\/a>, ausgebildeter Rechtsanwalt, bitte beachten Sie: Ein rechtm&auml;&szlig;iges Verfahren ist unerl&auml;sslich. Davon war in den vergangenen vier Jahren in der Partei, deren Vorsitzender Sie nun sind, nicht die Rede. Wir haben gezeigt, wie Bower Corbyns Umgang mit dem National Health Service NHS <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/tom-bower-book-dangerous-hero-jeremy-corbyn-labour-leader-truth\">falsch dargestellt<\/a> hat. Er berichtet, dass der Streik der Assistenz&auml;rzte im Jahr 2016, den die British Medical Association BMA organisiert hatte, &bdquo;unter der Kontrolle von Momentum (Momentum: politische Bewegung in Gro&szlig;britannien zur Unterst&uuml;tzung Jeremy Corbyns und seiner Positionen; Anmerkung der &Uuml;bersetzerin) gestanden h&auml;tte.&ldquo;<\/p><p>Sowohl die BMA als auch Momentum <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/tom-bower-book-dangerous-hero-jeremy-corbyn-labour-leader-truth\">bestritten<\/a> dies. Die BMA sagte, &bdquo;es gibt keinerlei Beweise, dass dies der Fall war.&ldquo; Bower hat jedenfalls sicherlich keine vorgelegt. Wir haben gezeigt, wie Bower eine Konfrontation zwischen dem Labour-Aktivisten Marc Wadsworth und der Labour-Abgeordneten Ruth Smeeth bei der Vorstellung von Shami Chakrabartis Antisemitismus-Bericht im Juni 2016 falsch dargestellt hat.<\/p><p>Dies war ein anderer Vorfall, auf den die Medien sich st&uuml;rzten, um Corbyn zu attackieren. Bower schreibt, &bdquo;Wadsworth fuhr sie an, dass sie nicht nur &sbquo;Hand in Hand&lsquo; mit den rechten Medien zusammenarbeite, indem sie mit dem Journalisten sprach, sondern dass sie auch J&uuml;din sei&ldquo;.<\/p><p>Der kurze Vorfall wurde per Video aufgezeichnet. In dem Material sagt Wadsworth nirgends, dass Smeeth j&uuml;disch sei. MEE hat mit zwei Augenzeugen dieser Veranstaltung gesprochen, beide haben bekr&auml;ftigt, dass Wadsworth zu keinem Zeitpunkt gesagt habe, dass Smeeth j&uuml;disch sei.<\/p><p><strong>Gegen jede Form von Rassismus<\/strong><\/p><p>Als die Wahl drohend n&auml;her r&uuml;ckte, haben gro&szlig;e Teile der Presse <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/coronavirus-boris-johnson-hasnt-played-churchill-chamberlain\">Boris Johnson<\/a>, Corbyns Tory-Gegner, als nationale Figur und als Retter der Nation dargestellt.<\/p><p>Dies war &ndash; wie die Nation jetzt auf die harte Tour lernt &ndash; eine ebenso schlimme <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/whether-its-kashmir-islam-or-antisemitism-tories-are-weaponising-ethnic-fear-beat-labour-india\">L&uuml;ge<\/a> wie alles, was &uuml;ber Corbyn erz&auml;hlt wurde. Es ist eine seltsame Ironie, wie sie das Leben manchmal so hervorbringt, dass sich Johnson, im Gegensatz zu Corbyn, in der Tat schuldig gemacht hat, kr&auml;nkende antisemitische Stereotype in die Welt gesetzt zu haben.<\/p><p>Eine Gruppe j&uuml;discher Akademiker und Aktivisten <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/politics\/2019\/dec\/11\/boris-johnsons-record-of-bigotry-antisemitism-and-far-right-politics-must-not-be-forgotten\">wies darauf hin<\/a>, dass einer von Johnsons Romanen eines der b&ouml;sartigsten antisemitischen Stereotype ins Feld f&uuml;hrte, als er &bdquo;j&uuml;dische Oligarchen&ldquo; beschreibt, die, in den Worten der Wissenschaftler, &bdquo;die Medien beherrschen und mit Zahlen tricksen, um die Wahlen in ihrem Sinne zu beeinflussen&ldquo;.<\/p><p>Wie uns Corbyn sagte, und wir halten ihn darin f&uuml;r aufrichtig, ist Antisemitismus ein &Uuml;bel, das in der britischen Gesellschaft viel zu lange toleriert und akzeptiert wurde. Es ist allerdings nicht die einzige Form von Rassismus, die in politischen Kreisen geduldet wird. Der Kampf gegen diese Gei&szlig;el sollte weder parteipolitisch sein, noch sollte der Kampf gegen Rassismus auf Rassismus gegen Juden beschr&auml;nkt sein.<\/p><p>Rassismus gegen jedwede religi&ouml;se Minderheit ist inakzeptabel in unserer Gesellschaft, und aus diesem Grund sollte Islamophobie ebenso leidenschaftlich aufgesp&uuml;rt und bek&auml;mpft werden, wenn sie auftritt. Die beiden Kampagnen sollten Hand in Hand gehen, im Gleichschritt.<\/p><p>Tun sie aber nicht.<\/p><p><strong>Lynchmob-Justiz<\/strong><\/p><p>Eine andere Ironie besteht darin, dass Johnson, als er die Wahl gewonnen hatte, eine Reihe von Corbyns politischen Ideen umsetzte, die er zuvor als nicht praktizierbar abgelehnt hatte.<\/p><p>Seit er Premierminister ist, hat Johnson auf geplante Unternehmenssteuersenkungen <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/politics\/2019\/nov\/18\/boris-johnson-to-shelve-planned-cut-in-corporation-tax\">verzichtet<\/a>, er hat angek&uuml;ndigt, Northern Rail zu <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/42a20344-429b-11ea-abea-0c7a29cd66fe\">verstaatlichen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/0acabafa-1f4c-11ea-b8a1-584213ee7b2b\">100 Milliarden Pfund<\/a> in Infrastrukturprojekte zu stecken.<\/p><p>Traditionell hat das, was in der Zeitung steht, in Gro&szlig;britannien ein weitaus gr&ouml;&szlig;eres Gewicht als beil&auml;ufige Bemerkungen in einer Kneipe oder am Arbeitsplatz. Es ist schwer vorstellbar, wie ein anst&auml;ndiger Mensch, der viel Zeitung liest oder die Berichterstattung der letzten Jahre mitbekommen hat, je f&uuml;r Jeremy Corbyn h&auml;tte stimmen k&ouml;nnen.<\/p><p>In der Tat &auml;u&szlig;erte sich Corbyn entsprechend in seinem <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/jeremy-corbyn-labour-british-media-campaign-destroy\">Interview<\/a> mit MEE und stellte fest, dass die Berichterstattung so feindselig gewesen sei, dass selbst er &bdquo;nicht in derselben Stra&szlig;e leben m&ouml;chte&ldquo; wie der Mann, &uuml;ber den er in einigen britischen Zeitungen gelesen hatte. Die Medien lie&szlig;en jede Form von Objektivit&auml;t oder Faktenpr&uuml;fung fahren, die sie f&uuml;r fast alle anderen anwenden.<\/p><p><strong>Ankl&auml;ger wurden zu Richtern, Geschworenen und Henkern<\/strong><\/p><p>Es gab kein rechtm&auml;&szlig;iges Verfahren, keine unabh&auml;ngige Pr&uuml;fung von Fakten, kein Aufschieben des Urteils, bis die Tatsachen aufgedeckt wurden. Innerhalb von Sekunden wurde der Vorwurf zur neuen Realit&auml;t. Dies war Lynchmob-Justiz.<\/p><p>Der Mob setzte sich durch. Corbyn ist wieder dort, von wo aus er seinen seltsamen Weg begann, er ist wieder Abgeordneter, der in North Islington und auf den Hinterb&auml;nken hoch angesehen ist. Seine Verb&uuml;ndeten wurden aus den vorderen R&auml;ngen verbannt.<\/p><p>Doch diese Episode sollte uns alle betroffen machen, die sowohl an Mittel glauben als auch an Ziele. Die einfache Frage, die sich jeder Abgeordnete jeglicher politischen Couleur stellen sollte, lautet: Was w&uuml;rde er tun, wie sich f&uuml;hlen, wenn dieselbe Taktik gegen ihn angewendet w&uuml;rde? Sie w&uuml;rden dagegen als Foulspiel aufbegehren. Und damit l&auml;gen sie ganz richtig.<\/p><p>Diese Art von Mob-Politik bedroht die Demokratie selbst, denn ohne wahrheitsgem&auml;&szlig;en und ehrlichen, &ouml;ffentlichen Diskurs machen sich dunkle M&auml;chte bemerkbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten haben in den letzten Jahren immer wieder &uuml;ber Jeremy Corbyn und die uns&auml;glichen Kampagnen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=corbyn-jeremy\">gegen diesen bemerkenswerten Politiker geschrieben<\/a>. Nun hat Corbyn &ndash; politisch leider postum &ndash; Sch&uuml;tzenhilfe von ungew&ouml;hnlicher Seite erhalten. In einem &auml;u&szlig;erst lesenswerten Artikel rekapitulieren Peter Oborne und David Hearst den medialen Mord an Jeremy Corbyn. Oborne und Hearst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62491\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,198,183,189,11],"tags":[1843,1561,2297,1544,1560,2582,359],"class_list":["post-62491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-medienkritik","category-parteien-und-verbaende","category-strategien-der-meinungsmache","tag-brexit","tag-corbyn-jeremy","tag-johnson-boris","tag-kampagnenjournalismus","tag-labour-party","tag-offener-brief","tag-parteistroemungen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62491"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62521,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62491\/revisions\/62521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}